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Rüstungen zu Lande und zu Wasser eingeschränkt. Wenn sich 60 Staaten im kommenden Jahre in Genf vereinigten, so werde es in ihrer Macht liegen, der Welt Vertrauen einzuflößen. Die französischen Vertreter würden ihre Pflicht nicht ver­säumen. Sie wüßten, was das Land von ihnen erwarte. Wenn sich die Möglichkeit biete, gewisse internationale Sicherheitsfragen wiederaufzurollen, so würde Frankreich diese Gelegenheit nicht vorüber­gehen lassen.

Nach diesen Ausführungen Briands, die mit großem Beifall ausgenommen wurden, nahm das Haus die beiden l^sehe?vorfchläge an.

In politischen Kreisen behauptet man, daß die von Briand in seinen letzten Parlanrentsreden an­geschlagenennationalen Töne" darauf berechnet seien; die rechtsgerichteten Kreise der Kammer und des Senats für seine Präsidentschafts- landidatur zu gewinnen. Der Außenminister sei sich darüber klar, daß die Neuwahlen im Jahre 1932 eine parlamentarische Zusammen­setzung ergeben könnten, die sein Fernbleiben am Quai d'Orsay möglicherweise erschweren würde. Gerade die Linke besitze in Paul-Bon­cour und H e r r i o t zwei ehrgeizige Kandidaten für den Außenministerposten und bei der Rechten erfreue sich Briand nur geringer persönlicher Beliebtheit. In seinem Alter sei es verständlich, wenn er sich einen guten Abgang in das höchste Amt der Republik schaffen wolle. Bei der französischen Präsidentenwahl wird eine vor­herige offizielle Kandidatur überhaupt nicht auf­gestellt. Erst bei der Eröffnung der National­versammlung in Versailles gibt der Vorsitzende, das heißt der Präsident des Senates, bekannt, wer für das Präsidentenamt kandidiert.

Oie Aufführung

derAffäre Oreyfus" eingestellt.

Paris, 5.Nrärz. (WTD.) Die Direktion des Theaters Ambigu, in dem zur Zeit das Stück Die Affäre D r e y f u s" gegeben wird, hat gestern die Aufführung bis auf weiteres abge­sagt, well zwei Frontkämpservereini- g u n g e n Protestaktionen in verschiedenem Sinne angeLndigt haben. Der Verband der Frontkämp­ferFeuerkreuz" (eine Gründung des Par- fumeriefabrikanten C o t y, einer nationalistifchen und deutschfeindlichen Tendenz folgend) hat Kund­gebungen gegen die Aufführung dieses Stückes angekündigt. Der Allgemeine Verband ehemaliger Frontkämpfer verwahrt sich nun dagegen, daß die VereinigungFeuerkreuz" die Vertretung der Auffassung der Frontkämpfer überhaupt für sich in Anspruch nehme. Ilm einen Zusammenprall dieser beiden Tendenzen im Thea­ter zu vermeiden, wurden die Vorstellungen abge­sagt. DieAction frangaise jubiliert und erklärt, daß die Kundgebungen ihrer Anhänger das Stück zu Fall gebracht hätten.

Der Reichsrat entscheidet über das Gefrierfleischkontingent.

Rückverweisung an den Reichstag wahrscheinlich.

Berlin, 5. März. (VdZ.) Das Inkrafttreten der Reichstagsbeschlüsse über die Gefrier­fleischeinfuhr und über die Aufhebung des Drotgesetzes hängt bekanntlich noch von der Zustimmung des Reichsrates ab. Beide Gesetzentwürfe sind nachträglich auf die Tagesordnung der Aeichsratssitzung am Samstag gesetzt worden, in der auch die Osthilfe verabschiedet wird. Wenn der Reichsrat gegen die Beschlüsse des Reichstages Einspruch ein­legt, gehen diese an den Reichstag zu­rück, der sie mit Zweidrittelmehrheit bestätigen muß, die aber voraussichtlich nicht vorhanden sein wird.

