nr. 206 Erster Blatt
181. Jahrgang
Zreitag, 4. September 1951
GietzenerAnzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
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Der Verzicht auf die Zollunion.
Gemeinsame Erklärungen des deutschen und des österreichischen Außenministers vor dem Europaausschuß in Gens.
Genf. 3. Sept. (WTB.) Der EuropaauS- schuß (Studienausschuß für die öuropaunion) ist heute vormittag unter dem Vorsitz deS auf französischen Vorschlag gewählten schweizerischen VurcheSratS Vl o t t a zu seiner 4. Tagung zusammengetreten. Außer England und Frankreich, die durch Lord Robert Cecil bzw. F r a n q o i »- Poncet vertreten sind, haben die meisten europäischen Staaten wie bisher ihre Außenminister entsandt. Don den europäischen Vichtmitgliedern des Völkerbundes sind wie zu der letzten Tagung SowZetrußland und die Türkei erschienen. Außerdem sind Beobachter Japans und E h i n a S anwesend. Gleich zu Beginn der Sitzung erklärte
der österreichische Außenminister Dr. Schober:
Der Llnterausschuh der Wirtschaftsexperten hat in seinem Bericht in mutiger Weise die Fra^e aufgeworfen, ob eS nicht möglich wäre, durch ein neues Konzept der europäischen Zusammenarbeit eine neue Sachlage $u schaffen die geeignet wäre, gleichzeitig zur Sicherung des wirtschaftlichen Aufschwunges wie des dauerhaften Friedens in Europa beantragen. Die Grundgedanken deS Berichtes begegnen sich mit den Beweggründen, die die österreichische Regierung einvernehmlich mit der deutschen ReichSregierung im März d. 3. dazu gesührt haben, mit dem Projekt einer Zollunion h e r v o r z u t r e ten. Gs war von allem Anfang an klar, daß dieser Entwurf nur dann Aussicht auf Verwirklichung haben konnte, wenn auch andere Staaten sich dazu bereitfinden würden, daran teilzunehmen.
Da die Bundesregierung au» den Ereignissen der letzten Monate feststellen konnte, dah im Gegensatz zu ihren Absichten Schwierigkeiten für die vertrauensvolle Zusammenarbeit der europäischen Völker au» der Durchführung de» Zollprojekte» entstehen könnten, erklärte sie, da für sie da» Interesse an dieser Zusammenarbeit eng mit den österreichischen Interessen verbunden ist, ihren Lntschluh, da» Projekt der Zollunion nicht weiter zu verfolgen. Ich hoffe, dah diese Erklärung wesentlich dazu beitragen wird, die so notwendige allgemeine Beruhigung herbeizuführen, und eine Stimmung zu schaffen, welche ein konstruktive» Zusammenwirken der Regierungen ermöglichen wird.
Dem Schritt, das gegenseitige Vertrauen wieder- herzustellen, soll diese Erklärung dienen. ES wird jetzt darauf ankommen, dah die europäische Zusammenarbeit auch tatsächlich stattfindet und zu positiven Ergebnissen führt. 3ch bin überzeugt, dah die von mir vor einem Jahre hier ausgesprochenen Grundgedanken richtig sind, dah eS nämlich nicht möglich ist, mit allen 27 europäischen Staaten zugleich zu einem gemeinsamen wirtschaftlichen Statut au gelangen und dah nur gruppenweise- Vorgehen zu diesem Ziele führen kann. 3n der Tat entsprechen alle konkreten Vorschläge, die inzwischen gemacht worden sind, diesem Grundsatz. Aus dem llebcrblid dieser Vorschläge wird kaum jemand die Beruhigung gewinnen können, dah die Wege für entsprechende europäische Aktionen bereits gefunden seien. Es erscheint deshalb notwendig, auch noch andere Methoden zu prüfen. Insbesondere sollte untersucht werden, ob nicht die gegenseitige Herstellung des freien Verkehrs zwischen den Staaten. die dazu bereit sind, Aussicht auf Erfolg hätte. Es wäre dieS nicht nur das wirksamste Mittel aut Schaffung größerer wirtschaftlicher Kredite, sondern es könnte sich auch zeigen, so überraschend dies auch auf den ersten Blick erscheinen möge, daß es eher möglich ist, gegenseitig den freien Verkehr herzustellen, als bedeutende Ermäßigungen der Zölle durchzuführen. Ich möchte anregen, dah ein Unterausschuß mit dem Auftrage eingesetzt werde, d i e wesentlichen Elemente einer Zollunion in einem Statut zusammenzufassen.
