Ausgabe 
3.9.1931
 
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Ür. 205 droeites Blatt

Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhefjen)

Donnerstag, 5. September (931

Oie Not des Lleberflusses.

OasHoover-Feierjahr hat bisher in der katastrophalen Notlage der Weizenfarmer und Baumwollpflanzer versagt. Lleberproduktion bei zu hohen SrzeugungS' kosten. Ausblick auf das Wahljahr 1932.

Don unserem A.Q.A.-Berichterstatter.

(Rachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!) Reuhork, September 1931.

Der verheißungsvolle Regenbogen, den Prost- fident Hoover mit seinem Frühjahrs-Vorschlag an den Gewitterhimmel zauberte, ist, soweit die Vereinigten Staaten in Betracht kommen, nicht mehr sichtbar. Der Enthusiasmus, mit dem man den Plan begrüßte, ist abgeebbt. Än der Börse, in der Inoustrie, bei den Landwirten. Ramentlich bei den Erzeugern solcher Stapel- Produkte wie Weizen und Baumwolle. Am 18. 3uli, als Senator Arthur Lapper au- dem großen Weizenstaate Kansas und der gleich­falls dort beheimatete Vizepräsident LharleS L u r t i S daran waren, mit dem Plan eines Farm-Moratorium- hervorzutrcten, de­peschierte Präsident Hoover Herrn Lapper, die Rotlage der amerikanischen Weizenbauer sei vorwiegend der Wirtschaftskrise in Europa zuzu- schreiben, uud durch seinen Feierjahrsplan sei da- größte damit zusammenhängende Problem gelöst".

Natürlich gab diese Behauptung Zweiflern An­laß. allerlei zudringliche Fragen an den Prä­sidenten zu richten. 11. a., ob die Senkung der Weizenpreise nicht eher der einheimischen und ausländischen lleberproduktion als der kritischen Lage Deutschlands zuzuschreiben sei? Ob er die Tatsache in Abrede stellen wolle, daß diese llebererzeugung unvermindert andaure. ja eher zu» als abnehme? Was überhaupt der Seiet- jahrS-Plan mit der Frage zu tun habe: ob er nicht weit eher auf die Idee, den Zusammenbruch Deutschlands, Europas, zu verhüten, als auf den Wunsch, ein Heilmittel für die Wett-Depresston zu schaffen, zurückzuführcn fei? lind wieso ein Vorbeugungsmittel plötzlich zum Heilmittel wer­den llnne, und so weiter. Den verärgerten Wei­zenfarmern gesellten sich die Petroleum­quellenbesitzer in Kansas, Oklahoma usw. mit Protesten hinzu und mit dem Verlangen um Eingreifen der Regierung. Die lleberproduk­tion pn Rohöl hatte ein Sinken der Preise auf 10 Lents das Faß (rund 200 Liter) verursacht: die Regierung sollte schleunigst ein Einfuhrverbot verfügen, um der Oelindustrie auf die Beine zu helfen. Präsident Hoover ließ sich aber durch seinen Deneralanwalt belehren, daß dies nicht statthaft sei, und so griff man notgedrungen zur Selbsthilfe und verschloß zehntausende Oel- brunnen.

Die von Herrn Hoover ins Leben gerufene Farm- bchördc, die den Weizen, und Baumwollsarmer durchStabilisierung" der Marktpreise aus seiner Notlage befreien sollte, die ungeheure Mengen Wei­zen und Baumwolle der vorjährigen Ernte ankaufte und vorläufig keinen Absatz dafür finden kann, 8leichzeitig aber nicht zu verhindern vermochte, daß Selzen. und Baumwollepreise einen Tiefstand er­reichten wie nie zuvor in der Geschichte dieses Lan­des, ward von einer Panik erfaßt und machte den Baumwollzüchtern den Vorschlag, angesichts der ge­waltigen Überschüssigen Lagervorräte des letzten Jahres und der in Aussicht stehenden 1931er Riesen- ernte jede dritte Reihe ihrer Baum­wollstauden unterzupflügen, also ein Drittel des auf 15 Millionen Ballen (zu je 500 ame­rikanische Pfund) veranschlagten Ertrages zu ver­nichten, wogegen sie die Farmbehörde sich verpflichten wollte, ihre eigenen Bestände dem Markte fernzuhalten Man kann sich ungesähr vor- stellen, welchen Empfang die Südstaaten, Pflan­zer, Händler und Presse diesem offenbar von der Verzweiflung eingegebenen Vorschlag bereiteten. Allem Anschein nach wird der im Dezember zusam­mentretende Kongreß sich einem Antrag auf Ab­schaffung der mit 500-Dollarmillionen Betriebskapi­tal dotierten Farmbehörde gegenüberstehen. Und

bann kann der Kampf umFarmerhilfe", um Aus­fuhrprämien, Agrarzölle, Ausgleichs-Umlagen, De- bentures usw. von neuem losgehen.