Das thüringische Kabinett hat den Reichsratsbevollmächtigten angewiesen, im Reichsrat gegen das vorn Reichstag beschlos­sene Gesetz über die Einfuhr von 50 000 Tonnen Gefrierfleisch Einspruch einzulegen, da zu befürchten sei, daß durch diese Einfuhr die ohnehin schon sehr niedrigen Viehpreise zum schweren Nachteil der deutschen Landwirtschaft noch weiter herabgedrückt würden.

Jagd auf Jnduflriefpione.

Von Gert Gatttvih.

Der Werkspionageprozeh, der augenblick­lich in Berlin verhandelt wird, rührt an eins der trübsten Kapitel der neuesten Wirtschaftsgeschichte. Unser Mitarbeiter hat die mahgebenden Organisationen über den Umfang und die Abwehr dieser außer­ordentlichen Gefahr befragt.

Es war vor 150 Jahren. James Watt hatte die Dampfmaschine erfunden und damit das Zeit­alter der Maschinenkultur eingeleitet. In Preu­ßen hörte Friedrich der Große von der genialen Konstruktion des Engländers, und im Jahre 1783 sandte der preußische König den Oberbergrat Freiherrn von Eschen und den Dergassespr Bück­ling über die Nordsee, um jenseits des Kanals die neue Dampfmaschine zu prüfen. Die Eng­länder waren vorsichtige Leute und hatten es verstanden, französische Techniker von ihrer kost­baren Maschine fernzuhalten. Aber den Deut­schen glückte ihr Versuch, und am 23. August 1785 konnte im Mansfeldschen Bergbaugebiet die erste Dampfmaschine auf deutschem Boden in Betrieb genommen werden. Sie leistete etwa 108 Pferde­kräfte und erhielt den schönen NamenFeuer­maschine".

Industriespionage hat es also zu allen Zeiten gegeben. Nur hielt man es in früheren Jahr­hunderten für selbstverständlich, für tüchtig und für lobenswert, gerade das zu tun, was heute international als ehrenrührig gilt. Die Staaten standen sich damals kriegsbereiter und rauflustiger im Wirtschaftlichen gegenüber. Es gab ja noch kein internationales Patentrecht, und man konnte sich eine in Deutschland gemachte Erfindung nicht ohne weiteres in Frankreich oder in Amerika schützen lassem Der Begriff des Diebstahls ist erst sehr spät auf geistiges Eigentum ausgedehnt worden. Heute wissen wir, daß fremde Patente geachtet werden müssen und wenn diese Pa­tente nicht sehr wertvoll sind, pflegt man sich gewöhnlich auch an diese Vorschrift zu halten. Aber gerade die wertvollsten Erfindungen läßt man jetzt nicht mehr patentieren, weil man damit dem Konkurrenten im Inland oder im Ausland nur einen Hinweis für die Nachahmung bietet. Der Wettbewerber wird sich regelmäßig hüten,

Der Etat her hessischen Landesswlzei.

Darm stad t, 5.März. Der Finanzausschuß verabschiedete den Etat derPolizeiundGen- darmerie. Alle im Ausschuß vertretenen Fraktionen erkannten an, daß der Staat in der Polizei ein absolut' zuverlässiges und schlag­fertiges Instrument besitze und die Tätigkeit der Polizei uneingeschränktes Lob verdiene. Wolle man diesen Zustand aufrechterhalten, dann müß­ten wesentliche Abstriche am Polizei­etat unterbleiben. Zum Problem der Unterbringung der Polizei-Versorgungs­anwärter verlangte das Zentrum die Schaf­fung einer zentralen Dormerkstelle im Innen­ministerium. Von volksparteilicher Seite wurde betont, daß die Dormerkstelle in der Praxis wohl nicht viel helfen werde. Wichtig sei vor allem, dafür zu sorgen, daß diejenigen Gemeinden, die Dersorgungsanwärter einstellen wollten, da­durch keine Mehrbelastungen zu tragen hätten. Es müsse den Gemeinden ein Anreiz geboten werden, indem sie bei der Einstellung von Der- sorgungsanwärtern nicht mehr, sondern weni­ger zu zahlen hätten. Hierdurch werde mit der Zeit die restlose Unterbringung der Versor­gungsanwärter im Kommunaldienst gewährleistet.

