Ausgabe 
31.3.1936
 
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Eine phantastische Entwicklung inZahlen

Rom, Ende März.

Viel stürmt in diesen Tagen auf den Zeitungs­leser ein, zu viel, als daß er alles verstehen und einordnen könnte. Die Unmöglichkeit, sich zurecht­zufinden, braucht aber keinen zu verleiten, sich eine politische Unzulänglichkeit einzureden, denn auch der Fachmann kennt sich nicht mehr aus, kein Spezialist in außenpolitischen Dingen kann wissen oder auch nur ahnen, was die nächste Stunde an lieber» raschungen bringt. Blitzschnell wechseln die Achsen der wirbelnden Ereignisse, verschieben sich die Schwerpunkte. Gestern London, heute Rom, am Nachmittag schon Genf oder Tokio und über Nacht Moskau. Locarno kaum gegrüßt, gemieden. Ueber den Rhein schieben sich die Dardanellen. Rö­mische Protokolle, Balkanpakt, Sanktionen. Deutsch­land wieder souverän, Italien schreitet zur Autar­kie, was ist mit Abessinien?

Das einzige Beständige: der Wechsel. Alles in Fluß, wie jener griechische Weise sagte, es war wohl Heraklit, derselbe Mann, der vom Krieg be­hauptete, er sei der Vater aller Dinge und aller Dinge König. Und hat er nicht Recht behalten? Geht der ganze Wirbel nicht auf den Weltkrieg zu- nieder Krieg um Krieg zeugte? Ohne den afrikanischen Feldzug wäre Genf nicht in den Sank- twnskrieg hineingeschliddert und wären die Sank­tionen nicht, so stände Italien nicht abseits von Lo­carno. Aber wichtiger und wuchtiger als alle diese konkreten Vorfälle istdieDölkerwanderung der Weltanschauungen, die sich aufgemacht haben und, alles zum Einsturz bringend, die Gei- steskontinente des vergangenen Jahrhunderts über*

Freudigen Herzens nehmen wir teil an dem Dank für das einmütige Bekenntnis zum Führer, zu Freiheit und Würde unseres Volkes, das der gestrige Tag uns geschenkt hat. Wir bitten die Landeskirchen, diesem Dank und der Fürbitte für die Bemühungen des Führers um einen wahren Frieden der Völker dadurch Ausdruck zu geben, daß sie für morgen, den 31. d. M., mittags von 12 bis 13 Uhr ein allgemeines Kirchengeläut anordnen."

Denn die Bewegungen der Italiener im Nordwesten lassen die Annahme zu, daß man die Absicht hat, den rechten Flügel der Front, der bisher sehr weit zurück hing, nun so erheblich vorzuschieben, daß dadurch eine Frontverkürzung entsteht, die naturgemäß auch Fronttruppen frei macht. Aber diese Bewegungen südlich von Om Ager, in der äußersten Nordwestecke Abessiniens, haben noch eine andere Bedeutung: sie laufen in das Gebiet hinein, das die Engländer bisher als ihre Interessen­sphären betrachteten, sie gehen ziemlich genau auf den Tana-See zu, dessen Wasservorräte für die sudanesischen und ägyptischen Baumwoll- und Agrargebiete von unerhörter Bedeutung sind. Bom­benabwürfe auf Gondar in der Nähe des Tana- Sees können nur als Vorbereitung einer Vorwärts­bewegung in Richtung dieser Stadt und des Sees gewertet werden. Denn die Italiener haben immer die wichtigsten Ortschaften hinter dem abessinischen Frontabschnitt bombardiert, der in ihren Offensiv­plänen gerade von Bedeutung war. Daß der Tana- See mit den ihn umgebenden reichen und frucht­baren Provinzen auf Rom wie ein Magnet wirkt, ist schon zu verstehen. Denn Mussolini hat ja wieder­holt erklärt, daß er kein Wüstensammler sei. Auf die wertvollen Gebiete Abessiniens kommt es ihm also lediglich an. Wenn er nun seine Truppen in das Gebiet am Tana-See einmarschieren läßt, wenn man sich daneben vergegenwärtigt, welche Sprache die britische Presse führte, als zu Beginn des Krie­ges auch an die Möglichkeit eines italienischen Vor­stoßes an die Nilquellen gedacht wurde, dann muß sich Italien entweder sehr stark fühlen oder aber die Engländer müssen heute über den Wert des Tana-Seegebietes und über die Bedeutung einer Beherrschung der Tana-Wassermengen durch Musso­lini wesentlich anders denken als noch vor einigen Monaten. Das letztere zu glauben liegt eigentlich kein Grund vor.

