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beziehen, bah der Landtag geschlossen wor­den ist, während im vorliegenden Falle nur eine Vertagung erfolgt ist, die der Landtag mit Mehrheit beschlossen hat. Hinsichtlich des kommunistischen Mihtrauensantrages wurde von den Regierungsparteien der Standpunkt ver­treten, daß es allerdings zutreffe, dah über einen solchen Antrag innerhalb von 14 Tagen nach seiner Einbringung ab­gestimmt werden müsse. Alseingebracht" könne ein Antrag jedoch erst gelten, wenn ihn der Präsident dem versammelten Landtag vorgelegt habe. Daher laufe die 14tägige Frist erst vom Tage des Wiederzu­sammentritts, also vom 13. Oktober, an. Von den Regierungsparteien wurde erklärt, dah bei e'.ner anderen Auslegung eine kleine Minderheit die Möglichkeit haben würde, den Landtag jede Woche $um Zusammentritt zu zwingen; das könne nicht Srnn der Verfassung sein.

Die deutschnationale Landtagsfraktion wird den Staatsgerichtshof anrufen, da­mit dieser über die Verpflichtung des Land­tagspräsidenten auf Einberufung des Landtags sein Votum abgebe, wenn ein Mihtrauensantrag gegen das Staatsministerium oder einen Mi­nister vorliegt, oder wenn die Zusammenberufung des Landtags von einem Fünftel der Zahl der Mitglieder gefordert wird. Es wird der Stand­punkt vertreten, dah ein Antrag alseingebracht" anzusehen ist, sobald er von dem amtierenden Präsidenten unbeanstandet entgegengenom­men ist.

Nie Sozialdemokraten bei Brüning.

Fortsetzung der Besprechungen Ende der Woche.

Berlin, 1. Sept. (VDZ.) Am Dienstagabend empfing Reichskanzler Dr. Brüning die Abg. Dr. H i l f e r d i n g und Dr. Hertz als Vertreter der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion zu einer Besprechung über das Winterprogramm der Reichs- regierung. Da jedoch die Regierung selbst über die Einzelheiten dieses Programms noch keine Entscheidungen gefällt hat, so konnte auch die heutige Besprechung noch zu keinem Er­gebnis führen, zumal die von den Sozialdemo­kraten verlangten Abänderungen der Juni-Notver­ordnung in die neuen Pläne der Regie­rung hineingearbeitet werden sollen. Ende dieser Woche oder Anfang nächster Woche werden die Verhandlungen zwischen der Regierung und den Sozialdemokraten fortgesetzt. Daher ist nicht damit zu rechnen, daß schon am Freitag im Aeltestenrat eine Entscheidung über die vor­zeitige Einb erufung des Reichstags fallen wird, da die Sozialdemokraten ihre Stellung­nahme zur Parlamentseinberufung von der Er­füllung ihrer Wünsche abhängig machen dürften. Eine Entscheidung ist jedoch spätestens vor der für den nächsten Dienstag angesetzten Frak­tionssitzung der Sozialdemokraten im Reichstag zu erwarten.

Die Nationalsozialisten In Braunschweig.

Braunschweig, 1. Sept. (ERB.) Die Frage der Regierungsbildung in Braunschweig ist durch einen Beschluß der Rationalsozialisten, sich wieder an der Regierung zu beteiligen, in ein neues Stadium getreten. Die national-, sozialistische Landtagsfraktion ist von der Erklä­rung ihres Führers Groh, dah sich die Situation seit dem Rücktritt des Ministers Dr. Frantzen nicht geändert habe und nach wie vor die Gründe, . die Frantzen zu seinem Schritt bestimmt hätten, für die Rationalsozialisten in Braunschweig be- , stünden, abgerückt. Die Fraktion stellt sich in einer Erklärung geschlossen hinter den Beschluß ; der Partei und hat mit der Fraktionsführung den Landtagsabgeordneten Bertram beauf­tragt. Im Zusammenhang damit hat der Ab­geordnete Groh, der bisherige Führer der na­tionalsozialistischen Landtagsfraktion, in einer Er­klärung seinen Austritt aus der Rational­sozialistischen Deutschen Arbeiterpartei mitgeteilt. Ebenso hat Minister Dr. Frantzen seinen Aus­tritt erklärt.

