Ausgabe 
5.2.1931
 
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Lage der bäuerlichen VeredelungS- wirtschaft hin, hervorgerufen durch die Kon­kurrenz des Auslandes unter gleichzei­tiger Verteuerung der Futtermittel- bas i s und verschärft durch das Fehlen lei­stungsfähiger Abfohorganisatto- n e n. Es wurde eine soiortige Inangriffnahme dieser Probleme durch reichsgcsetzliche Regelung erbeten. Dem Reichskanzler werden alsdann Vor­schläge betreffend die besoirdere Berücksichtigung der bäuerlichen Interessen beim Kartoffelbau und bei der Regelung der Zucterwirtschaft unterbreitet. Bei der Besprechung der Ost Hilfefragen wurde von den Vertretern der Bauernschaft mit besonderem Rachdruck auf die Rotwendigkeit pro­duktiver Hilfsmaßnahmen und der bäuerlichen Besihbefestigung hinge­wiesen. Der Reichskanzler sagte den Vertretern der Bauernschaft zu, daß die vorgetragenen Wünsche bei den in Angriff genommenen Gesetz- gebungsarbeiten nach Möglichkeit berücksich­tigt werden sollten.

Nie Vereinbarungen zwischen Reichskanzler und Volkspartei

Berlin, 4. $ebr. (VDZ.) Amtlich, lieber da» Ergebnis der Verhandlungen, die am 3. und 4. Fe­bruar zwischen dem Herrn Reichskanzler und dem Herrn Reichsfinanzminister Dr. Dietrich einerseits und der Reichslagsfraklion der Deut­schen Volksportei. vertreten durch ihren Vor­sitzenden Herrn Abg. D i n g e l d e y und dem Etats­referenten Herrn Dr. Cremer, andererseits statt­gefunden haben, wird im Einvernehmen mit dem Herrn Reichskanzler folgendes mitgeteilt:

1. welche Linnahmeausfälle infolge der allgemeinen wirtschaftsverhällniffe gegenüber den Etatsanfähen eintreten können, läßt sich heute mit voller Sicherheit nicht übersehen.

2. Der Reichskanzler und der Reichsfinanzminister sind entsprechend früheren Erklärungen mit der Relchslagsfraktion der Deutschen volksparlei einig darin, daß solche Ausfälle nur durch weitere Ausgabenkürzungen und nicht durch Erhöhung irgendwelcher Lasten oder durch Vermehrung von Schulden gedeckt werden dürfen.

3. Um der Reichsregierung die einwandfreie Mög­lichkeit solcher Ersparnisse zu schaffen, wird die Re­gierung den Reichstag um eine entsprechende E r - mächtigung ersuchen.

Oer Stahlhelm beantragt Volksbegehren m Preußen.

DcrPreutzischeLandtag soll aufgelöst werden

Berlin, 4. Febr. (TU.) Der Stahlhelm, Bund der Frontsoldaten, hat in einem Schreiben vom 1. Februar cm den Preußischen Minister des Innern, Severing, beantragt, gemäß Artikel 6, Absatz 1 Ziffer 3 der Verfassung des Freistaates Preußen und gemäß § 2 des Gesetzes über das Verfahren beim Volksbegehren und Volksent­scheid vom 8. Januar 1926 die Listenaus- legung für das folgende Volksbegehren zutzulasfen: «Der am 20. Mai 1 928 ge­wählte L a nd t a g ist aufzulösen."

dem Schreiben heißt es u. a.:Der Vor­stand des Stahlhelms, Bund der Frontsoldaten, e. V., hat am 4. Oktober 1930 beschlossen, ein Volksbegehren auf Auflösung des Preußischen Landtages einzubringen, um auf diesem Wege in Preußen eine Regierung zu ermög­lichen, die dem in der Wahl vom 14. September 1930 einwandfrei festgestellten Volkswillen entspricht. Am 5 Oktober 1930, dem Reichsfront­soldatentag in Koblenz, haben die über 140 000 freiwillig und auf eigene Kosten dort erschienenen Mitglieder des Stahlhelms diesem Beschluß ein­stimmig begeistert zugestimmt. Nachdem nunmehr die erforderlichen Vorbereitungen zum Dolks- -begehrcn in Preußen beendet sind, beantragen wir (folgt der gemeldete Antrag). Da sich aus den -vorgenannten Tatsachen und der allgemein be­kanntgewordenen Bestätigung des Stahlhelms die nach § 2 Absatz 1 des Gesetzes vom 8. Januar 1926 in Verbindung mit § 4 Absatz 4 der Landes» abstimmungsordnungen vom 28. Januar 1926 er­forderliche Glaubhaftmachung der Unterstüt­zung durch hunderttausend Stimm­berechtigte einwandfrei ergibt, bedarf es der Beibringung weiterer Unterschriften nicht.

