ponenten des nationalen Ak11vis - mus fühlen, denen da- Getragenwerden von einer so eingestellten öffentlichen Meinung eine stete und selbstverständliche politische Kraftquelle ist. , ,
Wir wollen hier nicht untersuchen, was im Einzelfalle Recht und was Unrecht bei dieser Sinnesart ist. die sich so weit steigern kann, daß z. D. der amerikanische Präsident Toolidge einmal sagen konnte, wenn seine persönliche Ueberzeugung im Widerspruch mit der öffentlichen Meinung des Landes stünbe, so halte er eS für seine moralische Pflicht, nicht sich selbst zu folgen, sondern der öffentlichen Meinung. Wo aber ein solches Prinzip als politische Sittlichkeit gilt, da ist es ein Faktor von gewaltigem Einfluß auf die Entscheidungen der Staatsführer, und dieser andauernde, fordernde, drängende, geschlossene Aktivismus in der öffentlichen Meinung so vieler Völker, der bald als eine Erprobung ihres Selbstgefühls, bald als der Wille zur Durchsetzung realer Interessen, bald als Erweis ihres Charakters und ihrer Sinnesart erscheint — er ist es, der von unsrer Seite das ernsthafteste Studium verdient.
Ie mehr jemand von der Welt außerhalb Deutschlands kennengelcrnt hat, desto einleuchtender muß ihm ein Vorwurf erscheinen, wie Dibelius ihn erhebt. Jene ..Auslandkunde", die der alle Homer beim Dulder Odysseus in die klassischen Worte faßt: „Vieler Menschen Wohnsitze hat er besucht und ihren Sinn ergründet" — sie ist bei uns zu wenig gepflegt worden. Schon lange vor dem Kriege habe ich für meinen Teil es für einen der wichtigsten Bestandteile deutscher politischer Bildung gehalten, die bewegenden Kräfte in der öffentlichen Meinung des Auslandes. so wie sich dies eigentümliche Organ, vielfach abweichend von dem, was bei uns öffentliche Meinung ist, entwickelt hat, zu erkennen und die daraus kommenden politischen Wirkungen abzuschätzen. Wenn auch dcr einzelne nicht viel dazu tun kann, ein besseres Wissen über diese Dinge zu verbreiten, so soll er doch tun, was er kann, und wenn er auf seinem Lebensweg so geführt worden ist. daß seine Beobachtung in der Fremde sich geschärft hat. so mag er es doppeft als Pflicht empfinden, wenigstens zu sagen, wovon er glaubt, daß es seinem Volk nützen kann. Deshalb habe ich mich noch einmal auf eine Reise gemacht, die mich über Amerika nach Ostasien und Indien und von dort über die europäischen Mandatsgebiete im Orient nach Hause führen soll, nach dem Rat des alten Persers Firdusi: Geh durch die Welt und sprich mit jedem — dem ich hinzufügen: und berichte den Deinen, was ihnen zu hören nützen mag!
Daten für Samstag. 1. August.
Sonnenaufgang 4.48 Uhr, Sonnenuntergang 20.13 Uhr. — Mondaufgang 21.38 llljr, Monduntergang 7.34 Hfjr.
1798: Der englische Admiral Relson vernichtet die französische Flotte bei Abukir; — 1914: Mobilmachung Deutschlands und Frankreichs. — Kriegserklärung Deutschlands an Rußland.
Spielyran der Frankfurter Theater.
Opernhaus. Von Sonntag, 2. August, bis Sonntag, 9. August, täglich von 20 bis gegen 23 Uhr: Der Soldat der Marie. Operette in drei Akten von Leo Ascher. Gastspiel der Berliner Rotterbühnen.
Schauspielhaus. Sonntag, 2. August, 20.15 bis gegen 23 Uhr: Meine Schwester und ich. — Von Montag, 3. August, bis einschl. Donnerstag, 13. August, bleibt das Schauspielhaus geschlossen.