Aus aller Welt.

Graf Zeppelin" in Pernambuco gelandet.

Wie die Hamburg-Amerika-Linie mitteilt, ist das LuftschiffGraf Zeppelin" am Dienstag um 21.10 MEZ. in Recife (Pernambuco) glatt gelandet. Graf Zeppelin" überflog die Stadt unter dem Pfeifengeheul der Schiffe und Fabriken. Große Menschenmengen in den Straßen und auf den Brücken jubelten dem Luftschiff zu, das er­leuchtet und niedrig fliegend südwärts nach dem acht Meilen entfernten Flugfelde weiterflog.

Tagung desWeltbundes für internationale Freundschaftsarbeil^

Tie Tagung desWeltbundes für internationale Freundschaftsarbeit", dem 400 evangelische, angli­kanische und orthodoxe Kirchenführer aus 33 Ländern angehören, ist in Cambridge eröffnet worden. Rach den Begrüßungsansprachen kam ein SchreibenMacdonalds zur Verlesung, der auf die Bedeutung der nächsten Monate für die kommende Abrüstungskonferenz hinwies. Die Be­strebungen zur Förderung internationaler Freund- schastsarbeit der Völker könnten keine solide Grundlage bilden, solange die Waffen noch ge­schärft und die Armeen für einen neuen Krieg vorbereitet würden. Weitere Begrüßungsschreiben waren vom Erzbischof von Canterbury sowie von anderen englischen Kirchenführern ein­gelaufen. Anschließend traten die Ausschüsse zu­sammen. Den wichtigsten Ausschuß, der zur Be­handlung der Abrüstungsfrage vom sittlichen und religiösen Standpunkt aus eingesetzt ist. gehören von deutscher Seite Reichsgerichtspräsident a.D. Dr. S i m o n s (Berlin), Prälat S ch ü l l und der Berliner Professor G. Sigmund Schultze an.

General von Walter wird 70 Jahre all.

Am 2. September begeht Generalleutnant Oskar Freiherr von Matter seinen 70. Geburtstag. Matter entstammt einer alten württembergischen Soldatenfamilie, wurde 1879 Offizier im Württem­bergischen Feldartillerieregiment Nr. 13 in Ulm. Seine weitere Laufbahn bis zum General hat Frhr. von Matter stets bei der Feldartillerie durchlaufen. Als Artilleriekommandeur der 10. Jnfanterie-Divi- fion rückte er mit dem 5. Armeekorps in den Welt­krieg. Im März 1915 wurde er Kommandeur der 54. Jnf.-Div., mit der er an der Winterschlacht in der,Champagne 1915, an der Offensive über Narew und Njemen, an der Flandernschlacht von 1917 und an der Schlacht bei Cambrai teilnahm. Später nahm er an der Offensive bei Amiens und an der

Der Haushaltsausgleich hei den kleinen und mittleren Gemeinden. .Oer Reichsstädtebund zu den Richtlinien des Reichsfinanzministers.

Der Gesamtvorstand des Reichsstädtebundes hat nach eingehender Beratung zu den Richtlinien des Reichsfinanzministers über Haushaltsausgleich Stellung genommen. Die mittleren und kleinen Städte sind zu weiteren Einsparun­gen und zu einem Abbau der Aufgaben bereit. Je­doch ergeben sich bei ihnen nicht die gleichen Sparmöglich keit en wie bei den großen Städten. Für die notwendigen Ersparnisse im Schulwesen müssen erst die gesetzlichen Grund­lagen geschaffen werden. Hoch-, Tief- und Straßenbau, sowie die Strahenunterhaltung ist infolge mangelnder Mittel noch mehr als bisher einzuschränken, wenn auch der Fortfall von Ar­beitsmöglichkeiten zu bedauern ist. Reich und Länder dürfen unter keinen älmständen wie früher einzelne Gemeinden zu Beiträgen von Baugrund- oder Baukosten für staatliche Bauaus­führungen Herangehen.

