Deutschen Turnerschaft aus. Für mannig^iche Verdienste um die Turnsache erhielten H. Ha - m e l und LouiS Vogt den Vauehrenbrref. den Ehrenbrief des Wittelrbeinkreises erhielten S. 2ung, H Wahl und P T reute. Der Shrenbrief der Deutschen Turner- schäft, die höchste Auszeichnung wurde dem Vorsitzenden des sestgebenden Vereins, Hnlversi» tätS-Vureaudirettor 6 r le, zuteil.
3m weiteren Verlauf deS Abends wurde auch eine Anzahl Mitglieder des Verein- für lang- jährige treue Mitgliedschaft geehrt. Die Mitglieder, die bereits 40 Jahre lang dem Verein angehören, wurden zu Ehrenmitgliedern ernannt. Es sind bieS: H Haubach, Ehr. Georg. 5t. Zimmermann, W. Denner, H. Rüger. W. Best. O. Schmidt, W. Ziegler. 2 Rübl. Ehr. Arnold. 6. Marr. H. Spich. W- Brühl, Fr. Depvlcr. 2. Vogt. 5t. Dourgcois. A. DourgeviS, 2- Klein. ®g. Haubach. H Wühlich. Ehr. Weeg. K. Georgi, H. Pieper. H. Wahl. 2. Henh. H- Roll, QL Roll, H. Jughardt. Fr. Drück, E- Geismar. Sy Valser, K. Faber, 3. Kühler und H- Weih. Für über 25jährige Mitgliedschaft wurden ausgezeichnet. W Gengnagel, 0 Hayn, Fr. Klotz, A. 2003, A Klein. W- Rttschkowfll. Sy Trechsler sen.. W Scheid. Dg. Arnold. H. Philippi. H. Heyne. S- Abert, 2- Doat. H. Ehchardt. K Doael. Fr. Weber. 3^ Arnold. W- Amend. K. Kobes Sy D.öntnger. 2. Schmerder. 5t. Müller. 2- Petri. K. Hergenrother. H. Gering. K Herzberger, E. Semmler, A- Weidig, K. Paul, Ehr. Delz und A. Roll.
Oer Gerätewetilampf.
Arn Sonntagnachmittag fand vor leider nicht allzu vielen Zuschauern der Gerälewettkampf zwischen Turnern dec Vereine TurnvereinDie- ber (Offenbach), Turnverein 1 8 46 Herborn und dem Turnverein 1 846 Giehen statt. Der Kampf nahm einen sehr schonen Verlaus und sah die Turner des gastgebenden Vereins als den sicheren Sieger. Mit 695 Punkten blieben d e Hiesigen vor dem Turnverein Bieber mit 617 und vor dem Turnverein Herborn mit 632 Punkten in Front. Es turnten jeweils zwei Jugendturner, zwei Turnerinnen und vier Turner. Die Hebungen an Barren und Pferd wurden von sämtlichen Teilnehmern geturnt, die Freiübungen wurden von den vier Turnern und den beiden Turnerinnen eines jeden Vereins bestritten, die Turnerinnen brauchten am Reck nicht anzutreten. Die gezeigten 2eistungen riefen starken Beifall hervor und bewegten sich tatsächlich auf beachtlicher Höhe. Ausgezeichnete Ceiftungcn wurden bei den Freiübungen gezeigt, deren einige von geradezu klassischer Schönheit waren- Richt weniger eindrucksvoll wurde am Reck geturnt. Die Punktwertungen der Mannschaften an den einzelnen Geräten zeigten folgendes Bild: (die Mannschaften sind jeweils in der Reihenfolge Bieber: Herborn: Gießen genannt): Am Barren: 1881/»: 1851 212 Pun.te; am Pferd ergaben sich die folgenden Punktzahlen: 193''2:186*/j‘-193- Die Freiübungen zeigten folgendes Mannschaftsergebnis: 127:121:133 Punkte. Am Reck wurden erreicht: 138:139:154", Punkte. Die Gießener Mannschaft konnte sich demnach bei jeder Hebung an die erste Stelle sehen und führte während des Kampfes unangefochten.
