Ausgabe 
2.5.1931
 
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dem entsprechenden Zeitraum des Vorjahres aus- gegangen. SMc Quoten, für die eine Zollvergütung in Frage kommt, sowie der zu vergütende Anteil des Zolles werden jeweils für bestimmte Zeit­abschnitte, zunächst für etwa einen Monat, fest­gesetzt. Sie hierüber bereits in einzelnen Zei­tungen veröffentlichten Zahlenangaben sind un­richtig. Die amtlichen Bekanntmachungen sind erst in einigen Tagen nach Abschluß der notwendigen Vorbereitungen zu erwarten. Durch bereits ein* geleitete Verhandlungen mit den Mühlen und dem Däckergewerbe wird sicherzustellen sein, dah der Konsum in den Genuß der Zoll­vergütung kommt. Außerhalb des RahmenS dieser Regelung verbleibt es bei den bis­herigen Zöllen für Weizen und Wei­zenmehl. so daß auf der einen Seite eine Ver­billigung für das aus dem Auslande eingeführte Mahlgut eintritt, auf der anderen Seite aber eine für die Landwirtschaft nachteilige Wirkung auf den deutschen Markt ausgeschlossen und eine ge­sunde Lieberleitung in das neue Ernte jahr sichergestellt ist.

Oie Landvolkpartei beim Reichskanzler.

Der Schutz der bäuerlichen Beredclungs- wirtichaft.

Berlin, 1. Mai. (LU.) Als Vertreter der Landvolkpartei wurden am Freitagmittag die Aeichstagsalaeordneten Hepp, Gereke, Do brich ind Bauer, sowie der Führer der Lcmdtagsfratt.on, Abgeordneter V o l l m a r , vom Reichskanzler empfangen. Wie die Land­volknachrichten mitteilen, besprachen die Vertre­ter der Landvoltpartei mit dem Reichskanzler die politische Lage und insbesondere die Mäß- nahmen, die auf Grund des Zollermäch- tigungsgesehes ergriffen wurden und noch weiter ergriffen werden sollen. Sie wiesen da­bei besonders auf die Rotwendigkeit hin, sobald wie möglich noch weitere Maßnahmen auf dem Gebiete der bäuerlichen Der- edelungswirtschaft zu treffen, damit sich die Selbsthilfemaßnahmen der Landwirtschaft ins­besondere auch auf genossenschaft­lichem Gebiet voll auswirken könnten.Reichs­kanzler Dr. Brüning betonte die Rotwendig- feit einer Selbsthilfe, besonders auf genossen­schaftlichem Gebiet und hob hervor, dah die Reichsregierung nach wie vor bereit sei, auch durch weitere zweckentsprechende Maßnahmen der bäuerlichen Deredelungswirtschaft zu helfen. Wei­ter wurden von den Landvolkvertretern Be­schwerden über die zu langsame Durchführung der Qsthilfe vorgebracht. Der Kanzler sagte zu, daß er sich für m ö g - lich ste Beschleunigung der Hilfe für den Osten einsetzen werde.

Frick fordert erneut Hindenburgs Rücktritt.

