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Oberhessen.

Gemeinderai in Grünberg.

+ Grünberg, 2)Sept. In der jüngsten G e - meinderatssitzung stand zunächst die Ver­gebung der Betonarbeiten für das Schwimmbad auf der Tagesordnung. Der Bürgermeister gab die Angebote folgender Firmen zur Kenntnis: Heinrich Werner (Quedborn) 11002 Mark, Martin Abermann & C o. (Gie­ßen) 12 411 Mark, Ludwig Ruckelshaufen (Burg-Gemünden) 12 498 Mark, Wilhelm Müller (Atzenhain) 14 750 Mark, Heinrich Balser und Otto Kühn (Grünberg) 14974,80 Mark und ein um 10 Prozent ermäßigtes Nachgebot zu 13 477,32 Mark, Konrad Bock (Grünberg) 15 248,50 Mark und ein Nachgebot zu 12 991 Mark, H. W. Rinn (Gießen) 16159 Mark, H. Weimer (Gießen) 16 827 Mark, Paul Zürn (Kassel) 17 155 Mark und ein Nachgebot zu 14 800 Mark. Der Voranschlag des Bauleiters bezifferte sich auf 11 700 Mark. In der Aussprache wurde von mehreren Seiten Be­rücksichtigung der einheimischen Gewerbebetriebe ge­fordert. Demgegenüber wurde betont, daß diese ihre Forderungen mehr dem Voranschlag annähern müßten, was auch möglich sei, da beispielsweise die Splittpreise pro Kubikmeter um 1 Mark bil­liger geworden seien, was etwa 600 Mark aus­mache. Da laut Reichsverdingungsordnung die Ar­beitsvergebung an einen Unternehmer zu dessen Nachgebot nicht zulässig ist, wurde beschlossen, die Submission aufzuheben, da die Splittpreise billiger geworden sind. Der Bügermeister wurde beauftragt, mit den hiesigen Unternehmern auf der Grundlage des Voranschlagsbetrages zu verhandeln. Sollten die Verhandlungen scheitern, dann ift eine engere Submission zwischen den beiden Hiesigen und den beiden Wenigstnehmenden zu veranstalten. Hin­sichtlich des Geländeerwerbs hat das Kreisamt den Erwerb des Wiesengrundstückes von K. Jockel IX. genehmigt. Hier ist ein Preis von 700 Mark für den Morgen festgesetzt worden. Ebenso soll das von Frau Spediteur I ö ck e l Wwe. zu erwerbende Wie- scnstück von etwa 2000 Quadratmeter, worüber bis jetzt noch keine Einigung zustande kam, mit einem gleich hohen Preis bewertet werden, obgleich diese Wiese weniger wert ist, da hier ein Restgrundstück übrig bleibt. Für ein Grundstück von Karl Dick- Hardt von 619 Quadratmeter Größe soll ein Preis von 80 Mark gezahlt werden, da es nur Grasweg bzw. Rain ist.

Nach kurzer Aussprache wurden folgende B e - schlüsse der W a s s e r w e r k s d e p u t a t i o n gutgeheißen: 1. Das Wassergeld ist sofort beim Ab­lesen des Zählerstandes an den Wasserwärter zu zahlen. 2. Erfolgt die Zahlung nach Ablauf von 14 Tagen, dann ist ein Zuschlag von 10 Prozent Verzugszinsen zu zahlen. 3. Erfolgt die Zahlung nicht binnen zwei Monaten, so wird die Wasser­leitung abgestellt. 4. Die Mindestgebühr für ein Vierteljahr beträgt 1,50 Mark (5 Kubikmeter ä 30 Pfennig).

