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Der Dolkstrauertag in Gießen

führen.

Bornotizen.

zum 31. März 1931 an die Inspektion des Bll- dungSwcsens der Marine in Kiel einreichen. Merk­blätter mit Angabe der erforderlichen Vorbedingun­gen und der beizufügenden Papiere find bei der Inspektion des Bildungswesens in Kiel und beim Reichswehrministerium (Marineleitung) in Berlin erhältlich.

itarrh-Bonbons

antiseptisch wirk "Zusatz

* 40 Jahre bei der Reichsbahn. "Aus Anlaß seiner 40jährigen Tätigkeit im Dienste der Reichsbahn wurden dem Oberzugführer Emil Kallenbach vom hiesigen Bahnhof Glück­wunschschreiben des Reichspräsidenten, des Ge­neraldirektors der Reichsbahn-Gesellschaft und des Reichsbahn-Direktionspräsidenten von Frank-

** Bewerbungen für die Offiziers­laufbahn bei der Reichsmarine. Amtlich wird mitgeteilt: Schüler höherer Lehranstalten, die am 1. April 1932 als Anwärter für die Seeoffizier-, Jngenieuroffizier- oder Marinezahlmeister. (Marine­oberintendantursekretär-) Laufbahn in die Reichs- marinc eintreten wollen, müssen ihre Bewerbung bis

Tageskalender für Montag. Goethe- Bund: LtchtbildervortragDas Werden und Ver- gehen" von Bruno S). Bürgel, 20 Uhr, Reue Aula. Gießener Freiwillige Feuerwehr: Monatsversamm­lung 2( Uhr, bei Dechcrt, imKühlen Grund". Lichtspielhaus, Bahnhofstraße:Afrika spricht".

Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Morgen. Dienstag, 3. März. 20 Ahr, zum letztenmal .Der Misanthrop", Schau­spiel von Möllere, in einer freien Bearbeitung -und modernen Regieeinrichtung von Walter Bäuerle: Spielleitung Walter Bäuerle. Mitt­woch geschlossen. Donnerstag, 5. Marz, l m Mittwochabonnement, einmaliges Gast­spiel des Darmstädter Landestheaters Zur Auf- führung gela. gt a is 2l laß des 175. (Seburtdta e3 Mozarts die komische Oper: .Die Hochzeit des Figaro". Die Inszenierung des Generalinten­danten Prof. Carl Ebert, sowie die musikalische Leitung von Generalmusikdirektor Dr. Karl Böhm dürfte diese Mozartaufführung zu einem Opernereignis für Gießen stempeln. Da sehr rege Rachfrage herrscht und nur noch sehr wenige Karten vorhanden find, wird das Publikum ge­beten, die vorbestellten Karten möglichst bald ab­zuholen. Beginn der Vorstellung 19.15 Ahrl Freitag, 6. März, 20 Ahr, gelangt unter der Spielleitung Walter Bäuerles zum erstenmal ein Werk des russischen Dichters Maxim Gorki zur Aufführung:Rachtasyl", Szenen aus der Tiefe. Sonntag, 8. März, wird auf vielfachen Wunsch Carl Zuckmayers Volksstück:Echinder- hrnr res" unter der Spielleitung des Intendanten z^m letztenmal zur Aufführung gelangen. Beginn 18 Ahr. In Vorbereitung ein Lustspiel von Bern­hard Blume: Feurio!"

der Schwelle des Todes die schlummernden Blüten edlen Menschentums, die das Leben erst lebenswert machen und die in der Zeit vor dem Kriege sich vor einem häßlichen Materia­lismus geschloffen hatten: ^Nächstenliebe, Opferbereitschast, Kameradschaft, Heldentum. Wahrhaftigkeit. Wie schienen sie so klein die täglichen menschlichen Lügen vor der einen großen Wahrheit des Sterbens. Wie überbrückte das gemeinsame Schick­sal Klassengegensätze, Anterschiede der Konsession und parteipolitischer Meinung. Reines Menschen­tum öffnete sich vom Bruder zum Bruder.

