Bausparkassen, endlich die Einführung derPflicht- revilion für die Aktiengesellschaften werden die Nachfrage nach akademiscy gebildeten Kräften sehr steigern.
Für die Revision der Betriebe der öffentlichen Hand erscheint der Diplomkaufmann dann besonders geeignet, wenn er über sehr gute theoretische und praktische betriebswirtschaftliche Kenntnisse verfügt und daneben volkstrirt'cha'tliche und juristische Fundamentierung besitzt. Gerade auf dem Gebiete der materiellen Revision der kommunalen Gas-, Wasser- und Elektrizitätswerte sowie der Verkehrsbetriebe, bei welchen die sachliche Richtigkeit der Dilcmz-
anlähe und die Einhaltung der Dewertungsvor- schriftcn einer Prüfung unterzogen werden, findet der Diplomkaufmcnn einen dankbaren Aufgabenkreis.
Die vorstehenden Ausführungen lassen erkennen, in wie vielseitiger Weise sich der Diplomkaufmann in der wirtschaftlichen Praxis betätigen kann. Biele Erfolge waren den Diplomkaufleuten bislang bcschieden, es sind ihnen aber auch Enttäuschungen nicht erspart geblieben. Voraussetzung für den Erfolg ist neben guten praktischen Grund- lagen ein scharfes geistiges Rüstzeug, die theoretische betrieb«-, volkswirtschaftliche und juristische Ausbildung.
Sturmwolken über Oesterreich.
Don Artur Kornhuber, Wien.
Die Sturmzeichen in Oesterreich mehren sich. Ein staatliches Gebilde wie dieses, eingeengt in die Zwangsjacke der Verträge, wirtschaftlich nicht lebensfähig und zu einem Scheindasein der Armut verurteilt, vermag von vornherein nicht jene Widerstandskraft auszubringen, die notwendig ist, den beispiellosen krisenhaften Erschütterungen der Gegenwart auch nur einigermaßen standzuhalten. Einige Monate lief der Wirtschastsmotor, schon allein durch das Gesetz der Trägheit, weiter. Run aber — scheint es — ist man am Ende angelangt.
Die Dauern beginnen zu rebellieren. Aus allen Teilen des Landes, vor allem aber aus den Alpengebieten, kommen bedrohliche Rachrichlen. Ter Bauer versteht nicht die Zusammenhänge der europäischen Finanz- und Wirtschaftskrise. Er sieht nur, daß sein Besitz, den er in der Inflationszeit fast restlos entschulden konnte, heule wieder überschuldet ist, daß die Vieh- und Getreidepreise bald auf die Hälfte gefallen sind, daß ein Fest- metcr Blochholz von 25 Schilling auf 12 und ein Meter Schleifholz von 18 Schilling auf 9 gesunken ist Dazu erlebt er jetzt eine neuerliche Heraufsetzung der Steuerlasten, neue Abgaben, damit das Genfer Spardiktat erfüllt werde. Qlber der Bauer ist schlauer geworden. Seit dem Krach der Kreditanstalt und seitdem er durch die Zeitungen und von Agitatoren, die die Konjunktur ausnühen, erfahren hat, wie in Wien Millionensummen verschleudert wurden,will er sich nichts mehr gefallen lassen. Steuereintreibungen haben das Faß überlaufen lassen. Heber» all haben in der letzten Woche Zusammenrottungen der Bauernschaft stattgesunden, in Tirol, Steiermark, Kärnten, Vorarlberg, in Rieder- und Oberösterreich. Tausende von Bauern demonstrierten und die Forderungen, die sie auf- stelllen, trugen überall einen einheitlichen Charakter. Dis zum 5. Rovembcr verlangen sie von der Regierung zu hören, ob sie geneigt sei, ihren Wünschen Rechnung zu tragen. Was sie fordern, ist nicht wenig: Einführung eines Höchstgehaltes der Staatsbeamten von 1500 Schilling, Herabsetzung des Hypothekenzinsfußes auf 4 v. H„ Erfassung und Rückleitung der ins Ausland verschleppten Kapitalien. Anpassung aller Löhne und sozialen Lasten an die Tragfähigkeit der Wirtschaft, Verwaltungsreform, Einführung erträglicher Advokaten- und Rotariatstarife, Wiedereinsetzung der Todesstrafe, Ausbezahlung der Arbeitslosenunterstützung zu zwei Dritteln in Raturalicn, Reuregclung aller Steuern und Herabsetzung der Verzugszinsen.
