Ausgabe 
4.8.1931
 
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Dienstag. 4. August 1951

Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)

Nr. 180 Zweites Blatt

Lappo"-Vewegung in Dänemark.

Die dänische Bauernschaft greift zur Selbsthilfe.

Don unserem N. 1

Rachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten I Kopenhagen. 3uli 1931.

Eigentlich mühte man von einer »Rönge-Dewe- mmg sprechen. Denn der Mann, der nach dem Beispiel deS Finnen Kosola den Anstoft zu dem Rot - Zusammenschluh der dänischen Dauerns cha,t gegeben hat, wohnt in Rönge zwischen Diborg und R anders. Die dänische Bauernschaft aber spricht von einer .Ränder» - Bewegung", denn von Ränder» au» nahmen die zahlreichen Versammlungen. die seit Sommerbeginn allerorten von den dänischen Dauern abgehalten werden, ihren Anfang.

Sin Rot - Zusammenschluß der dä­nischen Bauernschaft. Fährt der deutsche Feriengast durch diese» mit Fruchtbarkeit geseg- nete Land ob durch die Inseln oder daS.weitge- streckte Jütland, überall trächtige Srde, sättige Weiden, mit prallen Rinderherden, blitzsaubere, weih schimmernde Gehöfte, freundliche, gepflegte Ortschaften, wohl genährte, srischwangige Men­schen! Hier sollte Rot sein? Run, es ist die Ä o t derDerfettung. Dänemark erstickt in seinem Fett. Dänemark muh die gewaltigen Lieberschüsse seiner Bodenerzeugnisse. vor allem Butter und Speck, die nur zum geringen Teil im eigenen Lande verzehrt werden können, im Ausland absehen. Don dem Wohlergehen des Auslandes. Deutschlands und Englands, hängt die dänische Wohlfahrt ab. Das erklärt heule alles. Sin Hofbesitzer nach dem anderen muh seinen Hof verlassen. Eine Zwangsversteigerung nach der an­deren zeigt immer das gleiche Bild. Dre gesamte .Randers-Bewegung" steht nun hinter diesem Doykott-Deschluh. der sich gegen alle Höfe richlct. die. von ihrem Besitzer zwangsläufig verlassen, in Bank - Besitz übergegangen sind und durch Fremde bewirtschaftet werden sollen. Und dabei stehen wir hierzulande erst am Anfang der Zwangsauklionen landwirtschaftlichen Besitzes. Kein Wunder, dah die Dauern sich zusammentnn müssen, um noch zu retten, was zu retten ist. Und so löst eine Rot-Dersammlung die andere ab. und Resolutionen werden gefaßt. die alle, die sie hören, aufhovchen lassen. Sechzig- bis siebzigtausend Mit­glieder soll die inzwischen gegründete Gesamtorga­nisation der bedrängten DauernLandbrugernes Sammenslutning (Zusammenschluß der Landwirte) zählen. Moratorium für alle Hypothekenzinsen und zwar für die Zeit von drei Jahren! Sofortige Einberufung des Reichstages! Augenblickliche Bewilligung von Krisenbeihilfen! Herabsetzung der Löhne für landwirtschaftliche Arbeiter! Stcuerver- weigerung! Das sind einige Parolen, die in den letzten Bauern Versammlungen ausgegeben worden sind.

Knud Dach heißt der Mann, der die treibende Kraft der Gesamtbewegung ist. 3n Rönge hat er seinen Hof, einen Desitz von etwa 50 Hektar, ein echter Züte, breitschultrig, wortkarg, seit vier Ge­nerationen ging sein Hof von Dater auf Sohn. Stauning, der Ministerpräsident, hat ihm und sei­ner riesigen Anhängerschaft den Ramen »Lap- poleute" gegeben. ..Es kommt darauf an, was man unt-er Lappoleuten versteht", erklärt er selber. »Vorläufig wollen wir in erster Linie alle Bauern sammeln, und gelingt es, wie es den Anschein hat. so werden wir für iedeS dänische Amt (etwa einem preußischen Landkreis entspre­chend), eine Amtsleitung wählen. Diese Amtsaus­schüsse. oder wie man sie nennen will, sollen dann zu einer Tagung zusammenlommen und eine Lan- oesleitung wäh^n. Unb die Aufgabe dieser Lan- deSlcitung als unserer obersten Instanz wird eS dann sein, unsere Forderungen an Regierung und Reichstag auszuarbeiten. Dann muß abgewartet werden, ob der Reichstag etwas Effektives zur Llcberwindung der Krise tun wird, damit die dä­nischen Landwirte auf ihrer Scholle bleiben können. Geschieht nichts, so werden wir in kurzer Zeit er­leben, daß Tausende von dänischen Landwirten

