Nr. 105 Erstes Matt
181. Jahrgang
Mittwoch, 6. Mai <931
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Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein und für den Anzeigenteil Max Filler, sämtlich in Bietzen.
LhmaMsichemeBerfassung
Don unserem ^.-Berichterstatter.
Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!
Tientsin, Ende April 1931.
Als Ende vorigen Jahres In Nanking Tfchiang- kaischeck, der Staatspräsident, und T s ch a n g Hsue Liang, der Generalissimus der Mandschurei, sich nach dem soeben beendigten Bürgerkriege trafen, sah man dieser Zusammenkunft in ganz China mit großer Spannung — allerdings auch mit ebenso großem Mißtrauen entgegen. Jedenfalls wagte niemand zu hoffen, daß diese Konferenz tatsächlich das Ende der Wirren bringen würde. Man befürchtete pielmehr, daß sich die beiden jungen Feldmarschälle entzweien, oder daß mindestens das Kompromiß, den sie beide schließen wollten, auf ihre Anhänger einen schlechten Einfluß ausüben würde. Die Einigung, die trotz aller dieser Befürchtungen zustande kam, und die eine Einberufung der verfassunggebenden N a t i o n a l - Versammlung für den 5. Mai 1931 vorsah, wurde daher mit großer Skepsis ausgenommen und nur wenige wagten zu hoffen, daß dieser Vertrag China den endgültigen inneren Frieden bringen werde.
Wenn man jetzt, nachdem fast ein halbes Jahr seit der Konferenz von Nanking verstrichen ist, kurz bevor die Nationalversammlung Zusammentritt, die Lage Chinas überblickt, so muß man jedoch zugeben, daß all die Propheten aus jener Zeit unrecht behalten haben. Gewiß ist es zu Konflikten gekommen, und auch jetzt ist ein Jdealzustand durchaus noch nicht erreicht. Aber die große Bereinigung ist durch die Nankingkonferenz doch erzielt worden, und die Stellung der beiden Feldmarfchälle ist in der Zwischenzeit durchaus nicht schlechter geworden. Tschiangkaischek hat zwar Huhan- min, eines der ältesten und angesehensten Mitglieder der Kuomintang, etwas plötzlich ausschiffen müssen, weil dieser sich der Einberufung der Nationalversammlung widersetzen wollte, aber seine Regierung hat deswegen nicht Schiffbruch gelitten. Im Gegenteil, man kann wohl sagen, daß sie durch diesen Akt sich auch viele Anhänger erworben hat. Im Norden hat Tschang Hsue Liang zwar mit seinen Generälen Schwierigkeiten gehabt, und die Frage der Verminderung der Truppen ist nicht ohne Konflikte vor sich gegangen, aber die Mandschurei, deren Abfall man befürchtet hatte, ist treu zu ihm gestanden, sy daß er schließlich aller Schwierigkeiten Herr geworden ist.
Dagegen sind inzwischen unerwartete außenpolitische Schwierigkeiten ausgetreten, die man in Nanking besonders deswegen so unangenehm empfindet, weil man sie beseitigt haben muß, um mit einem Erfolg vor die Nationalversammlung treten zu können. Der alte Kampf um b i e Vorrechte der Ausländer in China, die Frage, ob die verschiedenen Niederlassungen bestehen bleiben sollen und alles was damit zusammenhängt, sind aufs neue akut geworden, da die Verhandlungen der Zentralregierung bisher.zu keinem Erfolg geführt haben. China wünscht bekanntlich, daß diese Sondervorrechte für die Ausländer samt und sonders verschwinden. Damit sind jedoch die betroffenen Mächte durchaus nicht ohne weiteres einverstanden. England, Frankreich, Japan und 2(merifa, die bei der Neuregelung der Verhältnisse viel zu verlieren haben, sind durchaus dagegen, daß die Dinge schlagartig geändert werden. Am konziliantesten ist noch England, das aus den Erfahrungen vergangener Jahre gelernt hat, was ein Boykott englischer Waren bedeuten kann und das daher zu weitgehenden, wenn auch nach chinesischer Ansicht nicht ausreichenden Konzessionen bereit ist, während Japan und Frankreich bislang stur an einer Reihe von Rechten festhielten, die ihren Staatsbürgern zustehen.
