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Ende des Jahres 1916 Marschall von Frankreich, der erste seit Bestehen der dritten Republik. Militärisch ist er nicht mehr hervorge- treten, wurde jedoch mit Sondermissionen, so 1917 nach den Bereinigten Staaten, 1919 nach Spanien und 1920 nach Rumänien geschickt. Die letzten zehn 3ahre lebte er zurückgezogen in Paris. Oie Beifehungsfeier für den

toten Marschall.

Paris, 3.3an. (WTB.) Um 8.50 Uhr er­schien Ministerpräsident Steeg in der Klinik und brachte der Witwe Ioffres das Beileid der Regierung zum Ausdruck. 3m Laufe des Bor­mittags Aben außerdem der Präsident der Repu­blik Doumergue und der apostolische Runtius Maglione persönlich der Witwe ihr Beileid zum Ausdruck gebracht, ebenso zahlreiche andere Persönlichkeiten.

Das Programm der B e st a t t u n g s f e i er­lich k e i t e n ist am Samstagvormittag in einem Kabinettsrat fcstgelegt worden. Die Bestattung geschieht auf Staatskosten. Der einbalsa­mierte Leichnam wird am Sonntagvormittag in die sogenannte Silberne Kapelle der Militär- schule übergeführt werden, wo er zwei Tage lang aufgebahrt wird. Auf ausdrücklichen Wunsch des Marschalls findet die Aufbahrung nicht wie bei dem Marschall Foch unter dem Triumphbogen statt, um das Publi­kum und das Militär nicht den Witterungs­unbilden auszusetzen. Bei der U e b e r f ü h r u n g zur Rotre Damekirche, wo am Mittwoch Die Trauerfeier stattfindet, wird dagegen der Sarg unter dem Triumphbogen hindurchgeführt werden. Die Bestattung soll auf ausdrücklichen Wunsch 3ofsres nicht in der Marschalls­kapelle des Invalidenhauses erfolgen, sondern auf seiner Besitzung Louvecienne, wo er die letzten Jahre verbrachte.

An den Beisetzungsfeierlichkeiten wird auch eine Schar englischer Abgeordneten teil­nehmen, die aus dem englischen Botschafter in Paris, Lord Tyrrell, als Bertreter des Königs, zwei Marschällen als Bertreter des eng­lischen Heeres, dem Lordadmiral als Ver­treter der Marine, dem Marschall der Lufttruppen, sowie Truppenabord­nungen in Stärke von sechs Offizieren und 110 Mann bestehen wird.

Preisbindung bei Markenartikeln.

Berlin. 3. Ian. (1BIB.) Das Reichswirt, schaftsminisierium Hal nach einem Beschluß dem Reichskabinetts dem Vorläufigen Reichswlrt- schafksrat den Entwurf einer Verordnung über Preisbindungen bei Marken- a r t l k e l n zur gutachtlichen Stellungnahme zuge- leilet. Rach dieser Verordnung sollen künftig Preis­bindungen bei Markenartikeln nur dann noch rechtswirksam sein, wenn und insoweit eine Senkung der Verbraucherpreise um winde st ens 1 0 v. h. gegenüber dem Stande am 1. August durchgeführt ist. Dabei wird erwartet, daß die Durchführung der Preissenkung im Zusammen­wirken von Erzeugern, Großhändlern und Einzel- Händlern erfolgt und nicht zu La st en nur einer der beteiligten wirtschafls- g r uppen geht. Der vorläufige Reichswirtschasts- rat wird sich bereits am 5. und 6. Januar mit der Vorlage beschäftigen.

Orewih bleibt Führer der Wirtschastspartei.

