einer deutsch-italienischen Verständigung immer noch realisierbarer scheint als die einer deutschfranzösischen. Aber es läht sich nicht leugnen, daß der Druck Frankreichs durch die Erfolge der Geldvolitik in Wien und Berlin, in Budapest und London zu einem Kurs auf Rom ermuntert wurde. Eine weise Finanzpolitik, die deshalb eingeführt werden konnte, weil sich Mussolini nicht von hohlen wirtschaftlichen Schlagworten blenden lieh, sondern beizeiten den entscheidenden Wert des politischen Faktors in den angeblich .reinen Wirtschaftsfragen" erkannte, hat allerdings der Gefahr der goldenen Schnur entgegengearbeitet: was soll jedoch aus Rom werden, wenn London erliegt? Der bisher geflissentlich genährte Glaube, auch ein isoliertes Italien sei stark genug durch seine Bolks- kraft, den Schwung der nationalen Idee und die Führertugenden eines Mussolini, muh mit dem englischen Pfund ins Wanken geraten Wer trägt die Schuld an dieser Wandlung? Der Italiener fragt es und man kann es ihm nicht verdenken, wenn er mit wachsendem Un- willen nach Paris blickt.
Oderheffen.
Landkreis Gießen.
CO Klein. Linden, 2. Okt. Unter starker Be. teiligung der Einwohnerschaft wurde heute der Eisenbahnbeamte i. R. Peter August Sieger, ein Kriegsteilnehmer von 1870/71, zu Grabe getragen. Im Auftrag des Kriegervereins widmete dessen Vorsitzender, Kaufmann Friedrich Schimmel, unter Kranzniederlegung dem Heimgegangenen einen ehrenden Nachruf. Auch der Eisenbahnfahrbeamtenverein lieh durch seinen Sprecher einen Kranz niederlegen.
< Daubringen, 2.Oft Dieser Tage feierte die Witwe S. O p p e r von hier in guter Gesundheit ihren 8 3.Geburtstag. Sie stammt auS Villingen und ist durch ihren Handel mit Räh- artikeln im weiten Umkreis bekannt geworden.
ch L i ch, 2. Okt. Gegenwärtig werden auf dem hie« sigen Bahnhof große Mengen Obst verladen. Für ausgelesene Aepfel erster Qualität, wie Goldrenette von B.'enheim, Schöner von Boskop und Goldparmänen werden 5 bis 6 Mark bezahlt, geringere Qualitäten gelten 3 bis 4 Mk pro Zentner. Für Dirnen werden je nach Sorte und Güte 2 bis 4 Mark bezahlt.
D Lich, 2. Okt. Die dem dürften von Lich ge- hörenden großen Teiche an der Straße nach Steinbach, die sog. Albacher Seen, wurden in den letzten Tagen abgelassen. Das Ergebnis aus dem größeren Teich betrug etwa 24 bis 25 Zentner Karpfen und Schleie und einige Aale. Die Ernte des kleineren Teiches, dessen Entleerung gestern vorgenommen wurde, ergab rund 20 Zentner Karpfen und Schleie.
Kreis Büdingen.
WSN. Büdingen, 2. Okt. Die Fürst von Stolbergschen Plantagen im benachbarten Ortenberg konnten für ihre diesjährige Aepfelernte die Summe von 16 000 Mk. erzielen. Die Ernte wird auf 5000 bis 6000 Zentner gutes Tafelobst geschäht, wozu noch einige hundert Zentner Fall- und Schütteläpfel kommen. Die ganze Ernte wurde von einer Breslauer Großhandlung „vom Baum" gekauft.
Kreis Schotten.
■+■ Ober-Schmitten, 2.Okt Gestern wurden hier drei Waggon Aepfel verladen. Für den Zentner Schüttelobst wurde 1 Mk. bezahlt. Trotz des niedrigen Preises ist das Angebot groß, da die Leute froh sind, den Obstsegen verwerten zu können.
