schlage von rechts eingegangen seien. 2a, glauben Sie denn, daß wir, dem Geheimrat Hugenberg folgend, eine neue Inflation herbeiführen wollen? Seine Vorschläge der Inlandwährung bedeuten doch eine neue Inflation. Wer, wie Sie (nach rechts) dem Reich die nötigen Mittel versagt, der lehnt damit auch die Hilfe für den deutschen Osten ab. Ich kenne den deutschen Osten ebenso gut wie Sie und weih, dah hinter den Demonstranten nicht die Mehrheit der Devölke- iung des deutschen Ostens steht. Mit solcher 'Agitation erreichen Sie (zu Dr. Kleiner) nichts für Ihre Partei, sondern ©ie erreichen damit nur, dah die Massen entweder dorthin (zu den Rationalsozialisten) oder dorthin (zu den Kommunisten) gehen. (Lebhafter Beifall in der Mitte.)
Fortsetzung der Beratung Freitag.
Einigung über die Aufhebung der Immunität.
Berlin, 6. Febr. (CRB.) Im Reichstag ist in interfraktionellen Besprechungen der hinter der Regierung stehenden Parteien beschlossen worden, alle Anträge auf Verweigerung der Genehmigung zur Strafverfolgung von Abgeordneten an einem der nächsten Tage im Plenum zu verhandeln. Der Abgeordnete der Bayerischen Volkspartei Dauch wird beantragen, diese Anträge generaliter abzu lehnen. Auherdem wird vom Abgeordneten Kardorff (Deutsche Volkspartei) beantragt werden, dah alle Anträgeder Strafbehörden auf Aufhebung der Immunität restlos bewilligt werden. Für beide Anträge ist bereits eine Mehrheit im Reichstag geschaffen, weil die Sozialdemokratische Partei, obwohl auch einige Mitglieder von ihr von den Immunitätsaufhebungsonträgen betroffen werden, den Beschlüssen der Mittelparteien bei treten und für die Anträge Dauch und Kardorff stimmen werden. Die sozialdemokratische Reichstagsfraktion hat auch beschlossen, alle Abänderungsanträge zur Geschäftsordnung zu unterstützen.
Freiwilliger Arbeitsdienst für Landeskultur.
Berlin, 5. Febr. (TU.) Die Arbeitsgemeinschaft für Landeskultur veranstaltete eine Kundgebung für den freiwilligen Arbeitsdienst. In seiner Begrüßungsansprache betonte Oberpräsident a. D. von Datocki, dah man die Frage des öffentlichen Arbeitsdienstes nicht theoretisch vom grünen Tisch aus, sondern nur durch praktische Versuche in zunächst kleinem Rahmen lösen könne. Die Ruybar - machung der Millionen von Morgen deutschen Bodens, die infolge ihrer Ain» brauchbarkeit niemals hätten bewirtschaftet werden können, sei für das übervölkerte Deutschland Lind für die inländische Kapitalkräftigung von allergröhter Bedeutung. Das gelte für Die gegenwärtige Zeit des Rückganges unsever Kaufkraft, es werde aber erst recht dann gelten, wenn nach der zu erhoffenden Lleberwindung der Wirtschaftskrise die Kaufkraft des deutschen Volkes sich wieder heben werde. Die Einsetzung des öffentlichen Arbeitsdienstes für die Ausweitung der Produktionskraft des landwirtschaftlichen Bodens sei daher vom Absatz- standpunkt, im Gegensatz zu fast allen anderen Produktionsgruppen, nicht nur möglich, sondern angesichts unserer wirtschaftlichen Gesamtlage sogar erf o r derlick. Prof.sch ö pke betonte, es komme jetzt vor allem daraus an, der Arbeitsdienstbewegung, für die keinesfalls das Prinzip der Freiwilligkeit durchbrochen werden dürfe, die ' Dege zu öffnen, indem der Reichstag ein Rahmengesetz für den freiwilligen Arbeitsdienst beschließe.
Asch wird Berliner Stadtkämmerer.
