Ausgabe 
4.8.1931
 
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Eva am Strand

Vornan von Hermann Weick.

26. Fortsetzung Nachdruck verboten.

S:« wollte ihr Wohnzimmer aufschliehen, aber der Schlüssel ging nicht ins Schloß.

Verwundert betrachtete Eva das Schloß. Da gewahrte sie, daß ein Schlüssel von innen ein­gesteckt war. Wahrscheinlich hat das Mädchen das Zimmer von innen abgeschlossen und ver­sehentlich den Schlüssel stecken lassen, dachte Eva und ging zur Schlafzimmertüre. Sie machte Licht.

Als sie am Spiegel vorüberging, blieb sie ste­hen. Sie sah ihr blasses, verstörtes Gesicht und lächelte bitter.

Dann öffnete sie die Türe zum Wohnzimmer, schritt rasch zum Schalter und drehte das Licht an.

Plötzlich überfiel sie «in unbestimmtes Emp­finden von Angst. Unsicher irrten ihre Augen umher. Run sah sie etwas, das ihr Mut er­starren ließ:

Ihr großer Koffer, den sie immer abgeschlossen hielt, war geöffnet .. - auch die Fächer des Schreibtisches standen offen ... auf dem Schreib­tisch lagen verstreut, als seien sie in aller Hast hingeworfen worden, Stücke ihres Schmucks ...

Für Sekundendauer verharrte Eva regungslos, als fasse sie dies alles nicht. Dann jagte Ent­setzen über sie hin. Sie wollte schreien, der Ge­fahr, die sie auf sich zukommcn fühlte, entfliehen ...

Da sprang hinter der Portiere am Fenster, die ihn bisher verborgen hatte, ein Mann hervor und auf sie zu: er war im Gesellschaftsanzug und trug eine schwarze Maske. Blitzschnell hatte er mit dem einen Arm Eva umklammert, die andere Hand preßte er auf ihren Mund.

Eva bäumte sich auf, sie wollte sich losreihen, aber wie eine stählerne Fessel lag der Arm des Mannes um sie. Hinter der Maske sahen gleich glühenden Lichtern seine Augen sie an.

Ein Laut, und du bist verloren!" zischte der Mann.

Evas Herz setzte im Schlage aus. Diese Stimme! Diese Gestalt!

d'Alvez! schrie es in ihr.

Sie war wie von Sinnen. d'Alvez war ein Ein­brecher! Sie war in seiner Gewalt! Vielleicht würde er sie töten!

Todesangst siel sie an; mit verzweifelter Kraft versuchte sie, sich aus der Umklammerung zu lösen. Haß gegen den Mann, der sie für seine verbrecheriscAn Ziele mißbraucht hatte, verlieh ihr ungeahnte Kräfte.

Sie rang mit ihm. Plötzlich bekam sie eine Hand frei. Mit wilder Wucht hieb sie d'Alvez die Faust ins Gesicht. Gr wollte sie abwehren und nahm seine Hand von ihrem Mund ...

Gellend schrie sie.

Seine Hände fuhren ihr um den Hals, würg­ten sie.

Da wurde an der Klinke der verschlossenen Türe gezerrt.

Aufmachen! Kriminalpolizei!" klang es be­fehlend von draußen.

d'Alvez stieß einen Wutschrei aus. Seine Augen jagten uncher, suchten «ine Möglichkeit zur Flucht. 3m Gang ertönten eilende Schritte, man suchte draußen den Weg durch Evas Schlafzimmer ...

Da lieh der Verbrecher Eva los. Mit zwei Sähen war er beim Balkon. Er rih die Türe auf und schwang sich über das Geländer.

Eva war aus den Boden gesunken. Wie durch einen dichten Schleier sah sie, wie aus ihrem Schlafzimmer ein Herr hereinstürmte, einen Re­volver in der Hand ... hinter.ihm erschien Ste­fan Helbing ... dann verlor sie das Bewußtsein.

Er ist hinabgesprungen!" sagte Dr. Drannat erregt zu Helbing.3ch gehe ihm nach. Bleiben Sie bei ihr!"