Das Erdbeben auf Reuseeland.

Oie Stadt Napier wird geräumt. Hastings ein Trümmerhaufen.

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Blick auf die Stadt Hastings, die fast völlig dem Erdboden gleichgemacht wurde.

Wellington, 4. Febr. (WTD.) Gestern abend ist der Befehl erteilt worden, Rapier binnen zwei Tagen zu räumen Da doS Kanalisationsshstem zerstört ist, befürchten die Behörden den Ausbruch von Spidernien. Es werden immer noch Erdstöße wahrge­nommen. Ganze Familien kampieren in Gärtetz oder längs der Straßen. Wie verlautet, beab­sichtigen die Behörden, mehrere Gebäude in Rapier in die Luft sprengen zu lassen, um eine Ausbreitung der Flammen zu verhindern. Fünf Flugzeuge sind mit Apparaten zur Des­infektion des Wassers nach Rapier abgeflogen. Ein im Erdbebengebiet eingetroffener 3ournolift meldet: Als Stadt hat Rapier auf gehört, zu bestehen. Seine Einwohner irren in der Umgebung umher. Die Stadt ist ein Haufen von Ruinen. Im Zentrum der Stadt steht nicht mehr ein einziges Gebäude. Die auf den Anhöhen stehenden Häuser wurden durch das Erdbeben auf die tieferliegenden geschleudert. Wie die Einwohner berichten, wurde ein ausgedehntes Stück der Erdoberfläche durch einen ungeheuren Stoß in die Höhe gehoben und fiel dann in sich zusammen.

In Rapier spielen sich herzzerreißende Szenen vor den Ruinen der Gewerbeschule ab, wo Mütter aus der Stadt und den umliegenden

Orten angstvoll auf Rachrichten über ihre ver­mißten Söhne warten. Zwei Kriegsschiffe sind mit Lebensmitteln und Arzneien vor Rapier eingetroffen, deren Verteilung gegenwärtig im Gange ist.

Die Stadt H a st i n g s, die vollkommen durch das Erdbeben zerstört worden ist, wußte bis Mitternacht nicht, ob die Außenwelt von ihrer Lage unterrichtet war oder nicht. Als der erste Stoß erfolgte, waren d i e Straßen und Ge­schäfte voller Menschen. Die zusammen­stürzenden Gebäude fingen die Leute in Geschäf­ten und Läden und auf der Straße wie in einer Falle. Viele stürzten auf die Straße und wurden, sobald sie den Bürgersteig erreich­ten, schon von den Trümmern erschla­gen. Ein Polizeibeamter, der unmittelbar nach dem Erdstoß auf die ^'raße eilte, fand ein junges Mädchen, das auf der Straße mit bis an die Knie abgetrennten ^<nen saß. Aus allen Rich­tungen kamen Schreie von Menschen, die unter den Trümmern begraben lagen. Dcr Portier eines Hotels, der, als der Stoß erfolgte, in der obersten Etage war, entkam vhne Verletzungen aus dem zusammengestürzten Gebäude. Ein anderer Mann lag neun Stunden lang unter einem Stapel, von Steinen und kam mit nur geringfügigen Verletzungen davon.

9er Kamps um die Wahlresorm in England

Macdoriald kommt den Wünschen der Liberalen Partei entgegen.

