Ausgabe 
4.3.1931
 
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veranlaßt würde, seinen Betrieb zu schließen, so sei das in erster Linie für die Allgemeinheit ein großer Schaden. Der Reichsfinanzministcr warnte in sehr eindring­licher und ernster Weise vor der Annahme der An­träge. Sie würden nur geeignet sein, die Beun­ruhigung, die eben langsam etwas im Abebben sei, von neuem wieder auferstehen zu lassen. Die Oeffentlichkeit werde daraus den Eindruck schöpfen, daß nun doch wieder auf dem Wege, Fehlbeträge durch immer verstärkte Besteuerung

des Besitzes und der großen Einkom­men zu decken, fortgeschritten werden solle. Auch kreditpolitisch werde das allerfchädlichste Wirkungen zur Folge haben. Alle Anträge ständen im schärf­sten Widerspruch zu der Politik der Reichsregierung, an der sie entschlossen festzuhalten gewillt sei. Nachdem die Vertreter des Zentrums, der Deut­schen Volkspartei und der Staatspartei erklärt hat­ten, daß keinerlei Steuererhdhungen für ihre Parteien in Frage kämen, wurde die Wei­terberatung auf Donnerstag vertagt.

Nie Finanzlage der Gemeinden m Hessen.

Oer Etat des Innenministeriums vor dem Finanzausschuß.

D a r m st a d t, 3. März. (WHP.) Im Finanzaus­schuß begann die Beratung der Hauptabteilung Ministerium des Innern". Der Landbund fordert wie bei den übrigen Ministerien eine etwa 3 0 p r o - zentige Stellcnverminderung und Zu­weisung von Arbeiten der Zentral- in st a n z a n d i e L o k a l st e l l e n. Weiter werden gewünscht scharfe Maßnahmen der Staatsauf­sicht in der F i n a n z g e b a r u n g der Ge­meinden. Deutsche Volkspartei und Volks­rechtpartei sind mit der vom Landbund geforderten Aufgabenübertragung einverstanden und behalten sich im übrigen ihre Stellungnahme für die zweite Lesung vor. Die Sozialdemokraten wünschen eine Revision der Gebührenordnung für die Amtshand­lungen der Bürgermeister.

Innenminister Leuschner

erklärte, daß die Forderung nach Entlastung der Zentralbehörden durchaus dem Willen der Re­gierung entspreche. Sie habe aus dieser Tendenz heraus auch in der neuen Gemeindeordnung vorgesehen, daß die Genehmigung der Ortssatzungen künftig den Krersarn- tern übertragen werden kann. Was die schärfere Beaufsichtigung des Finanzgebarens der Gemeinden angehc, so liege es im Wesen der Selbstverwaltung, daß die Finanzverant- wortung bei den Gemeinden selbst liegen mutz. Die Llufsichtsbehörde werde sich darauf beschränken, dort einzugreifen, wo offen­bare Mißbräuche zutage treten. Bei insgesamt rund tausend Gemeinden habe nur in zwölf Fäl len der Staatskommissar ein­gesetzt werden müssen, wobei sich die Kommis­sare stets im Rahmen des Gesetzes gehalten und selbstverständlich auch die Ausgab en - wirtschaft der Gemeinden nachge­prüft hätten, soweit dies bei derihnen zur Verfügung stehenden Zeit mög­lich gewesen sei. Viele Gemeinden hätten im übrigen schon selbst ihre Ausgaben wesent­lich beschränkt. Den Abbauantrag des Land­bundes lehnt der Minister ab. Er werde beim Freiwerden weiterer Stellen im Laufe des Jahres in jedem einzelnen Fall gewissenhaft Prü­fen, ob die Stelle entbehrt oder durch einen Beamten mit niedrigerer Besoldung besetzt

werden könnte. Die Finanzlage der Gemeinden verfolge die Regierung mit ernstester Sorge. Am 31. Dezember seien in Heilen rund 2 1 000 Wohl­fahrtserwerbslose vorhanden gewesen, durch die die Gemeinden mit rund 17 Millionen Mark be­lastet würden, ein Betrag, der den gesamten Reichsüberweisungssteuern entspreche, die den Gemeinden zuflietzen. Am 31. Dezember 1930 betrug der Reichsdurchschnitt in den gro­ßen Städten 21 Wohl, ahrtserw.rbslose auf 1300 Einwohner, in Hessen dagegen 3 2. Ein­zelne Städte (Worms 39, Offenbach sogar 64), ragten über den Reichsdurchschnitt wesentlich hinaus. Offenbach steht mit dieser Belastung an der Spitze des ganzen Reiches. Datz die Rotlage der Gemeinden im ganzen nur durch eine grundsätzliche Aenderung in der Be­treuung der Wohlfahrtserwerbslosen behoben werden könne, bedürfe keiner weiteren Ausfüh­rung.

