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Wirffchast.
* Frankfurter Maschinenbau AG. vor m als Pokorny und Wittekind. Die Generalversammlung der Gesellschaft genehmigte den Geschäftsbericht und den Abschluß für 1930. Eine längere Diskussion knüpfte sich an den Vorschlag der Verwaltung, das Stammkapital durch Zusammenlegung von 5:1 von 6,6 Mill. Mk. auf 1,32 Mill. Mk. herabzusetzen, um auf diese Weise den Verlust von 3,3 Mill. Mk. zu decken. Aus den Erklärungen des Aufsichtsrates ging hervor, da sich die Majorität der Vorzugs-Aktien in Händen der Firma Henschel & Sohn, Kassel, befindet, daß diese Firma aber ihr Stammaktienpaket an andere Hände hat übergehen lassen. Die Zusammenlegung der Stammaktien, wobei auf jede zusammengelegte Aktie ein fünffaches Stimmrecht kommt, wurde mit allen gegen 300 Stimmen bei 136? Enthaltungen angenommen.
* Hermann Wronker AG., Frankfurt a. M. Die Generalversammlung der Gesellschaft genehmigte den Abschluß für das Geschästs- jahr 1930/31 und beschloß einstimmig, zur teilweisen Deckung des Gesamtverlustes von 4,19 Mill. Mk. den Reservefonds in Höhe von 1,2 Mill. Mark au verwenden. Durch Einziehung von 1 Mill. Mark Aktien und durch Zusammenlegung der verbleibenden 5 Mill. Mk. Aktien wird das Aktienkapital auf 3 Mill. Mk. herabgesetzt. Der verbleibende Betrag von 6650 Mk. wird dem Reservefonds zugewiesen. Der Umsatz des Konzerns ist im Oktober hinter dem des gleichen Vorjahrmonats um 3,3 v. H. zurückgeblieben, obwohl im Frankfurter Stammhause eine um 25 000 Personen gröbere Käuferzahl feftgestellt wurde. Die Umsätze des Konzerns im ganzen Jahre waren um 20 v. H. geringer als im Vorjahre.
Die deutschen Börsen.
Kursabschwächung in Berlin.
Berlin, 4. Nov. (WTB. Funkspruch.) Die gestrige Unterredung zwischen dem deutschen Botschafter in Paris, o. H o e s ch, einerseits und Laval und B r i a n d anderseits, die als Ausgangspunkt einer Periode neuer diplomatischer Aktivität in Europa zu werten ist, verlief zwar den offiziellen Erwartungen entsprechend, rief aber in Bankkreisen eine gewisse Enttäuschung hervor. Es stellt sich immer mehr heraus, daß die deutsche Position bei den Reparationsverhand- 1 ungen recht schwierig ist und daß es noch einige Zeit dauern wird, bis alle diese komplizierten Probleme ihre Regelung gefunden haben. Auch die Stillhalteverhandlungen dürften noch nicht so schnell zu einer befriedigenden Einigung führen. Damit wird die Hoffnung auf eine baldige Wiedereröffnung der Börse erneut kleiner.
Neben diesen politischen Ueberlegungen waren es im heutigen Freiverkehr aber auch rein markttechnische Grunde, die zu einer Abschwächung der Aktien- und Pfandbriefkurse führten. Mit Spannung erwartet man das Resultat der heutigen Börsenvorstandsbesprechungen. Wird doch in der heutigen Sitzung über die Form der Abwicklung der noch von Juli her schwebenden Terminengagc- ments Beschluß gefaßt werden. Während sich die Großbanken mehr für radikalen Abbau der Ber- pflichtungen ohne Rücksicht auf evtl. Opfer einsetzen, befürworten die Privatbankiers aus verständlichen Gründen eine langfristige Abwicklung der Engage- inents. Zwar ist eine Radikalkur im Moment schmerzlich, auf lange Sicht aber gelinder, weil hierdurch endlich einmal die sonst anhaltend drohenden Exekutionen aus der Welt geschafft werden würden. Die Ansichten über die rechtliche Seite bei solchen Exekutionen bei geschlossener Börs» sind übrigens geteilt, da nach dem Börsengericht nur durch vereidigte Makler, oder durch einen Auktionator exekutiert werden darf. Ein freiwilliger Abbau der Engagements ist sicherlich auch in der letzten Zeit vorgenommen worden, daraus kann man sich jedenfalls das anhaltende Angebot, das Übrigens immer bemerkenswerte 'Aufnahme fand, da die Großbanken vorwiegend als Käufer austraten, jetzt erklären. Im Gegensatz hierzu war die Aufnahmeneigung heute nur sehr gering, die Kurse erfuhren einheitlich 1- bis 2prozentige Rückgänge. Auch Pfandbriefe lagen meist wieder in Angebot.