Bon der Katasttophe, die mit dem Weizen- Preissturz über den in diesem Bodenerzeugnisse spezialisierenden Landmann hereingebrochen ist, kann man sich nur schwer eine Vorstellung machen. Wenn an der Ehikagoer Börse Weizen pro Scheffel (unge­fähr 54 deutsche Pfund) mit 50 Cents notiert wird, so bedeutet dies, daß der Landmann auf der Farm bie Hälfte biefes Preises erhält. Geht er mit diesem Erlös auf den Einkauf, so kann es kaum zur Hebung seiner Niedergeschlagenheit beitragen, wenn er sich vorrechnet, daß er für den Preis eines gan­zen «chefsels Weizen beim Bäcker noch nicht ein­mal drei Laibe Brot zu je 10 Cents erhält. Aber­mals ein Scheffel ober den Erlös aus 54 Pfund Weizen muß er drangeben, wenn ihn nach einem Päckchen gewöhnlicher Zigaretten gelüftet; vielleicht fällt dann noch ein 5-Cents-Stück für ein paar Täfelchen Kaugummi für die Kinder ab. Wie mit dem Weizen, so steht cs auch mit anderen Erzeug­nissen der Landwirtschaft. Hafer hat einen Tief­stand von 12 Cents pro Scheffel erreicht. Wenn die Farmersfrau zum Wochenmarkt in die Stadt fahrt, reicht der Erlös von einem Dutzend Eiern knapp zum Einkauf von drei Röllchen Nähfaden, und sollte sie oder eines der Kinder ein Paar Schuhe benö­tigen, so muß sie froh fein, wenn sie aus 20 Pfund Butter genug herausschlägt. Diese Vergleiche hätten noch eine gewisse Berechtigung, wenn dem Farmer bei einem Weizenpreis von 25 Cents überhaupt etwas verbliebe. Dies ist aber nicht der Fall, denn er hat für bie Erzeugung der Körnerfrucht weit mehr, vielfach bas Doppelte, ausge­geben. Er ist dermaßen verschuldet, daß er weder Steuern noch Hypothekenzinsen, weder Arzt noch Apotheker zahlen, weder Kleidung noch andere als die selbst erzeugten Lebensmittel beschaffen kann, von Büchern ober anderem Luxus ganz abzusehen.

Die Schilderungen der Rotlage in dem soge­nannten Weizengürtel der Vereinigten Staaten sind nicht übertrieben. Was man Tag für Tag in der Presse, in ernst zu nehmenden Zeitschrif­ten darüber lieft, ist richtig! Ob sich die wirt­schaftliche und moralische Depression der Farmer, ihre Verzweiflung im nächsten Jahre bei der Prä­sidentenwahl in einer Auflehnung gegen bie herrschende republikanifchePar- tei auswirken wird? Wer mochte heute schon eine Prophezeiung wagen? Sicher keiner, der sich an den .Farmeraufstand" von 1928 erinnert. An die Umzüge, die von .rebellischen" Agrariern in der Halle zu Kansas City beim republikanischen Rationalkonvent veranstaltet wurden. An den Schlachtruf .Wir stimmen nie für Hoover!" An all das Geschrei, all die Ströme Druckerschwärze, die vergossen wurden. Denn vier Monate später errang sich Hoover in sämtlichen Acker­baustaaten der nordamerikanischen Union eine Stimmenmehrheit und ward zum Rach­folger Calvin Coolidges erkoren.