Landbund und Nationalsozialisten beantragten, den Sitzgemeinden die vollen Ko st en für die Ortspolizei aufzuerlegen. Don volks­parteilicher Seite wurde demgegenüber darauf hingewiesen, daß eine derartige Regelung im Augenblick eine Unmöglichkeit sei. Man könne von den Städten nicht einen vollen Ersatz der Kosten fordern, da ja der Staat die Zahl der Polizeibea mten fest setze. Immer­hin sei der Finanzausgleich zuungunsten der Landgemeinden nicht zu billigen.

Innenminister Leuschner

dankte für das einmütige Lob, daß die Polizei­beamten angesichts ihrer außerordentlich anstren­genden Tätigkeit in den letzten Monaten auch verdienten. Mit Rücksicht auf diese besonderen Derhältnisse habe die Regierung den Exekutiv­beamten beim Desoldungsabbau einen Aus­gleich von monatlich sechs Mark gewährt. Die Polizei trete den radikalen Elementen in völliger Ruhe gegenüber und verfahre in jeder Weise objektiv, was daraus hervorgehe, daß sie auch Nationalsozialisten und Kommunisten dort, wo es nötig gewesen sei, wiederholt geschützt habe. Das werde ihr allerdings häufig nicht gedankt. Radikale Elemente beschimpften und bespuckten die Beamten, was man in Zukunft nicht mehr

ruhig ansehen werde. Die Polizei könne ihre schwere Aufgabe nur bewältigen bei best­möglicher Ausbildung, zu der auch sportliche Hebungen gehörten. Hier marschiere Hessens Polizei an der Spitze. Dier Polizei­meisterschaften hätten hessische Po ize.beamte ge­wonnen. Sie stellten die beste Reitermannschaft und verzcichncten glänzende Erfolge im Tum- und Kraftsport. 25 Beamte seien als Segel­flieger geschult. Für die geistige Fortbildung der Beamten werde sehr viel getan. Eine des - sere Ausstattung der Gendarmerie mit Lehrmitteln habe begonnen. Auch das Landeskriminalpolizeiamt habe sich um die fachliche Ausbildung Der Beamten große Verdienste erworben. Der viel kritisierte Sonder- dienst sei für die körperliche Ertüchtigung not, wendig gewesen. Bis zu einem gewissen Grade sei sein Zweck heute erreicht. Es seien bereits Erleichterungen eingetreten und weitere seien vorgesehen.

Der Minister lehnte den Lastenabwälzungs- antrag des Landbundes als undurchführbar und sachlich nicht gerechtfertigt ab.

Oie studentische Mensur.

Ein demokratischer Vertreter forderte mit Bezug aus den tödlichen Ausgang einer Studentenmensur in Darmstadt in sehr scharfen Formulierungen, daß die Polizei in Zu­kunft allen derartigen Veranstaltungen mit größter Energie entgegentrete. Auch ein Zen­trumsmitglied sprach sich im gleichen Sinne aus. Von volksparteilicher Seite wurden die Ausführungen des demokratischen Sprechers als überspitzt zurückgewiesen, und der Minister nach­drücklich davor gewarnt, sich auf eine Bahn drängen zu lassen, auf der Baden Schiffbruch er­litten habe. Preußen sehe ebenfalls von Maßnahmen ab, die nur eine Politik der Nadelstiche darstellten. Innenminister Leuschner erklärte, daß Hessen allein die Mensurfrage nicht regeln könne und er die von ihm geforderten weitgehenden Maßnahmen nicht unternehmen wolle.

