nr. 154 Giftes Blaff
M. Zahrgang
Samstag, 4. Juli 1931
Eriche »Ri täglich, avtzn Sonntags anb Feiertag».
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Die Scholle
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Gießener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberhefsen
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Lhefredadteur.
Dr. Friebr. Wich. Gange. BerantwoNlich für Volitib Dr. Fr. Wich. Gange; für Feuilleton Dr.H.Thyriot; für ben übrigen Teil Ernst Blumschein und für ben Anzeigenteil Max Filler, sämtlich in Gießen.
Die letzte Phase.
Der 1. Juli liegt hinter unS. ohne bah der Präsident der Vereinigten Staaten seine *2Tb- sucht, von diesem Tage ab auf die Dauer von einem Jahre alle Schuldenzahlungen der Regierungen gegenseitig ruhen zu laffen. hatte verwirklichen können. Diesen einen Erfolg kann die französische Obstruktionspolitik vorläufig für sich buchen^ und vielleicht auch schon den wetteren, das, öic hartnäckige Intransigenz, mit der Frankreich al» einzige Großmacht sich gegen ein Schuldenfeierjahr stemmt, dem Plan Hoovers viel von dem frischen Elan genommen hat. mit dem er von drüben her in Szene gesetzt wurde. Durch eine rasche Tat, die schon durch ihr Psycholog.fche» Moment auflockernd und ermutigend wirken sollte, wollte Präsident Hoover der WirtschaftSkrisiS an einem ihrer bedrohlichsten Gefahrenherde, in Deutschland, zu Leibe gehen. Aber die Franzosen haben diese Absicht durch die sterile Halsstarrigkeit, mit der si« ine Verhandlungen mit HoovcrS Beauftragten inS kleinlich-spitzfindig Formale zerrten und um jeden Punkt deS HoovervorfchlagS ein großes Feilschen begannen, gründlich zu sabotieren verstanden. So schleppen sich nun die Verhandlungen in Paris mühsam von Woche au Woche, von Tag zu Tag hin, während inzwischen die Lage in Deutschland immer prekärer wird und ein wesentliches Moment deS wirtschaftlichen Antriebs, die schnelle und spontan einsetzende Hilfe für Deutschland durch eine sofort wirksame Entlastung von den Tributzahlungen, durch die Verschleppungstaktik der Franzosen zunichte gemacht wird. Die Situation in Paris zeigt in zeder Stunde ein andere» Bild. Wohl besteht die Möglichkeit, daß in dem Augenblick, wo diese Zeilen vor die Augen unserer Leser kommen, endlich eine Einigung zwischen Frankreich und den Amerikanern zustande gekommen ist. aber ebenso leicht denkbar ist eS, daß die Franzosen eS im gleichen Augenblick aus einen Abbruch der Verhandlungen ankommen ließen, etwa weil ihnen der englische Vorschlag einer neuen ReparationSkonserenz einen Fingerzeig zu bieten schien, um auf anständige Weife noch auS der Sackgasse zu kommen, in die sich da» Kabinett Laval gewiß nicht allzusehr gegen feinen Willen von Kammer und Senat hatte drängen lassen. Wenn es so auch bei diesem Stand der Dinge wenig Zweck hat, über den möglichen oder wahrscheinlichen Ausgang der Pariser Verhandlungen zu orakeln, auf deren Verlauf Deutschland ohnehin keinen unmittelbaren Einfluß hat, so erscheint es uns doch wesentlich, noch einmal die letzten Phasen dieser Entwicklung unS zusammensassend zu vergegenwärtigen, um daraus gewisse Gefahren für Deutschland beizeiten zu erkennen, deren Abwehr Aufgabe einer aktiven deutschen Außenpolitik sein muh.