Der Schluß der Sitzung gestaltete sich zu einer Ehrung für den aus scheidenden Beige­ordneten Keller. Bürgermeister Dr. M i ld - n e r hielt dabei eine Ansprache, in der er zunächst einen Rückblick auf die kommunalpolitische Tätigkeit des Scheidenden gab. Er erinnerte daran, daß Herr Keller 6 Jahre lang Mitglied des Gemeinderats war, als er zum Beigeordneten gewählt wurde. Nach vierjähriger Tätigkeit in diesem Amte habe er unter widrigsten Verhältnissen die Führung der Stadtver­waltung übernehmen müssen und während zweier Jahre die Geschäfte des Bürgermeisters versehen. Alle einsichtigen Grünberaer seien sich darüber einig, daß Herr Keller in diesen zwei Jahren die Stadt­verwaltung von einem Chaos in geordnete Verhält­nisse hinübergeführt und im Sinne einer stetigen, ruhigen Entwicklung der Gemeindeverwaltung in . Grünberg gewirkt habe. Seine geschwächte Gesund­heit veranlasse ihn jetzt, sich vom öffentlichen Leben ?. zurückzuziehen. Der Gemeinderat und die Stadtver­waltung müßten nun auf einen Mitarbeiter ver- 7 zichten, der sein Bestes für die Stadt einsetzte, der

Das bißchen Erde.

Vornan von Richard Stowronnek.

Copyright by I. Engelhorns Nachf.. Stuttgart.

22 Fortsetzung. Nachdruck verboten.

Mechanisch griff er nach einem Stapel von Briefen und Kreuzbandsendungen, der vor ihm auf dem Tische lag. Und es fiel ihm ein, auch deswegen den Verwalter zur Rede zu stellen. Er hatte ihm von Berlin aus doch die Adresse geschrieben in Dar es Salam, von der aus ihn Briefe erreichen würden. Zeht lagen sie hier in Haufen, und da draußen war er manchmal vor Sehnsucht nach einem 'Gruße aus der Heimat fast verhungert ... Aber schließlich war ja auch das eflaL Den Gruß, den sie ihm geboten, hatte er ja noch zeitig genug bekommen ...

Er drehte den Stapel um und fing von rück­wärts zu lesen an. Rechnungen kamen, Anprei­sungen von Geschäften, ein Schreiben vom Be­zirkskommando zu Molhahn: der Abschied aus dem Offizierkorps des Beurlaubtenstandes war ihm in Gnaden bewilligt. Ra schön, das hatte er sich denken können ... Eine besondere Zierde des Beurlaubtenstandes hatte er nie gebildet, der Abschied war den Herrschaften Wohl ebenso leicht gefallen wie ihm ... Wieder ein paar be­langlose Briefe, ein neues Schreiben des De- zirkskommandos. Eine Anfrage, ob er im Mobil­machungsfalle bereit wäre, bei den Etappen­kommandos im Rücken der operierenden Armee ein seinen Fähigkeiten entsprechendes Kommando zu übernehmen. Ratürlich! Die Fähigkeit, dreißig stumpfsinnigen Dragonern mit Hurra voranzu­reiten, wenn's zur Attacke ging, hatte er nicht mehr. Die besaßen nur jene aufrechten Herren, die nicht nachdachten, wenn sie einen Schlag ins Gesicht bekamen, die zurückschlugen, ob ihnen nun ein Gleichaltriger gegenüberstand oder ein vor Zorn sinnlos gewordener Greis, der Vater des jungen Mädchens, um dessen Hand man toarb. Der mochte dann zusehen, wie er sich seine Genugtuung holte, denn in den ungeschrie­benen Gesetzen, die den sogenannten Ehrenkodex bildeten, hieß es, eine Beleidigung, die äugen- blicks erwidert wurde, war kompensiert. Der letzte Schlag zählte dann allein. Verrückt war das, und nutzlos, auch den übrigen Krempel noch zu lesen. Den sauber geschlichteten Stapel von Zagd- zeitschriften konnte man ebenfalls aufheben für die langen Winterabende ...