Ein Antrag der kommunistischen Opposition, eine generelle Reduzierung der Bürger- meistervergütungen um 25 Prozent durch­zuführen, brachte eine lebhafte Aussprache über die Besoldung der Bürgermeister und Gemeinde­beamten. Der Minister erklärte, die Regierung wolle es in erster Linie der Selbstverwaltung überlassen, Llnebenheiten zu beseitigen.

3n der Abstimmung wurde Kapitel 27 mit 10 gegen 2 Stinanen angenommen. Der Land­bund-Antrag, der die Aufgab en übertra- gung zum Gegenstand hat, fand einstimmige Annahme, während der Abbauantrag mit 7 gegen 2 Stimmen bei 2 Enthaltungen ab» gelehnt wurde.

Zu dem volksparteilichen Antrag, das Auf­kommen aus der Erhöhung der Son­dergebäude st euer auf 500 000 Mk. zu begrenzen, weil die beschlossene Steuererhö­hung in vielen Fällen zur Existenzgefähr- dungundschweren Härten führe, erklärte die Regierung, datz sie die Finanzämter ermächtigen wolle, in allen Fällen, in denen die Erhebung der Steuer eine Existenzgefährdung bedeuten würde, von einer Erhöhung ab - z u s e h e n, und alle Fälle, in denen die Frie­densmiete über 7 Prozent des Friedenswertes hinausgeht, besonders eingehend zu prüfen.

Starkes Veilrauensvoliim für Irlands Außenpolitik

Die Kammer hinter Briand. - Scharfe Angriffe Franklin-Bouillons gegen deutsche Politiker. - Oer neue Flottenpakt.

Par is, 3. März. (WTB.) Die Kammer be­gann mit der Diskussion des Budgets des Autzen- Ministeriums. Der kommunistische Abgeordnete C ach in sprach von einer wirtschaftlichen, mckv- .tärischen und politischen Einkreisung Sow - jetrutzlands. Paris sei der Schlupfwinkel t der Weihgardisten, die Intrigen gegen die Sow­jets schmiedeten.

Briand

7 erklärte, die französische Regierung wisse nichts von solchen Organisationen. Es gereiche der Gast» fveundschaft Frankreichs zur Ehre, datz man Männer mit allen möglichen Aufsafsungen treffe. Zur Einigung in der Flottenabrü­st ungsfrage erklärte Briand, Italien habe alles getan, um zu einem befriedigenden Ergebnis im Interesse des Friedens zu kommen. Er habe keine Gelegenheit vorübergehen lassen, um mit Italien zu einem völligen Einvernehmen zu ge­langen, das den Gefühlen des französischen und wohl auch denen des italienischen Volkes ent­spreche. Zwischen beiden Völkern sei es zu Rei­bungen gekommen, die vielleicht durch die Hitzig­keit gewisser Polemiken verschlimmert worden seien, die aber niemals im Geiste der Franzosen und der Italiener ernsthaft Hintergedanken hätten aufkommen lassen. Die jetzt abgeschlossenen Ver­handlungen in der Seeabrüstungsfrage schafften eine günstige Atmosphäre für wei- tereDerhandlungen, um eine vollständige Einigung zwischen beiden Ländern herzustellen, zwischen Völkern, die s i ch st e t s g e l i e b t haben und die keinen Augenblick ernstlich voneinander getrennt waren.