Die Situation ist überaus ernst. Acht Jahre lang hat man von der Hand in den Mund gelebt. Run sind plötzlich alle Quellen versiegt. Das ganze österreichische Trauerspiel wird offenbar. Seit dem Kriegsende, das heißt, seit der Staatsgründung, lebt die Devölkcrung vom Staate, und der Staat von der Auslandsverschuldung. Run wo es plötzlich keine ausländischen Anleihen und Kredite mehr gibt, soll dieser durch Versailles verschuldete Lebensprozeß umgekehrt werden: der Staat ist gezwungen, wie es normalerweise fein sollte, von der Bevölkerung zu leben. Aber die Bevölkerung besitzt nichts mehr, und die gewerblichen, indu
striellen und bäuerlichen Stände sind ohnehin nicht mehr in der Lage, die Hypertrophie des Staates zu erhalten.
3u Wien, dieser Zwei-Millionen-Stadt, die ein Sritlel der gesamten Bevölkerung Oesterreichs verkörpert, wollte man es natürlich nicht wahr haben, daß nun alles aus sei, dieses ganze aus geborgtem (Selbe aufgebaute Dasein der bürgerlichen Behäbigkeit und der gepflegten Traditionen einer größeren und glanzvolleren Zeit. Die Bauern draußen auf dem flachen Lande und in den wildzerklüfteten Bergen sind die ersten, die den Wienern den Schleier von den Augen reißen und sie brutal daran erinnern, daß nun Schluß ist mit allen Illusionen und daß es nun heißt, einzugestehen, daß man mehr ist als arm; daß man durch die Schuld der Verträge e i n Volk von Bettlern geworden ist.
Der Bundeskanzler Dr. B u r e s ch selbst, der Landwirtschaftsminister und zahlreiche Rationalräte haben sich auf die ersten Rachrichten von der Gärung aus dem Lande in die Provinz begeben und alles versucht, die erregten Dauernmassen auf Versammlungen zu beruhigen, die wie in St. Johann, in Kufstein, in Annaberg im Ealz- burgischen, in Hofgastein und in Feuersbrunn in Riederösterreich nicht immer einen glimpflichen Verlauf nahmen. Rachdem man fünf Monate lang gezögert und geschwankt hat, haben nun die Sturmzeichen vom Lande energische Maßnahmen der Regierung zur Folge gehabt. Von 28 Direktoren der Kreditanstalt, die nach der Sanierung eine staatliche Anstalt geworden ist, haben 25 den Kündigungsbrief erhalten, die strafrechtliche Verfolgung der Schuldigen an dem Zusammenbruch dieser Bank ist angekündigt und gegen den früheren Direktor Ehrenfest, der zur Zeit in Paris weilt, ist der Haftbefehl erlassen worden. Ebenso radikal gedenkt man gegen die staatlichen Bühnen vorzugehen. Ministerien sollen zusammengelcgt, Fakultäten an den Universitäten geschlossen, Dienstautos der staatlichen Verwaltung abgeschafft, viele tausende von Staatsbeamten abgebaut werden. Das alles erscheint aber noch klein gegenüber dem Kampf, den die österreichische Wirtschaft um ihre Existenz und damit um die Existenz der Währung zu führen hat. Aushalten, durchhalten — lautet die Devise, in diesem entsetzlichen, unrentablen, kapitcLzerstören- den Leerlauf eine schier unerfüllbare Forderung, während der Bauer draußen auf dem Lande die Fäuste ballt und diese Zeit verflucht, die ihn versklavte.
Landes-Derireiertagung der „Hassia^.