Der deutsche Reichsaußenminister Dr. Curtius
begann mit einem Hinweis auf die schwere Rot. unter der jetzt soviele Länder leiden und von der vor allem Deutschland bedrückt werde. Er hoffe, dah darüber während der Genfer Tagung noch eingehend gesprochen werde. Curtius ging auf den Vorschlag des Präferenzsystems für Getreide ein und erklärte u. a., daß das System der Meistbegünstigung für die europäische und für die Weltwirtschaft Grundlage des Güteraustausches bleiben muh. Es handelt sich nur darum, unter ganz bestimmten Voraussetzungen eine sachlich und zeitlich begrenzte Ausnahme von der Meistbegünstigung zuzulassen. Entscheidend für die Zulassung dieser Ausnahme ist, daß die Wirtschaft einzelner europäischer Länder ausschließlich auf der Möglichkeit der Getreideausfuhr basiert. Durch die Entwicklung der Getreideproduktion und der Getreidemärkte außerhalb Europas ist diesen Ländern aber die Getreideausfuhr unmöglich gemacht. Wir hoffen.
dah die anormalen Verhältnisse überwunden werden. Dann wird auch für diese Länder wieder eine Basis für eine normale Ausfuhr gegeben fein.
Der Bericht deS Komitees der wirtschaftlichen Sachverständigen wird, wie ich hoffe, in der Wirtschaftsgeschichte Europas als Ausgangspunkt einer neuen Ent - Wicklung gelten. Der Ausschuß sieht als wichtigstes, eigentlich als einziges Mittel für eine durchgreifende Besserung Der europäischen Wirtschaft die wirtschaftliche Annäherung, öentoirt- fchaftlichen Zusammenschluß an. Der Wirtschaftsausschuß hat nicht gezögert, es auszusprechen, dah er als Endziel dieser Ent
wicklung den Abschluß von Zollunionen in« Auge saht. Niemand verkennt die Schwierigkeiten, die der Verwirklichung entgegenstehen. Etwas aber kann unS doch zuversichtlicher machen: die Wirtschaft folgt letzten Endes eigenen Gesehen und Entwicklungstendenzen. Ausgabe ist es, diese Tendenzen zu erkennen, mit der elementaren Entwicklung mitzugehen, und sie in die richtigen Dahnen zu lenken. Die Sachverständigen haben sich von der Welle dieser Erkenntnis tragen lassen: ich hosse, daß die Welle stark genug sein wird, auch die Regierungen über alle Hemmungen und Bedenken hinweg dem ausgezeichneten Ziele entgegenzutragen.
sten Aufgaben des europäischen Studienkomitees sehen.
Wenn ich zusammenfasfend in vielen Punkten meiner Genugtuung über die von unseren Unter- komitee» geleistete Arbeit Ausdruck geben kann, so erscheint doch das erzielte Ergebnis, gemessen an den Dimensionen der furchtbar drängenden Not unserer Zeit, gering. Dah wir in diesem ersten Jahre der Tätigkeit unseres Europagremiums trotz oller unserer gemeinsamen Bemühungen n o ch n i ch t zu Ergebnissen gelangen konnten, die unseren leiden- den Völkern eine unmittelbare und fühlbarere Erleichterung bringen, wird viele mit bangen Zweifeln erfüllen. Wir müssen aus den Schwierigkeiten, die immer dringlichere Mahnung entnehmen, nicht nur das, was zunächst praktisch durchführbar ist, schnell indieTatumzu setzen, sondern darüber hinaus mit entschlossenem Mute auch an die uns obliegenden größeren Aufgaben heranzugehen.
Krankreich und Italien nehmen mit Befriedigung Kenntnis.