So wuchs tausendfältig die Saat der Opfer- bereitschaft, des Menschentums. An allen Fronten, auf dem Meere, auf verlorenem Posten in den fernsten Landen loderte die heilige, läuternde Flamme, auf daß alles Schlechte und Anedle von uns falle. Es war, als sei sich jeder bewußt, daß ein Fortschritt der Menschheit nur kommen könne durch Opfer und Beispiele reinen Menschentums. Erkenntnisse, errungen in Todesnähe. Sie macht ja so hellseherisch, schafft visionäre Kraft. Erschütternd zu denken, daß es des Krieges zu dieser Einsicht bedurfte. Aber wir waren vorher zu diesem Erfühlen und Erdenken nicht reif. Mußte diese Leidenszeit für die Menschheit heranbrechen, um uns unserer Pflichten gegeneinander eingedenk wer­den zu lassen? Liegt darin vielleicht der Sinn des Krieges in der göttlichen Weltordnung ver­borgen?

Fast scheint es uns, als ob heute schon wieder olles vergessen wäre, was der Krieg und die Gefallenen uns lehrten. Wir leben ja so flüch­tig, und unsere Zeit droht die heilige Flamine zu ersticken, immer fliehend, nie weilend. Wcr sind wieder in den Alltag gerückt des Bruder­zwistes, konfessionellen Haders, des Raffens und Hassens. Alles, was im großen Erleben des Krieges uns einte, scheint vergessen, wo es doch so bitter nötig wäre, alles Trennende zu lassen und das Einigende, wenn auch unter Opfern, zu suchen. Denn nur über einem Grab steht unerbittlich dasUmsonst", über dem Grab, das wir uns selbst schaufeln, und wir sind an der Arbeit, es zu tun.

Roch haben wir uns einen Tag errettet, an dem das ganze Volk sich eint in der Trauer um seine Gesallenen, die sich uns opferten, auf daß wir leben. Geben wir ihrem Opfer die letzte erhabene Weihe, inbem wir uns jene Ideale, in deren Zeichen sie starben, zu eigen machen. Sie, die Toten, erscheinen uns in ihrer Verklärung als die Hüter des Grals reinen Menschen­tums aus der erschütternden und doch so er­habenen Zeit. Mögen Generationen kommen und gehen, mögen die Ramen der Toten verblassen vor dem Wandel der Zeiten, möge die Tat selbst vergessen sein vor der Menschheit, ewig bleibt bestehen in zeugender Kraft die Opferidee, zum Trost aller derer, die heute die Toten missen. Zu diesem Sinne des Opfers flüchten wir uns am Volksttauertag aus der Verwirrung der Zeit, in unserer furchtbaren geistigen, seelischen und leiblichen Rot, auf daß er uns zum Dorn von Gemeinschaftsgefühl, Opferbe­reitschaft, Achtung vor dem Bruder, von Derantwortungsbewußtsein und zur Quelle reinen Menschentums werde. Leuchtende Kraft des Geistes, reckende Kraft der Arme! Stark wollen wir sein vor Gott und uns selbst. Holet die Flamme der Toten, fachet sie an zum Fanal, aufwühlet die Tiefen der Herzen, über uns selbst haltet Gericht, ob vor den Toten wir können bestehen. Gebet S i n n i h r e m O p f e r, auf daß sie ruhen in Frieden!

Oer Aueeklang der Feier.

Frau Minna Wolff sang bann unter Orgel­begleitung von Musiklehrer Kasten Mendels- sohn-BartholbysSei getreu bis in ben Löb­aus bem Oratorium Paulus, bas Musikkorps un­ter Obermusikmeister Lobers Stabführung spielte zum Schluß bie OuvertüreDie Hebri- ben" (Fingalshöhle), op. 20, von Menbelssohn- Darthvldt).