Bückeburg, 1. Mai. (TLl.) 3n einer von der RCDAP. einberufenen Versammlung führte Dr. Frick aus: Das materialistische Denken be­herrsche die bürgerlichen Parteien ebenso wie die marxistischen. Dieses materialistische Denken sei schuld an der zwischen Bürgern und Proletariern entstandenen Kluft. Die Rotverordnung sei nicht gegen die Gottlosenpropaqanda gerichtet, sondern gegen die nationale Opposition. Diese aber würde sich in Kürze mit der Frage zu befassen haben, ob sie den Reichspräsidenten, der nicht von seinen Ratgebern, nicht von Staatssekretär Meißner, nicht von den Ministern Wirth und "Severing oder Braun gewählt worden sei, son­dern von Männern, die heute in der nationalen Opposition stünden, in aller Ehrerbietung, aber auch in Entschiedenheit bitten wolle, sein Amt niederzulegen. Die nationale Oppo- sitton würde die Einberufung desReichs- tages verlangen, falls Maßnahmen ergriffen würden, durch die das deutsche Volk weiter blu­ten müsse und durch die dem internationalen Fi­nanzkapital und den Franzosen deutsche Werte zu- gefuhrt würden. Die RSDAP. verlange Reu- wahl zum Reichstag gleichzeitig mit den Reuwahlen zum Landtag und werde, wenn es in Preußen zum Volksentscheid komme, alle Kräfte anspannen, um ihn zum Erfolg zu führen. Die Rationalsozialisten drängten sich nicht zur Regie- gicrung, denn es sei nicht angenehm, den Augiasstall auszumisten, aber sie wollten ihre Pflicht tun und wären daher bereit, auch diese Aufgabe aufzunehmen.

Maiseier der Nationalsozialisten.

Goebbels spricht in Berlin.

Berlin, s.Mai. (TU.) Der Gau Berlin der NSDAP, veranstaltete am Freitagabend im Ber­liner Sportpalast eine von 15000 Personen besuchte Massenversammlung. Schon vor Beginn der Veranstaltung war der Saal bis auf den letzten Platz gefüllt. Nach dem einleitenden Vortrag des Berliner Stadtverordneten Engel über das ThemaDer Sozialismus die Lebensfrage der deutschen Arbeiterschaft" nahm der Berliner Gau­leiter Reichstagsabg. Dr. G ö b b e l s das Wort, dem nach polizeilichem Redeverbot das Sprechen in öffentlichen Versammlungen in Berlin nunmehr wieder gestattet worden ist. Dr. Göbbels kennzeichnete die Nationalsozialisten als Aktivisten und Revolu­tionäre, als Nationalisten, Sozialisten und Anti­semiten. Er entwarf ein Bild von dem Schicksalswege des deutschen Arbeitertums in den verflossenen Jahr­zehnten, das jetzt nach vielen Irrwegen im National- sozialismus hinter aufrechten Fahnen marschiere. Deshalb habe die Nationalsozialistische Partei das Recht, den Feiertag des 1. Mai, den die anderen zur Phrase gemacht hätten, für sich in Anspruch zu nehmen. Der Nationalsozialis­mus wolle und werde dem 1. Mai den tiefen Sinn wiedergeben, der darin liege, daß dieser Tag ein Appell nicht an die Klassengesinnung, sondern an die Volksgesinnung sein solle.

Oer 1. Mai in Berlin.

Kundgebung der freien Gewerkschaften «nd der SPD.

Berlin, 1. Mai. (TU.) Die Maifeierkundgebung der Sozialdemokratischen Partei und der freien Gewerkschaften im Berliner Lustgarten verlief ohne jeden Zwischenfall. Die Züge hatten sich in den Außenbezirken bereits von 8 Uhr ab gesammelt. Um 10 Uhr war der weite Platz zwischen Schloß und Museum mit einer nach vielen Tausenden zäk^ lenden Menge angefüllt, über die ein Wald von roten Fahnen emporragte. In einer Ansprache be­tonte der Vorsitzende des Ortsausschusses des

Das Zollabkommen vor dem Suwpaausschiiß.

Wirischastskrisis und europäische Zollpolitik auf der Tagesordnung der Genfer Studtenkommission.