Die besten Wertungen deS Tage- erzielte Elfriede M ü n n i ch, Giehen, mit 29 V, Punkten am Darren. Auch am Pferd erzielte sie an diesem Gerät die beste Wertung mit 28'/, Punkten. In der Freiübung erreichte sie ebenfalls die höchste Wertung mit 23'/, Punkten und lieh damit ihre Konkurrentinnen und Konkurrenten hinter sich- Mit diesen drei Hebungen vereinigte sie also insgesamt 83'/, Punkte auf sich und erzielte damit die beste Gesamtwertung der einzelnen Teilnehmer. Als bester Turner folgte dann Reuter mit 82V, Punkten (die Freiübungen sind bei den Turnern nicht mitgerechnet), S ch i ck mit 79 Punkten, Schnall, Bieber, mit 76'/,
Punkten, Herbert. Giehen, mit 76 Punkten. Ria Philipp mit 75 Punkten und Werner. Herborn, mit 74' , Punkten. In mehr oder weni- ger großem Abstand folgten die übrigen Teil- nehmen und Teilnehmerinnen.
Der Wettkampf wurde mit einer schlichten Siegerehrung, die durch den Gauobertumwart Will vorgenommen wurde, beendet. Die sieg
reiche Mannschaft des Turnvereins 1846 erhielt den Eichenkran).
Mit einem Familienabend, der ebenfalls in der Turnhalle stattfand. wurde die Jubiläums- Veranstaltung beschlossen. Das Fest nahm einen in jeder Hinsicht harmonischen und wohigelunge- nen Verlauf.
Wirtschaft
Aktien in Berlin eher schwächer.
Berlin. 1. Dez. (WTB. Funkspruch) Ein in den gestrigen Abendstunden plötzlich eintretender Stimmungsumschwung nahm von •RC.äi. und Reichsbankaktien seinen Ausgang. In diesen beiden Papieren kam stärker Material heraus, wobei bei ersteren anfänglich die halbierte Dividende verstimmte, bei letzteren das Ausland wieder als Abnehmer auftrat. Bielleicht glaubte man, aus den Verlusten der Niederländischen Bank an der Pfund, bewegung Rückschlüsse auf die Situation ziehen zu müssen. Es ist auch zweifelsohne richtig daß die deutsche Notenbank durch die erhöhte Notensteuer eine Belastung erhalten hat. doch wird dieser Der- dienstaussall aus der anderen Seite durch die hohen Diskontsätze wcttgemachl. Da die Abwärtsbewegung des englischen Pfundes heute weitergeht, glaubte man in den Dor- Mittagsstunden, auch mit einer schwächeren Tendenz für den Effektenmarkt rechnen zu muffen, zumal die deutsch°n Werte in Neuyork auch gestern wieder starke Rückgänge gezeigt hatten. Es war daher als der heutige Telephonverkehr einsetzte, die Tendenz der Aktien eher s ch w ä ch e r , während am Pfandbriefmarkt Beruhigung emgetre- ten war. Die Rückgänge waren aber nicht groß und man hörte sogar verschiedene Geldkurse. Angeboten waren weiterhin nur NEW und Bankaktien, wobei von letzteren außer Reichsbankanteilen. Danatbant und DHG. auffällig schwache Veranlagung hatten. Elektropapiere waren eher etwas gefragt, Montan- werte lagen ruhig, und auch am Farbenmarkt war die Umsatztätigkeit nicht groß. Außer Goldpsand- briefen waren auch die übrigen festverzinslichen Werte heute besser gehalten, Altbesitzanleihe und Reichsbahnoorzugsaktien lagen sogar leicht erholt. Es scheint nunmehr ziemlich sicher zu sein baß mit Steuererhöhungen (also auch Wiedereinfuh- rung der Kapitalertragssteuer) in der kommenden Notverordnung zu rechnen ist. Trotzdem ist der scharfe Kampf hinsichtlich der Lohnpolitik (Ab- bau der Beamtengebälter) und der Preissenkung s a 11 i 0 n noch nicht entschieden. Das wesent- lichste für eine Verbilligung der Lebenshaltung.
nämlich die Senk un g der Mieten, dürste wenn überhaupt — nur in ganz unzureichendem Maße erfolgen.
Leichte Erholung in Frankfurt.
