Ausgabe 
4.8.1931
 
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S.Ä.-SpOTt

Deutsche Schwimm -Meisterschaften.

Lin neuer deutscher DamenSchwimmrekord.

Die diesjährigen Meisterschaften des DSV. in Königsberg waren schon am ersten Tage recht gut besucht. Es gab eine Reihe von sehr guten Ergebnissen und auch einen neuen deutschen Re­kord, denRixe" Charlottenburg in 6:04,2 in der Damen-Lagenstaffel erzielte. Zwei neue Frei­wasser-Rekorde gab es in der 4x200-Meter- Crawlstaffel der Herren durch Poseidon Köln in 10 Minuten und durch Schubert-Breslau im 100-Meter-Crawlschwimmen in 1:02,2. Hier muhte sich der Titelverteidiger D e r i ch s -Sparta Köln mit dem vierten Platz begnügen. Auch in der 4x200-Meter°Bruststaffel wurde ein deutscher Meister entthront. Poseidon Leipzig muhte sich hier von Hellas Magdeburg in 12:12,2 mit beträchtlichem Dorsprung auf den zweiten Platz verweisen lassen. Auch Eckstein-Leipzig kam im 400-Meter-Crawlschwimmen nicht zur Ver­teidigung seines Titels und muhte sich in dem von Deiters- Köln gewonnenen Rennen mit dem vierten Platz zufriedengeben. Auch in den üb­rigen Konkurrenzen gab es teilweise recht gute Ergebnisse. So gewannen die Damen von Rixe Charlottenburg in der 3x200°Meter°Bruststaffel in der glänzenden Zeit von 10:08,5 und ver­wiesen ebenfalls den Titelverteidiger, den Magde­burger Damen SC. auf den zweiten Platz. 3m 100-Meter-Rückenschwimmen siegte Deutsch- Brcslau in 1:14,2. Die 4xl00-Meter°Crawlstaffel für Vereine ohne Winterbad gewann der Braun­schweiger SV. in 4:42,4. Eine Sensation gab es im Kunstspringen, wo der Titelverteidiger und Europameister Riebschläger - Zeitz hinter Reumann - Spandau nur Zweiter werden konnte. Die erstmals wieder ausgetragene Mehr­kampfmeisterschaft gewann Esser- Iserlohn.

Rhön Segelflugwetibewerb.

3m Rahmen des diesjährigen Rhön-Segelflug­wettbewerbs wurden am Sonntag wieder Schwachwind-Segelflüge durchgeführt. Zeitweilig waren bis zu 25 Flugzeuge in der Luft, die gröhtenteils durch Motorschlepper gestartet wur­den. Ein Sonderwettbewerb verlangte von den Segelfliegern einen halbstündigen Flug; Hirth, Kronfeld und Groenhoff blieben über eine Stunde in der Luft. Der Preis wird wahrschein­lich Kronfeld zufallen, weil Hirth und Groen­hoff in Unkenntnis der Bedingungen auherhalb eines Radius von 1000 Meter von der Wasser­kuppe landeten. Groenhoff unternahm dann noch einen Streckenflug und brachte es auf über 100 Kilometer. Der Alpenflieger landete wenige Kilo­meter vor Frankfurt a. M. bei Usingen im Taunus.

Deutsche Tennis-Meisterschasten.

Arn Montag wurden bei dem Internattonalen Tennismeisterschaften von Deutschland in Ham- bug bei heißem Sommerwetter fast durchweg Favoritensicge erzielt. Besonders erwähnenswert waren die folgenden Resultate: ArtendTübben 6:1, 2:6, 6:3, 6:4; PiehnerDodicka 4:6, 5:7, 7:5, 6:4, 6:4; de BuezeletRemmert 7:5, 6:2, 7:5; H. Sa tohHeidenreich 6:4, 6:4, 6:2; Davis Dlaum 6:1, 3:6, 6:3, 6:4; SharpeHartz 8:6, 6:4. 6:3.

Kurze Sportnotizen.

3 a p a n s erfolgreichste Leichtathletin, Frl. Hilomi, 3nhaberin der Weltrekorde über 200 Me­ter mit 24,7 Sek. und im Weitsprung mit 5,98 Meter, ist am Samstag an einer Brustfell-Ent­zündung gestorben.

