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Sie Konmmalwchlen im Freistaat Vmiinschweig

Oie Tendenzen der letzten Ireichstagöwahl vom 14. September 1930 wirken sich weiter aus.

Lleberall ruhiger Verlauf.

Trotz schlechten Wetters gute Beteiligung.

Braunschweig, 1.März (WTB.) Im Frei­staat Braunschweig fanden heute Kommunal- wahlen statt. Es handelt sich um die Wahlen zu den Stadtverordnetenversammlungen, Gemeinde­versammlungen und Kreistagen der sechs Verwal­tungsbezirke. Die letzten Kommunalwahlen waren im Jahre 1928, während die letzten Landtagswahlcn gleichzeitig mit den Reichstagswohlen am 14. Sep­tember 1930 stattgefunden haben. Bei den St'reis= tagswahlen handelt es sich meist um vier oder fünf Wahlvorschläge, neben den Listen der Sozialdemo­kraten, Kommunisten und Nationalsozialisten stehen eine oder zwei bürgerliche Listen. Bei den Stadl­verordnetenwahlen ist das Bürgertum in stärkerem Maße geteilt. Die Propaganda ist sehr lebhaft ge­wesen. Alle Parteien haben besondere Anstrengun­gen gemacht. Die Prominenten sämtlicher Parteien von Eitler und Hugenbcrg bis Thälmann haben in den letzten Tagen hier gesprochen. Die Wahlen selbst sind, soweit sich übersehen läßt, ruhig ver­laufen. Das Wetter war sehr veränderlich, Grau­pelschauer und Schneetreiben wechselten mit Sonnen­schein. Die Straßenpropaganda war nach den An­strengungen der Parteien in der letzten Woche mäßig. In der Stadt Braunschweig setzte die Wahl­beteiligung nur langsam ein und wurde erst gegen Mittag und Nachmittag stärker (insgesamt 84 v. $.). Aus dem Lande wird verschiedentlich gute Beteili­gung gemeldet.

Oie Giadtverordnetenwahlen

Das Ergebnis der Stadtoerordneten­wahlen in der Stadt Braunschweig ist folgendes: Sozialdemokraten 37 672 (gegen Stadt­verordnetenwahlen 1928: 44 803), Nationalsozialisten 27 040 (3814), Kommunisten 12 236 (4324), Deutsche Staatspartei 1427, Reichspartei der nationalen Mitte 154, Mittelstandsliste 6200, Deutschnationaie 4471, Nationale Einheitsliste 7924. Bei der letzten Reichstagswahl 1930 erhielten So­zialdemokraten 41621, Nationalsozialisten 25 252, Kommunisten 8828, Deutsche Staatspartei 2968, Deutschnationale 4999.

Die Sitze in der neuen Stadtverordnetenver­sammlung verteilen sich nach vorläufiger Errechnung wie folgt: 14 Sozialdemokraten (19), 10 National­sozialisten (1), 4 Kommunisten (1), zusammen 7 Sitze der Mittelstandsliste der Deutschnationalen Bolkspartei und der Nationalen Einheitsliste. (1928: Demokraten 1 Sitz, Dolksrechtspartei 1 Sitz und die bürgerliche Einheitsliste 12 Sitze.) Bei der Wahl hatten von 115 560 Wahlberechtigten 97 124 das Wahlrecht ausgeübt. Das bedeutet eine 84pro- -zentige Wahlbeteiligung.

Bei den Stadtverordnetenwahlen in Blanken­burg erhielten dis Sozialdemokraten 1958 (letzte Reichstagswahl 2120) Stimmen, Nationalsozialisten 2248 (1915), Kommunisten 959 (857), Deutsche Staatspartei 181, Wirtschaftspartei 495, Bürgerliche Einheitsliste 1651 Stimmen.