Frankfurt a. M.. 30. Rov. Rach den starken Kursrückgängen in der letzten Woche trat bereits am Samstag eine leichte Erholung für A k t i e n w e r t e ein. Auch zu Beginn der neuen Woche setzten sich die Befestigungen im telephonischen Freiverkehr weiter fort, obgleich bcson- dere Anregungen nicht vorlagen. Die schwache Tendenz der Rcuyorker Samstagsbörse blieb fast ohne Eindruck, und machte sich lediglich in der geringen Hntemehmungslust bemerkbar. Trotzdem die innen- und außenpolitische Situation gegenüber der Vorwoche keine wesentliche Entspannung erfahren hat, lagen bei den Danken einige Kausorders des Publikums vor, und auch die Spekulation schritt wieder zu kleinen Rückdeckungen, so daß gegen die Kurse vom Samstag auf allen Märkten weitere Erholungen zu verzeichnen waren. Stärkere Erhöhungen hatten naturgemäß die in letzter Zeit besonders gedrückten Papiere, wie J.-G.-Farben, S.emens. Re.chsöank und andere, bei denen "Besserungen bis zu 2,50 Prozent eintraten. Lebhafter gehandelt wurden AEG., die 3 Prozent anzogen. Auch die übrigen Werte des Elektromarktes konnten sich von dem Rückschlag etwas befestigen. Montan-, Dank- und Kaliaktien lagen geschällslos und nur vereinzelt um Bruchteile eines Prozentes hoher.
Am Rentenmarkt war die Tendenz unsicher. Rachdem es ursprünglich auf kleine Käufe und Deckungen biS zu 1 Prozent fester geworden war, fetzten gegen Mittag von Berliner Seite Abgaben ein, fo daß 8prozentige Goldpfandbriefe wieder etwa 0.50—0.75 Prozent nachgaben! nur die Werte der Frankfurter Institute blieben gut gehalten. 2iquidationspfandbriefe, deutsche Anleihen und kommunale Werte lagen ruhig und kaum verändert. Reichsschuldbuchforderungen wurden eher etwas angeboten. Von Jndustrieobli» gationen waren einige westdeutsche Werte 1 Prozent unter den letzten Kursen etwas gefischt.
Das psund weiter rapide abgeschwächt.
Die französischen Sterlingverkäufe halten an.
An den internationalen Devisenmärkten hat da» englischePsundsich gestern weiter rapide abgeschwächt und den niedrigsten Stand erreicht. den es je hatte. Der bisher niedrigste KurS war 3,48 gegen den Dollar am 25. September, gestern 'hat sich das Pfund 10 Eents gegen ben niedrigsten KurS weiter verschlechtert, und ste.lt sich auf nur noch 3,3875. Den andern Devisen gegenüber find gestern auch neue Rekordtief- furfe zu verzeichnen! fo stellte sich daS Pfund gegen den Gulden auf 8,39, gegen Zürich auf 17 53. Besonders sest tendierte der Franc gegen daS Psund, der, nachdem er gestern mit 90,13 eröffnet hatte, am Spätnachmi.tag auf 83,68 heraufging. Die französischen Sterling- Verkäufe halten weiter an. Die Reichsmark zog gegen das Pfund auf 14.25 an. Der Dollar war international auch am
Rachmittag eher leichter, die Reichsmark war gehalten, in Reuyork stellte sie sich auf 23.7250. in Amsterdam auf 59,C 250 und in Zürich auf 122,00. Die Rord-Devisen bleiben weiter sehr schwach, Kanada liegt schwächer, auch Konstantinopel und Athen waren stark gedrückt, nur Rio war befestigt. . .
Die Eich deprimiert.
Die Stimmung in der 2ondoner E11h ist weiter deprimiert. Die internationale politische und wirtschaftliche 2age, vor allem aber die Hngewißheit über die geplanten Gegenmaßnahmen der Länder gegen die englischen Zollerhöhungen drückten weiter auf die Stimmung, und auch die Rachricht, daß die Riederländische Bank ihre Sterling-Realisatlonen beendet hat, konnte nicht freundlicher stimmen, obwohl hiermit einer der letzten Baisse-Faktoren nicht mehr vorhanden ist.
