Ausgabe 
31.3.1936
 
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Norwegische Sorgen.

Bon unserem v. ^.-Berichterstatter

(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!)

Oslo, Marz 1936.

Um die Jahreswende 1935/36 stellte das Stati­stische Zentralbüro Norwegens fest, daß die nor­wegische Handelsflotte den erfreulichen Stand von 4 Millionen Tonnen erreicht habe. Diese Handelsflotte, von der Norwegen lebt und deren Tätigkeit imstande ist, den Importüberschuß spielend zu decken, ist durchaus modern, denn über 50 v. H. ihrer Schiffe sind Motorschiffe. Von dieser Handels­flotte liegen brauchbare Schiffe überhaupt nicht mehr auf. Die Flotte ist beschäftigt, und die Tank­schiffe können sogar die Nachfrage nach Tankschiff­raum gar nicht befriedigen.

Einige Tage nach Veröffentlichung dieser für Norwegen erfreulichen Statistik wandte sich der nor­wegische Flottenverein an die Oeffentlichkeit mit einer anderen Statistik: er stellte graphisch den Rückgang der norwegischen Kriegs­flotte von 1914 bis zur Gegenwart dar. Diese Statistik war erschreckend: von 34 000 Tonnen im Jahre 1914 sank die Kriegsflotte auf etwa 7000 Tonnen im Jahre 1935. Heute verfügt die norwe­gische Kriegsflotte über kein Artillerieschiff mehr, die Zahl der Torpedoboote sank von 29 im Jahre 1914 auf 3 im Jahre 1935. Der Munitionsvorrat ist fast auf den Nullpunkt gesunken, und ein Bau­programm ist nicht vorgesehen.

Zieht man aus der vergleichenden Statistik der Handelsflotte mit der Kriegsflotte die Schlußfolge­rungen, so ergibt sich der seltene Fall, daß eine der größten Handelsflotten der Welt durch keine eigene Kriegsflotte geschützt wird. Dar­aus läßt sich ferner folgern, daß Norwegen auf Gedeih und Verderb auf den Schutz der englischen Kriegsflotte angewiesen ist. Dieses Angewiesensein auf England wirkt sich selbstverständlich auch auf die gesamte politische und wirtschaftliche Haltung Nor­wegens aus. Wenn jetzt von englischer Seite der Plan erwogen wird, gegebenenfalls die skandina­vischen Staaten in eine Zollunion mit dem Empire einzubeziehen, so ist das schließlich die Folge des Verzichts der skandinavischen Staaten auf eine eigene Rüstung.

Es wäre ungerecht, wollte man diese Versäum­nisse lediglich der heute regierenden Arbeiterpartei auf das Schuldkonto setzen. Diese Regierung ist erst 10 Monate im Amt, die Vernachlässigung der Rü­stung zu Wasser und zu Lande ist aber erheblich

älteren Datums. Sie setzte ein, als man nach dem Weltkriege von Abrüstung sprach und glaubte hier wenigstens wiegte man sich in diesem Glauben, eine militärische Rüstung, die viel Geld kostet, könnte ersetzt werden durch billigere Reden in Genf. Wir wissen ja, daß auch manche andere Länder, und darunter sehr viel größere, ähnlich dachten. Nach der allgemeinen Ueberanstrengung im Weltkriege hatten die Völker vergessen, daß die Staaten auf den Opfern und den Waffen ruhen. Die bürgerlichen Parteien in Norwegen haben min­destens die gleiche Schuld wie die Arbeiterpartei auf sich geladen, auch wenn sie heute allzu bereit sind, die Versäumnisse allein auf die derzeitige Regierung abzuschieben. Seit über 100 Jahren hat Norwegen keinen Krieg mehr geführt, und so glaubt man hier an den Pazifismus wie an ein Evangelium.

