Ausgabe 
5.5.1931
 
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Geht Brüning Den anoeren Weg?

Ein ernster Appell an

Ein französischer Gentleman.

Vor einigen Monaden ist der französische Milii- tärattachö in Berlin, General Tournes, weggefeiert w-orden in Formen, die über den Rahmen des Lieblichen Hinatisgingru: sogar die deutsche Heeresleitung bestätigte chm, daß er sich stets als ein Gentleman benommen habe. Dafür bekommen wir jetzt die Quit­tung. Das erste, was Tournös nach seiner Rückkehr in seine Heimat getan hat, ist, daß er ausgerechnet imEcho de Paris" eine ganze Serie von Artikeln über die deutsche Reichswehr ankündigte. Was davon zu hal­ten fein wird, zeigt schon der erste Artikel, der sich mit dem Haushalt der Reichswehr beschäftigt und vm einzelnen ausrechnet, welche Llnsmnmen von Deutschland verbraucht werden. Zwei Zah­len: in Deutschland koste ein Maschinengewehr 5000 Mark, in Frankreich 2000 Mark, in Deutsch­land ein Feldgeschütz 60 000 Mark und in Frank­reich nur 18 000 Mark: Stichproben, die für den ganzen Charakter dieser Schreiberei kenn­zeichnend sind.

Ein Mann, der selbst Militär ist, muß doch genai wissen, daß die Art der Landesverteidigung, die uns in Versailles aufgezungen wurde, außerordentlich kostspielig ist. Die Franzosen mit ihrer allgemei­nen Wehrpflicht brauchen ihren Soldaten natür­lich nur einen Bruchteil der Löhnung zu geben, die Deutschland seinen Berufssoldaten bezahlen muh, es ist zudem selbstverständlich, dah die deut­schen Soldaten, die ja eigentlich schon mehr Be­amte sind, bei einer zwölfjährigen Dienstzeit ganz andere Ansprüche nicht nur auf Llnterrunft, sondern auch auf Lebensbildung stellen müssen. Lind die Ausrüstung? 3eder Offizier weiß, wie ein System kleinlicher Schikanen uns die Versor- gung unserer Armee mit Material denkbar er­schwert hat, wie wir alle leistungsfähigen Fa­briken zerstören und mit möglichst großen Lin­kosten neue, weniger leistungsfähige unterhalten muhten: weih zudem, dah uns die Ausfuhr von Kriegsmaterial verboten ist. Selbstverständlich, dah uns infolgedessen das ein­zelne Geschütz sehr viel mehr kostet als die Franzosen, die ja auch um deswegen billiger ar­beiten können, weil sie ihren vsteuropälschen Tra­banten Anleihen nur mit der Auflage geben, dah sie dafür ihre-Rüstungen bei den französischen Fabriken ergänzen. .

Eigentlich überflüssig, das alles noch einmal auszusprechen, aber General Tournös zwingt uns dazu. Wir können an seinen weiteren Artikeln noch unsere Freude erleben. Es bleibt aber doch immerhin etwas Llngeheuerliches, dah ein Mann, der bei uns mit gröhter Korrektheit ausgenom­men wurde, seine dienstlich erworbenen Kennt­nisse dazu mißbraucht, um die nationalistische Hetze gegen Deutschland zu unterstützen. Zur gleichen Zeit, wo wir mit dem französischen Konsul in Königsberg und dem Stellvertreter des neuen französischer Militärattaches in Berlin noch un­sere besonderen Erfahrungen machen.

Amerika und die Reparationen.

Die amerikanische Wirtschaft erwartet ein deutsches Moratorium.

WTB. W a s h i n g t v n. 4. Mai. (WTB.) Si­las ©traten, der Vorsitzende der amerikani­schen Sektion der Internationalen Handels­kammer, erklärte in einem Presseinterviete, Ame­rika werde sich nie zur Streichung der elf Milliarden Dollar Kriegsschul­den bereitfinden, denn der amerikanische Steuerzahler sei j e h t s ch o n schwer b e l a st e t. Eine andere Frage sei eine Ausdehnung der Zahlungsfristen: dies liehe sich erwägen. Es sei jedoch Sache der Schuldner st aaten, hier­für überzeugende Argumente vorzubringen. Eine andere Frage sei auch Deutschlands Zah­lungsfähigkeit: jedermann sehe ein. dah der Fall der Weltpreise Deutsch­lands Reparativnslasten beträcht­lich erhöhe. Wenn Deutschland ein Mora­torium erklären sollte, so würde es dafür in der amerikanischen Geschäftswelt großes Ver­ständnis finden. Lieber die Frage, inwieweit die internationalen Schulden zur Weltkrise bei- getragen haben, wollte Strawn sich nicht äußern; er erklärte jedoch, er könne dem Standpunkt Dr. Dernburgs, daß sie die Weltkrise verur­sacht hätten, nicht beistimmen, denn auch die­jenigen Länder, welche den Vereinigten Staaten nichts schulden, litten unter wirtschaftlicher De­pression.

