Ausgabe 
2.7.1931
 
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fräffia einftimmte. Fürst Viktor-Adolf zu B ° n t »etm-eteinfurt mit 6m-

lichem Dank und einem Hoch auf dre Stadt Lrch. Nachher waren die Vereine in den verschiedenen Gaststätten Gäste des Fürstlichen Hauses. ^ Gestern mittag 12 Uhr wurde die standeS amtliche Trauung durch Durgermeister Geil vorgenommen, die kirchliche Trauung schloß> stch um 12 30 11 hr in der vollbesetzten Manenstifts- kirche an. Unter den Klängen der von Lechoer Stein gespielten Orgel zogen die Vraut, ge­führt von Fürst Reinhard und Prinz Karl von Bentheim und Steinsurt, unter Vorantritt der Brautjungfern, und der Bräutigam mit Fürstin Maria und Prinzessin Karl von Bentheim in die Kirche ein. An der kirchlichen Trauung nahm auch die 93jährige Prinzessin Marie zu Solms-Hohensolms-Lich, die Großtante der Braut, teil. Unter den Hvchzeitsgästen befanden sich u. a. der frühere Grohherzog von Hessen mit Ge­mahlin, der Erbgroßherzog, Prinz Wilhelm von

Hessen, Prinz Christian von Schaumburg-Lippe, Fürst Salm-Horstmar, Fürst Castell-Castell mit Gemahlinnen. Nach Gemeindegesang, Schrift­verlesung und dem 23. Psalm von Schubert, unter der Leitung von Frl. Säger vom Frauenchor zu Gehör gebracht, hielt Stiftsdechant Kahn die $raurebe und vollzog die kirchliche Trauung. Die Hochzeitsgäste begaben sich darauf in ge­schlossenem Zuge durch die festlich geschmückten und mit reichem Fahnenschmuck versehenen Stra­ßen am Rathaus vorbei nach dem Schloß. Bei der folgenden Hochzeitstafel, an der auch die Vertreter der Stadt teilnahmen, sprachen Fürst Reinhard zu S)lms-Hohensolms-Lich auf das Haus Bentheim-Steinsurt und Prinz Karl Bent­heim auf das Haus Solms-Hohensolms-Lich

Im Monat September soll die Vermahlung der Prinzessin Marie-Anna, der jüngsten Tochter unserer Fürstlichen Familie, mit dem Burggrasen Christoph von Dohna-Schlobitten folgen.

SJL-tfpoit

3. Marburger SV. 6:22,8; 4. Riederrad 04 6:26,5; 5. Offenbach 22 8:28,5.

In der Lagenstaffel (2 0 0 m Brust, 100 m Rücken, 100 m Kraul) war es wieder Pascoes Leistung im Brustschwimmen, bie den Gieg für Gießen sicherstellte. 1. Gießener Schwimmverein (Pascoe, Schaum, Herbert) 5:50; 2. Marburger SV. 6:00,1; 3. Rotweih Darm» stadt 6:18,1; 4. Niederrad 04 6:22; 5. Offen-

Gießener Gchwimmverein Meister der Ü. Gauklaffe.

Am Sonntag kamen im Frankfurter Stadion die Meisterschaften des Gaues 1 im Kreis 5 des Deutschen Schwimmverbandes zum Austrag. Das günstige Wetter hatte dem Schwimmstadion einen solchen Massenandrang beschert, dah die an sich gut aufgezogene Veranstaltung zeitweise durch den allgemeinen Dadebetrieb etwas gestört wurde.

Im allgemeinen wurde guter Sport geboten. Die Wettkämpfe, die in drei verschiedenen Wer- tungsklassen je nach der zahlenmäßigen Stärke der einzelnen Gauvereine abgewickelt wurden, hatten folgendes

Gesamtergebnis:

Klasse I: 1. Erster Frankfurter SC. 287,3; 2. Iungdeutschländ Darmstadt 226,3; 3. Offen­bach 96 146,9 P. ,

Klasse II: 1. Giehener Schwimmverein 260; 2. Rotweih Darmstadt 222,7; 3. Riederrad 04 166 7 P.

Klasse III: 1. Delphin Frankfurt 253,1; 2. Poseidon Aschaffenburg 194,3; 3. SV. Wetz­lar 188,6 P.

