Ausgabe 
1.6.1931
 
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200-Lahrfeier der Gtadt Kirtorf.

im Pfarrhof eine Gedenktafel angebracht zur Erinnerung an den Metropolitan und Oberpfarrer Zoh. Phil. L i st. der im großen Kirtorfer Brand 1725 beim Betten seiner Bibel ums Leben kam.

Kirtorf, 28. Mai 1931.

Einen würdigen Auftakt zur 220-Zahrfeier am ersten Pfingsttag zur Erinnerung an den Wieder­aufbau Kirtorfs nach dem Brand von 1725 und die Einweihung seiner Kirche (1731) bildete ein imposanter Fackelzug der Ortsvereine am Sams­tagabend. Auf dem Marktpah hielt dann Herr Heinrich Ludwig Schaaf eine Ansprache über Heimatliebe und Heimattreue. Während der Po- sounenchor alte und neue Mailieder erklingen lieh, erstrahlte das Rathaus und der Kirchturm im Schein von Hunderten von bunten Lämpchen und bengalischem Feuer.

3m Festgottesdienst am Sonntag hielt der Ortsgeistliche, Pfarrer C h r i st. die Fest­predigt. 3n der Schlußliturgie sprach Superinten­dent D. Wagner, Gießen. Der Männergesang­verein und der Posaunenchor trugen zur Aus­gestaltung des Gottesdienstes bei. Sehr gut war auch die Gemeindefeier am Rachmittag besucht, die im Schatten der großen Kastanie des alten Pfarrhofes stattfand. Prälat D. Dr. Dieh l, Darmstadt, hielt aus dem reichen Schah seines geschichtlichen Wissens einen lehrreichen Dor­trag über

Die Bedeutung Kirtorfs als kirchlicher Mittelpunkt im 16. und 17. Jahrhundert".

Kirtorf war unter den umliegenden Ortschaften schon immereine Rümmer für sich". Das zeigte sich äußerlich auch darin, daß die Klwtorfer Bürger ihren besonderengrünen Rock" hatten, während die umliegenden Dörfer blaue und weihe Röcke trugen. Den grünei^ Rock durften sie auf ihre energischen Vorstellungen hin sogar behalten, als durch ein landesfürstliches Kleiderverbot das Tragen bunter Kleidung aus Sparsamkeits­gründen streng untersagt wurde. Daß Kirtorf schon in der Reforinationszeit eine eigene Schule besah, zeigt auch seine hervorragende Bedeutung. 3n dieser Schule wurde u. a. die lateinische und griechische Sprache gelehrt. Ferner hat Kirtorf

den Ruhm, eine andere bedeutsame Einrichtung zuerst gehabt zu haben. Es war dies der im Jahre 1625 eingerichtete Pastoralkonvent. Zu dieser Zeit bestand er im ganzen Oberfürsten­tum Hessen nur in Kirtorf. Er diente der wissen­schaftlichen und praktischen Fortbildung der Geist­lichen eines größeren Bezirkes. Er wurde jähr­lich acht- bis zehnmal gehalten. Die Pfarrei Kir­torf, zu der sich schon sehr früh eine Kaplanstelle gesellte, war von Anfang an reich dotiert. Es gab in ganz Hessen keinen einzigen Ort, der im 16. und 17. Jahrhundert so viel geistig hervorragende Füh­rer hintereinander als Pfarrer gehabt hat, wie das kleine Städchen Kirtorf. Sie haben Kirtorfer Geist und Ideen weit in die Welt hinausgetragen. Rach dem überaus fesselnden Vortrag, dem die zahlreiche Zuhörerschar aufmerksam folgte, wurde von dem Ortsgeistlichen am Kastanienbaum

Die Mädchensinggruppe und der Pofaunenchor umrahmten die Feier mit ihren Liedern.

Dor der Gemeindefeier am Rachmittag wurde die heimatgeschichtliche Ausstellung eröffnet, über die wir nachstehend berichten.

Am Abend des Festtages fand im vollbesetzten Saal von Johannes Becker ein Heimatabend statt. Rach einleitenden Liedern und einem Prolog folgte ein kurzer Vortrag von Pfarrer Christ, in dem er einige enteressante Bilder aus der Kirtorfer Ortsgeschichte zeichnete. 3m Mittelpunkt des Abends stand das HeimatfestspielZu Gottes Ehre". Das Spiel, von Pfarrer Hanns H e m m e s (Lehrbachl und Müller Hch. L. Schaaf (Kirtorf) für die 3u° biläumsfeier verfaßt, wurde von 30 Männern und Mädchen Kirtorfs sehr wirksam aufgeführt.