Starke Zurückhaltung in Frankfurt.
Frankfurt a. M., 3. Rov. Im heutigen telephonischen Freiverkehr von Büro zu Büro herrschte sehr st arte Zurückhaltung, da Anregungen so gut wie nicht Vorlagen. Etwas mehr Beachtung schenkt man den kommenden Verhandlungen über die Reparationsfrage. Man vertritt die
Ansicht, daß es zu einer günstigen Lösung der schwebenden Fragen kommen werde. Etwas Verstimmung gina von dem eher schwächeren Schluß der gestrigen Neuyorker Börse aus. Da jedoch kein nennenswertes Angebot vorlag, blieben die Kurse auf dem Niveau des gestrigen Nachmittagsverkehrs etwa gehalten, vereinzelt bröckelt sie um zirka j bis 1 v. H. ab. Gut behauptet blieben Montan-, Elektro- und Bankaktien. Der inzwischen bekanntgewordene Reichsbankausweis wurde wenig günstig aufgefaßt und drückte auf die Stimmung. Da aber anderseits das Geschäft außerordentlich gering war, traten auch später keine wesentlichen Veränderungen ein.
Am Rentenmarkt hielt das Angebot an, da die Gerüchte wegen Zwangskonvertierungen nicht verstummten. Bei etwas besserer Geschäftstätigkeit gäbe 8prozentige Goldpfandbriefe 1 bis 1 v. H., Liquidationspfandbriefe I bis I v. H. nach. Für Reichsschuldbuchforderungen hörte man bis zu 1 v. H. höhere Kurse. Von deutschen Anleihen blieben Altbesitz unverändert. Fremde Werte ohne Geschäft, aber eher etwas nachgebend.
Devisenmarkt Berlin — Frankfurt a. 211.
3 November
4. November
Amtliche Notierung
Amiliche Notierung
k»eld
Lrlei
Geld
1 Sritf
Helsingfor» .
8,19
8.21
8,19
8.21
Wien....
58,94
59,06
58.94
59,06
Prag . . .
12,47
12,49
12.47
12.49
Budapest . .
73,28
73,42
73,28
73.42
Sosia . . .
3.072
3,078
5,072
5,078
Holland . .
170,08
170,42
170,03
170,37
Oslo ....
Ropcnbaflcn.
89.41
89,59
88,91
89.09
90.9!
91.09
90,91
91,09
Gtodbolm
92,66
92.84
91.91
92,09
London. . .
Buenos Aires
15.58
15,62
15,78
15,82
1,008
1,012
1,018
1,022
Neunork . .
4,209
4,217
4,209
4.217
Brüjjel. . .
58,64
58,76
58,74
58,86
Italien. . .
21,58
21,62
21,68
21,72
Paris . . .
16,57
16.61
16,58
16,62
Schweiz .
82,02
82,18
82,12
82,28
Spanien . .
36,96
37,04
36,91
36,99
Danzig. . .
82,42
82,58
82,37
82,53
Japan . . . Rio be Ian..
2,053
2,062
2,058
2,062
0,249
0.251
0,259
0,261
Iugoilawien.
7,473
7,487
7,473
7,487
Liijabon . .
14.24
14.26
14,34
14,36
Banknoten.
Berlin, 3. November
Geld
Brief
Amerikanische Noleo . . .
4,20
4,22
Belgijche Nölen.....
58,48
58,72
Dänische Noten.....
90,72
91.08
Englische Noten.....
15.54
15,60
Französische Noten . . . .
16,56
16,62
Holländische Noten ....
169,71
170.39
Italienische Noten ....
21,56
21.64
Norwegilche Noten ....
89.22
89.58
Deuiich-Oetlerrcich, i 100 Schilling
58,68
58,92
Nnmänische Noten ....
