Ausgabe 
4.2.1931
 
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kagspräsidium des S a ales verwiesen. Sämtliche bürgerlichen Fraktionen des Landtages weisen die unerhörte Beleidigung des Bürger­tums durch einen nationalsozialistischen Abge­ordneten mit aller Schärfe zurück."

Oer Zusammentritt des Reichstags.

Die erste Sitzung nach der Weitznachlspause

Berlin. 3. Febr. (Vdz.) Aach fast zwei­monatiger Pause wehen zum ersten Male wieder von den vier Ecktürmcn des Aeichstagsgebäudes die Fahnen, die den Zusammentritt des Plenums ankünden. Schon in den frühen Vormittagsstunden herrschte im DeichStag reges Leben. Fast alle Fraktionen hatten Sitzungen anberaumt, um die Vorbereitungen für die Ple­nartagung zu treffen.

Die e r st e R e i ch s t a g s s i h u n g im neuer. Jahre hatte keine großen politische Fragen zu erledigen. Aach dem von allen Abgeordneten stehend angehörten Nachruf des Präsidenten Lobe auf die in der Winterpause verstorbenen Abgeordneten Herold, David und Hoff­mann (Kaiserslautern! wurde ohne große De­batte ein nationalsozialistischer Antrag, der nä­here Auskunft über die Verteilung der für den Republikschuh und die Terfassungsfeier bestimm­ten Etatsmittel verlangte, gegen die Rechte ab­gelehnt. Die Vorlage über die Entschädi­gung der gewerbsmäßigen Stelle n - Vermittler wurde nach kurzer Aussprache dem Sozialpolitischen Ausschuß überwiesen. Schließlich wurde nach kurzer Aussprache und unter Ablehnung von deutschnationalen und na­tionalsozialistischen Aenderungsgnträgen in zwei­ter und dritter Beratung der Gesetzentwurf an­genommen, der die Erstattung von Kriegswohlfahrtsausgaben an die Länder und Gemeinden regelt.

Wie wir erfahren, wird der Reichskanzler die Beratung des Reichshaushaltes am Don­nerstag beim Etat der Reichskanzlei mit einer Rede einleiten. Der Kanzler wird darin die Hoff­nung ausdrücken, daß es gelingt, den Reichsetat auf dem ordentlichen parlamentari­schen Wege zu verabschieden. Er wird weiter mit Genugtuung der Bemühungen des Reichs­tages gedenken, sich durch die Aenderung der Geschäftsordnung arbeitsfähiger zu machen. Darüber hinaus kann man aber an­nehmen. daß Dr. Brüning dem Reichstage auch diesmal keinen Zweifel über die Festigkeit des Standpunktes der Regierung lassen wird. Die Aenderung der Geschäftsordnung des Reichstages ist bereits als Initiativantrag vorgelegt worden. Man rechnet auch mit langen und zugespitzten Geschäftsordnungs-Debatten, da die radikalen Parteien sich zweifellos gegen die Be­schränkung ihrer Agitationsmöglichkeiten wehren werden. Am Dienstag nächster Woche beginnt die große außenpolitische Aussprache. Sie wird durch eine Rede des Reichsaußenministers eingeleitet, der ausführlich über die Genfer Der- . Handlungen Bericht erstatten wird.

Reichskabmett und Landbund

Scharfe Richtigstellung derGermania".

Berlin, 3. Febr. (TU.) DieGermani a", dos Blatt des Reichskanzlers, schreibt zu der vom Bundesvotstand des Reichslandbundes am Montag angenommenen Entschließung u. n.: Man wußte schon vor dieser Tagung des Reichslandbundes, daß bei ihr auf landwirtschaftliche Art etwas geholzt werden würde. Rur zu bekannt sind die Sorgen und Röte des Reichslnndbundes, daß feine Organisation bei der zunehmenden Radikalisierung der deutschen Landwirte unter den Schlitten geraten könnte. Die

Oie Rutengängerin f von Leprignano.

- Äon Or. Gustav W Eberlein, 3tom.

