Die Miederingangsetzung des Zahlungsverkehrs.
Ausgezeichnete Disziplin des Publikums. - Ruhige Abwicklung des Verkehrs bei Banken und Sparkassen.
Dom 5. V. M- ab wird der Zahlungsverkehr wieder von den schweren Beschränkungen befreit werden, die seit Mitte 3uli auf ihm gelastet haben. In den vergangenen drei Wochen ist es fedem einzelnen klar geworden, wie eng er auf Gedeih und Verderb mit dem Wirtschaftsleben nicht nur des eigenen Volkes, sondern der grämten Welt verbunden "ift; denn jeder, ohne rgend eine Ausnahme, wurde von den tief- ch neideten Mahnahmen betroffen, die die Regierung im Interesse des Ganzen unserem Volke aufevleigen muhte. Daß diese rein materiellen Veschränkunigen für viele auch seelisch« Delastun- gen mit sich brachten, ist verständlich.
Wenn wir auch auf lange hinaus noch nicht von normalen Verhältnissen werden sprechen können, o kann doch das eine mit großer Sicherheit wohlz gesagt werden, dah wir das Schlimmste überstanden haben. Und wenn wir rückschauend die letzten Wochen betrachten, so können wir mit Genugtuung feststollen, dah die Bevölkerung sich, von ganz wenigen Ausnahmen abgesehen, ruhig verhaften und mit bewunderungswürdigem Verständnis die Notwendigkeit der charfen Mahnahmen namentlich auch der Verordnungen, die sich auf die Erfassung der Devisen usw. erstreckten, anerkannt hat. In diesen schweren Wochen hat in zunehmendem Maße die Auf- ässung Boden gewonnen, dah wir nur aus ligenerKraft, nicht aber mit fremder Unter- tühung aus unserem wirtschaftlichen Elend herauskommen können. Diese Erkenntnis muh als Gewinn gebucht werden, der sich hoffentlich auch ür die kommenden Zeiten auswirken wird.
Ferner haben die vergangenen Wochen bewiesen, dah unsere Währung fest gegründet ist, und es kann nicht oft genug betont werden, dah sie auch in Zukunft unerschüttert bleiben wird. Wir standen und stehen nicht in einer Inflati'on (ungesunde Vermehrung an Zahlungsmitteln), sondern in einer Deflation (Mangel an Zahlungsmitteln), einmal hervorgerufen durch den Rückfluh von gekündigten Auslandkrediten und damit zu- ammenhängend den Verlust von Gold und Deusen, die zur Deckung unseres Rotenumlaufs dienten, und dann duvch die stoßweise auftretenden Abhebungen von Dank- und Sparkassenguthaben durch die Einleger. So mußten Regierung und Reichsbank, um einen völligen Zusammenbruch zu vermeiden, zu Maßnahmen schreiten, die wir alle am eigenen Leibe auf das unangenehmste empfunden haben und leider noch empfinden müssen; denn mit der Wiederaufnahme eines geordneten Zahlungsverkehrs sind noch nicht diehohen Zin- s e n beseitigt, die lahmend auf der ganzen Wirtschaft lasten und sobald als nur irgend möglich wieder abgebaut werden müssen. Sie können aber abgebaut werden, wenn jeder einzelne zu der Einsicht kommt, dah es sinnlos ist, mehr Geld zu Hause aufzubewahren, als notwendig ist. Unendlich viel Zahlungsmittel halten sich zwecklos in den Taschen oder Schubkästen des einzelnen auf, unendlich viel Zahlungen (Steuern, Mieten, ^soziale Abgaben, Zinsen, Versicherungsbeiträge, Schulgelder, Rechnungen aller Art usw.) könnten durch Banküberweisungen ohne Inanspruchnahme von Zahlungsmitteln beglichen werden I Die Behörden und alle Stellen, die regelmäßig Gehälter auszahlen, müßten dafür sorgen, daß die Gehaltsempfänger ihre Bezüge auf dem Wege der Ueberweisung auf Dank- oder Spar- kassenkvnto erhalten, wobei den Empfängern allerdings die Wahl der Dank oder Sparkasse freistehen
müßte. Bei den Millionenbeträgen, die monatlich zur Auszahlung gelangen, würde der Ueberwei- sungsverkehr für den Zahlungsmittelumlaufeine gewaltige Entlastung bedeuten. Und welche Annehmlichkeiten der bargeldlose Verkehr hat, werden alle die bestätigen können, die sich bisher schon dieses Weges bedienten.