2,52
2.54
Schwedische Noten ....
92,46
92.84
Schweizer Noten.....
81,84
82.16
Spanische Noten.....
36,83
36,97
Ungarische Noten ...
Reichsbankdiskont 8
v. £)., Lombardzins
uh 10 v. h.
Mmm MsrrMmtz «mBsZKattdeesehK
Vornan von I. Schneider-Foerstl.
Urheberrechtsschutz Verlag Q. Mei st er, Werdau.
29. Fortsetzung Nachdruck verboten.
Aber der Abend wurde äußerst unterhaltend. Tordy fühlte sich sehr wohl, was zur Folge hatte, daß er manches von seiner letzten Polarreise mit Szengeryi zum besten gab. ,.So unterhaltend wird' es natürlich diesmal nicht mehr sein", warnte er, als er die glänzenden Augen des jungen Calderon unentwegt auf sich gerichtet sah. „Dr. Szengeryi hat schwere Tage hinter sich, sehr schwere sogar. Es hat ja damals in allen Blättern gestanden, daß seine Frau — sie war erst zwanzig Jahre alt — kurz vor seiner Rückkehr sich bei Sorrent ins Meer stürzte, angeblich aus Sehnsucht nach ihm."
Rosmaries Augen zürnten. „Rur angeblich, Mister Tordy?"
„Gott ja! Man hat auch Stimmen gehört, die andere Grüpde nannten. Cs hieß: Sie habe zu dem Geiger Horvath, der mit ihr den Tod gefunden hat, in irgendwelchen Beziehungen gestanden. Welcher Art diese Beziehungen waren, wird ewiges Geheimnis bleiben. Die Toten wissen zu schweigen."
„Wie häßlich!" Rosmaries Farben wechselten. Zuletzt stand ein flackerndes Rot auf den schmalen Wangen. „Tote zu beschmutzen, ist das Gemeinste, was ich mir denken kann."
Der Lord drückte ihr unter dem Tisch die erregten Hände. Dr. Ley warnte mit den Augen. Tordy war für den Moment aufgefahren, bezwang sich aber rasch. „Ich habe nur wiederholt, was die Allgemeinhei sprach und welches Urteil sie fällte."
„Natürlich", beschwichtigte Calderon. „Mein Reffe ist nur zuweilen etwas rasch und unüberlegt in seinen Ausdrücken."
„Ich wollte Sie nicht kränken." Rosmaries Finger schoben sich über den Tisch und legten sich auf die des Piloten.
Aber die Stimmung war zerrissen. Calderon schlug zwar sofort ein anderes Thema an, aber das Gespräch schleppte sich nur mehr mühselig fort, bis man sich endlich knapp vor Mitternacht zurückzog.
Rosmarie öffnete die Türe des Balkons, der von ihrenr Schlafzimmer nach dem Park führte. Die Glaswände der Treibhäuser schimmerten im Licht dcs Vollmondes wie Riesenlachen unbeweglichen Silbers. Von den Beeten heraus kam der betäubende Duft von Heliotrop, in den sich der von Lindenblüten mengte. Die weihen Marmor
bänke sahen aus wie Opfersteine, und wo ein Blatt sich darauf verirrt hatte, machte es den Eindruck, als sei es getrocknetes Blut.
Rosmarie zog den Seidenschal enger um sich. Sie hatte nach dieser wärmenden Hülle gegriffen, ohne zu bedenken, daß es ein komisches Bild geben mußte, wenn sie in Männerkleidern sich mit diesem koketten Umgang sehen ließ.
Dr. Ley hatte recht. Es gab noch tausenderlei, das sie verriet. Außerdem blieb ihr wahrhaftig nicht allzu lang mehr Zeit, sich in ihre neue Rolle hineinzuleben. 3n vierzehn Tagen mußte sie in Göteborg sein.
Unö dann?
Tordy war Richard Calderons Begleiter bis London Der Pilot litt noch immer an den Folgen seines Sturzes. Dr. Ley hatte ihn zwar zur Rot zusammengeflickt, aber die volle Genesung konnte ihm nur in einer Klinik werden.