Am 1 Ahr erklang von den Türmen unserer Kirchen ein viertelstünbiges Trauergeläute.

Den Abschluß des Gebenktages bildete gestern abend eine >

musikalische Gedächtnisfeier

in der Iohannessirche. Einer außerordentlich zahlreichen <,uhörerschast wurde dort eine gehalt­volle, fein aui ben Charakter bes Tages abgc- stimmte musikalische Stunde geboten. Frau Ger­trud Weyl (Gesang), Organist Habicht (Orgel) und das Musitkorps unseres Bataillons unter Leitung von Obermusikmeister L ö b e r hatten sich in anerkennenswerter Weise selbstlos in ben Dienst ber Sache gestellt. Organist Habicht leitete die Feier mit dem Orgelvortrag (IN. Satz aus der 4. Orgelsonate in b-Moll) von Dartmuß ein und begleitete sodann Darbietungen instrumentaler und gelang id,er Ar. mit Oigc spei. Frau Wetzl sang zunächst zwei Lieder aus denVier ernsten Gesängen" von Brahms, wobei bas Orchester be­gleitete. unb brachte im weiteren Verlaufe ber Vortragsfolge unter Orgelbegleitung Ioh. Seb. BachsWas bist du doch, o Seele, so betrübt" zu Gehör. Feldwebel W a n i tz e k bereicherte den Abend mit einem Violinsolo von Walter Böhme, wobei die Orgel begleitete, ferner wirkte er als Violin-Solist gemeinsam mit dem Grena­dier Schubert als Violineellofolisten unb dem Organisten Habicht an der Orgel bei ber Wiebergabe von Franz Schuberts Adagio in 1 ll-Dur. Die Militärmusik brachte als Darbietung des getarnten Orchesters Carl ReineckesLento" op. 93 zu Gehör, ferner bot sie das Largo für Streichorchester mit Orgelbegleitung von I. D. Heimchen und am Schluffe des Programms Gott­fried ReichesSonatina" für Blasorchester. Sämtlichen Darbietungen gebührt dankbare An­erkennung. Da ber Erlös aus bem Sintrittsgelb zum Besten der Gießener Kriegsgräberfürsorge bestimmt war. dürfte bei bem sehr guten Besuch für die unterstützenswerte Arbeit ber Kriegs- gräbersürsorge ein namhafter Betrag cingegan« gen fein.

Aus ber provinzialbaupistavt

Dießen, ben 2. März 1931.

Richtige Wundbehandlung.

Don Dr. med. Franz Hochberg.

Die Verletzungen bes Alltags pflegen Nein zu sein, aber ihre Wirkungen können unabsehbar werden. Vernachlässigung der Reinen Verletzun­gen, wie sie sich im Haushalte oft ereignen, hat bisweilen höchst unangenehme Folgen. Vernach- läffigung ist in der Regel gleichbedeutend mit unzweckmäßiger ober mangelhafter Versorgung der Alltc.gsverlehung.