Der Giehener Schwimmverein bestritt sämt­liche 5 Pflichtstaffeln seiner Klasse, und dies mit bestem Erfolg.

In der Bruststaffel 4X200 Meter zeigte die Mannschaft (Rothmann, Dauer, Pirr, Pascoe), dah sie gerade diese Disziplin noch immer mit besonderer Nachdrücklichkeit pflegt. Pascoe bot in dieser Staffel die glanzvollste Leistung aller Kämpfe. Gi^en siegte mit bedeutendem Dor­sprung.

Einzelergebmsse:

Brust staffel 4X200 Meter: 1. Sie­he ner Schwimmverein 13:05,8; 2. Marburger SV. 13:42,4; 3. Riederrad 04 13,43,8.

Die Freistilstaffel 6X100 Meter war erwartungsgemäh der guten Mannschaft des SC. Rotweih Darmstadt nicht zu nehmen. Trotzdem gelang es dem Giehener Schwimmverein, sich an die zweite Stelle zu setzen. 1. Rotweih Darm­stadt 7:25; 2. Giehener Schwimmverein (Hechler, Kübel, Schomber, Schaum, Schoenfeld und Her­bert) 7:58; 3. Riederrad 04 8:00; 4. Offenbach 22 8:26; 5. Marburger SV. 8:30.

Umgekehrt sah die Rücken staffel 4X100 Meter die Giehener wiÄ>erum als Sieger. Die fast ausgeglichenen Leistungen jedes einzelnen 'der Mannschaft verhalfen zu diesem Erfolg. 1. Giehener Schwimmverein (Rothmann, Frank, Pirr, Schaum) 6:02; 2. Rotweih Darmstadt 6:13;

bach 22 6:22. a ___ _

Die Freistilstaffel 100, 200, 200, 100 m) war für die Giehener Mannschaft ver­loren. Es setzte lediglich für den 3. Platz. 1. Rot- weih Darmstadt 8:04,4; 2. Riederrad 04 8:36; Z. Giehener Schwimmverein 8:38; 4. Marburger Schwimmverein 9:15; 5. Offenbach 22 9:32.

Bezirksivoriuniefstunde im r. Bezirk.

Am Sonntagvormittag fand in der Turnhalle am Oswaldsgarten zu Gießen eine Dezirksvor- turnerstunde des 2. Bezirks des Gaues Hessen statt. Rach der Eröffnung durch den Dezirkstam- wart Schüler (Wetzlat) wurden die Freiübungen sämtliche Geräteübungen und volkstümliche Hebungen durchgeturnt, die auf dem diesjährigen Gau turnfest des Gaues Hessen vorgeschrie­ben sind» Anschließend wurden die Wahlen für die Turnwarte des Bezirks 2 des Gaues Hessen der DT. vorgenommen. Aus der Wahl gingen als erster Bezirksturnwart Schüler (Wetzlar), als zweiter Karl Reuter kGießen) hervor. Dolksturnwart des Bezirks wurde Albert Wei­gel (Klein-Linden) und Dezirksspielwart Pfef­fer (TB. 1846 Giehen).

2. Kompanie Bataittons-Handball- meifferl931.

In der vergangenen Woche wurde unter den Kompanien des hiesigen Bataillons die Handball­meisterschaft für 1931 ausgetragen. Die Hand­ballmannschaft der 2. Kompanie errang gegen die beiden anderen Handballmannschaften zwei hohe Siege. Die erste Kompanie verlor mit 10:2 (3:1) und die dritte Kompanie gar mit 16:2 (7:0). Die Spiele gaben ein Zeugnis von der derzeitigen Spielstärke der 2. Kompanie, deren gutem Zusam­menspiel und technischem Können die anderen bei­den Mannschaften nicht gewachsen waren.

4.Reiteriag

des Zunglandbundes Oberheffen.

Im Rahmen des Provinzial-Reit- und Fahr- Turniers zu Hungen fand auch der 4. Reitertag des vberhessischen Iunglandbundes statt.

