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schon Deutschland und Frankreich sei ein reines Trugbild, ja sogar ein Verbrechen gegen das französische Volk. Entweder behalte Frankreich die Ueberlegenheit der Streitkräfte, die die Verträge ihm hätten zuerkennen wollen, oder Deutschland werde Ueberlegenheit besitzen und das würde Frqnk- reich in eine fürchterliche Lage versetzen, deren Aus­gang niemand voraussehen könne. Man müsse sich übrigens fragen, ob Deutschland diese Ueberlegen­heit vielleickt nicht schon erreicht habe. Die Stärke des einen ergebe sich vor allem aus der Schwäche des anderen. Ein un­einiges Volk sei eine leichte Beute für den Nach­barn, der ihm seine Reichtümer und seinen Wohl­stand nicht gönne.

Der Abg. G e l l i 6 , der den Bericht über die Landesverteidigung erstattete, stellte dann gänzlich unsinnige Behauptungen über die gegenwärtige Stärke des deutschen Heeres auf und phantasierte in der üblichen Weise über die ungeheure Zahlh a l b m i l i ä r i - scher Truppen", die angeblich in Deutschland vorhanden sein sollen. Die Märchen, die Gellte auftischte, dienten natürlich nur als Vorwand 3ur Begründung weitgehender französi­scher Aufrüstungsforderungen. So ver­langte Gelliö die Aufstellung eines Be­rufsheeres von lOOOOOMann, das außer dem Volksheer gehalten werden müsse. Diesem Berufsheer würde vor allem die Bsetzung der G r e n z b e f e st i g u n g s w e r k e zufallen. Nur dann könne man sich mit der Bei­behaltung der einjährigen Dienstzeit begnügen. Veunruhjgung im Saargebiet. Saarbrücken,^ Nov. (DNB.) Zu der fran­zösischen Saarbedrohung schreibt die S a a r - Zeitung" u. a.: Frankreich legt anscheinend Wert darauf, wieder einmal der Störenfried Europas zu werden. Es sitzt neben dem Pulver­faß und hat die Lunte in der Hand. Wehe, wenn der Funke überspringt. Dreimal wehe aber denen, die die A n st i f t e r einer derartigen Tat sind, die den Frieden nicht achten, Verträge brechen und über eine ruhige Bevölkerung grundlos Er­bitterung, Unruhe und Elend bringen. Die Nach­richten aus Paris sind geeignet, g r ö ß t e Beun­ruhigung auszulösen. Den französischen Verlaut­barungen ist nur der Sinn einer unverhohlenen Forderung beizumessen, einer Forderung uns gegen­über, ein Ansporn für die status-quo-ßeute. Das ist aber ein unzulässiger Beeinslussunas- versuch der bevorstehenden Abstimmung. Das Saarbrücker Abendblatt" weist darauf hin, daß die französische Bedrohung nur eine Folge der von separatistischer Seite geflissentlich verbrei­teten Gerüchte über bevorstehende Unruhen im Saargebiet ist. In Wahrheit herrschte 15 Jahre hin­durch bei dem aufs äußerste provozierten Saarvolk eine bewundernswerte Disziplin. In derSaarbrücker Landeszeitung" heißt es: Wollen die französischen Militärs um jeden Preis einen Husarenstreich im Saargebiet unternehmen und soll die Volksabstimmung am 13. Januar unter demSchutze" der französischen Bajonette vor sich gehen? Die Saarbevölkerung ist friedliebend. Das hat sie in hohem Maße während der ganzen Zeit der Fremdherrschaft immer bewiesen. Und von der treudeutschen Saar- bevölkerung mit einem Putsch zu rechnen, daran zu glauben kann nur denen überlassen bleiben, denen ein Putsch überhaupt einzig gelegen käme: Den Separatisten aller Sorten. DieDeutsche Front" schreibt: Man droht mit einem Einmarsch ins Saargebiet, weil man weiß, daß Deutschland niemals dagegen marschieren kann und weil Deutschland noch immer die Zielscheibe des internationalen Hasses ist. Man möchte marschieren und sucht einen Anhaltspunkt. Ein tatsächlicher Grund besteht nicht. An der Saar herrscht absolut Rübe und Ordnung. Die Freiheit der geheimen Abstimmung ist tatsächlich gerantiert. Sie könnte öffentlich fein, und sie würde nicht anders aus­fallen, wie sie am 13. Januar ausfallen wird: Für Deutschland! Und weil man das weiß, und weil das so ist, sucht man sie unter die Spitzen der französischen Bajonette zu drücken, obwohl das das Abstimmungsergebnis nicht im geringsten beeinflussen könnte.