Aus dem Amtsverkündigungsblatt.
i * Das Amtsverkündigungsblatt Rr 53 vom 28. Iuli enthält: Die Erhebung von 'Deckgeld für Bedecken'der Stuten. — Die Erhebung einer Biersteuer.
Eva am Strand
Vornan von Hermann Weick.
24. Fortsetzung. Nachdruck verboten.
Wortlos wandte Elsbeth Iason sich ab. Sie trat zum Fenster und sah hinaus. Dann kleidete sie sich an: Iason bemerkte, dah ihre Hände dabei zitterten.
„Komm!" sagte sie, als sie ihren Anzug beendet hatte.
„Wohin?"
„Wir können doch nicht untätig hier sitzen!" erwiderte sie ungekwldig. „Wir müssen etwas unternehmen!"
Dor dem Hotel blieb sie unschlüssig stehen.
„Wenn wir nur ungefähr wüßten, wohin Lotte gegangen ist! Weit kann sie ja noch nicht gekommen fein!“
„Wir wollen einmal am Strand entlanggehen ..."
„Warum gerade am Strand?“ unterbrach sie ihn bestürzt.
„Irgendwo müssen wir zu suchen anfangen. Wenn wir da keine Spur von ihr finden, suchen wir im Ort selbst: vielleicht hat jemand sie gesehen."
Zwei Stunden lang waren sie unterwegs: kreuz und quer gingen sie. Auf Elsbeths Vorschlag suchten sie auch die Landungsstellen der Dampfer und Segelboote auf; nirgends wußte man etwas von Lotte.
„Ietzt weih ich mir keinen Rat mehr!" sagte Fritz Iason dumpf.
Elsbeth Iason, die in bedrücktem Schweigen neben ihm hergegangen war, fuhr herum:
„Vielleicht kann Herr Bertram uns Auskunft geben! Vielleicht weih er NäheresI"
Iason gebärdete sich hoffnungsvoll.
„Dah ich nicht selbst schon auf diesen Gedanken gekommen bin! Ganz sicher hat Lotte ihn von ihrem Vorhaben unterrichtet!"
„Viehlleicht steckt er mit ihr unter einer Decke!" entfuhr es Frau Iason in neu aufrauschender Abneigung gegen den Schauspieler. „Du wirst sehen, dah er sich mit ihr von hier entfernt hat!"
Eilig legten sie den Weg zum Hotel zurück. Von der Straße aus erblickten sie in der Halle Paul Bertram, der in einem Klubsessel sah und Zeitungen las.
„Dort ist er!“ sprach Iason. „Er ist anscheinend ganz ahnungslos! Warte hier draußen, Elsbeth: sobald ich mit ihm gesprochen habe, komme ich und berichte dir."
„Meinst du, ich brächte e- fertig, hier zu warten? Ich gehe mit hinein."
„Wenn es dir aber peinlich ist, Elsbeth ..."
Hauö-esih und Lastenverteilung.
Von einem Gießener Hausbesitzer erhalten wir die nachstehende beachtenswerte Zuschrift.
D. Red.
In den Augen der Nichthausbesitzer, insbesondere mancher Mieter und der heutigen Regierungen, gilt der Hausbesitzer immer noch als der wohlhabende Mann, den man immer noch schröpfen kann. Man hat längst vergessen, daß schon vor Dem Kriege die Bauunternehmer als Eigentümer von Miethäusern in einer sehr schwierigen Situation waren; es wurde schon damals an Hand eines umfangreichen Gießener Bauunternehmerhausbesitzes nachgewiesen, daß eine Verzinsung des Eigenkapitals nicht ftattfanb, der Besitzer vielmehr froh sein mußte, wenn er nicht immer tiefer in Schulden hineingeriet. Nur einzelne Objekte standen etwas günstiger da. Immer aber wohnte man im eigenen Hause, alles in allem betrachtet, viel teurer als irgendein Mieter. Man ließ sich die Annehmlichkeit Herr im Hause zu fein, nicht umziehen zu müssen, und das Gefühl des eigenen Besitzes schon etwas kosten.