Die chinesische Regierung übt daher seit mehreren Monaten einen starken Druck auf die betroffenen Mächte aus, um sie zum Nachgeben zu zwingen. Der Außenminister Wang hat in mehreren großen Reden darauf hingewiesen, was China alles an Modernisierung auf dem Gebiete der Rechtspflege geleistet habe und hat nicht ungeschickt die kleineren Staaten gezwungen, eine Erklärung abzugeben, wonach diese der geplanten Neuregelung keinen Widerstand entgegensetzen werden. Aber das hat nichts genützt. Wang hat sich daher gezwungen gesehen, anzudrohen, daß China einseitig die Sondervorrechte aufheben werde, wenn die Mächte sich nicht zu einer Abänderung bequemten, eine Drohung, die naturgemäß die Lage nicht erleichtert hat.
Das aber wieder ist für die Regierung deswegen so unangenehm, weil von der Frage der Ausländer- rechte bis zu einem starken Grade die Sanierung des Landes abhängt. Daß auch im chinesischen Staatswesen die Ausgaben größer sind als die Einnahmen, nimmt in einer Zeit der Krise nicht weiter wunder. Schlimmer ist jedoch, daß d i e chinesische Währung, eine Silberwährung, so schlecht geworden ist. Das Silber ist in seinem Werte so sehr gesunken, daß der chinesische Außenhandel und damit auch die Zölle, die eine Haupt- einnahmequelle der Regierung bilden, stark gelitten haben, so daß die Regierung gezwungen ist, über kurz ober lang größere Verhandlungen mit dem Auslande zu führen, fei es, um den Silber- preis zu stabilisieren ober eine große Ausländsanleihe hereinzunehmen. Beides ist aber wieder nicht möglich, solange China nicht frei in seinem Gebiet verfügen kann, und solange es mit seinen Rechten gerade In den wertvollsten und erschlossensten Gebieten seines Landes behindert ist. Die Frage der Währungsreform hängt also auf das engste mit der Frage der Ausländervorrechte zusammen, deren Beseitigung je länger um so mehr als unabweislich empfunden wird.
Das Defizit im Reichshaushalt.
Der Hanfabund fordert sofortiges Handeln
Jeder Tag der Verzögerung vergrößert die sozialen Notstände.
Berlin. 5. Mai. (CAB.) Das Präsidium des Hansabundes für Gewerbe, Handel und Industrie trat unter Vorsitz des Präsidenten Dr. Hermann Fischer, M. d. R., in Berlin zu einer eingehenden Aussprache über die wirtschaftspolitische Gesamtlage zusammen. Heber das Ergebnis der Besprechungen teilt der Hansa- bund folgendes mit: Einstimmig bekannte sich das Präsidium zu der Aotwendigkeit, den Kampf für die freie Marktwirtschaft und gegen jeglichen Kollektivismus und Sozialismus mit größter Energie weiterzuführen. Hinsichtlich der nächsten Aufgaben der Reichsregierung betonte das Hansabundpräsidiurn einmütig, daß die Lieberwindung von Wirtschaftsnot und Arbeitslosigkeit nur dann gelingen könne, wenn auf dem Wege umfassenden öffentlichen Aufgabenabbaus, streng st er Sparsamkeit, sowie der Auflockerung der die Erstarrung des deutschen Wirtschaftskörpers verursachenden Wirt- schaftsgesehe die Gestehungskosten der deutschen Wirtschaft gemindert und die aufbauenden Wirtschaftskräfte zu freier Entwicklungsfähigkeit zurückgeführt werden. Durch Wiederherstellung der Rentabilität und Elastizität der Wirtschaft sind neue Arbeitsmöglichkeiten zu schaffen und die Arbeitslosenmassen wieder in den Wirtschaftsapparat einzugliedern. Das Präsidium des Hansabundes ist sich darüber einig, daß die Reichsregierung mit größter Beschleunigung handeln muß. Die außerordentlich schwierige Lage der öffentlichen Finanzen, die unmittelbare Gefährdung jeder weiteren sozialen öffentlichen Leistung vertrage keinerlei taktische politische Rücksichtnahme. Jeder Tag der Verzögerung vergrößert die sozialenAvt- stände und mindert die Möglichkeiten wirksamer Hilfsmaßnahmen. 3n allen verantwortlichen Kreisen muß man sich darüber klar werden, daß jetzt nur noch sehr radikale Einschnitte in den Kreis t v öffentlichen Aufgaben und in den bisherigen Umfang der Arbeitslosenversicherung zu helfen vermögen, nachdem man allzu lange versäumt hat, die öffentlichen Leistungen mit dem Gesamtertrag der deutschen Wirtschaft wieder in Einklang zu bringen. In der Vertagung des weiteren Regierungsprogramms auf den Monat Juni erblickt das Hansa-Bund-Präsidium eine besondere Erschwerung der wirtschaftspolitischen Gesamtlage. Es fordert daher mit aller Eindringlichkeit sofortige Bekanntmachung der wei- terenRegierungspläne, darüber hinaus aber vor allem sofortiges durchgreifendes Handeln der Reichsregierung.