Genf, 1. Mai. (2BI23.) Auf der vorläufigen Tagesordnung der Sludienkommiffion für die europäische Union, die in Genf am 15. Mai zu ihrer drillen Tagung Zusammentritt, sichen solgende fragen:

1. Erörterung des Berichts über die Verfas­sung und Organisation sowie die Ar­beitsmethoden der Kommission.

2. Die Frage der eventuellen Teilnahme des Freistaates Danzig an den wirtschaftlichen Fragen der Kommission.

3. wirtschaftliche Fragen: die Weltwirt­schaftskrise, soweit sie die Gesamtheit der europäischen Staaten betrifft. Dieser Teil der Tages­ordnung schließt die solgenden Punkte ein:

a) Prüfung der ersten Ergebnisse der Arbeiten der wirtschasts- und Finanzorganisation des Völ­kerbundes und des Internationalen Arbeitsamtes, die sich auf die wirtschaftliche Deprcsiion Im allge­meinen und die Arbeitslosigkeit im beson­deren beziehen.

b) Die Arbeiten der Pariser Konferenzen vom 25. und 26. Februar i>. 3. (Absatz von gegen­wärtigen und zukünftigen Getrelde- b e st ä n d e n).

c) Die Frage der Agrarkredite.

d) Der belgische Vorschlag bezüglich der Ausdeh­nung des Benachrichtigung-- und Ein­spruchverfahrenr auf neue Gebiete. Dieser bildet die Grundlage der Handelskonvention von 1930.

e) Fremdenrechl.

f) Das Problem der Uebermittlung und Durchfuhr von elektrischer Energie.

Auf Verlangen der deutschen Regierung ist die Frage der Gesamtllnie der europäischen Zollpolitik auf die Tagesordnung gefetzt wor­den. Die deutsche Regierung hat in ihrem Antrag

des Näheren ausgesührl, dah sie es für angebracht halten würde, die durch die gegenwärtigen Zolloer- hältnisse in Europa und das Scheitern der Handels­konvention von 1930 geschaffene Lage noch einmal zu prüfen. Sie hat angekündigt, dah sie bei dieser Gelegenheit eine Erklärung über die von ihr auf diesem Gebiete gemeinsam mit der österreichischen Regierung oersolglen Ziele abgeben würde. Sie hat ferner eine neue Prüfung der Möglichkeit der Gewährung von Präferenzzöllen für wünschenswert erklärt. Aus deutschen Antrag ist noch die Frage von Zoll­freiheit für Brenn - und Schmierstoffe für Motorfahrzeuge, die die Grenze über­schreiten, auf die Tagesordnung gesetzt worden.

Gemäß der von der europäischen Studienkommis­sion auf ihrer 3anuactagung gesoßten Entschließung sind die Regierungen der türkischen Repu­blik, der ll. d. S. S. R. und von Island ein­geladen worden, sich bei den Beratungen der Kom­mission, die auf den Artikel 3 der vorläufigen Tagesordnung Bezug haben, vertreten zu lassen. Die Vertreter Deutschlands und 3taliens haben sich vorbehalten, auf der Tagung vorzuschlagen, Punkt 3 der Tagesordnung vor dem Bericht über die Ver­fassung und Organisation zu prüfen.

Oie deutsche Delegation für Genf.

Berlin, 1. Mai. (CNB.) Die deutsche Delega- Hon, die sich Mitte des Monats zur Teilnahme an der diesmal besonders bedeutsamen Tagung des E u r o p a a u s s ch u s s e s und des Völker­bundsrates nach Genf begibt, wird wiederum von Reichsaußenminister Dr. Curtius geführt werden. Der Delegation gehören ferner an Staats­sekretär v. Bülow, die Ministerialdirektoren Dr. Gaus (Rechtsabteilung), Dr. R i 11 e r (Wirtschafts­fragen) und Dr. Ze ch l i n (Presseabteilung), Ge­sandter Meyer von der Ostabteilung und eine Anzahl weiterer Sachverständiger.