Frankfurt a. M., 5. Febr. Es kann nunmehr als sicher angenommen werden, dah der Frankfurter Stadtkämmerer Asch aus den gleichen Posten in Berlin berufen wird, und dah Stadtrat Asch diesem Rufe folgen wird. In der letzten Magistratssitzung hat Oberbürgermeister Dr. Landmonn bereits zum Ausdruck ge
bracht. dah der Frankfurter Haushaltsplan für das Iahr 1931 der letzte vom bisherigen Kämmerer vorgelegte Etat sein wird. Im September 1920 wurde Asch in Höchst a. OIL zum besoldeten Stadtrat gewählt, im Februar 1923 wurde er Bürgermeister und als solcher nach wenigen Monaten von der französischen Besatzung verhaftet, zu einer Gefängnisstrafe verurteilt und nach deren Derbühung aus dem besetzten Gebiet audgetoiefen. Im Iuni 1924 konnte Bürgermeister Asch nach Höchst zurück- kehren. Im Oktober 1926 wurde er nach Frankfurt zum Stadtkämmerer als Rachfolger Professor Bleichers berufen.
Die berliner Stadtverordnetenversammlung aufgeflogen.
Handgemenge zwischen den radikalen Fraktionen.
Berlin, 5. Febr. Die Berliner Stadtverordnetenversammlung ist heute abend unter einer allgemeinen Prügelei a u f g e f I o gen. Während eines Handgemenges zwischen Kommunisten I und Rationalsozialisten muhte der Vorsteher Haß •
Hernots Meinung.
„Zu kompliziert und daher gefährlich."
Paris, 5. Febr. (ENB.) Der Vorschlag des Grafen d'Ormesfon, Deutschland und Frankreich sollten sich gemeinsam in Washington um die Herabsetzung der Slricgslaften bemühen, hat in sranzösi- schen politischen Kreisen Ausrnerksamkeit erregt, j) c r r i o t nimmt heute in der „Ere Nouvelle" zu dem Vorschlag Stellung. Herriot erklärt: Deutschland i (t krank, das ist eine Tatsache. Deutschland verfügt aber noch über einen guten und mutigen Arzt. Wenn Frankreich ihm helfen kann, wäre das eine geschickte Vorsichtsmaßregel gegen die brutale und blutdürstige Chiruraie der Revolution. Er, Herriot, fände oen Plan d Ormessons i zu kompliziert und daher gefährlich, I mehr noch für die Zukunft als für die Gegenwart. Er würde eine einfachere und direktere Methode vorziehen. Zn der vorgeschlagenen Form verlange man von Frankreich zu viel. Immerhin müsse man über den Plan nachdenken. Beachtlich daran sei zum mindesten, dah Frankreich Edelmütigkeit und Verständnis beweisen würde, wenn es versuchen würde, Deutschland durch eine noch zu bestimmende Methode zu helfen, um wieder eine normale wirtschaftliche Lage zu bekommen und seine Volksmassen vor der Verzweiflung zu schützen. Der Schlüssel der europäischen Politik sei die deutsch- französische Verständigung. Falls sie er»
Oie Oeutschnationalen an der (Seite des Stahlhelm.
Berlin, 5. Febr. (TU.) Die deutschnationale Pressestelle teilt mit: Das vom Stahlhelm eingereichte Volksbegehren zur Auflösung des Preußischen Landtages entspricht der Stimmung einer überwiegenden Mehrheit des Volkes. Daß d i e Deutsch nationale Dolkspartei bei diesem Volksbegehren an der Seite des Stahlhelm steht, (ft angesichts der Haltung selbstverständlich, die sie bei den schweren politcsä-en Entscheidungen der letzten X'/» Jahre eingenommen hat. Die Preußenfrage ist von ihr immer von neuem als der Angelpunkt der politischen Entwicklung in den Vordergrund gestellt worden. Es kann nicht zweifelhaft sein, daß die gegen das heutige preußische System gerichtete Stimmung bei Landtagswahlen einen überwältigenden Ausdruck finden wird. Daß es demgegenüber angesichts der preußischen Volksbegehrens- Dorschriften und des Terrors der preußischen Behörden schwer ist, die für Volksbegehren und
hie Sitzung als beendet erklären. Veranlassung war dieDefprechungeines fommunifti« fchen Dringlichkeitsantrages, der sich gegen die vom Berliner Polizeipräsidenten veranlaßten Einschränkungen bei der morgigen Beisetzung zweier bei politischen Streitigkeiten erschossenen Kommunisten richtete. Dieser Antrag wurde von dem kommunistischen Stadtverordneten Lange unter heftigen Angriffen gegen die Rationalsozialisten und unter Ausfällen gegen den Polizeipräsidenten und die Sozialdemokratifche Partei begründet. Die Fraktionsgenossen des Lange unterstützten diesen durch aggressive Zwischenrufe, in erster Reihe gegen den Fraktionsvorsitzenden der Rationalsozialisten Dr. Lippert, der als Arbeitermörder, Mordhetzer usw. bezeichnet wurde. Als dieser sich darauf zum Wort meldete, versuchte die kommunistische Fraktion, ihn niederzuschreien. Schließlich stürzte der Kommunist G r ü n b c <f auf die Rednertribüne und schlug auf D r. Lippert ein. Diesem kamen fein» Parteifreunde zu Hilfe. Unter allgemeinem Tumult und Handgemenge erklärte der Stadtverordnetenvorsteher Haß die Stabtrerordnetenversamm- htng für beendet.
reicht werde, sei nichts zu befürchten, bleibe sie aus, dann sei nichts zu hoffen.
