Wenn Menschen auseinandergehn
JRoman von I. Gchneider-Foerstl. vrheberrechtsschutz v e r l a g V. M e i st e r, Werdau.
28. Fortsetzung. Nachdruck verboten.
.Die Lady hat Herzafsektionen". sagte er zu Ealderon und konnte ein Lächeln nicht unterdrücken. .Wenn ihr schon der verklebte Pilot so viel zu schassen macht, was wird erst sein, wenn der junge Mann entpflastert und entgipst ist."
Ealderon erwiderte nichts, hob nur die Schultern. als ob sich nichts dagegen machen liehe, und wartete mit derselben Ungeduld wie die junge Frau auf das Eintressen der Antwort von Szengeichi.
Erst ngch fünf Tagen lies ein Telegramm ein:
.Mit empfohlenem Ersah einverstanden. Erwarte Mister Ealderons Ressen in Göteborg. Abfahrt achter Mai. Dr. Szengeryi." Rosmarie benötigte noch einmal Brom. Cal- deron schüttelte besorgt den Kops.
.Mary, wenn du jetzt schon solche Anfälle bekommst, was wird erst sein, wenn du in Göteborg landest? Dann wird ein vollkommen nervenschwaches Bündel von Weib sich diesem Szengeryi an die Brust werfen und nicht mehr wissen, dah es ihn auf Herz und Bieren prüfen wollte."
Sie versuchte sich mit aller Gewalt zu beherrschen, konnte stundenlang Abhandlungen über Forschungsreisen lesen, horchte Tordy aus, der ihren Mann auf seiner ersten Fahrt begleitet hatte, interessierte sich für alle« und jedes, fragte, was man benötige, wie man sich am besten Neide, sich vor der Kälte schütze und tausenderlei anderes mehr.
Tordy war wie ein Lamm. Geduldig bis zur Erschöpfung, gab er Bescheid. Es war nur ein Glück, daß seine Lippen nicht mehr aufsprangen, wenn sie auch noch bitterlich brannten.
An einem der letzten Apriltage fuhr Rosmarie nach London, um Einkäufe zu machen. Zwei Tage später kam ein Telegramm: .Komme erst Ende der Woche."
Ealderon langweilte sich zum Sterben. Tordy horchte bei jedem Kartengruh, den ihm der Lord meldete, ob sie noch immer nicht zurückkehre. Der Doktor maulte über die Frauen mit ihren Maha- radschalaunen.
3n den Abendstunden des Samstag fuhr ein Kraftwagen an die Rampe von Port-Rush vor. Der Chauffeur riß den Schlag auf und hielt
ihn zurück, bis der junge Mann über das Trittbrett geftiegen war. Der taubengraue Anzug verriet eine erste Londoner Werkstätte und unterstrich flüchtig die Eleganz der Körperlinien. Den Hellen Staubmantel über dem Arm und den Hut lässig in der Rechten tragend, schritt der Fremde auf die grobe Doppeltüre zu. die die Empfangshalle abfchloh.
Der Diener stand wie ein zürnender Cherup.
„Seine Lordschaft empfangen nicht."
Der junge Mann entnahm seiner Brieftasche eine Bisitenkarte. legte den Mantel über die Lehne eines brokatenen Stuhles und lieh sich selbst in den Armsessel gleiten.
Die Augen des Dieners hafteten an dem Shamrock, der im Rocke des Fremden steckte. Diese Kleinigkeit wirkte bestechend. Die gelbe, unscheinbare Blume, eine Abart ganz gewöhnlichen Klees, war die Rationalblume des Landes. Also muhte der junge Mann ein 3re fein.
Während er nach dem Wintergarten schritt, warf er einen Blick auf die Bisitenkarte:
„Richard Ealderon."
„Ein Berwandter?" Dann jedenfalls einer, der sich nie auf Port-Rush hatte sehen lassen. Wenn man dreihig Jahre in ein und demselben Haufe diente, wurde einem zum Schluß jedes Gesicht der Sippe geläufig. Aber das hier war noch nie auf Killarney gesehen worden.
Lord Ealderon nahm die Bisitenkarte vom Silbertablett, stutzte, unterdrückte ein Staunen, dann ein Lächeln, sah zu dem Diener auf und forschte: „Alt?"
„Er könnte achtundzwanzig sein. Eure Lord- schäft."
„Typ?"
„Erster Londoner Zuschnitt."
„Ich lasse bitten."
Richard Ealderon wurde höflich ersucht, dem Bedienten zu folgen. Dieser wies ihm. am Eingang des Wintergartens angelangt, die Richtung und verneigte sich. Er hörte, noch ehe er die hohen Glastüren zusammenfallen lieh, einen Ausbruch der Freude und schüttelte den grauen Kopf. „Man kann dreihig 3ahre auf einem Platze sitzen und erlebt immer wieder ileber- raschungen."