Die Ausführungen von Silas Strawn, die amerikanische Geschä tsw2lt werde Verständnis dafür haben, falls Deutschland sich gezwungen sehe, ein Moratorium zu beantragen, werden in Finanzkreisen als eine Andeutung ausgefaht, daß nach Ansicht Strawns die amerikanischen Bankiers in einem solchen Falle Deutschland die kurzfristigen Kredite nicht kündigen würden.

Schwere Unruhen in Spanisch-Marotto.

Royalistische Kundgebung der Fremden­legion. Eingcborenenrevolie in Tctuan.

London, 5. Mai. (WTB. Funkspruch.) Ein Bericht aus Tetuan (Spanisch-Marokko) gibt Einzel­heiten über den Zusammenstoß zwischen spanischer Infanterie und royalisti­schen Soldaten der spanischen Frem-^ d e n l e g i o n. Legionäre hatten eine Kundgebung veranstaltet, wurden aber von den Infanteristen überwältigt. Als die Nachricht im Hauptquartier der Fremdenlegion eintrpf, bemächtigten sich die Sol­daten ihrer Offiziere und hißten die könig­liche Flagge. Der Oberkommissar, General Sanjurjo, entsandte ein Regiment eingeborener Truppen mit drei Kompanien Infanterie von Ceuta nach dem Hauptquartier, das umzingelt wurde. Am Sonntagoormittag ergaben sich die Legio­näre.

Diese Ereignisse haben auf die Eingebore­nen der Stadt Tetuan eingewirkt, wo es gestern zum General st reik kam. Ungefähr 3000 Personen veranstalteten eine Kundgebung und verlangten, daßspanischeundeingeborene Arbeiter gleichberechtigt sein sollten, daß der achtstündige Arbeitstag eingeführt werde, daß die arbeitslosen Eingeborenen Arbeit erhalten soll­ten und daß der Sonntag als Ruhetag durch den Freitag ersetzt werde. General Sanjurjo empfing eine Abordnung von 20 Perso­nen, schickte sie aber wieder fort, bevor sie ihre Er­klärung beendet hatte. Hieraus wurden die Fenster des Regierungsgebäudes eingeworfen und e u r o -

Berlin, 4. Mai. (TL1.) Die Verhandlungen des Reichskanzlers mit den Ressorts über die Beseitigung des bedrohten anschwellenden H a u s- Haltsfehlbetrages und in Zusammenhang damit über die Sanierung der Sozial­versicherungen werden von Leitartikeln in der Berliner Presse begleitet, die auf den großen Ernst der Lage Hinweisen. Llnter der Lleberschnft Das Zentrum h a t das Wort", erllä t die 213, das Kabinett Brüning sei nach einjähriger Wirksamkeit dahin gelangt, dah wie­der ein doktrinärer Einspruch etwa des Herrn Wissell seine ganze Regierungsarbeit über den Haufen werfen könne. Es sei die politische Tat­sache festgestellt, dah der tiefe Sinn des Auftrags Dr.Brünings nicht erfaßt, ja ins Gegenteil verkehrt worden sei. Wer eine vernünftige Sozialpolitik erhalten wolle, müsse den Entschluh finden, die Auswüchse des Versor­gungsgedankens rücksichtslos zu be­seit i gen, die Lüge des gleichen Anspruches hoch- und geringwertiger Arbeit zu bekämpfen, die Vernich ung des persönlichen Aufstiegsstrebens durch schematische Tarife aufzuheben und dem Grundsatz der Leistung wieder Gel- tungzuverschaffen. Mit diesem Programm müsse Brüning vor die Oeffentlichkeit und die Parteien treten. Er habe sich bisher nicht unter die Kuratel des Parlaments gestellt, er dürfe das auch in Zukunft nicht tun. Die Sozialdemo­kratie werde und müsse sich der grundsätzlichen Reform der Finanzen, der Politik und des Staatsaufbaues versage n. Daher bleibe der zweite Weg einer tattischen Zusammenarbeit des Zentrumskanzlers und der Zentrum spart ei mit allen denjenigen Faktoren, die das Volksbegehren des Stahlhelms in Preußen unterstützt haben.

päische Laden geplündert. Eingeborene Kavallerie versuchte mit gezogenem Säbel die Menge zu zerstreuen. Da dies nicht gelang, wurde Infan­terie und eine M a s ch i n e n g e w e h r a b t e i- [ung herangezogen und da^ Feuer eröffnet. Gestern um 16 Uhr wurde noch in den Straßen gekämpft.