Während der Fahrt von Irland nach London erzählte er auf die Bitten des jungen Calderon hin noch einzelnes von seinem letzten Zusammensein mit Dr. Szengeryi. Er sah, wie aufmerksam ihm dieser lauschte und gab intime Ratschläge: „Fragen Sie ihn um nichts, lieber Calderon! Um gar nichts! Er hat sich seit jenem Unglückstag wie mit einem Wall von Stacheldraht umgeben. Ab und zu tut sich eine Tür aus, dann kann man, wenn man die Minute nützt, einen Blick in sein Inneres werfen. Aber in der nächsten Sekunde klappt sie schon wieder zu. Und wenn diese Frau zehnmal tot ist und zehnmal aus Sehnsucht nach ihm starb, es war doch ein Verbrechen, das sie an Szengeryi beging. Sie hat damit fein Leben vernichtet."
„Hatten Sie den Eindruck, daß er sie wirklich so sehr geliebt hat?" Calderons Gesicht lag während dieser Frage weit über die Knie geneigt.
Tordy sah zu ihm herüber und zog seine Lederhandschuhe zu langen Strängen. „Er hat eigentlich nie von seiner Frau gesvrochen. Ich wußte es nur von den anderen, daß er verheiratet ist. Erst aus unserer Rückreise habe ich's durch ihn bestätigt erhalten. Es war in Hammer- fest. Wir kamen dort erst nachts zwölf Uhr an. und während wir anderen wie erschöpfte Vögel in unser bequemes Rest flatterten, trommelte er noch den Vorstand eines kleinen Postamtes aus den Federn, ob Briefe für ihn gekommen seien. Es mochte da auch ein ganzer Stapel gelegen haben, aber offenbar nicht das, was er erwartet hatte. Am anderen Morgen war er auffallend deprimiert. Da wagte ich eine Frage. Er zuckte nur die Achseln und sagte, er sei in Sorge um seine Frau, sie wisse, daß er um diese Zeit eintreffe, aber er habe keine Nachricht von ihr erhalten.
Ich versuchte ihn zu beruhigen. Seine Augen waren ganz eingefallen. Jedenfalls hatte er keine
Frankfurter Getreidebörse.
Frankfurt a. M., 4. Nov. Es wurden notiert: Weizen 237,50 Mk., Roggen 225 bis 226, Sommergerste für Brauzwecke 185 bis 190, Hafer (inländischer) 162,50 bis 172,50 Mk. pro Sonne; Weizenmehl (süddeutsches, Spezial 0, mit Austauschware) 37 bis 38, (Sondermahlung) 35 bis 36, (nieder-rheinisches, mit Austauschware) 37 bis 37,75, (Sondermahlung) 35 bis 35,75, Roggenmehl 31,25 bis 32,25, Weizenkleie 9,25, Roggenkleie 9,75 Mk. pro Doppelzentner. — Tendenz: fest.
Berliner Produktenmarkt.
Berlin, 3. Rov. Rach rührigem aber behauptetem Dormittagsverkehr setzten sich die Preissteigerungen am Produktenmarkte heute fort. Die Verlängerung der Zinsverbilligung für die Crntefinanzierungskredite für Weizen und Roggen bis zum 7. Rovember hat offenbar nur wenig Eindruck gemacht. Das ersthändige Angebot von Brotgetreide bleibt nach wie vor minimal und bei guter Rachfrage des Handels und der Mühlen fand das spärliche Offertenmaterial zu 2 Mk. höheren Preisen als gestern glatt Unterkunft. Der Lieferungsmarkt folgte dieser Bewegung, besonders, da die Verkaufslust angesichts der fortgesetzten Hausse am Weltmärkte sehr gering ist. Für Weizen- und Roggenmehle waren die Forderungen im Anschluß an die Preissteigerungen für das Rohmaterial teilweise kräftig erhöht, wurden aber vom Konsum zunächst nur zögernd bewilligt, besonders in Roggenmehl er
