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Nr. 3 Erstes Blatt
18t Jahrgang
Montag. 5. Januar (931
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4 die Kapitalertragssteuer ine hohe Verzinsung und
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in, Sparkassen und Kredit- Logen werden.
n Landesbank.
„Papa Ioffre."
Don Zel'x Baumann.
„Est-ce, que les enfants vont L la mort saris an- brasser leer papa?“, rief General Ioffre einer Abteilung des 1. französischen Infanterieregiments zu, als diese in die Front geschickt wurde. Iossre lieh die Truppe halten, zog jeden der Soldaten an sich und küßte ihn aus beide Wangen. Seitdem wurde der General von den „Poilus" nur noch .PapaIofsre" genannt.
Das Dorf R i v e s a l t e s im Weindistrikt Rous- silon in den östlichen Pyrenäen ist der Geburtsort Iofsres. Dort wurde er am 12. Januar 1852 als eines der elf Kinder des Böttchers Gilles Ioffre geboren. Der Urgroßvater des Generals war aus
Letzte Aufnahme I o f f r e s (links), mit dem jetzt zum Generalissimus ernannten General Pötain.
auf
henden Revanchegedanken beseelt gewesen. Das
näßigung, wie sie kurzen Zeit statt-
15, Januar 1931 itbestände fe Mantelstoffe, fliehe irei zu de" de nk- teilweise unter
geht aus einem Briefe hervor, den er im September 1914 an den General Waunoury geschrieben hat und der die Stelle enthält: „ich gestehe es Ihnen offen ein. daß seit vierunvier- zig Jahren alle meine Gedanken nur auf Revanche für 1870 („la revanchc de t87O“) gerichtet waren." Wie reimt sich das Bekenntnis Iofsres, das parallel mit den Eingeständnissen Elsmenceaus läuft, mit den angeblich friedlichen Absichten Frankreichs und der fron» I zösischen Darstellung der Urheber des Weltkrieges zusammen?
Rach dem Kriege nahm Iossre seine Studien in i der Ecole Polytechnique wieder auf, trat jedoch 7 beim Ingenieurkorps ein und siedelte dann nach Fontainebleau über um dort die Kriegsschule zu besuchen. Aach Vollendung seiner Studien war er unter der Präsidentschaft Mac Mahons zuerst bei der Wiederherstellung der Befestigungen von Daris tätig. Während des Besuchs der Königin Viktoria in der französischen Hauptstadt inspizierte Mac Mahon die neuen Befestigungs- Werke und war fv zufrieden, daß er zu Iossre
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Nicht 18 Jahre alt, sofort als Unterleutnant in das Heer eingerecht und der Porte d'Italie-Batterie zugeteilt. Er machte die Belagerung und Kapitulation von Paris mit und ist seitdem von glü-
Spanien nach Frankreich eingewandert und hatte dort seinen Ramen de Souffre in Ioffre umgeändert. Die Familie, die sich dem Böttchergewerbe widmete, fab.izierte meistens eichene Fässer für den Perpignan-Muskatellerwein.
General Ioffre wurde als Joseph Jacques Ce- saire Ioffre in das Geburtsregister eingetragen. Der blonde, blauäugige zarte Knabe, wie er in einer Biographie geschildert wird, besuchte zuerst die Dorfschule und später das Gymnasium in Perpignan. wo er bald eine große Dorliebe für den militärischen Beruf offenbarte. Mit fünfzehneinhalb Jahren begab er sich nach Paris, um sich hier für die Aufnahmeprüfung in der Ecole Polytechnique vorzubereiten. Don den 700 Prüflingen, die sich gemeldet hatten, konnten aus Plahrücksich- ten nur 136 in Betracht kommen. Unter diesen befand sich der junge Ioffre, der zwar im Deutschen schlecht abschnitt, sich jedoch als guter Mathematiker erwies.
3n der, mitten im alten Paris auf der Saint J Denevieve-Höhe gelegenen Ecole Polytechnique avancierte er bald zum Sergeanten, wodurch er der Stubenälteste in feinem Revier wurde. Die Stimmung unter den Zöglingen war damals so anti- monarchistisch, daß sie sich bei einem Besuch des Prinzen Lulu, des Sohnes Rapoleons HL, weigerten, ein Hoch auf diesen auszubringen. Ioffre gilt auch später noch als eingeileischter Republi- mer, was ihn jedoch nicht abgehalten hat, aus- gesprochenenMonarchisten. wie denGeierälen Ca- ftelnau und Pau, das größte Dertrauen zu schenken. Während er umgekehrt, republikanisch gesinnte aber unfähige Generale kurzerhand beiseitegeschoben hat.