Die Rückwirkung auf die Länderfinanzen.
Württemberg kürzt alle sachlichen und vermischten Ausgaben um 10 Prozent.
Stuttgart. 5. Mai. (WTD.) Im württem- bcrgischen Landtag machte Finanzminister Dr. D e h l i n g e r die Mitteilung, daß sich die Finanz-
Man kann also geradezu behaupten, daß Erfolg ober Mißerfolg ber Nationalversammlung weitgehend davon abhängen werden, was die Regierung auf außenpolitischem Gebiet erreicht. Denn selbstverständlich bietet die Aufgabe, dem nun wieder geeinigten China eine endgültige Verfassung zu geben, so viele Schwierigkeiten, daß die Regierung einer besonders starken Position bedarf, um sich durchsetzen zu können. So stark die militärische Stellung Tschiangkaischeks ist, so reichen doch eben Truppen allein nicht aus, um die Verwaltung eines solchen Riesenreiches wie China sicherzustellen, wenn das Staatswesen nicht über ausreichende Mittel verfügt.
Man kann daher gespannt darauf fein, wie sich die Verhältnisse weiterentwickeln werden, da selbstverständlich infolge des Zusammentreffens aller dieser Dinge auch die Möglichkeit besteht, daß es zu neuen Krisen kommt. Anscheinend rechnen die ausländischen Mächte, die von ber Neuregelung ber Sonbervorrechte am meisten betroffen werben, auch bereits bamit, um bann ihre Forderungen möglichst leicht durchbrücken zu können, währenb anber- seits Tschiangkaischek und die ihm ergebene Kuomintang hofft, daß ber Appell an bas Nationalgefühl ausreichen wirb, um bie Schwierigkeiten zu meistern. Das alte Spiel in China, das zu so vielen Intrigen Anlaß gegeben hat, kann somit von neuem beginnen, wenn nicht in letzter Minute doch die eine ober anbere Macht ein Einsehen hat unb sich rechtzeitig ben großen Markt sichert, den China noch immer barstellt.
Tschiangkaischek eröffnet den Rationalkonvent.
R a n t i n g, 5. Mai. (WTD.) Heute vormittag tourte hier der Dolkskonvent eröffnet, dem angesichts der in Südchina um sich greifenden Bewegung gegen Tschiangkaischek be
lege des Reiches, der Länder und der Gemeinden aufs neue bedrohlich verschärft habe. Die Einnahmeschähungen seien beim Reich viel zu hoch gewesen. Die Länder erlitten dadurch große Verluste, und die Ausfälle für Württemberg allein betragen etwa 14 bis 16 Millionen. Der effektive Minoerertrag gegenüber dem Voranschlag des Rechnungsjahres 1931 werde 10,3 Mill. Mk. betragen und müsse gedeckt werden. Dies könne nur durch Einschränkung der Ausgaben geschehen. Die Regierung wolle deshalb alle Ausgaben sachlicher und vermischter Art um 10 Prozent kürzen.
Das Rezept des „Vorwärts".
Die Sozialdemokratie tritt für neue Steuercrhöhungen ein.