Berlin, 4. Jan. (DDZ.) Der Reichsausschuß der Wirtschaftspartei trat am Sonntag unter dem Vorsitz des Reichstagsabgeordneten F r e i d e l - Hildesheim im Reichstagsgebäude zu einer Sitzung ^zusammen, die sich mit den Vorwürfen beschäftigte, jjie von dem Abgeordneten Colosser gegen den 'Parteivorsitzenden Drewitz erhoben worden sind. Mn den Bericht des Ausschusses zur Prüfung der Vorwürfe gegen den Parteivorsitzenden schloß sich eine Aussprache, die über 8 Stunden in An­spruch nahm, lieber das Ergebnis der Verhandlun­gen wird von der Wirtschaftspartei folgender Be­richt ausgegeben:

Der Reichsausschuß hat die Ueberzeugung gewon­nen, daß dem Parteivorsitzenden Drewitz kerner- lei ehrenrührige Handlungen zur Last fallen und spricht ihm erneut das Vertrauen aus. Der vom Parteivorstand gestellte Antrag auf Ausschluß des bereits aus der Reichstagsfrak­tion ausgeschlossenen Abgeordneten C o l o s s e r auch aus der Partei, wurde dem zuständigen P a r tei­ge r i ch t zur satzungsgemäßen Behandlung über­wiesen. Das Verhalten des Herrn Colosser fand die einmütige Mißbilligung des Reichsausschusses.

Kritische Lage der Reichsknappschast.

Berlin, 3.3an. (BB.) Schon seit mehreren 3ahren ist die Reichsknappschaft, die Pensions­versicherung für die Bergarbeiter, ein Sorgen­kind der Reichsregierung. 3etzt hat die wirtschaft­liche Rotlage auch hier die Schwierigkeiten ver­größert, so dgh man vor der ernsten Aufgabe einer Sanierung der Reichsknappschaft steht. Die Pensionsbelastung der Reichsknapp­schaft ist im Laufe der 3ahre außerordent­lich gestiegen, so daß heute 21/2 zahlende Bergleute einen Rentenempfänger der Versiche­rung finanzieren müssen; ein Zustand, der auf die Dauer unmöglich ist. Zugleich sind aber auch die Einnahmen der Versicherung immer mehr zurückgegangen und die Zuschüsse, die sie vom Reich erhält, in Wegfall gekommen oder verringert. Die ihr aus der lex Brüning ursprünglich aus der Lohnsteuer zugedachten 30 Millionen sind durch das Rachlassen der Steuer­eingänge der Reichsknappschas t nicht z u ge­flossen und es läßt sich noch gar nicht über­sehen, ob die Mehreinnahmen aus den Weizen­zöllen, die man der Knappschaft überlassen will, wirkäch einen größeren Betrag ausmachen werden.

Unter diesen Umständen müssen beschleunigt Sanierungsmahnahmen einge'eitet wer­den, worüber auch zwischen Stegerwald und dem Kanzler ausführlich gesprochen worden ist. Welchen Weg man zur Sanierung beschreitet, wird sich erst nach weiteren Verhandlungen klären, da zunächst einmal mit dem Finanz­ministerium festgestellt -werden muh, ob über­haupt und dann in welcher Höhe ein fester Zuschuhbetrag in Frage kommt. Ratur- g:mäh ist auch der Eubank? einer Beitrags-

Oie Ostreise des Reichskanzlers.

£>r. Brüning über den Zweck der Reise.

Berlin, 4. 3an. (WTB.) Der Reichs­kanzler hat heute abend in Begleitung des Reichsministers Treviranus, des General­direktors der Reichsbahn Dr. Dorpmüller, des stellvertretenden Staatskommissars Staats­sekretär Dr. Krüger, sowie von Vertretern der zuständigen Ministerien, der Reichskanzlei, der Presseabteilung der Reichsregierung, der Reichs­bank und der Deutschen Reichsbahn programm­mäßig vom Stettiner Bahnhof seine Fahrtnach dem Osten angetreten.