Der Fremde schien mit einem einzigen Blick in Lord Ealderons Herz hineingesprungen zu sein.
„3dj wollte doch Gewihheit haben. Onkel, ob ich es wagen darf. 3ohn hat mich nicht erkannt. Du findest auch, dah es gut ist?" Der junge Mann sah auf der Dank neben Ealderons Fahrstuhl und bog sich zu dessen Händen herab, um sie an die Wangen zu schmiegen.
Die greifen Finger wurden etwas nervös unter dieser erregten Liebkosung. Er zog sie vorsichtig hoch. Sein Blick flog kopfschüttelnd über den brünetten Scheitel, der in tadellosem Herrenschnitt bis zur Rackenlinie hinunter lief. „Es ist nicht unhübsch. Mary."
Das schmale Gesicht bot sich ihm entgegen und die groben Augen bettelten in die seinen. „Wenn etwas verdächtig ist, Onkel, dann sage es mir. 3eyt ist es noch zu ändern."
Ealderon mah die jungen Züge mit kritischen Blicken. „Weib bleibt eben Weib."
„Du meinst?"
„3a. ich meine: Es ist alles zu weich an dir. Wie Pfirsichflaum. Das bihchen Dartanflug über den Lippen."
„Es ist aus einem ersten Atelier", unterbrach chn die junge Frau. „Eine Gummiauflage mit echten Stoppeln."
Ealderon lachte hell auf und sah überrascht darein, als der junge Mann eine Drille mit schwarzem Horngestänge über die Ohren schob. „So ist es besser, ja. Das macht den Dlick undeutlich und verwischt die Züge."
Ein kaum bemerkbares Abwinken der greifen Finger gebot Dorficht. Tordy kam aus dem Park und brachte die ersten Aprikosen aus den Treibhäusern.
Ealderon rief ihm munter entgegen: ..Kommen Sie rasch, mein Lieber! 3ch habe Desuch bekommen: Mein Reffe Richard, der mit Dr. Szengeryi nach dem Pol reifen wird." Dann mit einer Handbewegung nach dem Piloten hin: .Herr Tordy. dem du es verdankst, mein 3unge. dah dir das Vergnügen zuteil wird", sagte er, zu dem jungen Mann gewandt.
Die beiden Herren waren sich also vorgestellt. Run galt es, die Probe auf das Erempel zu machen. Für den Moment schien es. als suche der Flieger in seinem Erinnern. Die schwarzen Augen bekamen ein suchendes Forschen, dann ein Lächeln, ein hilfloses Heben der Schultern. Gott, warum sollten zwei Menschen aus ein und derselben Familie sich nicht ähnlich sehen? „Schade, dah die Lady nicht hier ist", sagte er aufrichtig.
„Welche Lady?" Rosmarie trug einen nervösen Ausdruck im Gesicht.
„Die junge Lady Ealderon", erklärte Tordy und wandte keinen Dlick von ihr. „Sie sieht 3hnen nämlich verblüffend ähnlich."
3m gleichen Augenblick kam Dr. Leh« schmächtige Gestalt aus einem Seitengang.
Die zweite Borstellung: „Mein Reffe Richard halberen — Dr. Ley, der wundertätige Heilige von Port-Rush."
Der Arzt stutzte. „Woher importierst du seit neuestem deinen Stoffen, Charly?"
Rosmarre fühlte sich wie unter einer Lup», Das Blut brannte auf ihren Wangen. Der Händedruck des Mediziners hieh soviel tote; .Ladv. es nützt alles nicht«. 3ch habe Sie er. kannt."
Aber der Doktor verriet es mit keinem Wort. ’ 3m Gegenteil, er verwickelte den jungen Mann in ein sehr interessantes Gespräch. Rur ab «nb zu zwinkerten feine kleinen braunen Augen. ,.3unge. die Fälschung ist nicht ganz gelungen!* llnb alS Rosmarie ein zartes, pariümgetränktes Taschentuch herausholte und damit über d'e • Stirne fuhr, ergriff er die Flucht.
3m Park horchte er auf den leichten Schritt, | der ihm folgte. „Lady, es ging nicht mehr. 3ch wäre sonst geplatzt." Er wartete, bi« der junge Mann sich gesetzt hatte und fegte sorgfältig eix Blatt von der weihen Dank, das von einer der Rotbuchen herabgeflattert war.
„3ch bin auher mir. Doktor."
