Ausgabe 
3.8.1931
 
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Nr. (79 Zweiter Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhesten)Montag, 3. August 1951

Das größte Krankenhaus der Welt.

DieMedizinische Stadt" in Neuyork, ein riesiger Komplex von Krankenhäusern, medizinischen Forschungsinstituten und Laboratorien, ist jetzt fertiggeftellt worden.

OieIagd im August.

Die Sense klingt, die Mähmaschine rattert, Darbe auf Garbe fällt, und bald wird der Wind über da« weite Stoppelfeld wehen. Lleberall flei­ßige Menschen und überall in der Flur älnruhe. Vorbei ist für daS Wild das Ungeftörtfcin in dem riesigen Halmenwald, und so tritt es denn den Rückwechsel in den Wald wieder an.

Für den hirschgcrechten Jäger ist die Zeit ge­kommen, wo er fein Können unter Beweis stel­len kann. Denn derRothirsch ist in die Feiste getreten. Roch immer gilt sie als die Krone der Äagd, die 3agb auf den Feisthirfch, dasRacht- gespenft, daS du nur ahnst, das du nicht kennst". Wenn die Augusthitze aus Wald und Feld brennt, dann steckt er in der weiten Dickung. Meist pflegt das Rotwild erst in den Morgenstunden auf die Aesuna ziehen, wenn der Tau gefallen ist. Bor allem die Haferäcker haben es ihm angetan. Dine ebenso unwiderstehliche Anziehungskraft ober übt auf den feisten Hirsch beim Einwechsel beim jungen Licht die Suhle auS. Dem Pirsch­jäger aber versprechen auch die Stunden nach war­mem Regen Weidmannsheil, wenn der heimliche Recke gern auf Schneifen, Blohen ober Wald- wiefen nascht. Die ..Zeichen" zu lesen, danach Wechsel, Stärke und Einstand des braven Hirsches zu bestätigen, ist eine Kunst, die der heutigen Zägerwelt um so mehr verloren geht, je mehr der König der Wälder aus seinem Reich ver­trieben wird. Degen Ende des Monats pflegt der Hirsch oft schon zum Mutterwild zu treten, die Brunstzeit naht heran.

Die Haser- und Kartoffelfelder ziehen auch daS Schwarzwild stark an. Achnlich dem Rot­wild steckt es tagsüber meist in feldnahen Dickun­gen, um dann nach Sonnenuntergang zur Äefung zu ziehen. Der Jäger wird natürlich versuchen, durch Abschuh einzelner Stücke aus nächtlichem Ansitz zu großem Schaden vorzubeugen.

Die Brunft des Rehwildes pflegt Anfang August ihren Höhepunkt zu erreichen. Dann kann der Jäger fich auch der Blattjagd mit dem Ge­fühl widmen, dah der gute Dock, den er streckt.

sich schon vererbt hat. Die Blattjagd ist sehr geeignet, dem Weidmann einen lieberblick über seinen Bestand zu geben, da ja nicht nur Böcke springen. Leider ist es nur häufig so, dah ge­rade bei der Blattjagd jeder Bock beschossen wird, der gerade springt, auch wenn er vorher beim Pirschgang vielleicht wiederholt als nicht abschuh- reis begnadigt worden ist. Das ist natürlich sinn­los. Gerade beim Blatten, zumal aus guter Deckung oder vom Hochsitz aus, ist oft die beste Gelegenheit zu einem genauen Ansprechen ge­geben. und auch hier sollte nur fallen, was wirk­lich gut ist ober was im Interesse der Qualität des Rehstandes als Schädling weg muh.

Auch im August widmet sich der Hase noch der Erhaltung seiner Sippe. Häsinnen aus dem ersten Sah sehen oft selbst schon. In Kartofsel- und Rübenfeldern liegen meist die Iunghäschen. Leider werden diese Aecker dann gerade recht oft von Hunden abgesucht, die bei den Ernte­arbeiten mit hinausgenommen werden und nun auS Langeweile und unbeaufsichtigt ihre Iagd- züge unternehmen. Gegen diesen Unfug muh Der Jäger unter allen llmständen einschreiten, denn er kostet ihm alljährlich nicht geringe Men­gen von Jungwild.