Berlin, 5. Mai. (TU.) Im „Vorwärts" beschäftigt sich ber Reichstagsabgeordnete Hertz mit ber Finanzlage des Reiches, ber Länder unb ber Gemeinden, bie sich aufs neue in bedrohlicher Weife verschärft habe. So ernst die Finanzlage auch sei,- so wenig bestehe Anlaß, an der Möglichkeit zur Uederwindung der neuen Schwierigkeiten zu verzweifeln. Es wird darauf hingewiesen, daß die Mehrausgaben so gut wie gar nicht gesenkt worden seien. Hier bleibe für die Regierung Brüning ein schweres Versäumnis nachzuholen. Damit allein könne aber der neue gewaltige Fehlbetrag nicht gedeckt werden. Die Sozialdemokratie stehe seit langem auf dem Standpunkt,
daß — wenn es keine andere Wahl gebe, als die Einschränkung der Soz i a 1 ausgaben ober die Erhöhung der Steuern — das letztere als das kleinere Hebel zu wählen fei, selbst wenn es sich dabei um Steuern handle, die auch die breiten Massen träfen. Außer Steuererhöhung gebe es immer noch den Weg der Kreditbeschaffung, die heute erhöhte Bedeutung habe. Wenn man diese drei Wege: Ersparnisse, Steuererhöhungen unb Kreditmaßnahmen ginge, ließe sich ber größte Teil ber finanziellen Nöte über» roinben, ohne bie sozialen Ausgaben anzugreifen. Ergreife man aber diese Maßnahmen nicht, so geschehe es weniger aus sachlichen als aus politischen Gründen, dann wolle man die Notlage und Schwäche der Massen benutzen, um den Sozialabbau zu erzwingen. Ein solches Vorgehen müsse unabsehbare Folgen haben. Die Politik des letzten halben Jahres habe gezeigt, daß die Sozialdemokratie für fachliche Notwendigkeiten immer Verständnis gehabt habe. Politische Angriffe aber, die fachlich nicht notwendig seien, würden bei ihr auf stärksten Widerstand stoßen.
Welche Wendung! Während die Regierung sich mit der bürgerlichen Mitte ernsthafte Mühe gibt, den Schwierigkeiten im Etat und in der Wirtschaft durch rücksichtslose Sparmaßnahmen beizukommen, entpuppt sich ganz plötzlich ein überraschender Steuerfanatismus bei der Sozialdemokratie. In der Betrachtung des Abg. Hertz wird gleich eine Musterkollektion von neuen Steuern der Regierung zur Auswahl
DieReichsbahn unter derTribullast
Die Bilanz für 1930. - Eine bedenkliche Entwicklung.
Berlin, 5. Mai. (WTB.) Die Deutsche Reicksbahngesellschaft legt nunmehr ihren Abschluß für das Geschäftsjahr 1930 vor. Der Rückgang des Güter - und Kraftverkehrs führte zu einer Verminderung der Einnahmen um 783,5 Millionen Mark oder 14,63 Prozent. Bei der Größe des Rückschlags bedurfte es außergewöhnlicher Maßnahmen, um Einnahmen und Ausgaben im Einklang zu halten. Der. Ausfall an Einnahmen konnte mit 403,2 Millionen Mark auf der Ausgabenseite unmittelbar eingespart werden. Da die Reichsbahn ferner nach der Entwicklung des Gesetzes nicht mehr genötigt war, die Ausgleichsrücklage aufzufüllen, so ergibt sich eine Verminderung der Ausgaben der Betriebsrechnung unb der Sollposten in der Erfolgrechnung von 493,8 Millionen Mark. Hierdurch allein konnte indes keine volle Deckung herbeigeführt werden. Es mußte daher der in früheren Jahren angesammelte Vortrag von 178,9 Millionen Mark geopfert und außerdem zur Deckung die Niederschlagung von Reichskrediten in Höhe von 660 Millionen Mark herangezogen werden. Der Reingewinn von 104 044 409 (254 613 933) Mark wird zur Zahlung der satzungsmäßigen Dorzugsdividende von 7 Prozent in Anspruch genommen, während der Rest von 28,37 Millionen Mark der auf Grund der Novelle zum Reichsbahngesetz neugeschaffenen Dividendenrücklage zugewiesen wird. Diese erreicht damit den Betrag von 78,37 Millionen Mk., womit die Dividende für die ausgegebenen Vor
zugsaktien im Jahre 1931 bereits jetzt gesichert erscheint. Nach den Ausführungen im Geschäftsbericht hat die Reichsbahn, politische Lasten in Höhe von 1228 Mi11.Mark zu tragen. Dieser Betrag ist so hoch, daß selbst in günstigen Wirtschaftszeiten keine Mittel bereitgestellt werden können, um die Rückstände in der Unterhaltung und Erneuerung nachzuholen; noch weniger gestatten sie, die notwendigen Rücklagen für schlechtere Zeiten zu bilden. Im neuen Jahr war im April erstmalig kein Abfall mehr zu beobachten. Ob in den nächsten Monaten mit einem Aufstieg zu rechnen sei, könne noch nicht beurteilt werden. Die Ausgabenseite erfuhr durch die Senkung der Gehälter und Löhne, teilweise auch durch Preissenkung der Materialien eine gewisse Erleichterung, die aber nicht allzu hoch zu veranschlagen sei. Da für 1930 weder ein Viortrag zur Verfügung steht, rwch mit einer Reichshilse wie im Vorjahr gerechnet werden kann, sieht die Verwaltung der nächsten Bilanz mit sehr großer Sorge entgegen. Sie hofft, daß die Selbsthilfemahnahmen, die sie auf dem Gebiete der Kraftwagenbekämpfung (Schenker-Vertrag, K-Tarife) eingeleitet hat, dazu führen werden, daß eine gewisse Verbesserung der Einnahmen eintreten und insbesondere keine weitere Abwanderung zum Kraftwagen erfolgen wird. In absehbarer Zeit werde die Reichsbahn mit einem Betrage von etwa 200 Mill. Mark an den Geldmarkt her an treten.