WSR. Bensheim, 2. Rov. Die Set» tretertagung des Verbandes der Kriegsbeschädigten und Kriegerhin- terblicbencn in der Kriegerkameradschaft „Sj a f f i a“ begann am Samstag im „Deutschen Haus". Rach der Begrüßungsansprache des Präsidenten, Generalleutnant von Oidtmann, sprach Deiste r, Mainz, über „Steuerliche Vergünstigungen der Kriegsbeschädigten und Krie- gerhinterbliebenen", wie sie in den zahlreichen Steuergesehen enthalten sind. Major a. D. Arndt behandelte die „Praktische Fürsorgetätigkeit der Orts- und Bezirksgruppen". Für-
aud) wenn er es niemals unmittelbar aussprach, daß man in derselben Norm untertauche. Er verlangte es fast fanatisch: völlig unwissend, daß die Formen der Liebe, der Vcrchrung, der Hingabe unendlich sind., (fr begriff nicht, daß, was für ihn galt — aus allerpersönlichstem Erleben heraus — für andere sinnlos war.
lind ahnte damals nicht voraus, daß er bis in fein reifes Mannesalter hinein nicht um eine Freiheit wissen würde, die bei anderen, selbst noch sehr jungen Menschen, die selbstverständliche nie gefährdete Quelle seelischer und geistiger Kraft war.
Immer in den langen Jahren der Trennung, welche den wenigen Jahren folgten, in denen wir uns ziemlich häufig sahen, mußte ich an unsere erste Unterhaltung zuruckdenken: und immer wieder gab sie mir den Wegweiser für die Grundgesetze des Gundolsschen Schassens: ober auch immer die Erklärung für mein eigenes Ja und Nein.
Mit welcher Spannung hatte ich das Buch über George erwartet — mit welcher Bitterkeit habe ich es beiseite gelegt, ja mit welchem Erschrecken davor, daß sich ein Glaube in eine solche Besessenheit, eine Liebe in einen solchen Krampf verwandeln könne ..
Ich wußte damals nicht, was andere vielleicht |d;rn kommen sahen: daß sich Gundolss Weg feiner entscheidenden Wende näherte, daß die Krönung diese» Lebens bad) schließlich der Durchbruch durch den Namen werden sollte, der es — in unsaßlichem Maße — mit eherner Spange umschlossen gehalten hatte: den Namen Georges.
Es ziemt un> nid)t, diesem Geschehnis nachzugehen und es aus äußeren Slnläffcn heraus zu deuten. Aber es wäre Fälschung, ihm nicht die ganze Be- btuhmg zuzuschreiben, die es hat. Gundolss Loslösung von George ist — menschlich gesprochen — seine erste unmittelbare Schau in das Gesicht des Lebens gewesen: die erste, ganz große Derantwor- tung auch, die er dem einfachen Leben gegenüber auf sich nahm: soviele schwere Verantwortungen er and) schon dem Geiste gegenüber getragen hatte.
Die Befreiung muß unendlich gewesen sein. Denn was Menschen von ihm berichten, die ihn in den letzten Jahren feines Lebens kannten, ist solcher Art, daß man das George gebundene Bild nicht mehr wiedererkennt.
Ich habe oft daran denken muffen, was wir wohl 311 jammen gesprochen hätten, wenn uns das Leben nod) einen gemeinsamen Gang gegönnt hätte . . Und ich habe cigentlid) nie daran gezweifelt, zu welchem Endergebnis wir gekommen wären: daß ein jeder die Spannungen seines eignen Lebens ablcmfes so ertragen muffe, wie sie ihm gesetzt sind,
daß es keine Flucht aus ihnen gibt — und daß der Geist nur eine einzige Sünde kennt: die Lüge.
Immer wird man die Namen Georges und Gundolfs in der deutschen Geistesgeschichte nebeneinander nennen: und wer um beider Geheimnis und beider Größe weiß, wird sagen, daß sie am tiefsten verbunden blieben durch den Akt ihrer Loslösung: denn in diesem eben bewahrten beide ganz sich selbst.
Gundols hat in diesen letzten, freien Jahren ein Bud) über SU e i ft geschrieben. Es ist auf große Widersprüche gefloßen. Dennoch sollte kein Deutscher versäumen, es zu lesen und an ihm zu erkennen, bis zu welcher Erkenntnis Gundolf vordrang. Am Gcgenwendigsten hat er vielleicht am klarsten bewiesen, wer er selbst war. Und er hat den Deutschen an einem großen Beispiel gezeigt, wo die zu bannenden Gefahren ihres Ich- und Volksschicksales aus- geschichtet sind. Gundolss Buch über Kleist ist sein mahnendes und warnendes Vermächtnis an Deutsch- land.