Oie Kriegslage in Ostafrika.

Neuer Vormarsch der Italiener an der Nordfroni. Oer Tana-See.

Alles fließt!

Oie außenpolitische Lage Italiens.

Don unserem römischen E.-Korrespondenien.

40 neue schweizerische Militärflugzeuge.

Bern, 30. März. (DNB.) Der Schweizerische Bundesrat hat beschlossen, für die Beschaffung von vierzig neuen Militärflugzeugen dem Erneuerungs­fonds für Flugzeuge einen Betrag von 5,1 Millionen Franken zu entnehmen. Es handelt sich um Flug­zeuge, für die keine fremde Lizenz erforder­lich ist und d i e in der Schweiz selb st her - g e st e l l t werden. Auch die Motoren werden schwei­zerisches Fabrikat sein.

schwemmen. Dazu die wirtschaftlichen Elemente neuer Art ...

Rom steht wie ein fester Punkt im flutenden Ge­schehen, aber selbst die Stentorstimme eines Mus­solini wird jenseits der Alpen nur noch mühsam vernommen, so groß ist der Lärm in Europa. Wir wollen versuchen, mit wenigen Strichen die p o li­tt s ch e L a g e I t a l i e n s, wie sie in diesem Augenblicke ist, festzuhalten und dem Leser einen kleinen Ariadnefaden in die Hand zu drücken.

Da wäre zunächst einmal der Krieg in O st - a f r i k a. Italien hat zwar, ebenso wie der Negus, dem Friedensappell des Völkerbundes im Prinzip zugestimmt, der Krieg geht aber selbstverständlich weiter, bis sich die Herren in Genf über das Prin­zip geeinigt haben. Das heißt praktisch: Mussolini kümmert sich um das juristische und diplomatische Getue genau so viel wie im vorigen Jahr. Der Völkerbund hätte zwar die Macht gehabt, den Krieg zu verhindern oder die Einstellung der Feindselig­keiten zu erzwingen, aber er konnte sich nicht dazu entschließen, diese Macht zu gebrauchen. Nicht ein­mal über die Oelsperre konnte, besser: wollte er sich einig werden. Die Sanktionen macht jeder Staat so weit mit, als es ihm paßt: in Italien ist infolge­dessen nichts von Mangel zu spüren. Zwei Staaten haben sogar den Mut gehabt, dem Völkerbund offen den Gehorsam zu verweigern, Ungarn und Oesterreich, und er hat sie nichtzur Raison gebracht", wie er anfangs drohte. Jetzt sind diese Staaten förmlich mit Italien verbün- b e t, das Loch in der Sanktionsmauer ist so groß, daß man den ganzen Sühnemaßnahrnen schon jetzt

noch annahm, 1,21 v. H. sondern gar nur noch ein einziges Prozent an Stimmen abge­geben worden, die nicht für die Liste und damit für den Führer sind. Bei diesem einen Prozent aber ist außerdem tfod) zu berücksichtigen, daß darin die ungültigen Stimmen bereits enthalten sind!