Ergebnis der Stadtverordnetenwahl in Holz­minden: Sozialdemokraten 1831 (letzte Reichs­tagswahl 2247), Nationalsozialisten 1851 (1866), Kommunisten 920 (690), Bürgerliche Einheitsliste 1091, Beamtcnliste 628, Haus- und Grundbes'tzer- liste 179, Nationale Volksgemeinschaft 297 Stimmen. Stadtoerordnetenwahl in Helmstedt: Sozial­demokraten 3706 (3858), Nationalsozialisten 1417 (1918), Kommunisten 825 (537), Zentrum 501, Ver­einigter Mittelstand 1471, Jungbürger 1076, Bür­gerliche Einheitsliste 818 Stimmen.

v In der Stadt Wolfenbüttel erhielten bei c der Stadtoerordnetenwahl die Sozialdemokraten y-2449 (gegenüber 2963 bei der letzten Reichstagswahl und 2844 bei der letzten Landtagswahl), die Natio- nalsozialisten 3962 (3815 bzw. 3299), die Kommu­nisten 1833 (1609 bzw. 1629), eine bürgerliche Ein­heitsliste 2155 Stimmen.

Oie Kreistagswahlen.

Bei der Kreistagswahl im Kreise Braun­schweig-Land erhielten die Sozialdemokraten 9624 Stimmen (gegenüber 11 287 bei der Reichstags­wahl am 14. September), die Nationalsozialisten 7230 (7673), die Kommunisten 1640 (1253), eine uationa^urtschaftliche Einheitsliste 5710 Stimmen. (In dem heutigen Ergebnis ist die Enklave Theding­hausen bei Bremen nicht enthalten, die in der Vor­zahl inbegriffen ist.)

3m Kreise Helmstedt wurden zur Kreistags- Wahl abgegeben für die Sozialdemokraten 15 967 (6et der Reichstagswahl 1930 17 538) Stimmen, Nationalsozialisten 12 267 (11921), Kommunisten 2474 (2091), nationale Front der Deutschnatio­nalen Volkspartei 2990 (Deutschnationale 2855), Mi te^standsl ste 4906, nationale Einheitsliste2812.

3m Kreise Holzminden erhielten die So­zialdemokraten 12 395 (letzte Reichstagswahl 14 225) Stimmen, Nationalsozialisten 7677 (7218), Kommunisten 2035 (1500), nationalwirtschaftliche Einheitsliste 4000, nationale Mittelstandsliste 1629.

3m Kreise Gandersheim entfielen aus die Sozialdemokraten 13 950 (letzte Reichstagswahl 15122) Stimmen, Nationalsozialisten 8541 (7047), Kommunisten 1058 (950), nationalwirtschaftliche Einheitsliste 4665.

3m Kreise Blankenburg erhielten die So­zialdemokraten 7929 (letzte Reichstagswahl 8419) Stimmen, Nationalsozialisten 5750 (5581), Kom­munisten 3196 (3451), bürgerliche Einheitsliste 4392, Deutsche Staatspartei 370.

3m Kreise Wo lfenbüttel entfielen auf die Sozialdemokraten 15 574 (letzte Reichstagswahl 18 760), Nationalsozialisten 16 021 (16 706), Kom­munisten 3590 (3244), Nationale Front der Deutschnationalen Volkspartei 4040 (Deutsch- nationale 2979), Nationalwirtschaftliche Arbeits­gemeinschaft 5559.

Nie Meinung in Berlin.

Berlin, 2. Marz. (ERB.) Das Ergebnis der Braunschweiger Wahlen wird von den 'Berliner Montagsblättern fast übereinstimmend dahin ge­kennzeichnet, daß die Sozialdemokraten ebensowiedasBürgertum verloren, die Kommunisten und die Nationalsozialisten eine Zunahme zu verzeichnen haben, wobei von der Montagspost" und dem ^Montag Morgen" be­sonders die Tatsache unterstrichen wird, daß die Nationalfozialisten auf dem Lande im Gegensatz zur Stadt Braunschweig Verluste erlitten haben. An dem Zuwachs der Nationalsozialisten und an die unter Berücksichtigung der geringeren Wahl­

beteiligung im allgemeinen etwa gleichgebliebene Stimmenzahl der Deutschnationalen knüpft der M o n t a g" (Hugenberg) die Folgerung, daß die Parteien, die durch den Auszug aus dem Reichstag dem Kabinett Brüning den Kampf angesagt haben, in dem Urteil der Wähler von Braunschweig dieRichtigkeit ihrerPoli- t i k bestätigt erhalten haben. Das Blatt be­tont den sehr starken Verlust der Mittelparteien in Braunschweig, der fast 50 Prozent gegenüber der Wahl vom 14. September betrage und mißt der Staatspartei insbesondere die Verantwortung dafür zu, daß in der neuen Stadtverordnetenver­sammlung von Braunschweig 17 antimarxistische Vertreter 18 Sozialdemokraten und Kommunisten gegenübersihen. Wären die 1400 Stimmen der Deutschen Staatspartei nicht einfach ausgefallen, sondern den anderen bürgerlichen Parteien zu­gute gekommen, wäre nach der Behauptung des Blattes eine sichere antimarxistische Mehrheit vorhanden gewesen. Unter den jetzigen Umständen,

