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nach Eintritt der Polizeistunde zum Skat eingeladen worden. Ob irgendwelche, in persönlichen Verhält­nissen des Wirts liegende besondere Umstände die Einladung veranlaßt und die geladenen vier Schank- gaste zu Privatgästen gemacht haben können, war nicht erwiesen. Trotzdem hat das Gericht den Wirt verurteilt. Die Tatsache, daß er sich in dem irrigen Glauben befunden hatte, der Gast, der nach der Polizeistunde nichts mehr verzehre, könne als Privat­gast ungestört in den Schankräumen bleiben, ist als unbeachtlicher, strafrechtlicher Irrtum zu bezeichnen.

Einheitliches Kernsprechbuch.

Jüt dos ganze Rhein-Main-Gebiel.

WSR. Frankfurt a.91t., 3.2lug. 3nKreisen der Fernspr«hteilnehmer der rhein-mainischen Wirtschaftsgebietes ist es oft unangenehm emp­funden worden, daß das umfangreiche Telephon- neh dieses Gebietes noch immer in zwei bis drei Oherpostbirektionen (Frankfurt a. M, Darmstadt, Würzburg) aufgeteilt ist und daß daher in diesem

Gebiet drei Fernsprechbücher notwendig sind. Bei der engen wirtschaftlichen Verflechtung z. D. zwi­schen Frankfurt und seiner hessischen und baye­rischen Nachbarschaft (Darmstadt, Mainz, Fried­berg, Aschaffenburg usw.) wirkt sich dieser Um­stand sehr zeitraubend und durch die vielen Nach­fragen beim Fernamt auch sehr kostspielig aus. Nunmehr wird von interessierter Seite der be- griitzenswerte Vorschlag gemacht, die nächstjähri­gen Telephonbücher für das ganze Rhein-Main­gebiet zu einem einzigen zu verschmelzen oder falls dies technisch nicht möglich sein sollte in die einzelnen Telephonbücher die Teilnehmer der wichtigsten Nachbarstädte, die zu einem an­deren Oberpvstdirektionsbezirk gehören, aufzuneh­men. Eine solche Regelung besteht bekanntlich schon seit Jahren zwischen Frankfurt und Offen­bach. Angesichts der Tatsache, daß der Kranz der rhein-mainischen Städte heute fast durchweg mit dem Fernsprechschnellverkehr verbunden ist, würde diese Neuerung vom fernsprechenden Publikum sicher auf das wärmste begrüßt werden.

führte zur Heimfahrt zu ersparen. Hier oben wird meistens wenn es sich irgendwie machen läßt das Abendessen eingenommen und man bleibt dann sitzen, um mit Ungeduld das erste kühle Lüftchen zu erhaschen das erst zur späteren Abendzeit über die belebte Terrassenstadt Athen dahinstreicht. lleberall auf den Straßen, in den Parks, den Badeorten, auf den Terrassen und in den Kellern der Tavernen gibt es nur ein Gesprächsthema, nicht wie bei uns von Steuern, Lasten und Reparationen, sondern von derMegali Sesti, von der großen Hitze, die an den heißesten Tagen bis zu 42 Grad im Schatten steigen kann.

Wer nachts durch die Straßen wandert, die nun gerade nicht im vornehmen Zentrum liegen, muß wirklich aufpassen, daß er seine Mitbürger nicht etwaaus Versehen" tottritt! Die ärmere Bevölkerung ergreift die Flucht vor den dunstigen

Kellerwohnungen, in denen sie zu hausen ver­dammt ist, und legt sich einfach vors HcruS auf das Straßenpflaster! Da sieht man ein größeres dunkles Etwas, das sich plötzlich zu dehnen und zu recken beginnt oder von der Hitze gequält auf­stöhnt. man muß vorsichtig vom Bürgersteige heruntergehen, um nicht über solch ein schlcck- suchendes Hindernis hinwegzustolpern.

So liegen sie, bis am Morgen hinter dem dunk­len Bergesrücken des Hymettus die Sonne wieder aufgeht, das Leben wieder erwacht, sein Lärmen und geschäftiges Treiben von neuem beginnt, die Kinder wieder tollen und die Weiber krei­schend dazwischenfahren und über all diesem Gelärme und Getöse, über all diesem lebhaften Tun und Treiben das glühende Tagesgestirn seine ewige Bahn zieht, das gegen Mittag neue Ruhe erzwingt.