Bei den ersten Wahlen des Jahres 1933 waren es noch 17,27 Millionen Wähler und Wählerinnen, die die Liste der NSDAP, wählten. Heute sind es fast 4 4,5 Millionen! Man kann es ange­sichts dieser enormen Entwicklung gewissen Teilen der Auslandspresse beinahe mit einem gewissen leicht spöttischen Mitgefühl nachempfinden, wenn sie ein paar Dutzend Berichterstatter in Deutschland besonders im Rheinland und an der Saar, von Wahllokal zu Wahllokal reisen und sowohl in dem Wahlvorgang als auch in die bekanntlich öffentliche Auszählung Einsicht nehmen ließ. Inzwischen haben sich auch diese Kreise damit abfinden müssen, daß diese Wahlen die Volksabstimmung vom November 1933 um 4 v. H. und die vorn August 1934 gar um 9 v. H. übertreffen, und daß von den 5 Millio­nen der gegnerischen und neinsagenden Stimmen wenig mehr als eine halbe Million immer unter Einschluß der ungültigen Stimmen! übrig­geblieben sind. Man wird auch im Ausland lernen müssen, die entscheidenden Zahlen dieser letzten Wahlen als einen unveränderlichen Posten in seine Kalkulation einzusetzen. *

Nach einer Mitteilung des Deutschen Nach­richtenbüros bezeichnen in der gestern ver­öffentlichten Tabelle des Ergebnisses in den Wahlkreisen die Spalte 4 die Zahl der gegen die Liste und die Zahl der ungültigen Stimmen, die Spalten 5 und 6 die Zahl der für d i e Li sie und damit für den Führer ab­gegebenen Stimmen sowie ihren prozentualen Anteil an den insgesamt abgegebenen Stimmen.

Deutschland hat sich selbst übertroffen. Sogar der Weltrekord aus der Nacht zum 30. März, kaum festgestellt, war wenige Stunden später schon wieder übertrumpft. Bei einer Wahlbeteiligung von 99 v. H. wurden 99 v. H. aller Stimmen für die Liste und da­mit für den Führer abgegeben. Man braucht nicht zu fürchten, daß man unter dem Eindruck dieses gerade­zu phantastischen Ergebnisses etwa übertreiben konnte, wenn man sagt, daß derartige Zahlen in keinem an­deren Lande und von keinem anderen Staatsmann heute erreicht werden können. Der Vollkommen­heitsgrad der Wahlen vom 29. März kennzeichnet die in steiler Kurve ansteigende zahlenmäßige Ent­wicklung, die die innere Einigung der Nation un­ter dem Nationalsozialismus genommen hat. Es gehört nicht zu den geringsten Anerkennungen des Auslandes, wenn man in fremden Blättern lesen kann, es sei schon eine ungeheure Leistung, solche Volksmassen überhaupt zur Wahlbeteili­gung zu veranlassen. Wo bleiben heute die Zah­len der Wahlen vom 5. März 1933?! Und dabei erreichte doch damals die Wahlbeteiligung mit der Höhe von niemals für möglich gehaltenen 88,5 v. H. eine Stärke, die schon damals einen absoluten Rekord bedeutete, wobei wir uns daran erinnern wollen, daß schon jene ersten Wahlen im Dritten Reich der NSDAP, einen Stimmenzuwachs von 45 v. H. einbrachten. Bei den Wahlen am 12. No­vember des gleichen Jahres wurden 42,988 Millio­nen Stimmen oder 95,2 v. H. abgegeben, wobei die NSDAP. 92,2 v. H. aller Stimmen auf sich ver­einigte. Damals wurden noch 3,349 Millionen Stimmen oder 7,8 v. H. als ungültig gezählt. Bei der Volksabstimmung am 19. August 1934 wurden insgesamt 43,529 Millionen Stimmen abgegeben, was einer Beteiligung von 95,7 v. H. entsprach. Sie verteilten sich mit 89,9 v. H. auf die Ja- und 10,1 v.H. auf die Neinstimmen. Jenes Zehntel von damals ist also diesmal wieder dezimiert worden, ja mehr noch: es sind dies­mal nicht 1,1 oder, wie man zuerst in der Nacht

Der Führer und Reichskanzler hat an Gauleiter DÜrckel das nachstehende Telegramm gerichtet: Tief beeindruckt von der an erster Stelle marschie­renden Saarpfalz sende ich Ihnen, meinem alten verdienstvollen Gauleiter, zum heutigen Ge­burtstage meine herzlichsten Glückwünsche." 3ube( vor der Reichskanzlei.