.-Berichterstatter.

gelungen sein werden. Hau» und Hof zu her-

Auf die Fraage. was denn geschehen soll, da­mit diese Krise überwunden werben kann, antwor­tet der dänische Kosola folgendermaßen: »Wir müssen eine andere Verteilung desGel- d e s, das in Dänemark verdient wird, bekommen! Jetzt liegen die Verhältnisse so. daß 80 Pro- ' -ent, wie jeder weih, in Dänemark direkt oder indirekt von der Landwirtschaft leben. Aber diejenigen, die i n d i r e k t davon leben, strei­chen den Profit ein. Bei den jetzt herrschenden Preisen für landwirtschaftliche Produk e könnens ch die Landwirte ganz einfach nicht mehr mit dem jetzigen Zustand ablindem Wir haben in Däne­mark eine Preiszahl (Indexzahl) für die Landwirt­schaft, und eine ganz andere, viel höhere Preis­zahl für die übrige Bevölkerung des Landes, b. h. die Bevölkerung der Städte. Diese beiden Preis- zahlen müssen sich einander nähern, am besten, sie müssen sich decken. Dies kann dadurch ge- schehen. dah die PreiSzahl der Städte gesenkt ober dah die Preiszahl der landwirtschaftlichen Bevölkerung ge h o b e n wird. Bei der Regie­rung und dem Reichstag liegt es. zu entscheiden, was von beiden Alternativen geschehen soll. Ein» von beiden muh geschehen! Unsere Einnahmen sind um die Hälfte gefallen, aber unsere Ausgaben finb dieselbeit geblieben. Wir müssen fordern, dah die Löhne überall herabgesetzt und nach den Preisen für landwirtschaftliche Erzeugnisse festgesetzt wer­den. Das ist unsere Hauptforderung. Kann der Reichstag sich nicht einig werden, oder werden seine Maßnahmen unserer Meinung nach nicht effektiv genug sein, so müssen wir Dauern über­legen, was wir tun sollen. Worin daS bestehen wird, will ich in der augenblicklichen Lage nicht näher darlegen, aber es kann ja die Situation eintreten, dah wir von einem bestimmten Tage an alle- unsere Zahlungen einstellen. Wir müssen von allen Politikern, die auf dem Doden des Frei­handels stehen, fordern, dah sie die Hälfte ihre» Einkommens abliefern, aber man kann natürlich nicht verlangen, dah ein Mann an sich selber solche Forderung stellt! Wir predigen durchaus nicht den Kampf aller gegen alle! Dah jetzt harte Worte fallen, ist nur natürlich und notwendig. Aber wir sind es dem ganzen Lande schuldig, dah es die furchtbare Gefahr, die un» bedroht, erkennt."

