zug der RechtSoppositlon au« dem Reichstag verhängnisvoll für unsere Wirtschaft auSgewirkt.
Jehl komme es darauf an, mit Klarheit und Lnt- schlossenheit alle Kräfte im Volke nach der Richtung zusammenzufassen. die mit Sicherheit von dem verhängnisvollen Dege sozialistischer Dirt- schaftsideen hinwegführe.
Auch Hitler habe längst erkannt, daß er b«i dem Worte »nationalsozialistisch" heute ÖÄ Schwergewicht auf .national" legen müsse und kei. neblet sozialistisch« Experimente machen könne. Die ÄuSeiyandersetzung im Innern mit den wirtschaftlichen Irrlehren der Sozialdemokratie und nach außen mit der französischen Machtpolttik könne von dem deutschen Volke nur durchgehalten werden, wenn eine ganzbreiteZrontdeSDolkeS, beseelt von toirlliä) nationalen tiöc- danken, sich zusammenfinde. Dor diese Ausgabe batte der Reichskanzler die Führer der Parteien stellen müssen, und wer sich da versagt hätte, wäre vor dem Volke mit der Verantwortung belastet gewesen. Leider sei der Reichskanzler diesen Weg nicht gegangen. Alle Kräfte müßten so eingeordnet werden daß sie nicht daS Gefüge deS Staates sprengen, sondern eS mit tragen Helsen. Der Redner erinnerte in diesem Zusammenhang an seine Unterredungen mit Hi t - l e r und betonte, solche Aussprachen hätte auch die StaatSführung vornehmen müssen. ES komme dar. auf an, alle aufbauendenKräfte her. anzuziehen. Eine wirkliche Verständigung zwischen den Rationen werde auf die Dauer nur dannmöglich fein, wenn sie von den nationalen Kräften getragen werde. Aber
eine solche Verständigung fei nur möglich, wenn die Freiheit, die Ehre, die Lebenskraft und der Lebensraum unsere» Volke» dabei sichergestellt würden.
(Eine solche Außcnvolitik sei nur müalich, wenn im Innern eine Politik geführt werde, die mit dem Schutt der letzten zehn Jahre auf. räume.
Der Redner beschäftigte sich dann kurz mit f) e f - s e n, wobei er hier wie in bezug auf das Reich die politische Linie kritisierte, die vom M i t t e l st a n d hinweg zu den Großkonzernen geführt habe, und die e» zu revidieren gelte. Sodann roür- digte er mit warmen Worten den nationalen Schwung und Idealismus in der Jugend, wies ander- leit» mit großem Nachdruck auf die kommunistische Wühlarbeit hin und forderte gegen diese Wegbc - reitung für den Bolschewismus den energischen Einsatz aller Machtmittel des Staates. Auch hier fei bisher nichts geschehen. Angesichts dieser ganzen Verhältnisse hätten er und seine politischen Freunde sich zur Opposition aegen Brüning entschlossen. Der Redner forderte, daß
die Reichsregierung sich stützen solle auf die Kräfte, die den willen zur nationalen Abwehr hätten, die bereit seien, alle Gegensätze hinwegzufegen durch den willen, eine wirklich nationale Politik zu führen.
Ein solcher Ruf werde, wie in England, in Deutschland ein starkes Echo finden und parteipolitische Fesseln lösen. Dazu müsse aber dasSteuerher- umgewo r f e n werden. Der Redner meinte, daß sich in dieser Richtung seht zwischen dem Zentrum und den Nationalsozialisten Faden entwickelten, die auf eine Verständigung zwischen diesen Parteien hoffen ließen und einen Weg frei machten, der von Der Sozialdemokratie hinweg, führe. Durch eine solche breite nationale Front könne das große Ziel erreicht werden^ das heiße: Wiederaufbau unseres Vaterlandes! (Langanhalten« der stürmischer Beifall.)
Mit einem kurzen Schlußwort des Versammlung»- lelter». Oberreallehrer Appel, der zur Wahl der Deutschen Dolkspartel am 15. November aufforderte, fand die Kundgebung ihren Abschluß.