Helbing kniete an Evas Seite. Zart strich er ihr über die tvdesbleichen Wangen.'

Run wäre er doch beinahe zu spät gekommen! Roch wenige Minuten, und Eva wäre vielleicht verloren gewesen. Dieser Gedanke ließ Helbing bis in di« Tiefen seines Wesens erzittern.

Gewaltsam rih er sich zusammen. Er nahm Eva auf seine Arme und bettete sie auf den Diwan. Dann suchte er im Rebenzimmer ein Tuch, feuchtete es an und legt« es Eva auf die Stirnen Rach wenigen Minuten schlug sie die Augen auf. Als ihr Blick Helbing traf, lächelte sie ungläubig. Sogleich aber verzerrten sich ihre Züge in maß­losem Schreck. Sie fuhr empor.

Ist er fort? ..." stieß sie heiser hervor.

Ja! Sie können ganz ruhig sein, Eva! Ich bin bei Ihnen!"

Jäh sank sie wieder zurück. Das Dewuhtsein schien sie wieder verlassen zu haben.

Helbing hatte ihre Hand, die wie leblos herab- gefunten war, ergriffen. So blieb er sitzen, bis Dr. Brannat zurückkam.

Ich habe ihn!" sagte der Kommissar leise. Er ist nicht weit gekommen; beim Absprung hat er sich das linke Dein gebrochen, wenig« Meter vom Hotel entfernt blieb er liegen. Er ist in sicherem Gwahrsam und wird überdies auch we­nig Lust verspüren, nur mit einem Bein aus- rücken zu wollen!"

Brannat wies auf Eva Willer.

Roch immer bewußtlos?"

Vorhin war sie für einen Augenblick bei Be­wußtsein."

Cassianu scheint ihr schwer zugesetzt zu haben. Man sollte für alle Fälile einen Arzt hinzuziehen. Ich werde sofort das Rötige veranlassen und

auch ein Mädchen herausschicken, das Fraulein Willer zu Bett bringt."

Als das Mädchen erschien, sagte Helbing er­klärend :

Fräulein Willer hat einen Ohnmachtsanfall erlitten. Der Arzt wird gleich kommen. Bleiben Sie, bitte, solange bei Fräulein Willer!"

Gemeinsam trugen sie Eva in ihr Schlafzimmer, dann kehrte Helbing in den anderen Raum zu­rück.

Don schweren Gedanken bewegt, ging er hin und her. Er machte sich Vorwürfe, weil er Eva nicht rechtzeitig vor Cassianu gewarnt hatte. Wenn der Verbrecher Eva ein Leid zugefügt hätte, wäre er, Helbing seines Lebens nie mehr froh geworden; immer hätte diese Schuld auf ihm gelastet.

Dei Helbing machten sich plötzlich die Erregun­gen der letzten halben Stunde sehr bemerkbar. Seine Deine wurden ihm schwer. Er setzte sich in seinen Sessel.

Wie Eva Willer wohl zumute sein wurde, wenn sie erfuhr, daß er, gerade er an ihrer Rettung mitgewirkt habe? Dei ihrer Abneigung gegen ihn, die sie ihn immer deutlicher hatte fühlen lassen, würde ihr dieser Gedanke sicherlich peinlich sein ...

Helbings Heberlegungen rissen jäh ab.

Achtlos hatte seine Hand nach einem der Dücher gegriffen, die auf dem Tische lagen; acht­los hatte er den Titel gelesen ...

Ein Duch über Ostafrika!

Wie kam das Duch hierher? Zu Eva Willer?

Hastig nahm Helbing die anderen Dücher an sich. Auch sie behandelten Ostasrika.

Gin ratloser Ausdruck kam in Helbings Züge. Plötzlich durchjagte ihn Erkenntnis.

Las Eva seinetwegen diese Dücher?