Oie Auffassung in Berlin.
B e r l i n, 5. Febr. (ERD.) Der von dem Grasen Wladimir o'Ormesson in der Zeitschrift „Europe Röuvelle" veröffentlichte Plan zur Schaffung einer deutsch-französischen Solidarität auf internationaler Grundlage wird in Berliner politischen Kreisen als ein interessantes und begrüßenswertes Zeichen dafür angesehen, daß in ernst zu nehmenden politischen Kreisen in Frankreich bi c Erkenntnis für Deutschlands Rotlage und die daraus entstehenden Gefahren wächst. Wenn der Vorschlag b'Or- messons auch in seinem materiellen Ausbau einige Fehler und unrichtige Zahlenangaben enthält und zweifellos noch kritisch beleuchtet werden muß — z. D. wenn insbesondere der deutsche und der französische Heeresetat keine vergleichbaren Größen sind —- so kann man in ihm doch einen Plan sehen, in dem zum ersten Male wirkliche und ernsthafte Vorschläge zur Behebung der allgemeinen wirtschaftlichen Schwierigkeiten gemacht werden. Im übrigen ist der Vorschlag d'Ormessons in erster Linie an Frankreich und Amerika gerichtet, so daß man zunächst einmal ab to arten kann, wie diese beiden Länder Stellung nehmen werden.
Volksentscheid vorgeschriebene Anzahl von Stimmberechtigten zur Unterschrift und zum freiwilligen Gang an die Urne zu bestimmen, ist nach den Erfahrungen des Volksbegehrens über den Young- plon klar. Die sich daraus ergebende Notwendigkeit erhöhter Anspannung und geschlossenen Einsakes der Kräfte kann der Entwicklung der nationalen Bewegung nur zugute kommen. So kann das Volksbegehren des Stahlhelm zu einem entjd)et- denden Abschnitt des Kampfes um die Macht in Preußen werden. Was der Kampf um den Poung- plan für die Reichstagswahl am 14. September geworden ist, das wird in jedem Falle das preußische Volksbegehren für die bevorstehenden großen Mahlkämpfe sein.
Oie Nationalsozialisten stellen sich an die Spitze.
Berlin, 5. Febr. (TU.) Der „Rote Adler", das Organ der Rationalsvzialisten für die Mark Brandenburg meldet: Unser Schriftleiter hat Gelegenheit gehabt, den Vorsitzenden unserer Landtagsgruppe, Parteigenossen Wilhelm K u b e, über
Der Vorschlag des Grasen d'Ormesson.
Parteien und SWHelmvMsbegehmi in Preußen
Bismarck, die Zigarre und Garibaldi.
Von Karl Al^ander Prüfe.
Am 28. Januar 1871 wurde im Hotel Lesse zu Versailles zwischen Bismarck und Jules Favre, dem französischen Minister des Auswärtigen, der Waffenstillstand unterzeichnet. Bismarck hatte folgende Bedingungen gefordert: Entwaffnung der Armee, die in Paris kriegsgefangen bleiben sollte, Uebergabe aller Fahnen, Zahlung einer Kontribution von 200 Millionen Franken durch die Stadt Paris, die außerdem ihre Forts ausliefern und deren Geschütze in die Seins stürzen sollte. Dann sollte dieser 21tägige Waffenstillstand für ganz Frankreich gelten.
Diel zu hart erschienen Jules Favre diese Bedingungen, und er hoffte durch Unterhandeln Milderungen durchzusetzen. Darum stellte er sich tagtäglich mit seinem Sekretär, dem Maior im Generalstabe Graf d'H6risson, im Hotel Jessö ein, um mit dem deutschen Kanzler zu konferieren.