In letzter Zeit geht ein Erwachen durch das Volk angesichts der Vorgänge im Mittelmeer. Es brei­tet sich die Befürchtung aus, daß es eines Tages auch hier oben im stillen Norden zu Verwicklungen kommen könnte, die Norwegen zwingen würden, sich aktiv an Kriegshandlungen zu beteiligen. Da­bei taucht nun die Frage auf, ob England jeder­zeit bereit wäre, feine Flotte auch hier oben einzu­setzen, wo doch zunächst wenigstens keine In­teressen des Empires zu verteidigen sind. Wird schließlich die englische Flotte imstande sein, ü b e r- a l l aufzutreten? Jedenfalls blickt man mit einigem Mißtrauen auf die gewaltigen Vorberei­tungen, die die Sowjetunion am Weißen Meer trifft. Gegen wen sind sie gerichtet?

Jahrzehntelang hat der Norden abseits der gro­ßen Politik gelebt und ist seiner gewinnbringen­den Beschäftigung nachgegangen. Plötzlich sieht man nun, daß durch Den Völkerbund auch d i e klenen Staaten in den Wirbel der großen Politik hineingerissen werden. Durch ein Naturereignis wurde das Weiße Meer im Sommer eisfrei, und der rücksichtslose Material- und Menschenein­satz der Sowjetunion auf der Halbinsel Kola und längs der Murmanküste rückte plötzlich diesen ge­fährlichen Gegenspieler in bedrohliche Nähe. Noch hat man sich in die damit geschaffene neue Lage nicht hineingedacht und ist infolgedessen auch noch nicht bereit, die Folgerungen daraus zu ziehen. Aber die Unbekümmertheit scheint einer Bereit­schaft zu vorbeugender Wachsamkeit gewichen zu sein.

Austernparadies im Stillen Ozean.

Wie die Amerikaner gegen den perlenraubbau kämpfen.

Weit draußen im Stillen Ozean, etwa 2400 Kilo­meter nordwestlich von Honolulu, liegen die Perlen- und Hermes-Riffe, die zukunftsreichsten Perlenbänke im Hoheitsgebiet der Vereinigten Staaten. Diese Austernvor­kommen zeichnen sich durch Perlenausscheidungen von hervorragender Güte und eine den gewöhn­lichen Prozentsatz weit übertreffende Menge aus. Während man im allgemeinen a u f je 10 0 0 Austern eine Perle rechnet, so enthalten un­gefähr 10 v. H. aller Muscheln auf diesen Riffen die wertvollen Kügelchen. Den Reichtum dieser Bänke hat man erst im Jahre 1929 erkannt, ob­wohl ihre Entdeckung bereits mehr als ein Jahr­hundert zurückliegt, als hier im Jahre 1822 zwei englische Schiffe auf den Korallenriffen strandeten. Nach diesen beiden Schiffen tragen sie auch ihren Namen.

Im Jahre 1854 nahmen die Vereinigten Staaten von ihnen Besitz. Die Koralleninsel, die vor einigen Jahren von einer amerikanischen Expedition unter Leitung von Dr. Paul G a l t s h o f f erforscht wurde, ist 29 Kilometer lang und 19 Kilometer breit, und eine beträchtliche Anzahl winziger Inseln, manche kaum mehr als eine Sandbank, breiten sich zu beiden Seiten aus. Die Tiefe des Wassers wech­selt von wenigen Zentimetern bis zu 32 Meter. In einer Tiefe von 15 Meter und mehr aber macht

ein dichter Korallenwald die Gewässer für Austern ungeeignet. Die Ursache der Entsendung der eben erwähnten amerikanischen Expedition war die beim Fischereibüro der Vereinigten Staaten ein­gegangene Nachricht von einer Ueberfischung der Bänke, ohne daß für die zukünftige Ver­mehrung der Muscheln Sorge getragen worden wäre. Dr. G a l t s h o f f, zu dessen Unterstützung der amerikanische MinenwerferWhippoorwill^ entsandt worden war, stellte fest, daß in kurzer Zeit nicht weniger als etwa 106 000 Austern oder 100 Tonnen dieser Muscheln von den Riffen ohne jede Fürsorge für die Zukunft entfernt worden waren.

