Geschichten aus aller Wett.
(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.)
Oma lernt lesen.
(x) Schanghai.
Jeder Chinese soll lesen lernen und schreiben dazu. Freilich hat man noch nicht genug ausgebildete Lehrer für diese Aufgaben. Deshalb hat sich die Regierung $u einer seltsamen Verfügung entschlossen: die Kinder, die bereits lesen und schreiben können, werden gehalten, ihren Eltern und Großeltern das Lesen und Schreiben beizubringen.
So erlebt man also den grotesken Zustand, daß die Kinder morgens in die Schule gehen und abends Lehrer spielen. Den besten Erfolg haben diese lehrenden Kinder unter den Frauen. Schanghai verzeichnet einen großen Erfolg: ein sechs Jahre alter Knabe hat seiner Großmutter das Lesen beige- bracht.
Schwinden die Niagara-Fälle?
(th) Neuyork.
Sagen wir es nur gleich: wir werden dieses Verschwinden der Niagarafälle nicht mehr erleben. Was wir aber beobachten können in unseren kurzen Lebenstagen, sind die oft umfangreichen Abstürze von Stein und Fels unter der Wucht der rauschenden und nagenden Wasserfluten.
Derweil aber brechen nun Meter um Meter weg. Die Elektrizitätswerke, die die Kraft der Niagarafälle in Strom verwandeln, sind durch die Schnel- Üigkeit des Zerstörungswerkes so erschüttert, daß sie 'sich bereits ein Rettungsprogramm entwerfen ließen.
Die Zeit kann man ja nicht aufhalten. Aber man ikann ihren vernichtenden Einfluß wenigstens auf-
denen die Nahrungsmittel erst ihre letzte und wichtigste Verarbeitung für den Genuß erfahren: in denen mehr genäht und geschneidert wird als in der gesamten „Konfektion"; und in denen hundertmal mehr gewaschen, geputzt und geschrubbt wird als von allen „beruflichen" Reinlgungsanstalten zusammen. Arbeit für den ei gen en Bedarf ist ebenso wichtig und wertvoll wie Arbeit für den Markt, ums Geld. Die Selbstversorgung der deutschen Familien ist annähernd noch ebenso groß wie die gesamte Erwerbswirtschaft. In den achtzehn Millionen Haushaltungen wird annähernd so viel aeleistet wie in sämtlichen Industrien mit Handwerk und Landwirtschaft zusammen Wer sich diese Tatsachen vergegenwärtigt, kann nicht bestreiten, daß kein Erwerbsberuf dem Haushaltungsberufe an sozialer Bedeutung gleich- E^Aber es ist wichtig, sich ftets vor Augen zu halten daß die Hauswirtschaft ein Beruf ganz anderer Art ist als die Erwerbswirtschaft. Der Gleichklang des Wortes „Beruf" darf nicht dazu führen, daß man den Haushalt wie einen Gewerbebetrieb' ansieht und ihn nach den Regeln behandeln will, die sich für den „Betrieb" bewährt haben. Diese Gefahr besteht aus verschiedenen Geoieten. Wir sind z. B. teilweise schon erlegen bei der sogenannten Rationalisierung der Hauswirtschaft. Die Verbesserung der Haushaltstechnik, die Einführung von Maschinen usw. ist nicht von Hausfrauen gekommen, sondern von Ingenieuren. Und diese haben den Haushalt mit einem Erwerbsbetrieb verwechselt. Der Zweck des Betriebes ist Geldgewinn: hier handelt es sich also darum, recht billig 3U arbeiten und die fremde, bezahlte Arbeit möglichst überflüssig zu machen. Der Haushalt ober ist S e l b st z w e ck. Was sich im „Heim", in Küche und Stuoe, abspielt, ist „Leben". Nicht aus dessen Vermeidung kommt es an, sondern auf die Schönheit und Befriedigung durch diese Tätigkeit. Die Ansicht, daß die Dame auf dem Sofa, mit dem Romanbuche, oder im Theater oder auf dem Sportplätze einen höheren Kulturwert darstellt als die schaffende Hausfrau in der Küche oder die sorgende Mutter im KinderUrnmer; diese törichte Ansicht darf doch als endgültig überwunden gelten! Hausfrauentätigkeit ist nicht unerwünscht, nach Möglichkeit zu vermeidende und lästige Plage, sondern eine lebenserfüllende und seaen- spendende Kulturleistung, die durch zweckmäßige Anordnung recht schon und erfolgreich gestaltet, aber nicht beseitigt werden soll.