3m Gang der Verhandlungen zwischen dem amerikanischen Staatssekretär Mellon und den französischen Ministern unter persönlicher Führung deS Ministerpräsidenten Laval, hinter dessen Rücken D r i a n d offenbar mit voller Absicht verschwindet, bedeutete die amerikanische Denkschrift vom l. Juli einen wichtigen Einschnitt. 3n ihr machte das Weiße Haus gleichsam eine Zwischenbilanz auf, die den Status der Verhandlungen klar aufzeigen und die Meinungsverschiedenheiten Herausstellen sollte, die Zwischen beiden Verhandlungspartnern noch beleben. Danach hat Frankreich sich wie alle übrigen Reparationsländer bereit erklärt, während eines Jahres von Deutschland keine effektive Zahlung zu behalten. 3n dem Wort „behalten" steckt aber schon der Pferdefuß. Die Zahlungsverpflichtung für die ungeschützte Annuität des Vvungplans soll — was Amerika bereits anerkannt hat — grundsätzlich bestehen bleiben, Deutschland soll jedoch, um praktisch fein Kapital für Reparationszahlungen aufbringen yu müssen, diese Summe als Anleihe zuruckerhalten. Während nun die Franzosen diese Anleihe deutschen Jndustriesir- men gewährt wissen will, um durch diese Kommerzialisierung ihre Rückzahlung zu erleichtern, siebt Amerika in diesem Verfahren keine direkte Erleichterung für die deutsche Regierung, der nach Ansicht Washingtons auch die Rückleihung der ungeschützten Annuität zugute kommen müßte, wenn der Hooverplan seinen Sinn behalten soll. Eine weitere Meinungsverschiedenheit betrifft den im Vvungplan vorgesehenen Garantiefonds, in den Frankreich im Falle eines von Deutschland beantragten Transfermoratoriums 106 Millionen Dollars einzuzahlen verpflichtet wäre. Frankreich wünscht nun dieser Verpflichtung enthoben zu sein und fordert. daß die Zurückleitung der ungeschützten Annuität bereits als seine Einzahlung in den Garantiefonds gelten sott. Damit wurde aus einer sormalrechtlichen Konstruktion zur Aufrechterhaltung des Poungplans eine von Deutschland tatsächlich vorzunehmende Zahlung und eine Abänderung des TZoung- plans zugunsten Frankreichs. Amerika hat diesen Vorschlag abgelehnt und den Franzosen borge- rechnet, daß sie im Falle eines Scheiterns des Hooverplans und^ eines bann mit Sicherheit zu erwartenden deutschen Moratoriumsantrages rund hundert Millionen Dollars verlieren würden, die ihnen bei Annahme des Hoovervorschlags erhalten blieben. Das ist immerhin kein Pappenstiel und es ist nicht ausgeschlossen, daß diese klingenden Argumente des Weißen Hauses bei den Franzosen, in deren Seele der bei einem Rentner- Volk stark ausgeprägte Sinn für Geld und Gelderwerb mit der Lust an rechthaberischen Advokatenkniffen in steter Fehde liegt, einiges Rach- denken verursacht haben wird.
3n diesen nach dem amllichen Pariser Eommu- niquä .relativ befriedigenden" Verlauf der Pa-
Grundsätzliche Einigung in Paris.
Mellon kommt den französischen Wünschen anscheinend weit entgegen. — Die Zahlungsverpflichtung für die ungeschützte Annuität bleibt grundsätzlich aufrechterhalten. — Frankreich fordert Rückleihung an die Reichsbahngesellschast statt an die deutsche Regierung und will im Falle eines neuen Moratoriums keine Einlageverpstichtung für den Garantiefonds übernehmen.
Oie Rachtsitzung.
Das amtliche Communique meldet die bevorstehende vollständige Einigung.
Paris, 4. Dull. (IBIB.) Die Besprechungen zwischen den französischen und den amerikanischen Ministern, die um 21.30 Uhr begonnen hatten, dauerten bis 40 Minuten nach Mitternacht Ls wurde dann solgendes (Kommunique hcrausge- geben: Schahkanzler Mellon und Botschafter Ldge haben mit Außenminister Br land, Ji- imnzminislcr J l a n b i n und llnterstaatssekretär Poncet heule abcnd verhandelt. Ministerpräsident Laval konnte nur anfangs der Sitzung beiwohnen, da er sich in die Kammer und in den Senat begeben mußte. Die Delegierten der französischen und der amerikanischen Regierung haben die Prüfung des hooverschen Vorschlages uvd der französischen Anlwortnole sorlgcseht. Schahkanzler Mellon bestäligle, daß die amerikanische Regierung sich mil der Aufrechlerhallung der Verpflichtung hinsichtlich der ungeschützten Annuitäten des poungplans durch Deutschland einverstanden erklärt hat. Andere Meinungsverschiedenheiten wurden ausgeglichen. Die noch bestehenden Meinungsverschiedenheiten, die geringfügigere Bedeutung haben, werden dem französischen Ministerral unterbreitet werden, der sie am Samstag um 16 Uhr behandeln wird. Ls scheint, daß die (Einigung über ben technischen unb finanziellen Teil bet Verhandlungen, vorbehaltlich der Zustimmung der anderen interessierten Mächte, sehr bald erzielt werden wird.