Unter den Kreuzbandsendungen war eine, die dieselbe Handschrift trug wie die Postkarte, die er in Dar es Salam vorgefunden hatte. Er riß den Umschlag auf, er enthielt eine Rümmer desMolhahner Anzeigers", eines Blättchens,

Oie Jagd im September.

Zu Beginn des Monats an Aegidi tritt der Rot­hirsch in die Brunft. Der Geweihte, der in der Feistzeit für sich allein oder mit seinesgleichen zu- sammenstand, schließt sich dem Kahlwild an, und das Rudel wechselt allmählich den altgewohnten Brunftplätzen zu, die es Jahr für Jahr immer wieder aufsucht. Bald wird zum erstenmal nach kalter Nacht der Brunftschrei des Königs der Wälder den Forst durchdringen, die hohe Zeit des edlen Wildes hat begonnen. Der Damhirsch steht noch in der Feiste, aber auch hier rubeln sich die Geschlechter schon zusammen, ein Zeichen der bevorstehenden Brunft.

Das Schwarzwild hat nun seine beste Zeit. Im Felde locken die Kartoffelschläge, im Wald fallen Bucheckern und Eicheln Beeren und mancherlei Wildobst kurzum sein Tisch ist reich gedeckt. So nützlich seine Arbeit im Forst auch ist, wo es die Larven und Puppen vieler Schädlinge vernichtet, so unangenehm empfinden Landwirt und Jäger in gleicher Weise die Schäden, die es im Felde anrichtet, ohne daß es möglich wäre, den Sauen ernstlich Ab­bruch zu tun. Zwar werden Ansitz und Pirsch ab und zu auch zum Erfolg führen, doch den Ausschlag kann erst der Winter mit seinem Spurschnee geben.

Das Rehwild hat seine Brunft veendigt, die Böcke sind meist heimlich und gehen wenig um, bis dann nach einer Zeit des Ausruhens im Laufe des Monats die Wechsel häufig wieder so gut gehalten werden wie im Mai.

Der H a se, der noch Schonzeit hat, empfindet die Unruhe der Ernte im Feld unangenehm. Je mehr die Kartoffel- und Rübenfelder verschwinden, um so mehr sucht er den Wald auf. Wo der Jagdherr nicht edles Rotwild in seinem Revier hat und die Sep­temberjagd gekrönt wird durch das Weidwerk auf den Brunfthirch, ist es die Hühnerjagd, die dem Jagdmonat das Gepräge gibt. Nun kommt auch der vierbeinige Weidgeselle wieder zur Geltung, der seither, vielleicht abgeseyen von wenigen Nachsuchen, keine große Rolle zu spielen pflegte. Hühnerjagd ohne den Hund hat mit weidmännischer Jagd nichts zu tun, denn jedes schlecht getroffene Huhn geht verloren, verludert irgendwo nach qualvollem Leiden, wenn sich das Raubzeug nicht seiner erbarmt. Aber auch geschossene Hühner werden im hohen Kartoffel­kraut meist verloren sein. Die Zusammenarbeit zwi­schen Jäger und Hund, die flüchtige Suche, das Vor­steben und Nachziehen, die saubere Arbeit nach dem Schuß sind Momente, die vielen Jägern die Hühner­jagd erst zu einem Genuß werden lassen, gegen den die Freude am sicheren Schuß häufig zurücktritt. Nach den Beobachtungen des seitherigen Jagdver­

laufes scheint es noch ziemlich viel unreife Hühner zu geben, Spätbruten, Ersatz für die in diesem Jahre besonders viel vermählen Gelege. Es ist eine Er­fahrungstatsache, daß das Huhn beschossen sein will, und daß es keinen Wert hat, ganze Ketten vom Beschuß zu verschonen, da sie ^um Verstreichen neigen. Dafür werde aber jede Kstte mit Maß und Ziel bejagt. 6 bis 8 Hühner sollen von ihr bleiben als Stamm für das Folgejahr, deren Zahl ohnehin im Winter durch natürliche Einwirkungen noch finkt. Der Frage des Wanderns der Hühner schenkt man zur Zeit besondere Beachtung, um sie wissenschaftlich 3U klären. Es sind zu diesem Zwecke im Bereiche des Preußischen Landesjagdoerbandes Hühner beringt worden oder werden noch beringt. Sollte ein solches Huhn zur Strecke kommen, so darf der Ring nicht in die Kuriositätensammlung in der Schublade wan­dern, sondern man führe ihn der Ausgabestelle zu, die auf ihm vermerkt ist.