Oie Wahlen

in Sckanmbnrg-Lippe.

Die nationalsozialistische Welle.

Berlin, 5. Mai. In Schaumburg- Lippe, dem kleinsten deutchen Land, haben am Sonntag die Wahlen zum Landtag fatt- gefunden. Der ganze Staat zählt noch nicht einmal 50 000 Einwohner, ein Parlamentarismus mit fünfzehn Abgeordneten und ein ganzes Reqierungssystem ist also an sich etwas Widersinniges. Selbstverständlich, dah auch in so begrenzten Verhältnissen in der Be­urteilung der Stimmen besondere Maßstäbe an­zulegen sind. Die Verschiebungen sind zum großen Teil lokal bedingt. Es wäre also falsch, die Stimmverteilung ohne weiteres ins Große über­tragen zu wollen. Sie kann höchstens Anhalts­punkte für die Beurteilung ergeben, und da ist es auffallend, daß die Rationalsoziali­sten gegenüber den Reichstagswahlen einen Stimmenzuwachs von fast fünf zig Prozent verzeichnen. Die Annahme, dah die nationalsozialistische Welle ihren Höhepunkt über­schritten hätte, scheint also nicht zuzutreffen. Auch die Deutschnationalen haben einen lleinen Sttmmenzuwachs. Beide Parteien aber haben im wesentlichen auf Kosten der Mitlel- parteien gewonnen, während der Verlust der Sozialdemokratie den Kommu­nisten z u g e w a ch s e n ist. An Mandaten ge­messen hat der Verlust der Sozialdemokraten gerade genügt, um ihnen die absolute Mehrhüt im Landtag zu nehmen. Sie hatten bisher acht Stimmen von fünfzehn und werden künftig nur sieben haben, so dah der Kommunist die Ent­scheidung bringt.

Die Landgemeinden fordern eine Reichsarbeltslosensürsorge.

Berlin, 5. Mai. (WTB. Funkspruch.) Bei einem Presseempfang sprach der Präsident des Deutschen L a n d g e m e i n d e t a g e s, Dr. G e r e k e (M. d. R.),^ über die finanzielle Lage der Gemeinden und über den Gesetzentwurf zu einer Reichsarbeitslosenfürsorge, den der deutsche Landgemeindetag heute der Reichsregierung, den Länderregierungen und den gesetzgebenden Körperschaften überreichen wird. Zur Begründung dieses Gesetzentwurfes- führte Dr. Gereke u. a. aus:Die unerträgliche Bela­stung der Gemeinden durch die Wohlfahrts­erwerbslosen ist in einem Llmfange gestiegen, dah beschleunigte Maßnahmen der Reichsregierung unbedingt erforderlich sind, die spätestens Anfang Juni wirksam wer­den müssen. An der bisherigen Dreiteilung der Arbeitslosenfürsorge in Arbeitslosenversiche­rung, Krisen- und Wohlfahrtsunterstühung kann nicht länger fe st gehalten werden. Die unterschiedliche Behandlung der aus der Ar­beitslosenversicherung Ausgesteuerten er­scheint für die Zukunft nicht weiter möglich. Krisenfürsorge und Wohlfahrtserwerbslosenfür- fcrge müssen in einer Reichsarbeits­lose n f ü r so r ge zus ammengefah t wer­den. Eine wirksamere Form des gegenwär­tigen Llnterstützungssystems kann nur durchgSführt werden, wenn eine viel genauere Prü­fung der Bedürftigkeit erfolgt als bis­her. Die wichtigste Frage ist die nach der Auf­bringung der Mittel für die neue Reichs­arbeitslosenfürsorge. Grundsätzlich erhebt der deutsche Landgemeindetag die Forderung, daß Reich und Länder beteiligt werden müs­sen. 3m Gegensatz zu dem Vorschläge des deut­schen Städtetages, der 50 Prozent der entstehen­den Kosten auf das Reich, 25 Prozent auf die Länder und 25 Prozent auf die Gemeinden um­legen will, ist der deutsche Landgemeindetag der Lieberzeugung, dah die ländlichen Gemeinden nicht mehr als 15 Prozent tragen kön­nen. Für das Reich sollen 50 Prozent bleiben, die Lander sollen aber wieder in der Höhe wie bis 1927 mit etwa ein Drittel beteiligt wer­den. Das jetzige System der Lintervertei- tung der Reichs st euerüberteeisun- gen hat zur Folge gehabt, dah die Gemeinden

den Reichskanzler.