Heute find wir nun glücklich dahin gekommen, daß das Eigenkapital im Hausbefitz vollkommen hinweg- gesteuert ist. Es bleibt davon nichts mehr übrig, auch nicht im günstigen Falle. Es mag dies hier an einem besseren Mietwohngrundstück gezeigt werden, das nur mit einer ersten Hypothek in Friedenszeiten belastet war, und von dem Eigentümer stets gut instandgehalten werden konnte, wobei er freilich darauf verzichten muhte, fein eigenes Kapital auch
nur annähernd normal zu verzinsen. Das Anwesen, um das es sich hier handelt, hat den Eigentümer
per 1. Juli 1914 gekostet ... 142 500,— Mk. Darauf hatte er eine erste Hypo.
thek im Betrage von .... 50000,— „
Blieb ein Eigenkapital von . . 92 500,— Mk.
Der Steuerwert des Anwesens war veranschlagt mit insgesamt 110 000,— Mk. An diesem Steuerwert hält die Behörde bekanntlich heute noch als Grund- läge für Abgaben und Steuern fest, obwohl die Einheitswerte längst herabgesetzt sind. Die erste Hypo- thek des Anwesens ist infolge der Aufwertungsgesetzgebung nach vorübergehender Rückzahlung mit 12 025 RM. aufgewertet. Brandkassenwert 91 300,— Reichsmark.
Der Besitzer dieses Anwesens hat Mietausfälle bisher nicht gehabt. Die Wohnungen waren stets besetzt, und die Mieten sind stets regelmäßig ein- gegangen. Es handelt sich also auch insofern um ein Anwesen, das keine besonderen Schäden und Verluste gebracht hat, zumal es noch vor dem Kriege sehr gründlich und umfangreich instandgesetzt worden war.
Es ist nun sehr lehrreich, zu vergleichen, wie sich die Wirtschaftsrechnung für dieses Haus früher tim Wirtschaftsjahr 1914 auf 15) und jetzt zueinander verhält. Ich gebe daher hierunter die Vergleichszahlen unter Zugrundelegung der neuesten Steuer- sätze:
Gegen ft andswert:
Gesamt-Iahresmieteinnahme
Steigerung der Miete gegen
Prozentsatz im Verhältnis zum Hauswert, wobei der Haus- wert angenommen wird.............
(Es wird also dem Gestehungswert ein heutiger Wert ent- gegengesetzt nach Abzug der durch die Aufwertung ein» getretenen Hypothekentlastung.)
Prozentsatz der Mieteinnahmen...........
Es stehen gegenüber an Ausgaben:
(Die Prozentsätze hinter den Zahlen geben den Prozentsatz im Verhältnis zur Friedensmiete an.)
1. Hypothekzinsen
2. Steuern und Abgaben
3. Instandhaltungskosten
4. Allgemeine Unkosten (Wassergeld, Schornsteinfeger, Versicherungen, Hausbeleuchtung und dergleichen) . . . .
5. Abschreibungen (Amortisationen), gerechnet zu 1 ’/o des Brandversicherungswertes, der 91 300,— Mark beträgt .
6. Verwaltungskosten..............
Gesamtsumme
Saldo
Verzinsung des Eigenkapitals hiernach
1914/15
6800,—
100 °/o
142500,—
1931/32
8296,—
122 ’/o
104525,—
4,8"/°
7,94"/o
4642,— Mk. 8399,— RM.
:+2168,— (31,8°/°) — 103,— RM.