Beim Training zum Schneiderpokal- Wettbewerb ist der italienische Flieger Haupt­

mann Monti über ixmi Gardasee abgestürzt und konnte bisher noch nicht geborgen werden.

Mit Rücksicht auf die Wirtschaftslage hat jetzt auch der Schwimmverband Schwaben seine für September in Stuttgart geplanten kreisoffenen Schwimm-Wettkämpfe abgesagt.

Mit 1071/2^6 01/a Punkten blieben in Hamm Westfalens Leichtathleten gegen Osthol- lands Vertretung erfolgreich.

Die Deutsche 3ugendkraft Gießen entsandte am 2. August zu den K r e i s me i st e r- schäften im Frankfurter Stadion zwei Leicht­athleten. Hans Adam setzte sich beim 100-Meter- Lauf unter 30 Bewerbern bis in den Zwischenlauf durch und schied hier mit 11,7 Sek. aus. (End­sieger: Rack, Hanau, 11,1 Sek.); Willi Frey belegte im Speerwerfen mit 45 Meter den dritten Platz.

Internationale Alpenfahrt 1931.

Diese grohe Sportveranstaltung, die der Auto­mobilclub von Deutschland (A. v. D.) gemeinsam mit einigen ausländischen Verbänden veranstaltet, wird in der Zeit vom 30. 3uli bis 6. August 1931 durchgeführt. Der Start erfolgte am 31. Juli in München. An der Tour nahmen 62 Konkur­renten teil. Eine interessante und schwierige Strecke von über 2400 Kilometer soll von den Fah­rern überwunden werden. Der Zweck dieser Alpen­fahrt, die Dauerhafttgkeit und Widerstandsfähig­keit der serienmäßigen Touren-Wagen sowie die Ausdauer der Fahrer zu prüfen, dürfte erfüllt werden. Die Tagesleistungen schwanken zwischen etwa 300 bis 500 Kilometer pro Tag.

Die Route ist in großen Zügen etwa die fol­gende: MünchenGarmisch-PartenkirchenLech nach Innsbruck, dann weiter über Meran in das Innere von Graubünden, Davos, Chur nach St. Moritz. Darauf hinunter nach den südlichen Alpenseen über Chiasso, Lugano, Locarno und von dort nach Turin. Am vierten Tag geht es weiter nach Rizza und dann fast nördlich hinauf über Driancon nach Genf. Der letzte Fahr­tag bringt die Fahrer über die Alpenstraße, über Thun nach Bern. Dort werden am 6. August die Resultate bekanntgegeben und auch die Preisver­teilung wird dort stattfinden.

Das Streben der Automobil-Industrie liegt heute weniger darin, Höchstleistungen im Dau von Renn-Motoren zu erzielen, sondern vielmehr dar­in, Gebrauchsfahrzcuge größter Wirtschaftlichkeit zu konstruieren, die sich auf schwierigstem Gelände unter dauernden Veränderungen der Außentem­peraturen und des Klimas bewähren. Hand in Hand mit diesen Bestrebungen der Automobil­fabriken gehen die Ausgaben der Zubehör- Industrie, wie z. B. des Reifen-Handels. Ein ausschlaggebender Einfluß ist endlich auch der Or­ganisation einer zuverlässigen Betriebsstoff-Ver­sorgung beizumessen, denn die Wirtschaftlichkeit des Kraftfahrbetriebes verlangt, daß der Motor überall eine gleichmäßige, klopffeste Benzin-Qua­lität erhält, die (wie z. D.Standard-Benzin") in ihren motorischen Eigenschaften genormt ist.

Bei Veranstaltungen wie die der Alpenfahrt ist es für die Fahrer von größter Wichtigkeit. daß sie überall schnell und ohne Aufenthalt ihren De- kriebsstoff übernehmen können. Es wurde daher mit großer Freude begrüßt, daß die DAPG. spe­ziell für diese Fahrt den Teilnehmern besondere internationale Tankausweise zur Verfügung ge­stellt hat, mit denen man sowohl Benzin als auch Gemisch und Oel unter einheitlichen Bezeichnun­gen in allen Ländern der Tour beziehen kann, ohne langes Geldwechseln und ohne schwierige Ver­handlungen.