Kommunisten entweihen katholische Vereinshäuser.

Saarbrücken, 2. Nov. (DNB.) In letzter Zeit Und mehrfach katholische Vereins­häuser an verschiedenen Orten des Saargebietes auf Grund der bekannten Saalverordnuna für Kundgebungen der marxistisch-fepa- rati st ischen Einheitsfront beschlag­nahmt worden. Diese Maßnahmen haben in den katholischen Kreisen der Bevölkerung lebhafte Erbitterung hervorgerufen. Der letzte Vorfall spielte sich im Katholischen Vereinshaus von S a a r- b r ü ck e n - B u r b a ch ab. Auf ihr, wie überall, blieb die wohlbegründete Verwahrung des zu­ständigen Pfarramtes unbeachtet. Unmittelbar neben der katholischen Pfarrkirche, in der zur gleichen Zeit zahlreiche Andächtige versammelt waren, erklang aus dem Volkshause die gröh- lende Musik der kommuni st ischen Weltrevolution. Wie leicht es möglich ge­wesen wäre, den Katholiken diese Zumutung zu ersparen, ergibt sich aus der Tatsache, daß die Ver­sammlung außerordentlich schwach besucht war und ein großer Teil des Saales und seiner Neben­räume leer blieb. Abgesehen davon haben im gan­zen Saal nur 900 Personen Platz, während die kommunistische Arbeiterzeitung triumphierend be­hauptete, es seien 2500Freiheitskämpfer" anwesend gewesen.

Die pflicht des Völkerbundes.

Eine italienische Stimme zum Saarkonflikt

Rom, 2. Nov. (DNB.) Tevere schreibt: Wie kommt es, daß der französisch-deutsche Streit um die Saar zu einem europäischen Problem ge­worden ist? Es kommt daher, daß die französische Diplomatie und Propaganda es verstanden haben, die Saarfrage hinzuft eilen, alseineFragenach Frieden oder Krieg für einen ganzen Kontinent, in dem sie wie üblich die französi­schen und europäischen Interessen vermengten, eine Eigenschaft, die für die französische Mentalität charakteristisch ist. So kommt es, daß am Vorabend einer Abstimmung, die feststellen soll, ob die Saar- kohle deutsch oder französisch sein soll, d. h. ob die deutsche Wirtschaft oder die französische einen Vor­zug besitzen soll, ganz Europa sich einer tragischen Alternative gegenübergestellt sieht, die man geradezu d e n Waffen anvertrauen will. Der Völker­bund hat die Pflicht, die Ordnung an der Saar auf» rechtzueichalten und die unparteiische Abwickelung der Abstimmung zu garantieren. Wenn er materielle

Kräfte notig hätte, um sein Prestige aufrechtzuerhak- ten, so könnte er sich n i ch t auf ei nee i n 3 i g e Nation stützen und noch dazu nicht auf eine direkt interessierte. Da der Völkerbund keine eigene Polizei besitzt, müßte er an die Soor im Falle des Bedarfes internationale und vollkommen neutrale Kräfte entsenden. Ein Auftrag an Frankreich wäre geradezu skandalös.

Ministerpräsident Göring gegen Preissteigerungen.

