Ausgabe 
1.9.1931
 
Einzelbild herunterladen

Eindruck, daß versucht werden wird, den Zoll­unionsplan in die Vorschläge auf eine wirtschaft­liche Einigung und Zollangleichung Europas e i n- zu gliedern, die in allen Einzelheiten in dem Plan des wirtschaftlichen Ausschusses des Europa­ausschusses behandelt werden. Praktisch wurde das eine vorläufige Z u r ü ck st e l l u n g des deutsch-österreichischen Zollunionsplans bedeuten. Der Zollunionsplan wird nach den gegenwärtigen Dispositionen amDonnerstagimRatzur Sprache kommen. Das Eintreffen des Haager Gutachtens erwartet man in Kreisen der öster­reichischen Abordnung am Dienstag. Schober be­absichtigt, am 8. September Genf zu verlassen, wird jedoch gleich nach Beginn der Vollversamm­lung in einer Rede auf die gegenwärtige Lage Oesterreichs eingehen.

Oie Finanzhilfe für Oesterreich

Genf, 3^. Aug. (ERB.) Der ehemalige öster­reichische Buiodesminister für Finanzen, Dr. Juch, wird als Mitglied der österreichischen Delegation an den Verhandlungen über den Antrag teil* nehmen, den die österreichische Regierung in der Frage einer Finanzhilfsaktion durch Vermitt­lung des Völkerbundes an den Völkerbundsrat gerichtet hat. Es handelt sich hier einmal um die K o n f o l i d i e r u n g der von England seiner­zeit gewährten kurzfristigen Vorschusse in Höhe von 4 Millionen Pfund und die Begebung der zweiten Tranche der In- vestierungsanleihe. 3n beiden Fällen er­hofft sich die österreichische Regierung von einem Gutachten des Völkerbundes eine gute Wir­kung auf die K r e d it w il li g k e i t des inter­nationalen Kapitalmarktes, die augenblicklich nicht vorhanden ist. Der Völkerbundsrat wird das österreichische Gesuch, zu dessen vorläufiger Be­handlung bekanntlich zwei Mitglieder des Volker- bundssekretariats vor einiger Zeit in Wien ge­wesen sind, dem Finanzkomitee über­weis e n, das sich noch in dieser Woche materiell mit der Frage befassen dürfte.

Oer deutschnationale Reichspapieiiag.

B e r l i n. 31. Aug. ($11.) Vom 18. bis 20. Sep­tember wird die Deutschnationale Dolkspartei ihren diesjährigen Reichsparteitag in Stettin abhalten. 3n der Hauptsache wird sich der Partei­tag mit der Frage des deutschen Ostens und mit dem Kampf umPreutzen befassen. Daneben wird er sich mit der deutschen Wirtschaftskata­strophe und ihren Auswirkungen auf Steuerzahler, Gehaltsempfänger und Beamte beschäftigen. 3m einzelnen werden sodann die Beamtenschaft, der Arbeitsausschuß deutschnationaler 3ndustrieller, der deutschnationale Lehrerbund und der deutsch­nationale Arbeiterbund in Sonderberatungen zu diesen Fragen Stellung nehmen. Reben einer Be­amten - Rotkundgebung zu Beginn des Parteitages sind auch Arbeitstagungen der Frauen, des Evang. Reichsausschusses, des Reichs­katholikenausschusses sowie der Studentenschaft und eine Führertagung des Bismarckbundes vor­gesehen. Die Hauptkundgebung findet am Sonntag, dem 20. September statt. Auf ihr wird der Parteiführer. Dr. Hugenberg, eine große Rede halten.

Eine Stahlhelmtagung in Konstanz.

Friedrichshafen. 31. Aug. Die Presse­stelle des Stahlhelms berichtet über eine in Konstanz abgehaltene Fühvertagung des Landes­verbandes Baden-Württemberg. Sie wurde ein­geleitet durch ein Frühstück mit Dr. Eckener kn Friedrichshafen. Am Abend fand in Konstanz eine Kundgebung statt, bei der der erste Dundes- führer Franz Seldte sprach Das Ziel des -Bundes sei ein wehrhafter und starker Staat, ' in dem ebenso wie auf den Bergen der Schweiz Die Freiheit wohne. 3m Anschluß an die Rede kreuzte das Luftschiff »Graf Zeppelin" über dem Konzilgebäude wo die Kundgebung stattfand um dann seine Fahrt nach Südamerika anzutreten. Es fuhrt Stahlhelmpost und einenKranz des Stahlhelms mit. den Dr. Eckener zu Ehren des Falklandgeschwaders über dem Düdatlantik abwe^en wird. 3n den programmatischen Reden führte der Bundeskanzler Major Wagner aus, der Stahlhelm sei durch seinen Kampf gegen, den Bolschewismus von Anbeginn an politisch gewesen, sein 3deal aber sei das standegegliederte durch Wehrhaftigkeit umfriedete Reich. General­direktor Dr. Lübbert forderte zur Gesundung der deutschen Wirtschaft weitgehende Selbst­versorgung. um mit den Devisen, die durch Drosselung der Einfuhr gewonnen würden, eine Bezahlung der privaten Schulden zu ermöglichen.