Am häufigsten unb in der Regel auch am harmlosesten ist die einfache Schnittver- letz un g. Sie besteht gewöhnlich m einer durch scharfe Instrumente ober Gegenstände gesetzten Wunde. Weitere Schädigungen ber umliegenden Haut- ober Weich teile bestehen habet nut I. n' Es hanbelt sich also um eine einfache Durchtren­nung ber Haut unb des AnterhautzellgeMebes. Im Anschluß batan treten sofort, ober ball' da­nach Blutungen aus dem durchtrennten Gewebe auf. Diese Blutungen sind im Sinne der Heilung zunächst erwünscht, da durch sie Infektionserreger unb schäbliche Keime ausgeschwemmt werben, bie bei ber Verletzung in bie Wunbe emgebrungen sinb Derartige Keime unb Infektionserreger ton­nen auf ber Haut sitzen, doch ebenso an ben ver- letzenben Instrumenten. Iebenfalls kommen sie fast stets in bie Wunde. Von ihnen hangt der weitere Verlauf der Wundheilung ab. Dabei sind es weniger die Bakterien ber Haut, bie bem Menschen gefährlich werben können. An sie hat sich ber Körper anscheinend gewöhnt. Auch die üblichen Bakterien, die sich an Instrumenten fin­den sinb fast immer harmlos. Gefährlicher sinb bie Bakterien, bie sich an ben Instrumenten ftn- ben die zur Bearbeitung von rohem Fleisch. Fisch ober Wilb bienen. Derartige Wunben be­dürfen sorgsamster Versorgung, ober besser noch Behanblimg. Die burch bie Instrumente m bie Wunbe eingebrachten Bakterien stammen von anberen Lebewesen, nach deren Tode sie er­fahrungsgemäß eine außerordentliche Steigerung ihrer Infektionssähigkeit erfahren. Gleiche, sorg­same Versorgung erfordern Wunden mit breit klaffenden Wundrändern, ober solche, bie in bie Tiefe gehen. Werben bei der Verletzung Sehnen frei gelegt ober verletzt, empfiehlt es sich, auf al c Fälle ben Arzt b i zuzuziehcn. Manche schwere Bewegungsstörung kann burch rechtzeitige, ärzt­liche Versorgung noch verhinbert werden. Ebenso wird man heftig unb unaufhaltsam blutende Wunben ebenfalls dem Arzt am besten über­lassen. Sonst aber pflegen bie einfachen Schnitt- Verletzungen harmlos zu verlausen. Am harm­losesten, je weniger sie malträtiert werden. Ein einfacher, sauberer Verband genügt fast immer, wenn nicht ein übliches Pflaster allein schon die Wunde schließt. Ausdrücken oder Auswaschen ist in jedem Falle verboten und fast immer schäd­lich. Bei derartigen Prozeduren werden in der Regel erst Bakterien in bie Wunbe gebracht, bie üor'jer noch gar nicht hineingekommen sind. In bieser Hinsicht wirb noch ganz allgemein viel gefünbigL Alte, aber falsche Vorstellungen beherrschen noch heute bas Feld der Wund­behandlung. And bas, obwohl für bie moderne Chirurgie schon lange das Prinzip gilt: Wun­den sind nicht zu berühren.

Dieses Prinzip wirb selbstverstänblich unter­brochen, fobalb in ber Wunbe ein ein gdrungener Fremdkörper liegen bleibt, ober nicht mehr eine einfache Durchtrennung, fon em eine aus edrhnte Quetschung des ®e- webes vorliegt. Für ben Laien gilt zwar auch in diesen Fällen das Prinzip bes Richtberuhrens. Sonst jeboch wirb der Arzt eingreifen müssen. Größere Quetschungen geben durch ihr zerstörtes unb abgestorbenes Gewebe einen guten Rahr- hoben für cingebrungene Bakteriem Die sonst übliche Ausschwemmung erfolgt gewöhnlich nicht, da Quetschwunden verhältnismäßig wenig bluten. Sv sollte es Prinzip werben, jebe Quetsch­wunde und ebenso jede WundemitFremd- körper in bie Dehanblung des Arztes zu geben. Zwar können Fremdkörper, die glatt unb spitz sinb unb keine schädlichen Keime haben, auch gelegentlich unauffällig im Körper einheilen. Sie werden im Körper eingekapselt, b. h. von einer Bindegewebeschicht umgeben unb von der Umgebung isoliert. Darauf kann sich der Mensch aber nicht verlassen. Es ist ebensogut anzu- nehrnen, baß Fremdkörper, bie in ber Wunbe ge­blieben sind, zu Entzünbungen unb Ellerungen