Eine Anpassung der Wohlfahrts­unterstützungen an den örtlich be­dingten Lebensbedarf ist bereits weit- gehend durchgeführt. Die Wirtschaftsbetätigung muß sich grundsätzlich auf Versorgungsbetriebe beschränken unter wirtschaftlichster Gestaltung derselben. Auf dem Gebiete des Verwaltungs­aufwandes wurden folgende Richtlinien aus­gestellt: Einhaltung der Gleichstellung der Kommu­nalbeamtenbesoldung mit der Besoldung gleicharti­ger Staats- und Reichsbeamten, bei Freiwerden von «teilen sorgfältige Prüfung, ob Wiederbesetzung notwendig ist, stärkere Heranziehung sachverständi­ger Kräfte zur praktischen Mitarbeit im Ehrenamt,

Einstellung aller Repräsentationsausgaben, Ein­schränkung des Besuches von Tagungen und Kon- greffen. Zu den dringlichen Selbsthilfemaßnahmen gehört auch volle Ausnutzung der vorhandenen Steuermöglichkeiten. Ferner muß eine schnelle und rationelle Veranlagung und Erhebung der Steuern sichergestellt werden. Diese kann bei den Realsteuern nur durch die Gemeinden (nicht durch die Finanz­ämter) erfolgen.

Die den mittleren und kleinen Städten ver­bliebenen Spar- und Steuermöglichkeiten stehen aber in keinem Verhältnis zu der un­geheuren Steigerung der Wohl­fahrtserwerbslosenausgaben. Ferner fehlen bei den kleinen Städten häufig Einnah­men aus Wirtschaftsbetrieben, und die zahlreichen Gemeindeforsten, die früher einen nicht unerheb­lichen Teil der Ausgaben kleiner Städte deckten, sind zum großen Teil Zuschußbetriebe geworden. Die mittleren und kleinen Städte fordern daher Befreiung der Gemeinden von dein Anteil der Krisenunter st ühung, or­ganisatorische Zusammenfassung von Krisen- und Wohlfahrtserwerbslosenfürsorge und finan­zielle Beteiligung des Reiches an denWohlfahrtsrrwerbslosenlasten. Ebenso notwendig ist eine Konsolidierung der kurzfristigen Gemeindekredite. Als Uebergangsmahnahmen sind erfor­derlich: Aufhebung der Kreditsperre der Sparkassen gegenüber den Gemeinden und schleunige äleberweisung ausreichender Reichs­zuschüsse.

Schlacht bei Noyon teil, 1919 übernahm v. Matter als Kommandierender General des 7. Armeekorps, das Oberkommando an Rhein und Ruhr, eine Stel­lung, die besonders wichtig wurde, als im März 1920 die Niederkämpfung des im Anschluß an den Kapp°Putsch ausgebrochenen Roten Aufruhrs im Rubrrevier notwendig wurde. Nach der erfolgreichen Erledigung dieser Aufgabe schied Frhr. von Matter 1920 aus dem aktiven Dienst aus.

Soen hedins Expedition von Räubern überfallen und ausgeplünderk.

Aus Stockholm wird gemeldet, daß Dr. D e x e l, ein Mitglied der Zentralasien-Expedition Sven Hedins, ein Telegramm an Sven Hedin sandte, in dem er mitteilt, daß Räuber das Lager der Expedition überfallen und völlig ausgeplündert hätten. Selbst die wertvollen me­teorologischen und astronomischen Meßinstru­mente seien geraubt worden. Sven Hedin hat sich bereits an die chinesische Regierung um Hilfe gewandt. Anscheinend handelt es sich bei der Räuberbande um entlassene Soldaten.

Regen und Schnee in den Alpen.