Es war eine gelungene Veranstaltung, die von

großer Begeisterung getragen war. Der vorgesehene Saal erwies sich als viel zu klein. Die flotte Fried­berger Kapelle, wohl größtenteils ehem. Militar- mufiker, spielte alte Kavalleriemärsche und sorgte von Anfang an für die richtige Stimmung. In vorbild­licher Weise hatten sich der GesangvereinEintracht" (jungen), der Turnverein sowie der Radfahrerver­einGermania" (Hungen) mit gelungenen Vorfüh­rungen zur Verfügung gestellt und sorgten für an- sprechende Abwechslung. Bürgermeister Fendt (Hungen) begrüßte alle Teilnehmer und Gäste. Er fand vaterländische Worte, die sich den Zeitverhält­nissen anpaßten und der Bedeutung der Jungreiter­bewegung in vollstem Maße gerecht wurden. Das gleiche muß von den Worten des Junglandbund- führers Robert Schmidt (Steinheim) gesagt wer­den, der mit klarem Blick und vollster Ueberzeugung für die gute Sache sprach.

Handball im Gau Hessen (L>. T.)

To. Allendorf a. b. Lahn I To. Burgsolms I 12:0 (5:0).

Am Sonntag trafen sich bie beiden Mann­schaften in Allendorf. Trotzdem Burgsolms eine hohe Riederlage hinnehmen muhte, handelt es sich hier nicht, wie man vielleicht annehmen sollte, um eine Anfängermannschast. Die Spieler waren sehr schnell, liehen aber die richtige DaMbehand- lung vermissen und konnten der gut aufgelegten Mannschaft von Allendorf nie gefährlich werden. Der Kampf wurde sehr anständig geführt.

To. Allendorf 1. 3gb. To. Heuchelheim 2. 3gb. 3:0.

Mit diesem Sieg hat die Allendörfer Iu- gend ihr erstes Spiel für sich entschieden. Sie zeigte teilweise ganz ansprechendes Können und siegte ziemlich sicher.

To. GroßenLlnben 3ugenb

gegen To. Dutenhofen 3ugenb 16:2 (9:0).

Großen-Lindens Iugend weilte in Dutenhofen und kehrte mit einem haushohen Sieg zurück. Das Maß an Ueberlegenheit kommt durch das Resul­tat am besten zum Ausdruck. Die Schüler schlugen die Hochelheimer Schüler in Hochelheim mit 4:2.

Sportverein 1928 Garbenteich.

Belm Pokalturnier in Ober-Roßbach.

Am vergangenen Sonntag fand in Ober-Roh­bach ein Pokal turnier statt, an dem neun Mann- schaften teilnahmen. Am Samstagnachmittag wurde bereits ein Werbespiel aus getragen, das die ersten Mannschaften von Ober-Roßbach und Garbenteich im Felde sah. Tie Platzbesiher siegten mit 6:3 (4:1) Toren. Beide Mannschaften beflei­ßigten sich aller Fairneh. Am Sonntagmorgen begannen sodann bei herrlichem Wetter die eigent­lichen Pokalspiele, die in drei Klassen ausgetra­gen wurden. In der Ligaklasse rissen die Garben- teicher den Sieg an sich, spielten aber gegen die Sieger aus den anderen beiden Klassen nur je­weils 0:0 und verloren durch das Los in beiden Fällen den Sieg. Als Gegner traten der ersten Mannschaft Garbenteichs die ersten Mannschaften von Allendorf (0:1), von Straßebersbach (0:0) und Steinbach (0:0) gegenüber.

Die erste Iugendmannschaft von Garbenteich die ein noch fälliges Derbandsspiel gegen die erste Iugend von Rauborn austragen sollte, wartete zum dritten Male vergeblich auf den Gegner. Eine kombinierte Iugend- und Schütermannschaft war nach Queckbom eingeladen, fand dort aber keine Iugendmannschaft vor, fonbern muhte gegen die erste Mannschaft des Gastgebers kämpfen und ver­lor mit 4:2 (4:1).

$. C. Teutonia Steinberg.

1. Mannschaft Schirivereinigung Gießen 3:1 (1:1).

Der vergangene Sonntag war der Werbung für die Fußballbewegung gewidmet. Die Erwartun­gen, welche man in die 1. Mannschaft der Schiri­vereinigung gestellt hatte, haben sich reichlich er­füllt. Die Mannschaft ist eine schuhfreudige Elf und lieferte einen schnellen, aber doch fairen Kampf. Das Spiel war von Anfang an sehr flott.

ZrandWdköLebens

Vornan von Käte Lindner.

(Copyright 1931 by Verlag Alfred Bechthold in Braunschweig.)