Die Feier bes Volkstrauertages zum Gebächtnis an unsere gefallenen Brüder wurde, wie alljährlich, in unserer Stabt wieder in würdiger Weise begangen. Am Sams­tag hatten Vertreter des Vorstandes der Gieße­ner Ortsgruppe des Volksbundes Deutsche Kriegs- gräberfürforge auf bem Ehrenfriedbof, auf der Ruhestätte der hier verstorbenen fremden Sol­daten. am Kriegerdenkmal auf dem ßanbgraf- Philipp-Platz, sowie an der Gesallenen-Gebenk- tafcl in der Krieger-Gebächtnishalle der Ani- versität Kränze niebergelcgt. Gestern zeigten die öffenttichen Gebäude die Reichs- unb Lanbes- flaggcn auf Halbmast, und es wurde ber teuren Toten in den Gottesbiensten gebacht. Mittags um 12 Ahr begann in der Reuen Aula der Aniver- fität bie alljährlich von der Gießener Ortsgruppe des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge sorgsam gestaltete

Gedenkfeier zu Ehren unserer GefaNenen.

Die Reue Aula war fast bis auf den letzten Platz beseht, Angehörige aus allen Schichten der Bürgerschaft vereinten sich hier zu gemeinsamem Gebenkeii. Das Musillorps unseres Bataillons unter ber Leitung von Obermusikmeister Loder leitete die eindrucksvolle Feierstunde ein mit Franz SchubertsAve Maria". Darauf fang Frau Minna Wolff, auf der Orgel begleitet von Musiklehrer Kasten, das Werk eines unbe­kannten KomponistenSeele, was betrübst du dich". Runmehr folgte als Mittelpunkt der Feier die nachstehende

Gedenkansprache des Beigeordneten Or. Hamm.

Unfern gefallenen Brühern.

Schwer wogte bas Korn in Feindesland, sengend glühte die Sonne auf die Stürmenden, prafjelnd schlugen die Geschosse in sie hinein vom Brückenkopf. Die Feuertaufe, der erste Tote. Wie furchtbar noch in den unendlich langsam versickernden Jahren des Schnitters Tod grausame Mahd auch wuchs, der tiefste Eindruck der erste Tote. Einst und still lag er, unb doch so beredt in seiner erschütternden Stummheit verkündend: das Leben besaß ich, um -es hinzugeben! Hinzugeben für die Brüder, für die Heimat, für das deutsche Voll, uns mahnend seines Opfers würdig zu fein. Den feldgrauen Mantel habt ihr mit rauhen und doch so zarten Kriegerhänden über ihn fachte gebreitet. Fast sah es aus, als sorgtet ihr euch, aus ewigem Schlaf ihn zu wecken. Aber ihr konntet das Opfer in seiner Größe nicht mit dem inneren Auge schauen, denn von Kampf zu Kamps peitschte euch der Krieg. Viele Tausende wallten zur Pforte des ewigen Lebens, und noch immer hattet ihr nicht Muße, der Toten in ehrfürchtigem Schauer zu denken, bis die Front erstarrte und das von Sieg zu Sieg stürmende Heer knirschend sich tn Fesseln wand und sie zu sprengen vergeblich versuchte. In Gräben, unterirdischen Stollen und Gängen wart ihr gebannt, vom Tode belauert, belagert, der auf euern zum Bersten gespannten Nervensaiten seine schaurige Melodie sp.elte. Früher stürmende Kraft, jetzt in Banden geschmiedetes duldendes Harren. Das war der Boden, auf dem bie zweifelnde Frage erwuchs nach dem Sinn all des-^Mordens unb dem Sinn feiner Opfer.