Berlin, 30. März. (DNB.) Nur während einiger Stunden der vergangenen Nacht lag Ruhe über dem Withelmsplatz. Aber schon mit dem Marge n g r a u e n erschienen wieder die ersten Berliner. Meistens waren es Arbeiter auf ihren Rädern, die auf dem Weae zur Arbeitsstätte einen Umweg machten, um vielleicht in früher Morgen­stunde doch schon den Führer zu sehen. Von Stunde zu Stunde wuchs die harrende Menge. Eine Unzahl von Kindern benutzte den Ferientag zu einem Besuch des Regierungsviertels. Mehr­mals zeigt sich der Führer auf dem Balkon, hrüßt dankend mit lackendem Gesicht die jubelnde Menschenmenge. Obwohl in den Mittagsstunden ein Dauerregen einsetzt, bleibt der Wilhelmsplatz mit einer dichten Menschenmauer besetzt. Gegen 17 Uhr, als das Bitten und Drängen der harren­den Menge immer eindringlicher wird, erscheint der Führer nochmals auf dem Balkon. Ein wahrer Blütenregen geht auf den Balkon nieder. Kinder werfen Frühlingsblumen zum Führer hin­auf, Nelken, Tulpen, kleine Dergißmeinnichtsträuße. Ein großes Bund Anemonen Öffnete sich beim Wurf und streute feinen Blütenregen auf dem Balkon. Und während der ganzen Zeit branden die Heil-Rufe empor, ein einziger großer Dank.

Heute läuten die Glocken.

Berlin, 30. März. (DNB.) Der Reichskir- chenausschuß hat an die obersten Behörden der deutschen Evangelischen Landeskirchen folgende ttufforterung gerichtet:

Rom, 30. März. (DNB.) Im italienischen Heeresbericht Nr. 168 heißt es u. a.: Nach hem Siege im Schire-Gebiet haben unsere Truppen, die den Takazze-Fluß überschritten haben, den Vor­marsch in das Gebiet zwischen Wold- ebba und Tsellemti fortgesetzt und haben Addi Arcai erreicht. Nach Einrichtung der Nachschuborganisation sind sie wieder zum An­griff vorgegangen und haben nach lieber» Windung erheblicher Geländeschwierigkeiten den fast unersteigoaren Gebirgspaß von ßemolemo über­schritten und den Hauptort des Wogera-Gebietes, D e b a r e f, einen bedeutenden Markt dieses Hoch­landes, besetzt. Das III. Armeekorps stieß aus dem Gebiet von Feneroa vor und erreichte nach einem anstrengenden Marsch den Hauptort des Wag-Ge- bietes, S o c o t a , einen bedeutenden Karawanen­knotenpunkt, an der von Dessie und Addis Abeba in das Gebiet das Tanasees und nach (Bobjam füh­renden Straße.

An der Erythräa-Front ist ein Flugzeug nicht zu feinem Stützpunkt zurückgekehrt. Gestern beleg­ten 33 Flugzeuge die Stadt Harr ar mit Bom­ben. Dabei wurden wohlbekannte militärische Ziele mit sichtbarem Erfolg getroffen. Trotz der heftigen Luftabwehr erhielt kein Flugzeug einen Treffer.

Die italienische Nordfront in Abessinien zieht sich gegenwärtig von Nogara an der Sudangrenze schräg nach dem Südosten bis Sokota hin, das westlich vom Aschangi-See liegt. Täglich werden neue Orte von den Truppen Badoglios besetzt, ständig wächst das Gebiet, das unter italienische Kontrolle gerät. Gerade in den letzten Tagen sind mehrere tausend Quadratkilometer abessinischen Ge­bietes zu den alten Eroberungen hinzugekommen, so daß in verhältnismäßig kurzer Zeit die italieni­sche Front etwa von Sokota genau westwärts bis an die Grenze des britischen Sudans reichen kann.

das gleiche mißliche Ergebnis prophezeien kann, das der Kontinentalsperre Napoleons zuteil wurde. Ob nun die französischen Zöllner beide Augen zu- drücken oder die Adria nicht dicht hält, jedenfalls blüht ein Riefenschmuggel. Am italienischen Alltags- gesicht hat sich nichts geändert und der Krieg wird mit vermehrter Entschlossenheit vorwärtsgetrieben. Ein kleines äußeres Anzeichen dafür: die Kron- Prinzessin hat sich alsCrocerossina , als Rotkreuz­schwester, nach Afrika eingeschifft. Die ersten Born- ber sind über Addis Abeba erschienen, Dschidschika und Harrar wurden völlig vernichtet. In seiner großen Rede vor der Nationalversammlung der Korporationen proklamierte Mussolini die bisher eroberten Gebiete als italienisches Land und ließ keinen Zweifel darüber, daß er den Feld­zug bis zum Siege durchführen werde.