Das will nicht heißen, daß man sich im Weißen Hause zu Washington schlankweg der Hoffnung hingibt, die neue .Farmerrevolte" werde d e r gleiche Schlag ins Wasser sein wie die von 1928. 3m Gegenteil, man ist dort ebenso be­sorgt wie im großen Hauptquartier der republi­kanischen Partei. Man weiß sehr wohl, daß die Demokraten genau Buch führen über die nicht eingetroffenen Prophezeiungen Hoovers. Der Präsident hat die Leiter der Regierungsämter aufgefordert, in ihren Haushaltsvoranschlägen für das kommende Rechnungsjahr äußer st eSpar- f am te i t zu üben, da .die Regierungseinkünfte stark zurückgehen und für das laufende Fiskal­jahr ein großes Defizit in Ausfichl steht". Dies Haushaltsjahr läuft mit dem 30.3uni 1932 ab,

Edisons Laboratorium.

Das Denkmal einer Freundschaft.

Don Heinrich Hauser.

Ford und Edison sind Freunde: Freund­schaft und Verehrung Henry Fords haben das außerordentlichste Denkmal geschaffen, das je einem Lebenden gesetzt worden ist. Und wie alle Oboen Fords, so ist auch dieses Denkmal dazu bestimmt, zu wirken und Ruhen zu stiften. Wir wissen, daß Edison seine wechselvolle Lauf- bahn als Zeitungsjunge begann. Wir wissen, d<ch er sein erstes Laboratorium in einem Packwagen auf einer Eisenbahn einrichtete. Wir wissen, daß bei diesen ersten Experimenten der Packwagen eines Tages in Drand geriet. Daß ein bntalcr Stationsvorsteher den vierzehnjähri­gen Zungen aus dem Zuge stieß, mit einer so ge­waltigen Ohrfeige, daß Edisons eines Ohr seither taub geblieben ist. Wir wissen, daß er als -Tele­graphist gearbeitet hat. Wir wissen von seinem Aufstieg, feinen Laboratorien in Menlo-Park bei Reuyork, wo er die erste Glühlampe erfand. Den .Zauberer von Menlo-Park" nannte ibn das Volk, geblendet von den achthundert Glühlampen, die fein Haus erhellten.

1929, fünfzig 3ahre nach jener historischen Rächt, in der die erste Glühlampe aufglomm und nut verkohltem Bambusfaden erlosch erhielt T. X Edison eine Einladung zu Henry Ford nach Dear- born.

Cr wußte, daß irgendetwas geplant war, eine Feier, eine Ehrung, aber er wußte nicht, was es war. T. A. Edison kam in Detroit mit einem der großen Züge an und wurde auf ein Reben- gclcis geführt. Auf diesem Geleife stand ein Eisenbahnzug aus dem 3ahre 1850, die ersten ?)ullman-Wagen hinter einer alten bauchigen 2o- omotive, deren Schlot einer großen Tüte glich. T. A. Edison schüttelte die Hand des Lokomotiv­führers - den er gekannt hatte vor 50 3ahren, den man aus feinem Ruhesitz ausdrücklich hatte kommen lassen, um noch einmal im Leben einen Zug zu führen, zwölf Meilen von Detroit nach Dearborn.

Dreihundert Meter von der Station entfernt stand ein großes, zweigeschossiges Fachwerkhaus in einem Garten. Edison erkannte das Haus:

es war sein eigenes Laboratorium, es war das Haus von Menlo-Park, hierher versetzt.

Er meinte zu träumen. Er blieb stehen am Gartentor und blickte über den Zaun, kein Zwei­fel, es war sein Haus. 3m Garten lag ein Hau­fen zerbrochener Flaschen und chemischer Retor­ten und Mörser - kein Zweifel, das waren seine Flaschen und Retorten, das war sein Müllhaufen. Vor dem Haus lag ein großer, grauer Feldstein. 3a, das war auch sein Stein. Er hatte sich oft über den Stein geärgert, er hatte sich die Knie an ihm gestoßen. Er sah die Bäume an. 3a, daS waren seine Bäume, nur äl­ter und größer geworden. Er maß ihre Stellung zum Haus, ja, sie standen, wie sie immer gestan­den hatten.