Solche Erwägungen sind heute wieder sehr zeit- 0, weil wir damit beschäftigt sind, die gesamte zast planmäßig zu organisieren und au re- Sein. In dem langsam wachsenden ständischen lufbau unseres Volkes taucht auch die Frage auf, ob die Hauswirtschaft nicht auch ein Teil der Wirt- chaft ist und ob sie nicht in die ständische Organi- ation einzubeziehen sei. Die erste Hälfte dieser Fra- len ist unbedingt zu bejahen. Die Hauswirtschaft st einer der Grundpfeiler unserer Volkswirtschaft und verdient um so mehr Beachtung, je mehr der Satz zur Anerkennung kommt, daß alle Wirtschaft um des Menschen willen da ist: daß also ihr Endziel nicht der Er- werb, sondern die Versorgung der Volks- genoffen sein muß. Aber daraus geht schon hervor, daß der Haushalt nicht in die Erwerbswirtschaft „eingegliedert" werden kann, sondern daß die Hauswirtschaft als eine gleichberechtigte Säule der gesamten Erwerbswirtschaft gegenüberzustellen ist. Es gibt heute wohl keine Familie mehr, die sich völlig aus der eigenen Wirtschaft versorgt, wie es vor tausend Jahren allgemeine Reael war. Aber es gibt auch keine Familie, die ausschließlich von Erwerbsarbeit lebt; in der nicht ein Teil des Bedarfs — und zwar meist ein sehr erheblicher — durch eigene Tätigkeit im Haushalt beschafft wird. Diese Erkenntnis ist die wichtigste Voraussetzung für eine geordnete Wirtschaftsorganisation und Wirtschaftspolitik. Beide müssen künftig den umgekehrten Weg wie früher gehen: Sie müssen beim „Menschen" a n f a n g e n, d. h. bei seinem Bedarf und dessen Deckung, die im Haushalt erfolgt. Die Versorgung ist der grundlegende Wirtschaftsberuf: nur um seinetwillen sind ja die Erwerbsberufe entstanden und sozial berechtigt.
Oer Führer bei seinen alten Kameraden
während der nächtlichen Foierstunde im Vürgerbräukeller. Dorn — miteinander sprechend — Frankenführer Streicher und Reichsminister Dr. Goebbels. Hinter Streicher Reichsleiter Alfred Rosenberg, neben diesem Reichsführer der SS. Himmler.
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Die Gedenkfeier im Mnchener Vürgerbräukeller
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während der Ansprache, die der Führer an seine alten Kampfgenossen von 1923 richtete.
hinter dem Fenster am Eingang der Pariser Wohnungen, bat einen neuen Sieg davonaetragen. Man wird bald einen Concierge zum Verwalter von Paris ernennen müssen.
Konkurrenz für Monte Carlo.
(z) Nizza.
An der Riviera tut sich was: Monte Carlo soll eine Konkurrenz erhalten. Bisher wurde das 3war streng geheimgehalten, aber jetzt pfeifen es schon die Spatzen von den Dächern. Die verräucherten Ruinen des vor einigen Jahren abgebrannten Kasinos von Nizza sollen nämlich in eine prachtvolle Spielbank verwandelt werden. Mit dem ausgesprochenen Ziel, Monte Carlo zu entthronen. Wer, von der Spielleidenschaft besessen, sein Vermögen nicht früh genug klein kriegen kann, wird also künftig tn Nizza Gelegenheit dazu finden.
Ein kleines Geheimnis ist allerdings noch ungelüftet geblieben: Werden auch wirklich die Millionen, die in den Nizzaer Prachtbau gesteckt werden sollen, die erhofften Zinsen abwerfen? Werden sich in den Spielsälen die reichsten Leute Europas bewegen und, ohne mit der Wimper zu zucken, gebündelte Tausendfrankenscheine über den grünen Tisch hin- und herschieben? So ganz ist es noch nicht ausgemacht, ob die Rechnung aufaehen kann. Man glaubt zwar, den Besuchern der Riviera soviel bieten zu können, daß sie sich restlos nach Nizza hin verziehen werden, ab«r erstens steht das noch nicht fest und zweitens sind auch in Monte Carlo längst die Einsätze sehr bescheiden geworden. Und was für diese weltbekannte Spielbank gilt, wird in Nizza wohl kaum anders sein ...
Immerhin läuft man in Monte Carlo nicht gerade heiteren Sinns umher. Alles lebt ja von der Spielbank. Als die Sache mit der Abwertung des englischen Pfundes losging und daraufhin die reichen Lords immer seltener besehen wurden, weil die internationalen Luxuszüge Immer weniger Reisende nach Monte Carlo brachten, wurde man schon nach- denklich. Was blieb anderes übrig, als zu „sparen", soweit das im Bezirk einer Stätte, die Vermögen verschlingt, eben möglich war? Man paßte sich den veränderten Verhältnissen an und suchte sich, so gut es aintz, durchs Leben zu schlatzen. Und nun soll, weil Nizza einen Konkurrenzbetrieb aufmachen will, wieder alles im wahrsten Sinne des Wortes auf dem Spiele stehen?