Oie Gtaatspartei zur Lage.

Jnnerpolitifche Besprechungen beim Reichskanzler.

Berlin, 4. Mai. (WTB.) Der demokratische Zeitungsdienst teilt mit: Reichskanzler Dr.Brü­ning empfing am Montag die beiden Vorsitzen­den der staatsparteilichen Fraktionsgemeinschaft im Reichstage, die Abgeordneten Dr. August We­ber und Ostar Meyer, um mit ihnen die po­litische Lage zu besprechen. 3n der Unterhal­tung wurde zunächst die Agrarfrage ein­gehend behandelt. Die Vertreter der Staatspar­tei wiesen nachdrücklich darauf hin, dah ihnen eine Brotpreiserhöhung untragbar erscheine und hiergegen sofort mit einschneidenden Maßnahmen vorgegangen werden müsse. Der Reichskanzler lieh keinen Zweifel darüber, dah die Regierung entschlossen sei, der Brotpreiser­höhung sofort entgegenzuwirken. Das Arbeitslosenproblem wurde ebenfalls eingehend erörtert. Dr. Weber führte dazu aus, daß nach Ansicht der staatsparteilichen Reichs­tagsfraktion nicht mit kleinen Mitteln, sondern grundlegend an diese Frage heran- gcgangen werden müsse, um sowohl einer un­erträglichen Beitragserhöhung zu Lasten der Wirtschaft, Arbeitnehmer und Arbeit- geber, als auch um einer später schwer wieder- gutzumachenden Zerrüttung der Reichs­finanzen vorzubeugen. 3m Anschluß hieran wurde in Aussicht genommen, dah diese Erwä­gungen mit den dazugehörigen sachlichen Einzel­heiten von Dr. Weber unmittelbar dem Reichs­arbeitsminister Dr. Stegerwald unterbreitet werden sollen.

im 3ahre 1928 nach amtlichen Zahlen an Reichs­steuerüberweisungen je Einwohner erhalten haben: Die Stadt Frankfurt am Main rund 38 Mark, die Stadt Berlin rund 34 Mk., die Gemein­den bis zu 5000 Einwohner im Durchschnitt rund 7 Mk. und die Gemeinden bis zu 200 Einwohnern rund 3 Mark. Gerade diese Lleberweisungs- ziffern sind der beste Beweis dafür, wie notwen­dig ein interkommunaler Lastenaus- gleich ist. weil den lleinen Gemeinden so gut wie jede Möglichkeit fehlt, einen Ausgleich für die ständig wachsenden Wohlfahrtslasten zu finden.

Aus aller Well.

Kardinal Pornpilj f.

Am Dienstag ist Kardinal Pornpilj, der Gene raloikor des Papstes, gestorben, nachdem er schon seit einigen Tagen von den Aerzten auf­gegeben und die letzte Oelung erhalten hatte. Kar­dinal Basilio Pornpilj war Bischof von Velletri und Erzpriester der Lateranbasilika, die bekanntlich die Bischofskirche des Papstes ist. Als Generalvikar des Papstes hatte der verstorbene Kirchenfürst in Rom eine besonders hervorragende Stellung. Mit seinem Tode sinkt die Zahl der Pur­purträger auf 57, so daß 13 rote Hüte vakant sind. Die Zahl der von Pius X. kreierten Kardinäle ver­ringert sich auf 10. Kardinal Pornpilj ist der 45. Kar­dinal, der zur Zeit des Pontifikats XI. verstorben ist.

Eine hundertjährige Aerztin gestorben.

D.e älteste Aerztin der Welt, Dr. Harriet C l i s b y, ist im Alter von über hundert Jahren in London gestorben. Sie hatte ihr medizinisches Examen im Jahre 1865 an der Universität in Neuyork bestanden.

Schweres Unwetter in Rorddeutschland.