Oie Südamerikafahrt

-esGraf Zeppelin".

Das LuftschiffGraf Zeppelin" ging auf seinem Südamerikaflug am Montagmittag über den Kapverdischen Inseln zur Erforschung der Wärmeausstrahlung auf eine Höhe von 1000 Meter, von wo ein herrlicher Rundblick auf das Wolken« mcer war. lieber Sao Thiago auf den Kapverd/fchen Inseln wurde P o st abgemorfen. Die Funkstelle des Luftschiffbaues Zeppelin trat am Montag gegen Mitternacht wieder in direkte Funkverbindung mit dem LuftschiffGraf Zeppelin" und bekam dabei folgende Standortmeldungen: 20 Uhr: 10,15 Grad Nord, 26,50 Grad West. Wetter immer gut.Graf Zeppelin". Nach einer bei der Hamburg-Amerika- Linie eingegangenen Meldung befand sich das Luft­schiff Dienstag früh um 6 Uhr auf 3 Grad 51 Mi- nuten nördlicher Breite und 29 Grad 52 Minuten westlicher Länge.

Der Katholikentag an den Reichspräsidenten.

Der Präsident des Deutschen Katholikentages hat an den Herrn Reichspräsidenten das nachstehende Telegramm gerichtet:Biele tausende deutscher katholischer Männer und Frauen, die zur 70. Generalversammluno der Katholiken Deutsch­lands in Nürnberg versammelt sind, entbieten dem hochverehrten Herrn Reichspräsidenten ihre wärmsten Grüße und versichern ihn ihrer opfertreuen Mitarbeitin dieser schweren Zeit, (gez.): Joos, Präsident."

Der Herr Reichspräsident hat mit nach, stehendem Telegramm geantwortet:Den Teilney. mern am 70. Katholikentag in Nürnberg danke ich für das freundliche Meingedenken und das Gelöbnis opfertreuer Mitarbeit. Ich erwidere die Grüß« mit dem herzlichen Wunsch, daß Ihre Arbeiten dazu bei­tragen mögen, Zuversicht und Gvttoer- trauen in unserem Balke zu stärken und den Geist brüderlicher Eintracht und treuen Zusammenhaltens zu fördern, v. Hinden­burg, Reichspräsident."

Oie Bezüge der Kriegsbeschädigten.

Eine amtliche Darstellung über die Auswirkungen der Notverordnung.

Berlin. 28. Aug. (TU.) (Amtlich.) .Sn der letzten Zeit finden sich häufig in den Zei­tungen Aufsätze, die sich mit der Lage der KnegS- vpfer befassen. Sehr oft enthalten die einzelnen Darstellungen unrichtige und übertrie­bene Angaben und verkennen die Grunde, warum die Rotperordnung vom 5.3uni 1931 auch die Bezüge der Kriegsbeschädigten kürzen mußte, so unerwünscht der Reichsregierung eine olche Maßnahme aus sozialen und politischen Gründen auch war. Dieser Entschluß war aber nicht' zu umgehen. Der Haushalt für Ver­sorgung und Ruhegehälter oyne Zi- vilversorgung umfaßt 1,5 Milliarden RM., also einen sehr erheblichen Bruchteil des Reichs- nettohaushaltes. Wenn daher wesentliche Be­träge durch Einsparungen gedeckt werden muhten, so konnte dieser große Posten der Haus­haltsausgaben trotz aller gebotenen Rücksicht auf die Kriegsopfer nicht unangetastet blei­ben. Die Reichsregierung hat stets den Stand­punkt vertreten, daß zur Deckung der Fehl­beträge im Reichshaushalt die Reichsversorgung erst in letzter Linie, d. h. nur in Verbindung mit sehr erheblichen Einsparungen auf anderen Ge­bieten herangezogen werden dürfe. Dieser Ge­danke ist in der Rotverordnung vom 5.3uni 1931 auch zum Ausdruck gekommen. Die durch die Aenderung der Reichsversorgung erzielten Er­sparnisse betragen für das Rechnungsjahr 1931 85 Millionen RM.. während die durch die Rotverordnung bewirkten gesamten Minder­ausgaben und Mehreinnahmen sich auf rund 1260 Millionen RM. belaufen. Aus diesen Zah­len ergibt sich, daß die Reichsversorgung, für die im Haushalt 1,5 Milliarden RM. vorgesehen sind, zur Deckung des Fehlbetrages in einem Verhältnis beiträgt, das angesichts der Rotlage des Reiches wohl kaum als unangemessen be­zeichnet werden kann.