Der Gegensatz dieser beiden Minister muß geradezu erstaunlich gewesen fein: Bismarck trug die weiße Uniform feiner Halberstädter Kürassiere und wirkte in ihr, strotzend vor Gesundheit und Kraft, wie ein Koloß gegen den gebeugten, langen und mageren französischen Advokaten mit dem fahlen Gesicht und dem langen weißen Haar, in dem schwarzen Zivilüberrock, der überall Falten warf.
Wie üblich waren die Besprechungen eines Abends durch ein kurzes Mahl unterbrochen worden, bann gingen die Herren in das Konferenzzimmer zurück, wo Bismarck inzwischen aus den kleinen runden Tisch eine Schale mit drei mächtigen Havanna-Importen hatte stellen lassen
Als die Unterhaltung wieder ausgenommen wurde, ergriff der Kanzler die Schale, reichte sie Jules Favre und sagte: „Rauchen Sie?"
Der Franzose verneigte sich dankend. Er rauche nicht.
„Da tun Sie Unrecht", meinte Bismarck. „Wenn man eine Unterhaltung führt, die unangenehme Erörterungen mit sich Dringen kann, so ist es entschieden besser, beim Sprechen zu rauchen. Sehen Sie, wenn man raucht", fuhr er fort, indem er sich eine Havanna anzündete, „so lähmt die Zigarre, Die man hält, und die man doch nicht fallenlassen will in etwas die physischen Bewegungen. In moralischer
Beziehung besänftigt sie uns, ohne die Funktionen des Gehirns im geringsten zu hemmen. Die Zigarre ist eine Ablenkung. Der sich emporringelnde Rauch, dem man unwillkürlich mit den Augen folgt, bezaubert uns und macht uns versöhnlicher. Man ist geneigter, sich gegenseitig Konzessionen zu machen, und die Arbeit bei uns Diplomaten besteht doch aus beständigem gegenseitigen Nachgeben."
Ruhig und gesetzt, wie die Verhandlungen begonnen hatten, verliefen sie weiter. Stets ging der deutsche Kanzler geradewegs auf sein Ziel zu, was Iulcs Favre, der an seine Advokatenkniffe und diplm matischen Schwindel gewöhnt war, ganz verdutzt machte.
Da kam die Rede auf Garibaldi und seine Truppe. Bismarcks Augen begannen Zorn zu sprühen, und nur mit Mühe unterdrückte er seinen gewaltigen Groll.
„Ich verlange", sagte er „daß wir ihn und seine Armee aus den Waffenstiustandsverhandlungen herauslassen. Er ist keiner der Ihrigen. Sie können mir ihn daher wohl überlassen. Ihm gegenüber steht ein preußisches Armeekorps, das schon mit ihm fertig werden wird. Also sprechen mir nicht mehr von ihm!"
Favre bemerkte, das sei unmöglich. Zwar habe man nicht Garibaldis Hilfe erbeten, aber da die Verhältnisse aus dem italienischen Condottieri einen französischen Armeeführer gemacht hätten, so wäre eg von ihm — Jules Favre, dem Repräsentanten Frankreichs — eine Feigheit, Garibaldi im Stich zu lassen und ihn vom Waffenstillstand, der doch allen zunutze kommen solle, auszuschsteßen.
Während dieser Ansprache, die viel länger war, als hier ausgeführt werden kann, schwoll Bismarcks Zorn immer mehr an. Unruhig rückte er auf feinem Stuhl hin und her, bann legte er seine brennende Zigarre auf den Rand des Äschenbechers und sagte, jedes Wort mit dem auf die Tischplatte klopfenden Zeigefinger unterstreichend:
„Ich muß ihn aber haben, um ihn in den Straßen Berlins herumführen zu lassen mit einer Tafel auf dem Rücken, auf der die Worte stehen: .Das ist der Dank Italiens!' Was! Rach allem, was wir für das Land getan haben — es ist eine Schmach!"
Bismarcks Zorn war aufs höchste gestiegen. Jules Favre duckte sich vor diesem mit gesträubter Mähne brüllenden Löwen und sah seinen Sekretär hilfeflehend an.
Da ergriff der weltgewandte Graf d'Hsrisson die Schale, auf der Bismarcks immer noch glimmende
Zigarre lag und hielt sie mit achiungsvoll-bittender Gebärde dem Kanzler hin.
Einen Augenblick schien Bismarck diese Geste nicht zu uerstehen, plötzlich aber verlosch der Zorn in feinen Augen, und ein Lächeln huschte über sein Gesicht:
„Sie haben recht, Herr Graf — es ist nutzlos, zornig zu werden — das führt zu nichts — im Gegenteil!"