Soweit der dänische Kosola, Knud Dach in Rönge. Seine Worte sind gerade jetzt im richtigen Augenblick ausgesprochen worden, denn gegenwär­tig sind zwischen Dertretern der dänischen "Bau­ernschaft und dem Finanzminister im "Verein mit dem Landwirtschaftsminister und dem Innenmini­ster hier in Kopenhagen Verhandlungen ausgenommen, die einen Ausweg im letzten Augenblick suchen sollen. Wie ernst die Lage ist, dürfte schon der Umstand beweisen, dah man im Lager der Regierung mit einer Sonder- tagung des Reichstage« im September rechnet, also unmittelbar nach Einbringung der Ernte, um so vor der ordentlichen Tagung des Reichstages im Oktober, wo der Haushalt zu ver­abschieden sein wird. Hilfsmaßnahmen zur Uebet- winbung der Landwirtschaftskrise als vollendete Tatsachen der Herbstsession vorlegen -u können. Ob sie die Forderungen der allmählich sehr machtvollen dänischen Lappo-Dewegung werden erfüllen wollen oder können, ist natürlich sehr die Frage, schon aus dem Grunde, weil augenblick­lich einsvzialdemokratisch - l i n k s b ü r - gerliches Kabinett die Geschäfte des Lan­des besorgt, gestützt auf ein Folketing, das den In­teressen der bäuerlichen Bevölkerung eine wenn auch schwache Mehrheit aus Arbeiter- und we­nigen Links-Dürgerlichen, d. h. Stadtbevölke- rungs-Dertretern, entgcgenstellen kann. Iedenfalls muß die allgemeine Wirtschaftslage in Dänemark als sehr ernst bezeichnet werden. Die Regierung Stauning wird daher fortab einen schweren Stand haben. _______________________

Liest man nun Tag für Tag, mit welcher in- brünstiaen Lieberzeugung der größte und maß­gebendste Teil der Äopenbagener Stadtpresse sich zum Sekundanten Frankreich» im augenblicklichen Ringen um die Sanierung der europäischen Welt aufwirst, so möchte man fast meinen, dah den Fedcrtührern dieser Zeitungen die wirkliche Verbundenheit Däne­marks mit dem Wohlergehen Deutschland- und Englands aus dem Gedächtnis geschwunden ist. Anstatt selber den unerhörten win'chaftlick^n und politischen Forde­rungen Frankreichs gegenüber Deutschland einer dänischen Kritik in der Diskussion der hiesigen Presse weit Tür und Tor zu öffnen, geschieht hier das Gegenteil. Richt mit einem Worte kam die un­erbittliche Erkenntnis der Wahrheit in den haupt­städtischen Zeitungen Dänemarks zum Durchbruch Richt mit einem einzigen Won! Dies muß > gerade jetzt festgenagelt werden, damit die Leute. |

auf deren Schultern da» Wohl.und Webe^»- mark» mehr denn jemal» mit druckender Last l egt. nämlich die dänischen Bauern, erkennen, was va» dänische Volk zu tun hat, wenn e» will, day seine llotlage, die heute sich erst m den An­fängen äußert, von seinen Rachbarn verstanden und berücksichtigt werden soll. Denn wie niederge- brochen da» große Deutschland auch heute dallegt, so kann es, genau so gut wie England, vtzns D ä n e m a r k fertig werden. Aber ohne Eng­land und ohne Deutschland wird nie und nimmer Dänemark existieren kön­nen. wohl aber ohne Frankreich. Und darum mühte es Aufgabe eines Mannes wie Knud Dach sein sich zum Wortführer dieser Erkenntnis bei seinen Landsleuten in Stadt und Land zu machen. Tut er dies, fo wird er mit seinem riesigen An­hang von heute schon 70 000 Bauern mit Fug und Recht sagen können, wahrhaft dänisch-nationale .Lappo-Männer" zu fein.

Röntgenapparate an die Grenzkontrollen!

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Sie derzeitige Arbeitsmarkttage siir Angestellte.

Die Entwicklung seit l.Juli 1929.

Don Heinrich Müller, Angestelltenvermittler beim Arbeitsamt Gießen.

(Schluß'), ii.