London, 4. Febr. (Priv.-Tel.) Macdonald hat den Liberalen den Preis für die Unter­stützung, die sie ihm beim Äewerkschafts- gesetz zuteil werden ließen, sehr rasch bezahlt. Er hat ein neues Wahlgesetz eingebracht und durch die erste Lesung im Unterhause auch olücklich durchbekommen. Er hat sich sogar persönlich so stark dafür eingesetzt, daß an der Annahme der neuen Vorlage im Ausschuß und später im Plenum bei dem Zusammengehen von Liberalen und Arbeiter­partei kaum mehr zu zweifeln ist. Lloyd George darf also der liberalen Opposition gegenüber für sich in Anspruch nehmen, daß er taktisch richtig ge­handelt hat und für die kommenden Wahlen mit einem ft d r f e r e n ziffernmäßigen Einfluß rechnen darf.

England hat bisher mit großer Zähigkeit an fei­nem alten Wahlrecht festgehalten, das ausschließ­lich dem Zweiparteien-System angepaßt

war, da es Stichwahlen nicht kannte. Gewählt ist, wer im ersten Wahlgang die relative Mehrheit der Stimmen erhält. Vom Standpunkt der Verhältnis­wahl natürlich ein Unfug, weil theoretisch die Mög­lichkeit besteht, daß ein Kandidat nur wenige Stim­men über ein Drittel aller abgegebenen Wahlzettel erhält und doch gewählt ist. Das hat aber politisch den Vorteil, daß Schwankungen bei den Wählern seh r viel stär ker zum Ausdruck kommen können. Bei den letzten - Wahlen haben eigentlich immer die Konservativen den Vorteil da­von gehabt, indem sie einmal als absolute Minder­heitspartei eine überwältigende.Mehrheit ins Unter­haus brachten. Die Leidtragenden dabei waren mehr und mehr die Liberalen, die allmählich zur politi­schen Bedeutungslosigkeit heruntergedrückt wurden, weil die Zahl der Wahlkreise, in denen sie relativ die meisten Stimmen auf sich vereinigten, gering war. Nur ganz wenige Zahlen: 1929 erhielt die

Arbeiterpartei mit 8,4 Millionen Stimmen 288 Mandate, während die Konservativen es mit 8,6 Millionen nur auf 256 und die Liberalen mit 5,3 Millionen sogar nur auf 59 Abgeordnete brachten.

Die £ibetad>n sind da per aucy die Banner­träger des Systems der Verhältniswahl nach deutschem Muster gewesen. Ganz haben sie sich damit nicht durchsetzen können. Das neue englische Wahlrecht schlägt einen Mittelweg ein, in der Form, daß jeder Wähler künftig nicht nur den Kandidaten seiner Partei wählt, sondern gleichzeitig noch einen zweiten Kan­didaten, dem die Stimme zufällt, falls der eigentliche Kandidat nicht gewählt werden sollte. Ein etwas kompliziertes Verfahren, das wohl von der stillschweigenden Voraussetzung eines Wahlkartells zwischen Arbeiterpar­tei und Liberalen ausgeht, dann aller­dings die Konservativen dauernd i n d i e Rolle einer hoffnungslosen Min­derheit drücken würde. Gerade deshalb aber ist zu erwarten, daß im Oberhaus mit seiner konservativen Mehrheit erhebliche Wider- st ä n d e gegen die neue Wahlreform einsehen werden, und es bleibt auch noch abzuwarten, ob der englische Wähler später diszipliniert ge­nug ist, um geschlossen einer solchen Parole der ^arteigen träte zu folgen. Die Probe auf das Exempel also, ob die Liberalen durch die Um- gestaltung auch einen Teil des ihnen verloren gegangenen politischen Einflusses zurlttkgewinnen werden, bleibt noch zu machen.

Schwere Zlugzeugkaiastrophe.

Infolge einer Explosion stürzte ein großes Marine-Wasserflugzeug bei Plymouth ins Meer. Reun Mann feiner Q3efa6ung, darun­ter der Pilot, sind ums Leben gekommen. Die Maschine war ein dreimotoriges Ganzmetallflug­zeug, das die BezeichnungIris lll" führte und , außer der normalen Besatzung von neun Mann noch 28 Personen zu befördern vermochte. Bei Manövem unb Schießübungen kam die Maschine plötzlich im Steilflug herunter und als sie daS Wasser berührte, erfolgte eine starke Explo­sion, deren Ursache noch unbekannt ist. Der Apparat sank für einige Augenblicke und tarn dann kieloben wieder an die Oberfläche.