Propaganda sürVerschiebung der Abrüstungskonferenz

Genf, 1.Mai. (TU.) Nach einer zweifellos von leitenden französischen Kreisen des Völkerbunds- sekretariats beeinflußten Meldung desJournal de Genese" soll gegenwärtig in diplomatischen Kreisen eine Verschiebung der Abrüstungskon- f e r e n 8 erwogen werden. Man sei in diplomati­schen Kreisen der Auffassung, daß sich die allge­meine politische Lage seit der Einberufung dec Abrüstungskonferenz auf der Januar-Tagung des Völkerbundsrates infolge der letzten Flotten­oerhandlungen und des deutsch-österreichischen Zoll­abkommens grundsätzlich verändert habe, so daß eine Verschiebung der zum 2. Februar 1932 einberufenen Abrüstungskonferenz ins Auge gefaßt werden müsse. Es ist bekannt, daß schon seit einiger Zeit in Kreisen der französischen Regierung eine Verschiebung der Abrüstungskonferenz gewünscht wird, da der Verlauf der Flottenoer- Handlungen sowie die grundsätzliche Haltung der deutschen Regieru na in der Abrüstungsfrage einen den französischen Wün­schen entsprechenden Verlauf der Abrüstungskönfere- renz durchaus tragisch erscheinen lassen. Die Mel­dung desJournal de Genöve" bezweckt offenbar, den Gedanken einer Verschiebung der Abrüstungs- konserenz zur öffentlichen Erörterung zu stellen und im Sinne der französischen Wünsche zu beeinflussen. Es muß demgegenüber darauf hingewiesen werden, daß eine Verschiebung der Abrüstungskonferenz in der gegenwärtigen Lage völlig ausge­schlossen ist. Eine Abänderung des auf der Januar-Tagung einstimmig erfolgten Beschlusses würde neue Verhandlungen im Völkerbundsrat und eine neue, den alten Beschluß umwerfende Ent­schließung notwendig machen, die kaum die Zu­stimmung Englands, Deutschlands und Italiens finden dürfte. Es liegt auch nicht der gering st e Anlaß vor, die Abrüstungskonferenz zu verschie­ben. Ein derartiger Beschluß würde als eine beab­sichtigte Verschleppung der Abrüstungsver- pflichtungen durch die Großmächte aufgefaßt werden. Die Offenlegung der Rüstungen. Die deutschen Tabellen zur Feststellung des

Rüstungsstandes in Genf überreicht.

Genf, l.Mai. (LU.) Reichsaußenminister Dr. Curtius bat in Verfolg des bereits vor einiger Zeit eingereichten Antrages zur Tagesordnung der Mai-Tagung des Völkerbundsrates, in dem eine obligatorische Veröffentlichung des gegenwärtigen Rüstungsstandes der einzelnen Länder auf Grund gleicharttger Schemen beantragt worden war. dem General- fetretär des Völkerbundes nunmehr eine Rote überreicht, in der in allen Einzelheiten aus­gearbeitete Tabellen für die Veröffentlichung

des Rüftungsftandes enthalten sind. Die deutschen Tabellen entsprechen im großen und ganzen den von deutscher Seite bereits in den Verhandlungen des vorbereitenden Abrüstungsausschusses einge­reichten Vorschlägen und umfassen bis in alle Einzelheiten die gesamten aktiven und Reserve- Truppen, die Ausbildungszeit sowie das ge­samte aktive und lagernde Kriegsmaterial der Land-, Luft- und Seerüstungen. Die Tabellen erfassen somit den ganzen Rüstungsstand der ein­zelnen Länder und geben daher die Möglichkeit, daß sich die Abrüstungskonferenz ein offenes B ild über den heutigen Rüstungs­stand der einzelnen Länder verschaffen und einen Vergleich zwischen den Rüstungen der einzel­nen Länder vornehmen kann.

Oer Flottenpakt.

Englands äußerstes Angebot.

London, 1. Mai. (TU.) Das Foreign Office hat von der italienischen Regierung eine Mit­teilung erhalten, daß sich die italienische Antwort auf die letzten französischen Flotten­forderungen auf derselben Grundlage bewegen würde, wie die englischen ©egenuor- schlüge. Eine gleiche Mitteilung sei am Quai d'Orseh erfolgt. Die italienische Antwort würde aber erst in ein bis zwei Tagen in London und Paris eintreffen.