Zum Schluh der Docmittagssihuna gingen die Vertreter Frankreichs, Italiens und der Tschechoslowakei kurz auf die vom deutschen und österreichischen Vertreter abgegebenen Erklärungen ein. Der französische Finanzminister Flandin erklärte, im Varnen seiner Regierung nehme er Kenntnis von der in so glücklicher Weise zum Ausdruck gebrachten Absicht der beiden Regierungen, den Plan einer Zollunion nicht weiter zu verfolgen. Gr hoffe, daß das durch diesen Plan unbestreitbar entstandene Unbehagen nunmehr behoben sei und daß günstigere Bedingungen für die Entwicklung der europäischen Gemeinschaft, die den Daseinszweck dieses Ausschusses bilde, geschaffen würden. Frankreich und seine Regierung seien nach wie vor von dem Wunsche beseelt, nach praktischen Mitteln zu suchen, um den Frieden zur Schaffung einer immer engeren moralischen und materiellen Solidarität zu sichern. Der italienische Außenminister G r a n d i erklärte, er nehme mit Befriedi- §u n g Kenntnis von den Erklärungen des eutschen und des österreichischen Vertreters, daß sie den Plan einer Zollunion nicht weiter verfolgen wollen. Er würdige den Geist, der die Erklärungen der beiden Regierungen bestimmt habe und stelle gerne fest, daß diese Frage nunmehr aus der Diskussion ausgeschieden sei.
deutsche und österreichische Anspruch auf zollpoli- tische Selbsthilfe jedenfalls wieder unvermindert in Kraft. — Der „Deutsche" (Zentr), der von einer Niederlage der deutschen Auhenpolitik spricht, ist der Auffassung, dah die Außenpolitik von Dr. Curtius für diesen Fehlschlag der deutschen Politik nicht verantwortlich sei. Er habe die deutschen Belange ehrlich und mutig wahryenommen. Den wirklich Schuldigen könne man nicht treffen, es sei Frankreich. Man dürfe die Niederlage und ihre Bedeutung aber auch nicht überschätzen. Die Erwartungen, welche man an diese Zollunion knüpfte, feien von Anfang an übertrieben gewesen.
Die „Vossische Zeitung" (dem.) nennt die Zollunion eine Frühgeburt. Wenn cs zutrifft, daß Frankreich nicht nur einen Verzicht für die Gegenwart, sondern auch ein feierliches Versprechen für alle Zukunft gefordert hat, dann stellt die Erklärung ein geschicktes und annehmbares Kompromiß dar. Es wäre kindliche Prestigepolitik gewesen, wenn Deutschland und Oesterreich unabhängig von dem Spruch des Haager Gerichtshofes und auch ohne politischen Druck der Eignatarmächte von Versailles und 6t. Germain, auf ein räumlich enger begrenztes Projekt nicht Verzicht geleistet hätten zugunsten eines Planes, der mehrere größere Zollunionen vorsieht. — Der .Börsen-Lou- r i e r" (dem.) bezeichnet den Zollunionsplan als
diplomatisch unzulänglich vorberei- t e t. Niemand sollte aber leugnen, dah die Absichten auch im internationalen Sinne gut waren und daß der Druck, unter den sie gesetzt wurden, der Herkunst nach m a ch t p o l i t i s ch. der Wirkung nach erst durch die Kraft der Ereignisse, die so noch vor wenigen Monaten nicht vorauSzu- sehen waren, unüberwindlich war. Die Macht derer, die den Plan auS politischen Gründen bekämpften, hat ihn in der beabsichtigten Form zu Fall gebracht: die Mittel dieser Macht wurden durch die Auswirkungen der WirtfchastS- krise gesichert. Der Verzicht auf den UiiionSplan darf kein Ende sein.
Die .DAZ." (DolkSpartei) spricht von dem traurigen Zusammenbruch der deutschen Zollunion-Politik in Gens. Die Zollunion war bereit» im Mai endgültig verloren, und der Verzicht daraus, unausbleiblich geworden. Selbst gestern noch konnte man sich vielleicht, wenn nicht mit Anstand so mit Geschicklichkeit, einigermaßen aus der Affäre ziehen, gestützt auf das Urteil der höchsten richterlichrm Autorität der Welt, wenn sie gegen und entschied. Fiel der Richtcrspruch jedoch günstig au«, so konnte au» dem politisch unter dem Drucke Frankreichs doch unumgänglichen Verzicht vielleicht noch einige» Kapital geschlagen werden. Auch diese letzte taktische Chance wurde au» der Hand gegeben mit der einzigen .Begründung", daß unter allen Umständen eine Erörterung im VölkerbundSrat vermieden werden müsse.