Edison ging die knarrende Holz treppe hinaus. Er kam in einen großen Saal. Er war angefüllt mit Werkbänken, Regale voller Chemikalien stan­den an den Wänden. Elektrische Apparate waren auf den Tischen aufgebaut. Es brannten Gas­flammen Lange stand der alte Mann da oben an der Treppe. Seine alten Augen prüften Stück für Stück, und die vergrabenen Bilder der Erinne­rung wurden lebendig in seinem mächtigen Ge­hirn: ja, so war daS gewesen. Stück für Stück. 3edes Modell, jede Maschine. Da war die Uhr, deren Zeiger noch mit einem Band festgebunden waren, fo wie er sie festgebunden hatte. Ein Symbol: in diesem Laboratorium gab es keine Zeit.. Da war die Klappermaschine. mit der er seine Assistenten geweckt hatte. Die durften schla­fen stundenweise, während irgendein Experi­ment im Werden war.

Da war der Stuhl, in dem er zu sitzen Pflegte, und vor dem Stuhl war eine Apparatur aufge­baut, Glasröhren, Schläuche und Glaskugeln: es war die Apparatur, mit der vor 50 3ahren das erste Licht in einer Glühlampe entzündet wor­den war.

Mehrere alte Männer standen im Hintergrund. Edison erkannte sie. Es waren seine Mitarbeiter, es waren die gleichen Männer, die vor fünfzig 3ahren in der historischen Rächt mit ihm ge­arbeitet hatten. Sie waren weißhaarig, aber so aufrecht und ihre Augen so in Spannung strah­lend, überwach, wie in jener Rächt.

Die alten faltigen Finger T. A. Edisons tasteten nach den Glasröhren und Kolben. Die Assisten­ten halfen, schalteten die Dynamos ein. 3m Hin- I tergrunbe standen das Ehepaar Ford, der junge

gerade um die Zeit, wo die großen Parteien sich zusammenfinden, um den Präsidentschaftskandi­daten zu nominieren. Höchst fatal Roch im De­zember hatte Hoover für dasselbe Rechnungsjahr einen voraussichtlichen lledersckuß von 30 Dollarmillionen vorauSgesehen. Zur gleichen Zeit hatte er das 1931er Defizit auf 180 Dollarmil­lionen berechnet, als aber der 30. 3uni 1931 herankam, war eS auf 903 Millionen an- gewachsen. Wahrscheinlich ist eS aus diesen kleinen Rechenfehler zurückzuführen, daß der Prä­sident für 1932 nur von einem .großen" Fehlbe­träge im Bundeshaushalt spricht und auf eine Prophezeiung der voraussichtlichen Höhe ver­zichtet.

Wa» Hoover über die Dauer der Depression an Voraussagen hat laut werden lassen, und wie ganz anders es gekommen ist. davon wird man in dem ..Lehrbuch", das die Demokraten ihren Wahl­rednern mit inS Feld geben, mancherlei zu lesen bekommen. Man kann Die derzeitige Wirtschafts­lage sicher nicht dem Präsidenten zur Last legen, aber die Gegenpartei wird eS sich kaum nehmen lassen. Vergleiche zu ziehen zwischen seinen gro­ßen Worten von der ..Abschassung der Armut" und der jetzigen Kalamität. Man wird ihm vor- toerfen, daß er das Heil der Landwirtschaft noch immer in demIndividualismus" erblicke, wäh­rend der amerikanische Ackerbau nur dann im Weltwettbewerb werde bestehen können, wenn er denselben Rationalisierungs- und Mechani­sierungs-Prozeß durchmache, wie die 3ndustrie. Richard Whitney, derzeitiger Präsident der Reuyorker Effettenbörse, sagt als nächsten Schritt zur Lösung des AgrurproblemS die Finanzierung riesiger Ackerbau-Korporationen durch

Wall Street voraus. DaS ist ein bedeutungsvolles ZugeständniS. denn die amerikanische Hochfinanz hat sich bisher vor dem Betreten dieses Opera­tionsgebietes gescheut wie Satan vor dem Kruzisix.