Franklin-Bouillon

erklärte sodann, vor 18 Monaten und vor 4 Mo­naten habe er auf der Kammertribüne die Ge­fahr einer deutsch-französischen An­näherung gekennzeichnet, die auf einem Mih - verständnis aufgebaut sei. Heute sei er ge­zwungen, dieselben Tatsachen vorzubringen. Er habe bei allen Deutschen drei verschiedene Wil­lensrichtungen vorgefunden, 1. den Willen, den Voung-Plan zu revidieren, 2. den Willen, aufzurüsten statt abzurüsten, und 3. den Willen, die Grenzen des Versail­ler Vertrages niederzureitzen. Als Beweis dieser Behauptungen verlas der Abgeord­nete die letzten Reden von Kaas, Reichsaußen- Minister Dr. Curtius, Dingeldey und Minister Treviranus. Kaas, so behauptete er weiter, leite die gesamte deutsche Politik, und gerade er fordere die Revision des Voung- Planes, der, wie er behauptet, Deutschland ein­seitige Opfer auferlege, gerade als ob sich FranV- reich nicht selbst Opfer genug auferlegt habe. Reichsautzenminister Dr. Curtius habe im Reichstag erklärt, daß er sich geweigert habe, jede Garantie für die Erfüllung des Voung-Plans zu geben. Dingeldey habe Deutschland aufge­fordert, den Widerstand vorzubrreitcn, und Mini­ster Treviranus habe erklärt, datz die Re- yarattonsverpflichtungen auf der Lüge von der Kriegsschuld Deutschlands aufgebaut seien. Da der Minister auch gesagt habe, es sei unerläßlich, zu beweisen, daß Deutschland unschuldig sei, so erklärte Franklin-Bouillon, müsse man daraus fol­gern, datz Deutschland nicht nur den Young-Plan,

sondern den gesamten Plan von Ver­sailles zerreißen wolle.

Briand

antwortet, daß er stets denselben Gegner habe, nämlich Franklin-Bouillon. Immer wieder hat eine stärkere Mehrheit im französischen Parlament meine Außenpolitik gebilligt. Welche andere Politik schlägt denn die Opposition vor? Welche größeren Erfolge kann man Frank­reich verschaffen? Darauf weiß niemand eine Ant­wort. Diejenigen, die für eine andere Politik ein­treten, haben niemals eine vertrauliche Mitteilung über deren Tendenz gemacht. Er, Briand, habe sich in Genf befunden, als das Ergebnis der deutschen Wahlen bekannt wurde. Er sei sehr wohl gezwungen gewesen, über die Gefahren seiner Politik nachzudenken. Aber gerade in solchen Augenblicken müsse ein Staatsmann seinen Mann stehen. Wenn die Zeitungen die Leidenschaften ent­fesseln, wenn die Außenpolitik angegriffen wird, müsse man in sich selbst die notwendige Energie suchen, um sie fortzusetzen. Das erste, was habe ge­schehen müssen, sei gewesen, die französische Grenze zu konsolidieren; sie sei feier­lich von Deutschland anerkannt worden, das auf die Anwendung von Gewall verzichtet habe. Frankreich habe seinerseits auf den Krieg als poli­tisches Mittel verzichtet. Er, Briand, habe den deut­schen Delegierten gesagt: Geben Sie acht, die Vor­bereitende Aorüstungskonserenz hat lange Zeit gebraucht, um ihre Arbeiten abzuschlie­ßen. Wessen Schuld war das? Hat Deutschland nicht Jahre gebraucht, um gewisse Klauseln des Versailler Vertrags zu erfüllen? Seien der Vor­bereitenden Abrüstungskommission nicht Hindernisse von denen errichtet worden, die sich heute über die Verzögerung ihrer Arbeiten beschweren? Frankreich habe um seiner selbst willen, um seiner Freunde willen und um der Ge amtheit der Völker willen immerhin diese Hinderni se eines nach dem anderen aus dem Wege geraum . An der Politik der Zu­sammenarbeit mit Deutschland halte die französische Regierung fest, aber sie sage Deutschland immer wieder: Gebt acht! Gruppierungen im Hinblick auf irgendwelche Wahlen, gewisse Reden und Haß- oder Drohartikel bedeuten nicht Abrüstung. Man wünsche vielmehr die moralische Abrüstung. Die Deutschen hätten gezeigt, daß sie eine Regierung be­sitzen, die wisse, was sie wolle und die wirklich auf die Annäherung eingestellt sei. Die moralischen Kräfte hätten heutzutage einen so großen Wert, daß es bezeichnend fei, die angstvollen Bemühungen des deutschen Volkes festzustellen, wie es erklärt: Ich bin nicht schuldig. Das Schauspiel dieses Vol­kes, das den moralischen Verantwortlichkeiten zu entgehen suche, sei tragisch.

Eine erregte Debatte.

