Ausgabe 
4.8.1931
 
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Die Miederingangsetzung des Zahlungsverkehrs.

Ausgezeichnete Disziplin des Publikums. - Ruhige Abwicklung des Verkehrs bei Banken und Sparkassen.

Dom 5. V. M- ab wird der Zahlungsverkehr wieder von den schweren Beschränkungen befreit werden, die seit Mitte 3uli auf ihm gelastet ha­ben. In den vergangenen drei Wochen ist es fedem einzelnen klar geworden, wie eng er auf Gedeih und Verderb mit dem Wirtschaftsleben nicht nur des eigenen Volkes, sondern der gr­ämten Welt verbunden "ift; denn jeder, ohne rgend eine Ausnahme, wurde von den tief- ch neideten Mahnahmen betroffen, die die Re­gierung im Interesse des Ganzen unserem Volke aufevleigen muhte. Daß diese rein materiellen Veschränkunigen für viele auch seelisch« Delastun- gen mit sich brachten, ist verständlich.

Wenn wir auch auf lange hinaus noch nicht von normalen Verhältnissen werden sprechen können, o kann doch das eine mit großer Sicherheit wohlz gesagt werden, dah wir das Schlimmste überstan­den haben. Und wenn wir rückschauend die letzten Wochen betrachten, so können wir mit Ge­nugtuung feststollen, dah die Bevölkerung sich, von ganz wenigen Ausnahmen abgesehen, ruhig verhaften und mit bewunderungswür­digem Verständnis die Notwendigkeit der charfen Mahnahmen namentlich auch der Verord­nungen, die sich auf die Erfassung der Devisen usw. erstreckten, anerkannt hat. In diesen schweren Wochen hat in zunehmendem Maße die Auf- ässung Boden gewonnen, dah wir nur aus ligenerKraft, nicht aber mit fremder Unter- tühung aus unserem wirtschaftlichen Elend her­auskommen können. Diese Erkenntnis muh als Gewinn gebucht werden, der sich hoffentlich auch ür die kommenden Zeiten auswirken wird.

Ferner haben die vergangenen Wochen bewiesen, dah unsere Währung fest gegründet ist, und es kann nicht oft genug betont werden, dah sie auch in Zukunft unerschüttert bleiben wird. Wir standen und stehen nicht in einer Inflati'on (ungesunde Vermehrung an Zahlungsmitteln), son­dern in einer Deflation (Mangel an Zahlungs­mitteln), einmal hervorgerufen durch den Rückfluh von gekündigten Auslandkrediten und damit zu- ammenhängend den Verlust von Gold und De­usen, die zur Deckung unseres Rotenumlaufs dienten, und dann duvch die stoßweise auftretenden Abhebungen von Dank- und Sparkassenguthaben durch die Einleger. So mußten Regierung und Reichsbank, um einen völligen Zusammenbruch zu vermeiden, zu Maßnahmen schreiten, die wir alle am eigenen Leibe auf das unangenehmste empfun­den haben und leider noch empfinden müssen; denn mit der Wiederaufnahme eines geordneten Zah­lungsverkehrs sind noch nicht diehohen Zin- s e n beseitigt, die lahmend auf der ganzen Wirt­schaft lasten und sobald als nur irgend möglich wieder abgebaut werden müssen. Sie können aber abgebaut werden, wenn jeder einzelne zu der Einsicht kommt, dah es sinnlos ist, mehr Geld zu Hause aufzubewahren, als notwendig ist. Un­endlich viel Zahlungsmittel halten sich zwecklos in den Taschen oder Schubkästen des einzelnen auf, unendlich viel Zahlungen (Steuern, Mieten, ^so­ziale Abgaben, Zinsen, Versicherungsbeiträge, Schulgelder, Rechnungen aller Art usw.) könnten durch Banküberweisungen ohne Inan­spruchnahme von Zahlungsmitteln beglichen wer­den I Die Behörden und alle Stellen, die regel­mäßig Gehälter auszahlen, müßten dafür sorgen, daß die Gehaltsempfänger ihre Bezüge auf dem Wege der Ueberweisung auf Dank- oder Spar- kassenkvnto erhalten, wobei den Empfängern aller­dings die Wahl der Dank oder Sparkasse freistehen

müßte. Bei den Millionenbeträgen, die monatlich zur Auszahlung gelangen, würde der Ueberwei- sungsverkehr für den Zahlungsmittelumlaufeine gewaltige Entlastung bedeuten. Und welche Annehmlichkeiten der bargeldlose Verkehr hat, werden alle die bestätigen können, die sich bis­her schon dieses Weges bedienten.