Die im ersten Teil angeführten. Ende Iuni 1931 vorhanden gewesenen stellensuchenden An­gestellten verteilen sich wie folgt:

männlich weiblich zusammen

kaufm. Angestellte 156 000 104 000 260 000

Büroangestcllte 22 000 18 000 40 000

techn. Angestellte 59 000 1 000 60 000

237 000 123 000 360 000

Daraus resultiert, daß die männlichen Stellen­suchenden rund - t und die weiblichen 1-'s der Ge­samtzahl ausmachen: ferner, dah die kaufmänni­schen Angestellten das Hauptkontingent stellen. Bei den männlichen machen sie 66 v. H. und bei den weiblichen sogar 85 v. H aller Stellensuchen­den aus An zweiter Stelle stehen die technischen Angestellten und an letzter die Bureauangestell­ten. Innerhalb der einzelnen Derufsgruppen ist festzustellen. daß von den kaufmännischen Ange-

) Vergleiche Rr. 179.

stellten 60 v. H. männlichen und 40 v. H. weib­

lichen Geschlechts sind während bei den Burcau- angeftellten daS Verhältnis 55 v. H. zu 45 v. H. ist und bei den technischen Berufen fast nur männliche Angestellten von der Arbeitslosigkeit betroffen sind, nämlich 98 v. H. Die nichtige Zahl der stellenlosen weiblichen technischen An­gestellten erklärt sich au» der an und für sich geringen Beteiligung deS weiblichen Geschlecht» an den technischen Berufen.

Weiterhin wird das Alter der stellensuchenden Angestellten interessieren. G» ergab sich per Ende Iuni 1931 ungefähr folgendes Bild.

bis 20 2130

3140

4150

über 50

Jahre

Jahre

Jahre

Jahre

Jahre

o. 5).

. v. H.

v. 5).

D -S).

v. f)

kausm.Angestellte

männlich 19

40

22

11

A

weiblich 39

48

8

4

1

Büroongestellte

männlich 12

39

26

12

10

weiblich 33

50

12

4

1

techn. Angestellte

männlich 2

39

22

18

19

weiblich 16

57

20

4

3

Nächtlicher Ansitz.

Don Gurt Bloedorn.

Dort, wo ich im vergangenen Iahte den zu- rückgesehten Sechser mit dem eisgrauen Kopf schoß, sitze ich und warte auf einen Dolchbock mit Mör- derstangen. ilnb wenn der nicht kommt, dann will ich zum in Milchreife stehenden Hafetfchlag an der Kleestoppel, in dem in den letzten Mond­scheinnächten Sauen breite Steige getreten und die süßen Waben geschmatzt haben. Im Rücken habe ich alten Bestand Laubwald, vor mir liegt ein schmaler Wiesenstreifen, dann der kleine See. Spärlich steht das Rohr an seinem kiesigen Ufer. Zwei Taucherpaare sischen, hell leuchtet die Ala­basterbrust, dreht sich solch gefiederter Fischer ge­gen die Sonne. Rohrbühner huschen beweglich durch das stille Ried, und ein Reiher steht auf und streicht durch das Gold der Sonne zum fer­nen Bruch. Mit der Schnelligkeit rollender Queck­silberkugeln slitzen einige Lapuhen am Holzrand sie sind da, sind fort, kommen wieder: faustgroß erst sind ein Dutzend Iungkamickel.

Klar und sichtig ist es. Ich tarnt die Rohr­halme zählen und die Randstämme des Föhren- horsteS am jenseitigen Seeufer. Eine Ricke mit zwei Kitzen war bereit« draußen, als ich auf dem weichen Pirfchweg durch das Holz tarn und mich hinter dichtem Hasel am Waldrand ansehte. Die Alte mit ihren beiden Kindern äst sich links am See bei den Erlen. Spielend jagen sich die Kitzen um die Ricke, der linde, stille 6ommcrabenb ge­fällt ihnen, und selten wird die Ruhe dieses Re­vierteils gestört. Auf einem Feldweg, in der gerne, fingen Mädchen dreistimmig und melodisch schön: .Im schönsten Wiesengrunde, da steht mein Heimathaus ... Verschwommen erst höre ich den Gesang, das Lied kommt näher und endet.