Der .T a g“ (Hugenberg) bezeichnet e» al» müßig, jetzt darum zu streiten, ob bis Zoll- Unionspolitik richtig oder falsch gewesen fei. Es sei eben jede Politik, wenn sie nur zur rechten Zeit und mit dem rechten Mittel arbeitet, fruchtbar und möglich. Der Rücktritt sei längst überfällig. Es wäre aber eine merkwürdige Auffassung, wenn man Curtiu» allein al» Sündenbock für eine Politik in die Wüste schickte, für die doch d a s ganze Kabinett verantwortlich sei. Nicht die Spiegelfechterei in Genf, sondern eine Wahre Realpolitik könne in Zukunft Erfolge versprechen. Aber wer habe nach dem Ausgang der Zollbund-Affäre noch da» Vertrauen, daß diese Regierung imstande wäre, einen erfolgreichen Kurs nach außen zu steuern? Die Lage, die jetzt geschaffen worden sei, sei nur au meistern, wenn neue Männer neue Wege suchten. — Die.Deutsche Zeitung" (deutfch- natl.) ist der Ansicht, es sei sehr wohl denkbar, daß uns unter Stresemann dieser wirklich uneingeschränkt vernichtende Ausgang erspart geblieben wäre. Man (teuere jetzt auf die »Zollunion mit Frankrei dr zu, was nichts andere» bedeute, alS daß wir wirtschaftlich Stück um Stück noch mehr als ohnehin schon an die französische Kette gelegt würden. 3n keinem Lande könnte eine Regierung eine solche Niederlage hinnehmen. Darum mühte auch in Deutschland dafür gesorgt werden, daß die Regierung Brüning nach dieser außenpolitischen Bloßstellung daS Feld räume.
Genugtuung in Paris.
Paris, 4. Sept. (WTB. Funkspruch.) Die Er» klärungen Dr. Schobers und Curtius' in der Zoll- unionssrage werden von der Pariser Presse mit Ausnahme der rechtsstehenden Blätter mit Genug- tuung aufgenommen. Der offiziöse „Petit Parisi e n" betont, daß die deutsche und die österreichische Regierung aus freien Stücken den Anschlußplan ad acta gelegt hätten und erwartet, daß er nicht wieder hervorgeholt werde. — „Oeuvre" erklärt, daß es jetzt auf Frankreich an- komme, ob der zoll- und staatspolitische Zusammenschluß Deutschlands und Oesterreichs am europäischen Horizont bleiben würde. Man müsse so bald wie möglich praktische Aufbauarbeit leisten. — „E re Nouvelle" erklärt, damit der Verzicht auf den Anschluß endgültig sei, gebe es nur eines, Organisierung d e r internatio- nalen Zusammenarbeit und der curopä- sichen Einigung. Aber hierzu sei nur Englands Poli- tit geeignet. — Die Cotypresse, „Figaro" und „A m i d u P e u p l e", machen sich über diejenigen lustig, die an den endgültigen Verzicht an den Anschluß glauben. — „E ch o de Paris" schreibt, Curtius und Schober hätten wirksam ihre gestrige Demarche und die gegenwärtige europäische Lage in einen ursächlichen Zusammenhang gebracht. Das heiße so viel, dah der Zollunionsplan wieder a u f t a u d) e n werde, wenn die gegenwärtige Lage sich ändere. Angenommen, der Haager Gerichtshof erkenne Deutschland und Oesterreich das Recht zu, sich wirtschaftlich zusammenzuschließen, so bald die 1922 von Oesterreich aufgenommene Anleihe zurück- gczahlt sei, so sei es Aufgabe des Dölkerbundsrats, der Ausübung dieses Rechtes Hindernisse zu bereiten, und zwar unter Berufung auf Artikel 11 des Völkerbundsstatuts. — Der „Q u o t i b i e n" schreibt, daß die gestrigen Erklärungen eine gewisse Beruhigung herbeiführen würden, doch benötige Frankreich noch nachdrücklicherer Der- sicherungen. Lavals und Briands wesentliche Ausgaben bei ihrem Berliner Aufenthalt wären es, diese Versicherungen zu erhallen. Curtius und Scho- bet hätten einen gewissen politischen Schmiß bewiesen das genüge als Garantie aber nicht. — Die .Liberty" macht Oesterreich und Deutschland fui das gegenwärtige Chaos in Europa verantwort lich, weil allein der deutsch-österreichische Anschluß-
Die Absicht der deutschen und der österreichischen Regierung bei dem Projekt einer Zollunion zwischen ihren Ländern ist von vornherein dahin gegangen, daß dieser plan der Ausgangspunkt für weitergehende Wirtschaftsverträge fein sollte, an denen eine möglichst große Anzahl europäischer Mächte teilzunehmen hätte. Seitdem haben sich die Ereignisse überstürzt, so daß sich die ursprüngliche Sachlage völlig verändert hot. wir stehen jetzt vor Plänen von allgemeinerem Charakter, wir wollen an der Verwirklichung dieser Pläne aktiv mit allen Kräften Mitarbeiten. 3n Erwartung eine» fruchtbaren Ergebnisse» der Arbeiten der europäischen Studienkommisslon hat die deutsche Regierung Im Einvernehmen mit der österreichischen Regierung nicht bi e Absicht, do» ursprünglich in» Auge gefaßte Projekt weiter zu verfolgen.