Wenn LNenschen auseinandevgehn
Dioman von I.Gchneider«Foerstl.
Urheberrechtsschutz Verlag O. Mei st er, Werdau.
27. Fortsetzung. Nachdruck verboten
Ihre Wange drückte sich leicht aegen seinen Hal«. Wit dec linken Hand zeigte sie nach dem Stück Himmel, daS als großer Viereckausschnttt die Wipfel überdeckte. Sin Flugzeug schwebte heran.
..Er hat einen Moiordesekt." Talderon starrte angestrengt zur Höhe.
Ein Aufschrei der jungen Frau. Ein Krachen! Versten! Dröhnens Splittern! Fetzen von Stahl und Holz! Witten In oie Krone einer Rieseneiche war oaS Flugzeug herabgestürzt und hing mit zerklüfteten Flanken und ausgeroilten Flügeln In dem Geäst, voi> dem daS Zweigwerk in wüsten Trümmern auf dem Rasen lag.
EalderonS Arm hob sich hilflos. Seine Fuß« ruhten mit steinerner Schwere auf dem Tritt de« Fahrstuhl«. RoSmarie eilte zwischen den Rhodo- dendronbüschen der IlnglückSstelle zu.
Eine blutende Männergestalt lag im Grase, wundgeschlagene Lippen zitterten In unverständlichen Lauten und unzusammenhängenden Worten. Der rechte Arm hing au« dem Gelenk, und e« zuckle in dem blutüberströmten Gesicht von tausend Schmerzen.
..Ich bringe Ihnen Hilfe!" RoSmarie rannte über die aroße Wlesensläche dem Hause zu, da« mächtige Abendschatten warf.
Zehn Winuten später war der verunglückte Pilot in sachgemäßer Vebandlung de« Dr. Ley. ..Der Mensch muß Glück haben", sagte dieser und schüttelte langsam ein Morphiumpulver auf den Sllberlösfel, den RoSmarie ihm entflogen» hielt. ..Del so etwa« bricht man in bet Regel da« Genick. Die paar Schrammen heilen wieder, wenn sie auch tief sind. Den gebrochenen Arm werben Sie wohl für ein paar Wonate, viel- leicht auch für Jahre hinaus al« Wetterprophet benützen können. E« hat alles seinen Vorteil."
Der Pilot lächelte schmerzlich. „Würden Sie die Güt« haben, ein Telegramm für mich zu besorgen?"
Der Doktor nickte und setzte ihm den Lössel an die Lippen. ..Erst brav da« Pulver nehmen "
„Es hat Eile!" klang e« bittend.
„Dann diktieren Sie in Gotte« 'Hamen."
Di« -erschundenen Lippen öffneten sich mühsam:
„Kommen unmöglich. Sturz mit dem Flugzeug. Schicke Ersatz. Tordv."
Schöffen und Geschworene für *1932.
In dem Ausschuß für die Auswahl derSchöffenundDeschworenen wurden für daS Jahr 1932 folgend« Haupt- und HilfS- schöffen bzw. Haupt- und Hilfsgeschworenen aus- gelost:
hauptfchöffen für da. Große Jugendgericht.
l. Dr. Wilhelm Flörke. Dießen. Ludwlgstr. 14.
2. Frau Christine Ottilie, Stadtverordnete, Gießen, Spanien ftraße 18.
3. Fritz Otterbein. Lehrer, Gießen, Ludwigstr. 52.
4. Ernst Schäfer, Apotheker, G'.eßen, Kugelberg 9.
5. IohcnncS Weller, Zimmermeisler, Leihgestern,
Hilfsschöffen für das Große Zugendgericht.
1. Lehrerin Anna Albrecht, Gießern Alicen- ftraßc 27.
2 Frau Emma Adolph, Gießen, Frankfurter Straße 10.
3. Studienrat Adolf Cloh, Dießen, Wiesenstr. 2.
4. Frau Frieda Schecker, Witwe, Gießen, Lahn- ftraße 13.
5. Elise Schmahlbach, Kindergarten-Leiterin, Gießen, Gartcnstraße 30.
6. Wilhelm Dolkmann, Beamter, ®ießen, Asterweg 57.
Hauptschöffen für das kleine Jugendgericht.