Von Kanion nach Hongkong.
Don (Scolf Hearing.
In der Rähe der Werften von Kanton befindet sich die Anlege- und Abfahrtstelle der Fluß- und Frachtboote nach Hongkong. Hier ist der Strom viele hundert Meter breit. Die Anlegestelle ist verstopft von tausend und mehr Dschonken. Kreuz und quer, höher und niedriger liegt hier Doot bei Doot. Endlose Trägerkolonnen eilen im Zickzack über die DeckS der hohen und niedrigeren Boote. Die Kohlen träger haben es am eiligsten. Andere schleppen leichte Holzkohle in riesigen Dastsäcken und Körben. Endlose Kolonnen balancieren mit langen Dambushölzern über das Gewirr der Boote. Tee, Seide, Reis, Flecht- und Korbwaren. Früchte, Gemüse, Kisten und Kästen mit europäischen Aufschriften versehen, schleppen die Lastträger von Deck an Land, von Land an Deck. Die Produkte der Provinzen stapelt jeder Tag in gleicher Höhe an den llfem auf.
Blanke Schiffstaue zirkeln wie Blitze über untere Köpfe. Mit kahenhalter Behendigkeit fangen sichere Hände die Enden der Schiffstaue aus. Ein Gong schlägt dreimal und viel Arme und Deine stemmen und schieben das Gewicht des vierzig Meter langen und acht Meter breiten Fluß- bootes durch das endlose Schiffsgewirr, deren Matrosen lachend helfen, das abfahrende Doot vorbeizulassen.
forgcleitcr 2 0 nhard, Gießen, sprach über die Invaliden- und Unfallversicherung. Ritter über die neuen Zusatzrentenbestimmungen und die Fürsorgepflichtverordnung. Oberleutnant a. D. Krömmelbein, der Landesgeschäftsführer, nahm zu den einzelnen Referaten Stellung, woran sich eine ausführliche Aussprache anschloh.
Am Sonntagvormittag wurden die Hauptreferate erstattet. Rach Begrüßung der Regierungsvertreter und Ehrengäste hielt der dritte Vorsitzende Krömmelbein. Darmstadt, ein Referat, in dem er den ausführlichen Jahres- und Tätigkeitsbericht des Gelamtverbandes erstattete. Er wies darauf hin, daß die schwere Rotzeit auch dem Verband schwierige Arbeiten gestellt hätte. Trotzdem fei eine Zunahme um etwa 1000 Mitglieder im letzten Jahre seftzustellen gewesen. Ein zweistündiges Referat über Arbeitslosenversicherung hielt der Vorsitzende des Arbeitsamtes Gießen, Regierungsrat Tr. D u e s , Gießen. Der Redner beleuchtete insbesondere die den Verband interessierenden Rotverordnungen, die sich mit der Versicherung der Kriegerhinterbliebenen und Kriegsbeschädigten befassen. Zum Schluß hielt Dr. Ebert vom Deutschen Reichskriegerbund Kyfshäufer Berlin einen Vortrag über den Stand der Versorgung nach dem Reichsversor- gungsgeseh.
Dberbeffen.
Landkreis Gießen.