Bei der Hühnerjagd wird man im Feld, in Hecken und Schilf auch oft Fasanen antreffen. Doch der Finger muß gerade bleiben. In den preußischen Re­gierungsbezirken'unserer Gegend beginnt die Jagd erst am 30. September, in Hessen sogar erst am 16. Oktober. Bis dahin können die Jungfasanen streichen, und Hahn und Henne lassen sich unter­scheiden. Gut so, daß durch die spätere Schußzeit der wahllose Kindermord vergangener Jahre sein Ende gesunden hat.

Die Jungenten lohnen nun schon eher den Schuß, die Erpel beendigen ihre Mauser und tragen ihr Prachtkleid. In der zweiten Hälfte des Monats beginnt der Herbstzug der Waldschnepfe, und auf nassen Wiesen oder art Gräben wird man auch andere Schnepfenvögel antreffen. Der Fuchs trägt einen ruppigen Balg. Hat man ihn bis jetzt laufen lassen, hat sein Abschuß keinen Sinn mehr, bevor er seinen guten Winterbalg trägt. Der Dachs wird immer feister. Auf den Feldern und in den Obstgärten wie auch im Walde findet er reichlich Nahrung. Im Bau ist er fleißig gewesen, alte Rohre hat er geöffnet, Nadeln und Aehnliches hat er eingeschleppt oder tut es, wenn das Laub zu fallen beginnt; er richtet sich auf den Winter ein.

Die vielen Beeren, die jetzt draußen an Bäumen und Sträuchern heranreifen, vor allem am Vogel­beerbaum und Schneeball und dazu noch die Schnee­beere bilden getrocknet oder in Sand ausgehoben, ein vorzügliches Winterfutter für Fasanen. Auch emp­fiehl es sich, ungedroschene Hafergarben für den Winter bereitzustellen. Halme und Rispen werden vom Wilde in seiner Wintersnot sehr gern und rasch angenommen. Hubertus.

sich nie scheute, das rückhaltlos zu bekennen, was nach seiner Ansicht das Richtige war. Es sei nur zu wünschen, daß sein Nachfolger die gleichen Führer- eiaenschaften mitbringe. Der Bürgermeister sprach sodann dem scheidenden Beigeordneten in herzlichen Worten den Dank der Bürgerschaft für das treue Walten im Interesse der Stadt aus und verknüpfte damit auch seinen persönlichen Dank für die Unter­stützung, die er als Bürgermeister durch den Beige­ordneten Keller immer erhalten habe. Als äuße­res Zeichen des Dankes überreichte der Bürger­meister dem Scheidenden eine Ehrenurkunde, in der nach dem einmütigen Willen des Gemeinderats Herrn Keller in herzlichen Warten der Dank der Stadt Grünberg für seine Tätigkeit als Mitglied des Gemeinderats und als Beigeordneter, insbeson­dere auch für seine aufopfernde Tätigkeit als stell­vertretender Bürgermeister während zweier Jahre ausgesprochen wird. Die Ansprache des Bürger­meisters klang aus in besten Wünschen für das Wohlergehen des scheidenden Mitarbeiters. Beige- orbneter Keller dankte hierauf in bewegten Wor­ten für die ihm gezollte Anerkennung. Sein Ziel sei gewesen, nicyt Parteien und nicht einzelnen zu dienen, sondern für das große Ganze zu wirken.

