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SJl.-'fpott

Handball im Gau Hessen (O.T.j

Io. 1846 Gießen I Unlocrfitäl I 11:4.

Da die Studenten stark ersatzgeschwächt an­treten muhten, kam die 1. Mannschaft Verhältnis- mähig leicht zu einem hohen 11:4-Sieg. Lediglich in den ersten zehn Minuten sah man ein ausge­glichenes Spiel. Dann waren die Turner infolge ihres besseren Zusammenspiels ständig überlegen. Die 2 Mannschaft schlug sich gegen Tv. Hörns­heim recht wacker und erzielte einen glücklichen 1:0-Steg. Die eifrig spielenden Gäste hätten rin Unentschieden verdient.

Zum letzten Derbandsspiel standen sich am Sonntag in Heuchelheim di« 1. Mannschaften von AlSfeld und Heuchelheim gegenüber. Aach an­fangs verteiltem Spiel konnten die Gäste einen Ltrafwurf unhaltbar zum Führungstreffer ein­senden. Jetzt erst kamen die Einheimischen mehr auf und rissen daS Spiel nach und nach voll­ständig an sich. BiS zum Seitenwechsel fielen in regelmäßigen Abständen 4 Tore, denen Alsfeld nichts entgegenzusetzen hatte. In der zweiten Halbzeit stellte Heuchelheim das Ergebnis zu­nächst noch auf 5:1. lieh aber dann merklich nach, so daß die unermüdlichen Gäste bis zum Schluß das Torverhältnis noch auf 5:3 verbessern konn­ten.

Di? 1. Iugendmannschaft siegte über Krofdorfs 2. Mannschaft überlegen mit 9:0 Toren.

(Spielvereiniguno 1900 Gießen.

Iugend'p'.el«.

bination und schnelles Flügelspiel zu Erfolgen zu kommen. 1900 war der Glücklichere. Der Rechts- außen konnte nach schlechter Abwehr des Gäste- Hüters aus einem Gedränge das Führungstor er­zielen. Als jetzt der linke Verteidiger des Platz­vereins verlegt wurde, einzelne Spieler auf einmal versagten, kam der Gegner mehr auf und führte das bessere Spiel vor. Als ein Verteidiger den Ball übertrat, konnte der nachsetzende Mittelstürmer des VfB. mühelos zum Ausgleich einsenden. Rach der Pause bemühten sich beide Mannschaften mit aller Energie um den Sieg, doch bald ließ 1900 nach. Der Gegner wurde dementsprechend besser und konnte bis ;um Ende überlegen spielen und erzielte schließlich auch den Siegestreffer

1900s II. spielte gegen Kurhessen Marburg II. 2:0 (1:0). Die Gäste warteten mit guten Leistungen auf, der Sturm spielte aber zu weich, um sich durch­setzen zu können. 1900 erzielte durch schnelles Nach­setzen feiner Stürmer in jeder Halbzeit ein Tor.

Heuchelheim verlor gegen 1900 1. Schüler 2:5. Die Heuchelheimer Schüler traten auf eigenem Platz nicht an. 1900 spielte daher gegen eine aus Schulern und Jugendlichen zusammengesteUte Mann- schäft und konnte das Spiel leicht gewinnen.

ZC.Teuton a"Wahenborn-(Steinberg

Am Sonntag hatte die 2. Mannschaft der Teu­tonen die gleiche der Sportabteilung des Turnver­eins Lollar zum Verbandsruckspiel zu Gast. Lis zur Halbzeit spielte die Platzelf überlegen und konnte mit 3:1 führen. In der zweiten Halbzeit fiel Stein- berg etwas ab und Lollar konnte noch zweimal einsenden. Ergebnis 3:3. Die 1. Mannschaft weilte zum fälligen Derbandsspiel in Steinbach und fr- rang nach stets überlegenem Spiel einen schmen 5:1-Sicg. In diesem Spiel zeigte der Teutonen- sturm wieder etwas mehr Schuhfreudigkeit.

1900 I VfB. Gießen I 1:2 (1:1).

Beide Mannschiften lieferten sich anfangs eine gleichwertige Partie und versuchten durch gute ftom- |

Leichtathletik im VfB.