Oie ungeschützte Annuität.
Wird Amerika Hcn wcitcrgehcnden französischen Forderungen nachgebcn? Line das amtliche Lommunlquö ergänzende Mitteilung der offiziösen Agentur havas lautet:
Die Verhandlungen, die seit über einer Woche in Paris zwischen dem amerikanischen Schahsekretär Mellon und den französischen Ministern geführt wurden, haben in der Rächt ; u einer (Einigung geführt, die der französische Ministerrat am Samstagabend noch zu ratifizieren haben wird. Die zu treffende Regelung betätigt den wesentlichen Grundsatz des französischen Gegenvorschlages, nämlich bk U n a n I a fl - darkeit der Bezahlung der ungeschützten Annuität burch Deutschland, d. h. die Bezahlung der Reparationen. Runmehr muh man die Zustimmung der anderen an den Reparationen interessierten europäischen Mächte zu den Durchführungsmodalitäten des Hoover-Moratoriums erlangen und ferner d i e Wiederinkraftsetzung des poungplanes nach der einjährigen Zahlungspause, die nach dem amerikanischen Vorschlag bis zum 1. Juli 1931 gilt. (Es scheint, daß das ganze System der zwischen Amerika und Frankreich erzielten (Einigung die allgemeine Verständigung erleichtern werde, da die anderen Mächte weniger stark durch die (Einstellung der Zahlungen Deutschlands in Mitleidenschaft gezogen würden.
riser Verhandlungen hat der englische Vorschlag einer neuen Reparalivnskvn- serenz wie eine Dombe eingeschlagen. Man sieht vorläufig noch nicht recht klar, welcher 3m- tiative dieser Plan seine Entstehung verdankt. Wenn man sich vergegenwärtigt, daß der Aktion Hoovers der Besuch des deutschen Reichskanzlers in Chequers und die Unterrichtung des wenig später in London weilenden ameritanlschenStaats- sekretärs Mellon durch Macdonald vorangingen, daß alfv ein Hand-in-Hand-Arbeiten zwischen London und Washington vorlag, bann ist es kaum anzunehmen, baß der neue englische Konferenzvorschlag ohne Fühlungnahme mit Amerika erfolgt sein sollte. Anderseits ist es aber wieder schwer denkbar, daß die Amerikaner es als willkommene Entlastung für ihre Pariser Verhandlungen begrüßen können, wenn den Franzosen nun von London her ein Ausweg aus allen Kalamitäten gezeigt wird, den das Kabinett Laval um so lieber einschlagen wird, je mehr es sich in der Zwickmühle zwischen den ihm vom Parlament dller- dings auf Bestellung gegebenen Direktiven und den Forderungen der 2Imeritaner bedrängt fühlt, die in absehbarer Zeit bei ihrem „letzten Wort" angelangt sein müßen. Größeres heil konnte also den Herren Laval, Flandin und Briand kaum widerfahren. Denn wenn auch der Vorschlag einer Konferenz der Signatarmächte des Poungplans nur für den Fall gemacht wurde, daß die französisch-amerikanischen Verhandlungen ohne Ergebnis abgebrochen werden müßten, so wird' auch das die Franzosen
Runmehr müssen noch zwei Punkte geklärt werden, erstens die 500 Millionen Goldmark, die die ungeschützte Annuität barstellen, die Deutschland an Frankreich entrichtet und die Frankreich durch Vermittlung der V3Z. Deutschland wieder zur Verfügung stellen wird, die aber nicht dem Reich als solchem geliehen werden, sondern der Deutschen Reichsbahngesell- s ch a U, die deutsche Anleihe also einen kommerziellen Lharakler haben werde: zweilens wenn Deulschland nach Ablauf der 12monatigen Moralo- riumszahlungspause ein neues Moratorium beantragen wird, wozu der poungplan ihm das Recht gebe, würde Frankreich nicht aufge- fordert werben, weitere 500 Millionen G 0 lbmark bei der Internationalen Zahlungsbank auf Grund des Artkiles 199 des poungplanes cinfchiehcn zu müssen: Frankreich steht die Möglichkeit zu, von dieser Klausel befreit zu werden.
Befriedigung in Paris.
Die Meinung der französischen Blätter.