2,35 % nichts
2125,— 476,—
680,—
(31,24 °/°) (7°/o) (10 °/o)
686,— 4172,— 1700,—
(9 °/°) (61,4°/°) (25 °/°)
244,—
(3,6’/o)
588,—
(8,5 °/°)
913,—
(13,46 °/°)
913,—
(13,46 °/°)
204,—
(3 °/°)
340,—
(5’/o)
Es fei ausdrücklich bemerkt, daß unter vorstehenden steuerlichen Belastungen keine umlagefähigen (Müllabfuhr usw) und keinerlei Gewerbesteuer enthalten sind. Bei Häusern, die gewerblich benutzt werden, ist die Belastung noch viel höher. Die letzten Steuererhöhungen für Grundsteuer und Sondersteuer von bebautem Grundbesitz ergeben eine Mehrbelastung
von 877,26 RM.
denen eine Mieterhöhung gegen-
übersteht von 136,— „
Bleiben also am Hausbesitzer hängen 741,26 RM. Mehrlast gegenüber dem vergangenen Steuerjahr. Für die Zukunft steht aus Wassergeld und Hypothekzinserhöhung eine weitere Mehrbelastung von zusammen rund 300,— RM. bevor, die in vorstehen, den Zahlen noch nicht berücksichtigt ist.
Daß alle vor der Inflationszeit dis zum 1. Januar 1924 gemachten Rücklagen aus Abschreibungen und Instandhaltung restlos verbraucht bzw. entwertet waren, bedarf keiner besonderen Nachweisung. Seit dem 1. Januar 1924 konnten aus Abschreibungen und Instandhaltungskosten wieder einige Rücklagen gemacht werden.
Eine größere allgemeine Hausreparatur insbesondere Dachreparatur würde aber die aus den Abschreibungen und dengroßenInftandhaltungskostenzurDer. fügung stehenden Beträge schon überschreiten. Uebri- gen? mar es bereits notwendig, für die großen In- ftandhaltungskosten aus den Abschreibungen einen größeren Betrag in Anspruch zu nehmen. Für die Instandhaltung Der einzelnen Wohnguartiere stehen nur Beträge zur Verfügung, die für das einzelne Duartier nicht hinreichen würden, bei einem Mietwechsel die Instandsetzung zu bestreiten. Etwaige Mietausfälle verschlingen aber schnell alle Rücklagen.
Das vorstehende Beispiel zeigt restlos, wie unmöglich die heutige Lage des Hausbesitzes geworden ist. Dabei ist dies hier an einem Falle aufgezeigt, der noch besonders günstig genannt werden darf. Don einer Verzinsung des Eigenkapitals ist trotzdem schon keine Rede mehr. Der Hausbesitzer legt noch regelmäßig darauf, er hat also nicht nur, wirtschaftlich betrachtet sein Eigenkapital gänzlich eingebüßt, während es sonst doch noch zu 25 v. H. erhalten blieb, er zahlt noch zu. So ist der Hausbesitzer heute im wesentlichen Steuererheber für den Fiskus geworden. Seine eingebildete Kapitalkraft besteht nur noch in
Sie gab keine Antwort und ging Iafon voraus in die Halle. Bei ihrem Erscheinen erhob sich Bertram. Sichtlich überrascht sah er die beiden an. die ihre Aufgeregtheit nicht verbergen konnten.
„Etwas Furchtbares ist geschehen, Herr Bertram! Lotte ist seit heute früh verschwunden! Wir wissen nicht wohin!"
„Sie scherzen, Herr Iason!"
„Es ist, wie ich sagte. Lotte hat einen Abschiedsbrief hinterlassen, der Schlimmes befürchten läßt!"
Maßlose Erregung zeigte sich auf BertramS Schauspielergesicht.
„Das ist ja nicht möglich!" stammelte er.
„Seit zwei Stunden sind wir schon unterwegs: überall haben wir nach Lotte gesucht, uns überall nach ihr erkundigt. Sie ist wie vom Erdboden verschwunden!"
Bertram schien seine Fassung wiedererlangt zu haben.
„Man muh mit allen Mitteln nach Lotte recherchieren. Keine Minute darf verloren werden! Vor allem müssen wir sofort die Behörden mobil machen!"
.Damit möchte ich noch etwas warten", erwiderte Iason. „Vielleicht hat Lotte sich nur in einer vorübergehenden nervösen Ueberreizung von hier entfernt, vielleicht kommt sie jeden Augenblick zurück: bedenken Sie den Skandal, wenn erst die Behörde ihre Hände in der Sache hat!"