Cs hat sich, wie wir durch Befragen an zuständigen Stellen feststellen konnten, selbst in den letzten Wochen gezeigt, daß nur ganz wenige, besonders ängstliche Gemüter ihre Dank- und Sparkassentonten aufgaben. Der überwiegende Teil ist seiner bisherigen Verbindung treu geblieben, ein Zeichen dafür, daß das Vertrauen in unsere Danken und Sparkassen durch die letzten Vorgänge doch nicht so erschüttert wurde, tote man nach den ersten Anzeichen annehmen konnte. Ja, in einzelnen Fällen lassen die Dareingänge der letzten Tage erkennen, dah eine rechterfreulich« Beruhigung eingetreten ist. Im übrigen bieten ja auch die gegenwärtigen hohen Zinsen für Bankeinlagen einen Anreiz, überflüssige Gelder zur Dank oder Sparkasse zu bringen.
Eine Umfrage der Reichsbank bei ihren Zweigstellen hat, wie die Telegraphen-Union meldet, ergeben, daß bei den Prooinzbanken ebenso wie auch bei den Berliner Banken, die teilweise Wiederaufnahme des freien Zahlungsverkehrs einen günstigen Auftakt genommen hat. Fast durchweg wird berichtet, daß die Einzab- lungen bei den Banken die Auszahlungen überstiegen. Einzelne Banken haben eine Besserung ihrer Liquidität zu verzeichnen. Da für die Wiederaufnahme des vollen Zahlungsverkehrs gut vorgesorgt ist, befürchtet man keinerlei Schwierigkeiten. Bei den Sparkassen haben die Kündigungen ebenfalls stark nachgelassen. Die Wechseleinreichungen waren gering. Vielfach hat sich auch der Beginn des Saisonausverkaufes auf die Abwicklung des Zahlungsverkehrs vorteilhaft ausgewirkt. Au ch in Gießen verhält sich das Publikum, wie wir auf Rückfraae bei den verschiedenen hiesigen Geldinstituten erfreulicherweise feststellen können, durchaus diszipliniert. Auch von gelegentlich auftretenden Unruhestiftern läßt sich das Publikum nicht beeinflussen, sondern behält jene Ruhe, die bei der jetzigen Lage einzig angebracht erscheint. Der Verkehr bewegt sich überall in ruhigen Bahnen, der Giroverkehr ist nach wie vor lebhaft, neben den Abhebungen werden auch beträchtliche Einzahlungen getätigt und neue Konten eröffnet, so daß man überall mit Zuversicht der völligen Freigabe des Zahlungsverkehrs entgegensieht.
Günstiger Stand des postscheckvertehrö
Der Postscheckverkehr ist, abgesehen von dem durch Rotverordnung angeordneten Schließen der Zahlstellen der Postscheckämter am 14. und 15. Juli, während der ganzen Krisenzeit in v o l - lemUmfange auf recht erhalten worden. In der Zeit vom 14. bis 31. Juli haben betragen die Einzahlungen 734 Millionen Mk., die Auszahlungen 782 Millionen Mk. Durch bargeldlose Uebertoeifung von Konto zu Konto sind 3606 Millionen Mk. umgesetzt worden. In der zweiten Hälfte deS Juli Hat der Zugang an Postscheckkonten mehr als das Doppelte des Zugangs in der ersten Monats- Hälfte betragen. Der Verkehr hat sich durchweg glatt ohne jede Störung abwickeln lassen.
auch eine unmittelbare Folge des Vertrauensoer- lustes, den der Ausfall der Reichstagswahl vom 14. September 1930 Deutschland in der Welt eingetragen und erst zu dem unheilvollen Abzug der ausländischen Kredite geführt hat. Würde am 9. August so abgestimmt werden, wie am 14. September 1930, dann würde damit der endgültige Zusammen- bruch Deutschlands besiegelt." Der Aufruf, in dem noch erklärt wird, daß gerade der jetzige Landtag in ruhiger und sachlicher Arbeit wertvolles für die innere Stabilisierung geleistet habe, schließt mit folgendem Appell: „Abstimmungsberechtigte, die Deutsche Staatspartei fordert Euch auf: Bleibt der Abstimmung fern! Rur wer in abhängiger Stellung von seinem Fernbleiben wirtsä-aftliche Schäden zu erwarten hat, gehe zwar zur Abstimmung, stimme dort aber mit Rein."