, In eine lichte Wolkenbank taucht die Sonne, sinkend färbt sie den weißen Dunst rosa, der Himmel wird kup'ergvldig, die Felder leuchten auf wie in lodernder Wabe. Ein wunderfeiner, süßen Duft kommt von einem blühenden Gelb- lupinenfchlag. Schweigen ist um mich. Leise sum­men einige Mücken, ein Grohfisch überschlägt sich klatschend auf dem blanken Spiegel des Sees, große, sich mehr und mehr erweiternde Kreise schaffend. Dann quarren Frösche und Ro^»> drosseln fingen.

Die Kaninchen find zu Bau, auch die Ricke I mit den Kitzen ist fort. |

Kein Rebeldunst: warm und wetch totU die Sommernacht kommen.

Hinter mir im Holz schreckt ein Reh auf: ich recke mich, reifte mich aus Träumen und packe meine Büchse fester... und dann hatte ich einen reizenden Anblick: ich hatte sie nicht kommen ge­hört, habe wirklich keinen Laut, keinen Tritt der drei Schmalrchchen vernommen, die ohne Hülle die Wiese überquerten, um ihre reinen, schönen Körper in den Fluten zu baden. Eie glaubten sich allein und taten vertraut. Es gibt doch noch Schönheit auf der Welt.

Lind während dis drei Sängerinnen unter Scherzen und Lachen hinausschwimmen in den &ee, stehe ich auf und drücke mich lautloS. um weiter zum Hafer zu schnüren, denn ich will die Mädel nicht vergrämen.

Am Wacholder beim Steinhaufen mache ich es mir bequem; hier will ich auf Schwarzwild pas­sen. Dom See her. vom leisen Lufthauch mir zugetragen das Lied: .Der 3ugcnb heit rer Mor­gen ist wolkenlos und hell..."

Bleibt lange jung und sorglos, ihr Schmal- ti<Scbcr mir wolkenloser Himmel bei fast vollem Mond. Zwei Eulen geistern am Feldrain, in den Wiesen schmälen Rehe. Rotwild zieht über die Höhe. Ich sehe die Silhouetten von vier Tieren und einem geringen Hirsch: sie tauchen unter im Grau einer tiefen Senkung.

Dom Gutshof her schlägt es Mitternacht. Enten streichen über mir weg zum See, zu meinen Füßen huschen und pfeifen Schermäuse. Ein Hase kommt über den Rain und nimmt feinen alten Wechsel, den Steig durch den Hafer, an. Hinter mir auf den Kleestoppeln lockt em Rebhahn. Lind als die eine der beiden Eulen wieder ein­mal heranstreicht und neugierig mich umhörbaren Fluges umgaukelt, kehrt der Hase m voller Flucht den Steig zurück und verschwindet wie gehetzt auf den Kleestoppeln: au gleich'r Zeit höre ich im Hafer Schmatzen und das Muss und Uff von Sauen.

Die leicht ansteigende Lehne ist magerer Boden: dünn steht die Frucht, und der Mond wirft tag­hell sein Licht an den Abhang. Da sind auch bereits die Schwarzkittel: Familientag haben he abge&aüen, mit Kind und Kegel sind sie unter­

wegs. die gan*e Festversammlung kommt blasend, quickcnd, brecyend mit hohen und tiefen MuffS und Wusss. Weiß sehe ich bei einem Stück, einem Kerl hoch wie eine Bauerntruhe. Gewehre. Der Stachel des ZielsernrohrS hat Hals ans atz! Der Schuß fegt aus dem Rohr... schreiendes Quieken, ein wildes, kopfloses Durcheinander vor mir; mit repertierter Büchse am Kopfe bin ich wieder fertig, als mir ein leidlicher Kujel fast vor den Füßen ist. 3m Feuer kippt er um. Der Familien­tag derer von Sau ist gröblich gestört, hat ein schlechtes Ende genommen. In zwei getrennten Rotten rast die Gesellschaft, mich m allen Ton­arten verwünschend, durch einen Lupinenschlag zum Walde. Der Kujel liegt still da; ich lüfte ihn und suche dann mit schußfertiger Büchse den be­schossenen Keiler. Dort stand er der Platz ist leer. Ich sinde seine mächtige Fährte und suche mit dem weißen Taschentuch vergeblich nach Schweiß. Er rnuft das Geschäft haben, ich hörte doch den Kugelanschlag. Rochsuchen im Mondlicht ist unsicher. Der Morgen ist nicht mehr fern, so bleibe ich draußen und setze mich am Wacholder an. Ein feiner Dunst braut beim Kommen des jungen Tages. Ein tüchtiger Zug Kognak, eine neue Pfeife in Brand gesteckt... Also dann wollen wir sehen, wo der Patriarch sein Testa­ment gemacht hat. An der Dachuferlehne finde ich ihn; gleich hinter dem Haserschlag ist der Keil.r die Böschung hinuntergepoltert, hat sich im dichten Erlenausschlag Derrannt, war zu wund, um freiAukommen, und ist dort verendet.