Cs hat sich, wie wir durch Befragen an zu­ständigen Stellen feststellen konnten, selbst in den letzten Wochen gezeigt, daß nur ganz wenige, be­sonders ängstliche Gemüter ihre Dank- und Sparkassentonten aufgaben. Der überwiegende Teil ist seiner bisherigen Verbindung treu geblieben, ein Zeichen dafür, daß das Vertrauen in unsere Danken und Sparkassen durch die letzten Vorgänge doch nicht so erschüt­tert wurde, tote man nach den ersten Anzeichen annehmen konnte. Ja, in einzelnen Fällen las­sen die Dareingänge der letzten Tage erkennen, dah eine rechterfreulich« Beruhigung eingetreten ist. Im übrigen bieten ja auch die gegenwärtigen hohen Zinsen für Bankeinlagen einen Anreiz, überflüssige Gelder zur Dank oder Sparkasse zu bringen.

Eine Umfrage der Reichsbank bei ihren Zweigstellen hat, wie die Telegraphen-Union mel­det, ergeben, daß bei den Prooinzbanken ebenso wie auch bei den Berliner Banken, die teilweise Wiederaufnahme des freien Zahlungsverkehrs einen günstigen Auftakt genommen hat. Fast durchweg wird berichtet, daß die Einzab- lungen bei den Banken die Auszah­lungen überstiegen. Einzelne Banken haben eine Besserung ihrer Liquidität zu verzeichnen. Da für die Wiederaufnahme des vollen Zahlungsver­kehrs gut vorgesorgt ist, befürchtet man keinerlei Schwierigkeiten. Bei den Sparkassen haben die Kündigungen ebenfalls stark nachgelassen. Die Wechseleinreichungen waren gering. Vielfach hat sich auch der Beginn des Saisonausverkaufes auf die Abwicklung des Zahlungsverkehrs vorteilhaft aus­gewirkt. Au ch in Gießen verhält sich das Publi­kum, wie wir auf Rückfraae bei den verschiedenen hiesigen Geldinstituten erfreulicherweise feststellen können, durchaus diszipliniert. Auch von gelegentlich auftretenden Unruhestiftern läßt sich das Publikum nicht beeinflussen, sondern behält jene Ruhe, die bei der jetzigen Lage einzig angebracht erscheint. Der Verkehr bewegt sich überall in ruhigen Bahnen, der Giroverkehr ist nach wie vor lebhaft, neben den Abhebungen werden auch beträchtliche Einzahlungen getätigt und neue Konten eröffnet, so daß man überall mit Zuversicht der völligen Freigabe des Zahlungsverkehrs entgegensieht.

Günstiger Stand des postscheckvertehrö

Der Postscheckverkehr ist, abgesehen von dem durch Rotverordnung angeordneten Schließen der Zahlstellen der Postscheckämter am 14. und 15. Juli, während der ganzen Krisenzeit in v o l - lemUmfange auf recht erhalten worden. In der Zeit vom 14. bis 31. Juli haben betragen die Einzahlungen 734 Millionen Mk., die Aus­zahlungen 782 Millionen Mk. Durch bargeldlose Uebertoeifung von Konto zu Konto sind 3606 Millionen Mk. umgesetzt worden. In der zweiten Hälfte deS Juli Hat der Zugang an Post­scheckkonten mehr als das Doppelte des Zugangs in der ersten Monats- Hälfte betragen. Der Verkehr hat sich durchweg glatt ohne jede Störung abwickeln lassen.

auch eine unmittelbare Folge des Vertrauensoer- lustes, den der Ausfall der Reichstagswahl vom 14. September 1930 Deutschland in der Welt ein­getragen und erst zu dem unheilvollen Abzug der ausländischen Kredite geführt hat. Würde am 9. Au­gust so abgestimmt werden, wie am 14. September 1930, dann würde damit der endgültige Zusammen- bruch Deutschlands besiegelt." Der Aufruf, in dem noch erklärt wird, daß gerade der jetzige Landtag in ruhiger und sachlicher Arbeit wertvolles für die innere Stabilisierung geleistet habe, schließt mit folgendem Appell:Abstimmungsberechtigte, die Deutsche Staatspartei fordert Euch auf: Bleibt der Abstimmung fern! Rur wer in abhängiger Stellung von seinem Fernbleiben wirtsä-aftliche Schäden zu erwarten hat, gehe zwar zur Abstimmung, stimme dort aber mit Rein."