Paris, 4. 3ulL (WTV. Funkspruch.) Soweit die Blätter sich mit dem erst in den ersten Morgenstunden veröffentlichten Eommuniquö und den
daraus sich ergebenden Möglichketten beschäftigen, geben sie ihrer Genugtuung Ausdruck, indem sie sämtlich nachzuweisen suchen, daß man Frankreichs Forderungen in einem gewis - s e n Grade gerecht geworden sei. DaS „Petit 3 o u r n a P* schreibt: Die glückliche Rach- richt von der Regelung, die nur dank der freundschaftlichen Zusammenarbeit und dem aufrichtigen Verständigungswillen der beiden Delegationen möglich war, wird nicht versehlen, sowohl in den USA. wie in Frankreich und in der gesamten Welt günstig aufgenommen zu werden. — „L'Oe uv re" bemerkt: Man wird lange über finanzielle Einzelheiten und älngelegentzeiten der Regelung disputieren können. Man muh aber überlegen, welches die Folgen eine» Bruches gewesen waren. — „3 0 u r n a l" endlich sagt: Unbe ft rettbar kann da- Abkommen als gesichert angesehen werden. Zwei Tatsachen Haden zweifellos zur Beschleunigung der Lösung bei getragen: Einmal die Verschärfung der Krise in B e r l i n , die die Anwendung der amerikanischen 3nttiative immer kritischer machte, und zwetten» die Möglichkeit einer englischen Intervention, die unter dem Vorwand, die Debatte zu erleichtern, uns ganz einfach einer sofortigen Revision deS Poung- plan» entgegengeführt hätte.
Starke Zurückhaltung in Washington.
Castle erklärt, von einer Einigung könne noch nicht gesprochen werden.
Washington, 4. 3ull (DIB. Funkspruch.) Präsident Hoover unb der Anlerslaalssekretär Castle erhielten erst am späten Abend von Schaß- sckretär Mellon eine telephonische Mitteilung über den Inhalt des von der französischen Regierung ausgegebenen (Eommunlqucs. Unterstaatssekretär Lastte erklärte Pressevertretern beim verlassen des Weißen Hauses, daß dieses Lommuniqus noch nicht die prinzipielle Zustimmung Frankreichs zum Vorschlag des Präsidenten Hoover darstelle. Solange Frankreich nicht alle Punkte angenommen habe, auf denen die amerikanische Regierung bestehe, könne von einer (Einigung noch nicht gesprochen werden. Präsident Hoover hat sein Wochenende nach Rapi- dan verschoben, um das (Ergebnis der morgigen Sitzung des französischen Ministerrrats abzuwarten.
Oie Meinung in England.
Der Weg über ein Kompromiß
London, 4. Juli. (WTD. Funkspruch.) Die heute morgen veröffentlichten Pariser Rachrichten über die französisch-amerikanischen Verhandlungen sind im allgemeinen auf eine optimistischere Rote abgestimmt. „Daily Telegraph" rechnet damit, daß bis Sonntag eine Lösung gesunden werden wird. Die meisten französischen Forderungen seien, wie das Blatt totff en will, gebilligt worden. Andererseits sind von französischer Sette die von Amerika gestellten Bedingungen, daß die Rückzahlung sfri st für die ungeschützten Zahlungen 2 5 Jahre betragen solle, angenommen worden. — , Daily Telegraph" und „Daily Herold" legen eine Erklärung Snowdens im Unterhaus, wonach die englische Regierung nicht bereit sei, weitere Opfer zu bringen, wenn die anderen Par
teien nicht zur Mitarbeit bereit seien, dahingehend aus, daß sich diese Bemerkung auf Frankreichs Forderung beziehe, England solle auf seinen Anspruch auf dte von Frankreich im Falle eines deutschen Moratoriums bei der B3Z. cin- zuzahlende Garantiesumme verzichten.Diese auf eine Aenderung der Bestimmungen des Voungplan» hinauslaufenden Forderungen Frankreichs bilden nach Anlicht des „Daily Herald" daS einzige verbleibe nde Hindernis.
Frankreichs Rolle.