Die furchtbare Frage, fie war unfern Kämpfern nicht erspart geblieben, unb doch haben sie sich stets neu überwunden, wenn das innere Lauschen auf Antwort sie zu zermürben drohte, und find den Weg der Ps.icht gegangen, aber nicht den der Pflicht allein. Pflichtbewußtsein allein hätte nicht genügt, für all das Erleben, es wäre vielleicht doch zerbrochen. Was das Uebermenschliche fie leisten lieh, war der Glaube an eine Idee, die Opferibee für eine gute Sache. Unb uns, bie wir ber Sonne Gold, des Frühlings Atmen, das Keimen und Sprossen erleben dürfen, quält immer wieder und wieder die bange Frage: Hatte der Opfertod des Mannes, des Bru­ders', des Sohnes einen Sinn? Hat Krieg einen Sinn? Gewiß wir mögen es gläubig im vollen Ver­trauen auf eine göttliche Weltordnung hinnehmen, daß auch der Krieg mit feinen Opfern in der gött­lichen Vorsehung umschlossen ist. Wir wissen aber nicht, welchenSinn an sich bie göttliche Weltord­nung dem Kriege gibt. Wir können sie nicht er­gründen. Das feit ewigen Zeiten ewige Rätsel kön­nen auch wir nicht lösen und können nicht ent­schleiern, was des Lebens und Strebens letzter Sinn ist Um so mehr kommt es darauf an, ob mir wil­lens unb fähig sind, dem Opfer einen Sinn zu geben, auf daß wir nicht an dem Tod unserer Lieben zerbrechen und wir uns nicht in dumpfem Bruten in Tatlosigkeit verzehren, sondern auf daß wir den Schmerz überwinden und uns durchrintzen zum Glauben an eine Idee, die uns ein neues* Deutsch­land, einen Sieg des allgemein Menschlichen und einen Fortschritt der Menschheit über Ländergrenzen hinweg erhoffen läßt. Gestalten wir die Idee an der Tat unserer Toten!

Es liegt so nahe, sich schon genügen zu lassen an bem Gedanken, baß bie Opfer halfen, den Krieg von den heimatlichen Gefilden sernzu- halten, von ber Heimat, bie wir mit allen Fasern bes Herzens lieben unb aus ber untere Lebenswurzeln stets neue Kraft saugen. Wer kennt nicht von uns, bie wir an bem großen Erleben teilgenommen haben, bie erschütternde Sprache verwüsteten Landes, um das der Kampf wechselnd tobte, bis daß die Eingeweide der Erde aufgerissen und fie in zahllosen Furchen von Granaten zerwühlt kaum noch Kraft zu spenden schien für grünendes Wachstum, wie uns nur nod) eine trostlose Leere entgegen- gähnte, kein Baum, kein Strauch mehr atmete unb kein Vogel mehr fang, wie, soweit bas Auge reichte, statt vieler blühender Dörfer lehm- belruftete Schuttmasfen die ©teilen zeigten, wo einst Freude und Leid strebender Menschen und frohes Kinderlachen ihre Heimat hatten. And wenn unsere Heimat auch darben mußte unb der Krieg auch gegen Frauen unb Kinber ge­führt wurde, ihr war mit wenig Ausnahmen doch das Furchtbarste erspart geblieben, selbst Kampffeld zu fein. Darin ist des Opfers um- fassender Sian aber noch nicht erschlossen. Denn draußen entfaltete das gewaltige Erleben vor

futt überreicht. Mit Wirkung ab 1. Marz werden brr Zugführer Karl Bauer und der Reichsbahn-Oder,ekretär Adolf Gafparn vom Bahnhof Gießen in den Ruhestand versetzt.