Dor seiner Abfahrt erklärte der Reichskanzler: ®ie Botschaft des Herrn Reichs­präsidenten vom 13. März 1930 bezeichnete als wesentliche Aufgaben der Reichsregierung die Hilfe für die Landwirtschaft und die hart bedrängten Gebiete an den O st grenzen des Reichs. Die neue Reichs­regierung hat sich bemüht, ihr im Rahmen des Möglichen gerecht zu werden. Die Maßnahmen, die bisher für Ostpreußen getroffen waren, sollten durch ein umfassendes O st Hilfegesetz auf die anderen notleidenden Gebiete an den Ost- grenzen ausgedehnt, sie sollten erweitert und organisch gestaltet werden. Leider wurde durch die Auflösung des Reichs­tags der Erlaß des umfassenden Osthilfegesetzes

unmöglich gemacht. Rur die nötigsten und drin­gendsten Aufgaben konnten durch Rotverordnun- gen des Herrn Reichspräsidenten in Gang gesetzt werden. So ist es zu verstehen, daß die Erwar­tungen, die die Bevölkerung an die Osthilfe knüpfte, noch nicht so weit befriedigt werden konnten, wie es der Wille der Reichsregierung war und ist.

Der Wille, dort zu helfen, wo die Not am größten ist, ist der Grund für die Be­reisung der Ostgrenze durch Mitglieder der Reichs­regierung, Vertreter der preußischen Staatsregie- rung und den Generaldirektor der Reichsbahngesell- schäft. Trotz der knapp bemessenen Zeit soll versucht werden, möglichst mit allen Bevölkerunaskreisen in Berührung zu treten, möglichst alle Wünsche und Ausführungen entgegenzunehmen und so ein umfassendes Gesamtbild der Lage und der Not zu gewinnen. Die Reise soll ein äußeres Zeichen dafür sein, daß der starke Wille der Selbst- erhaltung und der Staatsbejahung, der Liebe zur eigenen Scholle und zum Vaterland, der in der Bevölkerung der Ostgebiete lebt, einig ist, und gleich gerichtet mit dem Willen der Reichs­regierung und des Herrn Reichspräsidenten, die nach wie vor bereit sind, d i e letzten Kräfte einzu­setzen für Deutschlands Osten."

Prälat Kaas warnt vor der Lxplosionsgesahr.

Oer Zentrumsführer über die deutsche Befreiungspolitik.

ERB. Kassel, 4. 3an. Auf einer Tagung der Parteibeamten der Zentrumspartei im evan­gelischen Vereinshaus sprach der Vorsitzende der Zentrumspartei, Prälat K a a s. Er führte u. a. aus: Kein Politiker ist mit dem Tempo der Be­freiung zufrieden. Es gibt aber keinen anderen Weg als den, dem deutschen Volle klarzumachen, daß ebenso wie in der Vergangenheit, so auch in der nächsten Zukunft, auf dem Wege der Ver­ständigung, des geistigen Ringens mit dem Gegner, das Schicksals Deutschlands langsam ge­bessert werden kann. Rennen wir brutal gegen den Versailler Vertrag an, dann werden wir an diesem Felsen zerschmettert. Es gibt nur eins: sich mit den vernünftigen Kreisen des Auslandes zusammentun, um diesen klarzumachen, daß unsere Katastrophe auch ihre Ka­tastrophe ist, daß unsere Gesundung auch ihre Gesundung ist. 3ch habe vor ein paar Tagen in einem Vorwort zu dem außen­politischen Werk eines 3vurnalisten auf das Beispiel Sirnsons hingewiesen, wenn der Un­verstand der Gegenseite Deutschland zur Hoff­nungslosigkeit verurteilt, dann könnte der Augen- blick kommen, wo die Hüter des Status quo

unter den Trümmern des eigenen Hauses zerschmettert würden. 3n dem gleichen Vorwort steht aber klar und deutlich mein Bekenntnis zur Verständigung und friedlichen Defreiungspolittk. Es gibt keinen an­deren Weg für die deutsche Befreiung als den des geistigen Ringens um die Gerechtigkeit. Aber es gibt auch Entwicklungsphasen in der Welt­geschichte,, wenn die Gerechtigkeit hur brutal verletzt wird, mit der Macht eines Raturereig­nisses Explosionen entstehen, gegen die keine Dernunftpvlitik etwas ausrichten kann. Wir nähern uns diesem barometrischen Zustande in Deutschland. Drüben in Rußland sehen wir, wessen eine solche Stimmung fähig ist. Glaubt man denn in Frankreich a u f einer 3nsel leben zu können, wenn Ost- und Mitteleuropa vom Bolschewismus erfaßt sein werden? Diejenigen, die in der Hütung des Status quo den Gipfel der polittschen Weisheit erblicken, beneide ich nicht um diese Weisheit; denn es könnte ein Tag kommen, wo sie auf * wachen und sehen, daß sie ein leeres Grab bewachen.