sondere Bedeutung zukommt, da die Vertreter von Kanton auf dem Konvent die Absicht haben, Tschiangkaischek scharf anzugreifen. Als Tschiang- kaischek heute die Rednertribüne bestieg, wurde ihm allerdings eine stürmische Huldigung zuteil. Er erstattete zunächst einen ausführlichen Bericht über die Tätigkeit der Regierung seit der letzten Konferenz und gab dann einen Ueberblick über die Lage der Welt, wobei er besonders auf die Fortschritte der Sowjetregierung in den letzten Jahren hinwies und den bemerkenswerten Erfolg des Fünfjahresplans hervorhob. Tschiangkaischek empfahl, dem Werk der Sowjetregieruiig besondere Aufmerksamkeit zu schenken, indem man die Verkehrsmittel und die Industrie an den Grenzen von Chinesisch-Turkestan unb der Mongolei fördere.
Die Spionenjagd in Frankreich.
Paris, 6. Mai. (CAD.) Die Agentur Ha» vas berichtet jetzt über die Vernehmung des Spions Paul, der am 28. April in Paris verhaftet wurde und dessen richtiger Aame von der Pariser Polizei noch nicht ermittelt werden konnte. Es wurde ihm von dem Untersuchungsrichter vorgehalten, daß ein Marseiller Kommu- n i st namens Diovini angegeben habe, Paul hätte sich ihm als russischer Divisivns- general vorgestellt, der in Polen kommandiert habe und hätte ihm einen Fragebogen übergeben, in dem Auskünfte über wichtige Marineverhältnisse verlangt wurden. Aach dem Gutachten des französischen Marineministeriums handelt es sich um die Ermittlung von Dingen, die im Interesse der Landesverteidigung geheimgehalten werden mußten wie etwa die Küstenabwehrmittel, die Torpedos, der Unterseekwotschuh, der Versand von Kriegsmaterial nach ßettlanb und Polen. Der Verhaftete soll in Abrede stellen, den ihm borgelegtert
Fragebogen entworfen zu haben. Der Untersuchungsrichter hat darauf angeordnet, daß eine Schriftuntersuchung durch Sachverständige borge* nvmmen werden soll. Die weiteren Fragen des Untersuchungsrichters zu beantworten, soll der angebliche Paul abgelehnt haben.
Unter dem Verdacht des Landesverrats.
Schneidemühl, 5.Mai. (SU.) Der staatliche Polizeidirektor in Schneidemühl teilt mit:
Ein im Kreise Flatow tätiger polnischer Geistlicher, welcher Vorstandsmitglied des Landesverbandes des Polenbundes ist, erhielt kürzlich von einem Unbekannten aus Aeuste11in einen Brief, worin ihm 1 andes - verräterisches Material zur Verwertung angeboten wurde. Der betreffende Geistliche übergab dieses Schreiben der zuständigen Polizeibehörde. Die sofort von Schneidemühl eingeleiteten Ermittlungen führten zu dem Ergebnis, daß das Angebot von dem Führer der SA. der Ortsgruppe Aeustettin der ASDAP., Otto Braah, stammte. Bei der Aachsrage nach den für ihn eingegangenen Postsendungen wurde Braatz in Aeustettin von einem Beamten der Geschäftsstelle IA der hiesigen staatlichen Polizeidirettion fest genommen. Bei feiner Vernehmung muhte Braah zu geben, den fraglichen Brief an den Geistlichen geschrieben zu haben. Demnach dürfte sich Braah des Landesverrats schuldig gemacht haben. — Wie hierzu noch verlautet, handelt es sich bei dem polnischen Geistlichen um den Minderheitenführer Pfarrer Domanski. Braah ist Kutscher in Aeustettin und soll angeblich aus Aot an den Polenführer herangetreten sein, um durch seine Handlungsweise Geld zu erhalten.