In Hamburg folgte auf das herrliche Sonntags­wetter am Montagvormittag wolkenbruch­artiger Regen, der bis in die frühen Nach- mittagsftunden hinein andauerte und bereits kurz nach Mittag eine Regenmenge von 37,5 mm brachte. An vielen Stellen der Stadt sind Keller und Lagerräume, Kabelschächte und Leitungsbauten vollgelaufen. Die Feuerwehr, die über 300mal alar­miert wurde, war den ganzen Nachmittag mit Pumparbeiten beschäftigt. Am Montagvormittag ging über dem Hakel, einem Borgebirge des Harzes, als Begleiterscheinung eines schweren Gewitters ein furchtbarer Wolkenbruch nieder. Der Schaden ist sehr bedeutend. Am Montag früh überzog sich der Himmel weithin mit pechschwarzen Wolken. Bald darauf entlud sich ein schweres Gewitter. Der Regen war so dicht, daß man kaum 10 Meter weit sehen konnte. Durch Gröningen und Kroppenstedt wälzten sich große Schlamm­massen und bedeckten 30 cm hoch die Straßen, so daß Kraftfahrzeuge stecken blieben. In der Nähe von Gröningen hat sich auf den Aeckern ein riesi­ger See gebildet. Bei Heynburg wurde der Bahn­damm der Kleinbahn GröningenScheitlingen von den Wassermassen unterhöhlt.

Mit dem Auto auf den Bürgersteig.

In Gelsenkirchen fuhr am Montagmorgen ein Lastkraftwagen im Ortsteil Erle beim Ueberholen eines Fuhrwerkes auf den Bürgersteig, und zwar in eine Gruppe Schulkinder. Ein siebenjähriger Junge wurde so schwer verletzt, daß er kurz darauf starb. Zwei weitere Knaben und ein Mädchen wurden erheblich und zwei erwachsene Per­sonen leichter verletzt. Der Kraftwagenführer wurde festgenommen.

Ein seltsamer Grenzstreit.

Bei Rhede und Reurhede haben deutsche Sied­ler einige Dutzend Siedlungen auf hol­ländischem Gebiet errichtet, ohne zu wissen, daß sie sich auf holländischem Gebiet befanden. Diese Deutschen haben Moorflächen, die noch keines Menschen Fuß betreten hatte unö in denen daher Grenznxarkierungen nicht vorhanden waren, der Kultur er­schlossen und sich auf dem besiedelten Gebiet feste Wohnungen geschaffen. Die Holländer verlangen jetzt die Rückgabe des Gebietes. Die Bemü­hungen der deutschen Regierung scheinen vergeb­lich zu sein, denn auf einer Versammlung wurde von dem holländischen Kommissar erllärt, daß Holland auf Rückgabe der betreffenden Gebiete besteht. Wenn die Deutschen freiwillig die Moor­gebiete abgeben, werde ihnen von dem holländi­schen Kommissariat je Hektar ein Betrag von 250 Mark gezahlt werden. 3n allen anderen Fällen soll das beschleunigte Ent­eignungsverfahren eingeleitet werden. Den Deutschen soll nach Vollendung der Kultivie- rungsarbeiten, die von holländischen Er -

werbslolenausgelührt werden, Gelegen­heit gegeben werden, Altparzellen für einen Hektarp eis von 800 b'.s 900 Mk. zu erwerben oder za pachten. Für die angelegten Wege und Gräben soll noch eine besondere Entschädigung gegeben werden. Die Angelegenheit scheint sich deshalb zugespiht zu haben, weil die Prqvurz Groningen in den Moordistrikten einen Teil ihrer Erwerbslosen zu beschäftigen hofft.

Eine schwere Exmittierung.

3n Berlin kam es bei der Exmittierung eine» Mieters des am Brunnenplah gelegenen Ledi­genheimes zu schweren Ausschreitungen. Da die Exmittierung wiederholt vergeblich versucht worden war, wollte ein Gerichtsvollzieher diese mit Hilfe der Polizei durchführen. Den anrückenden Beamten stellte sich jedoch eine Menschenmenge von etwa 2 0 0 Per­sonen entgegen, die von den 3nsassen des Ledigenheimes unterstützt wurden. Der Mieter hatte sich in seinem Zimmer verschanzt und drohte, aus dem Fenster zu springen, falls man mit Gewalt bei ihm eindringen wolle. Feuer­wehrleute und Polizeibeamte bemächtigten sich nun über eine mechanische Leiter durch das Fenster des Zimmers, wo sie den Wider­spenstigen mit Schnittwunde-n 4jn Hand­gelenk vorfanden. Inzwischen hatten sich die Demonstranten auf etwa 500 Personen erhöht, so daß die Polizei mit dem Gummiknüppel vor­gehen mußte. Dabei wurde ein Polizeioffiz^r zu Boden geschlagen und am Kopf verletzt. Sechs Personen wurden festgenommen.