Die Verteilung der einzusparenden 85 Mil­lionen RM. wäre sehr einfach gewesen, wenn man alle Renten um einen entsprechenden Prozentsatz gekürzt hätte. Das hätte aber allzu große wirtschaftliche und soziale Härte n jur Folge gehabt. Die Rotverordnung vom 5.3unl 1931 ist daher andere Wege gegangen. Sie hat neben einer geringeren allgemeinen Kürzung, die als Ausgleich für eine all­gemeine Senkung der Löhne und der Lebens­

haltungskosten aufgefaßt werden kann, Kürzun­gen dort vorgenommen, wo der Berechtigte ent­weder weniger schonungsbedürftig ist oder nach der bisherigen Regelung im Verhältnis günstiger gestellt war als andere Berech­tigte gleicher Art. Auch konnte die Kürzung für die schonungsbedürftigen Kreise niedriggrhalten oder gar fast ganz vermieden werden. Demgemäß sind die völlig erwerbsunfähig Beschädigten fast ganz frei geblieben, und die sonsttgen Schwer­beschädigten und Hinterbliebenen geschont, da­gegen die Leichtbeschädigten durch den Wegfall der ersten Kinderzulage, die Berechtigten mit sonstigem Einkommen aus öffentlichen Mitteln durch Verschärfung der Ruhensvorschriften und die Berechtigten in den unteren Ortsklassen durch stärkere Kürzung der Ortszulagen besonders her­angezogen worden. Zu berücksichtigen ist hierbei, daß die erhebliche Erhöhung der Renten im 3ahre 1927 besonders den LeiHtbefchädigten und den Berechtigten in den unteren Ortsklassen zu­gute gekommen war. Daß die notwendigen Kür­zungen Härten mit sich brachten und bringen muhten, steht außer Zweifel. Inwieweit eine Milderung möglich ist. wird geprüft. Die Finanz­lage des Reichs macht es aber unmöglich, von einein Eingriff in die Versorgung überhaupt ab- zusehen, wenn diese in ihren wesentlichen Grund­lagen aufrechterhalten werden soll."

Der Bundesvorstand deS Reichs­bundes der Kriegsbeschädigten ist er­neut mit dem Reichsarbeitsministerium in . Ver­bindung getreten zwecks Aufhebung eines Sperrerlasses vom April d.3., der die Kannleistungen der Reichsversorgung fast illu­sorisch macht. Es steht zu hoffen, daß durch die Vorsprache des Reichsbundes in allernächster Zeit wieder Waisenrenten und Kinder­zulagen an Schwerbeschädigte dann gezahlt werden dürfen, wenn die Dersorgungsberechtig- ten bei Vollendung des 18. Lebensjahres die Berufsausbildung noch nicht be­endet haben und ein dringendes Bedürfnis für die Weiterzahlung vorliegt. Es wird voraus­sichtlich auch wieder möglich werden. Er- ziehunasbeihilfen, wenn auch im ge­ringeren Ausmaße als bisher, zahlbar zu machen, ebenso Elternbeihilfen.

Das Erwachen Arabiens.

Ein Volk taucht wieder auf. - Oie Beduinen.

Von unserem 6. Q.-Derichterstatter.

(Rachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!) 3 e r u s a l e m, August 1931.

Seit einigen 3ahren beginnt sich aus dem Dunkel nur in großen Umrissen ausgezeichneter Historie ein Volk neuerlich in die Weltgeschichte vorzuschieben, aus dessen Schoß schon einmal eine Bewegung aufgebrochen ist, welche die halbe Welt umfaßte. Die Beduinen der arabischen Halb­insel, dieses für den Europäer mit Romantik um­gebene Hirtenvolk, beginnt aus dem Mittelalter, mit dem es sich in den Einöden der bis vor kurzem unzugänglichen Wüsten Arabiens umgeben hatte, in das helle Tageslicht dieser unserer Zeit emporzusteigen.