Radikaler Mittelstand/ eine neue Partei

K o b l e n z, 3. Aug. (TU.) Am 2. August sand eine Tagung der Führer der aus der Wirtschaftspartel ausgetretenen W-a hl kreise in Koblenz statt. Es wurde beschlossen, den NamenRadi- kaler Mittelstand" zu führen. Entsprechende organisatorische Beschlüsse wurden gefaßt. Mit der zu gleicher Zeit in Dresden tagenden Sächsischen Wirtschaftspart^i wurden Begruhungstele- gramme ausgetauscht. Ein gemeinsamer Parteitag soll die Form der Bareinigung festsetzen. Die neu- gegründete Radikale Mittelstandspartei hat an das Präsidium des Preußischen Landtags folgendes Te­legramm gerichtet: Hierdurch teilen wir mit, daß wir nicht mehr Mitglieder der Reichspar- teidesDeutschenMittelstandes sind, und auch der Fraktion nicht mehr angehören. Wir sind der neugegründeten ParteiR adikalerMittel- st a n d" beigetreten und bitten, uns im Landtag als Mitglieder dieser Partei zu führen. Sitze bitten wir uns rechts von der Reichspartei des Deutfchen Mittelstandes (Wirtschaftspartei) zuzuweisen. Gez. Abgeordneter Dr. Rhode, von Detten, Mit­glieder des Preußischen Landtags.

Oie Sachlieferungen während des Hoovermoraioriums.

Berlin, 4.Aug. (ERB.) Der Leiter der Haus- Haltsabteilung des Reichsfinanzministeriums, Mini- fterialdirektor G r a f S ch w e r i n v. K r o s i g k, der den Reichskanzler nach London begleitete, ist gestern wieder in Berlin eingetroffen und hat über den Stand der Stillhalteverhandlungen Bericht erstattet. Gleichzeitig hat Graf Schwerin von Krosigk berichtet über den Stand der Verhand­lungen über die S a ch l i e f e r u n g e n, die in London unter Mitwirkung von Vertretern der Reichsressorts noch geführt werden. Es verlautet, dah diesachlichen Schwierigkeiten nach wie vor erheblich sind. Insbesondere ist es die Be- zahlung der Sachlieferungen durch die kleinen Länder, mit denen bisher eine Einigung noch nicht möglich gewesen ist.

Kongresse und Tagungen.

Das deutsche Episkopat feiert die Heilige Elisabeth.