„?" Eichelsdorf, 2. Okt. Die Vorarbeiten zur Errichtung unseres Gefallenen-Ehren- m a l s wurden in den letzten Wochen so gefördert, daß bereits mit dem Aufbau des Denkmals be-
Wenn Menschen auseinandeegehn
Roman von 3- Schneider-Foerstl.
Urheberrechtsschutz Verlag O. Mei st er, Werdau.
2. Fortsetzung. Nachdruck verboten.
In Bela schrie alles auf. Das waren wieder Rosmarts Worte, fast die gleichen hatte sie vor Tagen zu ihm gesagt. Horvaths und NosmarieS Impuls waren eins. Lind bis er zurückkam, hatten sich vielleicht ihre Seelen gefunden! Dann war sie ihm verloren, und Török brauchte nur noch seinen Segen zu geben.
Zitternd legte sich sein Arm auf den des Freundes. „Guido."
Ein versonnenes Nicken.
„Wenn ich fort bin, wenn Nosmarie zum Weibe heranreift — vergiß nicht, dah ich dir gesagt habe, wie sehr ich sie liebe."
Wiederum ein Nicken.
„Guido!" bat Szengerhi heiser.
„Ich werde es nicht vergessen, mein Lieber." Dann Schweigen.
Der Nachtwind raunte über die Halme hin. Eine Grille zirpte unaufhörlich.
Eine Hand stahl sich seitwärts aus den Aehren und schmeichelte sich für Sekunden in Horvaths Arm. Eine Stimme flüsterte kosend seinen Namen.
Gr drückte die Finger fest gegen das Beinkleid. Das Gesicht in abwehrender Kälte zur Seite gewandt, ging er vorüber. Hinter ihm rauschte es leise.
„Was war das?" forschte Szengerhi erregt
„Nichts." Der Künstler machte eine unwillige Bewegung mit der Schulter.
„Das war doch die Naja?"
„Ja."
„Was will sie von dir?"
..Ich habe sie einmal geküßt im Fliederrausch und nach ein paar Gläsern schweren Tokaiers, . der mir das Blut zur Siedehitze wallen machte. Nun läuft sie mir nach. Aber ich mag die Mädchen nicht, die mir so offen zeigen, daß sie mich wollen. Ich will Widerstand erfahren und werben müssen und Trotz bezwingen! An mich reihen will ich daS Weib, dem ich mich schenke. Aber cs darf sich mir nicht aus freien Stücken in die Arme werfen." Horvath seufzte auf. ..Wenn ich nicht so viel Verträge abgeschlossen hätte, würde ich packen und mit dir reisen, Bela, hinauf in die Wüste von EiS und Schnee oder hinunter, wo die Urwälder rauschen. — Nur um Nuhe zu finden."
„Du könntest ohne Frauen nicht leben, Guido. Glaub mir'S doch", warnte Szengeryi. „Du wür-
gonnen werden konnte. Aus der Rückwand der Umfassungsmauer leicht vorspringend, baut sich ein Basaltsteinsockel auf, der einen Sandsteinquader mit Stahlhelm und Widmung trägt. Auf zwei seitlichen Tafeln sind die Namen der 51 Gefallenen eingemeihelt. Das Ganze wird gekrönt von einem ruhenden Löwen. Der geräumige Denk- malplah, der sich unmittelbar an das Niddaufer anschlieht, soll auf beiden Seiten gärtnerische Anlagen erhalten. Die Weihe des Ehrenmals kann allerdings noch nicht stattfinden, da der steinerne Löwe noch nicht fertiggestellt werden konnte. Die Kosten des Denkmals, die sich auf etwa 5000 Mk. belaufen, wurden durch freiwillige Gaben der Gemeindeglieder aufgebracht
§ Feldkrücken, 2. Okt. Die Herstel- lungsarbeiten an unserer Ki r ch e sind jetzt nahezu beendet. Der Kirchturm ist vollständig neu gedeckt worden, das Dach zum größten Teil. Die Arbeiten wurden von den Dachdeckermeistern Wilhelm Z i n n e l, Betzenrod, und Martin Meuer, Schotten, gemeinsam ausgeführt.