Der ungarische Mlnisterpräsident und der öfter- reichische Bundeskanzler wurden Zeugen dieses un­erbittlichen Siegwillens, lieber diekleine Donaukonferenz" haben einiae französische und englische Journalisten so berichtet, wie ihre Zeitungen die Dinge gern haben möchten. In Wirk­lichkeit konnten sich die drei Staatsmänner mit der Rhein- und Locarnofrage natürlich nur betrachtend, nicht handelnd befassen. Schuschnigg blieb daher mit Recht bei seinen Erklärungen an die Presse- leute auf dem wirtschaftlichen Gebiet, und Gömbös konnte die blutenden Grenzen Ungarns auch nicht in den Vordergrund rücken. Es wurde zwar nach der bekannten italienischen Formel darüber eine Einigkeit erzielt, daß jede Lösung der Donaufrage ohne Italien eine Lösung gegen Italien und damit zu verwerfen wäre. Hinter dem Zusatzab­kommen steht aber ebenso sichtbar die Erkenntnis, daß die Lösung auch nicht ohne Deutsch­land möglich ist. Aehnlich wie sich die Alliierten im Weltkrieg verpflichteten, keinen Separatfrieden zu schließen, so geloben die Mitglieder deskleinen Dreibundes", auf außenpolitischem Gebiet zu keiner selbständigen Sonderaktion zu schreiten. Allerdings haben solche Abkommen zwischen einer Großmacht und einem kleinen Staat immer einen relativen Wert, um die Worte des österreichischen Bundes­kanzlers zu wiederholen, die er bei der Betrach­tung des deutsch-österreichischen Verhältnisses ge­brauchte.

Fest steht, daß sich Italien mit den Romprotokollen endgültig in den Komplex Mitteleuropa eingeschaltet hat, folglich auch bei jeder Bewegung der K l e i - - nen ßntenre und Balkanentente mit­sprechen will.

In den letzten Tagen hat nun das franzö­sische Liebeswerben um Italien um so offener, um nicht zu sagen ungestümer eingesetzt, je mehr sich das Verhältnis zu England zu trüben schien. Es heißt jetzt bereits ganz offen: freie Hand in Abessinien gegen Hilfe am Rhein. Italien macht, sich rar und erklärt nur: es könne keine Entschei­dung treffen, solange d i e Sanktionen in Kraft seien. Der Krieg in Afrika müsse als Ding für sich betrachtet werden, als eine rein koloniale Ange­legenheit, in die sich Italien nicht hineinreden lasse. Schlimmer konnte es Genf, Paris und London nicht in Verlegenheit bringen. Auf jeden Fall wird es Nutzen ziehen aus dieser Verwicklung.

Doch Mussolini sieht bereits weiter. Für ihn steht Europa erst am Anfang einer unheilvollen Ent­wicklung. Unabwendbar, so rief er aus, scheint es zu sein, daß die Nation zur Feuerprobe des Krieges gerufen wird. Auf diese Stunde will er Volk und Nation vorbereiten. Und diesem Gedanken wird nun alles untergeordnet, die Rüstung mit der gleichen Sorgfalt und Aufwendung von Menschen und Ma­terial vorbereitet, wie vorher die Einleitung des afrikanischen Feldzuges. Italien ist zu einem ein­zigen Heerlager geworden. Die Wehrpflicht bei der Luftwaffe wurde als obligatorisch erklärt. Die große Industrie hat nur noch einen Kunden, sagt der Duce: den Staat! Folgerichtig tritt das Parla­ment der Redner und Politiker ab, um den Kor­porationen Platz zu machen. Mars regiert die Stunde.