Mit sechs gegen fünf Stimmen bei zwei Ent­haltungen wurde beschlossen den Versorgungs­anwärtern, die nach Ablauf der Uebergangs- gebürnisse noch keine Einberufung erhalten chaben, noch den gleichen Grundsätzen wie bei der Reichs­wehr aus den Versorgungsgebürnissen eine entspre­chende Unter st ützuna auf jeweils drei Monate fortzugewähren. Der Landbundantrag auf Aende- rung des Polizeilastenausgleichs wurde abgelehnt.

Das Gtahlhelmvolksbegehren in Preußen zugelaffen.

Berlin, 5.Mär;. (TU.) Der Stahlhelm teilt mit: Auf den vom Stahlhelm, Bund der Jrontfol- daten, durch über 42 000 Stimmberechtigte gestellten Antrag auf Einleitung eines Volksbe­gehrens zwecks Auflösung des Preu­ßischen Landtages hat der preußische Mi­nister des Innern, S eoertng, dem ersten Bun- desführer des Stahlhelms, Franz Seldte, unter dem 4. März 1931 mitgeteilt, daß er die Auslegung von Eintragungen ff en für ein Volksbe­gehrenLandlag-Auflösung" bei den Gemeindebe­hörden zugelassen hat. Die Bekanntmachung der Zulassung wird am 10. März im Deutschen Reichs- und Preußischen Staatsanzeiger veröffent­licht. Der Landeswahll^iter ist der Präsi- deut des Preußischen Statistischen Landesamte», Geh. Reg.-Rat Dr. S t e n g e l e r, sein Vertreter der Vizepräsident dieses Amtes, Dr. h o e p k e r.

Australiens Finanznoi.

Die Banken gegen die JnflaiionsPolitik des Arbcitcrkadinetts.

London, 5. März. (TH.) Die australischen Banken haben zu dem finanziellen Reorgani- sationsplan des australischen Finanzministers

das Patent zu verletzen er wird es umgehen. Die Schwierigkeit besteht darin, ein Patent so anzumelden, daß alle Hmgehungsversuche von vornherein scheitern müssen. Da das nicht leicht ist, hat es z. D. der deutsche Chemietrust vor­gezogen, in vielen tausend Fällen auf das Patent zu verzichten und lieber für strengste Geheim­haltung des Fabrikationsprozesses zu sorgen.

Alle Vorsichtsmaßregeln, bestimmte Verfahren geheimzuhalten, Verlagen jedoch, wenn es ein zäher und reicher Gegner darauf abgesehen hat, diesen Fabrikationsprozeß herauszubekommen. Der Regierungsrat Walther Fischer, der jetzt als Vertreter des Verbandes Berliner Metall­industrieller an einem großen Werkspionage­prozeß teilnimmt, hat darüber wertvolle Angaben gemacht. Er hat z. B. mitgeteilt, daß die Flucht von vier technischen Beamten einer deutschen Fabrik unter Mitnahme wichtiger Aufzeichnungen über Fabrikationsmethoden nordamerikanische Industrielle in die Möglichkeit verseht hat, Deutschlands Ausfuhr in dem betreffenden Ar­tikel um jährlich etwa 50 Millionen Mark zu schmälern. Die Fälle, in denen der Spion seinen Zweck erreicht, werden der Oeffentlichkeit gewöhn­lich nicht bekannt, weil das bestohlene Werk seinen Schaden nicht noch vergrößern will. Wie häufig Industriespionage ist, zeigen die bekannt ge­wordenen vereitelten Versuche.Wenn durch Ab­fangen der Verräter holländischen und schwedi­schen Interessenten die Herstellung von Wolfram­draht und damit die Herstellung bestimmter Lam­pen mißlungen ist", sagt Regierungsrat Fischer, so blieb damit der deutschen Lampenfabrikation eine große Ausfuhrmöglichkeit erhalten. Der ge­plante Verrat der Maschinerrzeichnungen für ein Verfahren zur Zersetzung von Kalkstickstoff hätte es England erlaubt, unsere Ausfuhr sehr zu schä­digen. Ein Aufseher einer deutschen Pulver­fabrik stahl zehn geheime Betriebsberichte. Vor der Hebergabe dieser Dokumente an einen fran­zösischen Agenten erfolgte die Verhaftung. Einem andern Spion wurden hundert Quedlinburger Farbrezepte abgenommen, als er sie an einen Ausländer verkaufen wollte. Ein Fabrikmeister und dessen Gehilfe erhielten neun Monate Ge­fängnis, als sie versuchten, chemische Rezepte für hunderttausend englische Pfund, also für zwei Millionen Mark, an eine englische Firma zu verkaufen." Dies sind nur ein paar Beispiele aus der Fülle ähnlicher Verbrechen, die nach­gewiesen wurden.