Die Unterhaltung nahm ihren ruhigen, gefetzten Ton wieder an.
Garibaldi und fein Heer wurden später in den Waffenstillstand eingeschlossen.
Masken, Masken!
Römer, Kreuzfahrer, Chinesen und Cowboys .. .
Vier Etagen: Gänge, Schränke, Stuben, Hallen, Treppen, Regale, Haken und Ständer, Kisten, Kasten, Truhen — und überall Masken, MaSken und nochmal Masken! Das ist eines der größten Maskenverleihhäuser Europas, Köpenicker Straße in Berlin. Ein unscheinbares Haus, wenn man davorsteht, und dennoch könnten hier 30 000 Menschen innerhalb weniger Stunden eingekleidet und zur größten MaSken- armee der Welt umgewandelt werden. Alles ist vertreten, die Rüstungen der Kämpfer von Troja, die Togen der Römer, die Mäntel der Kreuzritter, bte Rüstungen dos Mittelalters, Uniformen aus dem Dreißigjährigen Kriege (nut anzukle- b en den Spitzbärten zu liefern), Soldatenröcke des Siebenjährigen Krieges und der Befreiungskriege. Alle IahHundrrte sind vertreten, Kleidungsstücke und Modesachen aus allen Erdteilen und allen Zeiten. Da hängt Columbus neben Rinaldo Rinaldini, Luther neben einem Biedermeierrock, ein Eskimo zwischen fam Bettel- mönchen, Generale Rapoleons und Schillsche Offiziere neben Indianern. Arabern, Piraten der Hansezeit neben alten Chinesen, man bewundert die Uniformen Bismarcks und Rapolem^, Schornsteinfeger wie ehemalige Schutzleute. Der blaue Rock des Alten Fritz mit dem Stern auf der linken Drustseite hängt zwischen Schusterjungen und Däckerunisormen. Mnb bann die Bemmen! Briefträger und Postillone aller Länder, Fe^r- wehrleute <ru8 allen Gauen, Minister und Ve-
die Stellungnahme unserer Abgeordneten mi denti Volksbegehren des Stahlhelm zu befragen. Parteigenosse Wilhelm Kube erklärt, daß wir Rationalsozialisten all« Mittel und Wege benutzen wollen, um diesem System (natürlich auf legalem Wege!) ein Ende zu machen. Wir werden uns auch in biefem Kamps um die Durchführung des Volksbegehrens an die Spitze st e l l e n und als größte nationale Partei Deutschlands mit aller Macht für das Volksbegehren eintreten. Wir Rationals-ozialisten erklären, daß wir den Kamps um Preußen führen wollen, weil wir wissen, daß eine Partes die Preußen hat, Deutschland hat.
Oie Landvolkpartei unterstützt das Volksbegehren.
Berlin, 5. Febr. (TU.) Don der Deutschen L a n d v o l k p a r t e i ist zur Einleitung des Volksbegehrens auf Auflösung des. Preußischen Landtags folgende parteiamtliche Erklärung abgegeben worden: „Das Deutsche Landvolk (Christlich-Nationale Bauern- und Landvolkpartei) wird das Volksbegehren auf Auflösung des Preußischen Landtages mit orößtern Nachdruck unterstützen, weil die jetzige Zusammensetzung des Preußischen Landtages keineswegs mehr dem Willen des preußischen Volkes entspricht, und weil es oor auch das Bestreben der Landvolkpartei ist, die Macht der Sozialdemokratie in Preußen zu beseitigen, die die Belange des deutschen Landvolkes nicht genügend gewahrt und die zur Wiederherstellung der Rentabilität der Landwirtschaft bisher eingeleiteten Maßnahmen zum Teil verhindert hat."
Oie Volkspartei stimmt grundfählich zu.
Berlin, 5. Febr. (TU) Zu dem Volksbegehren des Stahlhelms auf Auflistung des Preußischen Landtages hört die „Telegraphen-Union" von oolks- parteilicher Seite, daß die Deutsche Volkspartei sich offiziell mit dem Volksbegehren einftro eilen nicht beschäftigen wird. Sie sieht hierzu keinen Anlaß, da der Stahlhelm fein Volksbegehren allein eingebracht hat und ausdrücklich versichert wird, daß zur Propagierung des Volksbegehrens keine besondere Organisation geschaffen werden solle. Die Volkspartei hat um so weniger Anlaß, sich mir der Frage offiziell zu befassen, als sie n i ch t zur Beteiligung ausgefordert worden ift Da das Auflösungsoegehren des Stahlhelms sich aber jeder politischen Polemik enthält, besteht für die DVP. schon angesichts ihrer grundsätzlichen Opposition gegen die preußische Regierung auch keine Veranlassung, es a b z u l e h n e n. Sie stimmt der Auflösungsforderung somit grundsätzlich zu.