Das Wetter in den Alpen hat sich wiederum verschlechtert. Während in d.en Riederun­gen der Regen anhält, ging über die höheren Berglagen, so namentlich über dem Berner Oberland, auch am Dienstag wieder Reu- s ch n e e nieder. 2m Gebiet derJungfrau" mißt die Reufchneedecke 50 Zentimeter, die Tempera­tur beträgt 23 Grad unter Rull. Auch der südliche Teil der Walliser Hochalpen weist Schnee auf. 3m Karton Bern ist das Gebiet des so­genanntenGroßen Moses" durch den Regen so überschwemmt worden, daß ein großer Teil der Ernte, namentlich die Kartoffel- und Zuckerrü­benernte, vernichtet ist.

Das Große Los.

Wie die Berliner Blätter melden, wurde am Dienstagnachmittag bei der Ziehung der Preu­ßisch-Süddeutschen Klassen-Lotterie das Große Los, der 500 000-Mark-Gewinn, auf die Losnummer 281050 gezogen. In der ersten Abtei­lung wird das Los in Berlin, in der zweiten Abteilung in Freiburg gespielt.

Eine blutige Hochzeit.

In einem Dorfe des Bezirkes Czernowitz fand eine Hochzeitsfeier ein tragisches Ende. Die vielbegehrte Tochter eines reichen Großbauers, das schönste Mädchen der ganzen Gegend, heiratete trotz der Todesdrohungen verschiedener zurückge­wiesener Bewerber einen jungen Burschen namens Bilinski. Als nach der kirchlichen Trauung fast das ganze Dorf zum Hochzeitsschmaus im Hofe der Brauteltern versammelt war und die Feier ihren Höhepunkt erreicht hatte, erschienen zwei der verschmähten Bewerber am Hoftor und eröffneten ein Schnellfeuer auf d i e Hochzeits­gäste. Das Brautpaar, die Brauteltern und einer der Trauzeugen brachen, von mehreren Kugeln ge­troffen, zusammen. Den beiden Mördern gelang es, das Dorf unangefochten zu verlassen, da niemand wagte, ihnen entgegenzutreten. Bei den Eltern der Braut und dem Trauzeugen konnte nur nock der inzwischen eingetretene Tod feft» gestellt werden. Das junge Ehepaar mußte, lebensgefährlich verletzt, ins Krankenhaus überge­führt werden.

Pallenberg als Bankgläubiger.

Der Schauspieler Max Pallenberg ist in Wien eingetroffen, um an der Gläubigerver­sammlung der Amstelbank teilzunehmen. Er und seine Frau, Fritzi Massary, haben bei der Bank Ersparnisse im Betrage von etwa 227 000 Dollar und gehören somit zu den Haupt­gläubigern der Amsterdamer Dank. Pallenberg läßt sich mit den angebotenen 35 Prozent nicht abfinden und ist gesonnen, mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln gegen die Bank vorzugehen. So will er Ende Oktober in Wien einen Vortrag halten unter dem Titel: Die Amstelbank, ihre Generaldirektoren und ich". Ferner werde er sich ein Theaterstück Die Amstelbank" schreiben lassen und schwanke noch, ob er darin den Präsidenten oder seinen Generaldirektor spielen soll.

Schwere Kesselexplosion in einem Schlachthaus.

3n dem Städtischen Schlachthaus in Appen­zell ereignete sich durch die Entzündung von Kesselgasen im Feuerraum der Kessel­anlage eine schwere Explosion. Das Gemäuer, in dem der große, etwa 30 Zentner schwere Dampfkessel eingebaut war, ging in die Brüche. Der Kessel flog dann durch den Dachstuhl, der zertrümmert wurde, hinaus und noch über den Bahnübergang etwa 200 Meter weiter, um dann in einem kleinen Flüßchen zu landen. Von dem im Schlachthaus arbeitenden Metzgerpersonal wur­den drei Metzger schwer verletzt. Der eine ist ^bereits seinen Verletzungen erlegen. Der Sachschaden ist bedeutend.

Aus der Provinzialhauptstadt.

Gießen, den 2. September 1931.

Ruhm, Gold/ Arbeit.

Man sagt, dah Gier nach Gold und Ruhm dem Manne Glück und Friede nimmt, und daß durch Sieg und Heldentum der Seele Funken jäh erglimmt.