Weitere zahlenmäßige Angaben über die Zu­gehörigkeit der stellenlosen Angestellten zu den einzelnen Wirtschaftszweigen sowie über Quali­fikation, Dauer der Arbeitslosigkeit usw. sollen in diesem Zusammenhang nicht gemacht werden. Erwähnenswert ist dagegen, daß die in bezug auf Leistung und Befähigung unter dem Durch­schnitt stehenden Angestellten naturgemäß am meisten unter der Arbeitslosigkeit zu leiden haben, da sie mit zu den ersten gehörten, die entlassen wurden und bei Bewerbungen um neue Stellen immer wieder ins Hintertreffen geraten gegen­über ihren besser ausgebildeten und intelligen­teren Kollegen. Auch muß man leider immer wie­der feststellen, daß falsche Berufswahl sich gerade in den Angestelltenberufen bitter rächt. Es kom­men Leute zur Entlassung, die sich nie und nimmer zum Angestellten eignen (oft schon gleich nach Beendigung der Lehrzeit) und demgemäß auch nur eine unzureichende Ausbildung besitzen. Sie finden heute, wo nur die Besten eine Chance haben, überhaupt keine Stellung mehr, können oder wollen sich auch nicht mehr umstellen und teilen nun das Los des ungelernten Arbeiters, anderseits ist es auch heute keine Seltenheit mehr, daß gut empfohlene Angestellte ein Jahr lang oder noch länger ohne Stellung sind, besonders dann, wenn es sich um ältere Kräfte handelt. Diele finden sich, wie auch aus der vorstehenden Aufstellung ersichtlich, bei den technischen An­gestellten noch häufiger als bei den anderen. Die lang anhaltende Krise zwingt eben zur Ver­minderung der Gestehungskosten um jeden Preis.

III

Die Wieder-Unterbringung der stellenlosen An­gestellten verursacht infolge des Andauerns der Wirtschaftskrise immer größere Schwierigkeiten. Die Zahl der offenen Stellen ist verschwindend im Vergleich mit den Zahlen der Stellensuchen­den. Auf eine offene Stelle für männliche kauf­männische und Bureauangestellte entfallen oft Hunderte von Bewerbern. Dagegen ist für weib­liche Kräfte die Vermittlungsmöglichkeit etwas besser. Meist handelt es sich um erstklassige jün­gere Verkaufskräfte, die gesucht werden, während beispielsweise in bezug auf gute Stenotypistinnen, die vor einem Jahr noch überall verlangt wurden und nicht beschafft werden konnten, das Angebot die Nachfrage heute übersteigt. Vielfach sind die vorhandenen Beschäftigungen auch nur vorüber­gehender Art, besonders füi? Verkaufskräfte. Im Rahmen der vorhandenen Mittel haben die Ar­beitsämter Fortbildungs- und Uebungskurse ein- gerichtet, um den stellenlosen Angestellten, ins- esondere den jüngeren die Weiterbildung bzw. Beibehaltung ihrer Fertigkeiten zu ermöglichen. Aeltere kaufmännische Angestellte können fast nur noch bei Behörden untergebracht werden und

auch da nur als Zeithilfen. Immerhin ist dabei wenigstens ihre tarifmäßige Bezahlung noch ge­währleistet, während in den übrigen Wirtschafts­zweigen die tariflichen Gehälter heute von den Stellensuchenden in manchen Fällen unterboten werden. Wiederholt gesucht sind noch Angestellte für fremdsprachliche Korrespondenz mit genauen Kenntnissen gewisser Branchen. Die Rachfrage nach technischen Angestellten erstreckt sich, da der Baumarkt fast brach liegt, auch nur noch auf Spezialkräfte. Provisionsvertretungcn sind da­gegen unverändert stark angeboten, finden jedoch wenig Interessenten, da das Gros der Vertretun­gen unrentabel ist. Der älebergang von Ange­stellten in berufsfremde Arbeit hat unter diesen Verhältnissen weiterhin zugenommen, besonders in den ländlichen Bezirken. Für männliche An­gestellte bieten sich Deschäftigungsmöglichkeiten in der Landwirtschaft, bei Rotstandsarbeiten usw., während weibliche Angestellte insbesondere Ar­beit in der Hauswirtschaft annehmen. Auch die Versuche von hauptsächlich älteren Angestellten, sich selbständig zu machen, halten an. Die Kredit­gemeinschaft gemeinnütziger Selbsthilfeorgani­sationen in Berlin gibt zu diesen Zwecken Dar­lehen zu niedrigen Zinssätzen gegen Sicherheit oder Bürgschaft.