Radikaler Mittelstand/ eine neue Partei
K o b l e n z, 3. Aug. (TU.) Am 2. August sand eine Tagung der Führer der aus der Wirtschaftspartel ausgetretenen W-a hl kreise in Koblenz statt. Es wurde beschlossen, den Namen „Radi- kaler Mittelstand" zu führen. Entsprechende organisatorische Beschlüsse wurden gefaßt. Mit der zu gleicher Zeit in Dresden tagenden Sächsischen Wirtschaftspart^i wurden Begruhungstele- gramme ausgetauscht. Ein gemeinsamer Parteitag soll die Form der Bareinigung festsetzen. Die neu- gegründete Radikale Mittelstandspartei hat an das Präsidium des Preußischen Landtags folgendes Telegramm gerichtet: Hierdurch teilen wir mit, daß wir nicht mehr Mitglieder der Reichspar- teidesDeutschenMittelstandes sind, und auch der Fraktion nicht mehr angehören. Wir sind der neugegründeten Partei „R adikalerMittel- st a n d" beigetreten und bitten, uns im Landtag als Mitglieder dieser Partei zu führen. Sitze bitten wir uns rechts von der Reichspartei des Deutfchen Mittelstandes (Wirtschaftspartei) zuzuweisen. Gez. Abgeordneter Dr. Rhode, von Detten, Mitglieder des Preußischen Landtags.
Oie Sachlieferungen während des Hoovermoraioriums.
Berlin, 4.Aug. (ERB.) Der Leiter der Haus- Haltsabteilung des Reichsfinanzministeriums, Mini- fterialdirektor G r a f S ch w e r i n v. K r o s i g k, der den Reichskanzler nach London begleitete, ist gestern wieder in Berlin eingetroffen und hat über den Stand der Stillhalteverhandlungen Bericht erstattet. Gleichzeitig hat Graf Schwerin von Krosigk berichtet über den Stand der Verhandlungen über die S a ch l i e f e r u n g e n, die in London unter Mitwirkung von Vertretern der Reichsressorts noch geführt werden. Es verlautet, dah diesachlichen Schwierigkeiten nach wie vor erheblich sind. Insbesondere ist es die Be- zahlung der Sachlieferungen durch die kleinen Länder, mit denen bisher eine Einigung noch nicht möglich gewesen ist.
Kongresse und Tagungen.
Das deutsche Episkopat feiert die Heilige Elisabeth.
In Fulda fand in der Stadthalle anläßlich der 700-Jahrseier der Heiligen Elisabeth ein« Fest- versammlung statt, an der sämtlich« Bischöfe teilnahmen, die wegen der bevorstehenden Bischofs- konferenz hier weilen. Der Bischof von Fulda begrüßte di« Teilnehmer. Den Höhepunkt der Versammlung bildete di« Festrede von Prälat Dr. Dvn d er s über „Das tiefe Geheimnis der Heiligen Elisabeth". Seine Ausführungen knüpften an den Gedanken an, daß die große deutsche Heilige, das Vorbild der christlichen Nächstenliebe, all' ihre seelischen und materiellen Schätze gespendet habe aus tiefster Quelle ihres Herzens, aus der höchsten Gottes- und llyenschenliebe. Der stärkste Mensch sei immer der Mensch eines einzigen Gedankens. Alles, was er an Kraft, Willen, Intelligenz und Nervenanspannungen in sich aufspeichere, setze er einzig und allein in dieser einen Richtung ein und erzwinge damit eilte Wucht, der selten di« Welt widerstehe. Die Männer und Frauen, die heute ganz und gar erfüllt und durchtränkt seien von der Not der Zeit und ihres Volkes, in all' diesen lebe di« Apostelseele der Heiligen Elisabeth. — Den Abschluß der Feier bildete die Uraufführung einer symphonischen St. Elisabeth-Kantate. Am Dormittag fand im Dom ein von Kardinal-Erzbischof Faulhaber unter Assistenz sämtlicher anwesenden Bischöfe zelebriertes Pontifikalamt statt. Auch