± Sellnrod, 2. Okt. Gestern fand eine Sitzung des Kirchenvorstandes und der Kirchengemeindevertretung statt. Einstimmig wurde die Anlage einer Warmluftheizung in der Kirche beschlossen. Die Kosten belaufen sich auf rund 2000 Mk. und sind durch seit Jahren zurückgelegte Ersparnisse gedeckt. Von einer elektrischen Heizung sah man wegen der bedeutend höheren Kosten ab. Auch das Projekt, die Kirche von dem danebenstehenden Pfarrhaus aus zu beizen, mußte wegen großer baulicher Schwierigkeiten fallengelassen werden. Oberbausekretär B i ck h a r d t vom Hochbauamt Schotten erläuterte die eingegangenen Vorschläge und die verschiedenen Projekte. Die Firma E s ch & Co., Mannheim-Frankfurt a. M.» soll die Anlage herstellen.
Kreis Alsfeld.
<Aus dem Ohmtal, 2.Okt. Begünstigt durch das nasse Wetter in der letzten Zeit treten auf den Aeckern im Ohmtal die Schnecken i n M a s f e n auf und fressen ganze Strecken der jungen Saat ab. Es ist geboten, dah jeder Landwirt mithilft, die Schädlinge zu vernichten.
Rieder-Gemünden, 2. Okt. Bei der O b st v e r st e i g er u n g an den Provinzialstrahen Der näheren Umgebung wurden nur sehr niedrige Preise erzielt. Für Wirtschaftsäpfel wurden pro Korb nur 50 Pfennige bezahlt. Bessere Sorten brachten etwas höhere Preise. Schlechtere Qualitäten fanden kaum Absatz. — Die Kartoffelernte ist beendet. Eie Erträge entsprechen einer guten Mittelernte. Die große Feuchtigkeit im Boden hat den Industriekartoffeln sehr zuaeseht. „Odenwälder Blaue" haben sich besser behauptet.
Preußen.
Kreis Wetzlar.
# Lützellinden, 2.Okt. Der Gemeinderat hat in seiner jüngsten Sitzung beschlossen, die Dränierung der Suhrbach und der Zechweide ausführen zu lassen. Die Arbeiten wurden dem Unternehmer Allendör fer (Lützellinden) übertragen.
J Groß-Rechtenbach, 2.Okt. Gestern wurde das O b st an der Provinzialstrahe zwischen Groß- Nechtenbach und Niederkleen versteigert. Es wurden folgende Preise erzielt: gutes Obst 4 bis 5 Mark, Kelterobst und gewöhnliche Sorten 1,50 bis 2 Mark, Birnen 1,00 bis 1,50 Mark je Zentner am Baurn. In der Gemarkung Groh- Nechtenbach wurde in einer der letzten Nächte eine größere Ob st menge an der Provinzialstrahe vom Baum gestohlen.
<> Hörnsheim, 2. Okt. In der jüngsten Sitzung des Gemeinderats wurde der Antrag der Iagdpächter auf Ermäßigungder Iagdpacht ab gelehnt, da die jetzige Pachtsumme nicht einmal die Vorkriegspacht darstellt.
dest verdursten danach, wenn du sie ganz entbehren müßtest."
Mit einem geringschätzigen Zucken um die Lippen sah Horvath in das Schweigen der Nacht. „Frauen gibt es überall. Ob es nun ein weißer Leib ist oder ein anderer, den ich im Arm halte — was liegt daran?"
Szengerhi atmete schwer. Für ihn gab es nur einen einzigen, nach dem er verlangte. — Lind wenn er zurückkam?
Ein Hund sprang winselnd an ihm hoch, beschnüffelte sein Gewand und rieb dann den Kopf vertraulich an feinem Handrücken.
Belas Finger fuhren liebkosend über das zottige Seit „Wo hast du den Herrn gelassen, Kaschka?"