Auf meinen an dieser Stelle am 22. Ja­nuar erschienenen Artikel ..Was geht am Soracte vor?" sind mir eine Menge von Zuschriften zugegangen, die im wesentlichen alle auf die Frage hin aus­laufen: Wahrheit oder Schwinde.? Archäo­logen interessieren sich für die Ausgrabun­gen, Kaufleute für das Petroleum, Wis­senschaftler für die Rutensondierung. Ok­kultisten, Telepathen, Hellseher wollen Nä­heres Wilsen. Ich will versuchen, so knapp und sachlich wie möglich zu antworten.

Da ein bekannter Schweizer Gelehrter sein ganz besonderes Interesse damit begründet, daß er sich mit okkulten Erscheinungen beschäftige, muß vorausgeschickt werden, daß dieRadiogeo­technische Gesellschaft", die sich durch oder um Herrn Cattoi gebildet hat, das Wirken oder Mit­wirken übersinnlicher Kräfte bei der Ruten­gängerei verneint. Die größere oder gerin­gere Empfindlichkeit verschiedener Menschen für unterirdische Lagerungen sei lediglich eine Sache der Nerven. Mit körperlichen Or­ganen oder Funktionseinrichtungen also würden die Ausstrahlungen empfangen und in die Hände geleitet, wo sie durch das Ausschlagen oder Drehen derWünschelrute" sichtbaren Ausdruck finden. Die Rute selber ist nach dieser Erläu­terung also nicht Ursache, sondern Wirkung, so­gar nur mittelbare Wirkung. Sie schlägt aus wie der Zeiger eines Manometers, sie spielt wie die Antennen der Insekten, sie wird bewegt durch materielle Kräfte. Was sind das für Kräfte? Cattoi nimmt elektrische Ausstrahlun­gen an, bewegt sich also der Hauptsache nach auf bekanntem Gebiet. Nach seiner Auffassung ist die Ausstrahlungskraft der Materialien und demnach der Empfindungsgrad des Rutengängers verschie­den stark. Aus dem Unterschied erkennt der Er­fahrene die Art des Materials und die Tiefe des Vorkommens. Woraus ersichtlich, daß auch die Rutengängerei gelernt sein will und ge­lernt werden kann, sofern die allerdings nicht allen Menschen eigene lieberempsindlichkeit ge­geben ist. Wir wissen ja alle, daß manche Leute ein ungewöhnlich stark ausgeprägtes Gefühl für elektrische Spannungen, zum Beispiel bei Gewit­tern, haben, und der Magnetismus gehört na­türlich auch in dieses Fach.

Heber dasPhänomen" von Leprignano habe ich auf Grund eigener Beobachtungen geschrieben. Mit Herrn Cattoi, einem früheren Fliegerleut­nant, habe ich mich eingehend unterhalten, mit der Rutengängerin Doinenica Matalvni selber Versuche angestellt im Beisein unverdächtiger Zeu­gen. Ein abschließendes Urteil steht mir nicht zu. Nicht unerwähnt darf bleiben, baß ich persönlich

Sätzedie Reichsregiernng hat durch ihr Versagen das deutsche Landvolk aufs Schwerste enttäuscht und tiefstes Mißtrauen erweckt", und folgende zwingen aber zu einer gründlichen Entgegnung. Wir müssen rundheraus erklären, daß diese Sätze eine glatte Un­verschämtheit sind. Wie lagen die Dinge wirklich? 3n der vergangenen Woche haben tagelang eingehend st e Beratungen beim Reichs- kanzlermit den offiziellen Vertretern derGrünen Front" stattgefunden. In der Schlußsitzung am 30. Januar konnte der Reichskanz­ler feststeUen, daß im Rahmen eines agrarpolitischen Gesamtplanes eine grundsätzliche Eini­gung über die erforderlichen Hilfsmaßnahmen er­zielt worden sei. Wir glauben zu wissen, daß die agrarischen Vertreter mitgroßerZufrieden- h e i t diese Schlußsitzung verlassen haben. Wenn dem aber so ist, wie tonnte bann gestern in der vom Bundesvorstand, also doch wohl in erster Linie von Herrn Grafen v. Kalckreuth, vorgelegten