Ein auf einem Flügel des Flugzeuges stehen­der Mann und drei andere, die bereits im Wasser trieben, wurden gerettet. Das F ug* zeug füllte sich rasch mit Wasser, so daß die im Innern befindlichen Leute nicht mehr ins Freie gelangen konnten. Sie gingen mit dem Apparat unter. Don den vier Geretteten sind drei schwer verletzt, am schwersten die Hei­zer, die im Maschinenraum in unmittelbarer Rahe des Motors arbeiteten. Breimendes Oel, das aus der Maschine heraussprihte, bedeckte ihre nackten Oberkörper und die Gewalt der Explosion schleuderte sie zu Boden, wo sie von unzähligen glühenden Metallstücken bedeckt tourben.

Urteil im Mordprozeh Uibrich

Berlin, 4. Febr. (WTB.) Um 154 Uhr verkün­dete dcr Vorsitzende, Landgerichtsdirektor Schm.tz, folgendes Urteil: Die drei Angeklagten find schult.>g, gemeinschaftlich einen Menschen vor» sötzlich getötet zu haben, und zwar Stolpe undLuise Neumann mit Uebcrlegung, Benzinger nicht mit Ueberlegung Die drei Ange­klagten sind auch der gemeinschaftlichen Unterschla­gung schuldig Es werden verurteilt: Stolpe wegen Mordes zum Tode und zum dauern­den Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte, wegen Unterschlagung zu sechs Monaten Gefängnis, Lu.se Neumann wegen Mordes und Untersch a- gung zu einer Gesamtstrafe von acht Jahren zwei Monaten Gefängnis, Benzinger wegen Totschlags und wegen Unterschlagung zu einer Gesamtstrafe von sechs Jahren drei Monaten Zuchthaus und Verlust der bür­gerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von 5 Jahren. Rechtsanwalt Dr. Reiwald erklärte nach Ver­lesung der Urteilsbegründung für Benzinger, daß dieser auf Revision verzichte und die Strafe sofort antrete. Rechtsanwalt Dr. Sidney Mendel läßt dagegen für den zum Tode verurteilten Stolpe Revision beim Reichsgericht anmelden.

Bilderschriften im Gchnee.

Gpuren, Fährten und Geläufe.

Von Peter Bauer.

Richts ist vergänglicher als Schnee in der Stadt. Er muß schon nachts und in tüchtigen Gestöbern niederwirbeln, muh den Frost zum Bundesgenossen haben, wenn sein weißer Zau­ber die verwandelten Straßen eine Zeitlang bannen soll. Aber auch dann haben Besen, Hacken und Schaufeln den märchenhaften Stun­den des geräuschlosen Gehens und Fahrens rasch ein Ende bereitet. Wo sie nicht yinkommen, zertreten und zerstückeln Fußgänger und Fahr­zeuge den weihen Teppich, bis er, unansehnlich, schmutzig und häßlich geworden, die graue Straße nicht mehr schmückt, sondern mit seinen entstellten Ueberbleibseln verschandelt.

Anders ist es draußen vor der Stadt, ab­seits der großen Fahrstraßen. Da prangt einem die Landschaft entgegen als eine einzige Schnee- wüste. Die holperigen Feldwege fino zugewccht unb bilden mit den angrenzenden Leckern unb Wiesen eine weiße, horizontweite flache Ebene, bie noch keines Menschen Fuß burchwanbert zu haben scheint. Denn nirgends verrät der Abdruck eines Trittes seine Nähe.

ähn so unbekümmerter haben bie Vierfüßler und Vögel, bie die zugedeckte Wintersaat und andere Nahrung suchen, chre Sauf-, Hüpf» und Schleichspuren hinterlassen. Jedes Aufsetzen einer Tierpfote ober eines Dogelfußes zeigt sich im Schnee wie ein aufgebrüdter Stempel, wie ein eigentümliches Siegel. Am interessantesten ist das Spurenbild des Hasen. Es besteht aus zwei Paar Trittfiegeln, die voneinander gänzlich verschieden sind. Das Vorderpfotenpaar zeigt zwei kleine, eng voreinanderliegende Abdrücke, während die Spuren der Hinterläufe, die im ge­ringen Abstand nebeneinander abgezeichnet sind, fast die Größe von kleinen Kinderschritten er­reichen. Bei langsamer Gangart, wenn der Hase hoppell, erscheinen die Trittsiegelpaare nahe bei­einander. Sie entfernen sich voneinander um so weiter, je stärker das Tier zu laufen beginnt, je mächtiger feine Sprünge ausgreifen und zu ratender Flucht sich ern W ll man sich über Uit Richtung thJ prächtigen nicht tauschen, jo