Der Ucbergang zum Farm-Großbetrieb wird eine neue Abwanderung der Land­bevölkerung nach den Stadtgebieten bedingen,ein ungeheures Problem", wie Pro- sessor T. E Dregorn. Znhaber der Lassel-Pro- sessur für daS Bankwesen an der Londoner Uni- versität. vor einigen Tagen vor dem in Wil­liamstown im Staate Massachusetts tagenden3n- stitut für Politik" erklärte. Die Lösung dieses Problems hangt, soweit die Vereinigten Staaten in Betracht kommen, eng mit der Ginwan - derungspolitik zusammen und läßt nicht nur eine Verschärfung der Einwanderungs- Abriegeluiig, sondern sogar schärsere Maßnahmen gegen alle Zugewanderten, die das amerikanische Bürgerrecht nicht erworben haben, erwarten. Denn mit der Umstellung auf die Mafsenerzeugung zur Verbilligung der Gestehungskosten werden Mil­lionen K leinsarmer entbehrlich, und hunderttausende Kleinfarmen werden spurlos in den Großbetrieben aufgehen. Man braucht nicht Radikaler und nicht Schwar^fehen zu fein, um in den heutigen Zuständen in den Mittelwest- und Südftaaten der nordamerikanifchen Union eine Gefahr nicht nur für die republikanische Partei waS schließlich noch zu verwinden wäre. sondern eine stärkere Bedrohung der derzeitigen Ordnung zu erblicken, als alles andere, waS sich seit dem Bestehen dieser Republik zugetragen hat.

Unser Bild zeigt die Berliner Börse In der Burgstrahe. Am 3 September wird an allen deutschen Börsen der Effektenverkehr wieder aufgenommen.

Oie mittelrheinischen Turnersänger in Darmstadt.

r Darmstadt, 31. Xug. Das 5. KreiSwer- tungssingen des Mittelrheinkreises (D. T.) führte am gestrigen Sonntag 38 Sänger- riegen mit insgesamt 1400 Turnersängern nach der Landeshauptstadt. Rach einer eindrucksvollen Morgenfeier im Orangeriegarten, bei der der Mafsenchor der Turner eindrucksvoll wirkte und in Ansprachen der Vertreter der staatlichen und städtischen Behörden auf die enge Verbun­denheit von Turnen und Singen hingewiefen wurde, fand in vier Stufen das Wertungsfingen im Orangetiefaal und in der Dessunget Turn­halle statt. 3m allgemeinen war sowohl in bezug aus die Auswahl des Liedgutes, als auch im Hinblick auf das künstlerische Können ein Fort­schritt im Turnersängerwesen zu beobachten.

3n den einzelnen Stufen wiesen folgende Ver­eine die besten Leistungen auf: Stufe 1 (6 Ver­eine mit 55 und mehr Sängern): 1. Tgf. Offen­bach a. M. 160 Punkte: 2. Tv. Heusenstamm und

T. u. Spgm. Fechenheim 159 Punkte. Stufe 2 (6 Vereine mit je 54 bis 40 Sängern): 1. Tv. Riederrad 162 Punkte: 2. Tv. Sulzoach und Tgf. Mainz-Kastel 159 Punkte. Stufe 3 (12 Vereine mit je 39 bis 30 Sängern): 1. Tv. Sachsenhausen 162 Punkte: 2. Tgm. Friedberg und Tv. Vorwärts Vockenheim 157 Punkte. Stufe 4 (14 Vereine mit weniger al- 30 Sängern): 1. Tgf. Sachsen­hausen 160 Punkte: 2. Tv. Groß-Gerau 157 P. Don der Nauheimer Verkehrswerbung

< Bab-Nauheim, 1. Sep. In der jüngsten Sitzung des Stadtrats wurde ein Gesuch des Verkebrsoereins, ihm zu der bereits ge­währten Unterstützung von 2000 Mk. für das laufende Rechnungsjahr eine weitere Beihilfe von 2000 Mk. zu bewilligen, abgclehnt. Dagegen fand sich eine Mehrheit des Stadtrats bereit die Summe von 1 2 0 0 M a r k zur Verfügung zu stellen. Damit ist die Weiterarbeit des Vereins, dessen Verdienste von verschiedenen Seiten anerkannt wur­den, vorläufig gesichert.

Ford und wenige Gäste, und mit atemloser Span­nung sahen sie das Experiment geschehen, das große Experiment, das der Welt ein neues Licht brachte.

Es war eine seltsame Stunde.

Dann wandte sich der große alte Mann um zu Henry Ford, dem andern großen alten Mann, und lächelte:Henry, du hast es wunderbar ge­macht. 3ch hätte es nie geglaubt, du hast es zli 99 und; io Prozent genau gemacht, wie es gewe­sen ist."

Da lächelte Ford und beugte seinen Kops zu Edisons Ohr, damit er ihn verstände: .Was ist das Zehntel, das fehlt?"

.Henry, es ist der Dreck. Der Dreck lag hier immer ganz hoch. Du hast es zu sauber gemacht."