In langen Sähen jagte das Tier davon. Man hörte in der Nähe ein freudiges Bellen und Kläffen.
„Ich will dem Ianos noch Adieu sagen. Kommst du mit, Guido?"
Der Geiger bejahte mit einem Senken des Kopfes. Wortlos schritten sie nebeneinander her. Ein Streifen bleichen Himmels säumte den äußersten Nand des Horizontes. Unter ihren Füßen dehnte sich das dunkle Braun der Steppe, als hätten versengende Brände auf ihr gewütet.
Aus dem fahlen Dämmer schimmerten die weißen Leiber der Ninder und die glänzend spiegelnden der hundertköpfigen Pferdekoppel.
Em glimmender Punkt verriet den beiden Ankommenden, wo der Hirte faß.
„Guten Abend, Ianos!"
Den Pfeifenstummel zwischen den Lippen, hob der Alte beide Hände und streckte je eine den jungen Männern entgegen. Sie fühlten sich rauh und knochig an und nur von einer dünnen Schicht Haut überspannt. „Lange habt ihr gebraucht, hierher zu kommen."
„Wir sind über die Felder gegangen, Ianos."
„Ich weiß es."
„Du hast uns gesehen?" forschte Szengerhi.
„2a."
„Horvath setzte sich neben dem Alten ins Gras, stemmte die Knie auf und hielt sie mit beiden Händen umschlungen. „Bela will Abschied von dir nehmen. Gr geht so schwer."
Der Hirt sah zu Szengerhi auf, nickte bedächtig mit dem Kopfe und wandte dann das Gesicht mit einem Achselzucken von ihm ab.
Horvath entnahm seiner Tasche eine Zigarre und legte sie in die Finger des Hirten. Der betrachtete sie schweigend, begann sie dann zu zerkleinern und stohfte seine Pfeife damit, die schon un'Verlöschen war.
„In acht Tagen reise ich auch, Ianos." Der Künstler ließ sich ins Gras zurückgleiten und sah gedankenverloren zu dem gestirnten Himmel auf. wahrend der Alte das schöne Gesicht von der Veite betrachtete.
Sensationelle Wendung in einem preffeprozeß.
Mainz, 2. Okt. Ein P r e s f e b e l e i d i- gungsprozeh, der vor dem Erweiterten Schöffengericht in Mainz gegen den Schriftleiter der „Alzeyer Zeitung" wegen übler Nachrede gegen leitende Beamte des Kreisamtes Alzey auf Antrag des hessischen Innenministers und des Kreisamtes verhandelt wurde, nahm eine sensationelle Wendung. Im Verlaufe des von dem Angeklagten geführten Wahrheitsbewe f.s wurden erhebliche Mißstände, zum Teil strafrechtlicher Natur, im Kreisamt Alzey festgestellt. Daraufhin hat nunmehr die Staatsanwaltschaft Mainz dem durch das Entlastungsmaterial schwer belasteten Kreisamtsbureauvorsteher und Kreisamtsoberinspektor Vogel in Alzey wegen Verdachtes des Amts- verbrechens, Fluchtverdachts und Verdunkelungsgefahr inLlntersuchungshaft genommen.
Oie Lluierschlagungen des Oberrenimeisters Zwanzig.
WSN. Dillenburg, 2.Okt. Nachdem die Voruntersuchung gegen den Oberrentmeister Zwanzig, der beschuldigt wird, zum Schaden der Staatlichen Kreis- und Forstkasse in Dillenburg bedeutende Ltlnterschlagungen verübt zu haben, abgeschlossen ist, wurde Zwanzig nunmehr vom Llntersuchungsgefängnis Wetzlar nach dem Landgerichtsgefängnis Limburg übergeführt, mit ihm auch fein Sohn und zwei Angestellte der Kaffe, die in die Llnterfchlagungsafsäre verwickelt find. Wie unbestätigt verlautet, soll sich die Summe der von Zwanzig unterschlagenen Gelder jetzt 150000 Mark nähern. Ein endgültiger Betrag steht jedoch noch nicht fest, weil die Nevision noch im Gange ist.