27 Fortsetzung, Nachdruck verboten.

Tcrtiana lieh die großen Augen über sein Ge­sicht gleiten, als müsse sie sich noch einmal ver­gewissern, dah da vor ihr ein Freund aus guten Zeiten sah, der innigen Anteil in ihrem Geschick nahm. Dann lehnte sie sich in ihren Sessel zurück und begann:

»Als ich damals, als man mich vom NewSki- Prospekt als eine Tote fortgetragen hatte, zur Be­sinnung kam, erwachte ich in einer Wachtstube, in der Soldaten der Tscheka saßen. Einer von ihnen saß am Tisch und mochte wohl ein Protokoll auf­nehmen, denn ich hörte gerade wie er sagte: »Also die Gräfin Semjonow hat er erwürgt, der Hund. Das wird ihn teuer zu stehen kommen, sollte uns nicht ein strenges Verhör offenbaren, wo der Graf seine Geheimpapiere und den ganzen Briefwechsel mit dem General Wozonoff aufbewahrt hat? Rie- mand hat diese Briefe finden können, und doch sind sie für uns von der größten Wichtigkeit. Er selbst leugnet hartnäckig, je mit dem General in Briefwechsel gestanden zu haben. Run hatten wir die Frau in der Hand, und sie würde uns gewiß wichtige Aufschlüsse haben geben können. Da kommt dieser Tölpel und drückt ihr die Kehle zu. Solch eine zarte, empfindsame Gräfinnenkehle, Brüderchen Boris... ihr ganzes Leben lang sind durch diese Kehle nur der edelste Wein und die auserlesensten Speisen geflossen, kommt dieser Tölpel daher und drückt sie zusammen wie einen Gummi ball."

Sie lachten ein drohendes Lachen, derweil ich meine Augen entsetzt wieder schloß, um zu hören, was man weiterbeschliehen würde.

»Was machen wir nun mit ihr?" sagte jetzt der als Doris Angeredete. »Wenn Iwan Wasnit- scheff kommt, soll er sie auf den Schindanger hin­ausfahren, was weiter", sagte der, der das Pro­tokoll auf genommen hatte. »Meinst du etwa, wir machen einen Unterschied, weil sie eine Gräfin ist? Mitgefangen, mitgehangen, heißt die Devise bei den Sowjets. Schade, daß sie nicht mit den andern jetzt an der Mauer steht. Puff ein kleiner Knall, ein bißchen Rauch... Was willst du", fragte er jetzt in der Richtung nach der Tür, wohin ich nicht sehen konnte, »ist draußen wieder etwas los?"

»Ordonnanz... habe zu melden, daß der Fürst Gregor Gregorowitsch einen Fluchtversuch unter­nahm. Es ist ihm aber die Flucht nicht gelungen ... Als ersten in der Reihe traf ihn die Kugel. Er ries noch einmal laut und deutlich:Hoch lebe

Rußland. Unser herrliches Zarenreich... es lebe!" Wieder erdröhnte Gelächter. »Er hat gut rufen, der Zaren knecht... er wird nicht mehr rufen, nie mehr es lebe Rußland, es lebe das Zarenreich... Hat das Gericht stattgefunden?"

»Zu vermelden, alle sind sie tot.

»Dann ist es gut. Hier auf der Bahre liegt dis Gräfin Semjonow, sie starb, ehe das Gericht sie ereilte. Iwan Wasnitscheff, sorge dafür, daß sie sobald als möglich hinauskommt, weißt ja, wo die andern liegen. Wenn ich zurückkomme, muh hier Ordnung sein. Verstanden?"

»Befehl..Ich hörte, wie die anderen die Stube verliehen und die Tür sich hinter ihnen schloh. Ietzt beugte sich ein Gesicht über mich und fühlte meine Hand an. »Teufel, sie ist doch noch warm", sagte die Stimme Wasnitscheffs, »es muh doch eine ganze Weile schon her sein, dah man sie hereintrug. Ein feines Weibsstück... fast noch ein Kind ist's...

Todesangst beschlich mein Herz, Marquis, ich wagte nicht, mich zu rühren. Da nahm er eine Feder und kitzelte mich unter der Rase. Ich muhte niesen und schlug die Augen auf.