Aber die Montegafsen sind nicht so leicht unter- zukrieaen, wenn es sich ums Geld dreht. Sie werden alles aufbieten, damit die Sale in Nizza leer bleiben. Doch auch Nizza wird derweil nicht müßig bleiben. Vielleicht wird man noch erleben, daß schließlich jedem der Gewinn garantiert wird. Dann könnte man's ja vielleicht auch mal probieren...
Scheußlicher Reinfall.
(r) Warschau.
Es war wirklich ein echter Bandit, der da kürzlich in später Abendstunde in das Haus eines polnischen Kaufmanns eindrang. Mit der Pistole in der Hand zwantz er den Zitternden, ihm den Geldschrank auf- zuschliehen.
Die Türen flogen auf. Die Augen pes Banditen strahlten. Da lagen einige Geldbündel; frische, schöne Scheine. Der Kerl pfropfte sie in feine Taschen und übersah dabei völlig, rote der Kaufmann unter bleicher Maske vorsichtig lächelte. Der Bandit hastete von bannen. Der Kaufmann aber erstattete Anzeige: ihm seien vier Bündel alter deutscher Jnflations» buntnoten Qeftohlen worden ...
Wert gleich Null — aber vielleicht müsse man darauf achten, daß der Räuber sich in seinem Aerger kein Leid antut. Wirklich: was wird der Bandit wohl mit dem Geld anstellen?
halten, indem man die rasenden Fluten teilweise ableitet und anderswo zu Tale führt. Ein paar Millionen Dollar wird das schon kosten. Aber was bedeutet das, wenn man die Niagarafälle, die Stromwerke und die Aktien damit halt?
In einigen Jahren wird man also vielleicht an den gezähmten Niagarafällen stehen können ...
Ein Zug verirrte sich ...
(h) Philadelphia.
Genau weiß man noch immer nicht, wie der Zug sich überhaupt verirren konnte. Aber es ist nun einmal so gewesen. Man hatte auf der Pennsyl- vania-Bahn einen Sonderzug eingelegt, um zu einer Kircheneinweihung die Passagiere hinzubrin- aen und wieder abzuholen. Er sollte für die Rückfahrt bei Bustleton auf freier Strecke warten. Die Fahrgäste kamen, aber der Zug blieb aus. Man wartete eine Stunde, zwei Stunden. Der Zug blieb verschollen. Keine Station wußte etwas von ihm. Der Telegraph spielte. Man bot die Polizei auf, ein Korps von Motorradfahrern. Damit fuhr man die Strecke ab, die der Zug genommen haben mußte.
Nach zehn Stunden fand ihn ein Mann vom Suchkorps auf dem Bahnhof Bustleton. Leer, falt, ohne Bedienungspersonal. Der Bahnhof von Bustleton, ein verfallener Platz, wird seit Jahren nicht mehr benutzt. Eine falsche Anweisung an den Zugführer — und der Zug war einfach „weg". Man setzte ihn eiligst wieder unter Dampf und brauste hinaus, um die Fahrgäste zu holen. Sie waren indessen des Wartens überdrüssig geworden und — zu Fuß nach Hause gegangen .
Eine kouragierte alte Dame.
(—) Southampton.
Ein tapferes altes Frauchen ist zweifellos Miß Mary Ann Vaughan, die älteste Einwohnerin von Southampton. Obgleich sie bereits 105 Jahre auf dem Rücken hat, war sie mutig genug, kürzlich noch einmal den — Zahnarzt aufzusuchen.
Im Laufe der Jahre hatte auch Miß Vaughan, wie alle alternden Menschen, ihre Zähne verloren. Nur eine einzige Wurzel war in ihrem Unterkiefer haften geblieben. Und diese Wurzel begann nun plötzlich so heftig zu schmerzen, daß die alte Dame sich keinen Augenblick besann und sich ohne jede
Unterstützung auf den Weg zum Zahnarzt machte. Der aber hielt es nicht für ratsam, angesichts des Alters feiner Patientin auch nur eine örtliche Betäubung vorzunehmen. Als er deshalb der alten Dame ein schmerzstillendes Mittel verschreiben wollte, lachte sie ihn mit ihrem zahnlosen Munde aus und forderte, die Wurzel dann eben ohne Betäubung 3U ziehen. Der Arzt mußte sich diesem Wunsche ja fügen, und die Operation glückte denn auch völlig. Die 105jährige Miß Vaughan aber schaut, seitdem sie die letzte Zahnwurzel los ist, noch einmal so zuversichtlich in die Welt ...