Die Austernbänke wurden dann für alle Fischer gesperrt und jede Tätigkeit verboten, bevor sich die Bänke wieder von diesem Raubbau erholt haben werden. Auch wurden den Riffen einige hundert Austern entnommen, die nach der Kaneohe Bai bei der Kokosinsel verpflanzt werden sollen, wo sich für sie günstige Lebensbedingungen finden. Ferner soll die Fischerei auf den Perlen- und Hermes-Riffen, wenn sie ihren früheren blühenden Ertragsreichtum wieder erreicht haben wird, nur unter staat- licher Aufsicht gestattet sein, um einer ähn­lichen Verwüstung in Zukunft vorzubeugen. Die Expedition führte gründliche karthographische Auf­nahmen der Riffe durch, deren genaue geographische Länge und Breite bestimmt wurde. Zu diesem

zum Tode durch den Strang. In dem Nr- teilsspruch wird dem Kriegsminister empfohlen, sich beim König für eine Begnadigung der beiden Verurteilten zu verwenden. Dieser Prozeß wird als ein Nachspiel zu der innenpolitischen Saube- rungsaktion angesehen, die kürzlich mit dem Militär- oerschwörerprozeß gegen den Oberst a. D. Welt- scheff und der Auflösung der Militärliga ihren eigentlichen Abschluß gefunden hat.

Chinesische Verschwörer vor Gericht.

Nachspiel zum Attentat auf Minister Wang und Tschiangkaischek.

Schanghai, 31- März. (Ostasiendienst des DNB.) In Nanking begann einer der größten po- litischen Prozesse, die jemals in China stattfanden. Angeklagt sind 6 Chinesen, die unter dem Verdacht stehen, an dem Anschlag beteiligt gewesen 3u sein, der am 1. November 1935 dem Minister­präsidenten und Außenminister Wang Tschina W e i fast das Leben gekostet hätte und der auch gegen Marschall Tschiangkaischek gerichtet war. Dank des scharfen Wachtdienstes der Leibwache konnten die Verschwörer damals an der Ausfüh­rung ihrer Mordpläne gegen den Marschall verhin­dert werden.

Aus den von den Angeklagten in der Vorunter­suchung gemachten Aussagen ergab sich, daß Gene­ral Tschengminschu, der Leiter der Fukien- 'Revolte, der geistige Urheber des Kom- _p l o t t s war. Er hoffte, die durch den Mord ent­stehende Unruhe für einen neuerlichen Versuch der Machtübernahme ausnutzen zu können. Die Regie­rung der britischen Kolonie Hongkong hat inzwi­schen die Verhaftung von vier weiteren Chinesen mitgeteilt, die angeblich an dem An­schlag beteiligt gewesen sein sollen. Von der chine- ssischen Regierung wurde ein Auslieferungs- »antrag gestellt.

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Ministerpräsident Wang Tfching Wei spielt in unserem heutigen Bildbericht:Ein Gieße­ner Arzt erlebt Asien" eine besondere Rolle. Auch der Mordanschlag, der jetzt in Nanking sein gerichtliches Nachspiel findet, wird in unserem Heu- Ligen Bericht ausführlich erwähnt.

DieLudenirage in Oesterreich.

Feststellungen zumPhönix"-Skandal.