erhöhung aufgetaucht, aber auch hier muß abgewartet werden, bis der Lohnkampf im Ruhr­bergbau entschieden ist.

Der knappschaftlichen Pensionsversicherung sind etwa dreiviertel Millionen Arbeiter und Angestellte angeschlossen. Die Hauptzahl ihrer Mitglieder ist im Ruhrgebiet tätig, es folgt dann das oberschlesische Bergbaugebiet. Die Ar- beiterpensionskafse gibt 3nvaliden-, Alters-, Witwen- und Waisenrenten. Die Aufbringung der Mittel, die im 3ahre etwa 220 bis 250 Millionen ausmachen, erfolgt zu 9/c aus Bei­trägen der Arbeitgeber und zu % aus denen der Versicherten.

Aussperrung auf der Zlseder Hütte.

Peine, 3.3an. (WTB.) Da sich auf der 3l- seder Hütte Abteilung Hochofenwerk nicht ge­nügend Arbeiter gemeldet haben, die bereit wären, zu den Bedingungen des Schiedss pruches vom 12. Rovember 1930 die Arbeit fortzusetzen, und da das Peiner Walz­werk ohne die Versorgung durch die Hütte nicht in Betrieb gehalten werden farm, haben Hütte und Walzwerk ihre Arbeiterschaft aus ge­sperrt, und zwar solange, bis eine Möglichkeit gegeben ist, einen wirtschaftlichen Be­trieb mit arbeitswilligen Kräften wieder auf­zunehmen. Durch diese Stillegung hat auch die Dergbauabteilung der Ilseder HütteAb- sahgebiet und Kraftversorgung ver­loren und form den Betrieb nicht mehr aufrecht erhalten. Auch das Kalkwerk Marienhagen, das mit seinem Absatz ganz von dem Walzwerk abhängig ist, mußte feiner Belegschaft kündigen. Der gesamte Bettieb auf dem neuen Kohlen­bergwerk Weißen bei Minden, das erst vor wenigen Monaten in Betrieb genommen wurde, wird st i l l g e l e g t. Der Belegschaft ist zum 17.3anuar gekündigt worden. Es handelt sich um 400 Arbeiter, die entlassen toerben. Die Stillegung wird damit begründet, daß nach der Detriebseinstellung auf der 3lseder Hütte für das Bergwerk Meißen keine Absatzmög­lichkeit mehr besteht.

Oer Zusammenschluß der Revisionsgegner.

Paris, 3.Jan. (TU.) Der außenpolitische Be­richterstatter desJournal" beschäftigt sich mit dem Besuch des griecbischen Ministerpräsidenten Veni- z e l o s in Warschau und den Besprechungen zwi- schen dem Rumänen M i r o n e s c u und den Tsche­chen Benes ch und sieht hierin einen Auftakt eines Zusammenschlusses der Revi- sionsgcgner. Der Hinweis, daß Deutschland die Minderheitenfrage zum Ausgangspunkt einer Auf ro klung der gesamten Revi­sion sfrage benutzen wolle, habe genügt, die be­drohten Länder auf den Plan zu rufen. Der Wider­standsblock beginne sich langsam zu bilden, um den­jenigen eine Warnung zu erteilen, die einen Streit herauf beschwören wollten. Deutschland werde an dem Tage, an dem es die Rovisionsfrage in Genf aufrolle, merken, daß es damit den Siegerstaaten endlich Gelegenheit gegeben habe, ihre eigenen Mei­nungsverschiedenheiten zu vergessen, um die Reihen zu schließen. Der Zusammenschluß sei um so sicherer, als man sich wohl oder übel davon überzeugen müsse, daß die Revisionsforderungen nicht nur Polen angingen, sondern auch Tirol und die Steiermark.