Run-funkprogranini.
Sonntag, 4. Oktober.
7.00 bis 8.00: Von Hamburg: Hafenkonzert. 8.30: Von Leipzig: Konzert auf der Silbermann- Orgel der Et.-Georgen-Kirche zu Rötha. 9.00: Katholische Morgenfeier. 10.30: Laienmufik (kleine Hausmusiken des Barock und der Renaissance). 12.00: Don Berlin: Feier zum 25jährigen Bestehen des Reichsausschusses für sozialistische Bildungsarbeit. 13-30: „Zum Welttierschuhtag", Vortrag von Professor Hermann Kraemer. 14.00: Stunde des Landes. 15.00: Stunde der Jugend. 16.00: Nachmittagskonzert des Rundfunkorchesters. 18.00: „Mosaik" von —ck, vorgetragen vom Verfasser. 19.00: Freiburg: Anläßlich der Rheinischen Dichtertagung: Rheinische Dichter sprechen vor dem Mikrophon. 20.00: Baden- Baden: 2. Badisches Drucknerfest (^-capells-Chöre, Streichquintett, Orgel). 20.40: Deutsche Humoristen (E- Th. Hoffmann), gelesen von Karl Köst- lin. 21.15: Unterhaltungskonzert des Philharmonischen Orchesters Stuttgart. 22.50 bis 24.00: Llnterhaltungs- und Tanzmusik.
Montag, 5. Oktober.
7.20: Frühkonzert auf Schallplatten. 12.05: Schallplattenkonzert. 15.20: Ein Gang durch die Hauswirtschastliche Ausstellung der Frankfurter Hausfrauenvereine. 17.05: Nachmittagskonzert. 18.40: „Geheimrat Alfred Hugenberg", Vortrag von Eberhard Freiherr von Meden, Berlin. 19.05: Englischer Sprachunterricht. 19.45: Unterhaltungskonzert des Rundfunkorchesters. 20.30: „Das vergessene Ich", komische Oper in zwei Aufzügen von Waldemar Wendland. 22.30 bis 23.00: Tanzmusik-
Dienstag, 6. Oktober.
7.20: Frühkonzert auf Schallplatten. 12.05: Schallplattenkonzert. 15.20: Wochenschau des Frankfurter Hausfrauenvereins e. D- 15.25 bis 15.50: Stunde der Hausfrau. 17.05: Nachmittagskonzert des Rundfunkorchesters. 18.40: „Ist Kunst eine Waffe? Objektiv sachliche Untersuchung über Ob, in welchem Sinn und welchem Maß", Vortrag von Dr. Adolf Behn. 19.05: „Max Eyth (aus dem Leben eines Dichter-Ingenieurs)", Vortrag von Hans Philipp Weih. 19.45: Schrammelmusik. 20.15: Spanische Bilderbogen (eine Schallplatten-Revue) von Gerhart Pohl. 21.15: Lieder und Kammermusik. 22.15: Zeitbericht: Gandhi am Runden Tisch mit England, bearbeitet von Actualis. 23.10 bis 24.00: Tanzmusik.
Mittwoch, 7. Oktober.
7.20: Frühkonzert auf Schallplatten. 12.05: Schallplattenkonzert. 15.15 bis 16.00: Stunde der
„Du wirst noch schwerer gehen, als Dela." Seine Stimme war ein wehmütig-ahnungsvolleS Mahnen.
„Ich wüßte nicht warum."
Der Alte hielt den Kopf weit über die Brust gesenkt und zwängte den Pfeifenstummel zwischen die gelben Zähne. Durch halbgeschlossene Augen liebkoste sein Blick den Künstler, der zufrieden in das Mondlicht über der Ebene starrte.