Rückblick auf die (Saison 1931.

Der Verein für Bewegungsspiele Gießen hat auch in der vergangenen leichtathletischen Saison eine reg« Tätigleit entwickelt, die in einer An­zahl von beachtlichen Siegen ihren sichtbaren Riederschlag fand. Wenn es dem Verein auch nicht vergönnt war, in so hohem Maß« erfolg­reich zu sein, wie «s im vorhergehenden Jahre der Fall war, so darf man doch auf die geleistete Arbeit im Dienste der Ertüchtigung der Jugend mit einiger Genugtuung zur'ckblicken.

Die Leichtathletik-Abteilung des VfB. war auf insgesamt 18 auswärtigen Veranstaltungen vertreten:

außerdem wurden zwei eigene Deranstal- t u n g e n (II. Frauen-Wettkämpfe und II. nationale Jugend-Wettkämpfe) sowie zwei amtliche Wettkämpfe (Staffeltag der DSV. und Gau- jugendwettkämpfe) organisiert. Den Auftakt der Veranstaltungen des Jahres 1931 bildete das große Hallensportfest in Frankfurt, an dem sich zahlreiche jugendliche Leichtathleten und Leichtathletinnen beteiligten. Allerdings ver­mochte nur W. Müller im 50-Meter-Lauf einen dritten Platz zu halten, während bei den Staffeln der Jugendlichen und der Frauen durch schlechtes Stabwechseln die Chancen vergeben wurden. Der Frühjahrswaldlaus zeigte die DsBer in guter Form, da man während des Winters eifrig dem Hallentraining oblag. Bei den A a t i o n a l e n Wettkämpfen in Diez war der Verein stark vertreten. Gugel erzielte in A l t e n d i e z im Diskuswurf die 43,65 Meter und führte mit dieser Leistung lange Zeit in der 5-Destenliste des WSD.

Der Aachwuchs hielt sich in diesen Wettkämpfen sehr gut. Der Staffellauf »Rund um die An­lagen" nahm unter der Leitung und Organisa­tion des Vereins einen reibungslosen Verlauf. Die DfVer vermochten lediglich einen zweiten Platz in der Staffel der Aktiven zu halten. Die Gau­meisterschaften in Wetzlar gaben allen aktiven Leichtathleten Gelegenheit, auf den Plan zu treten. Cs wurden 7 Meisterschaften errungen, 10 zweite und 12 dritte Siege. Die Aktiven hielten sich gut, die Frauen konnten sich gegen die scharfe Konkurrenz nicht behaupten. Jäger errang über 800 Meter und Reitz über 1500 Meter in guten Zeiten beachtliche Erfolge. Mohl brachte es im Kugelstoßen auf 13 Meter. Bei den Gauju­gendwettkämpfen gefiel besonders Luh mit, seinen Leistungen im Kugelstoßen und im Diskus­wurf. Vei dem Gießener Deceinsklubkampf (1900, Bataillon, Universität und DfV.) auf dem Sportplatz der Universität hatten die DfVer nur wenige Chancen, da sie einige ihrer befähigsten Mitglieder an das Militär abgeben mußten. Vei den Vezirksmeisterschaften in Göttin­gen, Die mit 6 Leichtathleten besucht wurden (ohne Mohl, Gugel und Steines) blieben die er­warteten Erfolge aus. Es konnten lediglich ein zweiter und vier dritte Plätze errungen werden. Der Jugendliche W. Luh vertrat den Verein auf Veranstaltungen in Darmstadt, in Offenbach und in Köln und schnitt dabei jeweils ausgezeichnet ab. Das MTV. -Sportfest, das auf dem Waldsportplah abgehalten wurde und an dem fick der DfV. auch mit einigen Kräften beteiligte, sah die Grünweihen nicht allzu sehr in Form. Unter

Wessen Knd bin ich ?

Roman von $r. Lehne.

(Urheberschutz durch C. Ack.rmann, Romanzentrale Stuttgart.)