* Bunter Abend des F r ö b e l -S e in i - nars. Das Fröbcl-Seminar stellte sich gestern abend in den Dienst tätiger Nächstenliebe. Es ver anftaltele einen Bunten Abend, dessen Reinertrag für bie städtische Winternothilfe Verwendung finden soll. Die Veranstaltung fand im Studentenheim am Leihgesterner Weg statt und vereinigte ine Eltern der Schülerinnen und die Freunde des Seminars in großer Anzahl. Für den musikalischen Teil hatten sich Mitglieder des hiesigen Orchestervereins zur Verfügung gestellt, und sic erfreuten mit guter Kon- zerttnusik. Das übrige Programm brachte in bunter Folge eine Reihe von Darbietungen der verschieden­sten Art, um die sich die Schülerinnen des Semi­nars verdient machten. Die Gesamtleitung hatte Frl. B u r g h c i in, die Vorsteherin des Seminars, Frl. Kübel, die Gnmastiklehrerin der Schule, hatte die Darbietungen sehr sorgfältig einstudiert, so daß alles vorzüglich klappte. Da wurden dennRömische Pferde, und Wagenrennen" unter dem dnkbar ge­ringsten Aufwand und doch mit großem Erfolg gezeigt, gymnastische Hebungen, Ballspiele, Seil- springen u. a. m. wechselten miteinander ab. Star­ken Beifall fand eine stilvolle Gavotte (Frl. Kübel, Herr Steinbach), derTanz in Rot" gefiel eben- falls sehr gut, mit viel Freude wurde der'Bauern- tanz" aufgenommen, der durch die Schülerinnen in schlichter Form dargeboten wurde. Ein .Heroischer Tanz" (zum Gedenken der Gefallenen), verhalten aufgeführt von Herrn Steinbach, erinnerte ein­dringlich an den Charakter des geftrigen Tages. Eine sehr originelleTierschau" beschloß den reiz­vollen Abend, der ganz im Zeichen der Jugend stand und den Besuchern zwei schöne Stunden be- scherte.

* Lichtspielhaus Bahnhof st raße. Die Kulturfilmoorstellung, die gestern vormittag im Lichtspielhaus Bahnhofstraße stattfand, war sehr gut besucht. Zur Vorführung gelangten drei Filme, die von der Hamburg Amerika-Linie zur Verfügung gestellt wurden unb den Besuchern besonders wieder eine Reihe von landschaftlichen Schönheiten nahe- bradjtcn. Der erste Film zeigte die Stadt Hamburg, den Hafenbetrieb, die Werften, das Leben und Trei­ben in dieser raschpulsierenden Stadt, zusammen­gefaßt zu einer Symphonie der Arbeit, wie sie groß­artiger nicht gedacht werden kann. Eine schier un­endliche Fülle der reizvollsten Bilder brachte dann der FilmNordland-Fjordland". Die Besucher er­lebten im Geiste, vermittelt durch eine geschickte künstlerische Photographie, eine Reise auf den Dampfern der Hamburg-Amerika-Linie nach der Küste Norwegens. Die herb-romantische Pracht der steil aus den stillen Wassern ber Fjorde aufragerben Berge war in eindrucksvollen Bildern festgehallen. Das Wasser und die finsteren Berge kehrten wie ein hehres Motiv in diesem Film immer wieder und ließen sicherlich in vielen den Wunsch lebendig werden, jenes Land kennenzulernen, die weltab­gewandten Dörfer, diese stillen, sauberen Städtchen zu sehen und dem Tosen der wilden Wasserfälle zu lauschen. Schließlich vermittelte der dritte Bildstrei­fen einen Eindruck von den nördlichen Landstrichen Amerikas. Das Wolkenkratzermeer von Manhattan war im Bilde festgehalten, Bilder von den Straßen- sckluchten Reuyorks und dem stürmisch gewachsenen Chikago, von den Städten des Nordens mit ih-en spezialisierten Industrien, Bilder von den endlos-n Weizenfeldern Dakotas und den riesiaey Apfel, unb Zuckerrübenplantagen fesselten die Aufmerksamkeit. Ausgezeichnete Landschastsaufnahmen aus den Rocky Mountains ließen wissen, daß Nordamerika nicht nur aus endlosen Prärien besteht, sondern auch Gebiete einzigartiger landschaftlicher Schönheit um­schließt, die auch auf den Europäer tiefen Eindruck machen.

Landkreis Gießen.