Der Ausbruch des deutsch-französischen Krieges bewahrte Ioffre vor einem vielleicht nicht bestandenen Examen, er wurde, noch
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Verschärfte Lage im Ruhrrevier.
Oie Vorgänge am Gonniag.
Verstärkte ko mmunistischeLtreikPropaganda
Berlin, 4. Ian. (WTB.) Aus der Fülle der am heutigen Sonntag vorliegenden Meldungen über die Lage im Ruhrgebiet seien folgende wichtigsten Tatsachen kurz zusammengefaßt: In Bochum tagten am Sonntag über 200 Delegierte des Bergbau-Jndustrie-Arbeiterverban- d e s und in Dortmund, Hamm und Gelsenkirchen nahm der Gewerkverein christlicher Bergarbeiter in drei großen Bezirkskonferenzen Stellung zum Lohnkonflitt. In den genannten Konferenzen wurden die L o h n a b b a u- forberungen der Zechenbesitzer entschieden a b - gelehnt, die wilde Streikbewegung der K o m m u n i st e n aber mit ihren gewalttätigen Ausschreitungen gegen arbeitswillige Bergleute scharf verurteilt. In Bochum fand eine von der revolutionären Gewerkschaftsopposition einberufene Schachtdele- giertenkonferenz statt. Die 800 Teilnehmer setzten sich aus Anhängern der kommunistischen Partei, Erwerbslosen, Frauen und Mitgliedern der kom- munistischen Jugend zusammen. Aus den Ausführungen des Hauptreferenten ging hervor, daß man am Montag auf allen Schachtanlagen des Ruhrgebietes mit verstärkten Maßnahmen eingreifen will, um die Streikbewegung auf das ganze Ruhrgebiet auszudehnen. Nötigenfalls will man den Kampf in bie Zechenkolonien hineintragen. Ferner soll in den nächsten Tagen versucht werden, die Anhänger der verschiedenen Derkehrsverbände und bie Metallarbeiter in bie Bewegung hineinzuziehen, um es zu einem General ft reik im Ruhrrevier zu treiben. Der Redner erklärte, daß das Endziel des Kamofes die Errichtung eines Sowjetdeutsch- l a n b sei.
Don Öen zahlreichen Zwischenfällen im Ruhrgebiet seien bie beiden folgenden hervorgehoben. In dem Dortmunder Dorort Mengede wurden am Sonntagabend Arbeitswillige aus dem Hinterhalt zwischen den Koloniehäusern von Kommunisten überfallen und beschossen. Dabei wurde ein Bergmann durch einen Pistolenschuß getötet und drei andere erheblich verletzt. — Zu einer ernsten Schießerei zwischen Kommunisten und der Polizei kam es am Samstagabend in Lintfort. Als dort die Verhaftung kommunistischer Rädelsführer bekannt wurde, zogen etwa 2000 Mann vor d i e Polizeiwache, um die Freilassung der Derhafteten zu erzwingen. Da die Polizei beschossen wurde, muhte diese auch ihrerseits von der Schußwaffe Gebrauch machen. Bei diesem Feuergefecht erhielt ein 17jähriger Arbeiter einen tödlichen Rückenschuß, wodurch sich die Zahl derTodes- opfer im Ruhrgebiet auf drei erhöht. Außerdem wurden bei der Schießerei drei Bergleute schwer verletzt.
Hinsichtlich der S t r e i k l a g e ist zu sagen, daß sich die Zahl der Streikenden im Bochumer Bezirk am Sonntag nicht wesentlich veränderte. Auch die Streikziffer auf den Ham- borner Schachtanlagen der Bereinigten Stahlwerke und der Zeche Reumühl ist im großen und ganzen unverändert geblieben und der Sonntag ruhig verlaufen. Dagegen hat sich die Streiklage
sagte: „Mes comphrnents, mon capitaine!“, worauf das Militärblatt am 22. April 1876 seine Ernennung zum Kapitän veröffentlichte.