Tatsächlich waren die Edison-Laboratorien in Menlo-Park und Ford-Worth bereits abgeris­sen, das Material teilweise in andere Häuser ver­baut. Als Ford den Plan faßte, das alles wie­der aufzubauen, hat er ganze Gebäude aufge­kauft und abreißen lassen, um etwa ein paar Bretter wiederzugewinnen, die zu den Laborato­rien gehört hatten. Stein für Stein liegt heute wo er gelegen hat, nach Photos und Befchrei- bungen wieder hergestellt.

Es steht auch die erste Fabrik Edisons. Steift in Betrieb.

Es läuft die alte Dampfmaschine mit dem holz- beschlagenen Zylinder, verziert mit blumigem Rankenwerk aus Eisen. Es läuft das große Rad mit dem Treibriemen nach der Decke, es laufen die ersten Dynamos, unendlich rührend und kind­lich anzusehen, wie junge Pilze im Wald.

Die Briefschreiberin der pariser.

3n dem Pariser Stadtviertel von St. Sulpice hat sich ein alter Brauch, unberührt von den Wandlungen, die inzwischen die Seinestadt er­fahren hat, durch die Jahrhunderte unverändert erhalten: der Brauch, die Hilfe eines öffentlichen Driefschreibers aukusuchen. 3n diesem alten Viertel, das zwischen der Sorbonne und der Academie Fran^aise liegt, lebt Mrne. S-, die um ihrer Kunst des Driefschreibens willen berühmt ist. Sie hat an zwei Rachmittagen der Woche Empfangstag", und an diesen Tagen ist ihr Wartezimmer so gesteckt voll wie der Empfangs­

raum eines vielbeschäftigten Arztes. Dienst­mädchen, die vor der schweren Ausgabe stehen, einen Liebesbrief zu schreiben, GcschästSleute, die mit der Grammatik auf Kriegsfuß leben, Aus­länder, die um ihre Aufnahme in den Staats­verband einkommen wollen kurzum, Leute au- allen Ständen und mit den verschiedensten Wün­schen warten, bis sie bei Mme. S. vorgelassen werden. Diele ihrer Besucher können sehr gut lesen und schreiben, aber sie sind der Ansicht, daß gewisse Briese besser von einem Sachkundigen abgesaht werden. So dachte auch ein Musik- Professor, als er jüngst dem Minister für Unter­richt feinen Wunsch, mit den Palmen der Aka­demie dekoriert au werden, übermitteln wollte« Mme. S- erzählt aus dem Schah ihrer Er­fahrungen, daß feit dem Kriege die Zahl bet durch Briefwechsel angestrebten und erreichten Eheschließungen in außerordentlichem Maße zu­genommen habe. Doch da sie es sehr ernst mit ihrem Berufe nimmt, erteilt sie nur dann ihre Hilfe, wenn sie von den ernsten Absichten ihrer Auftraggeber überzeugt ist.

Zeitschriften.

3m Herbstheft der ZeitschriftDas Insel- schiff" ist ein großer Raum der soeben mit dem Goethe-Preis der Stadt Frankfurt ausgezeich­neten Dichterin Ricarda Huch gewidmet: nächst einem einführenden Aufsatz des bekannten Li­terarhistorikers Fritz Strich kommt die Dichterin selbst zu Worte mit Proben aus demGroßen Krieg", einem zarten Gedicht und einem ganz persönlich gefaßten RückblickMein erstes Jahr- zehnt", dem ein liebenswertes und kaum bekannte- Kinderbildnis Ricarda Huchs beigegeben ist. An­dern weiteren 3nhalt des Heftes erwähnen wir die fesselnden Iagdschilderungen von Aloysiu- Horn, aus dem in neuer Ausgabe erscheinende« BucheAbenteuer an der Elfenbeinküste"; eine sehr aufschlußreiche Analyse der geistigen Um­welt von PlatosPhaidros": Carl SieberS Bei­trag über die Ahnen Rilkes wird für die zahl­reichen Freunde des großen Dichters von beson­derem Interesse sein. Außerdem berichtet bet 3nsel-Verlag über sein Herbst-Programm, daS zum Teil schon im Zeichen bes lommenben Goethe- Jahres stehen wird. Das gut ausgestattete, reich­haltige Heft ist von Karl Weiher redigiert.

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