»T acht ich mir8 doch gleich..." Der Bolsche­wist schlug vor Verwunderung seine Hände zu­sammen. Ietzt sah ich, dah er ein gutmütiges Ge­sicht hatte, etwas wie Mitleid glomm in seinen Augen aus.

Ta warf ich mich vor ihm in die Knie und weinte und flehte ihn an, mich in Sicherheit zu bringen. Ich trug auf der Brust unter dem Hemd eine kleine, goldene Kapsel mit dem Bildnis Saschas, es war das einzige Schmuckstück, das ich noch besah, es war wohl den Soldaten vorhin entgangen, weil ich es verborgen trug. Ich nahm es von meiner Brust, kühte noch einmal das Bild, das es enthielt und reichte ihm das Kleiirod.

»Ta... nehmen Sie. Wenn Sie noch ein Herz in der Brust haben... helfen Sie mir fort von hier. Helfen Die mir..

»Laß schauen deinen Liebsten... er nahm die Kapsel und drückte sie auf.

Ta sah ich, wie in seinem Gesicht eine große Veränderung vor sich ging.

»Der da hat mir einmal einen großen Dienst geleistet, Frau Gräfin. Es ist Graf Semjonow, er war Gardevsfizier des Zaren im 2. Regiment. Ich fenne ihn wohl. Als Rekrut war ich von meinem Dorf herein in die Stadt gekommen, ich war so sehr an Freiheit gewöhnt, an Licht und Luft, die große Stadt mit ihren Mauern erdrückte mich fast. Heimweh hatte ich, bitterstes Heimweh, und ich faßte in der Rächt den Entschluß, zu entfliehen. Ich wurde gefaßt und sollte früh durch 25 Knutenhiebe mein Heimweh vergessen.

Ich stand halbnackt auf dem Kasemenhof, zit­terte und klapperte mit den Zähnen. Die Knute war aus bestem Leder, Frau Gräfin, und der sie führte, hatte eine schwere Hand. Rach dem ersten

Streich schon schoß mir das Blut den Rücken hin­unter. Da kam ein Offizier auf einem schwarzen Rapphengst auf den Hof gesprengt, seh, ihn noch angaloppiert kommen, war ein stolzer Reiter, ein feiner Offizier.

»Was geht hier bot", rief er schon von weitem, »waS hat er getan?

Sie berichteten ihm, was ich getan hatte. Da sah er herunter auf mich, lange, und dann sagte er: »Mein Iunge, du hattest wohl vergessen, daß du jetzt den Rock seiner geheiligten Majestät des Zaren trägst? In solch einem Rock, da reiht man nicht aus, merke dir das, mein Iunge. Für den Rock, da gibt man sein Blut hin und sein Leben.

Spruchs und wendete sein Pferd wieder. »Die Strafe ist ihm zu erlassen für diesmal", rief er dem Unteroffizier zu. »Und nehmt diese neuen Knuten nicht, um Kinder zu schlagen..

Dieser Edelmut Saschas, an den sich der Mann erinnerte, rettete mein Leben. Iwan Wasnitschefs zog mich an der Hand hoch von der Bahre und flüsterte: »Kommen Sie, ich bringe Sie zu meiner Mutter. Keiner wird Sie finden dort, sie ist vor ein paar Wochen in die Stadt gezogen, sie wohnt ganz allein in einem kleinen Häuschen. Aber rasch, keine Minute ist zu verlieren."

Er rannte hinaus und kam mit einem Militär­mantel, einer Mühe und Stieseln zurück. »An­ziehen", kommandierte er und stülpte mir die Mühe auf den Kopf. Half mir in die Stiefel, legte mir den Mantel um. Zuerst hatte er die Bahre hinausgeschleift, die letzten Spuren meiner Anwesenheit verwischt. »Wenn sie uns erwischen, geht es um Ihren und meinen Kopf", sagte er und horchte angestrengt nach draußen. Aber nichts regte sich, und wir entkamen. Auf Umwegen brachte er mich zu seiner Mutter. Gott segne sie, ohne ihre Hllfe wäre ich nicht mehr am Leben. Sie verbarg mich sie holte mir Lisanka herbei, suchte so lange nach ihr, bis sie meine alte Amme fand.