1. Wilhelm Muhl II., Alten-Duseck.
2. Ferdinand GanS II., Bürgermeister, Großen- Buscck
3. Ludwig Sebt I., RcichSbahnassistent *i. R., Großen-Llnden.
4. Ludwia Schepp, Schreinermeister, Hausen.
5. Frau Lilli Wacker, Hausfrau, Wieseck.
6. Albert Hartmann, Handlungsgehilfe, Heuchelheim.
7. Frau Studienrat Gebhardt, Gießen, Welcker- flraße 14.
8. Frau Christine Roll, Wwe., Geschäftsführerin.
9 Frau Karl Rehbock, Gießen. BiSmarckstr. 5.
10. Carl Schaub, Kaufmann, Gießen, Asterwea57.
11. Wilhelm Dolkmann, Beamter, Gießen, Aster- Weg 57.
12. Emmi Weller, Dießen, Marktplatz 14.
hilfsfchöffen für das kleine Jugendgericht.
1. Heinrich Frank, Lehrer, D.eßen, Schillerichule.
2. Frau Helene Hammerschlag, Gießen, Alicen- ftraße 12.
3. Heinrich Deeg, Kupferschmied, Gießen, Aster- Weg 53.
hauptgeschworene für da» Schwurgericht.
1. Kari Kolb, Installationsmeister, Gießen, Ludwigstraße 40.
2. Georg Beckmann, Krankenkassenangestellter, Gießen, Hinter den Schießgärten 10.
3. Peter Schäfer, Werkmeister, Gießen, Hille» branbftraße 14
4. Frau Marianne Hüter, geb. Weber, Gießen, ötclnftraße 90.
5. Karl Beil, Schreinermeister, Dießen, Bückingstraße 1.
6. Georg Waldschmidt III., Landwirt, Leihgestern.
7. Heinrich Etetnmüller, Maurer, Alten-Duseck-
8- Heinrich Karl Römer, Dorschlosser, Wieseck.
9. Karl Konrad Rern, Käsefabrilant, ßang» GönS-
10. Heinrich Lang, Arbeiter, Steinbach- hilfsgeschworene für da, Schwurgericht.
1 Georg Schwan, QBagncrmelfter, Dießen, Reustadt 55.
2. Franz Diener, Geschäftsführer, Dießen, Schanzenstraße 16.
3 Anton Wickert, Hausmeister, Dießen, Liebig- ftraße 20.
4 Karl Plank, Kaufmann, Dießen, Schottstraße 19.
5. Adolf Magenhelmer, Gewerlschaf tS-Angestell- ter, Gießen, Friedenstraße 43.
6. Georg Erhard, Bäckermeister, Gießen, Marburger Straße 34-
7. Hcinr.ch Baun, Glascrmeister, Gießen, Bleich- straße 2-
8. Josef Freithos, Weißbinder, Dießen, Cred- nerftraße 23.
9. Fritz Flimm, Kaufmann, Gießen, Marburger Straße 10.
10. Theodor Iudt, Kassendiener, Dießen, Bleichstraße 15.
11. Gustav Koch, Landwirt, Hausen.
12. Heinrich Weiß IV., Schuhmacher, Allendors an der Lumda.
13. Stephan Boßhammer, Former, Lollar, Hauptstraße 197.
14. Ernst Jung, Schaffner a. D. und Weißbinder, Watzenborn-Steinberg.
15. Wilhelm Kissel I., Landwirt. Garbenteich.
16. Wilhelm Daub, Landwirt und Gemeinberechner, Oppenrob.
17. Wilhelm Bingel, Landwirt. Drüningen.
18. Karl Wilhelm Weigand, Bahnarbeiter, Gro- ßen-Linden, Bahnhofstraße 91.
19. Heinrich Binz IV., Schuhmacher, Allendors an der Lahn, Obergaffe 9.
20. Heinrich Rinn XVI., Schneidermeister, Heuchelheim, Gießener Straße 21.
hauptfchöffen für das Landgericht.