Berlin, 2. Nov. (DNB.) Der preußische Mini­sterpräsident hat folgenden Erlaß an die Ober­präsidenten, Regierungspräsidenten und Polizei­präsidenten gerichtet:

In Verfolg der vom Führer gestern abgehaltenen Besprechung mit den Reichsstatthal- fern ordne ich an:

Die Oberpräsidenten, Regierungspräsidenten und Polizeipräsidenten haben in Fällen von Preis- ft eigerungen, die nichtoffiziell von Staats- stellen genehmigt sind, besonders bei Preissteige­rungen auf Lebensrnittel, unverzüglich und in schärf ft er Form einzugreifen. Bereits vorbeugend sind Versuche solcher Preissteigerungen zu unterbinden. Die Lebensmittelpreise sind lau-

Wie werden die Aenderungen aussehen?

Paris, 3. Nov. (DNB. Funkspruch.) Der Mi­nisterrat am Samstag soll die Einigung der Ka­binettsmitglieder über die Verfassungsreform brin­gen. Er wird von der Morgenpresse auf Grund der gestrigen Vorberatungen als aussichtsvosil beurteilt. Die Stimmung geht dahin: Der poli­tische Waffenstillstand sei nicht abgebro­chen, er sei bloß schwer erschüttert. Nach dem Kabinettsrat vom Freitag hat Staatsminister Her- r i o t noch bis in die Nacht mit den radikalsoziali­stischen Regierungsmitgliedern verhandelt. Nach Mitternacht erklärte er kurz:Wir haben über die Vorlage gesprochen, die am Samstag hoffentlich vom Ministerrat angenommen werden wird. Ich beurteile die Lage optimistisch."

DasJournal" will den Wortlaut der Verfas­sungsreform, wie sie Ministerpräsident Doumergue vorschlage, angeben können. Sie lautet danach:

1. Zum Anfang des Artikels 6 des Verfaffungs- gefetzes vom 25. Februar 1875 folgenden Absatz ein­zufügen:Die Zahl der Minister darf 2 0 nicht über ft eigen einschließlich des Minister­präsidenten, der neben seinem Amt kein Ministerium verwaltet.

2. Den ersten Absatz des Artikels 5 des Verfas­sungsgesetzes vom 25. Februar 1875 durch folgende Bestimmungen zu ersetzen:Der Präsident der

Die politische Lage im Orient hat sich seit dem Ende des Weltkrieges in einer Weise entwickelt, die den englischen Interessen durch­aus abträglich ist. Die großen Gegenspieler Sowjetrußland und Japan haben ihre Po­sitionen in Asien und Afrika sehr verbessern kön­nen. Auch der italienische und f r a n z ö s i - s ch e Imperialismus machten sich in verstärktem Maße bemerkbar. Dazu kam der durch den großen Krieg geförderte Selbstständigkeitsdrang der ein­geborenen Völker, die den Streit der Groß­mächte geschickt benutzten, um von fremden Ein­flüssen unabhängige Nationalstaaten zu begründen. So befreite sich Persien mehr und mehr von der englisch-russischen Vorherrschaft und suchte in freien Vereinbarungen mit der Türkei und der Sowjetunion seine internationale Stellung zu verbessern, so vermehrte Ibn Saud sein großes Araberreich in wenigen Jahren um ein Vielfaches. Der Hauptleidtragende an dieser Entwicklung war in jedem Falle Großbritannien, für das die einwandfreie Sicherung des See- und Luftweges nach Indien und Australien eine Frage auf Leben und Tod ist. So mußte man in London alle Kräfte darauf verwenden, die Flankendrohung gegen das Empire dadurch abzuschwächen, daß man die noch vorhandenen Machtpositionen nach Möglichkeit ver­stärkte und ausbaute. Zu diesen Stützpunkten der britischen Weltherrschaft gehört in erster Linie Aegypten.