19 Fortsetzung. Nachdruck verboten.

Ls wäre eine Beleidigung der Herrschaften getoefen, hätte Ebba nochmals ohne triftigen Grund abgeschrieben: sie sah es ein. So wurde beschlossen, daß sie am Freitag reifen solle.

Der alte Gärtner vom Schlosse holte am Tage vor Ebbas Abreise ihren Koffer, um ihn nach der Bahnstation zu schassen.

Lotte Mähler sah es vom Laden aus. Groß wurden ihre Augen.

Hatte dies« Person, die Ebba, doch die Unver- srorenheit, nach Dresden zu reifen?

Run, das Vergnügen wollte sie ihr doch schon versalzen! Eine kurze Mitteilung an die Herr­schaften, daß Ebba Lenz ein heimliches Liebes­verhältnis mit dem jungen Herrn Grafen habe das ganze Dorf wisse davon und man würde sie mit Schimpf und Schande wieder heim- schicken!

Schadenfroh und boshaft lächelte Lotte vor sich hin.

An dem Tage nach Ebbas Abreife schrieb sie einen Brief an eine Freundin, die sie in Berlin hatte. Und diese Freundin würde den Brief in gleicher Weise behandeln wie den anderen, den der Pfarrer Lenz bekommen hatte! 'Die Gräfin Reinshagen würde sich wundem, waS die Ebba für eine war!

12.

Vor den dick angelaufenen Fenstern deS D- Zuges tanzten die Schneeflocken in neckischem Dptel, durch das lustige, krause, weiße Durchein­ander den Blick ins Weite hcinmcnd. Unwirklich glitten die befchnetten Berge und Matten vorbei, die kleinen weltverlassenen Dörfer und Städtchen, denen daS Rattern der 0-Züge der einzige Gruß auS einer anderen Welt als der ihren war.

So bequem wie möglich bei Lektüre, Plaudern oder Schlafen batten eS fich die Reifenden in den marinen Abteilen gemacht: denn der Aufenthalt in dem schmalen Gang davor war im Winter nicht so verlockend

Um so mehr siel eS aus, daß ein junge# Mäd­chen beinahe schon stundenlang an einem Fenster stand, mit den tiefblauen Augen blickloS inS Weite starrend, in der gleichen Haltung ver­harrend, jede Anrede unbeachtet lassend Von auffallender Schönheit war fie; da- Profil zeigte eine fast klassische Reinheit die Rafe war schmal und gerade, Mund und Kinn köstlich ge­zeichnet. Unter dem schwarzen Samthütchen quoll dichtes, goldblondes Haar hervor.

Eine Dame mittleren Alters, eine stattliche, vornehme Erscheinung, vom Speisewagen kom­mend, durchschritt den Gang, um wieder nach ihrem Abteil zu gelangen.

Sie stutzte, als sie die Dame noch in der glei­chen, apathischen, teilnahmslosen Stellung antraf, in der sie sie vor einer Stunde schon gesehen, als sie nach dem Speisewagen ging. Es schien, als laste schwerster Kummer auf dem jungen Ding. Ihr Mitleid wurde rege, auch jene Reugierde, toi«1 sie manchmal in Menschen aufsteigt an ^en Mitreisenden, mit denen man einen ganzen Tag in einem Abteil zusammenreist.

Die Dame blieb an dem nächsten Fenster stehen, die jüngere unauffällig beobachtend. Rach einigen Minuten ließ fie ihr Täschchen aus Krokodilleder fallen, um die Aufmerksamkeit ihrer Rachbarin zu erregen, die aber das leise Aufklappen wohl gar nicht gehört hatte: denn sie rührte sich nicht. Erst als die Dame sich bückte und sie dabei absichtlich streifte, schreckte sie förmlich zusammen, bückte sich nun ihrerseits schnell, der Dame noch zuvor­kommend und ihr das Täschchen überreichend, daS mit liebenswürdigen Dankesworien entgegenge- nommen wurde.

Die Dame warf eine belanglose Frage hin, die das junge Mädchen zögernd und leise beant­wortete. Wieder in der gleichen, traurigen Hal­tung stand sie da.