1. Gustav Krausch, Eisendreher, Dießen, Hamm- straße.
2. Gustav Petri, Kaufmann, Dießen, Bleichstraße 34.
3. WathiaS Michels, VerwaltungS-Oberasslstent, Dießen, Wilhelmstraße 82.
4. Willi Dolle, Gewerkschaftssekretär, Dießen, Aulweg 34. .
5- Christian Weeg, Schuhmacher, Gießen, Reucn- weg 11.
6. Wilhelm Dutermuth, Kaufmann, Großen- Llnden.
7. Karl Schäfer XIV., Werkmeister und Optiker, Wieseck, Gießener Straße 14.
8. Christian MöbuS I., Wcißbindermeister, Reiskirchen.
Hilfsschöffen für da» Landgericht.
1. Christoph Croon, Färbereibesiher, Gießen, Marburger Straße 40.
2. Heinrich Babel, Eisendreher, Gießen. Am Ricgelpsad 88.
3. Wilhelm Moritz Werner, Schreiner, Gießen, Aulweg 36.
4. Karl Becker, Kaufmann, Dießen. Cbelstr. 34.
5. Karl Uhl. Landwirt, Dießen. Ebelstraße 28.
6. Karl Krebs, Hausverwalter, Gießen, Gasfky- ftraße 9.
7. Friedrich Weigel II., Glaset, Klein-Linden.
8. Johannes Blank, Zimmermann, Watzenborn- Steinberg.
9. Melchior Wißner, Landwirt, Climbach.
10. Heinrich Wilhelm Rau, Bürgermeister. Trohe.
11. Wilhelm Hahn II., Landwirt, Annerod.
12. Ludwig Muhl, Maurer, Beuern.
hauptschösfen für da» Schöffengericht.
1. Hugo Luca», Postinspektor. Gießen, Frankfurter Straße 59.
2. Andrea» Götz, Eisendreher, Gießen, Frieden»- ftraße 9.
3. Eduard Schneider, Krankenpfleger, Gießen, Frie, dcnsstraße 31.
4. Johann horst, Schreiner, Gießen, Weserstr. 15.
5. Georg Löwer Kaufmann, Gießen, Moltkestr. 10.
6. Wilhelm Räther, Dreher, Gießen, Bahnhofstr. 27.
7. Johannes Heß XXIV., Bürgermeister, Leihgestern.
8. Friedrich Stumpf VI., Maurer, Burkhardsfelden.
9. Heinrich Ehelmüller, Maurer, Rödgen.
10. Ludwig SUö», Arbeiter, Treis a. d. Lda.
11. Louis Deibel III., Zimmermann, Staufenberg.
12. Ludwig Stumpf, Pflasterer, Albach.
„So. nun ist eS gut", mahnte Leh. „Jetzt schlafen Sie. Die Depesche wird besorgt. Lord halberen wünscht, daß ich die Rächt hier bleibe. Wenn da- Morphium zu wirken aufhört, rufen Sie mich. Ich schlafe nebenan."
Der Flieget vernahm daS Letzte nur noch undeutlich. Die langbewimperten Lider deckten sich über die dunklen, sieberlichternden Augen. Dr. Ley nickte befriedigt und hielt Im Treppenhaus« Rosmarie an ihrem Seidenschal zurück, der wie Doldgeriesel über das ärmellose Kleid fiel. „Ist e« möglich, heute noch ein Telegramm besorgen zu lassen. Lady?"
„Gewiß"
„Eie haben die Güte, mir einen Domestiken zu rufen, der daS übernimmt?"
„Ich besorge es selbst. Sie brauchen mir den Zettel nur zu geben."
®r legte ihr da« Papier in die Hand und neigte sich über ihre Finger. „Der junge Mann hat e« seht dringend gemacht."
„ES wird prompt besorgt, lieber Doktor." Rosmarie ging an seiner Seite den breiten Korridor zurück und überflog die beiden Zeilen. „Und di« Adresse?"
Gr schlug sich an den Kops. „Lady, ich werde alt."