folgen nur die notwendigsten Bedarfkäufe. Hafer trotz vorsichtiger Konsumnachfrage bei knappem Angebot fest. Industrie- und Futtergerste wenig offeriert und bei Deckungskäufen wieder 3 Ml. höher bezahlt. Die Preise für Weizen- und Roggenexportscheine haben sich nur wenig verändert. Es notierten: Weizen, märkischer, 227 bis 230 Mk., Dezember 241 bis 241,50, März 252 (fest). Roggen, märt., 198 bis 200, Dez. 209 bis 209,50, März 214,50 (fest), Braugerste 175 bis 178 (stetig), Futter- und Jndustriegerste 170 bis 175 (sehr fest), Hafer, märkischer, 151 bis 157, Dezember 168 bis 169,50, März 180 bis 180,50 (sehr fest) pro Tonne; Weizenmehl 28,50 bis 33 (fest), Roggenmehl 28 bis 30 (fest), Weizenkleie 10,50 bis 11 (fester), Roggenkleie 10,25 bis 10,75 (fester), Viktoriaerbsen 23 bis 29, kleine Speiseerbsen 25 bis 28, Peluschken 17 bis 19, Ackerbohnen 15,50 big 18, Wicken 17 bis 20, blaue Lupinen 11 bis 12,50, gelbe Lupinen 13 bis 15, neue Serradelle 25 bis 31, Leinkuchen 13,80 bis 14, Erdnuhkuchen 12,90, Crdnuhkuchcmr ehl 12 90, Trockenschn.hel 6,20 bis 6,30, Extrahiertes Soyabohnenschrot 11,80 (ab Hamburg), 11,20 (ab Stettin) pro Doppelzentner; Roggenstroh 0,75 bis 0 95 (drahtgepreßt), 0,65 bis 0,90 (gebunden), 0.50 bis 0,70 (bindfadengebunden), Weizenstroh 0,55 bis 0,70 (draht- gepreßt), 0,45 bis 0,60 (bindfadengepreßt). Haser- stroh 0,65 bis 0,80 (drahtgepreht), Gerstenstroh 0,60 bis 0,75 (drahtgepreßt), Häcksel 1,25 bis 1,45 (Stroh und Häcksel: behauptet), Heu 1,30 bis 1,60.
Englische Gorgen um das Pfund.
Oie Reichsmark weiter gut behauptet.
Die anhaltende Schwäche des Pfundes beginnt in der Londoner City eine gewisse Beunruhigung hervorzurufen. Man bezeichnet als Hauptgrund für die Schwäche des Pfundes große Dollarkäufe für kontinentale und auch englische Rechnung, die vorgenommen werden, da man die Aussichten der amerikanischen Finanzlage besser beurteilt. Die weitere Verringerung der englischen Golddeckung durch die Rückzahlung der 15 Millionen Pfund in Barrengold wirkt sich ebenfalls ungünstig auf das Pfund aus, das in dieser Jahreszeit, infolge der Einfuhrfinanzierung, ohnedies unter Druck steht. Durch die Entwicklung der letzten Tage sind die Hoffnungen auf eine baldige Diskontermäßigung zunichte gemacht, was sich auch aus der festeren Tendenz am Diskontmarkt erkennen läßt. Man befürchtet, daß die Bank von England evtl, den größten Teil der Restschuld ebenfalls in Gold abzutragen gezwungen fein könnte, und daß dies nicht ohne weitere Erhöhung des nicht durch Gold gedeckten Notenumlaufes vonstatten gehen könne.
An den internationalen Devisenmärkten stand gestern oormittag der weitere Rückgang des englischen Pfundes im Mittelpunkt des Interesses. Gegen den Dollar schwächte sich das Pfund, nachdem es mit 3,7175 eingesetzt hatte, auf 3,6825 ab, um sich dann später wieder auf 3,7025 zu erholen. In Amsterdam ging das Pfund auf 9,20 zurück, in Zürich auf 19, in Paris auf 94,85, während der französische Franken in London sich zeitweise bis auf 93z befestigte. Der Dollar war gut gehalten. Die Reichsmark zog gegen das Pfund auf 15,60 an, in Amsterdam stellte sie sich auf 58,70 und in Zürich auf 120,90.
Am Nachmittag war das englische Pfund starken Schwankungen unterworfen. Es konnte fich, nachdem es auf 3,6825 gegen den Dollar zurückgcgangen war, wieder auf 3,7325 befestigen, um sich dann wieder auf 3,7250 abzuschwächen. In Amsterdam schloß es wieder schwach zum niedrigsten Tageskurs mit 9,2125, in Zürich mit 19,05 und mit Paris 94z. Die Reichsmark schloß in London mit 15,65, also fast zum höchsten Tageskurs, in Zürich lag sie mit 121,50 wieder fest, in Amsterdam
wir sie mit 58,7750 gut behauptet. Der Dollar schwächte sich am Nachmittag an den verschiedenen Plätzen wieder etwas stärker ab, vor allem in Amsterdam aing es bei starkem Angebot auf 248,10 zurück. Der französische Franken war gut behauptet, Devise Madrid ging erneut zurück, die Nord-Devisen waren kaum behauptet.