Berlin, 30 März. (DNB.) Vor dem Verband der Katholischen Männervereine Wiens sprach Bürgermeister Schmitz auch über den Fall der P h öli i x - A G. und wies darauf hin, daß man in manchen Teilen der österreichischen Wirtschaft noch keine Vorstellung habe,was richtige Wirtschaft fei". Der Verbandsobmann, Dr. Guggenberger, mürbe etwas deutlicher, indem er die Iuden- ff r a g e anschnitt und u. a erklärte: Man hat bei uns vielfach ungeheure Angst, dieses Kapitel zu berühren. Aber wir können offen und ruhig sagen, daß wir hier endlich einmal eine Ordnung liehen wollen. Das ist keine Gehässigkeit und auch keine Ungerechtigkeit. Wir können diese Vorherr- sichaft auf die Dauer nicht ertragen. Wenn Oester­reich ein christlicher Staat fein soll, dann muß der Thrift auch etwas dreinzureden haben. Im Auf­trage des Kardinal-Fürsterzbischofs Dr. I n n i tz e r erklärte Konsistorialrat Emgelhart unter Bezug­nahme auf die kirchliche Mahnung Dr. Jnnitzers nn die Christen:Glauben Sie, daß derselbe Bischof, der die mangelnde Sittlichkeit der Christen be- -lagt, den demoralisierenden Einfluß der Juden verteidigt? Bedarf es einer besonderen Erklärung, daß das Schlechte und Zersetzende bei allen be­kämpft werden muß, gleichgültig, von wem es aus- zeht? Man bemühe sich dach um die objektive Gerechtigkeit hüben und drüben. Am besten wäre 55, einfach die Zahlen der Statistik sprechen gu lassen und danach die Einflußsphäre zu begren­zen. Wenn Minderheiten auch ihrem Einfluß nach Minderheiten bleiben, wer wird sich daran Stoßen? Zeigt nicht gerade dieses Beispiel, wie recht mir haben, wenn wir immer wieder die Forderung ver sozialen Gerechtigkeit erheben?"

Rein stärkstes Landschastserlebnis

Von Fritz Reck-Malleczewen

Es ist mitschönsten Orten" undschönsten Frauen" immer ein eigen Ding. Auf Quinta hatte man die Frage nach der schönsten Stadt Deutsch­lands mitHeidelberg" zu beantworten wer ...Pillkallen" gesagt hätte, wärevon der Anstalt verwiesen" worden. Tante Angelique kam von einer Reise in den Süden zurück mit der Feststellung, der 'chönste Ort der Welt sei die Kurpromenade von Miamara, und als ich auf Grund eigener Be­ifügung diese Promenade einen sehr angenehmen Deldruck nannte, enterbte sie mich.

So geht's mit den Superlativen. Ich vermute, daß iin allen bedeutenden chinesischen Städten über den Straßen ein Plakat hängtPohos Richtschwerter I lsind die besten", und wer darauf erwidert:No, äaben Sie's ausprobiert?", wird, damit er's an sich elbst ausprobieren kann, geköpft. Die schönste Frau Der Welt aber ist, so sagen zwischen Hu- und- :um alle Drogerielehrlinge, die Filmschauspielerin Srefa Maraquaibo, wo doch mein Freund Teddy behauptet, die schönste Frau der Welt sei das Te- !'egraphenfräulein Angela Zanelli in Cortina. Er aber muß es wissen. Zwischen zwölf und eins, als nur Telegramme ausgenommen wurden und das Amt ganz leer war, hat er sie durch den Schalter hindurch so intensiv geküßt, daß er in dem engen Schcllterloch stecken blieb und weder vorwärts noch rückwärts konnte und ausgesägt werden mußte.

Die Redaktion aber sagt: Kommen Sie, mein Herr, zur Sache und von Der schönsten Telegraphi- tin zu Ihrem stärksten Landschaftserlebnis, und ich könnte von mancherlei erzählen. Von der Einfahrt :n Budapest (tunlichst im Faltboot). Von dem Blick ooom Angiu Kölns auf der kurischen Nehrung (tum ll'chft zwischen Seebad und Flundernessen). Von der »Fahrt durch die Magelhanstraße, von der Stadt Sansibar, die auf arabisch nicht umsonstTrost des iHerzens", heißt und mit ihren himbeerfarbenen, ko- foaltenen und smaragdgrünen Häusern wie ein Farbkreise! auf dem Wasser schwimmt, und die Türen dieser alten Hausburgen sind aus messing- gebuckeltem Ebenholz und von den riesigen Nelken- ffeldern kommt jener berauschende Duft, den man nie wieder vergißt.