Die ägyptische Krise, die jetzt wieder ausgebrochen ist und bei der es um die Beseitigung oder Beibe­haltung der gegenwärtigen Regierung geht, ist eine Dauerkrise. Sie besteht seit zwei Menschenaltern und wird solange fortbauern, wie der nationale Eigenwille der eingeborenen Bevölkerung mit den militärischpolitischen Interessen des englischen Impe­riums in Widerspruch steht. Don ihren Ansprüchen aber wird keine der beiden Parteien jemals ab­gehen können, ohne sich selbst aufzugeben. Für die

B e r l i n, 2. Nov. (DNB.) Am Montag kommen­der Woche beginnt in Berlin der große Rundfunk­prozeßMagnus und Genossen". Es ist Anklage er­hoben worden gegen den früheren Rechtsanwalt Dr. Kurt Magnus, den Staatssekretär a. D. und früheren Reichsrundsunkkommissar Dr. Hans Bre­dow, den früheren Rundfunkintendanten Dr. med. Hans Flesch, der zunächst in Frankfurt a. M. und dann in Berlin Rundfunkintendant war, den Rechts­anwalt Hans Otto, den Kaufmann Dr. Fritz Kohl, Mirag-Leipziq; Dr. Erwin Jaeger (Fall Leipzig); den Schriftsteller Ernst Hart (Köln); den Direktor Paul Korte (Köln); den Schriftsteller und Intendanten Fritz Bischof (Breslau). Bischof ist amnestiert worden, weil eine höhere Strafe als sechs Monate bei ihm nicht zu erwarten war; den Bank­direktor Emil Z o r e k (Breslau) und den früheren Rechtsanwalt Dr. Dr. Erich F r e y, der sich zur Zeit im Auslande befindet und dem Parteiverrat an dem Schriftsteller Scyarnke zur Last gelegt wird. Wegen der Abwesenheit dieses Angeklagten ist das Verfah­ren gegen ihn vorläufig eingestellt worden.

Bei diesem Prozeß ist wesentlich, daß die örtlichen Sendegesellschaften seinerzeit als reine Privat-

send zu überwachen. Ich mache auch darauf aufmerksam, daß ich nicht dulden werde, daß in irgendeiner Form versucht wird, durch künst - lich herbeigeführte Warenknappheit höhere Preise zu erzielen. Nachdem die meisten Le- bensmittelpreise geregelt sind, besteht auch für den Handel keinerlei Anlaß, irg end e i n R i - j i t o einzukalkulieren, um dadurch zu höheren Prei- sen zu gelangen. In einer Zeit, da alle Opfer brin­gen sollen und gerade die werktätige Bevölkerung bereits ihre Opferwilligkeit für den Neuaufbau des Vaterlandes bewiesen hat, ist es ein Ve rb r e ch e n, wenn von einzelnen Seiten versucht wird, den pri­vatkapitalistischen Profit über das allgemeine Volks- wohl zu stellen. Die Strafe hierfür kann gar nicht scharf genug bemessen sein. Ich hoffe und erwarte, daß bet schärfster Beobachtung der Pretsentwick- hing und der Versorgungslage seitens der Behörden keine irgendwie geartete Ueberteue* rung vorkommen kann. Sollte sich trotzdem ir­gendwo eine Verteuerung bemerkbar machen, so ist mir persönlich darüber umgehend telegraphisch zu berichten, damit ich in der Lage bin, selbst ein- zuschreiten. Es geht jetzt nicht um den Profit einzelner, sondern um das Wohl aller, inson­derheit um das Wohl der schwer arbeitenden und nicht begüterten Volksgenossen.

Der preußische Ministerpräsident (gez.) Göring.

Republik kann die Abgeordnetenkam­me r vor Ablauf ihrer gesetzmäßigen Amtszeit auf­lösen. Im Laufe des er st en Jahres dieser Amtszeit kann die Auflösung nur auf Grund eines entsprechenden Gutachtens des Senats ausgesprochen werden. In dem darauf­folgenden Jahre kann der Präsident der Republik die Kammer ohne entsprechendes Gutachten des Senats auflösen."

3. Artikel 4 des Verfassunqsgesehes vom 25. Fe- bruar 1875 durch folgende Bestimmungen zu er­gänzen:Der Staat sichert den Beamten die Festigkeit ihrer Anstellung und beruf­liche Garantien. Jede ungerechtfertigte ober verab­redete Einstellung des Dien st es zieht den Bruch des Bandes nach sich, das sie mit dem Staat verbindet."