Die Bemühungen der Arbeitsämter sind nach wie vor auf Linderung der großen Rot im Rahmen der Möglichkeiten gerichtet. Die bei allen mittleren und großen Aemtern bestehenden Spezialabteilungen für Angestelltenvermittlung werben um Anmeldung jeder offenen Stelle bei ihnen und sind anderseits bemüht, die ihnen gemeldeten Stellen durch geeignete Kräfte zu besetzen. Gemäß gesetzlicher Vorschrift werden in erster Linie die berufliche Eignung der Stellen­suchenden und erst in zweiter Linie die sozialen Verhältnisse berücksichtigt. Unberücksichtigt bleibt, ob die Stellensuchenden Unterstützung beziehen oder nicht.

In dem gestern veröffentlichten l.Teil des vor­stehenden Aussatzes mußte es im letzten Satz heißen: Denn erfahrungsgemäß findet ein entlassener älte­rer Angestellter leichter wieder Arbeit usw.

Briefkasten der Redaktion.

(Rechtsgutachten sind ohne Verbindlichkeit der Schriftleitung.)

2U. $. Um Ihre Fraae beantworten zu können, ist es notwendig, zu wissen, ob zwischen Ihnen und der Gemeinde ein Mietvertrag oorliegt oder ob in Ihrem Dienstvertrag das Mietverhältnis berück­sichtigt ist.

3- W. Die Gebühren müssen auch auf die Räume, die der Hausbesitzer benutzt, umgelegt werden.

Starkenburg.

Schadenfeuer auf Grube Messel.

WSR. Darmstadt, 3. Aug. Am Sonntag gegen 13 Ahr brach auf der Grube Messel im Holzlager, in der Schreinerei und in der Zim­merei ein Schadenfeuer aus, das, durch den starken Ostwind angefacht, sich bald zum Großfeuer ent­wickelte. Der Brand wurde sehr bedrohlich da­durch, daß feuergefährliche Oele auf dem Platz un­tergebracht waren. Der Werk-Feuerwehr im Verein mit der Merkschen Feuerwehr, der Darm­städter Berufsfeuerwehr und der Freiwilligen Feuerwehr gelang es nach zweistt'mdiger an­strengender Tätigkeit, das Feuer zu löschen. Die Hallen mit den darin befindlichen Maschinen fie­len den Flammen zum Opfer. Als Drandursache wird Funkenflug vermutet.

WSR. D a r m st a d t, 3. Aua. Die Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft hält ihre alljährlich an einem anderen Ort stattfindende' Herbsttagung in diesem Jahre in der Zeit vom 13. bis 18. September in Darmstadt ab. 3n 17 öffentlichen Versammlungen und einer großen Zahl Ausschuhsihungen wird zu den wichttgsten Tagesfragen der Landwirtschaft Stellung genom­men werden. In den Ausschuß-Sitzungen werden die vorbereitenden Verhandlungen für die Mannheimer Wanderausstellung (31. Mai bis 5. Juni 1932) einen großen Raum eih» nehmen.

Preußen.

Oie 33. Ausstellung undZuchtviehversteigerungfürRotvieh.

Rordhausen, 2. Aug. In der regelmäßi­gen Folge fand am 29. Juli d. 3. in Rordhausen (Harz) die 3 3. Versteigerung für einfarbig rotes Höhenvieh desVerbandes Mitteldeutscher Rotviehzüchter" statt, die ausschließlich aus den Zuchtgebieten derArbeitsgemeinschaft der Harzviehzuchtverbände" beschickt wurde. Der Auf­trieb umfaßte insgesamt 34 Bullen. Don diesen wurden wegen Form- und Zuchtfehler 8 gesto­ßen, so daß 26 Bullen zum Verkauf zugelasseni waren. Der Zuchtwert dieser Tiere war als aus­reichend anzusehen.