Wenn die Felder frei sind, wird es auch bald möglich sein, sich ein Bild vom diesjährigen Rebhühnerbesatz zu machen. Abends und morgens sieht man die Ketten auf Wegen und Stoppeln laufen oder hört das Locken. Für Jäger und Hund aber ist es auch gleich emp­fehlenswert. schon vor Eröffnung der Hühner­jagd da und dort einmal eine kleine Dorsuche zu machen. Man weih dann gleich bei Jagd- eröffnung. wo Hühner liegen. Ferner aber ist die Hühnerjagd besonders in den ersten heißen Tagen recht anstrengend, und mancher heiß er­sehnte erste Iagdtag endigte nach wenigen Stunden mit ausgepumpten Jägern und Hunden. Die Eröffnung der Hühnerjagd wird vom Ernte­stand abbängen. Darüber sind also nähere Be­kanntmachungen abzuwarten

DerersteDienerdesVaterlandes.

Gin Arbeitstag des Reichspräsidenten.

Don H. E. Wolfram.

In unseren Tagen, denen man nicht ganz un­begründet ein amerikanisches Tempo in jeder Hinsicht anhängt, stöht man häufig auf Menschen, die, in arrivierten Positionen, vielleicht als Direk­toren oder gar Generaldirektoren irgendwelcher Trusts, Syndikate und sonstiger Weltunternehmen, vom Rimbus der Arbeit umgeben werden. Man hört oft von ihnen, dah sie niemals zu sprechen sind, dah sie dauernd beschäftigt feien und daß wenn es nach ihnen ginge der Tag mehr als 24 Stunden haben mühte. Wenn man einem solchen Generaldirektor den Leiter eines weit komplizierteren .Trustes", nämlich den Führer eine- Staates, gegenüberstellt und dabei in erster Linie an unseren Reichspräsidenten denkt, so drängt sich einem ganz unwillkürlich die Frage auf: was soll denn Hindenburg da erst sagen?

Die Gloriole, die die aufrechte Gestalt Hinden­burg- umgibt, ist im Grunde nichts anderes als der Widerschein eines wertvollen Daseins, das in den Stunden von 7 bis 23 ilßr fast ausfchlieh- lich der Arbeit gewidmet ist. In dem Tagesab­lauf des Reichspräfidenten gibt es nur wenige Stunden der Ruhe. Kommt man darauf, das Le­ben des Reichspräsidenten in Stundenzahlen fest­halten zu wollen, so ergibt sich, dah Hindenburg abgesehen von den Stunden der Rachtruhe im Jahre etwa 3456 Arbeits- und 1512 Ruhe­stunden hat.

Der Tag beginnt für den Reichspräsidenten um 7 Uhr und sieht ihn in den Sommermonaten be­reits um 7.30 Uhr in dem Garten seines Ber­liner Palais, der sich von der Wilhelmstrahe hin­über bis zur Friedrich-Ebert-Strahe erstreckt. In der oberen Wilhelmstrahe Haus Dummer 73 ist das Palais des Reichspräsidenten, das etwa bis zum Jahre 1840 Privatbesitz war und dann dvm Preußischen Staat angekauft wurde. Hier 'n diesem Palais wird das letzte Wort gesprochen, das maßgebend i ft'unb das die Geschicke des Rei­ches beeinflußt. Hindenburg pflegt fich bis ge­gen 8.15 Uhr im Garten des Palais gewöhn- lich begleitet von seinem Hund aufzuhalten, um Punkt 8.30 Uhr am Frühstückstisch zu er­scheinen. Das familiäre Leben des Reichspräfi­

denten wird von der fürsorglichen Hand seiner Schwiegertochter, der Frau Oberstleutnant von Hindenburg, geleitet. Gemeinsam mit Sohn und Schwiegertochter nimmt der Reichspräsident das Frühstück ein.