Das alles werde ich hier übergehen. Landschaft -will erlebt und erarbeitet sein wer davon nichts meiß, reift besser mit Cook. Erlebnisse mit der Landschaft sind meist ohne Pathos und Pointe, mein stärkstes ist ohne Telegraphenfräulein und ohne versagten Schalter geblieben. Kurz vor dem Krieg

lagen wir löschend und ladend an der peruanischen Küste vor dem kleinen Nest Eten, ich hatte aus­giebig Zeit zu bummeln. Eten ist, weil dort der Polarstrom vorbeigeht, beinahe rauh zu nennen, es besteht aus ein paar Holzbaracken und liegt zwischen der See und einer menschenleeren Ebene, über der bleich und dräuend die Kordillere steht, es war damals bemerkenswert durch drei Dinge. Erstens durch einen abscheulichen Friedhof, dessen Massengräber von den Totengräbern erst dann zu- aeschüttet wurden, wenn genug Belegschaft bei­sammen war. Zweitens durch die zwei Oleander­kübel des deutschen Konsuls, die in dieser Wüstenei so ziemlich das einzige Grün darstellten. Drittens durch Maria Villegas. Das war die Tochter des Bezirksrichters. 20 Jahre alt, leidlich hübsch, ein netter Kerl und Kamerad dieses Erlebnisses. Das ist alles.

Wir hatten Tennis gespielt. Dann waren wir am Nachmittag ziellos in die Wüstenei gebummelt, hat­ten uns ganz verloren in der unendlichen Oede dieses Strandes, hatten als einziges Leben mit uns nur die zahllosen Aasgeier, die diesen Strand bevölkern und die Schweinsfische, die in der See spielten. Sonst war da noch ein in den Wander­dünen schon ganz ertrunkenes uraltes und verlasse­nes Spanierfort, in der halb verschütteten Kapelle ein italienischer Fresko, draußen das Epitaph eines deutschen Landsknechtes aus Bayern, anno 1590. Das Licht sank, das Meer wurde stiefmütterchen- farben, das Schiff war nur als winzige Nußschale zu sehen.Schwimmen wir hinüber", sagte das Mädchen,Schwimmen wir also", sagte ich. Es war beinahe Wahnsinn, aber wir waren beide jung, wir warfen unsere Kleider ab und wollten sie abends abholen lassen. So schwammen wir.

Es waren sechs Kilometer. Und ich erzähle es durchaus nicht wegen des Wagnisses, wir hatten Ebbe und ausgehenden Strom und kamen rasch vorwärts. Ich erzähle es wegen der nie wieder er­lebten Begegnung mit einer ungeheuren Leere, mit dem Schweben im Nichts, ja, mit einer vollkom­menen Ablösung von diesem Planeten. Der Himmel wurde schwefelgelb, gegen den ausgehenden Strom lief kammlos eine gewaltige tote See zwischen den Wellenbergen waren tief violette Grüfte, und wenn man hineinfuhr, verschwand der Horizont und das Licht und jedwede Aussicht, jemals die Welt da oben wiederzusehen. Fuhr man aber die ultra­marinfarbenen Wände hinauf, dann roars ein jauch­zendes Aufschwingen wie auf einer Achterbahn, ach, ein seliges Schwingen im Herzensrhythmus des ge­waltigen Ozeans. Ich sehen schon, eigentlich ist es kein Landsschafts- sondern ein Wassererlebnis ...

Als wir die Sandbänke passierten, sagte Maria, daß im vorigen Jahre hier von einem englischen Dampfer zwei Heizer von den Haien gefressen seien ... sie stünden gerade hier und warteten. Das sagte sie lachend und mit zusammengezogenen Augenschlitzen, als handle es sich nur um den Kom­mandanten DerCapitania", der ihr den Hof machte und auf Der Plazza von Eten immer auf sie war­tete. Als wir einen Kilometer weiter waren, sagte sie nebenbei, Daß Die See hier bereits fünftaufenD Meter tief sei, ich sollte mich wohl ängstigen bei Diesem Gedanken. Ich ängstigte mich aber keines­wegs, Das Gefühl, über solchen Abgründen zu schweben unD getragen zu werben, beglückte nur. Sehen Sie, vielleicht gibt es im ganzen Leben, diese StunDe nur ein einziges Mal, vielleicht ist sie des Lebens Gipfel, vielleicht gehts von Da an bergab. Diese aber war jeDenfalls so, daß es eine Furcht auch dann nicht gegeben hätte, wenn sich aus diesen Tiefen vor uns bei Den Schwimmern wirklich Der alte Gentleman ToD aufgereckt hätte: Damals wäre es nur ein freunDliches Einwilligen gewesen, eines zu roerDen mit Dem großen Kosmos unD einzugehen in Die feierlichen Säle Der UnenDlichkeit. Ich habe es nie roieDer erlebt. Aber ich habe es damals er­lebt. UnD ich Danke Dem Geschick, Das mit diesen zwei Stunden mich bescherte.