Von sämtlichen Dullen lagen die Milchlei­stungsergebnisse der weiblichen Vorfahren vor, die in zahlreichen Fällen Iahresmilcherträge über 4500 Kilogramm Milch und 150 bis 200 Kilo­gramm Milchfett nachwiesen.

Der Besuch der Veranstaltung stand unter dem Einfluß der augenblicklichen Rot in der Land­wirtschaft. Es waren Kaufliebhaber in geringer Zahl erschienen, die sich nur schwer zum Ankauf von Dullen trotz der erleichterten Zahlungsbe­dingungen entschließen konnten. Abgegeben wur­den von den 26 zugelassenen Bullen 16 Stück zu einem Mittelpreise von 439 Mark. Don ungün­stigem Einfluß auf den Gang der Dersteigerung war das Angebot von Bullen mit geringem Zucht- wert. Die nächste 34. Ausstellung und Derstei­gerung findet am 4. September in Wetz l a r (Lahn) statt. Sie wird aus den westdeutschen

Zuchtgebieten mit ausgesucht hochwertigem Ma­terial beschickt.

Kreis Wetzlar.

> Wißmar, 3. Aug. Am Sonntag gegen 21,30 Ahr wollte ein junger Motorradfahrer, dec von Ruttershausen kam, einem Radfahrer, der ohne Licht fuhr, ausweichen. Dabei kam er zu Fall und erlitt einen Beinbruch, sein Mit­fahrer, ein Sattlergeselle von hier, einen Schädel­bruch. Die erste Hilfe leistete Dr. Schlapp (Lollar), der beide der Gießener Klinik, zuführte. Der Radfahrer wurde nicht verletzt. Der Haushaltsplan der Gemeinde wurde vom Kreisausschuh nicht genehmigt, nachdem auch der Bürgermeister Einspruch erhoben hatte.

Kreis Marburg.

][ Marburg. 3. Aug. Der Anterver- band de rRaisfeisengenossen schäften des Kreises Marburg hielt unter Leitung von Anterverbandsdirektor Preis -Hachborn in Hachborn seinen diesjährigen Derbandstag ab. Aus dem zum Vortrag gebrachten 3ahresbericht war zu entnehmen, daß sich die Spareinlagen in den Raiffeisenvereinen in aufsteigender Linie be­wegen und Ende 1930 2 200 000 Mark betrugen. Demgegenüber ist die Verschuldung der Mitglie­der bei den Vereinen von 1 158 000 Mk. in 1928 auf 2 474 000 Mk. Ende 1930 gestiegen. 3n den Vereinen wurden 10 190 000 Mk. umgesetzt. Aus den dahei erzielten Gewinnen konnten neben anderen gemeinnützigen Anlagen sieben Pettkus- Getreidereinigungsanlagen angeschafft werden. Verbandsanwalt Schmidt erwähnte in seinem Bericht über die Gesamtorganisation, daß in dieser jetzt etwa 40 000 Genossenschaften mit 3 800 000 Mitgliedern zusammengeschlossen sind, davon im hessischen Bezirk 96 000 Mitglieder in 712 Genossenschaften. Pfarrer Deerhof f-Mar- burg hielt einen Vortrag überRaiffeisen und die Rot der Gegenwart".

js Marburg, 3. Aug. Der in den 30er Fah­ren stehende Kaufmann Wecker hatte in Wetter (Kr. Marburg) ein Handelsgeschäft für landwirt­schaftliche Maschinen übernommen, das auch an­fangs guten Ruhen abwarf, int Frühjahr 1930 aber in finanzielle Schwierigkeiten ge­riet, so daß sich Wecker an einen finanzkräftigen Wetterschen Einwohner mit der Bitte wandte, i n sein Geschäft als Gesellschafter ein - z u t r e te n. Der betreffende Einwohner ging auch auf das Angebot Weckers ein, so daß eine offene Handelsgesellschaft zustande kam. Aber schon nach einem viertel Jahr löste sich diese wieder auf, da sich herausgestrllt hatte, daß die in den Büchern Weckers eingetragenen großen Außenstände gar nicht vorhanden und die im Lager befindlichen Maschinen schon vor Anterzeichnung des Gesellschaftsvertrages ge­pfändet waren. Der Gesellschafter Weckers hatte inzwischen mehr als 10 000 Mk. in das Ge­schäft hineingesteckt, die natürlich verloren sind. Wecker wurde heute vom Marburger Schöffen­gericht wegen schweren Betrug es in eine Gefängnisstrafe von 6 Monaten ge­nommen. Bewährungsfrist billigte man infolge der Schwere der Tat nicht zu.