Entschließung gesagt werden, daß dieschwerste Enttäuschung und das tiefste Mißtrauen auch durch die Verhandlungen der letzten Tage über neue Agrarmaßnahmen nicht verringert worden seien. Auch was den sachlichen Inhalt des Agrar- programms angeht, scheint uns der Entschließung des Reichslandbundes ein kleiner Irrtum unter­laufen zu fein. Soweit wir feststellen konnten, gin­gen die Vorschläge derGrünen Front" im wesent­lichen nur auf Erhöhung von Zollsätzen, während gerade umgekehrt durch die Einschaltung der Regierungsarbeit'und namentlich durch das per­sönliche Eingreifen des Herrn Reichskanzlers in mehrtägigen Sitzungen diese Vorschläge in den Rahmen eines agrarpolitischen Ge­samtplanes gebracht worden sind. Das Ver­dienst an dem umfassenden Regierungsprogramm dürfte daher wohl in erster Linie den Reichsstellen zufallen und nicht umgekehrt.

Die SerfläiiMaung zwischen dem Reichskadmeii und der Deuischen Lolkspariei über den Etat.

Deckung nur durch weitere Einsparungen am Etat.

Berlin, 3. Febr. (ERB.) 3n der Reichskanzlei fand heule vormittag eine dreistündige Besprechung über die Forderung der Deutschen Bolksparlei auf weitere Abstriche am Etat statt. An der Konferenz nahmen außer dem Reichskanzler und dem Führer der Deutschen Bolksparlei Dingel dey auch Reichssinanzminister Dietrich und der Elats- sachoerständige der volksparteilichen Reichstagsfrak- tion Dr. Cremer feil. Me wir erfahren, ist es gelungen, die Grundlage für eine B e r - ftändigung zu schaffen. Denn sich auch nach der Ansicht des Reichsfinanzministers im Augenblick noch gar nicht übersehen laßt, ob und in welcher hohe mit einem Fehlbetrag zu rechnen ist, so durste cs jedoch jedenfalls sicher fein, daß auch die Reichs­regierung unter keinen Umstünden daran denkt, die Deckung auf dem Dege neuer Steuern oder Anleihen zu suchen. Das geht schon aus den früheren Erklärungen maßgebender Stellen hervor. Es bleibt demnach nur übrig, daß am (Etat weitere (Einsparungen vorge-

nommen werden, wenn sich die Notwendigkeit dazu Herausstellen sollte. Die Fraktion der DB jj. hat sich in ihrer heutigen Abendsihung durchaus positiv zu der Verständigung gestellt, die in der Be­sprechung in der Reichskanzlei über die Frage etwa erforderlicher Sparmaßnahmen erzielt worden ist. Die Zustimmung enthält allerdings den Vorbehalt, daß eine endgültige Stellungnahme erst erfolgen könne, wenn das Kommunique über die Ver­einbarung bekannt ist. Da der Kanzler heute abend durch anderweitige Verhandlungen stark in Anspruch genommen war, wird es erst am Mittwoch heraus- fommen; Schwierigkeiten werden jedoch nicht mehr erwartet, zumal das (Kommunique in Ueberein- ftimmung mit dem Führer der DVP. abgefahl werden dürfte. Damit ist die Entspan­nung eingetreten, die das Ergebnis der Bespre­chung beim Reichskanzler heute mittag erwarten lieh. 3n politischen Kreisen wertet men die Bei­legung des Konfliktes als eine weitere Stär­kung der Stellung des Reichskabinetts.

Oie Fortbildungsschule m Hessen.

Fortgang der Schuldebatte im Finanzausschuß.