Den Glücklichen bekümmert nie des Lebens harter Waffengang; er lauscht des Herzens Melodie und freut sich an der Vögel Sang. Er sorgt sich nicht um den Parnaß, er fragt nach Knechten nicht und Herrn, er liegt oft stundenlang im Gras, und Duft und Blumen hat er gern.

Und dennoch ich keinen treffen sollte, der nicht sein Geschick verbessern wollte.

Man sagt, dah Reichtum nicht beglückt, und dah des Goldes schwere Last den Reichen Tag und Rächt bedrückt und ihn verstrickt in Gier und Hast. Er fürchtet, was ihn niemals traf, er wittert nachts die Diebsgefahr, das Gold raubt Frieden ihm und Schlaf und oft vor Sorgen auch sein Haar. Besitz ist, was allein er liebt, er zittert vor dem Kursbericht, und dah es Glück und Ruhe gibt, das weih der arme Reiche nicht.

Unb dennoch sah ich noch keinen sich morden, weil er über Rächt Millionär geworden.

Man sagt, dah Arbeit Segen bringt, und dah sie alle Leiden heilt; dah jedem alles gut gelingt, der freudig hin zum Schaffen eilt. Wer mit der Sonne sich erhebt und redlich rackert und sich plagt, hat doppelt seinen Tag gelebt, wie man so schön in Büchern sagt. Und wenn sich dann der Abend senkt, mit Ruh und Frieden allgemach, freut sich der brave Mann und denkt der Pflicht des nächsten Morgens nach.

Und dennoch seh ich keinen schnell springen, wenn die Glocken seines Betriebs erklingen.

Puck.

Oie Steuererleichterungen für die hessische Landwirtschaft.

Wie bekannt, ist durch einen Erlaß des hessischen Finanzministers den Landwirten im Hauptberuf eine vorläufige Erleichterung in der Zahlung ihrer staat­lichen Steuerschuld gewährt worden. In einem Erlaß an die Kreisämter und Provinzialdirektionen gibt jetzt der hessische Innenminister von der Verfügung des Ministers Der Finanzen Kenntnis mit dem Emp- fehlen,umgehend zu veranlassen, daß die Kreis- und Provinzialausschüsse bezüglich der Kreis- und Pro­vinzialumlagen 1931 und die Vertretungen der in Betracht kommenden Gemeinden Ihres Kreises be­züglich der Gemeindeumlagen 1931 alsbald den vor­läufigen Anordnungen des Herrn Finanzministers entsprechende Beschlüsse fassen. Es ist selbstverständ­lich, daß namentlich bei der eigenen Finanznot der Gemeinden nur in solchen Gemeinden der An­regung zu entsprechen ist, in deren Gemarkung tat­sächlich Ernteschäden in einem Ausmaß eingetreten sind, daß den Landwirten eine Zahlung der Steuern zu den Fälligkeitsterminen nicht angesonnen werden kann."

Oer Fremdenverkehr in Hessen im Frühsommer 1931.

Wirtschaftskrise und gesunkene Kaufkraft haben fast überall im 3n- und Ausland den Fremden­verkehr zurückgehen lassen. Auch Hessens Fremden­orte blieben von dieser Entwicklung nicht ver­schont, wie die soeben vom Hessischen Landes­statistischen Amt ermittelten Ergebnisse für die drei Monate April bis 3uni 1931 erkennen lassen. 3n Bad-Rauheim war in diesen drei Mo­naten die Zahl der abgestiegenen Fremden um etwa 9 Prozent geringer als in der gleichen Zeit des Vorjahres. Bad Wimpfen weist zwar einen höheren Fremdenbesuch als in der gleichen Zeit des Vorjahres auf, jedoch ist dies nur auf die weit stärkere Belegung der Kinder­heime (Kindersolbäder) zurückzuführen. 3n B a ö Salzhausen, König und Selters blieben die Uebernachtungszahlen der Fremden um etwa ein Viertel gegenüber dem Vorjahr zurück 3n den größeren hessischen Städten hat sich der Fremdenverkehr uneinheitlich gestaltet. Einem mäßigen Rückgang in Mainz und Gießen steht eine geringfügige Erhöhung in Darm­stadt gegenüber. 3n Bingen mit seinem 1