Mit den drei Schmaltierchen, bildschönen De- sihertöchtern, habe ich die beiden borstigen Ge­sellen mit einer Erdbeerbowle totgrtrunken. habe ihnen aber nur gesagt, sie wären an meinem Weidmannsheil sehr beteiligt

Lochschulnachrichten.

Ein Lehrstuhl der Anglistik an der Leipziger Universität ist dem ord. Professor Dr. Bodoar L i I jegren in Greifswald angeboten worden. Dr. Liljegren war viele Jahre als Dozent und Direktor des Englischen Seminars an der Universität Lund tätig. 1926 erfolgte seine Ernennuna zum o. Professor in Greifswald. Wiederholt war Dr. Lil- jegren für Professuren in Bem, Königsberg, Breslau, Basel und Groningen oorgeschlagen.

Geschichten vom Theater.

©eneralintenbant Graf Hülsen, der große Theatermann unter Friedrich Wilhelm IV. war mit dem Ar^t Dr. Sommer befreundet. Beide hat­ten unglücklicherweise sehr häßliche Kinder. SineS TageS sagte Sommer: .Lieber Hülsen, wie kommen Sie nur zu solchen Kindern?"

»Ebenso wie Sie", versetzte Hülsen. .Iedenfall» sitü) meine Hülsenfrüchte viel schöner al» Ihre Sommersprossen."

An einem Berliner Theater hat sich jüngst fol­gendes ereignet: Man weiß, baft eS zu dem be­rühmten alten Theateraberglauben gehört, wenn es während der Generalprobe Krach gebe, würde die Aufführung ein Erfolg. Gs ist Generalprobe und weit und breit wolkenloser Himmel durch­aus kein Krach. Unten im Parte« sitzt der Direktor und wird von Minute zu Minute nervöser. Schon der dritte Akt immer noch kein Krach Da gibt er sich einen Ruck und beginnt plötzlich, aus heiter­stem Himmel, die Hauptdarstellerin anAubrülIen. Iene zuckt zusammen, dann sagt sie voll Hoheit: »Herr Direktor, ich bin eine Dams mit mir brüllt man nicht!" Da schreit jener: .Ach was Dame! jetzt wird gebrüllt jehtistKrach!^

Da unterhielt sich neulich ein Dramatiker, dessen neuestes Stück eben einen eklatanten Durchfall er­lebt hatte, mit dem Reinhardt-Dramaturgen Ka - Hane. Lind seufzte tief auf: »Wenn ich wieher auf die Welt komme, werde ich bestimmt alleS andere als ein Etückefchreiber." Sagte Kahane freundlich lächelnd: .Ich meine immer, Sie find schon mal auf die Welt gekommen."

Der große Erfolg der letzten Berliner Spielzeit war überraschenderweise Lessings »Minna von Barnhelm" mit Käte Dorsch in der Titelrolle. Ganz Berlin war da und war begeistert: auf die zahlreich durchreisenden Amerikaner scheint die Aufführung allerdings weniger Eindruck gemacht zu haben. Einer von ihnen war mit seinem Ber­liner Freund in .Minna von Bamhelm", erklärte I1 aber bereits nach dem zweiten Akt: »DaS ist ja ein ganz nette» Stück, aber ich habe eS schon vor vier Iahren in Reuhork g^ehen."