die Festpredigt hielt Kardinal Faulhaber. Sehr bemerkenswert waren seine Ausführungen über die Stellung der katholischen Bischöfe Deutschlands zu den sozialen und fulhireUen Fragen der Gegenwart. Die Bischöfe wendeten sich, so erklärte er, vor allem gegen die übermodernen Strömungen der heutigen Zeit, gegen die Frauenmode, die übertriebene Körperkultur und die sittenlosen Auswüchse in Literatur und Kunst. Sie sprächen sich aus für die Bekämpfung der Wohnungsnot und nähmen Stellung gegen die Leichenverbrennungen. Gleichzeittg appellierten sie an das Ausland, dem sie zu bedenken gäben, dah das deutsche Volk im Stadium der Hungersnot stehe .— An der Clisabethfeier nahmen teil die Kardinal-Erzbischöfe von Breslau, Münch e n und Köln, die Erzbischöfe von Paderborn und Freiburg, die Dischöfe von Fulda, Osnabrück, Münster undDer- lin, Mainz, Trier, Rottenburg, Hildesheim, Meißen, Ermland, Limburg und Aachen.
weltkonferei»; Christlicher Iungmännervereine.
In Toronto hat die Weltkonferenz der Christlichen Vereine Junger Männer ihren Anfang genommen, zu der über 1000 Iugendsührer und Vertreter der Jugendlichen aus der ganzem Welt angemeldet sind. Die letzte christliche Welt- jugendtagung hat vor 5 Jahren in Helsingfors stattgefunden. Dr. Stange aus Kassel, Reichs- toart der evangelischen Iungmännerbünde Deutschlands, wurde zum Vorsitzenden der Son- derkonferenz für Iungmännerarbeit gewählt. Die deutsche Abordnung ist auf die verschiedenen Fachgruppen verteilt und steht in lebhafter Auseinandersetzung mit den Iugendführern der anderen Länder. Starke Abordnungen sind auS China, Japan, Indien und Hawai zugegen. De- sonderS wirkungsvoll war das Oluf treten deS bekannten Sozialreformers K a g a w a.
Tagung
des Jugendbunde» für entschiedenes Christentum.
Dom 31.Juli bis 5.August findet in Köln die 37. Tagung des Deutschen Jugendbundes für entschiedenes Christentum statt. Begrüßungsworte
sprach der Bundesdirektor Pfarrer Schürmann, worauf Vertreter der englischen Bruderorganisation die Grüße aus den in den Distrikten von Lanca- shire und Manchester bestehenden Bünden übermittelten. Der Generalsekretär des Bundes, Stolp- mann, sprach sodann über die in England im Jahre 1881 erfolgte Gründung des Jugendbundes. Direktor Schreiber stellte die Ziele des Bundes heraus. Durch ein Bekenntnis zu einem entschiedenen Christentum, das zu keinerlei Kompromißlösungen bereit sei, wolle man die Bundesmitglieder über den Akt der inneren Bekehrung hinaus zur Gemeinschaft der Arbeit des Glaubens und des Lebens zusammen- führen. Am Sonntag fanden in mehreren Kölner Kirchen FAgottesdienste statt, an die sich eine öffentliche Kundgebung auf dem Neumarkt anschloß. In geschlossenem Zuge marschierten bann die Teilnehmer, unter denen sich mehr als 2000 ^ungmäb« chen unb Jungmänner befanben, wieder zum Messegelände.
Reichslagung der marianischen Kongregationen.
Anläßlich der Reichstagung der marianischen Kon- gregationen höherer Schüler Deutschlands veranstaltete das katholische Mainz am Sonntag in der Stadthalle eine Kundgebung zur 1500-Jahr-Feier des Konzils von Ephesus. Es sprachen der Erbprinz zu Löwen st ein-Wertheim-Rosenberg und der Mainzer Bischof Dr. Ludwig Maria Hugo über die marianischen Kongregationen und ihre religiösen Grundlagen.
Gewerkfchaftslag der Deutschen postgewerkfchaft.