Scharfe Kritik Professor CassclS,
S io ckho Im, 3. 3uli. (TU.) Der weltbekannte schwedische Rationalökonvm Professor Eassel kritisiert im „Svenska Dagbladet" das Verhalten Frankreichs zum Hoover-Vorschlag außerordentlich scharf. Frankreich, so sagt Eassel, sei gern dabei, wenn andere Länder sich für ein gemeinsames WelttoirtschaftSinteresse aufopfern, wenn es sich nur nicht selbst daran zu beteiligen brauche. Frankreichs Forderungen seien immer „heilig". Weshalb dürfen auch die Forderungen der Vereinigten Staaten nicht ebenso heilig sein? Eassel erinnert dann an die umfangreicher Zugeständnisse, die Amerika in der Schuldenfrage Frankreich gemacht habe, da letztere» angeblich damals nicht habe zahlen können. 3n» zwischen habe jedoch Frankreich riesige Gold- mengen angehäuft, mit denen es gar nichts anzufangen wisse Die französische (Stellungnahme fei nicht folgerichtig, da Frankreich einersrits die Vorteile des Hoover-Planes genieße, anderseits aber Deutschland nichts zuge stehen wolle. Sollte Deutschland gezwungen werden, die von ihm gezahlten und über die B3Z. zurück- geliehenen Summen nach Ende des GnadenjahreS zu zahlen, so wäre der Hooverplan völlig wertlos.
schwerlich willfähriger stimmen und kaum noch im letzten Augenblick zu besonderem Entgegenkommen reizen. Die sranzösischen Staatsmänner haben es fteis meisterhaft verstanden, auf internationalen Konferenzen die erste Violine zu spielen und das Konzert der Mächte auf den Ton abzustimmen, der ihnen besagte und für Frankreich z^r vorteilhafteste war. Sie hätten also kaum Veranlassung, von sich aus etwas zu tun, was eine solche Konferenz überflüssig machen könnte, zumal damit sich auch gleichzeitig automatisch ihr alter Wunsch erfüllen müßte, Deutschland an den Verhandlungstisch zu bringen.
Die Franzosen wissen aus Erfahrung, daß mit einem ausgepowerten, um seine nackte staatliche und wirtschaftliche Existenz ringenden Deutschland sich anders sprechen läßt, als mit Amerika, das trotz der enormen finanziellen und militärischen Rüstung Frankreichs immer noch der Stärkere ist, dem brutale Erpressermethoden, wie sie Deutschland im Haag über sich ergehen lassen mußte, noch immer nicht imponieren. Diese Gefahren hatte auch die deutsche Politik erkannt und sich deshalb ängstlich gehütet, in die französisch-amerikanischen Verhandlungen einbezogen zu werden. Reichskanzler Dr. Brüning hat gut daran getan, trotz der auch von unbelehrbaren deutschen Kreisen aufgenommenen Sirenenklänge aus Paris deutlich abzuwinken, als man ihn veranlassen wollte, seinen angekündigten Besuch in Paris so zu beschleunigen, daß er dort noch mit den Amerikanern zusammengetroffen wäre. Nichts hätte den Franzosen willlommener
sein können, als mit Deutschland am Beratungstisch nun endlich wieder einen Prügeljungen zu haben, dem sie alle Schuld für bas Scheitern des Hoover- plans hätten in die Schuhe schieben können, sobald er sich weigerte, sich den Hals abschneiden zu lassen und damit nach Ansicht der Franzosen wiederum hinlänglich seinen „schlechten Willen^bewiesen hätte, für den Weltfrieden Opfer zu bringen. Dieser enormen Gefahr ist der Reichskanzler mit feiner Politik strikter Zurückhaltung klug aus dem Wege gegangen. Nun taucht mit dem englischen Konferenzvorschlag diese Gefahr erneut riesengroß auf, und wenn die britischen Labourminister der Meinung waren, durch ihren Vorschlag die Aktion Hoovers besonders zu fordern, so haben sie Deutschland jedenfalls damit einen rechten Bärendienst getan, der uns teuer zu stehen kommen könnte. Wenn nun auch nach den Ictzten uns vorliegenden Meldungen endlich in Paris ein (Ergebnis zustande gekommen zu sein scheint, von dem man allerdings, wie aus der merkwürdig kühlen Zurückhaltung des Weißen Hauses geschlossen werden könnte, immer noch nicht recht weiß, ob es ein endgültiges fein wird, so scheint damit zwar die akute Gefahr, die für Deutschland aus dem britischen Jtonferenxplan erwächst, vermieden, aber die Lehren aus dieser, wie wir hoffen, letzten Phase der Pariser Verhandlungen mögen dazu dienen, ähnlichen Schlingen und Fallen, die man uns nach bewährten Mustern immer wieder stellen wird, beizeiten aus dem Wege zu gehen.