Darmstadt, 3. Februar. Im Finanzausschuß wurde die Regierung nochmals energisch aufgesor- dert, endlich den Etat im Druck vorzu- legen, da sonst die Ausschußberatung eine Un­terbrechung erfahren müßte. Die Beratung ging dann bei Kap. 57 (F o r t b i l d u n g s s ch u - l e n) weiter, das eine Gesamtausgabe von 2,9 Mil­lionen Reichsmark aufweist. Im Beralcich mit dem Vorjahre sind elf Stellen abgeietzt, weitere 21 Stellen nur auf den Inhaber bewilligt. Der Landbund beantragte Streichung der Aus­gaben für die hauptamtlichen Fort­bildungsschullehrer und -lehrerin- n e n. Die frei werdenden Lehrkräfte sollen an andere Schulgattungen übergeführt und auf stellen verwandt werden, die jetzt Anwärter inne haben. Wie vor dem Kriege könne der Fortbildungsschul­unterricht an Werktagnachmittagen zwei Stunden

sehr skepttsch veranlag! und daher nach spiri- tisttscher Meinung befangen bin.

Heber die archäologischen Ausgra­bungen bei Leprignano, die sich auf die Ruten­experimente Cattoi-Mataloni stützen und zur Sicherheit erhoben, was bisher nur Vermutung war: daß die Ortschaft auf den Resten oder in unmittelbarer Nähe der antiken Etriiskerstadt Capena aufgebaut ist, wurde schon berichtet. Daß dabei alles mit rechten Dingen zuging, da­für bürgt die Kontrolle angesehener Gelehrter und Iournalisten.

Heber die geologischen Ergebnisse läßt sich noch nichts sagen, aus dem einfachen Grunde, weil das Dohrioch bei dem geheimnis­vollen See erst 150 Meter tief ist, das Erdöl nach Angabe der Rutengängerin aber bei 250 Meter Tiefe liegt. Industrie.le aus Deutschland und Oesterreich hat das nicht gehindert, schon jetzt dieFundstelle" in Augenschein zu nehmen und mit dcr italienischen Regierung über die Ausbeutungskonzessivnen zu verhandeln. Bei einer solchen Besichtigung, es war am 26. Ianuar, einem fast srühlinghaften Sonnentag, hat die Rutengängcrin auf mich einen etwas merkwürdig erregten Eindruck gemacht. Sie war nicht zu be­tragen, nach ihrer Angabe nicht fähig, sich näher als etwa fünfzig Meter an das Bohrloch zu be­geben. Sie zitterte am ganzen Leibe, drohte in Ohnmacht zu fallen und mußte als totes Gewicht über einen Dach, der anscheinend mit dem 'See und der Dohrstelle in Verbindung steht, getragen werden. So stark wirkten, immer nach ihren Erklärungen, die unterirdischen Ausstrahlungen auf sie. Ich habe sie auch ohne ihr Wissen aus größerer Entfernung beobachtet und wurde dabei das Gefühl nicht los, daß sie leide oder leidend sei, ähnlich tote dasWunder von Koimers- reuth" beim Auftreten der Wundmale.

Das gab mir Veranlassung zu einem Versuch über die Art und Weise ihres Vorgehens, der unmittelbar nach dem Rückmarsch von demPe- troleumlager" beim Podestä von Leprignano statt­fand, einem würdigen, gegen übersinnliche Er­scheinungen gepanzerten Herrn, der offen erklärte, den Experimenten lange Zeit nicht getraut zu haben. Ich muß an dieser Stelle einfügen, daß Herr Cattoi mit den Behörden zusarn- menarbeitet und ein erstaunlich reichhaltiges Material, Karten und Photographien, bei dem Podeste (Stadthalter) hinterlegt hat. Uebrigens geht aus dem Ortswappen, das mir bei dieser Gelegenheit der Podesta zeigte: zwischen Oliven­zweigen und einem Hasen (lepre = Hase, Le­prignano also ungefähr Hasenhausen) die latei­nische Bezeichnung Capena, deutlich hervor, wie stark die antike Lieberlieferung von der Gtrusker- stadt geblieben ist.