ihre Unter ft ü^ung versagt, da sie die Ausgabe von 18 Millionen Pfund Papiergeld als Inflation betrachten, mit der sie sich nicht einverstanden erklären können. Sie ver­langen von der Regierung zunächst energische Einschränkung der Ausgaben und Ausgleich des Haushalts, ehe das Ver­trauen wieder hergestellt werden könne. Die Re­gierung von Neu-Südwal es hat die für die Kriegsanleihe fälligen Zinszahlungen in Höhe von 600 000 Pfund nicht an die Staatsbank abgeführt und zwar in Hebereinstimmung mit der Politik des Minister­präsidenten Lang, der sich weigert, die Zin­sen für die Kriegsschulden zu zahlen, solange deren Bedingungen wesentlich schlechter sind als die des englisch-amerikanischen Schuldenabkom­mens.

Oer Prinz von Wales in Lateinamerika.

Die britische Wirtschaft und Argentinien.

London, 5. März. (TU.) Der Prinz von Wales ist im Flugzeug in Mar bei Plata eingetroffen. Er wird im Lause des heutigen Donnerstag nach Buenos Aires, dem Ziel seiner Reise, weiter­fliegen, wo er b i e englische Jndustrieaus- stellung eröffnen soll. Diesem Ereignis mißt die Londoner Presse große Bedeutung bei. Sie weist darauf hin, daß England ungefähreinehalbe Milliarde Pfund (etwa 10 Milliarden

Die chemische Industrie ist naturgemäß am meistere der Spionage ausgesetzt. Da die deutschen Chemiker besonders tüchsige Leute sind, versucht die chemische Industrie aller Länder, den deut­schen Betrieben ihre Geheimnisse abzulauschen. Man schreckt dabei vor keinem Mittel zurück. Oft wird versucht, Angestellle zu bestechen, und ebenso oft bietet man Werkmeistern oder Inge­nieuren in Konkurrenzunternehmen hochbezahlte Stellungen an. Die zuletzt genannte Methode ist nicht einmal strafbar. Jeder hat das Recht, die Kenntnisse, die er in einem Betrieb gewonnen hat, an anderer Ställe wieder zu verwerten. Nur darf er keine Photographien mitnehmen, keine Zeichnungen anfertigen, keine Kundenliften steh­len. Aber was das Gehirn aufnimmt, darf von einer Stellung in die andere übernommen wer­den. Bei dem Prozeß, der augenblicklich vor dem Schöffengericht Berlin-Mitte verhandelt wird, geht es Darum, ob drei Angestellte, die früher in einer Berliner Fabrik beschäftigt waren, unb dann zur Konkurrenz nach Düsseldorf gingen, nicht bloß ihre Kenntnisse verwerteten, sondern darüber hinaus Tabellen. Rezepte und andere Fabrikationsgeheinmisse der fremden Firma aus­lieferten. Der Prozeß ist von grundsätzlicher Bedeutung. Er ist deshalb schwer zu führen, weil die gesetzlichen Bestimmungen in Deutschland sehr lückenhaft sind und weil das Gesetz über den unlauteren Wettbewerb, dessen Bestimmungen heute veraltet sind, die Geheimverfahren nur sehr ungenügend schützt.