Sie blinzelte ibn schalkhaft von der Seite an. „Di« berühmte Vergeßlichkeit großer Männer."
„Hm. Et hat Morphium bekommen und schläft. Was machen wir da?"
„Vielleicht hat er Briefe bei sich, die Auskunft geben."
„Das ginge, verehrte Lady. Fata! bleibt e« immer. Ich krame nicht gern in anderer Leute Taschen."
„Ich helfe Ihnen, lieber Doktor."
Sie sah, wie er aufatmete. „Da« sieht dann schon weniger diebsmäßig au«", scherzte er. „Seine Brieftasche liegt auf dem Rachitisch.
Al« er wieder zutückkam. traten sie zusammen in den Wintergarten und nahmen auf einet der weißen Steinbänke Platz. Der Arzt legte den Inhalt des LederbehälterS in ihren Schoß und begann bi« einzelnen Briefschaften und Zettel einet Durchsicht zu untergeben. ES waten nicht allzu viele. .Ich glaube, ich hab'S". sagte er befriedigt und reichte ihr einen cngbeschtlebencn Dogen. ..Durchfliegen Sie da« einmal, Lady. Ich mache inzwischen einen Sprung zu Lord 6al- beton. In fünf Minuten bin ich zurück."
Rosmarie benötigte beide Hände, da« Papier festzuhalten. Ihre Augen flimmerten, al« sie zu lesen begann:
„Mein Lieber!
Deine Anhänglichkeit, mich auch dieSmal auf meiner Polfahrt zu begle.tcn, rührt mich. Ich bin wegmüde. 9« ist da« letztemal, daß ich diese Reif« mache- On zwei Wochen geht
eS von Wien nach dem Norden. Vielleicht kannst Du es ermöglichen, noch einige Tage mit mir auf österreichischem Boden zu verbringen. Du würbest mit einsamem Manne eine große Freude bereiten.
Dein Dela Szengerhi."
„Bela Szengerhi!" DaS Blut war ihr vom Hetzen nach den Wangen geschossen und ebbte nun wieder zurück. Sie hätte eS nicht für möglich gehalten, daß diese toten Buchstaben, die seine Schriftzüge aufwiesen, sie so zu erregen vermöchten.
„Wegmüde ist er! Mit seinen zweiunddreißig Jahren und seiner Berühmtheit — weamüde."
Dr. LeyS kahler Schädel tauchte hinter den Kakteen auf. „Was sagen Sie. Lady? Stimmt eS?"
„Ohne allen Zweisel. Ich werde das Telegramm an die Adresse dieses Herrn abgeben lassen." Obre Stimme zitterte so wenig, daß der Arzt vollkommen darüber hinweg hörte.
„Hnb dann kommen Sie bitte zu Lord Cal- beton hinüber. Wir wollen eine Partie Bridge .zusammen spielen. Gr ist ein bißchen nervös, well ihm der Pilot so unerwartet in den Abend fiel."
RosmarieS Hände bebten leicht, als sie sich fünf Minuten später auf die Schulter de« greifen Manne« legten. Sie spielte mit solcher Unaufmerksamkeit, daß der Doktor sich schon um elf übt entrüstet zurückzog.
Halberen lachte hinter ihm drein. „Du hast ihm die Laune versalzen, Mary. Er wird nicht schlafen können."
Sie holte sich einen Brokatschemel und setzte sich zu seinen Füßen. „Ich habe dir ein Geständnis zu machen, Onkel."
„Verliebt in den Piloten. Kind? Dlondheit, die liegt dir wohl im Blute."
Sie sah nachdenklich zu ihm auf. Als sie zu sprechen begann, lauschte er weit vorgebeugt. Sie verbesserte sich, ließ Pausen einfallen und wiederholte, was ihm nicht verständlich schien.
.Mary, du hast eine Phantasie, die einem Romancier Ehre machen würde. Aber eS geht nicht." Mitleidig fuhren seine Hände über ihr seiden knisternde« Haar und hielten bann ihre kalten Finger an die Brust gedrückt, damit sich deren Zittern verlieren sollte.