Ss ist hier nicht der Ort, d i e staatliche Verschuldung der Länder untereinander zur Debatte zu stellen. Aber keine Untersuchung über die Gründe der gegenwärtigen Krise und über die Mittel zu ihrer Tieberwindung kann an den verhängnisvollen Störungen vorübergehen, die die politischen Schulden in den normalen, selbsttätigen Verlauf der wirtschaftlichen Zusammenhänge gebracht haben. Der Bericht des Kreditausschusses weist deshalb mit Recht auf diese Ursache der gegenwärtigen Krise hin und nimmt auf den Bericht des Baseler Komitees Bezug, daS denursächlichen Zusammenhang zwilchen der staatlichen Verschuldung und der gegenwärtigen Wirtschaft-- und Finanzkrise in eindrucksvoller Weife nachgewiesen hat.
Der Bericht des Kreditausschusses bezeichnet die Prüfung eines Projektes, das unter dem Namen .Francqui-Plan" die größte Beachtung gefunden hat, alS .verfrüht", ohne die Gründe für diese Auffassung anzugeben. 3d) frage mich, in welcher Lage die Verwirklichung dieses Planes überhaupt dringlich sein kann, wenn nicht in der jetzigen. Sind die Kreditverhältnisse wieder normaler geworden, dann mögen solche Projekte wieder in den Hintergrund treten. Aber jetzt, wo alle Fäden abgerissen sind, kann e i n Kreditinstitut, wie es Herr Francqui empfiehlt, von größtemNutzen sein. 3ch möchte in der Förderung des Planes eine der dringlich-
Was sagt die Berliner presse zum Rückzug in Genf?
Berlin, 3. Sept. (CNB.) Unter der Ueberschrist „Eine schwere Stunde" schreibt die „Germania" (Zentr.) zu den Erklärungen Schobers unb Curtius^ im Europa-Ausschuß. Die französische Politik habe bie steigenbe finanzielle Notlage O e st e r r e i ch s, an bet sie selbst keineswegs unbeteiligt gewesen sei, zu einem erneuten scharfen politischen Druck aus« genutzt. Die deutsch-österreichischen Festellungen im Europa-Ausschuß, bie sich von einer Berzicht- erklärung nur burch bie Form unterschieben, seien bas Ergebnis bieser Bemühungen. Durch biefe Feststellungen werbe zwar bas Haager Gutachten nicht wertlos, aber boch erheblich entwertet, ba bie Aktualität ber Frage aus politischen Grünben zu editieren aufgehört habe. Wenn es ben Tatsachen ent- preche, baß mehrere beutsch-österreichische Formeln ür bie Verzichterklärung oorgelegt unb von ben ranzösischen Vertretern als unzureichenb verworfen worben seien, so hätten wir es zweifellos mit einem Schritt zu tun, ber ausschließlich unter französischem Druck erfolgt sei. Wir haben auf Grunb ber bisherigen Erfahrungen allen An- laß, auch gegenüber ben neuen Erklärungen unb Formulierungen skeptisch zu fein; benn es ist schwer möglich, in so schwierigen Wirtschaftsfragen eine Einheitsfront unter 27 europäischen Nationen herzustellen. Sollte bieser erneute Äollektivversuch wiederum zum Scheitern verurteilt sein, so tritt ber
Curiius tritt zugunsten eines Plans von allgemeinerem Charakter zurück.