£ OBtefcd, 2. März. Der hiesige O r t g g c - Werbeverein, der im vergangenen Jahre "e- grünbet wurde unb dem zur Zeit 144 Gewe-be- treibenbe angehören, hielt gestern im Saale von Gastwirt Wilh. Dorselb seine Generalver­sammlung ab. Der Vorsihenbe, OHauretnKi- 11 er Hch. Oßwald. erstattete ben Geschäfts­bericht, aus dem hervorging, baß ber Verein im ersten Iayre seines Bestehens eine rege Tätig­keit entfaltete. Er wies auch ganz besonders auf die vom 15. bis 22. März ftattfinbenbe Reichs- hanbwerkerwoche hin unb empfahl weiter ben Be­such der Leipziger Messe, bie sich dieses Früh­jahr sehr auf bas Hanbwerk eingestellt habe. Den Kafsenberichr erstattete Weißbindermeister Hch. L i n b e n st r u t h. Tie Vorstandswahl ergab bie Wieberwahl bes seitherigen Vorstandes. Im Tätigkeitsbericht wurde besonders bedauert, bah biefc wichtige Versammlung einen so knappen Be­such aufzuweisen habe. Es wurde von Sandgru- benbesiher Seibert mit besonderem Rachdruck gefordert, baß sich Handwerker unb Gewerbetrei- benbe in der jetzigen Zeit unter allen Amständen besser um ihre Belange kümmern müßten, unb es fei vor allem erforderlich, daß Handwerker unb Gewerbetreibende die Kommunalpolitik so beein­flussen, daß für sie daraus kein Schaden ent­stehe. Er ging bann auf den Einspruch des Orts­gewerbevereins gegen den Gemeinbevoranschlag ein. In einer lebhaften Aussprache würbe vom Vorstand gefordert, daß er dafür sorge, baß bie von Oberregierungsrat Ritzel zugesagte Aus­sprache nun bald stattfinde. Bemängelt wurde ferner, daß die Gewerbesteuern in den letzten! Iahren sprunghaft in bie Hohe gegangen seien. Auch bie Frage des kommunalen Bestattungs- wefens soll unbedingt neu geregelt werden, und es sollen nur Minderbemittelte kostenlose Liefe­rung ber Särge erhalten. Am die heimischen Gewerbetreibenden und auch bie Einwohnerschaft vor den Wanderlagern unb ben Hausierern zu schützen, wird vom Gemeindevorstand gefordert, daß er von der Besteuerung »dieser Antemeh- mungen Gebrauch mache. Hier fei eine gute Einnahmequelle für die Gemeinde zu schaffen. Eine längere Aussprache über eine Werbung während der Reichshandwcrkerwoche fand noch statt.

4 Burkhardsfelden, 1.März. Seit einiger Zeit tritt in unserem Dorfe die Grippe sehr stark auf, besonders sind auch ältere Leute von ihr betroffen. In der letzten Woche hat die Zahl der Grippeerkrankungen unter den Schulkindern eine derartige Zunahme erfahren, daß am Freitag die Schule gefchlosfen werden mußte, da über die Hälfte der Kinder den Unterricht nicht besuchen kann. Zum Glück hat bie Krankheit bisher einen gutartigen Verlaus genommen.

E ifchütie Dich, nimm täglich

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chen Industrie!« nrelfe nach der 1 f)at, ift in Moskau wurden bie Indu- deutschen Botschaft, Obersten Tvllstonl- nissanaiS empfangen. zkQatum bereits von sten ToUswirtfchof.L- henden des Oberste :dschonikidse, begrüßt

^Makronen der und der Deutsch, vvnntag in Berlin ^.un9 ob, an der mich

^geschiedenen Die Beratungen er- feinftimmung in bet Manschen Lage und ber die zu ergreifen- ^nahmen.

er, der früher Mit- im Ablvehrkamds an Wsident von Dussel- an hat, ist bev Aach einer Wittei- rvärte Grühner, daß der Säuberung Sclbstverwat- rhstädle, der Medec- ndwirtschast und daun neder deranständige ic.

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