Konkurse und Vergleichsverfahren im November.
Berlin. 1 De^ ,WTB. Funktpruch.) Nach Mitteilung de» Statistischen Rcichsnmts wurden im November durch den Rcichsanzelaer 12 15 neue Konkurse — ohne die wegen Masseman. geb abgelehnten Anträge auf Konkurseröffnung — und 935 eröffnete Vergleichsverfahren bckanntgegeden. Die entsprechenden Zahlen für Oktober stellten sich auf 1435 dzw. 1010.
• Die Indexziffer der Großhandelspreise. Die vom Statistischen Reichramt für den 25. November berechnete Indexziffer der Großban- delcpreise ist mit 106,2 gegenüber der Vorwoche um 04 v H gesunken. An dem Rückgang sind die Jnderzi'fern für alle Hauptaruppen beteiligt: Agrar- fteffe 93,0 (minus 0,3 v. H ), Kolonialwaren S-L (minus 1 4 0 H.), industrielle Rohstoffe und Halbwaren 98,8 (minus 0,5 v H) und industrielle Fertigwaren 131,6 (minus 0.3 0. H) Die Indexziffer für Produktionsmittel stellte f ch auf 1^.0 (minus 02 v. H ) und für Konsumgüter auf 133,6 (minus 0,4 o.f).).
Devisenmarkt Berlin — Frankfurt a. HL
Banknoten.
30 fierm» t
l.vevvd«.
Urntii*#
Rotimm» 2W
tmilitfw
Nenmu»<| ZMr
• afor« .
7.393
7.407
7.293
7.307
Uten
53.94
53.06
51.94
59.04
trag . .
12.463
12.488
12.47
12.49
Curjpeft
73.28
73.42
73.28
73.42
. .
3.057
3.063
3.057
3.003
Holland . .
168.93
169.27
169.13
169.47
C*lo - .
80.02
80.18
77.42
77.58
fiov nbafltl.
81.17
81.13
77.42
77.58
^torfbolm
81.42
81.58
78.17
78.92
Vonoon
14.73
14.77
13.18
13.92
tiurnoii jUie<
1.038
1.042
0.598
1.002
finit ork
4.209
4.217
4.2)9
4.217
tiruilel .
58.49
51.61
58 39
88.51
.Italien
21.68
21.72
21.68
21.72
iianl . . .
16.47
16.51
16.47
16.51
ctbrortj
81.52
81.68
81.77
81.93
Lvontkä
35.56
05.64
35.16
35.24
Tamm
81.97
82.13
8212
82-28
,1ayan
2.058
2.062
2.058
2.062
«to Bf ?an..
0.244
0.246
0.234
0.236
3uqoi:an>i<1
7.403
7.417
7.393
7.407
Utiiafcoe .
13.39
13,41
12.69
12.71
_______Stflin, 30 fiot>tmt>tr________ amentarwett Naira.......
-öfinild;c Ncira .........
Tamlch« fiorra.........
Onflliidie fici.m.........
.itdnioilidif Noir»........
Holianiisckr Nair»........
tzrallrr.lick^ fioira........
Rorwra'Ichr fioira
Tnnldvücitrrrrtd), 1 100 Schilling Nuwamlckir Sielen.......
Gdiiveoildir Naira....... fcdiroeifrr fielen.........
Gpantfthf fielen. ........ Ungariidif fielen .......
(Iklb
2*nd —
4.20
4.22
58.38
58.62
80.99
81.31
14.69
14 75
16.46
16.52
168.56
169 24
21.66
21.74
79.84
80.16
——
2.48
2.50
81.24
81.56
81.34
81.66
35.33
35.47
—
—•
Rcichsbankd'.skonl 8 o. h.. combardzinsfuh 10 o. H.
Kirche und Schute.
h. Heuchelheim, 30. Rov. Rach viermona- tiger Vakanz ist die h.esigc Pfarr stelle durch Pfarrer 2 l l e r t, seither in Groß^Aerau. wieder besetzt worden. Der neue Geistliche wurde gestern von Dekan Oufomann feierlich in seinen Dienst eingeführt. Die Gemeinde hatte sich in der schön geschmückten Kirche sehr zahlreich eingesunden. Ein dreistimmiger Schülerchor (Rektor Knad) verschonte die Feier.