Vrimings letzte Vorbereitungen znr Aomreise.

GeWcherMttaMlas.-SoinmertageinAthen.

Von unserem

Nachdruck, auch mit Ouellenangabe, verboten! Athen, 3uli 1931.

Siebenmal am Tage wechselt der Hymettus seine Farben, und wenn er das siebente Farben­kleid angelegt hat, dann kommt das Dunkel der Nacht, dann gleicht der langhingezogene, charak­teristische Bergeszug Attikas einem kunstvollen Scherenschnitt, der sich am Hellen Llbendhunmel abhebt. Schnell senkt sich die Nacht über Athen herab und mit ihr kommt die langersehnte Kühle; dann freut sich Athen, daß die Gluthitze des Tages sich wenigstens ein wenig herabmuderte. Jetzt erst wird Athen lebendig; cs er­wacht wie aus einem Tagesschlummer, die Bal­kons, die Straßen und die Plätze füllen sich, es ist, als hätte das Leben die Sommersonne ge­fürchtet und wagte sich erst jetzt, nachdem der heiße Sonnenball feurigrot hinter den zackigen Bergen des Peloponnes und dem blutgetränkten Akrokorinth versank, unter die sternenfunkelnde Wölbung des klaren griechischen Nachthimmels.

In Athen zur Abendzeit zu schlafen, ist fast ein Ding der Unmöglichkeit; es gibt in gaiu Athen kaum einen Menschen, der es wagte, sich vor Mitternacht zu Bett zu begeben. Theater, Kinos und Kabaretts schließen nach ein Uhr nachts und die letzteren erst beim Anbruch des neuen Tages. Aber auch dann ist die Hitze in der Stadt noch groß kaum, daß man ein Auge schließen kann. Hinzu kommen noch dieMücken, die Quälgeister, die mit ihrem brennenden Stich und dem unaufhörlichen Summen den Ruhe Suchenden zur Verzweiflung bringen kön­nen. -Ueberau sind Mückenneye aufgespannt, die die Quälgeister in respektvoller Ferne halten, doch ist es wiederum nicht jedermanns Sache, solch ein Gewebe über sich zu spannen, das die frische Luft und Kühlung doch nur abhält.

Am Mittag glaubt man, die Straßen Athens seien ausgestorben. Autobusse und Straßenbahnen verkehren nur rwch selten, selbst der energische Verkehrspolizist gönnt sich die wohlverdiente Ruhe und läßt die paar Menschen und Gefährte laufen, in welcher Richtung sie immer wollen. Keinen Schatten gibt es. in dem man Schutz vor den glühenden Strahlen der Sonne finden könnte, langsam und bedächtig macht man sich mittags auf den Heimweg und landet dann wie ein eben aus dem Wasser ge­zogener Selbstmörder in seiner Wohnung. Mit einer geradezu klassischen Energielosigkeit wirft man sich auf fejn Lager und verschläft den Nach­mittag wenn man sich's leisten kann, um erst gegen Abend das Haus wieder zu verlassen. Zwischen 13 bis 16 Uhr ungefähr, hat sogar die Athener Polizeidirektion allen ruhe­störenden Lärm im Sommer verbo­ten; das Mittagsschläfchen der Athener wird durch die hohe Obrigkeit wirkungsvoll geschützt. Zwischen 13 bis 16 Uhr wird in Athen nicht ge­stohlen. niemand ermordet, kein Dieb, kein Raub-

Q l^.-Berichter st atter.

mörder gefangengenommen, ilm diese Zeit gibt es kein Stelldichein, keine Rendezvous unter einer Normaluhr, da sucht fein Gläubiger feinen Schuldner heim ganz einfach! Athen schläft!