4. Artikel 8 des Grundgesetzes vom 25. Februar 1875 durch folgende Bestimmungen zu ergänzen: Abgesehen von den Vorschlägen Der Regierung ist kein Ausgabevoranschlag annehmbar, wenn nicht vorher beide Kammern einen Vorschlag über eine entsprechende Einnahme ange­nommen haben. Wenn der Haushalt eines Jahres von den beiden Kammern nicht vor dem 1. Januar des betreffenden Jahres verab­schiedet worden ist, kann der Präsident der Republik durch eine im Staatsrat beschlossene Verordnung den Haushaltsplan des voraus­gegangenen Haushaltsjahres ganz ober teilweise verlanget n."

Englänber ist die Beherrschung des Suez­kanals eine unbebingte Voraussetzung für ben Fortbestanb ihres Kolonialreiches, für bie Aegypter ist bie wahre Unabhängigkeit ber uralte Traum völkischer Sehnsucht. Es kann sich also bei ben Versuchen, bie innen- unb außenpolitische Krise zu überroinben, niemals um eine radikale Aende- rung des bestehenden Zustandes handeln, sondern nur darum, die Gegensätze zu mildern und bie Krise erträglich zu machen.

Die Besetzung Aegyptens durch bri­tische Truppen datiert seit dem Jahre 1882. Die englische Schutzherrschaft würbe bamals als Gegengewicht gegen bas Osmanische Reich gar nicht so unangenehm empfunben, aber mit ber türkischen Niederlage im Weltkriege schlug auch bie Stim­mung gegen Englanb um. Dem äcwptischen Volke entstaub in Saab Zaglvul ein Führer, ber bie nationalen Energien in unerhörtem Maße wach­rief unb sich in ber Wafb - Partei eine Bewe­gung schuf, bie bie Englänber zu äußerster Vorsicht zwang. Das Ergebnis war bie Erklärung ber ägyptischen Unabhängigkeit am 16. März 1922, die zwar zunächst eine gewisse Beruhigung zur Folge hatte, im übrigen aber an den Machtbe­fugnissen ber Englänber nicht bas Geringste änberte. Es blieb bie britische Besatzung unb Polizei, es blieb ber britische Oberkommis - (ar unb es blieben bie sogenanntenKapitula - t i o n e n", bie ben auswärtigen Mächten bas Recht geben, eine eigene Konsulargerichtsbarkeit in Aegyp­ten aufrecht zu erhalten. Gerabe bie letzte Bestim­mung, zu deren Beseitigung sich Deutschland schon bereit erklärt hat, wurde von ben Aegyptern stets als besonders entehrend empfunden. Es ist nicht un­wahrscheinlich, daß sich bie Engländer über kurz ober lang bazu bereitfinben werben, bie Abschaffung ber Kapitulationen vorzunehmen, um so bie innerpoli­tische Krise Aegyptens wenigstens in einem wich­tigen Punkte zu beenben.

gesellschaften gegründet wurden. Die Ueberwachung dieser Unternehmungen erfolgte durch das Reichsministerium des Innern und zwar durch bie sog. Kulturbeiräte und Ueberwachungsausschüsse. Lediglich die technische Einrichtung wurde damals dem Rundfunk von der Reichspost zur Verfügung ge­stellt. 1925 wurden die örtlichen Sendegesellschaften der Reichsrundfunkgesellschaft zusammengefaßt, de­ren Geschäftsführer Dr. Kurt Magnus und der frühere (nichtangeklagte) Ministerialrat Gieisecke wa­ren. Die Reichsrundfunkgefellschaft hatte die Aktien- majorität bei allen deutschen Rundfunkgefellschasten. 1926 wurde ber Rundfunkkommissar des Reichspost- ministers Dr. Bredow in fein Am eingeführt.

Dieser Rundfunkprozeß ist durch den Selbstmord des Geschäftsführers der Funkdienst G. m. b. H. (so hieß der Verlag der Zeitschrift für dieFunkstunde") Knö pske, im September 1933 ins Rollen ge­kommen. Bei einer Haussuchung bei ber Reichs- runbfunkgesellschaft würben Quittungen von Knöpfke vorgefunben, aus benen hervorging, baß er laufenb Zahlungen von insgesamt 200 000 RM. als Bestechungsgelder ber Firma Preuß (bie bieFunkstunbe" brückte) erhalten hat.