Srieffaffen der Redaktion
(Rechtsgutachten sind ohne Verbindlichkeit der Schnftleitung )
C. B. in Gießen. Wir bedauern, von Ihrer freundlichen Einladung keinen Gebrauch machen zu können! wir bitten, in künftigen Fällen um .'ine Adressenangabe, damit wir Ihnen das Manuskript gegebenenfalls wieder zur Verfügung stellen können.
Wessen Md bin ich?
Vornan von Fr. Lehne.
(Hrhoberschutz durch 6. Ack.rmann. Romanzentrale Stuttgart.)
17. Fortsetzung. Nachdruck verboten.
Hnd Ebba — er sah das Mädchen in ihrer rührenden Hilflosigkeit — keine Spur von Berechnung war in ihr! sie war ja so weltfremd, hatte nie über StandeSunterschiede nachgedacht — hatte ihn einfach lieb! Beseligend hatte er es empfunden, wenn sie sich an ihn geschmiegt und scheu und heiß seine Küsse erwidert hatte.
Hnd er —? Ebba war ihm all cd — mit der ganzen Glut und Leidenschaft feiner Herrennatur liebte er Ebba und begehrte fle. Ach, wenn sie nur etwas unbedenklicher gewesen wäre und nur ein klein wenig mehr Verständnis für die Sachlage gehabt hätte — wie schön hätte es sein können!
Er nahm ihre Hand.
„Du hast nicht nötig, dich zu schämen, mein Schatz, warum? Weil wir uns gut sind? Oder hast du mich nicht lieb? Sieh mich einmal an!“
Er faßte sie unter das Kinn und zwang sie. ihn anzusehen, und wieder laS er in diesen blauen, strahlenden Sternen ihre ganze, vertrauensvolle Liebe.
„Ebba, mein SüheS. kann unsere Liebe nicht noch eine kleine Weile Geheimnis bleiben?" fragte er in weich schmeichelnder Weise.
Ach, wie hatte seine einnehmende Art sie doch immer von neuem gefangen genommen — aber heute widerstand fie ihm, mußte ihm widerstehen!
„Heimlichkeiten darf ich nicht mehr haben! Ich habe cs Ehristel versprechen müssen, daß es auS fein muß!" sagte sie leise.
„Du kleines Dummerchen, warum denn? Ich sehe keine Veranlassung dazu. Ist unsere heimliche Liebe denn nicht füfj?“
„Sie ist nicht mehr heimlich! Wer weiß, ob die Leute nicht schon alle reden! Hnd meine Eltern — wenn die eS erführen —14
Er fand fo viele Worte — daS eine Wort aber, worauf fie inbrünstig wartete, sprach er nicht! Eine grenzenlose Enttäuschung kroch in chr auf — und eine grenzenlose Scham — Ehristel hatte recht gehabt: Hanno hatte ernstlich nie daran gedacht, fie alS seine Braut zu betrachten — nur sein Liebchen — sie schluchzte kurz auf
„Sbba, so beruhige dich doch! Wenn di« Leute wirklich reden, so werden sie auch wieder aufhören! Hnd bist du erst in Dresden bei Inga —**
„Ich fahre nicht nach Dresden."
„Warum nicht, kleiner Eigensinn? Ich freut mich schon auf unsere Fahrt zu zweien —"
Ebba sah ihn groß an.
„Hanno, glaubst du wirklich, daß ich letzt noch nach Dresden fahren kann und mit dir —? Ich »alte dir geglaubt und sehe nun doch, daß du eS nicht ehrlich mit mir gemeint! —“
„Was hast du eigentlich gedacht, Ebba?"
„Wir find doch heimlich verlobt und da wäre es doch deine Pflicht, mich vor übler Rachrede zu schützen!" — Sie wußte kaum, woher sie den Mut nahm, ihm das zu sagen! Aber sie wollte Klarheit haben, wollte vor dem Bruder gerechtfertigt dastehen. Wenn fle Ehristel hätte sagen können: ich bin HannoS Braut! Welche Genugtuung für fie! ,, u « ,
„Sieh einmal an, die kleine Krabbe! dachte er.