Die Deutsche Postgewerkschaft hielt am 2. unb 3. August in Düsseldorf ihren Gewerkschaftstag ab. Ministerialrat Kröner, der die Grüße unb Wünsche bes Reichspostministers überbrachte, betonte, daß auch bei der Reichspost der Rückgang des Verkehrs nicht ohne Einfluß auf das Personal geblieben (ei. Die Deutsche Reichspost werde aber bestrebt fein, allen Arbeitern den Arbeitsplatz zu erhalten. Die Notwendigkeit, für bestimmte Betriebszweige die Arbeitszeit herabzusetzen, lasse sich aber kaum umaehen. Aus dem Tätigkeitsbericht ist zu erwähnen, daß trotz der allgemeinen schlechten Wirtschaftslage eine ständige Aufwärtsentwicklung der Organisation zu verzeichnen ist. In der Nach- mittagsoerhandlung sprach der Präsident der Ver- forgungsanftalt der Deutschen Reichspost, Dr. Schn ei der-Dresden, über „Die Versorgungs- anstatt". Die Finanzlage der Versicherungsanstalt, so erklärte er, sei im Gegensatz zu den sonstigen sozialen Versicherungen als gut unb gesichert zu betrachten.
Der Marinebunbeslag In Kassel.
Am Marinebundestag in Kassel, der gleichzeitig zu einem Treffen der Deefoldaten der Flanoern- kämpfer und der Angehörigen der ehemaligen Mittelmeerdivision crusgestaltet wurde, nähmen trotz der Not der Zeit etwa 3000 ehemalige Marineangehörige aus ganz Deutschland, aus den abgetretenen Gebieten, aus Danzig, Oberschlesien und dem Saarland teil.
Als Ehrenkompagni« war die 6. Marineinfanterieabteilung mit der Musikkapelse erschienen. Am Samstag fand in der Stadthalle ein Begrüßungs- aberrd statt. Am Tisch der Ehrengähe sah man u. a. Vizeadmiral a. D. Rö s ing, den ersten Vorsitzenden des Dundes deutscher Marinevereine, Vizeadmiral a. D. Souchon, ehemaligen Chef der Mittelmeerdivision und General der Kavallerie von Kayser. Oberbürgermeister Dr. Stadler hieß di« Gäste willkommen, worauf weiter« Degrühungsansprachen folgten. Der Dun- desvorsitzende, Vizeadmiral Rösing, hielt die Festrede. Sonntagvormittag fand ein Gottesdienst und für die Gefallenen «ine Gedenkfeier statt. Am Nachmittag folgte ein Umzug der Tagungs- teilnehmer durch die Stadt.
Aus aller Well.
Weidmannsheil des Reichspräsidenten.
Reichspräsident von Hindenburg, der zu einem kurzen Iagdaufenthalt in seinem Jagdhaus« in der Schorffheide weilte, erlegte am SamStag einen Zwanzigende r. Das ist der stärkste Hirsch, der dem Reichspräsidenten bisher vor die Büchse kam. Die Leistung ist um so höher zu bewerten, als von Hindenburg auf 90 Meter Entfernung bei starkem Zwielicht einen guten Blattschuh anbringen konnte.
Schwere Unfälle bei der Segelwoche in Cowes.
Als dte königlich L Segeljacht „D-oitannia" mit dem König von England an Bord zur Eröffnung der großen Segelwoch« von Cowes zur_ Startlinie fuhr, spülte eine überkommende Böe den zweiten Offizier über Bord, der trotz sofort eingeleiteter Rettungsmcmöver ertrank. Der König ließ die Regatta sofort ab breche n und kehrte zu seiner Dampsfacht „Viktoria and Albert" zurück. Fast zu gleicher Zeit wurden duvch eine Explosion an Bord eines Motor- vrnnbovtes die Lady H ul ton, der Admiral Metchell und ein Mechancker schwer verletzt. Das Boot stand sofort in Flammen und nur mit Mühe gelang es, die Insassen zu retten.
Drei Bauern vom Blitz gelötet
Nordwestlich von Häselgehr im Lechtal schlug der Blitz in eine Hütte ein. Hierbei wurden drei Bauern getötet, zwei Personen verletzt bzw. betäubt. Eine Rettungsexpedition brachte sie zu Tal.
hochwasserkalaslrophe in hankau.