Vor einer Einigung über die Verfassungs­reform in Frankreich.

Herrioi ist opiimistisch.-Doumergue wird in wesentlichen Punkten durchdringen.

Englands Kampf in Aegypten.

Der Berliner Rundfunkprozeß beginnt.

Cs fiel auf, daß sich der Angeklagte Staatssekretär a. D. Bredow sehr für seinen Freund Knöpfke eingesetzt hat. Ihre persönlichen Beziehungen mach­ten überhaupt erst den ganzen Korruptionssumpf möglich.

Die Staatsanwaltschaft kommt bei der Anklage- erhebung zu dem Schluß, daß in der Hauptsache für die Verfehlungen bei ben Sendegesellschaften außerhalb Berlins Magnus unb Brebow strafrechtlich verantwortlich sind. Um bie Prozeß- bauer abzukürzen, ist ber Fall Knöpfke mit dem Hauptangeklagten Radzijewski, dem Geschäftsführer ber Firma Preuß, abgetrennt worben.

Da es der Staatssekretär a. D. Brebow oetftan- ben hat, sich für seine Tätigkeit im Rundfunk einen Privatdienst vertrau zu verschaffen, offen, bar in ber Absicht, möglichst viel unb unkontrolliert nebenbei zu oerbienen, so ist in ber Anklageerhebung bie Beamtenqualität für Brebow ver. neint worben. Daburch fallen einige ihm zur Last gelegte Delikte (vor allem ber Fall Beamten- bestechung) für bie Hauptverhanblung fort. Auch für ben Intendanten Flesch ist bie Beamteneigen­schaft verneint worben.

2Reid)$minifTer Dr. Goebbels besichtigt dos WHW.

Berlin, 2. Nov. (DNB.) Reichsminister unb Gauleiter Dr. Goebbels besichtigte bas Berliner Winterhilfswerk. Er überzeugte sich bavon, baß eine Versorgung aller Bebürstigen in ber Reichshaupt st abt mit Kohlen unb Kar- io ff ein für biesen Winter in ausreichen« b em Maße gesichert ist. Alle vom Winter« hilfswerk Betreuten können bamit rechnen, baß sich bie Leistungen minbeftens in denselben Aus­maßen wie im Vorjahre bewegen werden. Dr. Goebbels besichtigte u. a, bie Kleibersammlung. Vor allem aber ließ er sich auch eingehenb Bericht er­statten über bie Maßnahmen fürMutter und Kinb". Dem Gauamtswalter ber NSV. unb seinen Mitarbeitern sprach Dr. Goebbels seinen befonbe« ren Dank aus. Dr. Goebbels besuchte bann bas Frauenwerk am Maydachufer, wo ihm Pgn. S ch o l tz - K l i n k über bie Aufgaben unb Arbeiten ihrer Dienststelle Bericht erstattete.

Kündigung des deutsch-niederländischen Elearing-Dertrageö.

Berlin, 2. Nov. (DNB.) Die nieberlänbische Regierung hat ben Vertrag über ben beutsch-nieber« ländischen Verrechnungsverkehr gekündigt. Der Ver­trag tritt am 16. November außer Kraft. Bis dahin werden Devisenbescheinigungen bis zur Hälfte ber für ben ganzen November vorgesehenen Beträge erteilt werben.

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Die nieberlänbische Regierung stützt sich bei ihrer Künbigung auf eine Vereinbarung, wonach die Kündigung möglich ist, wenn dem Interesse des niederländischen Zwischenhandels nicht in gebührender Weise Rechnung getragen wird. Die deutschen Rohstoffimporteure sind infolge der geringen Zuteilung von Barbevisen mehr und mehr dazu übergegangen, bie Einfuhr von Rohstoffen burch Tausch-Verrechnungs­geschäfte vorzunehmen. Die nieberlänbische Re­gierung vertritt nun ben Standpunkt, daß hierdurch die Interessen des niederländischen Zwischenhandels eine Schädigung erfahren und verlangt, daß für den niederländischen Zwischenhandel in einem an­gemessenem Umfang Bardevisen zur Ver« fügung gestellt werden. Dies lehnt die deutsche Re­gierung ab. Sie ist der Auffassung, daß der nieder­ländische Zwischenhandel nur Gleichstellung mit dem übrigen Handel verlangen kann. In der Zurver­fügungstellung von Bardevisen, da, wo sie für den übrigen Handel versagt werden, läge aber eine Bevorzugung des niederländischen Zwischenhandels.