xf Leihgestern. 3.Noo. Pfarrer Neu sch hatte die Gemeinde am vergangenen Sonntag zu einem Familienabend eingeladen. Die Ge» mcinfcenvtglieber leiftetcten dem Ruse so zahlreich Folge, daß der Saal des Gasthauses zur „Krone" bald überfüllt war und viele Besucher wieder umkehren mußten. Der evangelische Kirchengesangverein eröffnete den Abend mit einem Liede. Pfarrer Reusch begrüßte die Teilnehmer, insbesondere den Vortragenden des Abends. Dezirkszollkommissar Heß (Gießen). Die Gemeindeabende sollen, so betonte der Geistliche u. a., den Zweck haben, die evangelischen Ge- meinöcmitglicber zu einer großen Familie zu bereinigen. Sodann sprach Bezirkszollkommissar Heß, der lange Zeit in Deutsch-Ostafrika gelebt hatte, über seine mannigfaltigen Erlebnisse und Erfahrungen in diesem Lande. Er erzählte von seiner ersten Hinreise, wies auf die Bedeutung der Kolonien für die deutsche Wirtschaft hin, schilderte eindringlich, wie bis zum Ausbruch des Krieges der deutsche Fleiß das Land erschlossen und durch die Anlage von Häfen, Krankenhäusern usw. wertvolle Arbeit geleistet habe. Er schilderte weiter seine Erlebnisse in Deutsch-Ostafrika während des Weltkrieges und sprach von den ungeheuren Strapazen, die die deutsche Schuhtruppe im Kampf gegen die Uebermacht der Feinde aus- zustehen hatte. Der Vortragende versäumte auch nicht, darauf hinzuweisen, daß es notwendig fei, die deutschen Kolonien wieder zurückzuerhalten. Eine Reihe interessanter Lichtbilder veranschaulichte und bereicherte den Vortrag, der von den Zuhörern mit großer Aufmerksamkeit und starkem Beifall aufgenommen wurde. Der Abend war umrahmt von Liedern des Kirchengesangvereins, Volksliedern durch die ganze Gemeinde gesungen, und einer Ansprache des Herrn Rektor Loh, der in feiner Weise den Gedanken eines solchen Gemeindeabends noch einmal besonders unterstrich als eine Ausforderung zum bewußt evangelischen Mitschasfen an dem ernsten Werk der Jugendarbeit in der Gemeinde. Mit einem kurzen Dan- keswort des Geistlichen an den tapferen Pionier des Deutschtums in Deutsch-Südost, Herrn Heß, an alle die, die zum Gelingen des Abends beigetragen, und den Hinweis auf einen anderen noch größeren Deutschen, der vor 400 Jahren auch einer ganzen Welt von Feinden gegenüberstand, Dr. Martin Luther und seinem Geist, der im Kampf der Gegenwart allein helfen könne, schloß der Abend.
Z Lollar, 2. Noo. Der hiesige Gesang- verein „Sängcrvereinigung" veranstaltete am Sonntag ein wohlgelungenes Konzert. Der Besuch war allerdings diesmal nicht fo gut, wie in früheren Jahren. Das war um fo bedauerlicher, als der Verein gerade in diesem Konzert eine
Richt eine halbe Stunde brauchen die Kulis, um mit Händen und Füßen ihren hochbeladenen Kasten in das freie Wasser zu bugsieren.
Ich fahre dritter Klasse und zahle für die sechsstündige Fahrt von Kanton bis Hongkong 41 amerikanische Lents. Die dritte Klasse ist das Deck von vorn bis hinten. Die Plätze find oben auf den gestapelten Reisfäcken, auf Körben und Dambusstapeln. llebcrall drängt man sich lächelnd zusammen und macht einander soviel Platz, wie man eben zum Sitzen braucht.
Die Frauen fitzen in bauschigen, langen Hosen und kurzen Socken, die von Strumpfbändern unter dem Knie gehalten werden. Ihre UcbergetDänöcr bekleiden faltig den Oberkörper. Das schwarze Haar hängt in glänzenden Zöpfen im Racken. Die Frauen gönnen sich die einzige Bequemlichkeit der dritten Stlaffe; sie streifen ihr ledernes Fuß- zeug von den verkrüppelten kleinen Füßen.
Die Männer tragen dieselben bauschigen Hofen bis zum Knie oder etwas darunter. Besser- fituierte tragen ein Hemd, auch Socken und Schuh- zeug. Qlber nur wenige haben Hemden und noch weniger Schuhzeug. Rur den charakteristischen großen, runden Hut tragen alle. Es find viele Kinder dabei. Mit elfenbeinfarbenen Gesichtern, mit strahlenden, dunklen Augen und melodischen, feinen Stimmen.
Die Haltestellen erfordern eine besondere Portion Höflichkeit von den bereits an Bord befindlichen und von den neu hinzukommenden Passa- giercn. Man sitzt solange eingepfercht, bis die neuen Fahrgäste auf den Bambusstapeln und Reissäcken verteilt sind und bequemen Platz gesunden haben. Das dauert überaus lange Zeit, denn die Zahlung des Fahrgeldes ist eine kleine Schwierigkeit. Den Fahrfcheinverkäusern hängen die Körbchen voll Kupfermünzen schwer auf der Brust. Zweihundertfünfundvierzig Kupferstücke chinesischen Geldes sind erst ein Dollar, und da» Volk zahlt nur in Küpser.