Moskau, l.März. Heute abend begann der Prozeß gegen das Unionbureau des Zentralkomitees der Menschewiken im Verbandshause der Moskauer Gewerkschaften. 2000 Fabrikarbeiter sowie zahlreiche Vertreter der Sowjet- und der Auslandspresse wohnten den Verhandlungen bei. Die Frage des Ge- richtsvorsitzenden Schwernik, welcher Partei die Angeklagten angehören, beantworteten diese: Wir gehören der Russischen Sozialde­mokratischen Arbei terpartei der Menschewiken an." Nach der Veröffent­lichung der Anklageschrift gibt eine Reihe von Vorgängen Veranlassung zu der Annahme, daß der neue Riesenprozeh mit Todesurteilen enden wird. Wie vor dem Ramsinprozeh, so treffen auch jetzt aus allen Gegenden der Sowjet­union Entschließungen und Aufrufe von Partei- und Arbeiterorgani­sationen ein, die die schwersten Strafen gegen die Menschewistenführcr forbem. 3n Moskau, Leningrad, Charkow, Kiew, Minsk und anderen Städten wurden Versammlungen veran­staltet, in denen gefordert wurde, diewild gewordenen Kleinbourgeois" nicht zu schonen.

Amtlich wird ein Auszug aus den Aus­sagen der Angeklagten verbreitet, aus dem hervorgeht, daß das Bureau des Zentralkomi­tees der Menschewisten von den Angeklagten Groman, Scher, Ginsburg u. a. m. Anfang 1928 im Ausland gegründet wurde. «Seitbem habe alljährlich eine VoMversammlung statt- oefunden, auf der die Fragen der Verbin­dung mit der sogenannten 3ndu- striepartei, der Sozialrevolutionä­ren Partei, und der Kulakengruppen besprochen wurden. Zuletzt sei auch schon die Frage der Durchführung der Schäd­lingsarbeit und der Vorbereitung einer 3ntervention zum Zweck der Wiederher­stellung des kapitalistischen Staates erörtert wor­den. Die Mitteilung führt die Aussagen der einzelnen Angeklagten an und sagt, Scher habe ausgesagt, dah das Bureau aus dem Ausland im ersten 3ahr 480 000, und in den folgen­den 3ähren 120 000, 200 000 und 160 000 Rubel erhalten habe. Auch von der 3ndustriepartei sei es mit 200 000 und 280 000 Rubel unter­stützt worden. Groman habe ausgesagt, daß durch die Vermittlung des ausländischen Bureaus der Menschewisten von den deutschen So­zialdemokraten durch Hilferding und außer­dem von der 2. 3nternationale erhebliche Summ e n dem Bureau zugeflossen seien. Alle westeuropäischen sozialistischen Parteien und die 2. 3nternationale hätten durch Vermitt­lung der deutschen Sozialdemokra­tie das Durau finanziell unterstützt. Diese habe sogar ihre Bereitschaft erklärt,weitgehend die Partei- und besonders die Schädlingsarbeit der Menschewisten zu finanzieren". Schließlich geht die Mitteilung die einzelnen Phasen der Tättg- keit der Menschewisten durch unb sagt, daß sie es fertiggebracht hätten, im Handelskommissariat, im Obersten Dolkswirtschaftsrat und im Staats- planausschuh ihre Zellen zu bilden, die es sich zum Ziel gesetzt hätten, die Lebensmittel­versorgung zu d e s o r g a n i s i e r e n die Preise

UeberfoU auf einen Banffaffenboten.