Wirtschaft.

Erläuterungen im Reichsbankausweis vom 31. Juli.

Nack dem Ausweis der Reichsbank vom 31. Juli 1931 gat sich in der Ultimowoche die gesamte Ka­pitalanlage der Bank in Wechseln und Schecks, Lombards und Effekten um 486,3 Millionen auf 3971,5 Millionen RM. erhöht. Im einzelnen haben die Bestände an Handelswechseln und -schecks um 490 Millionen auf 3272,6 Millionen RM., die Lombardbestände um 30,6 Millionen auf 347 Mil­lionen RM. und die Bestände an Reichsschatzwechseln um 46,1 Millionen auf 249 Millionen RM. zu­genommen.

An Reichsbanknoten und Rentenbankscheinen zu­sammen sind 268,5 Mill. RM. in den Verkehr ab­geflossen, und zwar hat sich der Umlauf an Reichs­banknoten um 259,1 Millionen auf 4453,7 Millionen RM., derjenige an Rentenbankscheinen um 3,4 Mil­lionen auf 419,2 Millionen RM. erhöht. Dement­sprechend haben sich die Bestände der Reichsbank an Rentenbankscheinen auf 8,4 Millionen RM. ver­mindert. Die fremden Gelder zeigen mit 833,8 Mill. NM. eine Zunahme um 248,8 Millionen RM. Die Bestände an Gold und deckungsfähigen Devisen haben sich um 97,3 Millionen auf 1609,6 Millionen ÄlM erhöht. Im einzelnen haben die Goldbestände um 10,5 Millionen auf 1363,3 Millionen RM. und die Bestände an deckungsfähigen Devisen um 86,8 Millionen auf 246,3 Millionen RM. zugenommen. Die Deckung der Noten durch Gold und deckungs­fähige Devisen beträgt 36,1 o. H., wie in der Vor­woche.

Berliner Provnktenmarkt.

Berlin, 3. Aug. An der Produktenbörse kam das Geschäft zu Beginn der neuen Woche wieder nur schleppend in Gcmg und die Grundstimmung war erneut als schwächer zu bezeichnen. Obwohl die Landwirtschaft angesichts des beständigen Wetters mit allen Kräften die Feldarbeiten be­schleunigt und infolgedessen weniger Material an den Markt bringen kann, war das Angebot, gemessen an der vorsichtigen Mühlennachfrage, ziemlich reichlich. Bei den gegenwärtigen Zah­lungsverhältnissen werden nur kurzfristige Par­tien aus dem Markte genommen und die Gebote lauteten für Weizen 3 bis 4 Mark, für Roggen etwa 2 Mark niedriger als am Wochenschluh. Weizen- und Roggenmehle werden zu gedrückten Preisen nur vorsichtig gekauft. Für Hafer alter Ernte bekundet der Konsum nur wenig Interesse und bei ausreichendem Angebot sind die Preise kaum behauptet, vereinzelt entwickelt sich schon Geschäft in Reuyafer. Der Absatz von Winter- uno Sommergerste läßt keine Besserung erkennen. Es notierten für je 1000 Kilo: Weizen, märkischer, 192 bis 194 (matt); Roggen, märkischer, 143 bis 144 (ruhig); neue Wintergerste 135 bis 146 (matter); Hafer, märkischer, 147 bis 153 (stetig).

Banknoten.

__________Berlin, Z Auaust_________ >Imeri!anifcfie Noten

Belgische Noten.........

Dänische Noten Englische Noten Französische Noten Holländische Noten Italienische Noten Norwegische Noten Deutsch-Oesterreich, ä 100 Schilling Rumänische Noten........

Schwedische Noten Schweizer Noten Spanische Noten . . . . Ungarische Noten ........