Der Singsang der Obst- und Zuckerverkäufer, die den Lärm der Anlegestellen überschreien, verklingt. Das Doot fährt weiter. An Bord find die Stewarts Akrobaten im Springen und Klettern. Sie geben die Wände hoch, die Wände an den Bambus- und Reisstapeln natürlich. Sie fbringen mit ihren schweren Holzgalo'chen von einem Stapel zum anderen und verkünden den Speisezettel. Es ist fünf Uhr und Essenszeit. Zu den bekannte,: Holen tragen sie billigste, amerikanische Hemden. Die Skala ihrer Vokale und die Mimik ihrer Gesichter sind eine Schul
beachtliche Steigerung feiner Leistungen unter Ve» weis stellte. Sämtliche Darbietungen ließen eine lobenswerte Hingabe der Sänger an den Chorgesang erkennen. Besonders gut gefielen die beiden Chöre „Weihe des (Befange»" (Mozart) und ,Lohannis» nacht" (Rathgeber). Große Ansorderungen an da» Können der Sänger, wie des Dirigenten stellte die „Nordische Heerfayn" (Stern). Mit viel Geschick verstand man es, der schwierigen Ausgabe Herr zu werden. Harmonische Zusammenarbeit zeigte der Chor mit dem Orchester in der Wiedergabe de» „Sangerlust-Polka" von Johann Strauß. Dirigent, Musiker und Sänger gaben sich alle erdenkliche Müye, dem Werke gerecht zu werden. Lebhaster Beifall dankte für diese Darbietung. Ein starker Verdienst an den Erfolgen des Abends ist dem Leiter des Chores, Chormeister D a p p c r von Gießen, zuzuiprechen. Das Anpassungsvermögen der Sänger und die vorbildliche Ruhe des Dirigenten waren außerdem wesentliche Voraussetzung für die gute Wiedergabe der Lieder. Als weitere Mitwirkende des Abends verdienen Musikdirektor S p e ch t - Frankfurt, der mit feiner schönen Baritonftimme durch einige Lieder das Programm bereicherte, und Herr Schwarzlose - Gießen, der mit einem Pistonfolo besonderen Beifall errang, ermähnt zu werden. Mitglieder des Orchestervereins Gießen unter Leitung des Dereinsdirigenten trugen ebenfalls wesentlich zum Gelingen des Konzertes bei. Der Verein darf das Konzert als einen großen Er- folg betrachten.
th. Lindenstruth.3. Rov. Die gestern durch die Schule Porgcnommcnc Sammlung von Lebensmitteln für die Wintern othilfe derStadt Gießen hatte ein re cht f +>öne» Er- gebnis. Es wurden gespendet: 18 Zentner Kartoffeln, 7 Ztr. Aepfcl, 8 Ztr. Gemüse und 2 Ztr. Karotten, Grdkohlrabi und Rote Rüben. «Die Gießener Winternothilfe wird allen gütigen Gebern für diese Spende dankbar fein. D. Red )
D Lich, 3. Nov. Der im Dereinsleben unserer Stadt bekannte Kaufmann Moritz Goldschmidt wurde in diesen lagen zur letzten Ruhe gebettet Der Verstorbene gehörte ein Menschenalter hindurch dem Turnverein 1860 an, war 26 Jahre Schriftführer des Vereins und wurde vor einigen Jahren zum Ehrenmitglied ernannt. Ferner bekleidete der Verstorbene seit Jahren das Amt eines Rechners beim Derkehrsverein und im Dolksbildunasverein. Bürgermeister Geil, der Vorsitzende des Verkehrsund Verschönerungsvereins, Pfarrer Draudt als Vertreter des Dolksbildungsvereins, und der erste Sprecher des Turnvereins Hermann Schmidt würdigten am Grabe die Verdienste des Verstorbenen.
Muschenheim, 2. Rov. Rach IZjähriger Tätigkeit an der hiesigen Schule siedelte Lehrer Jakob M a s s a r diele» Tage nach seinem neuen Wirkungsorte Okarben (Kreis Friedberg) über. Die Gemeinde sah den pflichttreuen Lehrer, der sich durch fein allezeit offenes, freundliche- Wesen hier allgemeiner Beliebtheit und Hochschähung erfreute, nur ungern scheiden. An feine Stelle tritt Frl. W. Eidenmüller, die seither in Okarben tätig war. Mit diesem Wechsel erhält die hiesige Unterklasse innerhalb 22 Monaten ihren 5. Lehrer.