Abends aber schwirrts und surrts in den Straßen, wogen die Menschen auf und ab, jagen die Autos hin und her. EineAuswanderung" aus Athen hat eingesetzt, und das Ziel dieser Völkerwanderung ist der saronische Golf, die Seebäder in Alt- und Neu-PHaleron. Die ganze Küste ist in ein Meer von Licht getaucht, die Tausende von elektrischen Lampen spiegeln sich in der nahen wogenden See, deren Wellen sich rauschend am Strande brechen. Die Tische sind bis ganz nahe an den Strand herangeseht, oft müssen die äußeren weihgedeckten Tische geräumt werden, weil der Gischt der Wogen über sie und die Stühle springt und das feuchte Element sich den zarten und schicken Toiletten der Damen gegenüber recht rücksichtslos benimmt. Draußen, in der Ferne, fahren hell erleuchtete Dampfer vorüber, die warnenden Leuchttürme senden regel­mäßig ihr Blinklicht über die weite Fläche, während ein Blick in die allernächste Nähe tan­zende Paare und elegante Gesellschaft sichtet. Weiter am Strande entlang machen sich in ein­facheren Bierlokalen die unteren Schichten des Volkes breit, während in dem heutigen Lido Athens, dem Badeort G l y f a h d a, sich die vor­nehmsten Athener einfinden. Derdernier Cri in den Sommerfrischen Athens, die dem Wechsel der Mode unterliegen wie die Kleidung der Athenerinnen, nennt sich L u z z a. Eine lange Kette von eleganten Automobilen durchstreift die Attische Ebene, um diesen neuesten, allerneueften Badeort, der weit hinter den Bergen des Hh' mettus liegt, zu erreichen. Ein herrlicher Strand, begrenzt mit frischen Pinien, lädt zum Baden ein, zum Sich-Hineinwerfen in die wogenden Fluten.

Andere wieder, denen das Meer nicht zusagt, flüchten in die nahen Berge, in den schon in römischer Zeit bekannten vornehmen Dillenort K e p h i s s i a, wo einige Luxushotels mit Ter­rassen und elegantem Betrieb ihre Pforten ge­öffnet haben. Der Athener aber, der aus irgend­welchen Gründen nicht mit hinauskonnte, der an die heiße Stadt gefesselt wurde, der sucht zum mindesten das grüne Zappeion oder den Abhang des Lykabettus auf* die beiden einzigen Stätten in Athen, wo des Abends ein kühles Lüftchen leise zu verspüren ist.

Muh man aber ganz zu Hause bleiben, dann erklettert man die Stufen, die zur Terrasse führen. Alle Häuser in Athen sind mit einer Terrasse ausgestattet, die mit zu den unentbehr­lichsten Lebensbedingungen gehört. Hat man nicht gerade das Pech, zu tief im Tal zu wohnen, so genießt man von hier herrliche Rundblicke und hat noch den Vorteil, sich das Schieben und Stoßen und den Kampf und Sturm auf die Ge-

NerBergbundvon Haugesund

Don per Schwenzen.

Don Kap Lindesnaes. über das fruchtbare Tele­marken. Gudbrandsdalen. Tröndelag bis an den Polarzirkel hinauf und bis dicht unter die Schnee­grenze der Gebirge deckt dichter Wald das zer­klüftete Norwegen. Millionen Stämme, blank ge­schält, treiben im reißenden Fluh, stoßen schmal, wie Torpedos, durch die Schaumstrudel, sperren, verrammen sich ineinander, türmen sich zu don­nernder, splitternder Staumauer, eine Daum- latoine, die Eisenbahnbrücken Wegsprengen kann Holz, Holz, Holz.

Das liebliche Sörland (Südnorwegen), hängt mit Taimen und Birkenlaub über klarem Fjord, lockt die Salzflut in zahllosen Windungen tief in das blühende Leben hinein. Kühe spiegeln ihre philo­sophischen Züge im Wasser, ihre Hörner ringeln sich wie Seeschlangen zwischen Quallen und Tang...

Die Klippen und Schären der Westküste aber liegen nackt in der See, wie graue Buckel ver­steinerter Saurier. Die Felsenburgen der Stein- füfte ragen in baumloser Härte empor. Erst hin­ter ihrem mächtigen Ringwall, wo die Fjorde Hunderte von Kilometer ins Land hineinzüngeln, liegt bunte Fruchtbarkeit mit Korn und Obst, Wäl­dern und Wiesen in die Berge gebettet. Hier aber, an der Steilküste, die hinterm Schärgaard gegen das freie Meer aufragt, haben die Kriegssackeln früherer Zeiten und der Wind der Jahrhunderte alle Waldung vernichtet und das Erdreich vom harten Felsleib geblasen, hat Regen und Schnee- schmelze den Humus hinab ins Meer gespült.