Franklin-Bouillon behauptet, Briand habe auf seine Frage wegen des Voung-Planes überhaupt nicht, und auf seine anderen Fragen nur ausweichend geantwortet. Briand habe zwar ein West-Locarno gemacht, aber nicht ein Ost-Locarno. Dr. Curtius reise nach Wien, um dort die Annäherung zwischenDeutschlandundOe st erreich weiter vorwärts zu bringen. Briand habe er­klärt, Locarno bedeute den Frieden und Lo­

carno lei Ver'ailles. Deutschland antworte, Lo­carno sei d i e Zerstörung des Versail­ler Vertrages.

Briand antwortet: Locarno bedeute die In­kraftsetzung der Artikel 42, 43 und 44 des Ver­sailler Verttages. Der Voung-P.an bestehe, und die deutschen Staatsmänner dächten nicht daran, sich dieser Verpflichtung zu entziehen. Die Politik, für die Franklin-Bouillon eintrete, sei destruktiv.

Franklin-Bouillon erwidert hierauf, Briand habe eben Vertrauen zu der Unter­schrift Deutschlands. Aber Deutschland habe schon genug Unterschriften vor 1914 gegeben.

Alsdann wurde der Etat des Auswärttgen mit 5 51 gegen 14 Stimmen angenom­men.

Kunst und Wissenschaft.

Studienbesuch deutscher hochfchüler in England.

Professoren und Studenten der Landwirt­schaftlichen Hochschule Berlin statten England einen einwöchigen Besuch ab, um die hier angewandten Methoden des Absatzes landwirtschaftlicher Produkte zu stu­dieren. Die Besucher sprachen im Ministerium für Landwirtschaft und Fischerei vor und wurden von Minister Addison empfangen, der er­klärte, daß er den Besuch als besondere Aner­kennung der von dem Ministerium zur Regulie­rung und Förderung des Absatzes geleisteten Ar­beit und der großen Fortschritte werte, die Eng­land auf dem Gebiet der Organisierung des land­wirtschaftlichen Absatzes zu verzeichnen habe. Die deutschen Akademiker werden im Laufe der näch­sten Tage einige der modernen Markthallen

in London und anderen Städten besichtigen und der Universität Oxford einen Besuch afc- statten.

Die Aussichten der Wegener-Expedition.

In einem Vortrag im Dänischen Klub in Hamburg kam der dänische Grönlandforscher Peter Freuchen auch auf die Wegener-Expe­dition zu sprechen, der er im letzten Sommer einen Besuch cckgestclltet hat. Er erzählte von der vorbildlichenAusrüstung dieser Ex­pedition und meinte, daß man wohl bald wieder neues von ihr hören werde. Den Gerüchten, daß die Expedition ganz ver­nichtet sei, schenke er keinen Glauben. Freuchen gab bekannt, daß in Kopenhagen zwischen ihm und dem Amerika-F.irger von Gronau Ver­handlungen wegen einer Hilfsexpedition für Professor Wegener eingeleitet wurden. Er hoffe, im Frühjahr wieder Erfreuliches von die­ser Expeditton berichten zu können. Im Gegen­satz zu Freuchens Aeuherungen über die We­gener-Expedition waren seine Darlegungen über die Krüger-Expedition wenig hoff­nungsvoll, weil diese mit mangelhaf­ter Ausrüstung ausgefahren sei.

Ersatzwahlen zum Orden Pour le mdrite.

Zum Ersatz der im vorigen Jahr verstorbenen Ordensritter haben Neuwahlen stattgefunden. An Stelle von Adolf von Harnack wurde- gLlvählt der Geheime Regierungsrat Prof. Dr. Wilh. Schulze, Altphilologe in Berlin, an Stelle von Eduard Meyer der Geheime Regierungsrat Professor Dr. Theodor Wiegand, Direktor des Antiken Museums in Berlin, an Stelle von Theodor Nöldete der Geheim - tat Prof. Dr. Enno Littmann, Orientalist in Tübingen.

Aus aller Welt.

Dom Arbeitsausschuß Deutscher Verbände.