Horvath wußte, wie sehr Ianos ihn liebte. Heber das Warum hatte er sich schon oft den Kopf zerbrochen. Er fand keinerlei Verdienst, um dessentwillen er sich diese Zuneigung verdient hätte. In der Jugend war er ein ungezogener Range gewesen, der den Ianos neckte, wo sich nur immer eine Gelegenheit dazu bot Und die Zigarren, die er ihm ab und zu gab — Veld nahm er niemals — waren wirklich nicht der Rede wert, und einer Liebe, wie der Alte sie ihm angedeihen lieh, noch viel weniger.
Szengerhi drängte zur Heimkehr, denn Török wartete auf ihn.
Er nahm die sonnverbrannten Greisenhände in die seinen und drückte sie herzhaft „Auf Wiedersehen, Ianos!" *
Der Alte sah ihn ernst an. „Auf Wiedersehen, Dela. Du wirst vieles verändert finden in der Heimat, wenn du wiederkommst! — Gute Nacht auch, Guido!"
Horvath nickte und streichelte den Kopf des Hundes, der sich an seine Knie lehnte.
„Begleite deine Freunde ein Stückchen, Kaschka", gebot der Hirte.
Gehorsam trottete das Tier zwischen den beiden Männern dahin. Der Hall ihrer Schritte verschwand in der Weite. ,
Man hörte die Pferde grasen und wie die Rinder wiederkäuten. Mit einem fünften Geräusch drängten sich die Schafe in den Pferch.
Der Alte hielt die kaltgewvrdene Pfeife im Munde und sah gedankenverloren vor sich hin, immer nach der Richtung, in der Horvath und Ezengeryi gegangen waren.
„Es ist gut, dah nicht jeder sehen kann, wa- ihm die Zukunft bringt, sonst gäbe es bald kein Lachen mehr unter den Menschen."
Er nahm ein Stück halberblindeten, geschliffenen Glases aus der Tasche und hielt cs prüfend gegen den Nachttrabantcn.
„Es stimmt alles, bis auf den letzten Fleck, bis auf die kleinste Linie. Was nützt es, darüber zu reden? Die Menschenwege find vom Schicksal vorgezeichnet und müssen gegangen werden. Das ist Gesetz und keiner kann darüber hinaus."
Ein feuchtes, rauhes Etwas fuhr über seine Wangen. Ohne sich umzufehen, streichelte er daS zottige Fell des Hundes, der mit jagenden Qltem» flöhen zu ihm zurückgekehrt war.
„Kaschka", murmelte Ianos ihm zu. „Kaschka — wenn fie wüßten!"
Jugend. 17.05: Nachmittagskonzert des Rundfunkorchesters. 18.40: Dr. PH. C. Visser, den Haag, spricht über seine Reise nach Zentralasien. 19.05: „100 Minuten Funkhaus in Neu- York", Vortrag von Helmut H. Hönig. 19.45: In einem Kalibergwerk, Mikrophonbericht. 20.30: Konzert von Edith Lorand (Violine). 21.15: Kriegslieder II.
Donnerstag, S. Oktober.
7.20: Frühkonzert auf Schallplatten. 12.05: Schallplattenkonzert. 15 30: Stunde der Jugend. 17.05: Nachmittagskonzert. 18.40: Zeitfragen: „Das neue Wirtfchaftsprogramm der Rcichs- regierung“, Vortrag von Dr. Röbner. 19.05: „Politische Karikaturen in Deutschland" von Dr. Schwerin, M. d. L. 19.40: Emil Heß lieft Lyrik von Friedrich v. Logau und Christian Günther. 20.00: Nach Königsberg, Wien und auf den Deutschlandfender: Großer Bunter Abend. 22-30 bis 24.00: Fortsetzung des Bunten Abends.
Freitag, 9. Oktober.