Nachdem der Vangtse bereits seit einigen Tagen infolge der starken Regenfälle über die Ufer getreten war und auch das Wasser der Seen in der Nähe der Stadt Hankau stieg, barst plöhl ich der Schuhdamm gegen die Seen, und eine ungeheuere Wassermenge ergoß sich in die Stadt, die in ganz kurzer Zeit bis zu fast eineinviertel Meter Höhe überschwemmt wurde. Hunderte von Einwohnern der dicht bevölkerten Armenviertel, die von der Flut überrascht wurden, ertranken. Die Trup
pen arbeiten an der Errichtung von provisorischen Staudämmen, um die Ueberschwemmung einzuschränken. Sehr ernst ist die Frage der Lebensmittelversorgung der Stadt, die vollkommen von der Umwelt abgesperrt ist und nur über geringe Lebensmittelvorräte verfügt.
Schweres Unglück in einer Schleuse.
In Toronto (Kanada) ereignete sich in einer Schleuse des Lachine-Kanals ein schweres Un- glück. Der Dampfer „Rapids Prince" fuhr m i t voller Wucht gegen eine geschlossene Schleusentür und zertrümmerte sie. Durch die herausströmenden Fluten wurden 40 Arbeiter, die am Ufer beschäftigt waren, fvrtge- schwemmt. Rur 25 konnten sich durch Schwimmen retten, während dir übrigen 15 ertrunken sind. Der Schiffsverkehr im Kanal ist für drei Tage unterbrochen. Der Schaden wird auf 1,2 Millionen Mk. geschäht.
Aus der Provinzialhauptstadt.
Gießen, den 4. August 1931. ।
Laurentiusträrien.
Die vielen Sternschnuppen, die in den Nächten vom 6. bis 12. August zu fallen" pflegen, nennt der Volksmund „Laurenttusttänen" und bringt sie mit den glühenden Tränen des Hl. Laurentius, der am 10. August den Märtyrertod auf dem Rost gestorben sein soll, in Verbindung. Die Sternschnuppen verdanken ihre Entstehung kleinen meteorischen Körperchen, etwa von der Größenordnung einer Erbse bis zu einem Kieselstein, die — ehemals einem Kometen angehörig — in ellipttscher Dahn die Sonne umkreisen. Jeweils in der ersten Augusthälfte durchschneidet die Erdbahn die Meteorwolke, so dah die kleinen Körperchen, angezogen von der großen Erbmasse« auf diese zustürzen. Beim Durchsausen der Luft werden die Körperchen glühend und verdampfen meist völlig, da ihre Geschwindigkeit im Mittel etwa 60 Kilometer pro Sekund« beträgt. Dia Astronomen nennen diesen Sternschnuppe^ schwärm meist „Perseiden", da die scheinbaren Bahnen vom Sternbild Perseus auszustrahlen scheinen. — Wenn die scheinbare Bahn ein und desselben Meteors von zwei oder mehreren Erdorten aus genau beobachtet wird, so ist es möglich, seine Dahn über der Erdoberfläche zu berechnen.
Bei Sternschnuppenbeobachtungen wurde am 10. August 1921, 1.11 Uhr, von Oberbühlertal (bei Bühl) am Südosthimmel eine Sternschnuppe beobachtet, die zufättig sich auch auf einer von Geheimrat Wolf, Heidelberg, aufgenommenen Himmelsphotographie abbildete. Aus den scheinbaren Bahnen ist ermittelt, daß die Sternschnuppe in 117 Kilometer Höhe über dem Erd-, boden zuerst aufleuchtete, und zwar über einer Stelle 6 Kilometer nordöstlich von Schramberg. Sie sauste dann mit 57 Grad Neigungswinkel 44,5 Kilometer weit dahin und erlosch in 79,5 Kilometer Höhe über Nordstetten (bei Horb). Die Sternschnuppe leuchtete damals sehr hell in grünlich-blauem Licht und hinterließ eine etwa drei Sekunden lang nachleuchtende Schweifspur, d. h. glühende Reste des Meteorkörpers, die bet dem raschen Flug durch die Luft absplitterten, glimmen noch einige Sekunden nach, bis sie erlöschen.
Daten für Dienstag, 4. August.