Geld 4,201 58,53 112,28 20,39 16,45 169,36 21,96

112,28 59,08

2,48 112,33

81,81 37-82

73,10

Arles

4,221

58,77

112,72

20,47

16,51

170,04

22,04

112,72

59,32

2,50

112,77

82,13

37,98

73,40

Devi

enmarkt Berlin Frankfurt a. M.

Z. August

4. August

Amiliche Noiierung

Amtliche Notierung

Geld

Ärie,

Geld

»rief

Helstngfo« .

Wien....

10,59

10,61

10,59

10,61

59,16

59,28

59,15

59,27

Prag . . .

12,48

12,50

12,47

12,49

Budapest . .

73,43

73,57

73,43

73,57

Sofia . . .

3,052

3,058

3,052

3,048

Holland . .

169,78

170,12

169,78

170,12

ÖSlo....

112,58

112,80

112,59

112,81

Kopenhagen.

112,56

112,78

112,81

112,56

112,78

Stockholm .

112,59

112,59

112,81

London. .

20,455

20,495

20,455

20,495

Buenos Aires

1,238

1,242

1,234

1,238

Neuyort . .

4,209

4,217

4,209

4,217

Brüstet. . .

58,74

22,06

58,86

58,71

58,83

Italien. . .

22,10

22,06

22,10

Paris . .

16,50

16,54

16,50

16,54

Schweiz . .

81,99

82,15

82,01

82,17

Spanten . .

38,06

36,14

37,51

37,59

Danzig. . .

81,42

81,58

81.32

81,48

Japan . . .

2,080

2,084

2.080

2,084

Rio de Ian..

0,296

0,298

0.281

0,283

Jugoslawien.

Lissabon . .

7,458

7,472

7,458

7,472

18,60

18,64

18,60

18,64

Aus aller Welt.

Drei Mitglieder der Wegener-Expedition zurückgekehrt.

Drei Mitglieder der Wegener-Expedition, Dr. W. Kopp, Dr. Peters und Ingenieur Ern stl in g, trafen mit dem MotorschiffDrot- ning Alexandrine" aus Island tn Kopenhagen ein. Sie waren mit dem DampferGertrud Rask" von Scoresbysund auf Grönland nach Island gebracht worden.

Ein Schnellzug überfährt ein Auto.

Bei T o r t o n e wurde ein Kraftwagen mit acht Fahrgästen auf einem Bahnübergang von einem Schnellzug erfaßt und zertrümmert. DieMit- fahrenden, sämtlich Frauen, wurden getötet, nur der Chauffeur kam mit dem Leben davon; er wurde schwer verletzt ins Krankenhaus gebracht.

Zwei Tote bei einem Motorradunglück.

2(uf der Landstraße Querfurt Gisleben ereignete sich ein schweres Motorradunglück, dem zwei Menschenleben zum Opfer fielen. Aus bisher un­bekannter Ursache verlor der Führer des Kraftrades in der Nähe der Abzweigung n,ach Wolferode die Gewalt über die Maschine und fuhr in den Straßengraben. Der Führer und sein Be­gleiter stürzten so unglücklich, daß ein rasch herbei­gerufener Arzt nur noch den Tod infolge schwerer Schädelverletzungen feststellen konnte. Bisher konnte nur der Name des einen Toten festgestellt werden.

Schweres Autounglück bei Augsburg.

Ein aus Dillingen kommender mit sechs Per- Jonen besetzter Schnellieferwagen, der einer Mün­chener Firma gehört, stürzte beim Aeberholen eines anderen Lieferwagens mit voller Wucht i'n den Straßengraben und wurde voll­ständig zertrümmert. Von den Insassen wurde ein neunjähriges Mädchen aus Dillingen sofort getötet, ein fünf Jahre altes Mädchen aus Dillingen und ein zwanzig Jahre alter Maler aus Halle wurden lebensgefährlich ver­letzt.

Lord Kylfanl gegen Kaution auf freien Fuß gesetzt.

Lord Khlsant, der ehemalige Präsident der Royal Mail Dampfschiff ahrtgesellschaft. der gestern zu zwölf Monaten Gefängnis verurteilt wurde, ist nach Hinterlegung einer Kaution von 10 000 Pfund Sterling bis zur Ausnahme des Berufungsverfahrens im nächsten Herbst a u f

1 lr eien Fuß gesrtzt worden.