Um 9.30 Uhr beginnen für ihn die Staats- geschälte. Zu diesem Zeitpunkt empfängt der Reichspräsident als ersten Besucher seinen Staats­sekretär. der ihm über alle wichtigen Dorkomm­nisse Bericht erstattet. Es sind Dinge der Innen- und Außenpolitik, über die sich Hindenburg in­formiert. Briefe von Parteimännern, Zeitungs­artikel. Petitionen und sonstige umfangreiche Korrespondenzen, die den Reichspräsidenten aus der sogenannten ..Morgenmappe" des Staats­sekretärs vorgelegt werden.

Daneben treffen täglich Rachrichten und De­peschen aus allein Teilen der Welt im Bureau des Reichspräsidenten ein, kurze Meldungen ober lange Berichte der auswärtigen Diplomaten, in denen sie von Unterredungen mit Minister­präsidenten, Wirtschairsführern und Politikern des Landes, in dem sie akkreditiert sind, berichten. Das gesamte Material wird gesichtet und Hinden­burg sofort vorgelegt. Es ist die internationale Politik, die hier über die Kabelstränge nach Berlin. Wilhelmstrahe 73. telegraphiert wird, um geprüft, durchdacht, umgewandelt und für deutsche Verhältnisse benutzt zu werden. Es ist ein Wust von Problemen, der sich hier auf türmt Und es find gerade die Dormittagsstunden, die von dem Reichspräsidenten die größte Arbeit verlangen.

Hindenburg äußert sich zu jeder Sache, zu jedem Brief, der ihn erreicht und die Schreib­maschinen der zehn Sekretärinnen im Bureau des Reichspräsidenten, das im linken Flügel des Palais untergebracht ist. stehen von da an nicht mehr still. Das Bureau des Reichspräsidenten ist im übrigen ein verhältnismäßig einfacher Apparat, dem insgesamt nur 33 Personen ange­hören Es sind dies acht Amtsdiener, erwähnte zehn Schreibdamen und fünfzehn höhere Beamte, die zu der näheren Umgebung des Reichspräsi­denten gehören.

Um 13.30 Uhr zieht sich Hindenburg zurück und ißt zu Mittag. Je nach der politischen Situation pflegt Hindenburg ihm besonders wich­tige Personen zu Mittag einzuladen. um hier Gelegenheit zu haben, mit Politikern oder Ab­geordneten, Diplomaten oder Industriekapitänen

Es fei heute schon darauf hingewiesen. dah die Jagd auf den 5 a f a n in Preußen erst um den 1- Oktober, in Hessen erst am 16. Oktober beginnt, Hühnerjagd und Fafanenjagd also nicht zu­sammenfallen

Die überall verkürzten Schuhzeiten der W i Id­en t e n scheinen sich auf den Bef atz günstig aus- zuwirken. Allerdings sah man in diesem Jahre bei Iagdaufgang vielfach noch flugunsähige Kop­peln. offenbar aus zweiten Gelegen dcrvor- gegangen, da das Frühjahrshochwasser zahlreiche Gelege zerstört haben soll. Die Enten fqllen jetzt sehr gern abend- oder morgen- m der Däm­merung aus Stoppelseldem ein. Der Ansitz hinter Fruchthaufen kann an solch bevorzugten Aeckem oft gute Beute bringen.

Ebenso verspricht die Jagd auf Wildtau­

ben (in Preußen noch Hegezeit?» jetzt Erfolg, wenn sie au» den Ge:reidefeldern oder den Ctblenädem emfalle^. Auch der Ansitz an den Tränken, d e meist zu den gleichen Stunden auf* ge'ucht werden, ist empfehlenswert.

Den Fuchs w rd man w eder mehr zu Go- sicht bekommen, nachdem da- Getreide gefallen ist. Das Geheck ist auseinandergelaufeii. und die Jungen raubendjon auf eigene Faust. Ob man sie laufen lassen will, um später den Balg zu ernten, oder fern Riederwild vor ihnen schützen toill, ist Ansichtssache

Der Dach- lucht bei seinen nächtlichen Wan­derungen gern Obstgärten auf. um sich am Fall­obst gütlich zu tun. wr wird bei der reichen Boh­rung. die er überall findet, bald feist.

H u b e r t u -.

Beim Schühenverein Gießen zu Besuch.

Oie vorbilöüdye Anlage.