Ihr Widerstand verstimmte ihn.
„Mein Kind, so einfach wie du denkst, ist daS nicht!"
„Wenn du mich liebst, Hanno!"
„Ja. ich liebe dich. Ebba! Hnd wenn du mich so liebtest, wie ich dich, würdest du dich um alleS das gar nicht kümmern. Würdest mir gehören, und wir wären unsagbar glücklich!
„Ich gehöre dir doch. Hanno!" mit großem, unschuldigem Blick sah sie vertrauend zu ihm empor.
Er faßte ihre Hand.
„Mein Liebes, ist da» nötig, daß daS alle wissen? Wärest du nur etwas weniger ängstlich — den Himmel auf Erden würde ich dir schaffen! Du solltest haben, was dein Herz sich nur wünscht — alleS wollte ich dir geben." Hertz und werbend klang seine Stimme. Er zog Ebba an der Hand näher beton; In seinen Augen war ein unruhiges Flimmern — da begann sie ihn zu verstehen.
Vergehend schloß sie die Augen.
Oh. diese Demütigung —! Rur zu seiner Geliebten begehrte er fie —! Empörung. Scham. Enttäuschung erfüllten fie. Sie richtete fich stolz auf.
..... nur daS eine nicht. Hanno — Deinen Ramen! Aber meine Ehre soll ich dir geben, daß die Leute mit den Fingern auf mich zeigen — oh. ich weiß genug!"
„ES ist ja nicht so schlimm! Du denkst dir alleS viel schwerer, kleine dumme Ebba —"
,.— und meine Eltern. Hanno, und mein Bruder — ? Hnd Inga — T‘ Ihre Stimme brach in Schluchzen — .ach. Hanno, wie gering schätzest du mich doch ein! Du hast mit mit gespielt, und ich — ich dachte—"
Sr strich über ihr Gesicht.
„Ebba, du in deinem KindSkvps bedenkst nicht, wie groß die Hindernisse sind, die sich unserer Verbindung cntgegenftelltn ..."
Da fast sie ihn starr an.
„Die hast du doch auch schon damals gekannt, als du mir von deiner 2iebe sprachst! Jetzt habe ich dich ganz verstanden! In tiefster Seele hast
du mich beleidigt und hast mir wehgetan, dah ich das nimmer vergessen kann!"
„Ebba, kannst du denn nicht begreifen — meine Eltern galten streng auf ebenbürtige Eheschließungen — man muß sehr diplomatisch vorgehen."
Hm Ebbas feinen und schönen Mund flog ein überaus bittere« Lächeln.
Hanno, sage nichts weiter! Du denkst ja doch ganz anders! Ich will mich nicht in deine Familie drängen, weil ich wohl einsehe, datz ich nicht hineinpasse! Du muht standesgemätz heiraten — und ich bin ja nur eine einfache Lehrerstochter —" sagte fle traurig.
Heber Hannos Gesicht ging jetzt ein merkwürdiges Zucken, und er sah fle mit eigenem Blick an.
Mit einem Male verstand sie ibn ganz, konnte sie In seinen Gedanken lesen. Sie legte die Hand über die Augen, als ob ein greller Blitz sie blende.
„Hanno —!" rief sie mit erschütternder Stimme, und dann noch einmal — „Hanno!"
Richt, weil sie eine einfache Lebrerstochtcr war — wäre fie das in Wirklichkeit gewesen, mit seinem Willen und seinem Trotz hätte Hanno den Widerstand der Eltern gebrochen — aber sie war ja nur ein Kind dunkler Herkunft — ein Findelkind!
DaS war es. und darum hatte er auch geglaubt, ihr Aumuten zu dürfen, feine Geliebte zu werden!
Oh. wie peinvoll demütigend war das!
„Mutter, hättest du mich doch sterben lassen!" Rach einem Halt suchend, umklammerte sie einen Baum und legte die Stirn gegen die rauhe Rinde; ein kramp'hasteS Schluchzen durchschüttelte den zarten Mädchenkörper.
Er trat zu ihr.