Noch auf andere Weise sucht man, die Ge­heimnisse fremder Betriebe zu erforschen. Wenn es nämlich nicht gelingt, einen Angestellten zu bestechen oder für die Konkurrenz zu verpflichten, so strebt man wenigstens danach, einer Führung durch den fremden Betrieb beizuwohnen. Nun sind bekanntlich die deutschen Industriellen in dieser Beziehung weit vorsichtiger, als die Ame­rikaner, die bedenkenlos Fremde in ihren Werken Herumlaufen lassen. Hm in eine wichtige deutsche Fabrik hineinzukommen, muß man schon große Empfehlungen mitbringen. Bei einem Spazier­gang durch ein fremdes Werk kann außerdem selbst der Fachmann nur wenig sehen, was ver­borgen bleiben soll. Aber wenn der fachlich ge­schulte Spion bei einer solchen Besichtigung an eine Maschine gelangt, die wichtig ist, ober einen Blick auf eine geheime Tabelle werfen kann, so ist es ihm zwar nicht möglich, alle Einzelheiten im Kopf zu behalten, doch kann eS ihm unter

Mark) in Argentinien investiert habe, daß aber seit den« Kriege die oorherrichende Stel­lung Englands an Amerika verloren gegan gen sei. Die englischen Kapitalinoestierungen feien von 31 d. $). im Jahre 1913 auf 19,14 o. H. gefallen, während die amerikanischen von 14,7 o. $). auf 25,4 v. H. gestiegen feien. Die Ausfuhr Argen t i n i e n 5 nach Großbritannien betrage 80 Millionen Pfund (1,6 Milliarden Mark) jährlich während es nur für 30 Millionen Pfund (600 Millionen Mark) von England kaufe. Der Zweck der englischen Industrieausstellung sei, hier eine Besserung zu schaffen.

Kleine politische Nachrichten.

Reichskanzler Dr. Brüning hat anläßlich des 100. Geburtstages desGründersderBethel- Anstalten, Pastor von Bodelschwingh, an feinen Sohn, den jetzigen Leiter Der Anstalten, ein persönliches Schreiben gerichtet und darin der großen Verdienste seines Vaters gedacht.

Durch Anordnung des thüringischen Volksbil- dungsministers Dr. Frick wurde die Aufführung des TonfilmsDie Dreigrofchenoper" nach dem gleichnamigen Theaterstück für das Land Thüringen vorläufig verboten. In der Begründung zu dieser Maßnahme miftr gefagt, daß der Film das religiöse Empfinden verletze und im übrigen entsittlichend wirke. Bei der Oberprüfstelle wurde der Antrag gestellt, die Zulassung des Filmes zu widerrufen.

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Die katastrophalen Finanzverhältnisse bei der Stabt Berlin haben den Oberpräsibenten veranlaßt, in eine Nachprüfung der Gehälter- der Beamten unb Angestellten einzutreten, oll deren Ergebnis jetzt von der Aufsichtsbehörde eine Herabsetzung der Gehäller bei über 40 000 Beamten und Angestellten in monatlicher Höhe von über 2 Millionen Mark gefordert wird, und zwar sollen die Beamten der Stadt zu hoch eingruppiert sein und jetzt auf d i e Gehalts­sätze der Staatsbeamten zurückge- sührt werden. Die Stadtverordnetenversamm­lung nahm indessen einstimmig einen sozialdemo­kratischen Antrag an, der sich gegen die Pläne einer Aeuderung der Dearntenbesoldungsordnunp. wendet. Der Magistrat soll etwaigen Versuchen, die wohlerworbenen Rechte der Beamten zu be­schneiden, Widerstand entgegensetzen.

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Die türkische Nationalversammlung hat die Aus löfung des Parlaments beschlossen. Die Neuwahlen werden unverzüglich stattfinden. Auf Grund der türkischen Verfassung machen die Neu­wahlen zum Parlament auch eine Neuwahl M u st a p h a Kemals zum Präsidenten der Republik notwendig.

Aus aller Welt.

Eine Harnack-Feier in Athen.