In Fulda fand in der Stadthalle anläßlich der 700-Jahrseier der Heiligen Elisabeth ein« Fest- versammlung statt, an der sämtlich« Bischöfe teil­nahmen, die wegen der bevorstehenden Bischofs- konferenz hier weilen. Der Bischof von Fulda begrüßte di« Teilnehmer. Den Höhepunkt der Versammlung bildete di« Festrede von Prälat Dr. Dvn d er s überDas tiefe Geheimnis der Hei­ligen Elisabeth". Seine Ausführungen knüpften an den Gedanken an, daß die große deutsche Hei­lige, das Vorbild der christlichen Nächstenliebe, all' ihre seelischen und materiellen Schätze ge­spendet habe aus tiefster Quelle ihres Herzens, aus der höchsten Gottes- und llyenschenliebe. Der stärkste Mensch sei immer der Mensch eines ein­zigen Gedankens. Alles, was er an Kraft, Wil­len, Intelligenz und Nervenanspannungen in sich aufspeichere, setze er einzig und allein in dieser einen Richtung ein und erzwinge damit eilte Wucht, der selten di« Welt widerstehe. Die Män­ner und Frauen, die heute ganz und gar erfüllt und durchtränkt seien von der Not der Zeit und ihres Volkes, in all' diesen lebe di« Apostelseele der Heiligen Elisabeth. Den Abschluß der Feier bildete die Uraufführung einer symphoni­schen St. Elisabeth-Kantate. Am Dormittag fand im Dom ein von Kardinal-Erzbischof Faul­haber unter Assistenz sämtlicher anwesenden Bischöfe zelebriertes Pontifikalamt statt. Auch die Festpredigt hielt Kardinal Faulhaber. Sehr bemerkenswert waren seine Ausführungen über die Stellung der katholischen Bischöfe Deutsch­lands zu den sozialen und fulhireUen Fragen der Gegenwart. Die Bischöfe wendeten sich, so er­klärte er, vor allem gegen die übermodernen Strö­mungen der heutigen Zeit, gegen die Frauen­mode, die übertriebene Körperkultur und die sit­tenlosen Auswüchse in Literatur und Kunst. Sie sprächen sich aus für die Bekämpfung der Woh­nungsnot und nähmen Stellung gegen die Lei­chenverbrennungen. Gleichzeittg appellierten sie an das Ausland, dem sie zu bedenken gäben, dah das deutsche Volk im Stadium der Hungers­not stehe . An der Clisabethfeier nahmen teil die Kardinal-Erzbischöfe von Breslau, Mün­ch e n und Köln, die Erzbischöfe von Pader­born und Freiburg, die Dischöfe von Fulda, Osnabrück, Münster undDer- lin, Mainz, Trier, Rottenburg, Hil­desheim, Meißen, Ermland, Lim­burg und Aachen.

weltkonferei»; Christlicher Iungmännervereine.

In Toronto hat die Weltkonferenz der Christlichen Vereine Junger Männer ihren An­fang genommen, zu der über 1000 Iugendsührer und Vertreter der Jugendlichen aus der ganzem Welt angemeldet sind. Die letzte christliche Welt- jugendtagung hat vor 5 Jahren in Helsingfors stattgefunden. Dr. Stange aus Kassel, Reichs- toart der evangelischen Iungmännerbünde Deutschlands, wurde zum Vorsitzenden der Son- derkonferenz für Iungmännerarbeit gewählt. Die deutsche Abordnung ist auf die verschiedenen Fachgruppen verteilt und steht in lebhafter Aus­einandersetzung mit den Iugendführern der an­deren Länder. Starke Abordnungen sind auS China, Japan, Indien und Hawai zugegen. De- sonderS wirkungsvoll war das Oluf treten deS be­kannten Sozialreformers K a g a w a.

Tagung

des Jugendbunde» für entschiedenes Christentum.

Dom 31.Juli bis 5.August findet in Köln die 37. Tagung des Deutschen Jugendbundes für entschiedenes Christentum statt. Begrüßungsworte

sprach der Bundesdirektor Pfarrer Schürmann, worauf Vertreter der englischen Bruderorganisation die Grüße aus den in den Distrikten von Lanca- shire und Manchester bestehenden Bünden übermit­telten. Der Generalsekretär des Bundes, Stolp- mann, sprach sodann über die in England im Jahre 1881 erfolgte Gründung des Jugendbundes. Direktor Schreiber stellte die Ziele des Bundes heraus. Durch ein Bekenntnis zu einem entschiedenen Christentum, das zu keinerlei Kompromißlösungen bereit sei, wolle man die Bundesmitglieder über den Akt der inneren Bekehrung hinaus zur Gemeinschaft der Arbeit des Glaubens und des Lebens zusammen- führen. Am Sonntag fanden in mehreren Kölner Kirchen FAgottesdienste statt, an die sich eine öffentliche Kundgebung auf dem Neumarkt anschloß. In geschlossenem Zuge marschierten bann die Teil­nehmer, unter denen sich mehr als 2000 ^ungmäb« chen unb Jungmänner befanben, wieder zum Messe­gelände.

Reichslagung der marianischen Kongregationen.

Anläßlich der Reichstagung der marianischen Kon- gregationen höherer Schüler Deutschlands veranstal­tete das katholische Mainz am Sonntag in der Stadthalle eine Kundgebung zur 1500-Jahr-Feier des Konzils von Ephesus. Es sprachen der Erbprinz zu Löwen st ein-Wertheim-Rosenberg und der Mainzer Bischof Dr. Ludwig Maria Hugo über die marianischen Kongregationen und ihre religiösen Grundlagen.