Dorn Kuratorium des Arbeitsausschusses Deut­scher Verbände wurde Gouverneur z. D. Dr. Schnee (M. d.R.) wiederum zum Präsidenten gewählt. Dr. phil. h. c. Draeger legte dar, wie der Arbeitsausschuß Deutscher Verbände im In- und Auslande auf überparteilichem Boden sachliche Aufklärung über Grund­lagen und Auswirkungen des Ver­sailler Diktates betrieben habe, wie er durch sachlich zuverlässiges Schriftenmaterial, Fluchblätter. Film und Lichtbild, Vorträge, Schu­lungskurse. Kundgebungen bemüht sei, den Willen auf Bef reiung von Versailles zu sam­meln, zu stärken und in Erscheinung treten zu lassen. Dabei betonte er, daß Ausgangspunkt der Tättgkeit des Arbeitsausschusses Deutscher Verbände nach wie vor der grundsätzlich uner­schütterliche und unverjährbare Anspruch des deutschen Volkes auf eine Revision des Versailler Diktates gemäß dem Vorfriedensvertrag vom 5. Rvvember 1918 ist. In der Aussprache, an der sich Pros. Dr. Görke, die ehemalige Ab­geordnete Frau Clara Mende, Gesandter Rad- schau, Staatsminister Dr. Südekum, Reichskanzler a. D. Dr. Marx und Freiherr v. Lersner betei­ligten, wurde die Tätigkeit des Arbeitsausschusses Deutscher Verbände gebilligt und ihre Fort­setzung gerade in der jetzigen Zeit der größten nationalen und wirtschaftlichen Rot als dringend notwendig bezeichnet.

Jäher Temperaturwechsel im Schwarzwald.

Während Dienstag auf den Höhen des Schwarz­waldes infolge starker Fröste noch bis zu 20 Grad unt er Null gemessen wurde, ist im Laufe der vergangenen Nacht bei starker Bewöl­kungszunahme ein überaus starker Tempera­turanstieg erfolgt, so daß die Temperaturen Mittwocy morgen überall über dem Null­punkt liegen. In allen Teilen des südlichen Schwarzwaldes haben starke Regenfälle wie­der eingesetzt, so daß neuerlich mit einem starken Anschwellen desOberrheins für Donners­tag zu rechnen ist, zumal die Witterungslage auf ein Anhaltender Niederschlage hindeutet. Die vor einigen Tagen unterbrochene Schnee- schmelze hat erneut eingesetzt und in den mitt­leren Lagen zu einem Absinken der Schneedecke von 20 bis 30 Zentimeter innerhalb 12 Stunden geführt.

Bergrutsch bei Thörnich an der Mosel.

In dem bekannten Weinort Thörnich an der Mosel ereignete sich ein Bergrutsch, bei dem sich viele hundert Kubikmeter Boden loslösten und lawinenartig ins Tal stürzten. Sie rissen Wcin- stöcke und Mauern mit sich. Der Schaden ist be­trächtlich.

Lin Doppelmörder zweimal zum Tode verurteilt.

Der Landwirt und Maurer Berthold Koppe aus Zwabitz bei Kahla wurde vom Rudolstädter Schwur­gericht wegen Doppelmordes zweimal zum Tode verurteilt. Koppe hatte im Jahre 1917 seine Haushälterin, mit der er enge Be­ziehungen unterhallen hatte, in die Saale g e = st o ß e n und ertränkt. Im April 1930 hatte er feine zweite Frau vorsätzlich und mit Ueber- leflung getötet und die Leiche im Räucherofen seines Anwesens in Zwabitz verbrannt.

Todesopfer eines rücksichtslosen Motorradfahrers.

Auf der Straße von Amswalde nach Rees (Reumark) fuhr ein Motorradfahrer in rasender Geschwindigkeit an einer etwa 100 Mann starken Reichsbannerabteilung vorbei. Dabei wurde ein zehnjähriger Junge von dem Motor­rad erfaßt und etwa 30 Meter weit mitge­schleift. Dem Kinde wurde der Kopf voll­ständig zerschmettert, so daß der Tod auf der Stelle eintrat. Der rücksichtslose Fahrer setzte seine Fahrt fort, ohne sich um sein Opfer zu kümmern.

Ein großer werkspionageprozeß.