darf man nicht vergessen, daß der besonderen Laufart des Hasen entsprechend, das Spurbild der Hinterpfoten immer vor dem der Vorder­pfoten liegt. Denn der Hase setzt jedesmal die Heiden Vorderläufe ungeiähr voreinander und schnellt dann mit den Hinterläufen über sie hin­aus. Aehnlich sieht die Spur des Eich­hörnchens aus, der man auf Waldschneisen begegnet. Rur stehen die Abdrücke der Vorder- unb Hinterfüße der Größe des Tieres gemäß näher beisammen. Außerdem setzt das Eich­hörnchen die Vorderpfoten nicht vor-, sondern dicht nebeneinander. Dagegen haben Marder, Iltis, sowie daS kleine unb große Wiesel als gewöhnliche Gangart ein Hupfen. Da hierbei die Hinterfüße genau In die Abdrücke der Vorder­pfoten treten, entsteht eine Spur mit paarweisen Trittsiegeln. Deutlich zeigt jeder Abdruck die fünf betrauten Hetzen. Aber während ihre nackten Ballen bei der Spur des Hundes sich einzeln scharf abzeichnen, bewirkt das weiche, dichte Haar an den Trittflächen der Marder und Wiesel, daß die Konturen der Zehenabdrücke sich ver­wischen, und die Pfote als ein geschlossenes Ganzes sich ausprägt. Sehr auffadenb und einer Hand nicht unähnlich ist das große Trittsiegel des Dachses mit feinen langen Grab krallen. Freilich unterbricht Meister Grimbart selten sei­nen Winterschlaf. Setzt er sich in gemächlichen Trab, so gleicht seine Beinstellung der des Pfer­ches in derselben Gangart. Ganz anders trabt Reineke der Fuchs über' einen Waldweg. Er setzt die vier Trittsiegel, die derjenigen der Hundepfote am ähnlichsten sind, fast in einer Linie, die gerade tote eine gespannte Schnur verläuft, hintereinander, so daß man vomschnü­renden" Fuchs spricht.

Häufig zu finden unb leicht erkennbar ist bie Spur des Rehes, bas bie beiden Hufen seiner Zehenspitzen gleichmäßig abdrückt. Sie stellt beim ziehenden" Reh eine regelmäßige Zickzacklinie bar Bei der Flucht Laben bie etwas gespreiz­ten Zehen vorn auseinander unb die beiden kürzeren äußeren ober Afterzehen berühren gleichfalls ben Boden, ft> daß hinter jedem Trittsiegel noch ein verwischter Doppelpunkt er­scheint. Aehnlich. nur entsprechend größer, zeigt sich das Triitbild desziehenden" und flüchtigen Hirsches. Du der Hirsch aber bereits -u dem

Wlld der hohen Jagd gehört, bezeichnet der Weidmann seine Spur clls Fährte. Von dem Wlld, das eine Fährte macht, kommt uns in unfern heimischen Wäldern außer dem Wild­schwein keines zu Gesicht. Natürlich sind bei diesen Ztoeizehern die einzelnen Arittsiegel bet Fährte noch kräftiger. Die Tupfen der After­zehen zeichnen sich größer unb gewichtiger ab.