Der chauvinistischeFigaro" beschäftigt sich eben­

falls mit der Revisionsfrage, beschränkt sich hierbei aber auf eine Betrachtung des deutsch-polnischen Verhältnisses. Es sei eigentümlich, zu beobachten, daß jetzt vor dem Beginn der Genfer Konferenz, auf der sich Polen und Deutschland gegenüberstehen wer­den, in Frankreich der Gedanke immer größere Verbreitung finde, daß es richtiger sei, die deutsch­polnische Grenze zu berichtigen und den Korridor dem Weltfrieden zu opfern. Man dürfe jedoch nicht vergessen, daß gerade der Bestand Polens die Garantie für einen europäischen Frieden sei. Deutschland sei im Augenblick wieder einmal von derLeidenschaftdesKrieaes erfaßt und nur der Gedanke an eine neue Nie­derlage hatte es im Augenblick noch zurück. Alle deutschen Strategen hätten erklärt, daß Deutschland nicht auf zwei Fronten zugleich kämpfen könne und nur diesem Umstand, den verlorenen Krieg zu ver­danken habe. Diese Gefahr sei aber um so schlim­mer bei einer Grenze, die s o nahe an Berlin liege, wie die polnische. Weil Deutschland diese Ge­fahr kenne, versuche es die Grenze zurückzu­schieben. Polen heute zu verlassen, fei ein grö­ßerer Fehler, als derjenige, den Napoleon III. be­gangen habe, als er die Schlacht bei Sadowa duldete.

Frankreich und die Revision.

Die Bedingungen für eine finanzielle Hilfe.

Paris, 5. Jan. (TU.) Sauerwein spricht im Matin" von der Solidarität der euro­päischen Staaten, um der Weltkrise zu steuern und erklärt, daß Frankreich absichtlich die Stabilisierung des Geldmarktes abgewartet habe, um den Gedanken der Vereinigten Staaten von Europa zu propagieren. Jetzt könne man Frankreich nicht mehr den Vorwurf machen, in dieser Vereini­gung besondere Vorteile zu suchen. Frankreich be­trachte es als seine PslicA, den anderen Ländern behilflich zu fein, aus der Krise herauszukommen. Diejenigen aber, die eine finanzielle Unter­stützung nötig hätten, müßten zunächst einmal beachten, daß es keine übertriebene Forderung sei, wenn Frankreich verlange, daß man mit seinen Ver­tretern verhandele, da es doch letzten Endes den größten Teil der finanziellen Unterstützung zu leisten habe. Unnötig wäre es ferner, eine Art Gericht zu- (ammenberufen zu wollen, vor dem Frankreich als Angeklagter zu erscheinen hätte, um es zu verurtei­len, feine Reichtümer mit anderen zu teilen.

Sauerwein wendet sich bann besonders gegen Deutschlan d und erklärt: Die einzig mögliche Art, das Mißtrauen zu beseitigen, das im Augen­blick der Gewährung von Anleihen an gewisse Län­der entgegenstehe, bestehe darin, jede Revi- sionspropaganda zu unterlassen, so­weit sie wenigstens von den Regierungen ausgehe. Ein besiegtes Land habe das Recht, eine Verbesse­rung der durch die Friedensverträge geschaffenen Lage anzustreben. Diese Revision sei aber in den Bedingungen der Verträge selb st ent­halten. Man müsse nicht zwei Hasen auf einmal jagen. Von Frankreich eine finanzielle Unterstützung zu verlangen und gleichzeitig in drohendem Ton die Nichtigkeitserklärung der Ver­träge und die Revision der Grenzen zu fordern, sei eine völlig unrichtige Politik.