Gewerkfchaftslag der Deutschen postgewerkfchaft.

Die Deutsche Postgewerkschaft hielt am 2. unb 3. August in Düsseldorf ihren Gewerkschaftstag ab. Ministerialrat Kröner, der die Grüße unb Wünsche bes Reichspostministers überbrachte, be­tonte, daß auch bei der Reichspost der Rückgang des Verkehrs nicht ohne Einfluß auf das Personal geblieben (ei. Die Deutsche Reichspost werde aber bestrebt fein, allen Arbeitern den Arbeitsplatz zu erhalten. Die Notwendigkeit, für bestimmte Be­triebszweige die Arbeitszeit herabzusetzen, lasse sich aber kaum umaehen. Aus dem Tätigkeitsbericht ist zu erwähnen, daß trotz der allgemeinen schlechten Wirtschaftslage eine ständige Aufwärtsentwicklung der Organisation zu verzeichnen ist. In der Nach- mittagsoerhandlung sprach der Präsident der Ver- forgungsanftalt der Deutschen Reichspost, Dr. Schn ei der-Dresden, überDie Versorgungs- anstatt". Die Finanzlage der Versicherungsanstalt, so erklärte er, sei im Gegensatz zu den sonstigen sozialen Versicherungen als gut unb gesichert zu betrachten.

Der Marinebunbeslag In Kassel.

Am Marinebundestag in Kassel, der gleichzeitig zu einem Treffen der Deefoldaten der Flanoern- kämpfer und der Angehörigen der ehemaligen Mittelmeerdivision crusgestaltet wurde, nähmen trotz der Not der Zeit etwa 3000 ehe­malige Marineangehörige aus ganz Deutschland, aus den abgetretenen Gebieten, aus Danzig, Oberschlesien und dem Saarland teil.

Als Ehrenkompagni« war die 6. Marineinfanterie­abteilung mit der Musikkapelse erschienen. Am Samstag fand in der Stadthalle ein Begrüßungs- aberrd statt. Am Tisch der Ehrengähe sah man u. a. Vizeadmiral a. D. s ing, den ersten Vor­sitzenden des Dundes deutscher Marinevereine, Vizeadmiral a. D. Souchon, ehemaligen Chef der Mittelmeerdivision und General der Ka­vallerie von Kayser. Oberbürgermeister Dr. Stadler hieß di« Gäste willkommen, worauf weiter« Degrühungsansprachen folgten. Der Dun- desvorsitzende, Vizeadmiral Rösing, hielt die Fest­rede. Sonntagvormittag fand ein Gottesdienst und für die Gefallenen «ine Gedenkfeier statt. Am Nachmittag folgte ein Umzug der Tagungs- teilnehmer durch die Stadt.

Aus aller Well.

Weidmannsheil des Reichspräsidenten.

Reichspräsident von Hindenburg, der zu einem kurzen Iagdaufenthalt in seinem Jagdhaus« in der Schorffheide weilte, er­legte am SamStag einen Zwanzigende r. Das ist der stärkste Hirsch, der dem Reichspräsi­denten bisher vor die Büchse kam. Die Leistung ist um so höher zu bewerten, als von Hindenburg auf 90 Meter Entfernung bei starkem Zwielicht einen guten Blattschuh anbringen konnte.

Schwere Unfälle bei der Segelwoche in Cowes.

Als dte königlich L SegeljachtD-oitannia" mit dem König von England an Bord zur Eröffnung der großen Segelwoch« von Cowes zur_ Start­linie fuhr, spülte eine überkommende Böe den zweiten Offizier über Bord, der trotz sofort eingeleiteter Rettungsmcmöver ertrank. Der König ließ die Regatta sofort ab bre­che n und kehrte zu seiner DampsfachtViktoria and Albert" zurück. Fast zu gleicher Zeit wur­den duvch eine Explosion an Bord eines Motor- vrnnbovtes die Lady H ul ton, der Admiral Metchell und ein Mechancker schwer ver­letzt. Das Boot stand sofort in Flammen und nur mit Mühe gelang es, die Insassen zu retten.

Drei Bauern vom Blitz gelötet

Nordwestlich von Häselgehr im Lechtal schlug der Blitz in eine Hütte ein. Hierbei wurden drei Bauern getötet, zwei Personen verletzt bzw. betäubt. Eine Rettungsexpedition brachte sie zu Tal.

hochwasserkalaslrophe in hankau.