Don Paris wurde Ioffre damals nach Pon- t a r l i e r im Departement Doubs verseht — in der Rähe Pontarliers ging die Bourbakische Armee über die schweizerische Grenze — und von dort nach Montpellier zum 16. Armeekorps.
Dreißig Jahre alt, verheiratete Ioffre sich in Montpellier, verlor aber seine Frau schon nach nur dreijähriger Che wieder. Der Tod der Gattin ging ihm so nahe, daß er sich freiwillig für die Expedition des Admirals Courbet nach T o n - fing meldete.
Kurz vor seiner Reife nach Tonking kam er unvermutet nach Ponts-de-Molls, um die dortigen Befestigungen zu inspizieren. Ein Offizier, der ihn nicht kannte, hielt Ioffre für einen deutschen Spion und nahm ihn fest. Ioffre folgte willig und erklärte dann auf der Kommandantur in seinem katatonischen Dialekt: „Soun un Allemany de Rivesaltes, que ten tres galons for la meta- lotte“ Aus deutsch: „Ja, ich bin ein „Deutscher' aus Rivesaltes, mit drei goldenen Streifen an meinem Käppi!" Womit er besagen wollte, daß er Kapitän in der französischen Armee sei.
Ioffre wurde in Tonling zuerst mit Pionierarbeiten betraut, zog dann mit Admiral Courbet gegen die Piraten der Pescadores-Insel zu Felde, wobei er sich das Kreuz der Ehrenlegion erwarb. Rach diesem Feldzuge leitete Ioffre die Befestigungsarbeiten im oberen Tonking, arrangierte eine Kunst- und Gewerbe-Ausstellung in Hanoi und kehrte nach drei Jahren auc Veranlassung des Generals Mensier nach Paris zurück, um unter dem Kriegsminister Frehcinet in der technischen Abteilung des Kriegsmini st eriums tätig zu fein.
Im Jahre 1889 wurde Ioffre zum Bataillons- chef ernannt, der militärischen Eisen- bahnabteilung zugeteilt und darauf als Lehrer der Defestigungskunde an die Kriegsschule zu Fontainebleau berufen. Als Ioffre in dieser Zeit seine Heimat in den Pyrenäen besuchte, klagte ihm sein Vater, daß seine
auf den linksrheinischen Zechen seit Samstagmittag weiter verschärft, und noch kritischer dürfte die Lage am Montag werden, da dann alle diejenigen, die willkürlich drei Schichten gefeiert haben, wegen Kontraktbruch ent- lassen werden. Im Recklinghausener Bezirk, wo am Samstagabend eine erhöhte Arbeitsaufnahme zu verzeichnen war, macht sich laut Mitteilung des Recklinghausener Polizeipräsidiums eine Verschärfung der Zwangsmaßnahmen der Revolutionären Gewerkschafts- opposition bemerkbar.
Oie Delegiertenkonferenz des Bergbanindnstriearbeiter- verbandes.
Bochum, 4. Ian. (WTB.) 2m Parkhaus zu Bochum trafen sich heute über 200 Delegierte des Dergbauindustriearbeiterverbandes, um zum Lohnkonflikt im Ruhrbergbau Stellung zu nehmen. Rach einem Bericht über die lvhnpolitische Lage wurde in der Aussprache der Delegierten-Kon- ferenz die Haltung der Verbandsleitung einmütig als richtig anerkannt. Ganz entschieden wurde die kommunistische Putscherei verurteilt. Die Armut der Bergarbeiter, so führte ein Bergmann aus, verträgt keinerlei wilde Streiks. Scharf kritisiert wurde auch, daß meistens bergfremde Elemente und Arbeitslose eine sinnlose Streikhetze betreiben. Auch das Verhalten der Grubenbesitzer wurde mißbilligt, zumal die Bergarbeiterschaft durch die Millionen von Feierschichten in ungeheure Rot geraten fei. Cs fei ein gefährliches Spiel, durch rigorose
Lohnabbauforderungen die Bergarbeiter in Ver- zweiflungsstimmung hineinzutreiben.