Die Princetz Royal von Großbritannien und Irland t«

Prinzessin Luise Viktoria Alexandra Dagmar, Princeß Royal von Großbritannien und Irland ist am Sonntag gestorben. Prinzessin Luise war o i e ölte ft e Schwester König Georgs V. Sie war 1867 geboren, 1889 mit Alexander Duff, Duke o f Fife, vermählt und feit Januar 1912 Witwe.

Aus alter AZett.

Neue politische Bluttat In Lharlottenburg.

Am Freitagnachmittag wurde die Isjährige Erna Krüger in der Wohnung ihrer Eltern in Eharlottenburg, am Lühow, von unb elann* ten Tätern angeschvssen. Das junge Mädchen stand mit einem jungen Mann, dem der RSDAP. angehörenden Gerhard Reubert, am Küchenherd, als die Küchentür plötzlich geöffnet wurde und ein Schuß fiel. Die Kugel traf das Mädchen in den Oberschenkel, der im West-Sana­torium a m p u t i e r t werden mußte. Reubert, für den die Kugel anscheinend besttmmt war, nahm sofort die Verfolgung auf und konnte nur noch sehen, wie zwei junge Leute auf Rädern die Flucht ergriffen. Die Täter konnten bisher noch nicht ermittelt werden.

Demonstrationen gegen den Remarque-Film in Dien.

3m Apollo-Theater fand vor geladenen Gästen die Premiere des Remarque-Films3m Westen nichts Reues" statt. Die Zugänge zum Theater waren in weitern Llrnkreis von Polizei­truppen zu Fuß und zu Pferde abgesperrt. An den Grenzen des Absperrungskordons de­monstrierten allenthalben Gruppen von Ratto­nalsozialisten mit heftigen Rufen unter Absin- gung des Deutschlandliedes gegen den Film. An mehreren Stellen kam es zu Zusammen­stößen, wobei mehrere Verhaftungen vorgenom­men wurden. 3m Theater selbst verzögerte sich der Einlaß, da einzelne Besucher bet vorherigen allgemeinen Vorstellung Tränengas- und Rauchbomben geworfen hatten, so daß der Saal erst gelüftet werden muhte.

Ein in Preußen entlassener Lehrer wird in Braunschweig Regierungsrat.

Der früherer Mittelschulkonrektor K l a g g e s trt Benneckenstein im Harz (Regierungsbezirk Erfurt), der der NSDAP, a n g e h ö r t und vor einiger Zeit von der preußischen Regierung entlassen 'worden war, ist zum 1. Januar 1931 zum Regie- rungsrat bei der braunschweigischen Staatsregierung ernannt worden. Es sind ihm die Geschäfte eines Hilfsreferenten übertragen worden.

Protest des Evangelifchen Frauenbundes gegen die Internationale der Gottlofen".

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Der Deutsche Evangelische Frauenbund richtet ist einer Eingabe an den Reichsinnenmini­ster die Bitte, eine Niederlassung derInternatio­nale der Gottlosen" in Berlin nicht zuzulafsen. Mit größter Sorge, so wird in der Eingabe u. a. gesagt, sehen weite, die ewigen Werte religiöser Gedanken und christlicher Wahrheit bejahende Volkskreise auf das Umsichgreifen antichristlicher Hetz­arbeit auch in Deutschland. Die Verlegung des Bundesfitzes derInternationale der Gottlosen" nach Deutschland würde den Kampf auf das äußerste verschärfen und den durch Art. 135 der Reichsverfafsung gewährleisteten Schutz der un­gestörten Religionsübung auf das schwerste ge­fährden.

Reue Aufzeichnungen der Andree-Lxpedilion.

Bei der Registrierung der Andröe- Funde hat man eine aufsehenerregende Entdeckung gemacht. 3n einem borfjer als -unbeschrieben angesehenen Kalender hat man jetzt zwei Aufzeich­nungen gefunden, die ein späteres Datum betreffen als die bisher gefundenen Aufzeichnun­gen. Am Dienstag, dem 17. Oktober, ist vermerkt: Rach Hause. Am darauffolgenden Tage be­findet sich in dem Kalender eine Aufzeichnung über einen Geburtstag. Beide Aufzeichnun­gen stellen die absolut letzten Aufzeichnungen der Expeditionsteilnehmer dar.

wieder drei deutsche Skiläufer ums Leben gekommen.