.Der Zutritt ist nur Mitgliedern gestattetl" steht an der Türe des Schützenhause-. .Der Zutritt des Schießgelände- ist verboten!" steht auf den verschiedenen »Warnungsschildern, die an den Wegen, die um die Schießstände durch den Wald führen, angebracht find. Diese Derbotc sind durch­aus berechtigt, denn der Laie soll in seinem eigenen Interesse weder in der Schießhalle, noch in den Schützenständen etwas zu suchen haben. Da in diesem Sinne das Gelände fast hermettsch abge­schlossen ist. ist eS nicht weiter verwunderlich, daß die Allgemeinheit über die Schießstände. über die mannigfachen Einrichtungen wie auch über die Schutzmaßnahmen, die getroffen sind, wenig weih. Der Anlage des Schützenvereins Gießen einen Be­such abzustatten, ist außerordentlich interessant. Um so interessanter aber deshalb, als die Schieß- stände des Schützenvereins Gießen zu den größten zählen, die in Hessen überhaupt vorzufinden find. Selbst Frankfurt hat kaum eine bessere Anlage auf­zuweisen. Die auswärtigen Schützen, die zu großen Deranstaltungen die Gäste des hiesigen Schützen­vereins waren, äußerten sich noch immer lobend über die vorbildlichen Einrichtungen

Einen Ueberblick über daS Ausmaß der Ein­richtungen, über die der Schützenverein verfügt, geben einige Zahlen: Das Gelände ist insgesamt über 30 000 Quadratmeter groß. Auf einer Breite von 110 Meter und auf einer Länge von 300 Meter sind die verschiedenartigen Schießstände ein­gebaut

3n der langgestreckten Schießhalle find nicht weniger als 58 Stände angelegt.

Da die Anzahl der Schieß-Scheiben der der Stände in der Halle entspricht, ist also die Möglichkeit gegeben, daß 58 Schützen auf einmal schießen könn­ten, sofern fich dies als notwendig erweifen würde. Im Gelände selbst befindet sich außerdem noch eine kleine Schießhalle, die für die Tontaubenschützen bereitsteht. Die Anzahl der Stände verteilt sich in folgender Ordnung:

16 Kleinkaliberstände.

3 Pistolenstände.

7 für die 100-Meterscheibe.

14 für die 175 Meter (Stand »-Scheibe,

12 für die 300 Meter <Feld)^Scheibe,

2 Rehbockstände.

2 Stände für laufende Keiler,

1 Kipphasenstond, 1 Fafanenstand. 3 Lvntaubenstände. Außerdem können die verschiedenen Schießstände auch mit den sogenannten We h r m ann schei- be n ausgestattet werden.

Auf die Kleinkaliberscheibe wird um auf einige technische Einzelheiten einzugehen aus 50 Meter Entfernung stehend, liegend, kniend und freihändig geschossen. Die Kleinkaliberscheibe Hal 12 Ringe. Die Pistolenscheibe hat ebenfalls 12 Ringe, die Entkernung der Scheibe vom Schützen beträgt auch hier 50 Meter. Die 100- Melerfcheibe (Die nicht allgemein üblich ist), hat ebenfalls die 12-Ringeinteilung. auf die aber

nur mit Auflage geschossen wird Auf die 175* Meler-Standsche.be wie auch auf die Wehrmann* scheibe und die 300-Me:cr-Feldscheibe (20 Ringe) w rd wiederum nur freihändig geschossen, so dah also an den Schützen bei diesen großen Entfer­nungen bereits hohe Anforderungen gestellt wer­den. Gefchoffen wird mit 8-Millimeter-Blei- geschofsen. auf Tontauben. Kipphafen und Fasanen wird mit Schrot geschossen.