Bei Haugesund, derGeringsstadt", sah der stei­nerne Hintergrund vor einem Vierteljahrhundert ru>ch gänzlich kahl aus. Da aber erwachte plötzlich in einer Iugendvereinigung der schöne Gedanke, die Heimat wieder in den alten Schmuck zu kleiden. Am 28. März 1905 wurde Haugesund Fjetl-lag" (Berg-Bund) gegründet. Hoch über allen anderen Statuten stand die Devise:Jugend, kleide den Fels!" Man hätte annehmen dürfen, dah eine der­artig praktisch gerich'.eteHeimatliebe auf die ®e» genliebe aller Stellen stoßen würde. Aber nein! Che die hohe Obrigkeit dem Bergbund erlaubte, feine Schößlinge einzuzäunen und sie unter den Schuh der Forstgesetze zu stellen, mußte die ar- beitssrohe Jugend sich verpflichten, ein bestimmtes Terrain pro Jahr kostenlos anzupflanzen, und die Kommunalverwaltung steckte, ohne ihre gesehes-

schwere Hand an den Spaten zu legen, die Befor- stungssubvention ein!

Die Jugend aber kleidete die alten Felsen. Mit ganzen Tragbahren voller Schößlinge, mit Spaten und Futtersack, zogen sie auf die Höhen hinauf. Und die Erde, die verschämt, unter rauhem Kleid und rotem Moos, in Mulden und Rissen fest- gekrallt, hier aushielt, erlebte 2>ie Rückkehr des Lebens. Junge Wurzeln streckten sich, zwängten sich in die Steinrifse, sogen Kraft auf dem harten Land. In das Rauschen der Meerweiten, das im ungebrochenen Wind an die Felsen brandet, mischte sich ein Ton vergangener Zeiten: Hochwald sang wie aus alten Träumen her!

Die jungen Anpflanzungen gediehen größten­teils vorzüglich. Der erste Erfolg brachte neue Be­geisterung, neue Bundesmitglieder, ja sogar öffent­liche und private Zuwendungen mit sich. Man konnte hoch in den Felsen, am Iötnawasser, eine eigene Hütte bauen. Ein privater Forstmann sandte zehntausend Schößlinge als Ehrengabe. Die Schulen boten ihre Hilfe an. Dieser Bergbund, ein eingetragener Verein, der nach fünfundzwan­zig Jahren seines Bestehens in vollster Blüte steht, hat vor zahlreichen Vereinen, die unsere Erde schmücken, eines voraus: ein klares Arbeits­ziel. Seit fünfundzwanzig Jahren zieht die Jugend Haugesunds an schulfreien Tagen und in der län­geren Ferienzeit zum Kampf gegen die Einöde hinauf. Mit ganzen Traglasten von Föhren- und Birkenbabys.

Die Jugend kleidet den Fels. Mit jungem Wald. Und mit ihrer eigenen Jugend. Mit Hun­derten von Wanderern, mit den roten Flecken von flatternden Schals und Kappen, die wie Klatsch- rosen von den Steilhängen leuchten. Mit Lachen und Liedern kämpft sich der Frontabschnitt des Lebens, Schritt für Schritt, Daum nach Baum, die steinernen Hänge hinan. Der Sieg marschiert. Das Heer wächst unaufhaltsam, das Heer der Pflanzer und der Pflanzen. Auch Schlappen hat es schon gegeben. Einmal, als ein Baumpilz ganze Gehege zerstörte, als unachtsame Touristen ein Streichholz in die junge Garde warfen und ein ganzes Armeekorps von Waldrekruten, über hun­derttausend Däumchen, in Flammen aufgingen. Die Zahlen scheinen in Anbetracht der Dolksarmut der Umgebung, bet einer Einwohnerzahl, die erst in letzter Zeit in Haugesund 17 000 erreichte, über­raschend. Jährlich pflanzt diese arbeitsfrohe 3u- genb zwischen fünfzig- und hunderttausend Schöß­linge an. Der Jahresrekord ist in den Dücheim des Bundes mit 110 550 verzeichnet. 3m Laufe

Die berühmten deutschen Romreisenden aus alter Zeit geben dem Kanzler ihre Ratschläge.

//'KWÄ

ZchreMung der Industrie- und Handelskammer.