Cattoi, die eigentliche Seele des Unterneh­mens, wenn man so teilt, ist der Entdecker und der Führer der Signorina Mattaloni. Ohne ihn ist sie hilflos und umgekehrt. Er gibt die lohnen- een Punkte an, tote er sie im Flugzeug ausfindig

lang auf Kosten der Gemeinde erteilt werden.

Die demokratischen und sozialdemokratischen Aus- schußmitglieder lehnten diese Zurückführung der Fortbildungsschule in den früheren Zustand ab. Gerade im heutigen rationalisierten Wirtschaftsleben bedürften die Arbeiter einer besseren und zweckmäßigeren Ausbildung.

Die Volkspartei lehnte den Landbundantrag in der vorliegenden Fassung ab. Bei der Neu­schaffung der Fortbildungsschulen habe man c i n ju rasches Tempo eingeschlagen, und die Organisation könne man gerade nicht als glücklich bezeichnen. Es sei praktisch unmöglich, den Land- bunbantrag, der 468 Lehrkräfte der Fortbildungs­schule in die Volks- und Gewerbeschule einfüge, durchzuführen.

Die Regierung betonte, die hessische Fort­bildungsschule sei ä u ß e r st s p a r s a m, was vom

macht (von oben aus könne man geologisch tief­teben, versichert er) und dirigiert dieRadio- manttn", er gebraucht sie also als Werheug oder Medium. Die Tiefe einer Lagerung, handle es sich nun um Wasser, Crdadern, Oel oder Gräber, wird berechnet entweder nach Handspannen, das heißt nach der Distanz zwischen Erde und dem Punkt an bet Leitstange, too das Medium beim Herabstreifen mit einem Ring oder der Rute nicht mehr weiterkann", oder aus der Dauer ihrer Erschütterung. Bei großen Materiallage­rungen wittert die Rutengängerin bis zu drei Kilometer, bei vergrabenen Schätzen, Gräbern und dergleichen nur auf einige Zirnmerlängm. In die Tiefe fühlt sie nach Belieben, was ja logisch ist, wenn es sich um Ausstrahlungen handelt, die aus dem Erdinnern kommen. Ob sie nicht auch bei Zwis chens ch ich ten oder ileberlagerungen, der Klippe aller Rutengänger, strauchelt oder schei­tert, wird sich erst noch zu zeigen haben.

In meiner Begleitung war ein ungläubiger Triestiner Geschäftsmann aus Wien, der die Gegend als aussichtslos für Petroleuminteressen­ten bezeichnete. Er betreibe seit einem Menschen­alter die Rutengängerei, er habe schon Dutzende von Koryphäen auf diesem Gebiete beschäftigt. Die Signorina Mattaloni fand er z u sensibel, mit einem Schuß von Hellseherlum ausgestattet, was für buchmäßig zu erfassende Gewinne nicht gut sei. Dann war noch dabei ein aktiver Flieger- Hauptmann, der römische Vertreter der Tele- graphen-Union, die Mutter der Rutengängerin, meine Frau und> mein Bulli. Den muß ich erwähnen, weil es auffiel, daß er weit mehr Auf­sehen erregte, als dieZauberin", und weil er diemagische Rute" anknabberte, ohne daß es ihm schadete. Die Rute war vom nächstbesten Strauch gerissen worden, eine Gabel von der Stärke eines kleinen Taschenbleistiftes.

Aus der großen gepflasterten Terrasse des Schulhause versteckte ich Goldmünzen und goldene Ringe hinter ein Entlüftungsrohr, da der Bulli, der sich daraufsehen sollte, von okkulten Experi­menten leider nichts wissen wollte. Dann hielt ich das eine Ende der Rute, das aus der um- klammernden Hand der Signorina herausragte, mit oller Kraft fest. Cattoi legte auf jede Faust ein Goldstück und sofort drehte sich die Rute in die genaue Richtung. Die Signorina folgte starr, schritt aber, da sie das Hindernis ja nicht übersteigen konnte, daran vorbei. Ieht aber senkte sich die Rute wie die Kompaßnadel am ma­gnetischen Nordpol vertikal zur Erde. Noch einmal auf der anderen Seite des Rohres vorbei, zurück und unter den Schuh des Geschäftsmannes ge­griffen, der sich vorsichtshalber auf den Schah gestellt hat: er ist gefunden.