Mit einer heftigen Gebärde wehrte sie ihm. „Rühre mich nicht an! Rühre da- — Findelkind nicht an!“ schrie sie beinah^
Sie war ganz außer sich. Er war doch betroffen. dah fie seine innersten Gedanken erraten! Ja, daS war eS. wogegen sich sein ausgeprägtes Herrengefühl sträubte — ihre dunkle Herkunft! Seinen zukünftigen Kindern durfte er nur eine Mutter geben, deren Familie man genau kannte! Aber man wuhte nicht, welches Blut durch EbbaS Adem floh — das war die einzige Hemmung, die ihn von Ebba trennte — wäre fie daS wirkliche Kind von Lehrer Lenz gewesen, allen Widersprüchen trotzend hätte er da- holdselige Mädchen. da- er matzloS liebte, als feine Gattin in sein Hau- geführt!
Er konnte sie nicht weinen sehen — fein llebeS, kleines Mädel!
Hnwillkürlich feuchteten sich ihm die Augen. Lette strich er über ihre Oberarme.
„Ebba
Sie zitterte am ganzen Körper
.Ich bitte dich, geh, Hanno! Zuc mir die
einzige Liebe — kaffe mich allein!" stieß fie in tiefster Qual hervor.
Hnd er fühlte, dah er ihrem Wunsche folgen muhte. Alleinfein war jetzt die größte Wohltat für sie.
11.
Wie Ebba wieder nach Haufe gekommen, fie wuhte es nicht — was fic mit der Mamsell gesprochen — alleS war auS ihrem Gedächtnis ■ entschwunden! Ganz mechanisch sprach und han- delle sie. In ihr war etwas zerbrochen. Rur um den einen Punkt kreisten ihre Gedanken: Hanno!
Wie hatte sie ihn doch geliebt mit ihrer unschuldigen, vertrauenden Liebe — und er —?
Ein verzweifeltes Weinen stieg in ihr auf, dachte sie daran — als seine Geliebte hatte er fle haben wollen — da hätte ihn ihre geheimnisvolle Herkunft nicht gestört!
Oh — wie gut hatte fic in ihm lesen können? In einem Hellfühlen waren ihr feine Gedanken offenbar geworden.
Wer nahm die Schmach von chr?
Rach Dresden zu Inga konnte sie nun auch nicht mehr fahren; ein glaubwürdiger Grund zur Absage mußte gefunden werden — d r einzige wäre Kranchcit gewesen! Ihr bie.ch S, üb rwach- tes Aussehen erschreckte die Mutter.
„Gewiß hast du dich gestern erfüllet, (Sbba, haft in dem Schnee nasse Füße bekommen —"
Vtelleicht hatte die Mutter nicht fo ganz un- recht. Ihr armer Kops grübelte und sann; schlaflos lag fie die ganze Rächt in ihrem Bett
AIS sie am andern Morgen au’ftanb. fühlte fie sich sterbenselend; schwer wie Blei waren chr die 6 liebet. Tatsächlich verspürte fie HalS- schrnerzen. Sie gurgelte auf MutterS Gedeih, machte Hmsch'.äge, iroh. einen glaubhaften Vorwand für ihr verändertes Wesen zu haben; denn ihre Selbstbeherrschung war den fie bedrängenden Gedanken kaum gewachsen.
Beinahe glücklich war sie, als sich eine regelrechte Mandelentzündung entwickelte und sie mehrere Tage im Bett bleiben mutzte. Da hatte sie nun Zeit zum Rachdenken und Rachsinnen.
Eines wußte fie jetzt schon: hierbleiben würde sie nicht. Sie würde sich eine Stelle suchen, um in der Fremde zu vergessen, waS man ihr angetan! Immer konnte sie doch nicht zu Hause bleiben!
Mamsell Auguste hatte von EbbaS Hnpätzlich- feit gehört und kam nun, trotz eigener Beschwerden. nach ihrem Liebling zu sehen; grob und wortreich war ihr Bedauern; sie hatte ihr Kuchen und feines Eingemachte- mitgcbracht.
Als Frau Lenz in die Küche gegangen war, um den Kaffee, ben man in EbbaS Zimmerchen trinken wollte, zu kochen, sagte die Mamsell. daS junge Mädchen aufmerksam an blickend — „Morgen fährt nun Graf Hanno nach Dresden." (Fortsetzung folgt)