Bertram zeigte sich über Iasons Worte sehr aufgebracht.
„Ich verstehe Sie nicht,' Herr Iason! Wie können Sie von Skandal sprechen, wo das Leben Lottes auf dem Spiele steht! Bedenken Sie. wenn ihr etwas zugestoßen wäre oder in diesem Augenblick zustoßen würde!"
Elsbeth Iafon zuckte zusammen. Ihr Mann sagte beschwichtigend:
„So schwarz braucht man doch nicht gleich zu sehen. Herr Bertram!"
„Für mich steht das Glück meines Lebens auf dem Spiel! Sie wissen, wie sehr ich Lotte liebe! Und da sollte ich nicht das Letzte für sie tun?“ Er wandte sich an Elsbeth Iason: „Sagen Sie selbst, gnädige Frau, würden Sie an meiner Stelle nicht ebenso handeln?"
Eine verfänglichere Frage hätte Bertram nicht stellen können. Cs durchfuhr Elsbeth Iason, daß, wenn dieser Schauspieler nicht gewesen wäre. Lotte auch keinen Grund zu ihrer Flucht gehabt hätte, daß er also schuld an all diesen Aufregungen sei: dennoch antwortete sie in hastiger Zustimmung:
„Allerdings, ich würde ebenso handeln ...“
„Trotzdem möchte ich Sie bitten, Herr Bertram", ließ Iason sich wieder vernehmen, „mit der Zuhilfenahme der Behörden wenigstens solange zu
warten, bis wir noch weitere Versuche, Lotte aufzufinden, unternommen haben!"
Berttam zögerte: dann antwortete er widerstrebend:
„Ich will natürlich nicht gegen Ihren Willen handeln. Wenn wir aber nicht bald Gewißheit über Lottes Schicksal bekommen, so werde ich auf eigene Faust vorgehen! Iedenfalls werde ich mich unverzüglich selbst auf die Suche nach Lotte begeben!"
„Ich wäre Ihnen dankbar, Herr Bertram", sprach Elsbeth Iason leise.
Der Kellner brachte ihnen das Frühstück auf ihr Zimmer. Während Iason, ttoh feiner zur Schau getragenen Verzweiflung kräftig ah, rührte Elsbeth Iafon kaum die Speisen an.
„Bertram war ja wie von Sinnen!“ sagte Iason, während er sich ein neues Brötchen zurecht machte. „Wenn du jetzt noch daran zweifelst, daß er Lotte wirllich sehr gerne hat, dann kannst du mir leid tun!“
Ein Verdacht schien in Frau Iason auszu- blihen. Sie warf ihrem Gatten einen durchdringenden Blick zu.
„Wenn das ganze nur ein Schreckschuß wäre? Wenn Lotte zu diesem Mittel gegriffen hätte, um mich ihren Wünschen gefügig zu machen?"
Iafon erstarrte. Er kam sich durchschaut vor. 2m ersten Augenblick fand er keine Antwort- Dann polterte er los:
„Wenn du das glaubst, warum jagst du mich dann stundenlang draußen umher? Dann können wir ja hier in aller Gemütsruhe abwarten, bis Lotte zurückkommt! Wenn sie aber nicht zu- rückkommt, dann verschone mich gefälligst mit Vorwürfen!"
Frau Iason sank in sich zusammen.
„Verzeih. Fritz! Es war ein törichter Gedanke. ich weiß es ...“
Iafon ging im Zimmer hin und her. Die Gefahr, die er soeben noch gefürchtet hatte, war abgeschlagen: nun kam er sich wieder sehr sicher und überlegen vor. Er griff nach Lottes Ab- schiedsbrief. der auf dem Tisch lag, und las ihn nochmals halblaut.
ein Leben nicht ertrage ... gehe ich von euch", wiederholte er nachdenklich. Plötzlich fuhr er herum.