In der Aula der Athener Hniversität fand eine Gedenkfeier für den berühmten deutschen- Theologen Adolf von Harnack statt. An der Feier nahmen u. a. teil der orthodoxe Erz­bischof von Athen, der deutsche Gesandte Dr. v. Kardorff, Professor Dr. Dörpfeld unb zahlreiche Professoren. Professor Ali- vizatos hielt die Festrede, in der er die Verdienste des Ehrendoktors der Hniversität Athen, Harnack, eingehend schllderte. Die Feier stellte eine hervorragende Ehrung der deutschen Wisienschaft dar.

Ueberschwemmnngen in der Schweiz.

Heftige Regensälle und starke Schneeschmelze haben in einigen Gegenden der Schweiz größere ueberschwemmungen verursacht. Im Kan­ton Schaffhausen sind ganze Landflächen in Seen verwandelt. Das gleiche Bild bietet der Kan­ton Aargau. Viele Straßen sind durch lieber- fluten unbefahrbar geworden, und der Kraftwagen­verkehr der Post mußte bis auf wenige Linien ein­gestellt werden. Der an den Kulturen angerichtete Schaden ist groß. In der Zentralschweiz und im Berner Oberland hat sich die Lawinen­gefahr erhöht. Bei Grindelwald wurde dio Strecke der Berner Oberlandbahn verschttet. Im Kanton Glarusist ein Zug durch niedergegangene Lawinen an der Weiterfahrt behindert.

Hmstänben gelingen, rasch ein Bild anzufertigen. Es gibt heute photographische Apparate, die iu einem Mantelknopf verborgen werben könnend Sie liefern winzige Bilber, die aber sehr scharf sind unb sich gut vergrößern lassen. Große deutsche Werke schützen sich vor diesen unan­genehmen Kunstwerken ber Optik dadurch, baß sie ihre Besucher am Schluß der Führung in ein Zimmer sehen, dessen Lampen ultraviolette Strah­len aussenben. Diese Strahlen durchdringen alles, auch die Metallkassette des Filmpacks, und be­lichten das Filmband gleichmäßig.

Zu den Besuchern, die leider nicht abgewiesen werden durften, gehörten in dem Jahre nach dem Krieg vor allem die Mitglieder der interalli­ierten Kontrollkommission, die überall Zutritt hatten, um die Ausführung des Friedensver- träges zu überwachen. Man weiß heute, daß besonders von den Franzosen mancher Ingenieur in Offiziersuniform gesteckt wurde, um deutsche Betriebsgeheimnisse zu erfahren. Der englische Generalstabshauptmann Vivian Stranders hat mitgeteilt, was aus manchen Kommissions- Mitgliedern später geworben ist. Da gab es z. B. einen Hauptmann Taylor, der Mitglieb ber Kommission zur Vernichtung des deutschen Funk­geräts wurde und dann eine Fabrik für draht­loses Gerät in England eröffnete. Ein raffinierter Fall von Werkspionage ereignete sich auch im Flugzeugbau. Eines Tages lockte man fünf deutsche Ganzmetall-Junkers-Flugzeuge nach Warschau, beschlagnahmte sie dort, lieferte sie französischen Technikern aus und begann bann in Frankreich mit dem Dau entsprechender Appa­rate für die französische unb die polnische Armee. Die bald darauf erfolgte Aufhebung der Be­schlagnahme konnte den Schaden natürlich nicht wieder gut machen. Aehnliche Fälle lassen sich in großer Zahl anführen. Sie zeigen, daß auch heute noch Mißtrauen im Wirtschaftsleben oberste Pflicht ist, denn die Spionage erstreckt sich nicht allein auf den Verrat militärischer Geheimnisse.

Sochfchulnachnchten.

In der rechts- und wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Hniversität Jena ist der a. o. Pro­fessor Dr. Franz W. Jerusalem zum persön­lichen ordentlichen Professor ernannt worden, ©ein Lehrauftrag umfaßt: Allgemeine Sozio­logie, Staats- und Rechtssoziologie, Völkerrecht und die Hilfswissenschaften des öffentli^m Rechts.