Die Industrie- und Handelskammer D a r m st a d t. hielt dieser Tage ihre 6. V o li­ve r s a m m l u na ab, in der zu der gegenwärtigen Wirtschaftslage Stellung genommen wurde. Es wurde ein eingehender Bericht erstattet, dem unter anderem das Ergebnis der Verhandlungen im Reich des Hessischen Industrie- und Handelskammertags zugrunde lag. Die Versammlung war der Auffassung, daß durch tatkräftige und zieloewußte Maßnahmen der zuständigen Stellen die derzeitige Krise behoben und darüber hinaus die Grundlagen zu einer nach­haltigen Besserung unseres Wirtschaftslebens gewon- neu werden könnten. Insbesondere kam zum Aus­druck, daß keine Veranlassung dazu besteht, durch unveranlaßte Abhebungen, namentlich von Spargeldern, die durch die Ereignisse der letzten Wochen gespannte Lage auf dem Geldmarkt weiter zu erschweren.

Don der bevorstehenden völligen Frei­gabe des Zahlungsverkehrs werde zwei­fellos die Wirkung einer wesentlichen

Beruhigung und Entspannung

zu erwarten sein. Die Aussprache befaßte sich u. a. auch mit dem Mißstand, daß manche Firmen es für angezeigt erachten, ihre Rechnungen in ausländi­scher Währung auszustellen. Die Vollversammlung war der Auffassung, daß ein solches Verhalten im Interesse einer Gesundung unseres Zahlungsver- kehrs keineswegs gelegen ist und wegen der mög­

lichen Konsequenzen zu ernstlichen Bedenken Ver­anlassung geben muß.

Ein Abbau der überaus hohen Reichsbankdiskont- und Lombardsätze müsse sobald wie nur irgend mög­lich ins Auge gefaßt werden, wenn nicht weite Kreise des Wirtschaftslebens durch die Hohe Zins- belastung erdrückt werden sollen. Als besonders wichtig wurde betont, daß die Banken den unter­brochenen Scheck- und Ueberweisungsverkehr mög­lichst bald wieder in geordnete Bahnen lenken müs­sen. In Uebereinstimmung mit den anderen hessi­schen Industrie- und Handelskammern steht die Kammer auf dem Standpunkt, daß die Darm­städter- und Nationalbank, deren Ge­schichte und Entwicklung mit Hessen und seiner Landeshauptstadt besonders eng verknüpft sind, auf alle Fälle in der einen oder anderen Form aufred t erhalten werden müsse. Aus dem der Vollversamm­lung vorgelegten Geschäftsführungsbericht ist zu entnehmen, daß im Bereich der Hessischen Jndustrie- und Handelskammern die wichtigen

Fragen der Einheitsbewerlung des bebauten Grundbesitzes,

der Neubildung der Steuerausschüsse sowie der Er- Hebung der Gewerbesteuern durch die Gemeinden Beratungen unterzogen worden sind.

Der letztgenannte Punkt hat insbesondere zu Vorstellungen bei dem Herrn Minister des Innern Veranlassung gegeben, wobei gefordert wurde, ent°

seines Bestehens hat der Bergbund bis heute über eine Million Bäume angepflanzt! Ohne Amt und Sold.

Immer höher aber stieg dieser seltsame Bund in der Achtung der einst so skeptischen Behörde. Die Pflanzungen wurden als Naturschutzgebiet er­klärt, alles Wild, Hasen und Dögel, im Umkreis der jungen Waldung gefriedet.

So schufen die eifrigen jungen Dergbündler Le­ben und schützten ihre lebendige Schöpfung. Sie setzten Fische in den stillen Dergwässern aus. Sie bauten sich am klaren Iötnasee eine wetterfeste Baude. In dieser Behausung, dieser Wochenend­festung der Waldläufer, ist es wunderschön. Da haben sie Küche und Saal mit gescheuerter Diele, mit demPeis", dem offenen Kamin, darauf einst auch die eigenen Scheite brennen werden, Holz aus dem großen Iötnawald. Noch aber ist es hier oben kahl. Ein paar kleine Setzlinge stecken die Nase schon in den Wind und das heißt soviel wie: der Fels wird bekleidet! Nur Geduld muß er haben. Wie der Bergbund. Das dauerte auch von 1905 bis 1917, ehe man soweit gediehen war, dah diese Baude, das Iötnaheim, hier stand. Da mußte planiert, die Baumaterialien im Winter mit Schlitten herangeführt, im Sommer über den See geflößt uni) mit viel Schweiß und guter Laune an Ort und Stelle geschleppt werden. Nun steht sie aber auch da, und hat, sage und schreibe, zwei Stockwerke, hat eine überdachte Galerie, dahinter die Schlafräume mit zwanzig Schlaflosen, hat zün- aelnde Drachenköpfe am Dachfirst alles derb, herzhaft wie der ganze Gedanke und seine Jünger.