Die englische Regierung hat in ihrer Denk­schrift ein Kompromiß vorgeschlagen, nach dem Frankreich Reubauten schon nach der im Jahre 1935 stattfindenden Flvtten- kvnferenz anstatt, wie bisher gefordert, erst nach Ablauf des Londoner Vertrages, also im Zähre 1936 auf Stapel legen dürfe. Die Einzel­heiten über die Tonnage sollen aber vorher auf der Flottenkonferenz festgelegt werden. Sollte auch hier keine Einigung erzielt werden, soll Frankreich verpflichtet sein, nur soviel Ersay- bautonnage in Angriff zu nehmen, wie im Ar- ttkel 19 des Londoner Flottenabkommens vor­gesehen ist. Hiermit hat sich Italien einver­standen erklärt.

Der französische Flottensachverständige, Mas­st g l i, verließ London am heutigen Freitag. Der italienische Vertreter, Rosso, wird voraussicht­lich noch einige Tage in London bleiben. Zn einem Leitartikel erklärt dieTimes", daß das Angebot die äußerste Grenze darstelle, bis zu der England und Italien gehen tonnten. Wegen der Rähe des Termins der französi­schen Präsidentenwahl gilt es als wahr­scheinlich, daß die Entscheidung nicht mehr vor dem Zusammentreffen der Außenminister Groß­britanniens, Frankreichs und Italiens in Genf Mitte Mai zur Dölkerbundstagung fallen wird.

ADGB., Bredow, daß die Gewerkschaften in diesem Jahre zum ersten Male gemeinsam mit der Sozialdemokratischen Partei und den Arbeiter­sportlern den 1. Mai in dieser Weise feierten, um ihre enge Verbundenheit im politischen Kampfe zu betonen. Er wandte sich gegen jeden Lohnabbau und gegen Abbau der sozialen Gesetzgebung und ver­langte Verkürzung der Arbeitszeit, Einfüyrung der Fünftagewoche, internationale Vereinbarungen Aur Bekämpfung der Weltwirtschaftskrise und der Ar­beitslosigkeit, sowie Herabsetzung der Mehrausgaben zu Gunsten der Arbeitslosenversicherung. Reichstags, abgeordneter K ü n st l e r forderte die Arbeiterschaft zum Kampfe gegen den Faschismus auf. Er bekun­dete die Sympathie der Sozialdemokratischen Par­tei Deutschlands mit den unter der Diktatur leben­den italienischen und polnischen Arbeitern und beglückwünschte das spanische Proletariat zu seinem Siege über die Monarchie. Die Gewerkschaften und die Partei würden Schulter an Schulter kämpfen für die Befreiung des Proletariats aus ökonomi­scher und politischer Knechtschaft.

Gegen 11.30 Uhr sammelten sich im Vorhof der Universität etwa 300 nationalso­zialistische Studenten, die Heilrufe auf Hitler ausbrachten und das Deutsck^andlied sangen.

Die von der Maifeier im Lustgarten abströmenden Angehörigen der SPD. sammelten sich vor der Universität, und eine Anzahl von ihnen überkletterte in der Universitätsstraße das Gitter und stürzte sich auf die nationalsozialistischen Studenten. Es kam zu einer Schlägerei, die insofern fiur schwer beendet werden konnte, als die Eingänge zum Universitätsgebäude geschlossen waren. Schließ­lich gelang es nach Einsatz von berittener Polizei, die Universitätsstraße zu räumen.

Aus aller Welt.

Ein Unbeteiligter das Opfer einer politischen Schießerei.