Was man int Flugzeug liegen läßt.
(—) London.
Da hat man nun auf dem Flugplatz in Croydon ein Fundbüro eingerichtet. Aber es lohnt sich noch nicht sonderlich. Denn was man da als vergessen in den Flugzeugen fand, könnte in einem kleinen Schrank untergebracht werden.
Der Regenschirm hält auch hier den Rekord: 24 dieser Instrumente blieben einsam zurück. Dann folgen 16 Tropenhelme, die die Besitzer nach der Heimkehr unter den dunklen Londoner Himmel offenbar als überflüssig empfanden, daß sie sie einfach liegen ließen. Und im übrigen wurden zehn Puderdosen und fünf Lippenstifte gefunden
König Concierge.
(z) Paris.
Schon vorher wagte niemand, dessen Geschick es war, in einem Mietshaus zu wohnen, einem Concierge böse Augen zu machen. Denn der „Pförtner", wie man das Wort falsch übersetzt, war schon immer ein ungekrönter König von Paris
Nur tn einem waren die Conciergen sterblich: Sie konnten vom eigentlichen Hausverwalter, dem „Regisseur" innerhalb von acht Tagen mit Kind und Kegel vor die Tür gesetzt werden. Das wird nun anders, denn die Conciergen haben es erwirkt, daß sie in den Rang eines Angestellten aufrücken uno nicht nur dessen monatliche und dann steigende Kundigungszeit in Anspruch nehmen, sondern auch an den Schiedsrichter appellieren können. Und den Richter in Paris möchten wir sehen, der mit einem Conciergen, ober noch schlimmer: mit dessen weiblicher Hälfte, fertig würde. Nun ist er gar nicht mehr zu stürzen. Der König Concierge, der Mann
Holde Mdak
(j) Kairo.
Es gibt Menschen, die an einen mysteriösen Fluch glauben, der dieser Aida anhafte. Aber es ist nur der Fluch der bösen Tat. Jeder Mann, der Alba Aly ehelichte, ist bisher ins Gefängnis gewandert — und immer gleich für 10 oder 15 Jahre, so daß sie zur Zeit noch alle sitzen...
Im Augenblick ist der siebente Gatte an der Reihe, und auch er ist schon verdonnert. Nur mit einem kleinen Unterschied: diesmal hat man nämlich auch die schöne Aida überführen können und sie auf fünf Jahre mit eingebuchtet. Das war bisher nie gelungen. — Alle Männer, die Aida in ihren Bann zog, wurden oder waren schon die gefährlichsten Rauschgiftschmuggler von Kairo. Wenn sie aber „aufgefallen" waren, dann ließ sich die angeblich unschuldige Aida prompt von ihnen scheiden, um den nächsten aus der „Branche" zu ehelichen. In 10 oder 15 Jahren werden sie bann vielleicht alle einmal ein „familiäres Wiedersehen" feiern können.
Die Wttstensteuer fiel...
(ns) Bagbad.
Ein Ereignis in biefer Zeit: eine Steuer ist wetzgefallen. Eine ber ältesten Steuern ber Welt übrigens, bie war Adenblänber freilich kaum jemals zu entrichten brauchten, wenn es uns nicht gerade in den Irak verschlug.
Hier mußte man nämlich, bevor man eine Reise antrat, seit altersher bie „Kharva" entrichten. Das war eine bessere Banbitenzollablösung, benn bie schwärmenben Wüstenstämme machten aus ber Karawanenplünberung ein gutes Geschäft. Wenn man sich vor diesen Unannehmlichkeiten des Wüsten« Wanderers schützen wollte, dann zahlte man eben für eine bestimmte Route einen bestimmten Betrag — und ging sich gegenseitig aus dem Wege. Ja: der Räuber entwickelte sich bann sogar zum Beschützer bes anberenfalls Bebrohten.
Heute aber rast man mit bem Automobil burch bie Wüste. Da ist bas Risiko so klein, baß man bie „Kharva" nicht mehr zu zahlen braucht. Die Räuber haben sich zu „Wegwarten" verwanbelt, bie nicht mehr räubern, fonbern Benzin verkaufen (unb verschieben). Das ist ber Sieg ber neuesten Zeit im Irak: bie „Kharva" ist gefallen...
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neuartige Synchrohix-Skala mit zwangsläufiger Blickführung
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