Als Grgebnis der Beratungen wurde einstimmig folgende Entschließung angenommen: Dia am 4. Januar in Bochum tagende Ruhrrevierkonferenz des Bergbauindustriearbeiterverbandes Deutschlands billigt das Verhalten der Organi- sationsvertrcter bei den Schlichtungsverhandlungen am 29. und 30. Dezember 1930. Die maßlosen Lohnabbauforderungen der Zechenbesitzer werden von der Konferenz allein wirtschaftliches und soziales Anrecht mit Entschiedenheit abgelehnt. Der beabsichtigte Lohnabbau ist um so weniger gerechtfertigt, als der Ruhrbergbau trotz der Krise noch beträchtliche Kapitalerträge erzielt, während die Kaufkraft der Bergarbeiter durch Feierschichten und Arbeitslosigkeit schon erheblich geschwächt ist. Die Konferenz erwartet von allen Kameraden, daß sie sich durch die von den Unternehmern ausgesprochene Kündigung der Arbci s- bertiäge nicht einschüchtern lassen und fordert sie auf, keine neuen Arbeitsv ertrüge zu niedrigeren Löhnen abzuschließen. Die Konferenz verurteilt aufs schärfste die unsinnigen, arbeiterfeindlichen Putschversuche der Kommunistischen Partei. Mit Entrüstung wendet sich die Konferenz gegen die groben Lügen der kommunistischen Presse und Redner über die Führer des Verbandes. Die Konferenz drückt der Organisationsleitung das Vertrauen aus und fordert alle Bergarbeiter auf, auch weiterhin nur den Anweisungen der vier Dergarbeiterverbände zu folgen.
DerrieichsarbeilsmimsterMNndaMiihrgebiet.
Keine Lieber schätzung der radikalen Strömungen.
Berlin, 4. Jan. (ERB.) Die wir aus Sreifea des Veichsarbeitsministeriums erfahren, hat am Samstagabend und im Laufe des Sonntag? an den zuständigen Stellen eine Reihe von Besprechungen ftattgefunben, die der Lage im Ruhrgebiet galten. Reichsarbeitsminisfer Dr. Stegerroalb hat die Situation mit dem Schlichter Dr. Brahn durchberaten und dann am Sonntagabend eine längere Besprechung mit dem Reichskanzler gehabt. Das Ergebnis dieser Beratungen ist, daß Dr. Stegerroalb am IHontagmorgen nach Dortmund fahren roird, um die Situation an Ort und Stelle anzusehen.
Die Reise steht übrigens nicht im Zusammenhang mit den Rachrichten über die Teilstreiks und die Ausschreitungen der Radikalisten. Diese werden vielmehr in Berlin ziemlich ruhig beurteilt, zumal auch der Verlauf der Konferenzen der Verbände gezeigt habe, daß die Mehrheit der Arbeiterschaft durchaus besonnen ist und die Ausschreitungen sich im wesentlichen auf den linksrheinischen und den nördlichen Teil des Ruhrgebiets beschränken. Diese Gebiete sind bei solchen Anlässen erfahrungs
gemäß immer unruhig gewesen. An zuständiger Stelle hat man Ihre radikale vorgehen der Kommunisten auch erwartet, da es klar war, daß sie die schwere Schlappe, die sie im Berliner Metallkonflikt erlitten haben, durch verstärkte Agitation wieder wettzumachen versuchen würden.
Die Reise des Reichsarbeitsministers gilt dem Ziel, d i e neuen Verhandlungen des Schlichters mit den Parteien, die bekanntlich für den kommenden Mittwoch angefefjl sind, vorzubereifen. Die Situation ist insofern schwierig, als auf der einen Seite die Gewerkschaften von weitergehenden Zugeständnissen offenbar ein Anwachsen der radikalen Richtung befürchten, während anderseits auch die Kündigungen die Kompromißmöglichkeiten erschwert haben. Ls wird nun die Aufgabe des Arbeitsministers sein, durch Besprechungen mit beiden Parteien den harten Boden aufzulockern, damit am Mittwoch ein Urteilsspruch zustandekommt, denerverbind- lich erklären kann. Wenn die recht schwierige Aktion Dr. Stegerwalds Erfolg hat, so würde das Ruhrgebiet wieder zur Ruhe kommen.
Weingärten sehr unter dem Gebirgshochwasser zu leiden hätten. Ioffre machte feine Militärwissenschaft zunutze und legte eigenhändig — Schützengräben an, in die das Wasser abgeleitet wurde.