„Weshalb? Manches ist fehr gut", lobte et „Die Brille, ba« Haar, der Flaum, über bet Lippe — alles täuschend. Aber der Haupteinbrnck 4 verrät bas Weib. 3ch meine: Das Lächeln, bei 1 ruhigte beherrschte Etwas, das Sie al« Ladh so distinguiert gemacht hat. das diskrete Parfüm. die Stimme, in der tausend Glocken läuten. Wenn Sie jemand 36re Männlichkeit glaube, machen wollen, muh das alles noch fallen."
„Hat Onkel 3hnen von der Sache erzählt?"
„Rur angedeutet", erklärte er „3ch bin seh» gut im Bilde. 3ch lasse 3hnen eine Arznei auf den Rachitisch stellen. Davon nehmen Sie morgen« und abend« je einen Ehlöffel. Das gibt der Stimme ein dunkles Timbre. Kommen Si^ I fo lange Sie noch hier sind, ab und zu in md, I Sprechzimmer, dann werden wir 3hrer 3ris ctee andere Färbung geben, die sich Ipätcr leicht wieder korrigieren läßt und lassen Sie sich vo, der Sonne bräunen.
Eie werden auf 3hrer Polfahrt unter laute» Männern fein. Es wird heikle Situationen genug geben, denen Sie nicht immer ausweichen können. Da kämen Sie au« dem Rotwerben gar nicht mehr heraus. Lassen Sie sich also rösten wir ein Reger. Wenn es nicht genügt, nehmen w:r ein Präparat zu Hilfe, bas bem Teint nicht schadet und doch sehr wirksam ist. Es ist al', gar nicht notwendig, dah Sie fo verzagt flnfc Wir machen es schon."
Rosmarie griff nach seinen Händen und führt« sie an die Lippen.
„Das ist mir im Geben noch nicht passiert',. konstatierte er. ehrlich geschmeichelt. „Wie wenig es doch oft braucht, sich Dank zu erwerben."
(Fortsetzung folgt.)
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1fyuischeiu, gißt
jede Umhüllung der Ser-Packung von MAGGTFIeischbrüh Würfeln, —auch wenn sie noch nicht mit Gutschein-Aufdruck versehen ist.— 8s gelten aber nicht als Gutscheine die Umlegestreifen der einzelnen Fleischbriih-UJürfel.
Wählerversammlung!
Freitag, den 6. November, 20 Uhr, im „(W Leib".
Hehler: Frau Grein, Offenbach Reichsiagsabgeorbneier Pros. Dr. Heust Landtagsabgeordneter Dannenberg (ehern. Reichs-Geschäftsführer der Wirtfchaftspariei). 7406D
«em« Reichs- und Landes-Politik!
Unkostenbeitrag 30 Pf. Erwerbslose mit Ausweis 10 Pf
Deutsche Staalspartei / Gießen.
Betr.: Konkursverfahren über das Vermögen des Gastwirts Ludwig Krieger II. in wiefeck.
Beschluß.
Termin zu einer Gläubigerversammlung, in der über Einstellung des Verfahrens mangels Masse Beschluß gefaßt werden soll, wird anberaumt auf: 7405D
Samstag, den 14. November 1931 vormittags 9 Uhr, Zimmer 107.
Gießen, den 27. Oktober 1931.
Hessisches Amtsgericht.
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Sonnenstraße
Morgen Mittwoch:
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Freitag, 6.11. in GroßemLinben: pg.Rahlmeier u. pg. Studienr. Hille in Großen-Buseck: pg. Hille und Woweries, Frankfurt
Samstag, 7.11. in Londorf: pg. General Litzmann
in Laubach: pg. Graf Reventlotv, M.d. X
in Freienseen: pg. Stadtverordneter Lange, Frankfurt
Sonntag, s. 11. in Hungen, pg. Hille und Dr. Müller, Alsfeld
Montag, 9.11. in Gießen: Adolf Hitler
Dienstag, 10.11. in Watzenborn: pg. Lang und Graf Solms
Mittwoch, 11.11. in Lich: pg. Äujard
Donnerstag, 12.11. in Großen-Linden: pg. Wiegand, M. d. X in Aliendorf: pg. Ludin, Reichswehrleutnant a. D.
Freitag, 13.11. in Gießen: Dr. Goebbels, Berlin, M. d. B.
Samstag, 14.11. in Grünberg: pg. Hille
in Watzenborn: pg. Kramer, Frankfurt
in Hungen: pg. Dr. Külz
in Laubach: pg. Prof. Werner und Graf Solms
3m Kreise Alsfeld sprechen: Gregor Gtrasser, M. d. X; im Kreise Friedberg: Dr. Frick, M. d. X; in Schotten am 11. Jlovdr.: Prinz August Wilhelm 06467 Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei. Kreisleitung Gießen
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