Als England durch seinen genialen Abenteurer, den Oberst Lawrence, einen Großteil der Stämme, die dem Scherif von Mekka Gefolgschaft leisteten, in den Weltkrieg einzubeziehen wußte, war diesem Reitervolk kaum noch eine wesentliche Rolle für die Zeit nach dem Krieg zugedacht. Als dann aber 3 b n Saud, der größte Führer des gegenwärtigen 3slam, wie ein Fanal am östlichen Himmel aufging, war die Stunde des Erwachens für die Wüste gekommen, jenes einzig­artigen Erwachens in einer Zeit, die Religion, Puritanismus und ähnliche geistig-seelische An­triebe als politische Faktoren längst nicht mehr kannte. 3bn Saud, der die Heiligen Stätten des 3slam mit seinen Beduinen eroberte, warf mit dieser Tat ein außerhalb ernsthafter politischer Kalkulation stehendes Volk in die politische Arena, in der England und Frankreich und viel­leicht auch Rußland und 3talien agieren. Die jahrhundertalten Raubkriege der Stämme unter­einander wurden plötzlich zu Tatsachen, die fall­weise, immer häufiger, aus einer rein lokalen Sphäre in das 3nteressengebiet der Großmächte der Welt gerückt wurden. Bedienten sich diese auch gelegentlich früher der Stämme, so hatte es stets nichts anderem gegolten, als dem Zweck, der kranken Türkei an einer schwachen Stelle neue Schwierigkeiten zu bereiten. Run aber, da plötz­lich in Arabien ein Rationalismus er­wacht, die leisen Anzeichen efner sozialen Frage sich bemerkbar machen und vor allem Arabien zu einem Lebensraum von größter Wichtigkeit wurde für die Besitzer 3ndiens und für die 3nteressenten an den Oelbrunnen von Mossul in diesem Augenblick hebt ein neues Kapitel der Geschichte Arabiens an.

Die Beduinen, bestehend aus so und so vielen Stämmen, die eigentlich mehr Völker als Stämme sind, drängen aus Gesehen der Selbsterhaltung, aus ökonomischen Dewegungsgesetzen. allmählich in Gebiete, die ihnen ihr außerordentlich ärm­liches und beschwerliches Leben erleichtern können. Die Bewegung nach demRorden ist ur­alt. Ebenso uralt sind die aus dieser Dewegungs- tendenz sich ergebenden Kämpfe um die Weide­plätze. Run aber, da zwei europäische Mächte am nördlichen Teil Arabiens außerordentlich inter­essiert sind, wird die Beduinenfrage zu einem Pro­blem von bedeutender Wichtigkeit, das, besonders durch das Projekt einer Trans wüstenbahn, tagtäglich an Aktualität gewinnt und dem seiner­zeitigen Indianerproblem Amerikas nicht unähn­lich ist. Die zu allem entschlossenen, stets kriegs­bereiten, durch die europäischen Mächte in weit­gehender Weise mit modernsten Waffen ausgerü­steten Stämme sind eine Gefahr für die künf­tige Dahn und ebenso stete Gefahr für die be­siedelten Bezirke am Rand der Wüste. Diese Ge­fahr muß gebannt werden. Din Krieg aber in den wasserlosen, unermeßlichen Gebieten der Wüste, den keine Regierung der Welt ihren Steuer­zahlern populär machen könnte, kommt nicht in Frage. Also muß die Diplomatie, wieder in den Vordergrund geschoben werden. Von der diplo- malifchen Einkreisung über das alte Spiel, die

Fürsten gegeneinander auszuspielen, bis zum An­kauf ganzer Stämme müssen alle unblutigen Hilfsmittel, die man unter der Bezeichnung »Kalter Krieg" zusammenfafsen kann, eingesetzt werden, um vor allem die Starnrnesfehden in der Rähe Syriens und Palästinas auszugleichen. So häufen sich in der allerletzten Zeit die Verhandlungen und Kon­ferenzen zwischen Regierungen und Stammeschefs, wobei ein Handinhandarbeiten Frankreichs und Englands immer klarer wird (und auch notwendiger, da die Anzeichen vom Auftreten bolschewistischer Agenten unter den Beduinen sich gleichfalls häufen); eine englisch.beduinische Wüstenpolizei unter der Führung eines neuen Colonel Lawrence macht sich bemerkbar und der diplomatische Druck auf die beiden alten Widersacher, QLb du bl ah vonTrans- jordanien undIbnSaud, den Wahhabiten, ver­dichtet sich derart, daß die beiden am gleichen Tage ein Manifest an ihre Beduinen erlassen, das alle Arten von Grenzüberfällen verbietet.