3n Berlin wurde der Kassenbote Otto Schulze, der von der Reichsbank 10 000 Mark ab­gehoben hatte, im Flur des Bankhauses, in dem er beschäftigt ist, plötzlich von drei Män­nern überfallen. Einer der Täter schlug ihn mit einer mit Lappen umwickelten Eisen- stange über den Kops, der zweite bedrohte ihn mit einer Pistole und der dritte entriß dem halbbetäubten Manne die Aktentasche mit dem Gelbe. Die Täter schlossen bie Tür hinter sich ab, so daß ihnen zunächst niemand folgen konnte. Die Räuber' flüchteten in einer Auto- droschke, die mit laufendem Motor auf sie wartete. Schulze hat eine schwere Gehirnerschütte­rung davongetragen. 5)ie/ geraubte Aktentasche enthielt 10 000 Mark.

Schweres Autounglück in Schweden.

3n der Nähe von Gotenburg ereignete sich mn Sonntao ein schweres Unglück. Ein mit sechs Per­sonen besetzter Kraftwagen brach durch die Eisdecke durch und sank 15 Meter in die Tiefe. Der Chauffeur unb ein Insasse konnten gerettet werden, die übrigen vier e r t r a n k e n. Der Chauf- feur befand sich mit den Kindern seiner D i e n st h e r r s ch a f t auf dem Wege zu den Eltern der Kinder.

Ein holländischer Fischdampfer an der schottischen Küste gesunken.

Von Nosehearty an der schottischen Küste wurde bei schwerem Sturm ein k i e l o b e n t r e i b e n. der Dampfer beobachtet. Man fürchtet, daß die Besatzung, die aus 12 bis 16 Mann bestanden haben dürfte, ertrunken ist. Die Leiche eines

schließt derMontag" feine Betrachtung, wird in der Braunschweigischen Stadtverordnetenver­sammlung eine Mehrheitsbildung überhaupt nicht möglich sein. DieM ontagspoft" (Ull­stein) weist darauf hin, daß die von den National­sozialisten propagierte Zerschlagung der marxisti­schen Front nicht gelungen ist, daß vielmehr die bürgerliche Front geschlagen erscheint.

Oer Vergleich

mit dem 14. (September.

Brau,»schweig, l.März. (WTB.) Zur Ver­gleichung mit den zur Reichstagswahl im Septem­ber 1930 abgegebenen Stimmen können von den heutigen Ergebnissen der Kommunalwahlen die auf die Sozialdemokraten, Nationalsozialisten und Kom­munisten entfallenden Stimmen herangczogen wer­den. Ls ergibt sich nach unserer Berechnung folgen­des Bild: 3 m ganzen Freistaat Braun­schweig »vurden heute abgegeben: für die Sozial­demokraten 113114 (gegenüber 126 972 bei der Reichslagswahl 1930) Stimmen, Nationalsozialisten 85 079 (83 398), Kommunisten 26 231 (21 370) Stim­men. Die anderen Wahlvorschläge für die Kreistage können zum vergleich nicht herangezogen werden.

künstlich in bie Höhe zu treiben, bie ord­nungsmäßige Warenverteilung zu vereiteln, den Mangel an 3nduftriewaren zu verschär- f c n usw. Zum Schluß hätte sich ihre Tätigkeit schon darauf erstreckt, bie 3ntervention unb bie Beseitigung bet Sowjetmacht vvrzubeveiten.

Nach dem Verlese»» ber Anklageschrift wurden alle Angeklagten aufgefordert, über ihr bis­heriges Leben zu berichten. Der Vorsitzende Schwevnik fragte die Angeklagten, ob sie irgend­welche Einwände gegen das Gericht habe»». Die Angeklagten verneinen. Alle An­geklagten bekennen sich zu der ehemaligen russi­schen Sozialdemokrattschen Partei und erklären, dah sie lange 3ahre im Dienste der Sozialdemo­kratie gestanden haben. Der Oberste Staatsanwalt Krhlenko verlangt im 3nteresse des Prozesses die Ladung folgender Zeugen: Des Führers der russischen Bauernpartei Professor Kondrat- j e w, der sich schon seit 14 Monaten in Haft be­findet, des in dem 3ndustrieprozeß abgeurteilten Ramsin und seines Gehilfen L a r i s ch e w. Außerdem verlangt Krhlenko, bah bie von ber OGPA. verhafteten 3ngenieure Gwosbow, Nekr as ow unb Scheludkow als Zeugen geloben werden. Das Gericht gibt dem Anträge statt. Der Vorsitzende des Gerichts fragt, ob bie Angeklagten eine Verteidigung wünschen. Zwei von den 14 Angeklagten erklären, dah sie eine Verteidigung wünschen. Das Gericht ernennt die Moskauer Rechtsanwälte Kommodow und Brande 511 ihren Verteidigern. Die übrigen zwölf Angeklagten hoben auf die Verteidigung ver­zichtet. Der Vorsitzende erflärt sodann, bah die Verhandlungen des Gerichtes öffentlich fein werden. Damit wurde die Sitzung geschlossen. Die Angeklagten wurden unter strenger Be­wachung wieder in das Gefängnis geführt. Wie die Telegraphen-Agentur der Sowjetunion mel­det, haben nach vierstündiger Verlesung der An­klageschrift alle An geklagte n auf die Frage des Vorsitzenden sämtliche erhobenen Beschul­digungen anerkannt.