Sie hatte einen Schwiegersohn, der lange Iahre Kammerdiener eines Fürsten gewesen war und deshalb auch unter dem Verdacht stand, ein Zarenknecht zu sein. Man hatte ein scharfes Auge auf ihn und seine Frau, deshalb beschlossen sie, Rußland so bald als möglich zu verlassen. Roch einige andere fanden sich dazu, denen ebenfalls der Boden zu heiß unter den Füßen geworden war. Lisanka hatte mit Hilfe von Iwan Wasnit- scheff noch einmal Einlaß in unser Haus gefunden. »Mütterchen Lisanka will sich ihr Bett und einige Wäsche holen, Bruder, laß sie noch einmal ein auf kurze Zeit." Er hatte der Wache zur Be­kräftigung seiner Bitte eine Handvoll Kopeken verabreicht, so war es ihr möglich, mir ein paar Kleider und einige verborgene Schmucksachen, deren Versteck in meinem Schlafzimmer sie kannte, zu bringen.

Ein gut eingebrachter Eckball des Rechtsaußenl Grünewald wurde vom Mittelstürmer Bötticher unhaltbar zum Führungstreffer verwandelt. Steinbergs Elf wurde dann doch etwas überlegen, doch ließ der reichlich zerfahren spielende Sturm manche totsichere Chance aus. Erst eine schöne Einzelleistung des Mittelstürmers brachte den Ausgleich. Mit 1:1 wechselte man die Seiten. Die zweite Halbzeit sah zwei gleichwertige Gegner. Kurz vor Schluß gelang es den Plahbesihem durch zwei blitzschnelle Starts, den Sieg an ihr Banner zu heften. Schiri Döcher war dem Spiel ein gerechter Leiter.

Faustball im Turngau Lahn-Oünsberg (AOT ).

Am Sonntag wurde in Hausen die Vorrunde im Faust ball, dem schönsten aller Turnspiele, unter der Oberleitung von Gauspielwart D r o l s b a ch ausgetragen. Es beteiligten sich 6 Mannschaften an dem Treffen, nämlich TV. Allendorf (a. d. Lumda) und Turn- und Sportgemeinde Rodheim (a. d. Bieber) mit je einer, TV. Garbenteich und TV. 1846 Hausen mit je zwei Mannschaften. Da sich die Mannschaften gegenseitig in ihrer Spiel­stärke fast unbekannt waren, war jedermann auf den Ausgang der Spiele gespannt. Die Kämpfe waren sehr interessant und wurden sämtlich ohne Zwischenfall durchgesührt.

Die beste Mannschaft stellte der $28^1864 Hau­sen und konnte die Vorrunde ungeschlagen be­stehen. TV. 1864 Hausen führte die Tabelle mit 10 Punkten vor Garbenteich 11 mit 8 Punkten. Hausen 1 spielte sehr ruhig und war ausgeglichen. Die 5 Spieler waren gut aufeinander eingespielt. Die stärkste Stütze hatte die Mannschaft in dem Mittelspieler und dem rechten Hintermann. Gut gefiel auch die äußerst ruhige Mannschaft der Turn- und Sportgemeinde Rodheim an der Bie­ber, deren rechter Vorderspieler wohl der beste Mann auf dem Platze war. Sie belegte aller­dings nur den 3. Platz, da sie außer gegen Hau­sen 1 gegen Garbenteich 11 mit einem Punkt ver­lor. Ebenfalls gut waren die beiden Hinterleute der 2. Mannschaft des TV. Garbenteich und der rechte Hinterspieler von Garbenteich L, außerdem der linke Hintermann von Hausen 11. Die Schiedsrichter taten ihre Schuldigkeit.

Die Rachrunde findet am 19. Iuli in Allendorf an der Lumda statt.

Die Ergebnisse. 1

Hausen 1864 I Rodheim 42:35 (20:16); Gar­benteich II Allendorf 46:37 (20:19); Hausen, 1864 1 Allendorf 43:41 (21:20); Garbenteich 1 Hausen 1864 11 48:43 (19:17); Garbenteich II Rodheim 40:39 (16:22); Garbenteich I Al­lendorf 50:37 (24:20); Rodheim Allendorf 54:37 (26:17); Hausen 1864 I Hausen 1864 II 45:31 (27:11); Hausen 1864 1 Garbenteich 1 42:31 (25:15); Rodheim 1 Hausen 1864 II 40:33 (18:17); Garbenteich 11 Hausen 1864 II 50:41 (21:19); Hausen 1864 I Garbenteich 11 43:38 (25:17); Garbenteich II Garbenteich 1 43:38 (20:18); Rodheim Garbenteich I 44:34 (23:20); Hausen 1864 II Allendorf. Allendorf trat nicht an, das Spiel war damit für Hausen II gewonnen.