Am Freitagnachmittag hat sich in E l m im Kan­ton Glarus ein schweres Skiunglück ereignet, bei dem drei Deutsche ums Leben gekommen sind. 15 Personen, größtenteils Berliner, unternahmen eine Skitour nach der Alp Ob er weich ein. Beim Ueberschreiten eines Bachbettes, an dessen Rändern sich durch den Föhn starke Schneewächten gebildet hatten, lösten sich die Schneelagen los, als die Gruppe gerade auf der anderen Seite den Auf­stieg begann. Die ganze Gesellschaft stürzte in bas Bachdett hinunter und 13 Personen wurden durch den Schnee zugedeckt. Zehn konnten sich wieder aus den Schneemassen herausarbeiten, während drei verschüttet blieben. Nach stundenlangem Suchen konnten die Leichen der drei Touristen, die im Wasser lagen, geborgen werden. Es handelt sich um den 32 Jahre alten Arzt einer Berliner Heilstätte, Dr. Clare und um das 28jäh- rige Fräulein Berta Gelpke, ebenfalls aus Ser-' lin, sowie um das 22 Jahre alte Fräulein Else Kloethner aus Gladbach. Ein weiteres Ski­unglück ereignete sich bei 21 nb er matt, wo eine Gesellschaft von vier Personen mit einem Führer verunglückte. Während die Touristen unversehrt blieben, wurde der Führer von der Lawine ver­schüttet.

Deulschec Flug Berlin-Westafrika.

Sonntag startete Fräulein Elly Beinhorn, die erst kürzlich mit dem Silbernen Sportfliegerab- Zeichen ausgezeichnet wurde, mit ihrem 40=PS.- Klemmflugzeug vom Flugplatz Staaken aus zu einem Fluge nach Westafrika. Ihre erste Zwischen­landung wird sie in Stuttgart vornehmen, um dort noch im Klemmflugzeugwerk einige Ersatzteile zu besorgen. Der Weiterflug geht über Süd- franfreief) und Spanien nach Marokko, von dort an der Küste entlang über Casablanca, Port Etienne und Dakar nach B i s s a o in Portu­giesisch-Guinea. Dort trifft Fräulein Beinhorn mit der wissenschaftlichen Expedition des Forschers Ber- natzik und Professor Dr. Struck-Dresden zusammen, um mit ihrem Flugzeug zu Forschungsflieaen m s Innere des Kontinents und nach den Bif- sagos-Jnseln zur Verfügung zu stehen.

Lin neuer BerlinRivieraNeapelExpreß.

Am Samstag um 1253 41hr hat der neue Ri- vieraReapel-Exprehzug Berlin vom Anhalter Bahnhof aus zu seiner ersten Reise verlassen. Der neue Erpreßzug besteht aus drei Gepäckwagen, einem Speisewagen und vier Schlafwagen, die ein­heitlich in dunkelblauer Farbe mit gelben Streifen gehalten sind und Schllder mit der Aufschrift RivieraRapoli-Gxpreh" tragen. Die Lokomo­tive ist eine der schnellsten Maschinen, die in Deutschland vorhanden ist; sie kann 120 Kilometer inderStunde zurücklegen. Der Gxpreßzug wird in Zukunft wöchentlichdrei- m a I verkehren. Aus der Fahrt nach 3talien be­rührt er Karlsruhe, Basel, Luzern und Mailand. 3n Mailand teilt er sich, indem ein Tell über Florenz und Rom nach R e a p e l abzweigt, wäh­rend der andere Teil über Genua und Rizza nach Cannes fährt» 3n Mannheim werden dem

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Der 6. Januar ; .Heilige Dre königstag. Er lichen Kirche als Epiphaniassest ges Gröhe oder S da erst mit diesem nimmt, geraume

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