Jene Unterredung am Strand, die sich um Ostasrika gedreht hatte, tauchte in seinem Erinnern auf. Seit jenem Tage bestand die Kluft zwi­schen ihnen. Hatte Eva ihm seine damaligen Worte wirklich übel genommen? Wollte sie ihm eines Tages beweisen, daß sie in diesen Dingen, in denen er sich ihr überlegen gebrüstet hatte, doch nicht so unerfahren sei, wie er geglaubt halte.

Geschah dies alles aus Trotz? Aus Feindschaft gegen ihn?

Oder? ...

Helbing sprang auf. Er meinte, inmitten lo­hender Flammen zu stehen.

Eva liebte ihn! Kein Zweifel war möglich! Wenn er ihr gleichgültig wäre, hätte sie bann jene Unterredung nicht längst vergessen? Läse sie dann diese Dücher, die seinen künftigen Wir­kungskreis behandelten.

Immer klarer traten für ihn die tieferen Ur­sachen des seltsam feindlichen Verhaftens, das Eva gezeigt hatte, zutage. Gekränkter Stolz,

Liebe, die sich verschmäht wähnte, hatten sie ge­leitet. Ohne Cassianus verbrecherischen Anschlag, der ihn, Helbing, nochmals mit Eva in Ver­bindung gebracht hatte, wäre ihm Evas wahre Sinnesart wahrscheinlich für immer verborgen geblieben ... ,

Klopfen an der Tür rch Heftung aus feinen Gedanken.

Cs war der Arzt, der kam. Dr. Drannat hatte ihn bereits von dem Vorgefallenen unterrichtet. Die Untersuchung Evas dauerte Helbing, den sorgenvolle Ungeduld peinigte, viel zu lange.

Die Sache ist nicht schlimm", berichtete der Arzt, als er wieder zu Helbing zurückkam.Ein leichter Rervenschok, der in ein oder zwei Tagen überwunden sein wird."

Ist Fräulein Willer bei Bewußtsein?"

Einigermaßen. Die Hauptsache ist jetzt langer, tiefer Schlaf. Ich habe Fräulein Wil'ler etwas eingegeben, damit sie bald einschläft.

Als der Arzt gegangen war, blieb Helbing unschlüssig im Zimmer stehen. Er meinte, er müsse zu Eva eilen, ihr sagen, wie sehr er sie liebe, daß er um ihre Liebe zu ihm wisse ...

Morgen!" sagte er leise und riß sich los.

Er wollte Dr. Drannat in seinem Zimmer aufsuchen, aber der Kommissar war nicht da. In der Halle wartete Helbing auf^ihn.

Gegen ein Uhr erst kam Brannal.""Er machte einen abgehetzten Eindruck und ließ sich ermattet in den Klubsessel fallen.

Frau Cassianu ist nirgends aufzufinden", er­klärte er ärgerlich.Ich nehme an, daß sie, nach­dem sie heute abend sich unserer Verfolgung entzogen hatte, nachher wieder hierher zurück­gekommen ist und die Flucht ihres Mannes über den Daikon sowie seine Festnahme aus der Rähe mitangesehen hat. Dann hatte sie sich aus dem Staube gemacht."

Der Kriminalkommissar zündete sich ein« Ziga­rette an.

Ich habe die nötigen Maßnahmen getroffen, damit sie die Insel nicht verlassen kann."

Die Hauptsache ist, daß wir Cassianu haben!"

Er scheint heute abend, wo das ganze Haus hier leer war, Großes dorgehabt zu haben; ich habe eine Reihe von Rachschlüsseln zu Hotel­zimmern bei ihm gefunden. Dei Fräulein Willer dürfte er den Anfang gemacht haben.

Die beiden sind doch miteinander ins Kur­haus gegangen, sagte Helbing nachdenklich.Wie ist es zu erklären, daß es zu diesem Aeberfall hier kam? Hat Cassianu sich heimlich vom Kur­haus entfernt? Ist Fraulein Willer chm nach­gegangen?"

Das werden wir morgen, wenn Fräulein Willer vernehmungsfähig ist, erfahren. Ich bin selbst sehr darauf gespannt, wie sich der Sach­verhalt Herausstellen wird."

(Fortsetzung folgt.)