Oie Stellung
der Wirtschastspartei.
Berlin, 5. Febr. (VDZ.) Die Landtagsfraktion der Wirtschaftspartei erklärt: Die Wirtschaftsparter hat als erste nach den Reichstagswahlen die Auslösung des Preußischen Landtags gefordert, um der Stimme des Volkes Gehör zu verschaffen Ihre grundsätzliche Haltung liegt damit fest. Der Antrag des Stahlhelms auf ein Volksbegehren ist ihr jedoch lediglich aus der Presse bekanntgeworden. Eine oor I) c r i g e Fühlungnahme mit i h r ist nicht erfolgt. Infolgedessen 6ehält sich die Wirtschofts- partei ihre Stellungnahme bis nach näherer Prüfung der Zweckmäßigkeit vor.
Oie Verwaltungsreform in Württemberg.
Die Vorschläge des Neichssparlormnissar» werden beschnitten.
61 u 11 g a r t, 4, Febr. (TU.) Die Regierung hak die Antwort auf das Gutachten des ReichsfparkoM' missars über die Landesverwaltung Württembergs veröffentlicht. Die Regierung schränkt die Forderungen des Gutachtens wesentlich ein. Den Vorschlag, die 61 Oberämter um 38 auf 23 zu vermindern, hält sie für eine z u weitgehende Zerreißung sandte, Polizisten, Schutztruppen, Liftboys, Kellner, Bergleute. Magistratsschreiber aus dem Mittelalter, Liktoren der Römer mit dem Bündel und der Axt. Handwerksburscken, Trapper, Cowboys, Maharadscha«, Priester, Söldner. Kammerdiener, Henker, Scharfrichter aller Iahrhun- derte. englische Richter mit Perücken, Förster und Wilddiebe, Senatoren der Römer und der Hansestädte, Kaiser, Könige mit Krone, Szepter: und Schwert Seeräub r und Dschur k nvölker, Zollbeamte und Grenzwächter, Mönche, Priester, Dauern, Derwische, Gisenbahnbeamte der ganzen Erde.
Die Damenkostüme sind natürlich nicht minder zahlreich, auch sie hängen auf Regalen und warten auf Verwendung. Rachgebildete Originalkostüme berühmter Frauen. Da sieht man, wie sich Kleopatra und Poppäa, die schöne Helena und Klhtämnestra, Aspasia, die Geliebte des Pe- rikles, und viele andere gekleidet haben oben haben sollen. Da hängt die Robe der Maria Stuart, zwanzig Pfund schwer. Matronen den Römerzeit, Rönnen aller Klöster, Kleider den Charlotte von Stein, der Elisabeth von England und der von Rußland, der Anna Doletzn und den Maria Theresia, der Marie Antoinette und den Madame Pompadour sind leihweise zu haben. Aber werden sie auch verliehen? .Das Geschäft an Private geht sehr schlecht", klagt der Geschäftsführer. „Weshalb?" „Das will ich Ihnen jagen. Wer Geld hat, läßt sich im Atelier oder von der Hausschneiderin ein Kostüm machen. Das sitzt besser und hält mehrere Iahre, und man hat fein eigenes Kostüm im Hause und braucht nicht immer den Weg hierher zu machen. Wen kein Geld hat, dem fehlen auch die paar Mark, die er als Pfand hinterlegen muß und die en auf der Redoute braucht. Wir könnten Zehntausend« einkleiden, aber selbst jetzt, wo die Maskenbälle losgehen, verleihen wir kaum ein paar hundert Stück am Tag." „Woran verdienen Sie also?" „An den Filmgesellschaften in erster Linie. Wir kleiden ganze Armeen ein, wenn ein Film aus der Zeit Rapoleons oder Friedrichs des Großen gedreht wird. Auch sonst. Aeulich hatten wir 44 Kostüme der Biedermeierzeit au liefern, dann wieder 68 Kostüme aus dem Rokoko. Das lohnt sich, denn diese Sachen werden nicht nur einen Tag lang, sondern oft meb# rere Wochen hindurch gebraucht, wodurch sich die Leih^bühr erhöht?