Nachdem der Vangtse bereits seit einigen Tagen infolge der starken Regenfälle über die Ufer getreten war und auch das Wasser der Seen in der Nähe der Stadt Hankau stieg, barst plöhl ich der Schuhdamm gegen die Seen, und eine ungeheuere Wassermenge ergoß sich in die Stadt, die in ganz kurzer Zeit bis zu fast eineinviertel Meter Höhe über­schwemmt wurde. Hunderte von Einwohnern der dicht bevölkerten Armenviertel, die von der Flut überrascht wurden, ertranken. Die Trup­

pen arbeiten an der Errichtung von provisorischen Staudämmen, um die Ueberschwemmung einzu­schränken. Sehr ernst ist die Frage der Lebens­mittelversorgung der Stadt, die vollkom­men von der Umwelt abgesperrt ist und nur über geringe Lebensmittelvorräte verfügt.

Schweres Unglück in einer Schleuse.

In Toronto (Kanada) ereignete sich in einer Schleuse des Lachine-Kanals ein schweres Un- glück. Der DampferRapids Prince" fuhr m i t voller Wucht gegen eine geschlossene Schleusentür und zertrümmerte sie. Durch die herausströmenden Fluten wurden 40 Arbei­ter, die am Ufer beschäftigt waren, fvrtge- schwemmt. Rur 25 konnten sich durch Schwim­men retten, während dir übrigen 15 ertrunken sind. Der Schiffsverkehr im Kanal ist für drei Tage unterbrochen. Der Schaden wird auf 1,2 Millionen Mk. geschäht.

Aus der Provinzialhauptstadt.

Gießen, den 4. August 1931.

Laurentiusträrien.

Die vielen Sternschnuppen, die in den Nächten vom 6. bis 12. August zu fallen" pflegen, nennt der VolksmundLaurenttusttänen" und bringt sie mit den glühenden Tränen des Hl. Laurentius, der am 10. August den Märtyrertod auf dem Rost gestorben sein soll, in Verbindung. Die Sternschnuppen verdanken ihre Entstehung kleinen meteorischen Körperchen, etwa von der Größen­ordnung einer Erbse bis zu einem Kieselstein, die ehemals einem Kometen angehörig in ellipttscher Dahn die Sonne umkreisen. Jeweils in der ersten Augusthälfte durchschneidet die Erd­bahn die Meteorwolke, so dah die kleinen Kör­perchen, angezogen von der großen Erbmasse« auf diese zustürzen. Beim Durchsausen der Luft werden die Körperchen glühend und verdampfen meist völlig, da ihre Geschwindigkeit im Mittel etwa 60 Kilometer pro Sekund« beträgt. Dia Astronomen nennen diesen Sternschnuppe^ schwärm meistPerseiden", da die scheinbaren Bahnen vom Sternbild Perseus auszustrahlen scheinen. Wenn die scheinbare Bahn ein und desselben Meteors von zwei oder mehreren Erd­orten aus genau beobachtet wird, so ist es mög­lich, seine Dahn über der Erdoberfläche zu be­rechnen.

Bei Sternschnuppenbeobachtungen wurde am 10. August 1921, 1.11 Uhr, von Oberbühlertal (bei Bühl) am Südosthimmel eine Sternschnuppe beobachtet, die zufättig sich auch auf einer von Geheimrat Wolf, Heidelberg, aufgenommenen Himmelsphotographie abbildete. Aus den schein­baren Bahnen ist ermittelt, daß die Stern­schnuppe in 117 Kilometer Höhe über dem Erd-, boden zuerst aufleuchtete, und zwar über einer Stelle 6 Kilometer nordöstlich von Schramberg. Sie sauste dann mit 57 Grad Neigungswinkel 44,5 Kilometer weit dahin und erlosch in 79,5 Kilometer Höhe über Nordstetten (bei Horb). Die Sternschnuppe leuchtete damals sehr hell in grünlich-blauem Licht und hinterließ eine etwa drei Sekunden lang nachleuchtende Schweifspur, d. h. glühende Reste des Meteorkörpers, die bet dem raschen Flug durch die Luft absplitterten, glimmen noch einige Sekunden nach, bis sie er­löschen.