Die Dame öffnete ihre Tasche, nahm eine Tafel Schokolade heraus und bot sie dem jungen Mädchen in so freundlich dringender Weise an, daß eine Ablehnung nicht gut möglich war. Sie knüpste eine Unterhaltung an.

, Fahren Sie auch nach München?"

,3a. gnädige Srau," kam eS leise und gepreßt von des RlädchenS Lippen.

.Gewiß auf Besuch?'

Ein kurzes Zögern, bann ein leiseS .Rein".

»Ah. Sie wohnen dort?"

.Rein, gnädige Frau!"

Die so vornehm aussehende Dame hatte in ihrem Leben sicherlich noch nie Fremd« mit neu­gierigen Fragen bedrängt heute geschah es zum ersten Male aus einem ihr selbst unerklärlichen Trieb heraus.

.Sie gehen in Stellung?"

»Ich beabsichtige eS, gnädige Frau!" »Gewiß haben Sie schon eine Stellung!" »Rein, gnädige Frau!"

Immer diese kurzen Antworten, bei denen die Gefragte die Fragende gar nicht anfah, sondern mit Sem gleichen verlorenen Blick, der nicht- erfahte. in die vorüberjagende Landschaft sah. Und ganz deutlich merkte die Dame auch, wie peinigend ihre vielen Fragen wirkten: dennoch forschte sie weiter.

»Sicher willen Sie in München Bescheid, sonst ist eS immerhin gewagt, so auf« Geratewohl**

»Ich weiß nicht Bescheid, gnädig« Frau!"

starker Konkurrenz gingen nur zwei erste, fünf »weite und vier dritte Pläye an di« Abteilung. Von auswärtigen Veranstaltungen wurden daS Polizeisportfest in Butzbach, die 3u- gendwettkämpfe in Alsfeld, die Wett­kämpfe in Alsfeld Hopfgarten und die Platz- «inweihuna deS Frankfurter Sport­vereins beschickt.

Bei den eigenen Veranstaltungen haben die II. Jrauen-lVettfämpfe und das II. Rationale leichlalh'.etische Jugcnöfcfl guten

Sport geboten,

und der Verein hat sich um die Förderung deS Frauen- und IugendsporteS einiges Verdienst erworben. Die beiden Veranstaltungen fanden von feiten der befreundeten Vereine eine gute Besetzung, wenn fie auch dem Veranstalter nicht allzuviel Siege einbrachten. Beide Sportfeste sotten auch in zukünsttgen Jahren durchgeführt werden.

Don den besonderen Sinzetteistungen, die im Jahre 1931 bei den verschiedensten Gelegenheiten erzielt werden konnten, verdienen einige be­sonders hervorgehoben zu werden. So erzielte Gugel im Kugelstoßen 13,35 Meter und im Diskuswurf 43,65 Meter. Auch Mohl wartete mit zwei sehr schönen Leistungen auf. 3m Kugel­stoßen erreichte er 13 Meter und im Hammer­werfen, einer besonders schwierigen Hebung, er­reichte er 30,50 Meter. SteineS überraschte im Stabhochsprung mit der ausgezeichneten Leistung von 3,43 Meter und im Hochsprung 1.70 Meter. 3n den Langstreckenläu'en hatte die Leichtathletik­abteilung des VfB. in Reitz. 3 ä g e r und Simon tüchtige Kämpen, die gute Erfolge er­zielten und den Derein würdig vertraten. W. Müller wartete anläßlich des Lehrer-Sport­festes in Frankfurt a. M. mit der vorzüglichen Leistung von 200 Meter in 22,9 Sek. auf. Unter den Jugendlichen ragte, wie bereits erwähnt, W Luh hervor, der in den Stoß- und Wurf- konkurrenzen (Kugel 14,83 Meter, Diskus 40,85 Meter) besondere Befähigung nachwieS. Reben ihm verdienen Paulus. Mattern. Lau- doniniHappgn nttza werden. Ti: Fra.en und Wädcpen waren in der vergangenen Saison wenig erfolgreich. Besondere überdurchschnittliche Leistungen wurden nicht erreicht.