In Berlin kam es in der Huttenstrahe nachts 1.30 Llhr, zu einem Zusammenstoß zwi­schen Kommuni st en und Rational- s o z i a l i st e n. Die Kommunisten versuchten, ein Lokal, in dem sich etwa acht Rationalsozialisten befanden, zu stürmen. Dabei kam es auf der Straße zu einer Schießerei. Der 20jährige, an dem Vorfall gänzlich unbeteiligte Erwin Z i e m k e, der in der Rähe des Tatortes wohnte, und sich in seinem im zweiten Stock­

werk gelegenen Zimmer befand, hört« die Schießerei und begab sich auf den Balkon. Dort wurde er durch eine Kugel in die Haupt­schlagader getroffen und getötet. Durch das lleberfallkommandv wurden elf Personen fest» genommen und der Abteilung la zugeführt.

Tetzner hingerichtet.

Kurt Erich Tetzner wurde Samstag früh 7 Uhr im Hofe des Gerichtsgefängnisses Regensburg durch das Fallbeil hingerichtet. Der Mörder war auf seinem letzten Gang sehr ruhig und gefaßt. Die Hinrichtung erfolgte in Gegenwart der 12 Zeugen und von Vertretern der Presse. Von seiner Frau und seinen Verwandten hatte Tetzner brieflich Ab­schied genommen. In der vergangenen Nacht hat der Gefängnisgeistliche auf Ttztzners Wunsch mit ihm in der Zelle gewacht.

Ermordung eines Geldbrieflrägers.

In D e r l i n wurde ein Geldbrief träger Schwan in dem Haufe Gossow-Straße 10 in Schöneberg ermordet ausgefunden. Der Beamte befand sich auf einem De stellgang. Der bisher unfcefannte Täter hatte den Beamten durch eine an sich adressierte Postanweisung über 5 Mark in die Wohnung gelockt und ihn allem Anschein nach dort niedergeschlagen, nachdem er die Vermieterin unter einem Vorwande aus dem Hause entfernt hatte.

Raubmord in Jüterbog.

Von einem bisher unbekannten Täter wurde eine Frau Burmeister, die mit ihrem Ehemann eine Filiale in Jüterbog leitet, beim Abrechnen der Tageskasse ermordet. Dje Angestell­ten hatten das Geschäft bereits verlassen. Der Täter, der mit der Oertlichkeit genau vertraut gewesen sein muß, hatte sich durch eine Hintertür ein- geschlichen und die Frau nach dem bisherigen Befund zuerst mit einem Eisengewicht niedergeschla­gen; dann hat er mit einem Käsemesser der Frau die Halsschlagader durchschnitten derart, daß das Messer im Halse stecken blieb. Geraubt sind etwa 500 Mark.

Durchgehende Pferde.

Als der Maiumzug der SPD. durch Königs­berg t. Pr. zog, raste ein Fuhrwerk, dessen Pferde durchgingen, in die Zuschauer­menge. Dabei wurden zwei Personen schwer verletzt. Eine Reihe anderer Personen erlitt leichtere Verletzungen. Ein Polizeibe­amter, der den Pferden in die Zügel fallen wollte, wurde niederqerissen und mitgeschleift. Der Beamte trug schwere Verletzungen davon.

Zwei Hauser in Lüneburg in Einsturzgefahr.

In Lüneburg wurden die Bewohner der Fromme- Straße 2 und 3 gegen 6 Uhr plötzlich durch da» Zusammenbrechen einiger Wände aus dem Schlafe geweckt. Die Häuser zeigen gewaltige Risse; Fensterscheiben und Türen sind zum Tell herausgefallen. Beide Gebäude liegen auf einer Abrißlinie im sog. Lüneburger Senkungs­gebiet und waren schon einmal, im Jahre 1914, stark gefährdet. Da Lebensgefahr für die Bewohner besteht, mußten die Wohnungen geräumt werden.

Die deutschen Reiter beim Papst.