Von Fontainebleau begab sich Ioffre nach dem Sudan, um eine Eisenbahn von Kayes am Senegal nach Dafourlabe zu bauen, wodurch er zum erstenmal in der Oessentlichkeit bekannter wurde. Iofsres Aufzeichnungen über seine afrikanischen Erlebnisse entbehren nicht des Interesses. Sein Marsch nach Timbutku, die Ermordung des Obersten Donnier am 15. Januar 1894 und die Vernichtung des Expeditionskorps sind anschaulich geschildert. Seine Verdienste brachten ihm die Ernennung zum Oberstleut- n a n t, die ihn in dem von ihm stark befestigten Ort Timbutku erreichte. Die Ermordung Von» niers und die Gordons im Sudan fielen fast zusammen.
Rach feiner Rückkehr nach Paris wurde Ioffre mit der Abteilung für militärische Erfindungen im Kriegsmini st erium betraut und im Dezember 1899 von General Gallieni mit einem Korps von 6000 Mann nach Diego-Suarez in Madagaskar beordert. Ioffre verwandelte den Hasen in eine stark befestigte Seefestung und kehrte dann nach Frankreich zurück. Am 26. April 1901 verheiratete er sich zum zweiten Male, woraus er im Oktober zum Drigadegeneral ernannt wurde. Als solcher unterstand ihm eine Artilleriebrigade in Vincennes. Cs erfolgte seine Ernennung zum Chef des Pionierwesens im Kriegsministerium, und am 23. März 1905 seine Beförderung zum Divisionsgeneral und Befehlshaber der 6. Infanterie-Division. Rach einer nochmaligen vorübergehenden Tätigkeit im Kriegs- ministerium- erhielt er das Kommando über das zweite Armeekorps.
Im Jahre 1910 wurde Ioffre Mitglied des obersten Kriegsrats, dem alle wichtigen Entscheidungen über die französische Armee obliegen. Im folgenden Jahre erfolgte auf Betreiben General Paus [eine Ernennung zum
Ches des neu geschaffenen General- stabes. Diese Stelle wurde als „Chef der Armee im Frieden und Oberbefehlshaber im Kriege" ausgelegt. Drei Jahre hatte Ioffre das Amt bekleidet, da stand die Welt in Flammen und Iofsres Gedanken waren nach seinem eigenen Bekenntnis auf — la revanche de 1870 gerichtet!
Seine Tätigkeit im Weltkriege ist bekannt. Weniger bekannt dürfte ein Zwischenfall aus dem Jahre 1918 sein, den Dillon in seinem Werk „The Peace Conference“ erwähnt. Iossre hatte an Wilson ein Telegramm nach Washington gesandt, ohne es vorschriftsmäßig dem französischen Kriegsministerium zu unterbreiten. Cle- menceau und fein getreuer Adlatus Mandel waren darüber so erbost, daß sie Ioffre verhaften lassen wollten, was nur mit Mühe verhindert werden konnte. In Iofsres Heimatstadt sagten die Leute von ihm: „Corn lo vi del sen endret lo mosvat de Rivaltes: fortalesa v parfum embolicats de dolcorl“ Aus dem Katatonischen ins Deutsche überseht: „Er gleicht dem Weine seiner Heimat, dem Muskateller von Rivesaltes: eine Mischung von Kraft, Geist und Süße!"
Marschall Iofsres Operationen zu Beginn des Krieges haben vielfach, besonders im eigenen Lande, Kritiker gefunden. Die Augustschlach- ten des Jahres 1914 zwangen ihn, das französische Feldheer unter Anlehnung an Paris weit zurückzunehmen. Der Umschwung, der in der Kriegslage mit der ersten Marne-Schlacht einsehte, war, soweit er überhaupt auf französische Initiative zurückgeführt werden kann, mehr dem Eingreifen Galienis als Ioffre zuzuschreiben. Rachdem die Jahre 1915 und 1916 einen durchsch: ageirden Erfolg für die französische Kriegsführung nicht gebracht hatten und auch die drei Monate dauernde verlustreiche Somme- Schlacht die deutsche Front nicht zu zerbrechen vermochte, wurde Ioffre Anfang Dezember 1916 durch General Rivelle im Oberbefehl ab gelöst. Iossre übernahm den Vorsitz im Obersten Kriegsrat der Alliierten und wurde