7.20: Frühkonzert auf Schallplatten. 12-05: Schallplattenkonzert. 1515: Erziehung und Bildung — Elternstunde: „Fröhliche Bilder aus der Schule von heute", Vortrag von Paul Georg Münch. 17.05: Kurhaus Wiesbaden: Nachmittagskonzert deS Städtischen KurorchesterS. 18.40: „Erlebnisse eines französischen FunkoperateurS", von Adolf Higel, Paris. 19.05: Aerztevortraa: „Neue Arten der Narkose". 19.45: Kurzgeschichten, gelesen von Martin Lang. 20.00: Aus dem Festsaal der Liederhalle Stuttgart: Symphoniekonzert. 22.30 bis 23.00: Tanzmusik.
Samstag, 10. Oktober.
7.20: Frühkonzert auf Schallplatten. 12.05: Schallplattenkonzert. 15.15: Stunde der Jugend, „Der zerbrochene Krug", ein Lustspiel von Heinrich v. Kleist. 17.05: Nachmittagskonzert des Philharmonischen Orchesters Stuttgart. 18.40: „Fichte und die deutsche Sprache", Vortrag von Prof. Max Wundt. 19.05: Spanischer Sprachunterricht. 19.45: Lieder der Arbeit. 20.30: „Schön war s doch", heitere Hörbilder. 21.45: Dr. Frcdcrich spielt auf der singenden Säge. 22.35 bis 24.CC: Tanzmusik der Funkkapelle des Philharmonischen Orchesters.
Sprechstunden der Redaktion.
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Durch die Mondstille der Nacht Rang nichts als der Atem der Tiere und das Geräusch ihrer Sufe. . , .
Die große Hängelampe brannte In dem großen Eßzimmer des Landhauses, das Professor Török von seinen Schwiegereltern vererbt bekommen hatte, und In dem er regelmäßig die Sommermonate zu verbringen pflegte, um sich von den Anstrengungen seines Berufe- zu erholen.
Ein rotgelber Schimmer lief Über den geflochtenen Strohteppich, dessen bunte Muster schillernd aufleuchteten.
Rosmaries Zöpfe, die ihr schwer über die Schultern fielen, spielten in Kupfertönen und gleißendem Rotbraun. Versonnen und ganz von Zärtlichkeit durchtränkt, strichen die weihen Hände des Professors über die SeidenfüTe ihres Scheitels.
Etwas über den großen Viereckstisch geneigt, stand Aga, die treue Hüterin des Hauses seit über zwanzig Jahren. Die etwas korpulente Gestalt der Alten war immer in Bewegung. Alles an ihr war Tätigkeit. Selbst jetzt, wo sie die Suppe mit dem schweren Silberlöffel auf die Teller goß. machte es den Eindruck, als habe fie große Eile.
„Daß Doktor Szengeryi Immer zu spät kommen muh", zankte fie ärgerlich.
Dela Szengeryi war der Sohn eine- Freunde- von Professor Török. Er war schon mit fünf Jahren Doppelwaise geworden und hatte in Törökts Haus ein Heim voll Liebe und Verständnis gefunden.
Das ihm von den Eltern hinterlassene Vermögen war auf einer Bank deponiert. Er hatte sich niemals um die Höhe des Betrages, noch weniger um die Zinsen oder um sonst etwas gekümmert. Alles war der Verwaltung Töröks überlassen, bis Dela dann seinen Doktor gemacht hatte und der Professor ganz energisch verlangte, daß er endlich selbständig werde und eigenhändig über den Rest seines Geldes Joerfüge. Es war nicht viel geblieben. Das lange Studium hatte so ziemlich alles verschlungen. Aber für einen Mann, der nicht allzuviel Ansprüche an das Leben stellte, reichte es immerhin noch für Jahre hinaus.
Zudem bekleidete Szengeryi schon seit geraumer Zeit eine günstig dotierte Lehrstelle an einer staatlichen Mittelschule und hatte jetzt für drei Jahre Urlaub erhalten, um sich der Forschungsreise seine- väterlichen Freundes anschliehen'zu können.
Die alte Aga sah mit einem verdrießlichen Ausdruck nach der Tür, über deren Schwelle Szengerhi soeben trat.
„Nicht zanken!" bat Török leise.
(Fortsetzung folflt.)