So lange schwammen mir. Wir sprachen kaum, es war eine einzige große Trunkenheit. Als wir dem Schiff so nahe waren, daß wir die Wintschen ras­seln hören konnten, setzte Querstrom ein, wir hatten ein schweres Stück Arbeit. Als wir umdrehten, lag die Küste hinter uns als feiner Heller Strich und nur die Kordilleren dräute als Felsburg des Todes. Dort drüben im Gestein mochte der Tod sitzen. Bei uns war das Leben.

Sehen Sie, das ist mein stärkstes Landschaftser­lebnis. Es ist ohne jede Pointe ich kann nicht einmal von einem Schnupfen am Schluß, ich könnte nur von einem Bärenhunger erzählen, der uns an Bord befiel. Ich weiß auch nicht, was aus meinem Kameraden von damals geworden ist sie mag wohl den dicken Kommandanten derCapitania" geheiratet haben. Aber ich glaube nicht, daß sie diese Fahrt vergessen hat. Ich für mein Teil ver­gesse sie nicht was gehn mich seither noch alle Die berühmten Ansichtspostkartenlandschaften Der Welt an.

Kleinen Geburtstag, mit geschenktem Latakia- Tabak, Giletteklingen unD Krcwatten in Picassoblau Das hat man vorschriftsmäßig siebzig mal. Aber den ganz großen, an dem man demGroßen Krummen" begegnet, den hat man nur einmal.

Und dies war der meine.

W/D

Unser Bild zeigt Botschafter von Ribbentrop mit Frau und Töchterchen nach der Wahl in Berlin. (Atlantic-M.)

Zwecke wurden an verschiedenen Punkten Signal­türme von 12 Meter Höhe errichtet. Ebenso wurden wichtige biologische Beobachtungen angestellt, zu welchem Zweck Wasserproben entnommen wurden.

Zur Prüfung Der Perlenbänke waren Drei Taucher tätig, Die regelmäßig in Schichten von einer halben bis zu eineinhalb Stunden arbeiteten, aber trotz allem Eifer bei Der großen Ungleich­mäßigkeit, mit Der Die Bänke verteilt waren, zu keinem enDgülUgen Resultat über Den gewaltigen Austernreichtum gelangen konnten. Die verhältnis­mäßige Dichte Des Vorkommens wurde aus Der Durchschnittszahl der in einer bestimmten Periode gefundenen Austern erschlossen. An 75 Stellen, die über Das ganze Gebiet verstreut waren, nahm man Untersuchungen vor. So konnte festgestellt werben. Daß Die Perlenmuscheln in einer Tiefe von 3 bis zu 17 Meter leben; Die ausgewachsene Auster hat ein Durchschnittsgewicht von 2 PfunD, währenD Das Höchstgewicht bis zu 7 PfunD beträgt, wenngleich Austern von mehr als 3 PfunD selten finD.

Der Prozentsatz Der perlentragenDen Muscheln war ungewöhnlich hoch. Von 150 Stück, Die Dr. Ga11shoff nach Washington mitbrachte, ent­hielten 50 Perlen von seltenem Glanz unD befonDerer Größe. Die Riffe wiesen alle Zeichen einer ungeheuren Verwüstung auf. Aus Dem besten Riffe konnten Die Drei Taucher in einstündiger Ar­beit nur 21 Austern finden, auf manchen andern nur Drei oDer vier zu gleicher Zeit. Einjährige Austern fehlen fast gänzlich; Danach wurDe be­wiesen, Daß Die Fischer im Vorjahr Die Brut ver­nichtet oDer Das Laichen verhindert haben.