starken Verkehr von Rheinreisenden hat sich de- Besuch fast genau auf der Vorjahrshöhe gehalten. Von den hessischen Luftkurorten und Sommer­frischen weist Lindenfels fast den gleichen! Besuch wie im Vorjahr auf, ebenso Jugen­heim, während Auerbach einen Rückgang der älebernachtungen um etwa ein Fünftel, Hirschhorn am Reckar einen wesentlich stär­keren Rückgang aufweisen. Mehrere kleinere Aus­flugs- und Wochenendorte in Oberhessen und im Odenwald vermochten ihren Besuch zu steigern« Den Hauptausschlag für den Fremdenverkehr! geben freilich erst die Monate Juli und August« Hierüber werden jedoch erst in einiger Zeit Ergebnisse vorliegen.

Daten für Mittwoch, 2. September.

1851: Der Dichter Richard Voß in Neugrape ge­boren; 1870: Gefangennahme Napoleons III. und Kapitulation von Sedan.

Vornotizen.

ageskalender für Mittwoch« RSDAP.: Cafe Leib, 20.15 Uhr, Theaterauffüh­rungDer Wanderer". Lichtspielhaus Bahn­hofstraße:Ihre Hoheit befiehlt".

Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Die diesjährigL Sommer- spielzeit bringt noch zwei neue Werke. Mi! eigenem Ensemble kommt am Sonntag, dem 6. September, das VollsstückAlt-Heidelberg" von Meyer-Förster in völlig neuer Inszenierung unter der Spielleitung von Karl Dolck zur Auf­führung. Dieses Schauspiel, das auf seinem Siegeszuge ständiger Erfolge bereits bis Japan gekommen ist, erlebte im April 1930 in Dresden seine 2500. Inszenierung und steht auch heute noch, nach 30 Jahren, auf dem Spielplan sämt­licher Bühnen des In- und Auslandes. Kein Stück hat die Aufführungsrekorde einer ununter­brochenen Erfolgsserie erlebt wieAlt-Heidel­berg". Die Aufführung findet als 10. Vorstellung des Sommer-Abonnements zu gewöhnlichen Som­merpreisen statt. Vorverkauf ab Freitag. Be­ginn der Vorstellung 19 Uhr, Ende gegen 22 Tlhr.

"Straßenbau-ArbeiteninGiehen. Das städtische Tiefbauamt hat in jüngster Zeit eine Reihe von Straßenbau-Arbeiten durchführen las­sen. Zum Teil waren es Arbeiten, die unbedingt notwendig waren, Ausbesserungen u. dgl. im gan­zen Stadtgebiet, zum Teil sind es Reuanlagen von Straßen, die auf weitere Sicht durchgeführt wur­den. So arbeitete man seit geraumer Zeit an dem Ausbau des Hohen Eichweges als Zufahrtstrahe zu dem später zu errichtenden Viehhof. Die Ar­beiten sind bereits sehr weit fortgeschritten, und die Straße ist bis in die unmittelbare Rähe des Schlachthofes in solidem Unterbau fertiggestellt. Die Straße, die sich dem Lauf der Lahn entlang­zieht, ist durch besondere Befestigungen (Pflaste­rung, angesäter Rasen) gegen die nagende Kraft des Wassers geschützt. Ferner wurde der Straßen­bau in den Eichgärten gefördert. Auch hier wurde ein solider Unterbau aus schweren Steinen her­gestellt, der in diesen Tagen mit Schotter beworfen wird und seiner baldigen Fertigstellung entgegen­sieht. Für die verlängerte Roonstraße, die eben­falls zur Pestalozzischule durchgeführt werden soll, wurde bisher der notwendige Damm aufgeworfen, der die Straße über das Riveau der Wiese und über das unmittelbare Hochwassergebiet hebt. Des weiteren wird zur Zeit an dem Ausbau der Frei- ligrathstrahe gearbeitet, die als Zugang zu der neuerbauten Orthopädischen Klinik erhöhte Bedeu­tung erhält. Die Arbeiten an dieser Straße sollen bis Anfang Oktober (dem Zeitpunkt der Inbetrieb­nahme der Orthopädischen Klinik) beendet werden. Im Auftrage des Hochbauamtes sind in diesen Tagen Arbeiter damit beschäftigt, vor dem Häuser­block in der Schottstraße, der zu Anfang des vori­gen Monats bezogen werden konnte, die Vorgärten anzulegen und das Erdreich hierfür aufzubringen. Das Strahenbild dürfte durch diese Vorgärten, die in der gleichen Form vor den beiden Häuser­blocks im verlängerten Asterweg angelegt wurden, eine wesentliche Verschönerung und Vervollständi­gung erfahren.