3mmerhin darf man bei der Betrachtung der Leistungen in ihrer Gesamtheit feststellen, daß die Leichtathleten des DsB. auf verschiedenen Wettkampfveranstaltungen achtbare Gegner ab­gaben, mit denen gerechnet werden mußte. Er­wähnenswert ist, daß der (Karne des VfB. Gießen mit verschiedenen Einzelleistungen seiner Mit­glieder in der 20-Besten-Liste des WSD. und in Der 30-Desten-L.ste der DSB. erscheinen dürfte. 3n der Zusammenfassung der Anzahl der Siege ergeben sich

34 erste. 47 zweite und 46 dritte Siege.

Der DsB- war in diesem 3ahre durch eine Reihe ungünstiger Umstände an der vollen Ent- fa'tung des Wettkampsbetriebes gehindert, man hofft jedoch, daß bei zäher Arbeit und bei dem vollen Einsatz der Kräfte der Dereins- und der Abteilungsleitung das verlorene Terrain wieder gewonnen wird und auch wieder, schon rein zahlenmäßig, diese Leistungen erzielt werden, die noch im Dorjahre errungen und dem Derein zu einem geachteten (Kamen verhalfen hatten.

Taten für Freitag 4. Dezember.

Sonnenaufgang 8.11 Uhr, Sonnenuntergang 16.18 Uhr. Mondaufgang 1.31 Uhr, Monduntergang 13 33 Uhr.

1409: Gründung der Universität Leipzig. 1795: der Geschichtsschreiber Thomas Carlyle in (Seele- fcchan in Schottland geboren; 1875: der Dichter Rainer Maria Rilke in Prag geboren 1900: der Maler Wilhelm Leibi in Würzburg gestorben.

(jedenfalls haben Sie Verwandte, die Sie erwarten!"

Rein, gnädige Frau!"

Erschrocken blickte die Frau das traurige Mäd­chen an.

Aber, Kind, wie gewagt! So deS Abends spät anzukommen in einer großen Stadt, in der man ganz unbekannt ist! Wo wollen Sie da bin?"

Zwei große dunkelumsäumte blaue Augen starr­ten sie in tödlicher Erschrockenheit an.

Daran habe ich nicht gedacht!" stammelte sie beklommen. (Kein, sie hatte an nichts gedacht in ihr war nur der Drang gewesen, fort, weit fort! »ES gibt ja Hotels genug!" fügte sie schnell hinzu.

Gewiß, Kind, mehr als genug! Doch 3hre Reiseerfahrungen werden sicher nicht groß fein, und darum möchte ich 3hnen behilflich sein! 3ch mache Ihnen einen Vorschlag: kommen Sie zu mir in mein Abteil und erzählen Sie mir, was Sie beabsichtigen: vielleicht kann ich Ihnen mit Rat und Auskunft dienen

Die Tarne batte längst gemerkt, daß irgendein schwerer Kummer daS Gemüt dieses reizenden Mädchens belastete.

Und ohne triftigen Grund fuhr ein junges Ding nicht kurz vor Weibnachten ziel- und plan­los in die Welt. SS drängte fie, ihr beizustehen nicht allein auS Menschenpflicht, sondern auch auS einem ihr unerklärlichen Interesse, das ihr die Fremde einflößte.

Unschlüssig sah das junge Mädchen fie an.

»Ich habe doch dritte Klasse, und mein Ge­päck"

Die Tarne lächelte.

»Das tut nichts! Wir wollen Ihre Mitreisen­den bitten, auf Ihr Gepäck zu achten. Ein Stünd­chen werden Sie mich wohl in meinem Abteil bis zur nächsten Station besuchen können, ohne daß der Schaffner etwas sagt! Dort sitzen wir allein. Sie werden sich hier im Gang noch er­kälten. GS zieht so und sehen Sie, wie eS hereinschneit."

GS blieb dem jungen Mädchen gar nichts übrig, als nach anfänglichem Widerstreben dem liebens­würdigen Drängen der Dame nachzugeben.

Die Dämmerung war früh eingebrcchen, und eS schneite noch immer. Draußen wehte und stürmte es: doch gar huschelig und mollig sah eS sich in den Polstern. Die Lichter an den Bahn- gleifcn huschten wie Irrlichter vorbei, auftauchend und wieder in der Dunkelheit verschwindend.