Daten für Dienstag, 4. August.

Sonnenaufgang 4.53 Uhr, Sonnenuntergang 20.09 Uhr. Mondaufgang 22.09 Uhr, Monbuntergang 11.04 Uhr.

1859: der Schriftsteller Knut Hamsun in Gud- branbsbal geboren; 1875: ber Märchendichter Hans Christian Anbersen in Kopenhagen gestorben; 1914: England erklärt Deutschlanb ben Krieg.

Gießener Wochenmarktpreise.

Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Butter 140 bis 150 Pfennig das Pfund, Matte 30 bis 35, Wirsing 10 bis 12, Weißkraut 10 bis 12, Rotkraut 12 bis 15, Gelbe Rüben 15 bis 20, Rote Rüben 15 bis 20, Spinat 20 bis 25, Römischkohl 8 bis 10, Bohnen 10 bis 15, Erbsen 10 bis 15, Tomaten 20 bis 30, Zwiebeln 10 bis 15, Kürbis 5 bis 6, Pilze 20 bis 25, Kartoffeln 4 bis 4Vr. Frühäpfel 15 bis 20, Falläpfel 4 bis 5, Aepfel, ausländische 50 bis 60, Birnen 15 bis 30, Dörrobst 30 bis 35, Heidelbeeren 20 bis 25, Stachelbeeren 20 bis 25, Johannisbeeren 20 bis 25, Pflaumen 30 bis 35. Zwetschen 30 bis 35, Mirabellen 35 bis 40, Reine­clauden 35 bis 40, Honig 40 bis 50, junge Hähne 90 bis 110, Suppenhühner 90 bis 100, Pfirsiche 40 bis 60, Himbeeren 35 bis 40, dicke Bohnen 10 bis 15; Käse (zehn Stück) 60 bis 140, Tauben 50 bis 70 Pfennig das Stück, Sier 9. Blumenkohl 30 bis 70, Salat 5 bis 10, Salatgurken 15 bis 25, Cinmachgurken 2 bis 5, Endivien 10 bis 20, Ober- Kohlrabi 8 bis 10, Lauch 5 bis 10, Rettich 10 bis 15, Sellerie 10 bis 15; Radieschen 10 bis 15 Pf. das Bündel; Kartoffeln 3,50 Mark der Zentner.

Bornotizen.

Tageskalender für Dienstag! Stadttheater Gießen, Gastspiel des Kuban- Kosaken-Chors, Anfang 20, Ende 22 lltjr. Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: »Kinder vor Ge­richt".

Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Heute abend, 20 il&r, ein­maliges Gastspiel der Kuban-Kosaken (28 Mann!) mit einem reichhaltigen Programm. Gewöhnliche Preise. Beginn 20 Uhr, Ende gegen 22 llfjr.

Flugtag am 9. August. Jrn hiesigen Flughafen gelangt am Sonntag ein Flugtag zur Durchführung. Neuartige Rückenflüge, sowie die verschiedenen Arten des Kunstfliegens, ein Geschick- lichkeitswettbewerb, Zielabwurf, und anderes mehr sind im Programm vorgesehen. Ein besonderes sport- liches Ereignis wird die kombinierte Stafette bar- stellen, an oer sich Läufer, Reiter, Radfahrer, Kraft­fahrer, Autos und Flugzeuge beteiligen werden. Die Sensation des Flugtages wird ber Fallschirm­absprung-Wettbewerb fein, an dem auch der be­kannte Fallschirmpilot Resch- Würzburg teilnehmen wirb. Näheres in ber heutigen Anzeige.

* Familientag der Lukasgemeinde. Der Gemeindetag, den die Lukasgemeinde am Sonntag im Saale derLiebigshöhe" veranstal­tete, nahm bei sehr starker Beteiligung einen guten Verlauf. Den musikalischen Teil hatte der Verein für christliche Musik' übernommen. Un­ter Dorantritt dieser Kapelle zogen die Kinder, die die Kinderkirche besuchen, nach dem Ver­sammlungsorte, viele Erwachsene hatten sich dem Zuge angeschlossen. Die Versammlung wurde von Kirchenvorsteher Juwelier Noll geleitet, der in seiner Begrüßungsansprache auf die seither ver­anstalteten Familientage der Lukasgemeinde hin-