0

Gestern früh verschied plötzlich und unerwartet infolge eines Schlaganfalles mein lieber Mann, unser herzensguter Vater, Schwie­gervater, Großvater, Bruder, Schwager und Onkel

Adolf Mülln

Institutsgehilfe am Pharmakolog. Institut der Universität

Im Namen der tief trauernd Hinterbliebenen:

Marie Mülln, geb. Klein

Adolf Mülln

Hans Mülln

Gretel Mülln, geb. Koch Hans-Wilfried Mülln.

Gießen, den 4. August 1931.

Auf ausdrücklichen Wunsch des Verstorbenen findet die Be­erdigung in aller Stille statt, auch Blumenspenden sind nicht im Sinne des Verschiedenen.

Unser Wohl war seiner Arbeit Ziel.

__________________________________________________nW4

Von der Reise zurück

Fr. Friedrich

,_______________________________________________04422

Mittwoch, den 5. August 1931, nach­mittags 2 Ähr, versteigere ich dahier, Reuenweg Jtr. 28.Zum Löwen", zwangsweise gegen Barzahlung:

1 Dokumentenmappen, Bleistifte, Ra­diergummi, Briefpapier, Reißzeuge, Aüllfederhalterftänder, Zedern, Be­stellbücher, einen Kofferfprechappa- rat. 5145V

2. Büfetts Kredenzen, Nähmaschinen, Ver­tikos, Warenschränke, Ladentheken, So­fas, Grammophone, Schreibtische Klei­derschränke, Schreibmaschinen, Chaise­longues, Zimmerteppiche, Trumeauspie- gel, Kommoden, Diwans, ein Damen- fahrrod, einen Dauerwellenapparat, Eß­service, Kaffeeservice, 100 Mistbeetfenster, Kassenschränke, Registrierkassen, Ruck­säcke, Koffer, Aktenmappen, Handkoffer, Biegelkoffer, Schulranzen, Puppenwagen, Schiffskoffer, Kalbfelle, einen Geräte­schrank, Kunstleder, Kühlerduck, einen Photoapparat, Bücherschränke, Stönder- lampeiz, eine Standuhr, eine Wand­uhr, Rohrsessel, einen Küchenschrank, zwei Schränke, vier Stühle, Damen- fportftftfel, ein Fernglas, Gasherde, eine Kuh, zwei Schlafzimmerbilder, Oelge- mälde, einen Bilderschrank mit 95 Bil­dern, Tischdecken Deckbettenbezüge, Kopfkissenbezüge, Paradekiffen, Schreib­maschinen, Radios, Lautsprecher, Kopf­hörer, einen Bestrahlungsapparat, eilte Hobelbank.

3. Verkauf aus freier Hand: ein Grammo­phon.

Die Versteigerung zu 1 findet bestimmt statt.

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Gerichtsvollzieher in Gießen Wiefecker Weg 16 Telephon 3383

Bekanntmachung.

Die noch rückständigen Beträge für Gas im Monat Juni d. I. und für Wasser in der Zeit vom 1. April bis 30. Juni d. I. können bis zum 15. d. M. noch ohne Kosten bezahlt werden. 5142V

Nach Ablauf dieser Frist erfolgt Bei­treibung der Rückstände bzw. Sperrung der Gas- oder Wasserzuführung.

Eine schriftliche Mahnung erfolgt nicht mehr.

Gießen, den 3. Juli 1931.

Städtisches Gas- und Wasserwerk Gießen. S t e d i n g.

Bekanntmachung.

Die bereits fälligen Stromgelder im Stadt- und Ueberlandgebiet für den Mo- nat Juni 1931 können noch bis zum 15. d. 7N. ohne Kosten bezahlt werden. Bei Nichtzahlung bis zu diesem Termin erfolgt Beitreibung und Stromsperre auf Kosten des Stromabnehmers. 5143V

Gießen, den 3. August 1931.

Direktion

der Elektrizitätswerke, Ueberlandanloge und Straßenbahn der Stadt Gießen.

I.B.: Ku n tze ller.

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Darmstadt, den 1. August 1931.

Hessische Landgestüts-Direktion.

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