Sonnenaufgang 4.53 Uhr, Sonnenuntergang 20.09 Uhr. — Mondaufgang 22.09 Uhr, Monbuntergang 11.04 Uhr.
1859: der Schriftsteller Knut Hamsun in Gud- branbsbal geboren; — 1875: ber Märchendichter Hans Christian Anbersen in Kopenhagen gestorben; — 1914: England erklärt Deutschlanb ben Krieg.
Gießener Wochenmarktpreise.
Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Butter 140 bis 150 Pfennig das Pfund, Matte 30 bis 35, Wirsing 10 bis 12, Weißkraut 10 bis 12, Rotkraut 12 bis 15, Gelbe Rüben 15 bis 20, Rote Rüben 15 bis 20, Spinat 20 bis 25, Römischkohl 8 bis 10, Bohnen 10 bis 15, Erbsen 10 bis 15, Tomaten 20 bis 30, Zwiebeln 10 bis 15, Kürbis 5 bis 6, Pilze 20 bis 25, Kartoffeln 4 bis 4Vr. Frühäpfel 15 bis 20, Falläpfel 4 bis 5, Aepfel, ausländische 50 bis 60, Birnen 15 bis 30, Dörrobst 30 bis 35, Heidelbeeren 20 bis 25, Stachelbeeren 20 bis 25, Johannisbeeren 20 bis 25, Pflaumen 30 bis 35. Zwetschen 30 bis 35, Mirabellen 35 bis 40, Reineclauden 35 bis 40, Honig 40 bis 50, junge Hähne 90 bis 110, Suppenhühner 90 bis 100, Pfirsiche 40 bis 60, Himbeeren 35 bis 40, dicke Bohnen 10 bis 15; Käse (zehn Stück) 60 bis 140, Tauben 50 bis 70 Pfennig das Stück, Sier 9. Blumenkohl 30 bis 70, Salat 5 bis 10, Salatgurken 15 bis 25, Cinmachgurken 2 bis 5, Endivien 10 bis 20, Ober- Kohlrabi 8 bis 10, Lauch 5 bis 10, Rettich 10 bis 15, Sellerie 10 bis 15; Radieschen 10 bis 15 Pf. das Bündel; Kartoffeln 3,50 Mark der Zentner.
Bornotizen.
— Tageskalender für Dienstag! Stadttheater Gießen, Gastspiel des Kuban- Kosaken-Chors, Anfang 20, Ende 22 lltjr. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: »Kinder vor Gericht".
— Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Heute abend, 20 il&r, einmaliges Gastspiel der Kuban-Kosaken (28 Mann!) mit einem reichhaltigen Programm. Gewöhnliche Preise. Beginn 20 Uhr, Ende gegen 22 llfjr.
— Flugtag am 9. August. Jrn hiesigen Flughafen gelangt am Sonntag ein Flugtag zur Durchführung. Neuartige Rückenflüge, sowie die verschiedenen Arten des Kunstfliegens, ein Geschick- lichkeitswettbewerb, Zielabwurf, und anderes mehr sind im Programm vorgesehen. Ein besonderes sport- liches Ereignis wird die kombinierte Stafette bar- stellen, an oer sich Läufer, Reiter, Radfahrer, Kraftfahrer, Autos und Flugzeuge beteiligen werden. Die Sensation des Flugtages wird ber Fallschirmabsprung-Wettbewerb fein, an dem auch der bekannte Fallschirmpilot Resch- Würzburg teilnehmen wirb. Näheres in ber heutigen Anzeige.
•
* Familientag der Lukasgemeinde. Der Gemeindetag, den die Lukasgemeinde am Sonntag im Saale der „Liebigshöhe" veranstaltete, nahm bei sehr starker Beteiligung einen guten Verlauf. Den musikalischen Teil hatte der „Verein für christliche Musik' übernommen. Unter Dorantritt dieser Kapelle zogen die Kinder, die die Kinderkirche besuchen, nach dem Versammlungsorte, viele Erwachsene hatten sich dem Zuge angeschlossen. Die Versammlung wurde von Kirchenvorsteher Juwelier Noll geleitet, der in seiner Begrüßungsansprache auf die seither veranstalteten Familientage der Lukasgemeinde hin-