** Lehrgang in der Einheitskurz- schrift. Die Erlernung der Einheitskurzschrcft kann allen jungen Leuten in Handel und In­dustrie, sowie bei Behörden nicht dringend ge­nug empfohlen werden. Die 1. Reichskurzschrift­gesellschaft e. V. Gießen eröffnet am Dienstag, 8. September, in der Pestalozzischule, Rord- anlage, wiederum einen Anfänger-Lehrgang in der Einheitskurzschrift unter Leitung eines staat­lich geprüften Lehrets der Stenographie. (Siehe heutige Anzeige.)

" Werbeausstellung für die Ein­heitskurzschrift. Anläßlich der neu be­ginnenden Lehrgänge in Einheitskurzschrift ver­anstaltet die 1. Reichskurzschriftgesellschaft e. V. Gießen in der Zeit vom 1. bis 12. September in der Schreibwarenhandlung R i e b e l, Markt­platz, eine Werbeausstellung, um die Kurzschrift den Interessenten näher zu bringen. Das Schau­fenster sei zur Beachtung empfohlen.

** Deutschnationale Volkspartei. Man berichtet uns: Am vergangenen Freitagabend fand imHotel Schütz" eine außerordentlich gut besuchte Mitgliederversammlung der Deutschnatio­nalen Volkspartei stakt. Rach einleitenden Worten des zweiten Ortsgruppenvorsitzenden, Postinspek- tor Luc as , sprach der Vorsitzende der Wetzlarer Ortsgruppe Dr. Raab über die FrageWas nun? Der Redner wies auf die Wirtschafts- und politische- Gage Deutschlands hin und behandelte eingehend die Möglichkeiten politischer Macht­ergreifung durch die nationale Opposition. 3m einzelnen nahm der Redner dann zu den wirt­schaftspolitischen Forderungen Hugenbergs Stel­lung und erläuterte den Gedanken Der Arbeits­dienstpflicht. Wenn auch, wirtschaftlich betrachtet, die Arbeitslosigkeit der älteren Leute schmerzlich sei, so dürfe man bei der arbeitslosen 3ugend nicht außer acht lassen, dah sie gerade in den 3ahren von der Produktion ausgeschaltet sei, in der sich der Mensch zum Charakter bilde. Deshalb sei die Gefahr für die Ration durch die Arbeitslosigkeit weitester Kreise der 3ugend, die keine Zukunft und keine Hoffnung habe, so außerordentlich groß. Man habe von den Vorschlägen der Führer der politi­schen Rechten verschiedenes herausgegrissen, sie nur teilweise, dazu noch verspätet und unzulänglich zu verwirklichen versucht. Entscheidend sei, wie die kommenden neuen Männer aussehen würden, die unsere Geschicke meistern sollten. Mit einem warmen Appell, sich hinter die bewährte Führung des deutschnationalen Führers Hutzenberg zu stel­len, schloß der Redner seine mit starkem Beifall aufgenommenen tiefgründigen Ausführungen. Rach kurzer Aussprache, in der auch auf die be­vorstehenden größeren Parteiveranstaltungen Der Ortsgruppe hingewiesen wurde, schloß der Vor­sitzende die Versammlung.