Interessante Einrichtungen sind für daS Iagd- schießen getroffen. Da ist z. D. die Zielscheibe auf den laufenden Keiler gefleht, die der Schütze treffen muß im kurzen Zeitraum von kaum zwei Sekunden, während der die Attrappe über eine nur 4 Meter breite Schneise bewegt wird. Eine ähnliche Einrichtung besteht auch für den Kipphasen, der sich aber wesentlich schneller bewegt und von dem Schützen viel Geistesgegen­wart und Schußfertigkeil fordert. Außerdem kann noch der Wendebock (Rehbock) ausgestellt wer­den. der plötzlich und unvermutet vor dem Schützen auf taucht, drei biS fünf SekundenDer- hofft" und dann plötzlich wieder verschwindet. Während biefer Zeit muß der Schütze schießen. Richt anders verhält eS sich mit dem lausen­den Reh, mit dem FuchS usw Sehr schwierig ist es für den Schützen außerdem, den F a s a n zu treffen, der an einem Drahtseil rasch vom Erd­boden nach dem danebenstehenden Daum hinauf­geschnellt wird.

Bel all diesen Hebungen ist es natürlich die Ausgabe de» Schuhen, die Attrappe nicht nur überhaupt, sondern an bestimmten Stellen, weidgerecht" also, zu treffen.

In diesem Zusammenhang verdient auch daS Signalwefen der besonderen Erwähnung. Jeder Schütze muh ja schließlich wisten, wie er geschossen hat. um sich für den nächsten Schuß, fall- er schlecht gefchoffen haben sollte, Derbeffern zu können. Zu diesem Zweck stehen eine Anzahl von weiteren Einrichtungen zur Verfügung. Reben den Scheibenaufhängevorrichtungen, die ein schnel­les Auswechseln der Scheiben ermöglichen, be­finden fich Tafeln, die in sechs Felder (für die Zwölfer-Scheiben) und in zehn Felder (für die Zwanziger-Scheiben) eingeteilt find. Wenn nun ein Schuß gefallen ist. dann gibt der Zeiger, der sich in der Scheibendeckung unter der Scheibe auf­hält. zunächst einmal die Schußstelle an, damit der Schütze weiß, ob er Den nächsten Schuß höher ober tiefer, mehr link- ober mehr rechts anbringen muß. So bann wird durch einen sog.Löffel", der auf das entsprechende Feld gehängt wird, dem Schützen und dem Schreiber die Zahl der geschossenen Ringe angezeigt. Mit dem weißen Löffel werden die Ziffern von 1 bi- 6 (1 bis 10) und mit dem roten Löffel Don 7 bis 12 (11 bis 20) angezeigt. So ist eine genaue Kontrolle ermöglicht. Außerdem besteht noch die Möglich­keit für die Schützen, sich mit den Zeigern an den Scheiben durch Telephon und durch elektrische Lichtsignale zu Derftänbigen.

sprechen zu können, um ihre Aeuherungen zu hören und auch um ihnen seine Wünsche und An­sichten entgegenzuhalten. Die Weltgeschichte liefert zahlreiche Beispiele bafür. daß im kleinen Kreise unter Staatsmännern bei Dejeuners und Diners oft mehr im Interesse der Länder Dollbracht wurde, als auf internationalen Konferenzen, die mit großem Tamtam und einem Riefenaufgebot an Intelligenz. Schreibmaschinen, Flugzeugen unb Eifenbahnwaggons in Szene gesetzt würben, um kurze Zeit später auf unbestimmte Zeit vertagt zu werben.

Nach dem Mittagefsen genießt der Reichspräsident eine Stunde der Ruhe, um sich bann sofort wieder feinen Staatsgeschäften zu widmen. Die Erledigung lausender Angelegenheiten nimmt bis gegen 16 Uhr in Anspruch. Aisbann melbet ihm fein Kammer- biener, baß ber Rochmittagstee bereits serviert fei. Diese ..heure bleue ist für Hindenburg wahrscheinlich Die angenehmste Stunbe seines Tagesablaufs. Teils verbringt er sie roieberum in Gemeinschaft mit feinem Sohn unb besten Frau, ober aber er labet sich feine Minister ein, bei ihm ben Tee zu trinken Wahrenb der Sommermonate arrangiert Frau Oberstleutnant von i)inbenburg ben Teezirkel im Garten bes Pa­lais, in kühleren Jahreszeiten wünscht Hinbenburg ben Tee in seinem Arbeitszimmer serviert zu be- kommen.