Weder von Fährten noch von Spuren spricht man bei den Vögeln, sondern nennt die Abdrücke ihrer Füße Geläufe, obwohl nur ein kleiner Teil von ihnen ..läuft, dje Mehrzahl vielmehr hüpft. Leicht lassen sich bie Schrittbilder der Feldvögel, das heißt der wirklichen Läufer, von denen Der Daumvogel, bie nur vorübergehend auf dem Boden wellten, erkennen. Ersteren muh auch einmal ein Fuß allein als Stütze dienen, weshalb die Zehen breit auseinandergerückt sind und die beiden äußeren einen stumpfen Winkel bilden. Letztere haben bie viel ausgeprägteren Zehen enger beisammen stehen, unb je mehr sie zum Anllammem an Zweigen bienen, mit ge­bogenen, spitzen Krallen bewehrt. Sv wird man bald die Feldhühner- und Tauben- geläufe unterscheiden können von dem der Amseln und Krähen, daß der flink hin- schnellenden Haubenlerche von dem der hüp­fenden Sperlinge unb Finken ober den Kletterfüßen der Meisen. Mitunter begegnet man im Walb auch einmal dem seltenen Tritt­siegel, bas zwei Zehen nach vorn, zwei nach hinten gerichtet zeigt: es ist das Geläufe eines Spechtes. Schwimmvögel verraten sich durch die deullich wahrnehmbare Schwimmhaut zwischen den Zehen.

Sv ist gar vielerlei aus der Bilderschrift im Schnee zu lesen. Die ganze weiße Landschaft scheint ein Buch, in lustiger Laune vvm Winter aufgeschlagen, damit ihm die Tiere etwas auf die leeren Seiten schreiben ...

Lochschulnachrichten.

Der ordentliche Professor der Physiologie an der Berliner Universität Dr. Wilhelm T r e n- belenburg ist von der Preußischen Akademie der Wissenschaften zum ordentlichen Mitglied ihrer physikalisch-mathematischen Klasse gewählt worben. Pros. Trenbelenburg war Assistent bei

Geheimrat v. Kries in Freiburg i. B., wo er sich 1904 habilitierte. 1911 wurde er in Innsbruck Ordinarius, kam 1916 nach Gießen, bald daraus nach Tübingen unb 1927 nach Berlin. Berufun­gen nach Straßburg, Wien unb Bonn hat der Gelehrte abgelehnt. Pfarrer Günther Dehn an der Reformationskirche in Der'.in-Moabit hat einen Ruf auf den Lehrstuhl der praktischen Theologie an die Universität Halle erhalten, dem Pfarrer in Dorndorf D. Friedrich Sogar- t e n, Privatdozent an der Universität Jena, wurde ein Lehrstuhl der systematischen Theologie an die Universität Breslau angeboten.

Der Lehrstuhl der Kunstgeschichte an der Berliner Universität als Nachfolger des Kirchen­rats A. Goldschmidt ist dem ordentlichen Pro­fessor Geh. Regierungsrat Dr. Wich. Pinder an der UniverWät München angeboten worden. Prof. Pinder, geboren 1878 zu Kassel, als Sohn des Museumsdirektors Dr. Eduard Pinder, war Assistent in Leipzig, habilitierte sich 1905 in Würzburg, und wurde 1911 Ordinarius an der Technischen Hochschule in Darmstadt. 1916 erfolgte seine Berufung an die Universität Bres'au, doch verhinderte ihn die Teilnahme am Weltkriege, die Stelle anzunehmen. 1918 hatte Pinder einen Ruf nach Straßburg als Nachfolger Dehivs an­genommen. doch mußte er bald mit den übrigen deutschen Dozenten Straßburg verlassen. 1919 wurde Pinder Schmarsows Nachfolger in Leip­zig, von wo er 1927 nach München als Nachfolger Wölfflins übersiedelte. Der durch den Weg­gang von Prof. S. Thannhauser an der Medi­zinischen Akademie in Düsseldorf erledigte Lehr­stuhl der inneren Medizin ist dem außerordent­lichen Professor an bet Universität München unb ärztlichen Leiter des Sanatoriums Gbenhausen bei München Dr. Emst Edens angeboten wor­den. Edens war Assistent von Geheimrat A. Heller am Pathologischen Institut der Universi­tät Kiel, von Geheimrat Zinn am Diakonissen­haus Bethanien in Berlin unb an der zweiten medizinischen Abtei, ung des Krankenhauses Mün­chen L d. Jser. 1910 würbe er Privatdozent in München, leitete das Sanatorium Luisenyeim in Sankt Blasien, wurde später ärztlicher Leiter des Parksanatoriums in Bad Homburg v. b. H., von wo er 1925 nach Ebenhausen bei München übersiedelte. «