Da die kleinen Austern die Gewohnheit haben, sich an größere anzuheften, glaubt Dr. G a l t s - hoff, daß ihr Fehlen auf Rechnung der Habsucht der Fischer zu setzen ist. Die Perlenaustern des Perlen- und Hermes-Riffs laichen im Juli und August, und dazu sind zwei Faktoren von besonde­rer Wichtigkeit: die hohe Temperatur des Wassers und das Vorhandensein einer genügenden Anzahl von ausgewachsenen Austern. Wenn diese durch Ueberfischen zu tief gesunken sind, dann ist die Fort­pflanzung und das Erträgnis der Bänke gefährdet.

Oie Schristlesemaschine für Blinde.

Wenn man sich längere Zeit mit Blinden beschäf­tigt, Dann beobachtet man, Daß sie stärker ermüDen, wenn sie Bücher oDer Zeitungen vorgelesen bekom­men, als wenn sie Die Schriftstücke in Der BlinDen- fdjrift abtasten. Dieses Verfahren Dauert zwar et­was länger, erforDert aber anscheinend nicht die gleiche Konzentration wie beim Hören. Diese Tat­sache hat sich ein Berliner Erfinder zur Grundlage seiner Schriftle se maschine gemacht. Wäh- rend Die bisherigen Hilfsapparate für BlinDe Die Buchstaben in Laute verwanDeln, werben auf Die­ser neuen Maschine gewöhnliche Druckbuchstaben auf optischem Wege in Buchstaben Der Braille, Der BlinDenschrift, umgewanDelt.

Die Zeitung oDer Das Buch gleitet auf einer Art Schlitten langsam an einer von oben scharf beleuch­teten Linse vorüber. Die Buchstaben Des Buches roerDen Durch einen Lichtstrahl, Der aus Der Linse kommt, auf eine sich drehenDe Trommel geworfen, auf Der alle Buchstaben Des Alphabets in Schablo­nen angebracht finD. Die Buchstaben auf Der trom­mel müssen genau so aussehen wie Die auf Dem Schriftstück. Die Schablonenreihe Der Trommel läßt Den Lichtstrahl so lange Durch, bis zwei gleiche Buchstaben aufeinanDer treffen, Die sich so Decken, baß kein Licht mehr Durch Die Deffnung fallen kann. In diesem Moment fängt die innerhalb Der Trommel liegenDe Photozelle zu arbeiten an. Aus einem außen an Der Trommel angebrachten Ring kann jetzt Der BlinDe Die entsprechenDen Braille- Zeichen nachfühlen.

Dies ist aber nicht die einzige Arbeitsmöglichkeit der Maschine. Wenn trotz der gemachten (Erfahrun­gen ein Blinder den Wunsch hat, das Buch ober die Zeitung lieber zu hören als zu lesen, dann kann man eine Sprechmaschine anschließen. Vor­läufig sieht die Schriftlesemaschine noch etwas groß und unhandlich aus. Durch einen Reichszuschuß ist der Erfinder aber in die Lage versetzt, sie weiter auszubauen und vor allen Dingen zu verkleinern Der zukünftige Apparat soll sogar im Taschen­format erscheinen. Der Erfinder benutzt dazu eine Zerlegte Kamera. Mit einer Lichtquelle, einer Pho­tozelle und einem Tastgitter, auf Dem sich mit Hilfe eines Magneten Die sechs Zeichen Der Braille- Schrift abörücfcn, und einem Filterband hat er schon die hauptsächlichsten Bestandteile seines neuen Apparates in der S)anD. Der Blinde wird diesen Apparat überall hin mitnehmen können. Er braucht den Stecker nur in einen Lichtanschluß zu stecken die eine Hand auf Das Tastgitter zu legen und mit der anderen die Lcsemaschine zu bedienen.