„Klingt das nicht, als ob Lotte mit dem Gedanken umgegangen sei. sich ein Leid anzutun?"
„Fritz!" schrie Elsbeth Iason entsetzt.
Drohend blieb Iason vor ihr stehen.
„Wenn so etwas geschehen würde, trügest d u die Schuld! Du hättest Lotte auf dem Gewissen! Warum hast du dich Lottes Wünschen kaltherzig entgegengestellt, warum hast du dem Kind das Glück, nach dem es sich gesehnt hat, verwehrt!“
Immer mehr steigerte sich Iafon in Wut hinein. Er vergaß ganz, dah die Dinge, um die es hier ging, sich ganz anders verhielten, als eS
der Phantasie mancher Mieter und der heutigen Regierungen. Die Mieter aber mögen bedenken daß von den 122 v. H. Friedensmiete über die Hälfte auf Steuern und Abgaben entfallen, nämlich 61,4 v. Sy, sowie daß alle sonstigen Unkosten sich fast verdoppelt haben, so z. B. das Wassergeld von 15 Pf. je Kubikmeter auf 30 Pf. Wie ungerecht die Sondersteuer vom bebauten Grundbesitz aber ist, die als Ausgleich für die 75prozentige Hypothekenentschuldung gedacht war, beleuchtet die Tatsachedaß der Hausbesitzer jahrelang so gut wie keine Miete erhielt, der Mieter vielmehr geradezu umsonst wohnte. Weiter möge der Mieter bedenken, daß die Mehrzahl der Hausbesitzer im Haus die letzte Substanz hat, von der sie leben muß. Das ist aber solchen Hausbesitzern nur möglich, wenn sie von Rücklagen und Abschreibungen gänzlich absehen und auch die lausenden Aus. gaben für Instandhaltung aufs äußerste beschränken. Der Verfall zahlreicher Häuser zeugt von dieser Not- läge. Daß es auch so verständige Mieter gibt, die selbst für Instandhaltung sorgen, oder beim Woh- nungswechsek einsehen, daß sie sich die Wohnung selbst instandsetzen müssen, soll nicht verkannt werden. Wohin der Weg der bisherigen Lastenverteilung, insbesondere auf steuerlichem Gebiete führt, zeigen jedem Einsichtigen die heutigen Verhältnisse.
Oberheffen.
Kreis Friedberg.
WSN. Bad-Nauheim, 31.Juli. Der Kur- direktor Bruno v. Boehmer wird am 1.September d. I. wegen Erreichung der Altersgrenze in den Ruhestand treten.
Kreis Büdingen.
V Merkenfritz, 31. Iuli. Ein Wanderbursche, der sich auf der Durchreise befand, entwendete in einer hiesigen Hofreite einen kleinen Geldbetrag. Der Dieb konnte festgenommen werden. Bei seiner Llebrrführung in das Amtsgerichtsgefängnis versuchte der Verhaftete zu entfliehen, er konnte jedoch mit Hilfe von Erntearbeitern erneut festgenommen werden.
Kreis Schotten.
* Spotten, 1. Aug. Der Schotiener Sommer- markt findet am Montag, 10., und am Mittwoch, 13. August, in althergebrachter Form statt. Für den Montag ist der Pferde-, Bullen-, Rinder- und Krämermarkt und für den Mittwoch der Rindvieh-, Schweine-, Ziegen- und Krämermarkt sowie das Volksfest vorgesehen. Am Dienstag, 11. August, findet kein Markt statt, da der Tag gesetzlicher Feiertag (23er|affungstag) ist. Der Markt Dürfte sicherlich auch in diesem Jahre wieder seine Anziehungskraft auf Die LanDbevölkerung ausüben. Näheres in Der heutigen Anzeige.
Preußen.
Kreis Marburg.
II Marbu'rg 31.Juli. An Der Ecke Biegen- straße-Deutschhausstraße rannte gestern abenD ein junger MotorraDfahrer, Der beim Nehmen Der Kurve Die Herrschaft über seine Maschine verloren hatte, mit großer Wucht gegen einen Baum. Man brachte ihn mit einer schweren Kopfverletzung in Die nahegelegene Klinik.