Die Verwendung von Giftgasen. Wachsendes englisches Interesse am Krieg in Abessinien.

London, 31. März. (DNB. Funkspruch.) Im Oberhaus wies Lord Cecil auf ein Telegramm des Negus hin, in dem die Italiener beschuldigt werden, Giftaasbomben abgeworfen zu haben. Lord Halifax erklärte im Namen der Regierung u. <l, es wäre unheilvoll, wenn die Öffentliche Aufmerk­samkeit durch andere Ereignisse auf internationalem Gebiet von dem Krieg in Abessinien abegelentt würde. Wenn die Berichte über die Verwendung von Giftgasbomben durch die Italiener zutreffen sollten, dann dürfe der Dreizehner- Ausschuß des Völkerbundes das nicht als bedeutungslos behandeln. Es würde dann auch die Pflicht der britischen Regierung fein, sich eifrig zu bemühen, nicht nur eine praktische Verurtei­lung eines so großen Verbrechens gegen die Zivi­lisation zu erzielen, sondern auch alle sonst möglichen Schritte zu tun, um die Welt vor der Wiederkehr eines solchen Verbrechens zu schützen.

Gewaltiges Bauprogramm der englischen Flotte.

London, 31. März. (DNB. Funkspr.) Die eng­lische Regierung wird nach einer Meldung des Daily Telegraph" bis zum Jahresende folgende Kriegsschiffe in Auftrag geben: 2 Grotzkampf- schiffe, 5 Kreuzer, 1 Flugzeugträger, mindestens 12 Zerstörer uno eine noch unbekannte Anzahl von U-Booten und Schaluppen. Diese gewaltigen Auf­träge ergeben das größte Flottenbaupro­gramm, das England seitdem Weltkriege aufgestellt hat. Drei weitere Kreuzer werden vor­aussichtlich im Sommer 1937 in Auftrag gegeben werden. Die genannten Schiffe umfassen eine Ge­samttonnage von 175 000 Tonnen. Die Kosten be­laufen sich auf rund 35 Millionen Pfund. Im Rahmen des neuen (Befamtprogramms der eng­lischen Flotte stellen die genannten Aufträge jedoch nur den er ft en Abschnitt dar. Das Fünf- Jahres-Programm sieht den Bau von 25 neuen Kreuzern und einer großen Zahl von Groß­kampfschiffen, Zerstörern, Schaluppen und U- Booten vor.

Todesurteil für bulgarische Verschwörer

(Sofia, 30. März. (DNB.) Das Sofioter Mili­tärgericht verurteilte den ehemaligen Innenminister Oberst a. D. Koleff und den ©eneralftabsoberft a. D. Kalenderoff, den Bruder des früheren Finanzministers gleichen Namens, die beschuldigt waren, im April vorigen Jahres, einen Tag nadh der Bildung der damaligen Regierung Toscheff, einen gewaltsamen Ümsturz mit Hilfe be­stimmter Teile der Armee vorbereitet zu haben«

Schlimmeres verhüten, nur so Frankreich zurück­halten zu können glaubte, so ist diese Konzession an Frankreichs Machtdünkel und Gewaltsamkeit allerdings noch lange kein Grund, daß Deutschland sich wider besseres Wissen zu einem Schuldbekennt­nis versteht.

Aus solchen Gedankengängen heraus ist bekannt­lich auch jene famose Ueberaangszeit erfun­den worden, die Deutschland, Zusicherungen vertei­lend und Besserung gelobend, durchschreiten müsse, bevor es wieder verhandln ngs- und vertragsfähig geworden sei. Die neue deut­sche Stellungnahme hat auf diese Ansinnen die ein­zig mögliche Antwort gegeben. Es war eine völlige Verkennung der Situation, wenn englische Blätter sich um den Nachweis bemühten, daß die verlangten Zugeständnissevon ganz geringer Tragweite" ge­wesen wären. Denn hier sollten die sogenannten symbolischen Gesten ein verschleiertes Schuldbekenntnis bedeuten; nicht mehr und nicht weniger als eine neue Schuldlüge sollte durch uns legalisiert, Frankreich ein neuer Schuld­schein in die Hand gedrückt werden.