Allmählich wurde man rings im Land auf die Arbeit, die hier an der engeren Heimat geleistet wurde, aufmerksam, und mit der Zeit haben ver­schiedene öffentliche und private Zuwendungen dem Bund ein kleines Kapital geschaffen. Er besitzt eine Baumschule in der Stadt, von einem Fach­mann geleitet, er hält theoretische und praktische Anpflanzungskurse ab. .Und so ergibt sich die ori­ginelle Tatsache, daß in dieser Fischerei- und Hafenstadt jeder kleine Junge ein Stück von einem Forstgehilfen ist, daß uns die Haugesunder Mä­del Sonntags nicht in langem Kleid mit einer Blume am träumerischen Busen, sondern in Knickerbockers mit einer kleinen Tanne in der sach­verständigen Faust begegnen...

Beim Arbeiten fanden die Waldleu'.e einen alten Baumstamm im Moor, größeren Ausmaßes als irgend ein Baum in weiterem Umkreis. Da wuß­ten sie es: hier stand einmal Hochwald! Sie schleppten die heilige Relique maraidftarl zur

Hütte. Gin Forstmeister wurde aus Stavanger ge­holt, und taxierte das Alter des Baumes auf zwei­tausend Jahve. Entrindet, verwittert, aber vom tausendjährigen Moorbad mumifiziert, steht der alte Stamm jetzt als Wahrzeichen vor der Iötna- baude. Ein alter, einsamer Riese der Vorzeit, ein Skelett, das zum Symbol des Lebens ward. Denn so vevkündet es ein Schild, damit sie ihn schmückten:

Wald war einst hier Wald soll hier werden!

Kuban-Kosaken-Ehor.

Im Stadttheater gastierte gestern abend der Kuban. Kosaken-Chor unter Leitung seines Dirigenten L. I w a n o f f. Der Klangkörper dieses vortrefflichen Vokalorchesters ruht auf profunden Bässen, wie man sie selten in so gesättigter Tiefe und mit so samt­weichem, schwebenden Piano antrifft; ihr warmer und dunkler Orgelton erinnert manchmal an den Klang von Kirchenglocken (etwa in den geistlichen GesängenGott, höre mein Gebet" undDir singen wir" oder im VolksliedAbendgeläut"). Im Tenor hebt sich mitunter eine völlig weiblich anmutende Kopfstimme heraus. Der Chor präsentiert sich als eine sehr geschlossene, sehr durchgebildete und ab- aestufte Gruppe von Naturorganen. Der Dirigent I w a n o f f hat seine Leute vorzüglich in der Hand; er dirigiert auswendig und bringt klare Einsätze und empfindliche dynamische Steigerungen. Schon vom zweiten Lied an, das diese Kosaken singen, hat man den typischen und unverwechselbaren Ein­druck von nationalrussischer, bodenständiger Chor­musik. Das Programm stellte zwischen die Kirchen- aesänge von denen der erste,Herrliches sah das Volk", gar nicht wie ein geistliches Lied klingt, wäh­rend dieKoliadka", rhythmisch scharf akzentuiert, eine glänzende Programmnummer darstellt und die weltlichen Lieder einige Stücke für Balalaika- Orchcster; hier hörte man u. a. neben den berühm­ten und auch bei uns (durch den Film) schon fast populär gewordenen Wolga-Liedern das Stim­mungsbildIm Kloster", eine schöne Ballade aus Ascolds Grab" und eine Zigeuner-Fantasie mit strahlendem Unisono-Finale. In den weltlichen Lie­dern kommt der sympathische Nationalcharakter die­ser urwüchsigen Musik vollends zum Durchbruch. Herzensmädchen",Der Kuckuck",Kalinka" wirk­ten überaus belebt, lautmalerisch, naturhaft und volksliedmähig; ein stürmiscl-er kaukasischer Natio­naltanz bildete den Abschluß des gutbesuchten Kon­zertes. Es gab viel Beifall und etliche Wieder» Holungen« e-# .