Das mandschurische Erdöimonopo'.

Tschangtschun, 2. Nov. (DNB.) Amtlich wird mitgeteilt, baß eine Erbölgefellschaft unter dem NamenMandschukuo Oil Company mit einem Aktienkapital von 5 Millionen ®en ge- grünbet wird. Davon gehört ein Aktienpaket in Höhr von 1 Million Pen bermanbschurischenRe- g i e r u n g, 2 Millionen Pen Aktien der Verwal­tung ber Südrnanbschurischen Bahn, währenb bie restlichen 2 Millionen Pen von ben Gesellschaften Nichon-Sekiju unb Kokura - Oil übernommen werben, die den japanischen Großkonzernen Mizui und Mizubisi sehr nahe stehen. Zum Vorsitzenden derMandschukuo Oil Company wurde der Chef der Erdölfirma Kokura Oil, T h a s i m e t o , ernannt, der vor zwei Jahren im Auftrage des japanischen Erdölsyndikats mit ber Sowjetregierung ein Abkommen über bie Lieferung russisch en Erböls nach Japan abgeschlossen hat.

Schlimme Mißstände im sowjetrussischen Eisenbahnwesen. Das Volkskommissariat für Verkehrswesen ver­öffentlicht einen Bericht über bie schwierige Lage ber sowjetrussischen Eisenbahnen. In diesem Bericht heißt es, daß die Eisenbahnwerke ihre Verpflich- hingen bezüglich ber Ausbesserung von Lokomo­tiven nicht erfüllt hätten. Verschiebene Eisenbahn- werke hätten nur 48 v. H. bes Planes er« füllt unb gefäbrbeten dadurch den gesamten Ver­kehr. Die ausgeführten Arbeiten an ben Lokomo­tiven seien so schlecht unb minderwertig, daß d i e Maschinen nach kurzer Zeit erneut in bie Werkstä11en geschickt werden mußten. Die Arbeitsräume befänden sich in schlechtem Zu­stande, die sanitären Verhältnisse in den Werkstät­ten seien unhaltbar. Das Volkskommissariat droht mit Zwangsmaßnahmen, falls die Mißstände w abgestellt werden.

Starker Fremdenverkehr im Sommer 1934.

Nach Mitteilung des Statistischen Reichsamtes hat bie günstige Entwicklung bes Frembenoer- k e h r s auch im September angehalten. In 247 wichtigeren Frembenverkehrsorten bes Deutschen Reiches waren gegenüber dem September 1933 die Frembenmeldungen um 26 v. H. auf 1,30 Mill, und bie Fremdenübernachtungen um 32 v. H. auf 4,33 Mill, gestiegen, darunter für Auslands f remde um 63 v. H. Jrn ganzen Sommerhalbjahr (April bis September) 1934 haben die Fremdenmelbungen in 227 Berichtsorten, von denen vergleichbare An­gaben für beide Sommerhalbjahre vorliegen, um über ein Fünftel (20,8 v. H.) auf 7,35 Mill, unb die Fremden-Uebernachtungen in 207 Berichtsorten, die schon im Sommerhalbjahr 1933 die Aufenthalts­dauer der Fremden feststellten, um rund ein Vier­tel (25,2 v. H.) auf 26,75 Mill, zugenommen. Der in diesen Zahlen mitenthaltene Fremdenver­kehr aus dem Ausland weist gegenüber dem Som­merhalbjahr 1933 sogar eine Steigerung um meyr als die Hälfte (plus 55,5 v. H. ber Meldungen uno