Niemand ist imstande, die Rute aufzuhalten, wenn sie sich drehen will. Auch die anderen Zeu­gen unternahmen den Versuch. und es waren stär­kere Finger darunter als die meinigen, abet man hält eher ein abgedrehtes Ende in der Haird, als daß men den Lauf teö Schicksals sagen wir: der

Reichssparkommissar anerkannt werde. Der Fvrt- bildungsschuletat weise 15 Prozent Einsparungen auf. Von Zentrums- und volksparteilicher Seite wurde die Nebenarbeit von Gewerbe­lehrern, besonders der Architekten^ in der Privatwirtschaft heftig krittsiert. Die Regierung lehnte ein völliges Verbot als nicht im Interesse der Schule liegend, ab.

Zum Kapitel Werkunterricht liegen An­träge auf Streichung dieser Posten vor. Der Zentrumsvertreter sah im Werkunterricht zwar einen gesunden Kern, aber die im Etat zum Aus­druck kommende finanzielle Belastung sei nicht notwendig. Es genüge die nebenamtliche Er­ledigung dieser Arbeit. Die Regierung setze sich für die Beibehaltung dieser Stelle ein, weil sie hauptsächlich zur Ausbildung der Iunglchrer diene. Zu gegebener Zeit sei die Eingliede­rung in das Pädagogische Institut geplant. Die Stellvertretungskosten sollten eine Kürzung erfahren, um eine zur Aus­balancierung des Etats nottvenbige Summe von 350 000 Mk. zusammenzubekommen. Die Einrich- htng von Teilstellen sei aus sozialen Grün­den vorgesehen, um 50 bis 60 jungen Lehramts­anwärtern Arbeit und Verdienst zu schaffen. Preußen kenne diese Einrichtung schon seit Iah- ren; dort seien Lehrerschaft und besonders Iung­lehrer mit der Einrichtung zufrieden, weshalb das Echo aus der hessischen Lehrerschaft um pv Erstaun­licher sei.

Mit Ausnahme des demokratischen Vertreters setzten sich die übrigen Parteien für die Zweck­mäßigkeit der Teilstellenregelung ein.

Zentrum

und Nationalsozialisten.

Berlin, 3. Febr. (TU.) Gegenüber einer Dlättermeldung, wonach der nationalsozialistische Reichstagsabgeordnete Feder in einer Ver­sammlung in Oldenburg mitgeteilt habe, der Zen­trumsabgeordnete Prälat K a a s habe ihm auf eine briefliche Frage geantwortet, daß seine Aus­führungen in Kassel durch die Presseberichte tendenziös zugespitzt gewesen seien, ver­öffentlicht der Vorstand der Reichstagssroktion des Zentrums eine Gegenerklärung. Darin heißt es, daß Prälat Kaas von vornherein die Be­antwortung der brieflichen Anfrage abgelehnt habe, zumal der Federsche Brief schon wegen seiner Form nicht beantwortet werden könne. Dem Vorsitzenden der nationalsozialisti­schen Reichstagsfraklion sei weiterhin mitgeteilt worden, daß. wenn es dem Abgeordneten Feder darauf ankomme, die Wahrheit zu erfah­ren über das, was Prälat Kaas in Kassel toort» und sinngemäß gesagt habe, ihm dieser selbstver­ständlich wie jedem anderen zur Verfügung stehe. Sofern Feder an Kaas herantreten werde, werde sich eine etwaige Rücksprache lediglich auf tatsächliche Mitteilungen be­schränken müssen und in feiner Weise ein Hin- überspielen koalitionspolitischer Fra­gen gestatten, wofür alle Voraussetzun­gen fehlten.

Eme nationalsozialistische Interpellation.