das zweimal in der Woche erschien, die Bekannt- machungen der Amtshauptmannschaft brachte, einige Rachrichten aus dem Kreise und dem Städtchen und etliche Anzeigen der Geschäfts­leute. Daß der Kaufmann Jürgensen am Markt eine neu eingetroffene Sendung von Matjes­heringen annoncierte und das Manufakturwaren­geschäft von Palzow in der Friedeberger Straße die letzten Rovitäten der Saison, stets räumungs- Balber, weit unter dem Selbstkostenpreis. Unter oenNachrichten aus Stadt und Umgebung" stand eine Rotiz, die mit einem dicken Dlaustift- strich umrandet war.

Aus zuverlässiger Quelle erfahren wir, daß in dem Hause Hohenrömnitz ein freudiges Fa­milienereignis bevorsteht. Seine Exzellenz der Herr Erblandmarschall hat aus diesem Anlasse geruht, dem hiesigen Armenamte die Summe von tausend Mark zu überweisen. Hoffen wir mit dem großherzigen Spender, daß sich ihm alle Hoffnungen erfüllen, die er an das Ein­treten dieses Ereignisses knüpft. Seit zweihun­dert Zähren hat sich das Hohenrömnitzer Ma­jorat immer vom Vater auf den Sohn vererbt. Weite Kreise der Bevölkerung wünschen von Herzen, daß unsrem verehrten Herrn Erbland­marschall am Abend seines segensreichen Wir­kens beschieden sein möge, diese Freude ßu er­leben. Der bisherige Anwärter des Maiorats, Graf Malte Römnitz, dessen Rame vor zwei Zähren viel genannt wurde, ist von seiner afri­kanischen Expedition noch immer nicht zurück­gekehrt. Rach Erkundigungen, die wir an maß­gebender Stelle eingezogen haben, darf er für verschollen gelten."

Malte knitterte das Blatt in der Hand zu­sammen und hieb es ingrimmig auf den Tisch Fehlte nur noch, daß ihm das Blättchen einen gefühlvollen Rachruf gewidmet hätte mit sanf­tem Tadel seiner Verfehlungen gegen die Stan- dessitte! Gott fei Dank, er lebte noch, war wieder zurückgekommen. Aber wie hatte gestern abend eine zu ihm gesagt?Du hast doch Freunde, die zu dir stehen" . . . War das viel­leicht auch ein Freund, der in hämischem Be­mühen dafür sorgte, daß dieser Zeitungsartikel ihm ja nicht verloren ging? Zum Teufel mit der ganzen Gesellschaft! ... Er griff mit bei­den Händen zu in jählings aufsteigendem Zorn, schleuderte Briefe und Zeitungen in den offenen Dogen des Kamins. Was brauchte er das übrige Zeug noch zu lesen? . . .

Ein schmales hellblaues Kuvert war zu Boden gefallen. Er hob es auf, um es den andern in die gierig auflodernden Flammen nachzuwerfen, doch mitten in der Bewegung hielt er inne. Der Umschlag trug eine Handschrift, die er nur zu gut kannte:Seiner Hochgeboren Herrn Grafen Malte Römnitz, Schloß Vellahn bei Hohen- römnitz. Ditte nachsenden!" Rach dem Post­

Nach Dankesworten an alle, die ihn unterstützten, stellte er mit Befriedigung fest, daß mancher Fort­schritt erzielt worden sei. Sein Abschiedswunsch sei, alles Trennende zurückzustellen und fest zusammen­zuarbeiten in den kommenden schweren Zeiten.

Hessisches Iubiläumspreishirien in Schotten.