Oftmals machen es bie Ereignisse ber gesellschaft. lichen Saison notroenbig, offizielle Nachmittags­empfänge im Reichspräsibentenpalais zu geben. Unb ba ist es bann bie große Berliner Gefellichoft in ihrer zwangsläufig ganz internationalen Zusammen­setzung, bie sich in den Salons des Hauses Wilhelm- straße^73 trifft Die Pflichten der Hausfrau erfüllt stets Frau Oberstleutnant von Hindenburg, jeweils unterstützt von der Frau des Staatssekretärs des Reichspräsidenten. Aber diese Empfange sind keine ständigen Einrichtungen, sie sind nicht offiziell in den Tagesablauf des Reichspräsidenten eingereiht, ebenso, wenig wie etwa bie zahlreichen Ausstellungen unb Deranstaltungen, zu benen der Reichspräsident hin und wieder jein Erscheinen »ufagt

Die Staatspolitik ist zweifellos ein so großes (Be­btet unb ein jo weites tfelb intensivster Arbeit, baß sie Anforberungen stellt, beren Inhalt nicht in kurzer Zeit zu erlebigen ist. Die Strömungen internatio­naler Politik, bie ja bekanntlich alle über Berlin gehen, machen ost eine plötzliche, ganz unerwartete unb sofortige Stellungnahme notroenbig. Unb es ist somit zwangsläufig das Erste, daß ber Reichsprasi-

bent von irgenbrocldjen Vorkommnissen, Zwischen- füllen unb Demarchen in Kenntnis gesetzt unb seine Stellungnahme eingeholt wirb. Das Tagesprogramm bes Reichspräsibenten variiert beshalb ftänbig, unb man kann noch nicht einmal sagen, baß mit bem (Nackenschlag 19.30 Uhr, wo Hinbenburg sein Abenb- brot einnimmt, sein Arbeitstag beenbet ist. In bem ftänbigen Auf unb Ab biefer Tage kann sich auch ber Reichspräsibent nicht an Stunben binben. Wenn nichts befonberes oorliegt, kann er zu ber angegebe­nen Zeit roieberum im Streife feiner Familie bas Abenbbrot einnehmen. Im Anschluß baran begibt sich Hinbenburg gewöhnlich in fein Arbeitszimmer unb beschäftigt sich bort mit politischer Literatur. Hin unb roieber läbt er ihm persönlich nahestehenbe Freunbe zu einem gemütlichen Beisammensein ein unb verbringt mit biesen ben Abenb ber schließlich immer barauf hinauslaufen wirb, zwischen ben Stun. ben unb zwischen ben Geschehen irgenbroeldje freunb- schriftliche Bonbe im Interesse bes Staates zu festigen ober auch neue Fäben zu knüpfen, bie irgenbroo in bas engmaschige Netz ber internationalen ober auch ber inneren Politik einlaufen.

Es stellt sich also heraus, baß eigentlich auch bie Mußestunben bes Reichspräsibenten in gewisser Hin­sicht ein Arbeitsprogramm enthalten, bas bas offi­zielle Tagespensum jtunbenmäfjig nicht aufweist. Die Ruhe, bie ber Reichspräsibent bann zu finben hofft, ist mehr als wohlverbient. Gegen 22-30 Uhr zieht sich Hinbenburg zurück unb begibt sich, von feinem Äammerbiener begleitet, in seine Privaträume, um gegen 23 Uhr fein Schlafzimmer aufzusuchen. Bon biefer Stunbe an gehört ber Reichspräsibent sich selbst bis der neue Morgen anbndjt ...

Zeitschriften.

Das Juli heft der von Pros. Dr. August Messer in Gießen herausgegebenen Zeitscknnft .Philosophie und Leven" (Derlag Felix Meiner, Leipzig Q 1) ist dem Problem deS Krieges gewidmet. Aus dem Inhalt ist hervorzuheben em aufschlußreiches und gegenwärtig besonders aktu­elles .Gespräch über Pazifismus" im Anschluß an eine philosophische älntersuchung von Professor Horneffer (Gießen): ferner eine vorn Herausgeber kommentierte theologische Abhandlung .Zur re­ligiösen 6ntnbeuhmg des Krieges": sehr lesens­wert auch die Auszüge aus den bekannten Büchern Edwin Erich Dwingers unter der Ueberfchrist .Der Sinn des Weltkrieges".