Auf dem Klapptisch am Fenster stand ein Fläschchen mit Portwein und cm Paket Äctt; von beiden Sachen muhte da- junge Mädchen un- bedingt kosten, und der schwere, süße Wein tat ihrem durchfrorenen Körper nur gut.

Die Tarne zog die Vorhänge zu, so daß man abgeschlossen von der Außenwelt war. Sie legte den Persianermantel mit der breiten SkunkS-

berbrämung ab, und in einem schlichten schwarten Trauerkleide kam ihre wundervoll gewachsene Ge­stalt voll zur Geltung. 3n unwillkürlicher Be­wunderung blickte daS junge Mädchen auf diese vornehme Erscheinung.

»Run, mein liebes kleines Fräulein, sagen Sie mir von Ihren Plänen! Haben Sie volles Ver­trauen zu mir, auch wenn ich Ihnen fremd bin! Ich meine es wirklich gut mit Ihnen!"

Wahrend sie sprach, streichelte fie die eiskalten Händchen der Jüngeren. Sie sah, wie eS in deren Gesicht arbeitete und zuckte, wie sie sich mühte, die Tränen ^urückzuhalten. Vergebens war es, ihre Selbstbeherrschung gab nach: ein Tränen- ström ergoh sich über ihre Wangen.

Die andere lieh sie ruhig auSweinen sie wußte, diese Tränen waren Befreiung!

»Sie möchten also eine Stellung annehmen?" fragte sie, nachdem sich daS junge Mädchen etwas beruhigt hatte »WaS können Sie?"

»Ich bin in allen häuslichen Arbeiten Kochen. Backen, Rähen, Bügeln, Schneidern wohlcriahren und selbständig und habe außerdem eine sehr gute Schulbildung genossen, bin sprachen­kundig

»DaS ist ja sehr schön und auch selten alles vereint Sie sind schon einmal in Stellung gewesen?"

Rein, gnädige Frau!"

»Ah, dann kommen Sie demnach direkt von zu Hause und wollen nun zum ersten Male Ihr Glück in der Welt versuchen! Aber daß Ihre Eltern Sie wenig« Wochen vor dem WeihnachtS- feft"

Beharrlich richtete die Dame ihre Augen auf ihr Gegenüber: wieder zuckte eS verräterisch über das junge Gesicht ihre Ahnung wurde ihr immer mehr zur Gewißheit, dah eS Meinung-- Verschiedenheiten im elterlichen Hause gegeben, daher diele unüberlegte (Reife und da sagte auch daS junge Mädchen leise, schuldbewußt Meine Eltern wissen gar nicht, daß ich fort bin!" »Richt? Aber. Kind, was haben Sie da getan? Man wird Sie doch sofort vermissen"

»Rein, nicht gleich, gnädige Frau! Meine Eltern glauben, ich sei in Dresden bei einer Freundin au Besuch! Bi- 18. Dezember hatte ich Erlaubnis, dort zu bleiben! Von Dresden bin ich nach Leip­zig gefahren, bann nach Halle und nun will ich nach München: man soll mich nicht finden! Am 18. werde ich ihnen schon schreiben, daß ich gefunb bin und lebe aber heimgehen nein!"

»Und waS hat Sie zu einem so schwerwiegenden Schritt bestimmt?"

Flehend blickte daS junge Mädchen die Dame an.

»Bitte, fragen Sie nicht danach, gnädige Frau! Für mich ist es etwas ganz Furchtbares, aber aetoib nichts Schlechtes! Ich habe schon viel ge­litten nun aber kann ich nicht mehr! Ich wünschte, ich wäre tot F (Fortsetzung folgt)

Oberhesien.

Gemeinderat in Grimberg.