Heimatkundliche Ausstellung in Kirtorf.

bd. Kirtorf, 28. Mai. DaS Städtchen Kir­torf erlebte zu Pfingsten schöne Festtage, die der Erinnerung an den Wiederaufbau Kirtorfs nach dem großen Brande von 17 2 5 und der Einweihung seiner neuaufgebauten Kirche 1731. galten.

Mit dieser Feier war eine heirnatgeschicht- liche Ausstellung verbunden, die im Beisein von Prälat D. Dr. D i e h l - Darmstadt, Oberkirchen­rat D. Wagner - Gießen und der geladenen Ehrengäste von Lehrer Erdmann eröffnet wurde. Lehrer Erdmann dankte all denen, die durch tatkräftige Mithilfe und Bereitstellung der zum Teil sehr wertvollen Ausstellungsgegenstände das Werk gefördert haben. Die Ausstellung, so führt er u. a. aus, verkörpere ein Stück Volksbildung. Heimat erkennen lernen, Heimat lieben, heiße auch in der Vergangenheit schürfen und Traditionelles hervorholen.' Reiches Anschauungsmaterial aus der Geschichte des Dorfes sei hier zusammengetragen.

Dafür den Sinn zu wecken, das Erbe mit Ehrfurcht zu bewahren, es vor verständnisloser Vernichtung zu schützen, das solle der Zweck der Ausstellung sein.

Ein Gang durch den Ausstellungs- raum führt zunächst an Hand von Werkzeugen, Steinbeilen usw. zurück in die ältere und jüngere Steinzeit. Die Entwicklung der künstlichen Beleuch- tung vom Kienspan bis zur elektrischen Birne ver­mittelt die zweite Abteilung. Aus dem großen Brande von 1725 wurde die von der Gräfin Elisa­beth von Lehrbach gestiftete weiße Altardecke aus dem Jahre 1712 gerettet. Aus dieser Zeit sind wei­ter noch eine Abendmahlskanne der Leinweberzunft, ein altes Salbuch, eine Taufdecke, der Taufstein der früheren Ober - Gleener Kirche, eine versilberte Hostiendose aus Wahlen, ein sehr alter Kelch der Lehrbacher Kirche u. m. a. ausgestellt. Auch die Fa­milienforschung ist in der Ausstellung berücksichtigt. Neben den Kuriositäten nimmt die Flachsbereitung und Weberei einen verhältnismäßig großen Raum

ein. Dom Reffkamm bis zu den Instrumenten des Webstuhles sind fast alle Geräte vertreten. Von der Decke herab erzählen Doppeljoche, einfache Joche, lederne Feuereimer von vergangenen Zeiten. Aus der Blütezeit des Kirtorfer Zunftwesens ist eben­falls noch manches zu sehen. Besonderes Interesse erregt das auf merkwürdige Weise wieder auf­gefundene erste Kirtorfer Stadtsiegel von 1489. Feuersteingewehre, Vorderladepistolen, Puloerhör­ner und Puloersäcke, alte Degen und Hirschfänger erinnern an Kriegslage. Besonders fällt eine Münz­sammlung ins Auge, die aus dem 7jährigen Krieg stammt. Eine Fundgrube für die Heimatforschung bedeuten dj,e sorgfältig ausgearbeiteten Ortspläne. Das Zeitungswesen ist durch einige ältere Jahr­gänge dreier Heimatblätter vertreten. Aus der Zeit von 1848 stammt die ausgestellte Revolutionsfahne von Heimertshausen, die in den alten Reichsfarben gehalten ist. Bei Hebungen der Bürgerwehr, bei politischen Versammlungen wurde diese Fahne vor- angetragen. Aus dem Kriege von 1870 sind ein Eß­besteck und chirurgische Instrumente sehenswert. Vom Weltkrieg sprechen Dolche, Granaten, Spreng­stücke, zerschossene Feldmützen und zerfetzte Tage­bücher. Auch die Literatur hat ihren gebührenden Platz gefunden. Predigt- und Gebetbücher, alte Bibeln mit feinen Holzschnitten bedecken deu. alten Bauern­tisch aus Rülfenrod. Das älteste gedrückte Werk die­ser Art ist die Leichenrede Buchenhagens am Grabe Luthers von 1546. Vom ländlichen Wandschmuck, von alter, solider Bauerntracht redet so manches Erbstück, das an vergangene Zeiten und frohe, sor­genlose Kindheittage erinnert. Erwähnenswert ist noch die Kücheneinrichtung, die Baronin Freifrau von Schenk mit feinem Verständnis aus väter- ' lichem Erbgut zusammengestellt hat. Die Freud? der Kinder bildet der Brautwagen (Bräuwagen), den Frau Pfarrer C h r i st beisteuerte.

Die Ausstellung, die noch bis zum 7. Juni geöffnet ist, erfreute sich bisher eines lebhaften Besuches.

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