Die neue beduinische Bewegung ist nicht allein ein Kampf um die Weideplätze, ist nicht allein das sichtbare Zeichen des Streites arabischer Fürsten um die Hegemonie und nicht allein der Kampf der Primittven gegen die sich vorarbei­tende Zivilisatton des Westens. Sie ist mehr: sie ist der teils bewußte, teils unbewußte Ausdruck einer völligen Umwandlung der Lebens- g e f e tj e, vielleicht auch des Lebensstils eines Volkes, das angesichts von Fliegern und Dy­namomaschinen noch in patriarchalisch-feudaler Lebensweise existiert. Und sie ist mehr: sie ist der Beginn einer religiösen Erneuerung eines Weltteils, die über kurz oder lang sich im Zu­sammenstoß zwischen dem Puritanismus der wah­habitischen Beduinen des Erneuerers Ibn Saud mit dem offiziellen Islam manifestieren wird. Schon aus diesem Grunde ist das, was in Ara­bien geschieht, von größtem Interesse für eine Welt, die fern und abseits von Religion, im Zeichen des Gegensatzes von Kapitalismus und Antikapitalismus, auch Arabien in ihren Wirt­schaftskreis einbeziehen muh, weil es in dieser Welt keine unbekannten Inseln mehr geben kann. Es ist schwer zu sagen, welche Gestalt ein Arabien der Zukunft aufweisen wird, aber es ist klar, daß das Schicksal der Indianer Amerikas sich im Schicksal der Beduinen nicht wird wieder­holen können. Die Zeiten haben sich feit dem Bau der Pazifikbahn der Buffalo Bills geändert, Und hinter den Rittern der Wüste zwischen Koweit am Persischen Golf und dem Roten SKeer steht nicht nur eine religiöse Idee, sondern auch der beginnende Rationalismus des ganzen ara­bischen Volkes. Dieser Rattonalismus ist Soli­darität einer Jugend, die instinktiv (soweit sie nicht beriet)antiniert ist) in König Ibn Saud nicht allein den heroischen Beduinen­führer sieht, sondern auch den Erneuerer Arabiens. Es scheint, als würde diese Er­neuerung trotz Petroleum und Dagdadbahn in eine Richtung gehen, die nicht die Be­wegungsrichtung des Westens ist.

Aus aller Well.

Belm Fallschirmabsprung getötet.

In Gegenwart von 6000 Zuschauern verun­glückte bei einem Fallschirmabsprung in Gre - naa (Jütland) die einst unter dem Rainen Mille bekannte Filmschauspielerin Amalie Sannom. Sie war mit dem bekannten dänischen Flieger Clauson Kaas aufgestiegen und sprang aus 600 Meter Höhe ab. Zum Entsetzen des Publikums öffnete sich der Fallschirm nicht. Der Körper wurde völlig zerschmettert aufgefunden. Mille war in den Jahren 19131916 in der Zilmwelt Europas belaimt als Mitglied d«

dänischen Filmgesellschaft Danmark. 3n der 3n- flationszeit machte sie in Deutschland verschiedene Vorführungen, auch Absprünge mit dem Fall­schirm, wobei sie einmal in Deutschland vom Wind abgetrieben und in einen See geworfen wurde.

Kommunistenausschreitungen gegen einen Geistlichen.

Als sich in Erden an der Mosel der Dekan am Montag zur Kirche begab um Deichte zu hören, versuchten ihn auswärtige Kommunisten an der Ausübung seines Amtes zu hindern. Mit Heil-Moskau"-Rufen drangen sie in die Kirche ein und gingen tätlich gegen den Prie­ster vor. Als die Kommunisten die Kirche ver­ließen, wurden sie von verschiedenen Einwohnern in Empfang genommen und verprügelt. Die Polizei verhaftete die Ruhestörer.

Ein Zugschaffner tödlich verunglückt.

Diesseits der Haltestelle Mannheim- Rangier- bahnhof wurde der 53 Jahre alte Oberzugschaffner Ries auf dem Bahnkörper tot aufgefunden. Der Beamte hatte den kurz vorher die Stelle passie­renden Personenzug Heidelberg-Mannheim begleitet. Es muß angenommen werden, daß der Schaffner während der Fahrt von einem Wcfgen zum andern über ft eigen wollte und dabei a b ft ü r 31 e. Der Tod muß auf der Stelle eingetreten jein.