Tabelle der Vorrunde.

gew.

Hausen 1864 I 5

Garbenteich II 4

Rodheim 3

Garbenteich I 2

Hausen 1864 II 1

Allendorf 0

berl. Punkte

0 10: 0

1 8: 2

2 6: 4 |

3 4: 6

4 x 2: 8

5 0:10.

Kurz« Sportnotizen.

Schiedsrichterbelehrungsspiele in Waldgirmes. In Waldgirmes fanden am Sonntag zwei Schieds­richterbelehrungsspiele statt. Tv. Dorlar I spielte gegen To. Garbenteich I und gewann mit 4:1 (2:1). To. Waldgirmes I gewann gegen To. Atzbach I mit 7:2 (3:1). -

So gelang uns die Flucht aus Rußland. Zwei meiner Schicksalsgenossen waren früher Artisten gewesen, einige waren mit einer leidlichen Stimme begabt... so wurde dasKabarett zum blauen Vogel" gegründet, wir mußten doch unser Leben fristen auf irgendeine Weise.

Ein unstetes Wanderleben begann. O Mar- auis, fragen Sie mich nicht, wie ich es trug... Schwer, unendlich schwer war dieses Losreißen von allem, was mir früher Lebensnotwendigkeit gewesen war. Dazu kam die Ungewißheit über Alexanders Geschick, meine Sehnsucht wußte nicht, wo sie ihn suchen sollte. Diese eine, tröstliche Ge­wißheit, daß er all diesem qualvollen Leiden ent­ronnen sein könnte, hatte ich nicht. Selbst die Gewißheit, ihn tot zu wissen, entronnen dem Leben, wäre mir ein Trost gewesen.

Lisanka und ihre Treue schafften mir unter­wegs, wo immer wir hinkamen, einen stillen Winkel des Ausruhens. Unendlich erfinderisch war sie darin, das ödeste Gasthauszinnner zu einer Zufluchtsstätte zu machen, wo man sich ver­bergen konnte vor den Menschen. »So fristeten wir unser Leben, so gut es ging. Das ist auch eines der Geheimnisse der allgütigen Mutter Natur, daß der Mensch an alles sich gewöhnt, jede llrnstellung seiner Lebensgewohnheiten mit der Zeit weniger hart empfindet, sich schickt in harte Notwendigkeiten. Aber Lisanka wird jetzt zu alt für dieses Wanderleben, ein Wunder über­haupt, daß sie es so lange ertrug. Ihre Gegen­wart war mir Trost im Leid, ihre Treue ließ mich nicht am Leben verzweifeln.

So, Marquis, jetzt wissen Sie, wie wir der Hölle Rußland entkamen. Und nun lassen Sie uns beraten, wie Sie am schnellsten mit Sascha mich wieder vereinigen können. Ich zähle die Stunden bis zu unserem Wiedersehen. Ach, wenn alles dies nun wieder ein Traum wäre, aus dem ich er- machen müßte zu kalter grausamer Gewißheit, daß er mir ferner ist denn je? Ach, ich..."

Beruhigen Sie sich, Gräfin, es ist kein Traum. Und diese Entfernung ist nicht allzugroß. Haben Sie hier einen Kontrakt zu lösen ober können Sie sich rasch frei machen?"

Sie schüttelte lächelnd den Kopf.

»Meine Landsleute werden mich ziehen lassen, wenn ich will. And einen Ersatz für mich werden sie wohl mit der Zeit finden. Sie glauben nicht, wieviele russische Emigranten oft unter den trost­losesten Verhältnissen in der Welt verstreut sind, die auf irgendwelche Weise ein Fortkommen suchen. Unser Komiker und der junge Tänzer Lubitschoff, Sie haben ihn wohl gesehen, er ist einer unserer besten Nummern, sie haben sich auch unterwegs uns angeschlossen. Nichts soll mich halten, nichts. Nur eins... mir fehlt das Reise­geld für mich und Lisanka."

(Fortsetzung folgt.)