Gründer g. 2. Dez In der jüngsten Ge­meinderatssitzung waren Baurat Wag­ner vom Hochbauamt Giehen und Baurat Dr. Schnell vom Finanzministerium als Sachver- ständ ge anwesend. Zur Verhandlung stand die Gestaltung des OrtSbauplaneS an der Höfetränke. Ein schon längere Zeit vor- liegcn^es Baugefuch eincS anliegenden Grund­besitzers Hal d.sher noch nicht die Genehmigung dec Baubehörde gefunden, da dellen Ausführung e.nc für später geplante Führung der Reichs- se.n'trahe (Autostraße > durch diese» Gelände un­möglich machen würde, während die Baubehörde Wert Darauf legt, daß hierauf bei der Festlegung der Baufluchtlinie Rücksicht genommen wird. Don den Vertretern der Baubehörde wurde ge­wünscht, daß aus Gründen deS Verkehrs die Der- bre terung der Einmündung der Dismarckstraße in die Londoner Straße nach der Höfetränke zu vorgesehen werde und daß auS städtebaulichen Gründen eine Bebauung deS Eckplatzes daselbst unterbleiben möge. Inwieweit anderseits eine Bebauung der Höietränke. die dem Stadtbild angepaht fein müsse, sich empfehlen werde, über­lalle man der Entscheidung der Stadt. Rech reger Aussprache, der zw.schenourch eine OrtSbesichti- gung einherging, kam man zu folgendem Ergeb­nis: Der gegenwärtig« Verkehr an dieser Stell« ist nicht derart, daß absolut eine Aenderung ge­troffen werden muß Die Baufluchtlinie der Dismarckstraße wird am AuSgang noch weiter nach der Höfetränke zu verlegt. Der an diefer etc le bef.ndl che Eckplatz darf nicht bebaut wer­den. Ob die Höfetränke zur Bebauung zugelasien werden soll, w.rd zurückgestellt, biS daS Hochbau­amt erneute Vorschläge dafür gemacht hat.

Gemeinderat in (Schotten.

x. Schotten, 1.Dez. In der jüngsten Ge­meinderatssitzung wurde u. a. beschlossen: Für die Arbeiten im Stadtwald werden zwei Rotten, unter Berücksichtigung der Ausgesteuer­ten, vom Gemeindcrat zuiammengestellt. Zur Be­schäftigung der Ausgesteuerten sott, falls die finanzielle Lage der Stadt eS gestattet, di« Ver­legung deS Mühlgrabens in der Lohgaffe in Rohre weitergeführt werden. Die Rechnung deS städtischen Krankenhauses für 1930, die mit einem guten Ucberschuh abschließt, wurde genehmigt. Die städtische Hundesteuer wurde, wie in den Vorjahren, auf je 10 Mark pro Hund festgesetzt.

Landkreis GHcbcil

Lollar, 2. Dez. Am vergangenen Samstag veranstaltete das Musikkorps der Frei­willigen Feuerwehr Lollar aus Anlaß des 6jährigen Bestehens im SaalbauZur Traube" einen Musik- und Theaterabend, der als ein alle Erwartungen übertreffender Erfolg gebucht werden kann. Das vielseitige, gutbcsetzte Programm des Abends wurde durch einen eigens für diese Veranstaltung von einem Musiker verfaßten Prolog eingelcitet, der in sinnreichen Worten die Entwick­lung des Korps in 6 Jahren Arbeit schilderte und au vereintem Schaffen in der heutigen schicksals­schweren Zeit ermahnte. In bunter Reihenfolge wechselten dann Musik-, Theater- und Couplets- Aufführungen und fanden den ungeteilten Beifall des zahlreich erschienenen Publikums. Besonders erwähnt zu werden verdienen die in einwandfreier Weife zum Vortrag gebrachten Soli, die In Hin­blick auf die Kurze der musikalischen Ausbildungs­zeit eine besondere Note erhielten. Die musikalische Leitung lag in der sicheren Hand des Musikmeisters Deines- Daubringen, der auch hier wieder in überzeugender Art feine fachmännischen Fähigkeiten unter Beweis stellte

Harbach, 2. Dez. Bei der B ü r g e r m el- ste r w a h l am vorigen Sonntag stimmten von 276 Wahlberechtigten 274 ab. Eine Stimme war un gültig. Auf den Kandidaten Landwirt Heinrich