Schrecklicher Tod in den Bergen.

Ein schreckliches Ende im Hochgebirge sand ein lbjähriger Schüler des Polytechnikums in Bor­deaux. Der junge Mann wollte allein die Be­steigung einer als äußerst schwierig bekannten Bergspihe in den Pyrenäen unternehmen. Kurz vor dem Gipfel stürzte er ab und geriet 200 Meter tiefer zwischen zwei Fels­blöcke, zwischen denen er mit zerschmetterten Gliedern hilflos liegen blieb. Erst nach fünf Tagen entdeckte ihn eine Rettungsmannschaft in der abgelegenen Schlucht. Trotz aller Be­mühungen gelang es nicht, den Abgestürzten, der bei der Auffindung noch atmete, am Leben zu erhalten.

Belm Edelweißpflücken verunglückt.

Beim Edelweißsuchen auf den Hängen des Horn- taler Joches beiLüsenzimSellrain stürzte der 26 Jahre alte in Innsbruck bedienstete Schmied Hubert R a i n e r aus St. Beit an der Glan hundert Meter tief ab. Er war sofort tot.

Die Ueberschwemmungen am Hanglsefluß.

Reuter meldet, daß der Vangtse in der Provinz Kiangsu den größten Teil der chinesischen Daumwollkulturenüberflutet hat.Die Regierung entsandte Flugzeuge in die Heber« schwemmungsgebiete, die feststellten, daß rund 3600 Quadratmeilen Land unter Wasser stehen. Das heimgesuchie Gebiet hat die Form eines Dreiecks, dessen Basis im Norden der Vangtsefluh in einer Länge von 120 Meilen bildet, die beiden Schenkel sind 32 und 34 Meilen lang. Der Katastrophe sind lediglich die am großen Ka­nal gelegenen Städte, die mit Dämmen geschützt sind, entgangen. Die offiziellen chinesischen Schät­zungen geben die Zahl der Toten bereits mit 200 000 bis 300 000 an.

Oie Wetterlage.

Ing0

\1O

:kh

\16

Ul

Ciermonl & 3L.Ö1 ZYb\

T _

'56 ~7W\'

Pans 'rrankt 15

O yy» 14

Montag, -

den Ä August igiit fguh*

qWolkenlos.® neuer, onaro gedeckt. »wolkig,oedeexx «Regoi * Schnee Graupeln e Neoei "K Gewitter.® Windstille «O» 5d» tekhter Ost. massiger "Südsüdwest Q stürmischer nordwest Ole Pfeile fliegen mit dem winde Oie oeioen Stationen stehenden Zah­len geben die Temperatur an. Die Urnen veromden Orte mit gleiche® auf neeresniveau umgereermeten Luftdruck

Wettervoraussage.

Tie Wetterlage geht allmählich wieder einer Verschlechterung entgegen. Tie flach zur Zeit über Deutschland liegende Störung verursacht bereits vereinzelte Riederschläge und dunstiges, meist trübes Wetter. Wieder hat sich ein neues Tief bis nach den britischen Inseln vorgeschoben. Luft­druckfall sowie Zurückdrehen der Winde auf Süden zu und Riederschläge, welche Über den Kanal bis zur Küste Frankreichs vorgreifen, charakterisieren dort die Wetterlage. Wohl wird zunächst die kühle Luft an der Rückseite der jetzigen Störung bei uns noch zu wechselnd wolkigem Wetter mit Aufheiterung führen. Doch werden sich im Lause des morgigen Tages dieselben Witterungserschei­nungen wie über den britischen Inseln bemerkbar machen, d. h., es erfolgt Bewölkungszunahme, Temperaturenanstieg und später setzen auch Rie- derschläge ein.

Vorhersage für Mittwoch. Anfänglich bewölkt mit Aufheiterung, dann stärkere Eintrü­bung, wärmer und einsetzende Riederschläge.

Vorhersage fürDonnerstag. Regne­risch und wechselnd wolkig, Temperaturen vorerst wenig verändert.

Lufttemperaturen am 31. August: mittags 21,4 Grad Celsius, am 31. August: abends 16,3 Grad: am 1. September: morgens 15,3 Grad. Maximum 21,6 Grad, Minimum 14,1 Grad. Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 31. August: abends 19,8 Grad; am 1. September: morgens 16,4 Grad Celsius. Son* nenscyetndauer zwei Stunden.

-----------* \