OiedeutscheGozialdemokratie dementiert entschieden.

Berlin, 28. Febr. (CNB.) Zu den Behauptun­gen in ber Anklageschrift im Moskauer Mensche- wisten-Prozeß, die deutsche Sozialdemo­kratie habe das Unionsbureau mit Geldmitteln unterstützt, erklärt der Vor­stand der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands: Die Sozialdemokratische Partei Deutschlands hat niemals durch Geldzuwendungen oder ander­weitige Unterstützungen irgendeine Art von S cb ädlingsarbeit in Rußland gefördert. Sie hat auch niemals durch Geldzuwendungen oder anderweitige Unterstützungen irgendwelche Interventionsabsichten oder Auf­standsbewegungen begünstigt. Alle gegentei­ligen Behauptungen, die offensichtlich nur erfunden morden sind, um unsere russische Bruderpartci zu verleumden, erklären wir für unsinnige Lüge n."

Seemannes wurde ans Ufer gespült, ferner ein Ret­tungsboot und ein kleines Beiboot, aus deren Auf­schriften man entnimmt, daß es sich um einen Fisch­dampfer aus Vmuiden handelt.

Ein Meter Neuschnee im Allgäu.

Seit Sonntag schneit es im Tal unb in den Bergen mit kurzen Unterbrechungen. Die Neu­schneebecke beträgt im Tal bereits bis zu einem halben Meter. Von ben Höhenlagen werben 1 bis 1,5 Meter Neuschnee gemeldet. Die Kraft­postlinien haben ben Betrieb wieder einftellcn müssen.

Dr. Wolf aus der haft entlassen.

Der wegen Verdachtes des Vergehens gegen § 218 verhaftete praktische Arzt Dr. Friedrich Wolf in Stuttgart ist aus der Haft entlassen worden, nachdem erdieKautionvon 10000 Mark gestellt hatte.

Der Eisenbahnmörder gefleht.

Ein am Sonntagfrüh in Lüttich festgenommener Araber, ber verbächtig war, den UeberfaU und den Mord im Nachtexpreh Ost­ende Köln verübt zu haben, hat bei seiner Vernehmung ein umfassendes Geständnis ab­gelegt.

(Eröffnung der Lustpoststrecke London-Tangcmyika.

Der englische Luftbienst von London nach Zen­tralafrika wurde mit dem Start eines Post- flugzeuges, das ungefähr 40 000 Briefe für Afrika unb 3nbien mit sich führt, eröffnet. Der Flug von Lonbon nach Tanganyika wirb neun Sage in Anspruch nehmen. Die Fluglinie soll bis zum Kap bet Guten Hoffnun a verlängert werden.

Neuer Moustreprozeß in Moskau.

14 russische Sozialdemokraten wegen Sabotage und Hochverrats vor dem Gericht

Aus aller Well.

Wie Polen Genugtuung gewahrt.

Echeinverurieilungcn von Polnischen Aufständischen.

Ka ttowitz, 28. Febr. (WTB.) Das Burg- gericht verhandelte über zwölf im Landkreise Kattowitz verübte Wahlterrorakte. Fünf Prozesse wurden sofort vertagt, bzw. an an­dere Gerichte überwiesen, während vier weitere Prozesse niedergeschlagen wurden, da die Anklage nicht fristgemäß eingereicht worden war. 3n einem Teile, wo es sich um eingeschlagene Fensterscheiben handelte, erfolgte Freispre­chung. Lediglich in zwei Fällen kam es zu einer Verurteilung. Wegen Diebstahls mehrerer Zeittingspakete desOberschlesischen Kuriers" wurde ein Angeklagter zu einer Woche Gefängnis mit einem 3ahre Bewähr nngsfri st verurteilt, während ein zweiter Aufständischer wegen Einschlagens von Fensterscheiben zwei Wochen Gefängnis mit gleichfalls einem 3ahre Bewährungsfrist erhielt. Allge­mein fiel das herausfordernde Beneh­men der angeklagten Aufständischen auf, bie während ber Verhandlung nicht nur die Belastungszeugen, sondern auch die Berichterstat­ter deutscher Zeitungen offen bedvsh^r, falls diese sich erlauben sollten, über bie Prozesse zu berichten.