Die Vorbereitungen für das 6. Internatio­nale Reitturnier in Rom, an dem zum ersten Male eine offizielle deutsche Rei­termannschaft teilnimmt, sind beendet. Mit besonderem Interesse sieht man dem Start der Deut­schen entgegen, die bereits seit acht Tagen in Rom weilen und sich mit der von ihnen als muster­gültig bezeichneten Anlage verttaut gemacht haben. Ueberatt wurden die Offiziere in ihren schlickten Uniformen freundlich empfangen und ihnen Sym­pathie entgegengebracht. Die größte Ehre wurde ihnen nach einem Tee beim Botschafter v. Schubert mit der Audienz bei Papst Pius XI. zuteil. Der Papst begrüßte die Offiziere in deutscher Sorache und wünschte ihnen für die kommenden Kämpfe Glück und Erfolg.

Ein Mann, der sein Gedächtnis verlor.

Der "Appellationshof von F l o r e n z hat Frei­tag ein mit Spannung erwartetes Urteil in der Angelegenheit des sogenannten ^Llnbe­kannten von Collegno" gesprochen, die seit mehreren Jahren die Presse in kurzen Abständen beschäftigt hat. Kurz gesagt, hat diese verwickelte Geschichte folgenden Gang: Im Jahre 1927 wurde von der Polizei ein Mann ins Irrenhaus eingeliefert, der angab, sein Gedächt­nis vv l l k o m m e n v e r l o ren zu habm. Im Irrenhaus erhielt er die Rümmer 44 170. Län­gere Zeit gelang es nicht, seine HeiSünft fest- zustellen, bis eine Frau Professor Canella ihn als ihren im Weltkrieg verschollenen Mann wiederzuerkennen glaubte und für sich re­klamierte. Fast gleichzeitig wurde der Unbe­kannte aber voneiner FrauDruneri a 18 ihr entlaufener Gatte angefordert, der überdies wegen eines Vergehens von den Polizei gesucht wurde. Jahre hindurch hat dann der Kampf um die Frage getobt, ob der Llnbe- kannte von Collegno nun der Prof. Canella odey der Buchdrucker Bruneri sei, wobei e r selbst, nachdem sein Gedächtnis langsam wieder zurückkehrte, sich als Prof. Canel­la ausgab. Das Turiner Gericht, das sich als erstes mit dem Fall zu befassen hatte, fällte eine Entscheidung, nach der der Beweis nicht erbracht war, daß es sich bei dem Unbekann­ten um den Buchdrucker Bruneri handele. Die Familie Bruneri lieh aber nicht nach und hatte die Genugtuung, dah der Appellationshof in zweiter Instanz in ihrem Sinne entschied. Dieses Urteil wurde jedoch später kassiert und nun hat der Florentiner Appellationshof erneut den Standpunkt der Familie Bruneri bestätigt. DaS Tragische an der Angelegenheit ist, daß der Un­bekannte sich inzwischen als Professor Canella aufgeführt und mit Frau Canella auch meh­rere Kinder hat. Wie diese verwickelte An­gelegenheit in dem jahrelangen Hin und Her nun zivilrechtlich und strafrechtlich gelöst werden wird, ist noch eine offene Frage. Jedenfalls dürfte der angebliche Professor Canella wegen Betruges belangt werden und im übrigen noch feine Strafen verbühen müssen, die er als ent­laufener Buchdrucker Bruneri auf dem Kerb­holz hat.

Das Schicksal der WegenerExpedllion.

lieber die Absicht, zur Auffindung der Grön- land-Gxpedittvn von Professor Wegener eine Fliegerexpedition zu entsenden, erklärt der bekannte Grönlandforscher Dr. Lauge Koch: Wenn wir inn"rhalb von drei Wochen nichts von der E pedt o h ren b'.ni mu; man für das Schick­sal der Erpeöttionsmitglieder ernsteste Be­sorgnisse hegen. Es dürfte außerordentlich schwierig sein, die Expeditton durch Flieger oder Hundeschlitten aufzusiniden.