Die vorläufige deutsche Antwort hat demgegen­über das Problem wieder richtig gestellt. Die Welt ist erneut darauf hingewiesen worden, daß die deutsche Friedwilligkeit über jeden Zweifel erhaben ist, daß Deutschland in dieser Krise keine anderen Absichten und Ziele verfolgt, als in Ehren d e n Weg für eine neue Ordnung Europas, für ein wirkliches Gleichgewicht der Sicher­heit freizumachen. Dies zu verhindern, war der alleinige Sinn der französischen Berufung auf das Recht". Die Klagen jenseits des Rheins über die verlorengegangene Sicherheit waren mehr als auf­schlußreich. Sie enthüllten eine Geistesverfassung, die auch heute noch in der Unsicherheit Deutschlands, in seiner offenen Flanke im Westen, eine Voraus­setzung für den Frieden Frankreichs erblicken möchte. Es wiederholte sich in der Debatte über künftige deutsche Befestigungsanlagen im Westen das gleiche beschämende Schauspiel wie früher auf der Abrüstungskonferenz. Wie damals die franzö­sische Politik in der eigenen ungeheuren Rüstung eine Friedensgarantie, in der deutschen Wehr aber eine Friedensgefahr sehen wollte, so auch jetzt wieder. Der französische Festungs­gürtel, so hieß es in Paris, fei notwendig als Sperrmauer gegen einen deutschen Angriff; deutsche Anlagen im Westen da­gegen wären eine Gefahr, weil sie in einem künftigen Konflikt Frankreich von Mittel- und Ost­europa absperren würden. Man muß gestehen: offenherziger hat sich die französische Politik wohl noch nie gezeigt als hier, wo sie das jeberzeitige Einmarsch- und Durchmarschrecht skrupellos als Voraussetzung desFriedens" prokla­miert.

Die Staatsmänner der Restlocarno-Mächte haben nach der Uebergabe der deutschen Antwort das Wort. Geben wir uns keiner Täuschung hin. So gewiß auch das französische Volk die von Deutsch­land dargebotene Hand ergreifen möchte, so ge­wiß ist auch, daß die negarioen Kräfte, die heute noch auf die Gestaltung der französischen Politik Einfluß haben, ihre Anstrengungen verdoppeln wer­den. Wie man im Quai d'Orsay die ganze gegen­wärtige Krise bisher nur auf die Möglichkeit durch­forscht hat, mit Hilfe einerdeutschen Gefahr" einem wirklichen Frieden Dorzubeugen, so wird man dort auch jetzt das deutsche Angebot alszu w e - n i g" bezeichnen, um den Weg für die ersehnten Militär abred en fretguberommen. Noch ein­mal gibt das Schicksal der englischen Politik die Chance, anknüpfend an ihre beste Tradition in wahrhaft'europäischem Sinne ausgleichend und be­freiend zu handeln. Versäumt sie aus Schwäche und Bequemlichkeit auch diesen Augenblick, bann ist die Zukunft dieses Kontinents in Dunkel gehüllt.

Der Führer dankt.

Berlin, 30. März. (DNB.) Der Führer and Reichskanzler hat während des Wahl­kampfes und insbesondere nach dem Bekanntwer- den des Wahlergebnisses telegraphische und schrift­liche Kundgebungen der Zustimmung und Gelöbnisse der Treue aus dem Reich und dem Ausland in so großer Anzahl erhallen, daß eine Einzelbeantwortung leider undurchführbar ist.

Der Führer und Reichskanzler bittet alle, die ihm In diesen Tagen ihre Gefotgschafts- treue oder ihre Zustimmung bezeug­ten. seinen aufrichtigen Dank auf diesem Weg entgegenz«nehmen; ebenso herzlich dankt der Führer auch den zahlreichen ausländi­schen Freunden Deutschlands, die ihm und dem deutschen Volke ihrverständnis und ihre freundschaftliche Gesinnung zum Ausdruck brachten.