Berlin. 4. Febr. (TU.) Die nattonalsozia- listische Reichstagsfraklion hat eine Interne.la» tion eingebracht, in der es u. a. heißt: -Seit Wochen und Monaten Hetzen die marxistischen Parteien ganz offen zum Bürgerkrieg, da sie befürchten, daß die nationalsozialistische 'Freiheitsbewegung auf legalem Wege in den Besitz der politischen Macht gelangen fönnte. Der Führer des Reichsbanners, Hörsing, hat nach

uns noch unbekannten Kräfte, nur zu verzögern möchte.

Für das Medium muh die Sache auch nicht so einfach fein, waren doch die Hände der jungen Dame, als sie sich nun öffneten, rot angelausen, nah vor Schweiß rmb tief gekerbt von den ein- gegrabenen Fingernägeln. Man kann auch nicht sagen, baß dieses Naturkind, aus der ärmsten Volksschicht stammend, bei näherer Betrachtung einen gesunden Eindruck mache. Ihre Eesichtshaut ist gelb, wachsig, durch das tiefschwarze Haar un­terstrichen. Sie antwortet zögernd und nicht sel­ten recht unsicher, immer hilfesuchende Blicke auf ihren Führer richtend. Ihre Mutter, denkbar un­scheinbar, streift die plötzlich berühmt gewordene Tochter zuweilen mit einem ängstlich forschenden, zweifelnden Auge, und ein mysteriöser junger Mann tuschelt fortgesetzt in sie hinein: zitta! zitta! Still, still! Sie soll sich offenbar mit ihren Aus­sagen in Acht nehmen. Möglicherweise fürchtet man Emanationen ihres geringen Bildungsgra­des. Entgegnete sie mir doch einmal, als die Rede auf Rumänien kam, dort gebe es kein Petroleum!

Dabei ist es klar, dah die ganze Gegend schon vom Oelfieber ergriffen ist. Die archäologischen Funde treten bei Cattoi schon wieder in den Hintergrund. Er ist der Typ eines intellektuellen Autodidakten, der sich mit Leichtigkeit aneignet, was an Wissen in seinen Ideenkreis paßt, und ebenso leichtüberflüssigen Ballast" über Bord wirst. Wo er nicht weiter weiß, hilft er sich mit einem Sprung ins Legendäre. So, als die geo­logischen Dorbedingmrgen für Oelvorkommen er­wähnt werden und die alte Streitfrage aufflackert, ob das Petroleum tierischen oder mineralogischen Ursprungs und demgemäß an Meersalzablage­rungen gebunden fei oder nicht. Da ist ihm die Sage, wonach in einer Kirche am Tiber seit Ur­zeiten Oel aus dem Stein quelle, das zu rituellen Zwecken gebraucht werde, oder die Mär vom Drachenblutbad Siegfrieds schon Gewähr. Dieses Blut sei nämlich nichts anderes als Erdöl gewesen.

Ein solches Verlieren in übersinnliche Ge­biete kann natürlich stutzig machen, aber schließ­lich wird ja die Entscheidung durch praktische Er­gebnisse fallen. Das nächstemal soll nun die Ru­tengängerin vor Aerztenarbeiten". Tenn es gift, den Charakter der körperlichen Neben­erscheinungen festzustellen, die sie eher in die Kategorie eines Mediums erheben. Wobei auch noch zu untersuchen wäre, ob nicht Telepathie ihres Führers mlttoirft. Wieviel von ihrer Er­schütterung durch die radioaktiven Strahlen echt und was Theater ist, das wird man allerdings wohl niemals feststellen können. Ich habe sie ge­fragt, wie sie sich denn in krttischen Gegenden vor­der Uebermacht der Ausstrahlungen schütze, wie sie denn suchen könne ohne wie heute ohnmäch­tig zu werden. Durch einen betonteren Gürtel' war die Antwort. Wenn ich mich recht erinnere, hat es so etwas Aehnliches neben ter Wünschel­rute auch im Siegfriedszeitalter gegeben.