Mrcid Büduigen.
•I* Echzell, 3. Rov. Am Sonntag wurde durch Stichwahl Wilhelm Groth L, Fuhrunternehmer, mit 547 Stimmen zum Bürgermeister gewählt. Sein Gegenkandidat, Wirt und Fleischbeschauer Otto Küfer, erhielt 431 Stimmen. Ungültig waren 22. Die Wahlbeteiligung war sehr stark. Alte und (gebrechliche wurden mit Fuhrwerken und AutoSzur Wahl gefahren. — Für die W i n t c r f) i lj c des Evangelischen Jugend- und WohlfahrtsdpnsteS in Cf er.« bach a. M. wurde in Bingenheim, Gettenau und Echzell gcsamme'.t. Es konnte ein Eisenbahnwagen mit Kartoffeln, Gemüse, Obst und anderen Lebensrnitteln nach Offenbach gesandt werden.
Preu
Al VC15 Khqiui.
0 Oberkleen, 3. Rov. Beim Pflügen auf dem Felde erlitt der in den 60er Jahren stehende Landwirt Iohs. Schm i d t von hier einen Schlaganfall. In der Rähe mit Feldarbeiten beschäftigte Rachbarn sanden den Mann tot neben seinem Gespanne liegen.
aufgabe für die westlichen Dühnenvolker. Und das ..Sofort!" das hier der Stewart feinen Gästen zuruft, bedeutet in der Tat ein »Rullkommanichts'* von Geschwindigkeit.
Dabei läßt sich die ganze Küchcmeinrichtung des Flußbootes bequem auf einer Schiebkarre fortbringen. Ein Holzkohlenolen. Rrisschüffeln, Tee- töpfe, Holzstäbchen und Pfanne. Gekochter Reis steht immer warm in großen Kesseln auf dem Holzkohlenfeuer. Ein zweiter Topf enthält Gemüse, ein dritter heißes Wasser. Die Speisekammer besteht aus einem Käfig Hühner und Ge- müfekörben.
Die Hühnersuppe geht zur Reiqe. Ein Griff in den Käfig, noch ein Griff und die ausgeblutet« Henne bekommt einige Löffel heißt- □Baffer, damit der Küchenjunge schneller mit dem Rupfen fertig wird Der Kessel dampft und duftet bald und bietet seine Hühnersuppe an.
Ist die Essenszeit vorüber, lassen die Stewarts die Passagiere ungestört. Rur der Wasserkessel singt und summt leife in den Abend hinein.
Aus dem Vorderfchiss haben sich einige junge Leute zwei Quadratmeter Platz für einen Dorring freigemacht. Weder die Borenden, noch die Zuschauer zeigen bet dem Sport überlaute Kritik oder Beifall. Fehler ober Vorteile zensiert der Chinese nicht mit der naiven Art des Europäers.
Trotz der Flußfahrt vermindert der Abend die Hitze des Tages um keinen Grad. Mütter fächeln ihren eingefchlasenen Kleinen Kühlung zu und träumen vor sich hin.
Der Abend legt perlmutterfarbene Streifen an den Horizont. Die Gönne schlägt ihr Strahlenrad und in herrlichen Farben spiegelt sich der S'.rom. Mit Sonnenuntergang wechselt in wenigen Windstößen die Tageshitze mit der Rachtiühle. Die festen Linien des Tages verlieren sich, und die Gestalten auf den Stapeln und Dalken verwandeln sich in felllame Silhouetten.
Es ist, alS hockte ein schweigender Buddha auf jedem Zentner Reis und jedem Stapel DambuS, die den Strom foinuntergeben.
(Berechtigte llebertragung von E. P. HieSgen.)
Dod)fd)ulnad)rid>ten.
Der Lehrstuhl für öffentliches Recht an der Universität Marbur g ist dem mit dem Titel eines ordentlichen ProfellorS bekleideten außerordentlichen Professor an der Wiener Universität Dr. Adolf M e r 11 angeboten worden.