Mord an einem Gerichlsdiener.

3n Malchow (Mecklenburg) wurde ein auf­sehenerregender Mord entdeckt. Der pensioniert« Gerichtsdiener Glaesel wurde indem Arbeitsraum des Fabrikanten 3 o - nas ermordet auf gefunden. Richt weit von der Leiche lag eine schwere Eisenstange, mit der der Mord offenbar ausgeführt worden ist. Als Täter kommt mit größter Wahrscheinlichkeit der Fabrikant 3onas in Frage, der seit etwa einem halben 3ahre inLlntersuchungs- h af t sitzt. 3onas hatte seinerzeit durch die Be­hauptung, er könne mittels eines besonderen Apparates Wasserstoff gas aus Wasser erzeugen und mit Hilfe dieses Wafserstoffgases eine ver­billigte Fernheizung Herstellen, eine An­zahl Geldleute dazu verlockt, sich mit Kapitalien an seinem Unternehmen zu beteiligen, wurde ie- doch unter dem Verdacht, ein Schwindler zu sein, verhaftet. 3onas bot darauf den Llnter- suchungsbehörden an, den Beweis für feine Be­hauptung anzutreten, worauf ihm vor mehreren Wochen gestattet wurde, unterAufsichtdes Gerichtsdieners Glaesel die zur Aus­führung seines Verfahrens notwendigen Arbei­ten auf seinem Grundstück in Malchow zu ver­richten. 2lls nun weder 3onas noch Glaesel nach dem Llntersuchungsgefängnis zurückgekehrt waren, forschte man auf dem 3onasschen Grundstück nach ihrem Verbleib. Als man den verschlossenen Ott* beitsraum mit Gewalt öffnete, fand man Glaesel in dem Raum ermordet auf; von dem Unter­suchung sgcfangenen 3onas dagegen f e h l t e jede Spur. Wie inzwischen festgestellt.werden, konnte ist ein Hamburger 2lutomobil von dem Grundstück fortgefahren. Man vermutet daher, daß 3onas von Helfershelfern abgeho^t und in­dem Auto geflüchtet ist.

Oie Wetterlage.

Owoixentos. Oneuer. <1 naib oenecKt.» woikiq. oruteki eltegefc »Schnee aGraupeln, b Nebel K Gcwitttr.(§)wmd5iilie.«O-> «nr «itnier 0$; nassige» SüdsüdwestS stürmische» Nordwest oie »Jene fliegen mit dem winde. Pie oeiden Stationen stenenden Za* «en geben die Temperatur an. Die Linien verbinden Orte mit Qiclcbcat auf Meeresniveau umoerrchnete» Luftdruck.

Wettervoraussage.

Durch den Zustrom kühler Luft ist der Luftdruck über dem Fesllande kräftig angestiegen. Dabei ist die Bewölkung zurückgegangen und meist heiteres Wetter eingetreten, lieber den britischen Inseln ist allerdings eine neue Störung erschienen, deren Vor- derseiteneinfluß die Winde auch in Westdeutschland schon nach Süden zurückdrehen ließ. Somit steht wieder die Zufuhr warmer Lust in Aussicht, was besonders tagsüber unter Mitwirkung der Sonnen­strahlung kräftigen Temperaturanstieg zur Folge haben wird. Das meist heitere Wetter dürfte vor- erst erhalten bleiben, jedoch wird später mit dem Drehen der Winde mehr nach Westen hin und der Zufuhr etwas kühlerer Ozeanluft wieder Bewölkung und Neigung zu Gewitterstörungen aufkommen.

Aussichten für Mittwoch: Zunächst viel­fach aufheiternd u,d trocken, wärmer, später wieder aufkommende Bewölkung.

Aussicyten für Donnerstag: Neigung zu Gewitterstörungen mit einzelnen Niederschlägen.

Lusttemperaturen om 4. Mai: mittags 16,2 Grad Celsius, abends 9,4 Grad; am 5. Mai: morgens 4,5 Grad. Maximum 16,4 Grad, Minimum 1,8 Grad. Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 4. Mai: abends 13,6 Grad; am 5. Mai: morgens 8,1 Grad Celsius. Niederschläge 0,2 nun. Sonnenscheindauer 37» Stunden.