.Warum soll e« nicht gehen, Onkel Calderon?" Run mußte sie sogar weinen, toeinen um den Mann, für den sie gar nicht« mehr fühlte und Immer und ewig tot fein wollte.
.Kind, wenn e« nach Afrika ginge, würde ich tagen; TuS! Versuch e« wenigsten«! Vielleicht glückt c«. Aber nach dem Pol? Das mußt du Dir au« dem Kopf schlagen, Mary, weil es zwecklos ist."
hilfsfchöffen für da» Schöffengericht.
1. Friedrich Jung, Kaufmann, Gießen, Dalltor» ftraße 10.
2. Theodor Rühl, Krankenkastenangestellter, Gießen, Sm Kugelberg 10.
3. Theodor Sturm, Kraftfahrer, Gießen, Neu-
ftabt 57.
4. Friedrich Nachtigall, Schlostermeister, Gießen, Gnauthstraße 4.
5. Albert Benner, Geschäftsführer, Gießen, Friedensstraße 30.
6. Johannes hinterkircher. Unterfeldwebel, Gießen, Neue Kaserne.
7. Sophie Maier geb. Bogt, Gießen, Licher Straße Nr. 105.
8. Georg Mohr, Oberbauinfpdtor, Gießen, Bergstraße 1.
9. Christoph Stephan IX. Maurer, Großen Buseck. 10. Karl Keßler, Töpfer. Wieseck, Möserstraße.
11. Wilhelm Dingel, Landwirt. Mainzlar.
12. Heinrich Walther V., Bahnarbeiter, Daubringen.
13. Friedrich Karl Döring, Maurer, Bersrod.
14. Heinrich Burger V., Bahnarbeiter. Watzenborn- Steinberg, Wilhelmstraße 17.
15. Ludwig «Held V., Sattler, Großen-Buseck.
16. Ludwig Röster, Bahnarbeiter, Wieseck, Neuerwrg.
Oderheffeu.
Landkreis Gienen.
00 Klein-Linden, 1. Roo. Dieser Tage wurde in unserem Dorf eine Sammlung von Feldfrüchten aller Art vorgenommen. Rund 25 Zentner Obst und 5 Zentner Gemüse konnten gestern den Anstalten In Nieder Ramstadt zugefandt werden.
ch Lang-Gon», 1. Nov. Auf Beranlafiung unsere» Ortegciltlichen, Pfarrer Wahl, wurde In unserer Gemeinde eine Sammlung von Ob st, Kartoffeln und Gemüse zum Belten der christlichen fiiebesanftalten in Nieder-Ramstadt durch- geführt. Die Sammlung übertraf alle Erwartungen. Am Donnerstag ließ die Nieder-Ramftädter Anstalt»- leitung In einem großen Lastauto die gesammelten Früchte abholen.
G Holzheim. 1. Roo. In diesen Tagen konnte bet Alt-Veteran, Maurermeister Johann Georg Merz im Kreise seiner Familie seinen 8 4.Geburtstag begehen. Der Greis ist noch sehr rüstig. Gr machte den Krieg 1870 71 — ebenso wie der andere, hier noch lebende 82iäh- rlge Altveteran Flurschütz i. R Konr. Jung XIII. — im 2. Hess. Inf.-Regt, jnit, in dem beide aktiv waren.
* Großen-Buseck, 2. Rov. Zu dem Bericht über die Einweihung des Ehrenmal« für unsere Gefallenen ist berichtigend nachzutragen, daß für die Israelitische RellgionSgemelnde nicht Provinzialrabbiner Dr.Sander, sondern Provinzialrabbiner Dr. H i r s ch f e l d die Ansprache hielt.
»k. Reiskirchen, l.Nov. Am Freitag wurde unter großer Anteilnahme die ä l t e st e E i n w o h. n e r i n unsere» Dorfe», Frau Amalia Diehl Wwe, au Grabe getragen. Die Verstorbene hatte ein Alter von 88 Jahren erreicht.
Rundfunkprogramm.
Mittwoch, 4. Tlovcmber.