Oer,/Kalte Markt" in Ortenberg.
* Drtenberg, 4. Nov. Der „Kalte Mark t" hat auch in diesem Jahre wieder eine starke Anziehungskraft bewiesen. Die ganze Stadt stand im Zeichen des Marktes. Die Landbevölkerung aus der näheren und weiteren Umgebung hatte sich eingefun= den, so daß zeitweise in den Straßen großes Gedränge herrschte. Im Vordergrund des Interesses stand der große Pferde - undFohlenmarkt, der von den Händlern und Käufern außerordentlich stark besucht war. Etwa 600 Pferde waren aufgetrieben. Der Handel ging sehr flott vonstatten, und trotz der allgemeinen Geldknappheit wurde der Markt restlos geräumt. Für leichte und mittelschwere Pferde wurden je nach Qualität 600 bis 900 Mark bezahlt, für gute und beste Pferde wurden verschiedentlich Preise über 1000 Mark erzielt. Der Ri n d - oiehmarkt war mit etwa 400 Tieren beschickt. Die Preise bewegten sich in engen Grenzen. Für Kälber wurden je nach Güte und Alter 90, 100 und 120 Mark bezahlt, Rinder erzielten Preise von 150 bis 180 Mark, für bessere Tiere wurden 200 Mark und darüber bezahlt. Aeltere Rinder und gute Kühe kosteten bis zu 380 Mark. Der Handel ging gut, doch verblieb geringer Ueberftanb. Auf dem Schweinemarkt standen über 700 Ferkel zum Verkauf. Ferkel bis zu 6 Wochen brachten 8 Mark, ür -eiere von 6 bis 8 Wochen wurden 10 Mark, ür ältere Ferkel etwa 12 bis 14 Mark bezahlt. Löu- erschweine wurden zu Preisen von 60, 70 und 75 Mark verkauft. Auch hier lieh der Handel nickt zu wünschen übrig. Der weitausgrößte Teil der Tiere wurde verkauft. — Der Krämermarkt, der von etwa 250 Händlern besucht war, erfreute sich starken Zuspruchs. Die Händler waren mit dem Geschäftsgang zum Teil sehr zufrieden.
Minute Schlaf gesunden. Vielleicht lieh ich mein Mitleid zu offenkundig im Gesichte stehen, denn er gab mir noch die Erklärung. Sie ist erst zwanzig Jahre und wir sind ncch nicht sieben Monate verheiratet. Ich begriff.
In Kristiania war er dann gar nicht wieder zu erkennen. Er benahm sich wie ein ausgelassener Junge. Sie hatte ihm Nachricht gegeben. Zwei armselige Zeilen. Ich sah den Brief über seine Schulter hinweg, da ich dicht neben ihm am Fenster des Schalters stand, um meine Post in Empfang zu nehmen.
Damals — sehen Sie, Mister Calderon — schon damals habe ich diese mir völlig unbekannte Frau gehaßt. Ein Weib, das einen Mann, der nach zwölf Monaten steter Gefahr nach Hause kommt, mit zwei Zeilen empfängt, ist ein herzloses Geschöpf."
Ein langes Schweigen folgte Tordys Tempera- mentserguh.
Uebcr dem nebelüberzogenen Gelände, durch das man jetzt fuhr, lag ein eisengrauer Himmel. Schmutziges Gewölk mit zackigen Rändern kämpfte gegen die kühle Brise, die vom Meere herstrich und endlich der Sonne zum Siege verhalf.
Roch eine kurze Spanne Zeit, bann streckte sich das herrliche Dublin in der Ebene aus und dehnte sich an den malerischen Hügeln hin. Die Stadt lag gleich einer lockenden Oase, aber Calderon hatte kaum einen Blick für sie. Er fieberte, von der schönen grünen Insel weg nach England hinüber zu kommen und von dort den Weg nach Göteborg zu nehmen, wo Dela Szengeryi auf ihn wartete.