Vor dem Schöffengericht Berlin-Mitte begann ein Werkspionageprozeß, dem eine große Bedeutung zukommt. Die Firma Schilde in Hersfeld bot eines Tages der Berliner Maschinenfabrik R. Stock & C o. neue Modelle für $) ä r t e ö f e n an, in denen Spiralbohrer gehärtet werden. Die In­genieure der Firma Stock stellten fest, daß die ihnen angebotenen Defen mit denjenigen Härteöfen völlig ubereinftimmten, die schon seit längerer Zell eine Spezialkonstruktion der Firma Stock & (5 o. waren. Der Verdacht, die Betriebs­geheimnisse verraten zu haben, fiel auf die technischen Angestellten. Koerber, Paul und Wir­sing, die ursprünglich bei Stock & Co. tätig gewesen waren, dann aber zu einer Düsseldorfer Konkurrenz- firma gegangen waren. Die Firma Schilde in Hers­feld hatte im guten Glauben die Härteöfen nach Angaben, die die drei Angestellten ausspioniert hat­

ten, konstruiert. Bei einer Haussuchung in bew Düsseldorfer Arbeitsräumen der drei Angestellten, sand man Tabellen, Zeichnungen und Photographien, die von ihnen bei Stock C- Co. gemacht worden waren. Der Verband Deutscher Metallindustrieller erstattete Strafanzeige, um für derartige Fälle des Verrats von Konstruktions geheimnisfen ein Gerichtsurteil zu erwirken. Die Anklage gegen die drei Angestellten, Koerber, Pauk und sbirpng, lautet auf Diebstahl, unlaute­ren Wettbewerb und Werkspionage. Die geschädigte Firma Stock & Co. ist als Neben­kläger zugelassen. Das Urteil wird für Donnerstag erwartet.

Raubüberfall in einer Berliner Wohnung.

Ein dreister Raubüberfall wurde in der Ber­liner Fafanenstraße verübt. Auf bisher unauf­geklärte Weise drangen drei maskierte, bewaff­nete Männer in die im Hause Fasanenftrahe 38 liegende Wohnung des Kaufmannes Leon Rei- n ermann ein. Sie fesselten die im Schlaf überraschten Deivohner den Kaufmann, seins Ehefrau und eine zu Besuch weilende Dame schleppten sie in eine Ecke des Zimmers und durchsuchten dann in aller Ruhe die ganze Wohnung nach Wertgegenständen. Cs fielen ihnen Schmuck und Wertsachen in Höhe von etwa 2 0 000Markindie Hände. Kurze Zeit, nachdem die Räuber die Wohnung verlassen hat­ten, gelang cs dem Kaufmann, sich zu befreien, doch muhte er feststellen, daß die Telephon- leitungen zerstört waren.

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Q wolkenlos, o neuer, onafb bedeent. ® woinig. oeueeKt Regen * Schnee a Graupeln, e Nebel K Gewiuer.®windstille.0 sei» «eichtet c$i j5 nassigei Südsüdwest stürmische« «<ordwesl Oie bleue fliegen mit dem Winde Die beiden Nationen stenenden Zat» ien geben die Temperatur an. Die Linien verbinden Orte mit gleichen^ auf neeresmveau umgerechnete» Luftdruck

Wette rvo rauss age.

Mit dem Zustrom kälterer Luft haben sich namentlich im nördlichen Deutschland die Wo.-ge.r- temperaturen weiter unter dem Gefrierpunkt ge­halten. In unserem Bezirk dagegen ist der Frost zurückgegaiigen, die Temperaturen schwankten um 0 Grad. Die neue Attanttkstörung hat ihren Einfluß nach dem Kontinent ausgedehnt, so daß über Irland, England und Frankreich verbreitete Riederschläge auf treten. Gleichzeitig hat die ozea­nische Warmluft kräfttgen Temperaturanstieg be­wirkt Das Riederschlagsgebiet wird sich auch über unseren Bezirk ausdehnen und im Lause des mor­gigen Tages eine Wetterverschlechterung und Milderung bringen.

Aussichten für Donnerstag: Rach kühler Rächt Llebergang zu milderem, wolttgem Wetter mit Riederschlägen.

Aussichten für Freitag: Mildes, wech­selnd wvlttges Wetter mit Reigung zu einzelnen Riederschlägen.

Lufttemperaturen am 3. März: mittags 4 Grad Celsius, abends 0,1 Grad; am 4. März: morgens 0,2 Grad. Maximum 4,3 Grad, Minimum0,5 Grad. Erdtemperaturen in 10 an Tiefe am 3 März: abends 1,6 Grad: am 4. März: morgens 0,4 Grad. Sonnenscheindauer vier Stunden.