7.15 Uhr: Frühkonzert auf Schallplattee 10.20 bl« 10.50: Prc i au« dem neuen DolkSllederbuch für die Jugend, vorgetragen von Stubienrätln Cilla Gei« und Kapellmeister Han« RoSbaud. 11.45: Werbevortrag (nur für Kassel): „3ft Kaffee schädlich?", Betrachtungen über Forschungsergebnisse. 12.05: Schallplattenkonzert. 15.15 bi« 16: Stunde bet Jugend. 17.05: Rachmittagskonzert de« Rundfunkorchef.er«. 18.40: ,L«oer Parteien, Gruppen und Konfessionen. Born Sinn und Unhnn bet Rcutralität", Vortrag von Dr. Georg Schmitt. 19.05: ^GulogiuS Schneider. Ein Schicksal aus bet französischen Revolution", Vortrag von Hermann Wendel. 19.45: Unterhaltungskonzert
Sie lehnte bas Gesicht gegen feine Kni« und versank in schweres Sinnen. .Würbest du mit helfen, Onkel, wenn ich durchaus wollte?"
.Olein."
Sie faß wieder schwelgend. Rach einer Weil« sagte sie ernst: .Ohne dich geht e« nicht. Ich brauche deine Hilfe zu notwendig." Unb wleber sprach sie lannfam und sehr dringlich auf ihn ein.
Sr sog in tiefen Zügen den Atem in die Brust. .Schlafen toit Darüber. Mary. Wenn du morgen noch der gleichen Ansicht bist, reden wir weiter.-
Sie brachte ihn bl« an die Türe seine« Zimmers, wo ihn bet Kammerdiener in Empsang nahm Er nahm den Kuß, mit dem sie ihm gute Rächt sagte, in seine Träume hinüber.
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gewipsel. .Mein Reffe hegt schon seit langem den Wunsch, an einer
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effe hegt schon seit langem den solchen Expedition teilnehmen au können. Vielleicht würde eine Empfehlung Ihrerseits ihm die Wege hierzu ebnen."
.Gerne."
_SS wäre sehr lieb von Ihnen? Calderon fühlte Rosmarie« Hände wie Blei auf seinen Schultern liegen. .Vielleicht schreiben Sie diesem Herrn Szengeryi — der Raine ist für eine englische Zunge kaum ausAusprechen — ein paar erklärende Zeilen. Mein Sekretär wird sie gerne niederschreiben, um Ihnen jede Anstrengung zu ersparen."
Tordh nickte zustimmend.
.In finanzieller Hinsicht, auch betreff« der Ausrüstung, stellt sich mein Reffe selbstverständlich aanz auf seine eigene Börse , warf Calbervn ein. RoSmarie lief eine verräterisch« Träne übet bi« Dangen.
Am Rachmittag ging ein Eilbrief an Szengerhi ab. de« Inhalte«, daß Tordy bitte, einen Reffen de« Lord Calderon an seiner Stelle an der Expedition teilnehmen zu laffen. Ro«marie trug brennende Flecke auf den Wangen C« war da« erstemal, baß sie Dr. LeyS ärztliche Hilfe in Anspruch nahm. Er mußte ihr Brom zur Beruhigung geben.
(Fortsetzung folgt)
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Sc bi?'"?
Der Pilot lag In einem bequemen Liegestuhl in dem großen Gartensaal, daS Gesicht mit Pflastern verklebt unb den rechten Arm In Gip« geschient. Die zerschlagenen Lippen heilten langsam. Da Ihn jedes Wort schmerzte, trugen der Lord unb Rosmarie für die Unterhaltung Sorae.
.Mit der Polfahrt ist e« natürlich Schluß " Calderon ließ die Augen nach den Fächern gehen, die die Palmen wie kokette Arme ausgestreckt hielten. .Aber wenn Sie einen Ersatz stellen müssen ober auch nur bürfen, hätte ich eine Bitte an Sie."
Der Pilot wandte da« verklebte Gesicht nach ihm hin und fragte mit den Augen.
Lord Calderon suchte wiederum In dem Fächer-