Z Schotten, 31.Aug. Der Landesver­band Rhein-Main im Verein für Deutsche Schäferhunde beging fein 10. Zubiläum. Aus diesem Anlaß fand die Feier, die mit einem Zubiläums - Preishüten verbunden war, am vergangenen Samstag und Sonntag in S ch o 11 e n statt. Die Ortsgruppe Gie­ßen und Umgegend, besonders der 1. Vorsitzende, Herr M a 11 h e i s , und Georg Hüttenber­ger (Gießen), hatte die Durchführung übernom­men. Viele Gäste waren gekommen. Die Stadt war geschmückt.

Zn der dicht besetzten Turnhalle fand am Sams­tag der Degrüßungsabend statt. Der Geschäfts­führer des Landesverbandes, H. Zahrreis (Frankfurt), eröffnete mit einer längeren Degrü-

stempel zu schließen, hatte der Drief ungefähr anderthalb Zahre auf ihn gewartet... Es waren nur ein paar Zeilen . . .

Lieber Malte, ich habe lange gezaudert, ob ich Dir schreiben soll. Aber ich bin ganz frei, habe nach niemandem zu fragen. Ein ganz unge­wohntes Gefühl ist das. Und da soll es doch mein erstes sein, Dir in die Ferne einen Gruß zu senden. Gott behüte und schütze Dich in allen Gefahren, darum bete ich jeden Morgen und Abend. Vergiß mich nicht, wie Dich nicht ver­gessen wird Deine Gertrud" . . .

Er ließ sich mit einem Aufstöhnen in den Stuhl zurückfallen und deckte die Hand über die Augen. Wenn er diesen Drief bekommen hätte zur Zeit, als er geschrieben war! . . . Da wäre vieles zu ändern gewesen Ganz ohne Sinn und Verstand war er mit einer Ge­sellschaft, die ihn nichts anging, in der Wildnis umhergezogen. Zu Hause wartete indessen eine auf ihn, die er längst verloren glaubte. . . Die ganze Expedition war nichts weiter als ein groß angelegter Schwindel gewesen. Dreißig Tage­reisen hinter der Küste ungefähr wurde der kaufmännische Leiter plötzlich schwer krank, ließ sich zurücktransportieren. Die vier Herrenjäger mit dem verdrehten kleinen Maler, der sich der Expedition angeschlossen hatte, zogen nach langer ^Beratung weiter. Die Route war ja vorge­zeichnet, und sie mochten ihr Geld nicht unnütz verlieren. Unermeßliche Reichtümer warteten in der Ferne, wenn man nur die Urwälder am Mittelläufe des Kongos erreichte. Da hing der Kautschuk, der in Europa fast mit Gold aus­gewogen wurde, in dicken Klumpen an den Bäumen, man ließ ihn durch die zahlreichen Eingeborenen sammeln, nach dem Fluß schaffen und das Geschäft war fertig. Außer ihm und dem kleinen Maler waren noch drei Narren vorhanden, die ihr letztes Geld an dieses Mär­chen gesetzt hatten. Wie sich in den Gesprächen am Lagerfeuer in den langen Nächten allmählich herausstellte, auch Leute, die in der Heimat nichts mehr zu suchen hatten. Verlorene Söhne, denen das Elternhaus keine Wiederkehr wünschte . . . Drei davon waren unterwegs ge­blieben, an dem Sumpffieber, das den Men­schen bis auf die Knochen ausmergelte... bei ihm und dem kleinen Maler hatten die Kräfte noch gereicht bis Tabora. Und dort hatte er eine unvermutete Hilfe gefunden . . . Aber besser wäre es ihm gewesen, unterwegs zusammenzu­brechen wie die andern drei. Ein paar Tage wurde bann immer gerastet, aber wer dran war am Sterben, beeilte sich. Er sah ja, daß die andern mit Ungeduld darauf warteten, sich wei­terzuschleppen der rettenden Küste zu . . .

Es pochte an der Glastür, die auf den Vor­garten führte. Malte hob den Kops:Herein"...