Kreis Limburg.
WSN. Limburg, 31.Juli. In einer Vollversammlung Der Industrie, und Handelskammer Limburg wurde der Haushaltsplan 1931/32 verabschiedet. Durch Einsparen bei verschiedenen Ausgabe- titeln wurde erreicht, daß die Kammerbeiträge, Die im Vorjahre in Höhe von 25 v. H. Der Gewerbe- fteuergrunDbeträge erhoben rourDen, für Das Geschäftsjahr 1931/32 auf 20 v. H. gesenkt rourDen.
Maingau.
WSN. Frankfurt a. TI., 31.Jull. BrandDirek- tor Schänker in Frankfurt a. TL kann am 15. August D. I. auf eine 25jährige Tätigkeit als BranDDirektor Der Stadt Frankfurt a. M.
den Anschein hatte: die jahrelange Unterdrückung der eigenen Persönlichkeit, die er durch Glsbeth erduldet hatte, machte sich in zornigen Worten Lust.
„Aber so war es immer! Immer hast du nur deinen eigenen Willen gekannt! Iedermann mußte sich nach dir richten! Hatte ich überhaupt einmal etwas zu bestimmen? Konnte Lotte sich, wie andere Kinder, entfalten, ihre Iugend genießen? Willenlose Kreaturen wolltest du um dich haben! Run hast du den Lohn!"
Abwehrend hob Elsbeth Iason die Hände.
„Run mach mir nicht noch Vorwürfe! Das andere ist wahrlich schlimm genug für mich!“
Sie unternahmen an diesem Tage noch vielerlei, um Lotte ausfindig zu machen: immer wieder trieb Elsbeth ihren Gatten zu weiterem Suchen an. Sie schien von schweren Vorwürfen gepeinigt zu werden: nirgends hatte sie Ruhe.
Am Abend saßen sie in ihrem Zimmer; aus Iasons Ditte hatte sich auch Paul Bertram ein- gefunden.
„Wenn morgen früh keine Rachricht von Lotte da ist, müssen wir unter allen Umständen die Polizei benachrichtigen!" sagte Elsbeth Iason plötzlich entschlossen. „Weiteres Zuwarten wäre unverantwortlich!"
„Gewiß, gnädige Frau; ich bin ganz Ihrer Ansicht!" stimmte Bertram ihr bei.
Elsbeths hagere Gestalt straffte sich, als habe sie soeben eine letzte Hemmung von sich abgeschüttelt.
„Ich bin Ihnen für Ihre Sorge um Lotte sehr dankbar. Herr Bertram!"
„Aber, gnädige Frau, meine Sorge um Lotte ist doch selbstverständlich! Lotte ist doch t>a& Liebste, was ich besitze!" *
„Ich weiß, ich weih ...“ Dann, nach kurzem Zögern: „Ich wünschte auch .. . Ihretwegen, Herr Bertram, daß Lotte bald zurückkäme!"
Die beiden Herren wechselten unauffällig einen Blick freudiger Genugtuung.
„Das ist ein Wort, Elsbeth, das lasse ich gelten!" sagte Iason.
„Hoffentlich kommt es nicht zu spät!" erwiderte Frau Iason leise, gequält.
„Wir wollen die Zuversicht nicht verlieren, gnädige Frau!" tröstete Bertram sie. „Vielleicht bringt uns schon der kommende Morgen günstige Rachricht!"
Er hatte sich nicht getäuscht. Iason, der sich sogleich nach dem Aufstehen zum Portier begeben hatte, um sich zu erkundigen, ob Rachricht von Lotte eingetroffen sei, kam gleich darauf freudestrahlend zurück.
„Bertram hat eine Karte von Lotte bekomm men!"
Frau Iason mußte sich setzen.
„Gott sei Dank!"
(Fortsetzung folgt.)