In London trank er mit Tordy noch einen Abschiedsschoppen. Seine Pseudomännlichkeit wurde hier das erstemal auf eine harte Probe gestellt. Tordy forderte ihn auf, sein Gast für die Nacht zu sein. „Ich habe zwar nur eine kleine Junggesellenbude", erklärte er, „aber wir werden uns schon behelfen. Sie sollen das Bcttt haben, lieber Calderon, und ich den Diwan."
Alles Reden war zwecklos.
Calderon verspürte plötzlich ein ganz klägliches Gefühl der Hilflosigkeit. Hatte er sich nicht doch etwas zugemutet, das auszuführen ihm nicht glücken würde?
Als er am Morgen in Tordys Zimmer erwachte, stand dieser schon an dem eingebauten Waschtisch und machte Toilette. Geräuschlos drehte Calderon das Gesicht wieder nach der Wand, aber der Pilot hatte schon bemerkt, daß er die Augen offen hielt. Sich den bloßen Oberkörper trocknend, kam er zu ihm herübergestelzt.
„Gut geruht, lieber Calderon? Dann soll's mich freuen. In zwei Stunden müssen wir an der Mole sein."
Der junge Mann schützte noch wichtige Besorgungen vor, was zur Folge hatte, daß man
vereinbarte, sich eine halbe Stunde vor Abgang des Dampfersvam Hasen zu treffen.
Tordy war sehr pünktlich. Er fühlte sich Lord Calderon für seine Gastfreundschaft verpflichtet und wollte sich dankbar erweisen, indem er dessen Reffen bis zur letzten Minute Gesellschaft leistete.
Aber von dem jungen Misker war nichts zu sehen. Die Schissssirenen heulten. Aufgeregte Menschen liefen die Schiffsbrücke hinauf, Gepäckträger schleppten unglaubliche Lasten herbei, Autos kamen herangesurrt, spien ihre Insassen aus und fauchten dann wieder nach der Stadt zurück.
Tordh sah sich die Augen weh, kletterte die überfüllte Treppe zum Dampfer hinauf und spähte umher, wie ein Detektiv, der einen Verbrecher abzufangen hat, bevor dieser über die Grenze schlüpft. Es war alles vergeblich.
Als das letzte Zeichen der Sirenen über die Mole hineintrompetete, stand er ratlos zwischen all den tücher- und hüteschwenkenden Menschen.
Von Mister Calderon war nichts zu sehen. Er mußte sich verspätet haben. Den ganzen Nachmittag bis in die sinkende Nacht wagte Tordy nicht aus seiner Wohnung zu gehen, immer des Glaubens, der junge Mann würde kommen und ihm mitteilen, was ihn verhindert hatte, den Anschluß zu erreichen. Aber kein Mister Calderon ließ sich blicken.
Erst elf Uhr nachts lief ein Funktelegramm ein: „Auf hoher See. Vergeblich auf Ihr Kommen gewartet. Calderon."
Tordy besah vom Diwan aus, wo er eben lag, sein Spiegelbild. Es zeigte einen Kretin, der über sich )cfber lachte. Zehn Eide konnte er ablegen, daß ihm kein Gesicht entgangen war. Und wenn — dann hätte Calderon ihn sehen müssen. Müssen! Er hatte sich wahrhaftig nicht im Hintergrund gehalten. Warum drahtete er dann trotzdem, daß er vergeblich gewartet habe?
Der junge Calderon stand an der Reling und ließ den Blick über die schäumenden Wasserberge schweifen. Das Wiegen und Schaukeln drohte sein ganzes Inneres von Grund auf umzustülpen. Sich krampfhaft am Geländer haltend, winkte er mit dem Kopfe dem Steward, der eben mit einer Platte Cocktails vorüberging, und stürzte zwei Gläser davon hinunter.
Am Abend fehlte er an der Tafel. Aber es erregte kein Aufsehen, denn dreiviertel der Plätze waren unbesetzt.
Todkrank lauerte er auf dem Rande seines Kajütbettes und hielt sich die Schläfen. So viel stand fest: Er würde Göteborg nicht lebendig erreichen. Er klingelte nach der Stewardeß. Sie kam und schickte dem jungen Irländer einen Steward.
(Fortsetzung folgt.)