Ein vierschrötiger Mann mit blondem Voll­

ßungsansprache den Abend. Bürgermeister M e n g e I entbot in launigen Worten den Will­kommensgruß der Stadt Schotten. Eine Reihe von Glückwunschansprachen folgte. Die Ortsgruppe Groß-Auheim überreichte dem Zubilar silberne Hundeplaketten. Zn Würdigung ihrer Verdienste wurden seitens des Landesverbandes den Herren Hüttenberger und Decker (Gießen) schöne silberne Etuis überreicht. Schäfer Wirth (Wet­terfeld) sprach in kernigen Worten über die Schä­ferei. Musikalische Vorträge der Dlauweihkapelle Schotten und des Schottener Männerchores folg­ten. Besondere Anziehungskraft besaßen die Vor­führungen des Polizei- und Schutz­hundevereins 1914 Gießen. Mit ihren schönen, reinrassigen Hunden stellten sie eine Reihe schöner lebender Tierbilder. Ein lehrreicher Film über Zucht, Arbeit und Verwendung des deut­schen Schäferhundes folgte.

2lm Sonntag begann auf dem städt. Gelände nach Michelbach das Preishüten. Als Preis­richter wirkten Herr Reihenweber (Zena) und Gutsbesitzer Hahn (Reinsfeld). Man sah prachtvolle Leistungen der Hunde, die die Schaf­herde nach Weisung ihres Schäfers dirigierten.

Die Preisverteilung hatte folgendes Er­gebnis: 1. Preis (vorzüglich)Esche , Führer H. Schelle, Borken; 2.Preis (vorzügl.)Norma". Schäfer B ä u m I e r, Staufenbergs 3. Preis (vorzüglich)Cilla", Schäfer Dinzer, Pohl- göns; 4. Preis (vorzüglich)Dirndl", Schäfer Römer, Götzen. 1. Preis (sehr gut)Argus", Schäfer Bäumler, Staufenberg; 2. Preis (sehr gut)Hella", Schäfer Funk, Schotten; 3. Preis (sehr gut)Hexe", Schäfer Wirth, Wetterfeld.

Landkreis Gießen.

r. Klein-Linden, 2. Sept. Unter überaus starker Beteiligung der Schüler führte die hie­sige Volksschule die Reichsjugend­wettkämpfe durch, bei denen zum erstenmale auch die Mädchen mitwirkten. Zn der Knaben­oberstufe traten 18 Teilnehmer zu einem Fünf­kampf an. Er bestand aus Barren- und Reck- pflichtübung, 100-Meter-Lauf, Schlagballweit­wurf und Weitsprung. 11 Teilnehmer erreichten die zu einem Siege zu benötigende Punktzahl. Die ersten Sieger sind: 1. Eberhard Kopp, 99 P, 2. Erich Weigel 98 P., 3. Ernst Weigel und Lud­wig Glaum 90 P., 4. Wilhelm Weigel 83 P., 5. Albert Zung 79 P. Die Knabenunter­stufe mit 57 Teilnehmern und 30 Siegern turnte einen Dreikampf (75-Meter-Lauf, Weitsprung und Schlagballweitwurf). Es errangen den Ehrenpreis mit 77 Punkten Walter Lang, 1. wurde Erich Grebe 68 P., 2. Wilhelm Wagner 65 P., 3. Erwin Thon 64 P., 4. Richard Klinket 60 P., 5. Hermann Zung und Walter Weber 56 P. Die Mädchen maßen ihre Kräfte in einem Dreikampf, ähnlich wie die Knabenunterstufe, nur mit leichteren Be­dingungen. Die ersten Sieger sind: 1. Liefe! Schimmel 50 P., 2. Elisabeth Steinmüller I. und Gretel Zünger 44 P., 3. Elisabeth Reuschling und Elfriede Brücke! 42 P. Von den Siegern erhal­ten 6 die Ehrenurkunde des Reichspräsidenten, den übrigen wird eine Ehrenurkunde des Staats­präsidenten von Hessen ausgehändigt.