Kleine politische Nachrichten.

Die Frage ber Halbmastbeflaggung aus An­laß des vom Dolksbunb für Deutsche Kriegsgrä­berfürsorge veranstalteten Volkstrauerta­ges ist Gegen st and einer Erörterung des Reichskabinetts gewesen. Um in Zukunft ein einheitliches Vorgehen von Reich und Ländern zu gewährleisten, wird die Reichsregie­rung über bie Frage der Festsetzung und Gestal­tung eines Gedenktages für die Opfer des Welt­krieges eine gesetzliche Regelung herbei­führen.

*

Die Vertreter der Reichstagsfraktionen bet Nationalsozialisten unb der Deutsch- nationalen hielten am Sonntag in Berlin eine gemeinschaftliche Besprechung ab, an der auch bie aus ber Bauernpartei ausgeschiebenen Abgeordneten teilnahmen. Die Beratungen er­gaben bie allgemeine Uebereinftimmung in ber Beurteilung der parlamentarischen Lage unb volle Einmütigkeit über bie zu ergreifen­den weiteren politischen Maßnahmen.

Senatspräsibent Grühner, ber früher Mit­glied ber SPD. war unb im Abwehrkampf an der Ruhr sich als Regierungspräsident von Düssel­dorf besonders hervorgetan hat, ist ben NSDAP, beigetreten. Nach einer Mittei­lung besRoten Adlers" erflärte Grühner, daß er seine Hauptaufgabe in ber Säuberung) der s chwerkranken Selbstverwal­tung, namentlich ber Großstäbte, der Wieber­aufrichtung der deutschen Landwirtschaft unb darin sehe, dah iw Deutschland wieder deranständige Mensch" zur Geltung komme.

Die Gruppe der deutschen 3 n d u st r i e 1 - len, bie eine Studienreise nach ber Sowjetunion angetreten hat, ist in Moskau eingetroffen. Am Bahnhof wurden die 3ndu- striellen von Vertretern der deutschen Botschaft, ber Aus land abtei lung des Obersten Volkswirt­schaftsrates, des Auhenkommissariats empfangen. An ber Grenze war bie Delegation bereits von einem Vertreter bes Obersten Vollswirtschaf.s- rates, namens des Vorsitzenden des Obersten Volkswirtschaftsrates, Ordschonikidse, begrüßt worden.

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Wettervoraussage.

Der Kaltlufteinbruch, den die nach Finnland ab­ziehende Störung zur Folge hatte, bewirkte in Gemeinschaft mit nächtlichem Aufklaren über ganz Deutschland wieder Frost bis zu 5 Grad unter Null, während in Mitteldeutschland und dem Ostseeküsten- gebiet die heutigen Morgcntemperaturen zurück­gingen. Der gleichzeitig einsetzende Barometeranstieg und der Vorstoß des Biskayahochs bildet zur Zeit eine Hochdruckbrücke, welche sich bis in unseren Be­zirk erstreckt. Dagegen nähert sich Irland eine Stö­rung Dom Atlantik, so daß dort bereits die Winde nach Süden drehen und unter Temperatursall treten Erwärmung und Niederschläge auf. Im Bereich des Zwischenhochs bleibt das Wetter bei uns vorüber­gehend trocken. In der kommenden Nacht gehen die Temperaturen unter den Gefrierpunkt zurück. Aber bereits im Laufe des morgigen Tages dürsten sich Anzeichen des neuen Fallgebietes in hoher Bewöl­kung unb späterer Milderung bemerkbar machen.

Aussichten für Dienstag: Leichter Nacht- stoft, stellenweise neblig und dunstig, tagsüber B> - wölkungsauszug, mild, noch trocken.