O Holzheim, 2. Sept. Zn diesen Tagen be­ging die älteste Einwohnerin unseres Kirchspiels, Witwe Katharine Andreas, geb. Kuhl, ihren 9 2. Geburtstag. Sie ist im Zahre 1839 geboren und seit etwa 60 Zähren Witwe. Zn der vorigen Woche begann der Konfirmandenunterricht, an dem drei­zehn Kinder teilnehmen. Davon sind ein Knabe und ein Mädchen von Dorf-Gill.

)( Lich, l.Sept. Der kirchliche Zugend­sonntag wurde am Sonntag in unserer Ge­meinde festlich begangen. Zm Festgottes- dienst des Vormittags, der unter Mitwirkung des Posaunenchors in der geschmückten Kirche statt­fand, wurden die diesjährigen Konfirmanden feier­lich in den Konsirmanoenunterricht auf- Senommen. Stiftspfarrer Draudt sprach über ügenbaufgaben und Zugendziele. Es kamen 11

bart trat über die Schwelle, einige Kladden und Rechnungsbücher unter dem Arm. Er schüttelte die Hagelkörner von der Mütze, klappte die Hacken zusammen:Willkommen in der Heimat, Herr Graf" . . .

Malte ging ihm ein paar Schritte entgegen. Zn der Rechten ballte er den Brief, und der Zorn packte ihn, daß er fast die Selbstbeherrschung verlor.

Herr", schrie er den Eintretenden an,den Willkommen hatten Sie mir gestern abend zu entbieten! Wo waren Sie da, wenn ich fragen darf?"

Der Verwalter Dergemann blickte verwundert auf.

Entschuldigung, Herr Graf! Vormittags hatte ich in dringenden Geschäften zu tun in Moltzahn. Als ich heimkam, sand ich eine eilige Botschaft vor, die mich nach Hohenrömnitz rief. Seine Exzellenz hielten mich so lange auf, daß ich zu meinem Bedauern nicht mehr in der Lage war" . . .

Malte schnitt ihm mit einer kurzen Bewegung das Wort ab.

Din ich hier noch der Herr ober mein Onkel?"

Sehr wohl, Herr Graf, aber es sind während Zhrer Abwesenheit doch Verhältnisse eingetre­ten" . . .

Malte hob die Hand.

Darüber werden wir uns später unterhalten. Zetzt erst mal frage ich Sie, weshalb haben Sie mir nichts nachgeschickt in den zwei Zähren? Wie ein Strolch zog ich in der Fremde herum, der keine Heimat hat, und ich hatte Zhnen doch befohlen, mir alles nachzuschicken, was irgend von Delang wäre?" . . .

Der vierschrötige Kerl mit dem blonden Doll­bart hob die breiten Schultern. Um feine treu­herzig blickenden Augen zwinkerte ein verstoh­lenes Lächeln.

Gott, Herr Graf, wie soll unsereins wohl entscheiden, was wichtig ist und was nicht? Da hab' ich mir eben gesagt, in der letzten Tasche findet sich alles. Wenn der Herr Graf nach Hause kommen, erfahren Sie ja doch alle Neuig­keiten" . . .

Malte fühlte es dunkel werden in den Augen vor Zorn, aber er riß sich gewaltsam zusammen. Hinter dem Frechen da drüben, der ftmher mit krummem Rücken nur zu ihm gesprochen hatte, stand sein Herr Oheim . , .

Es ist gut, Herr Bergemann", sagte er lang­sam,Sie sind auf der Stelle wegen Ungehor­sams entlassen."

Was?" schrie der andre auf.Fast vierzehn Zahre habe ich Zhnen in Treuen gedient, und das soll mein Lohn fein?

Malte steckte sich, während der vierschrötige Kerl in drohender Haltung ein paar Schritte näher trat, eine Zigarette an. (Fortsetzung folgt.)