Ausgabe 
30.10.1936
 
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M. 255 Drittes Blatt

GietzenerAnzeiger (General-Anzeigerfür Oberhessen)

Zreitag, 30. Oktober 1956

Die Vereidigung der Rekruten des Standorts Gießen.

Eine denkwürdige Feierstunde auf dem Trieb.

Am heutigen Freitagoormittag von 11 Uhr ab fand auf dem großen Aufmarschplatz auf dem Trieb zwischen der Dolkshalle und der Artillerie-Kaserne die feierliche Vereidigung der Rekru­ten des Standortes Gießen in Gegen­wart des Standortältesten, Generalleutnant- toald, zahlreicher Vertreter der Partei und der Behörden, sowie einer großen Zuschauermenge

Der Aufmarsch der Truppen

erfolgte derart, daß an der nördlichen Querseite des Geländes, parallel zum Sportplatz, die Musik, das I. Batl. Jnf.-Rgt. 116, anschließend das II. Batl. Jnf.-Rgt. 116 und, Spezialtruppen des Regiments, an der östlichen Schmalseite des Platzes das E.-Batl. 116 und die III. Abtlg. Art.-Rgt. 9, die Bataillons- konnnandeure bzw. der Kommandeur der Artillerie- Abteilung vor der Front ihrer Einheiten, standen. Weiter voraus, nach der Mitte des Platzes zu, stand der Kommandeur des Jnf.-Rgts. 116. Ihm gegenüber nach der Grünberger Straße zu stand der Divisionskommandeur, Generalleutnant O ß - rv a l d, in der Nähe des Feldaltars, der mit Tan­nengrün und der Reichskriegsflagge geschmückt war. Rechts- und links, parallel zur Grünberger Straße, hatten die Ehren-Abteilungen, die Offiziere und Reserveoffiziere des Standorts, sowie die Ehren­gäste ihren Platz. Zwei Geschütze der Artillerie und die bei derartigen Feiern übliche Zusammenstel­lung von Infanteriewaffen bildeten den militäri­schen Schmuck des Aufmarschplatzes. Die Vereidi­gungsparade wurde vom Jnf.-Rgt. 116 gestellt.

Die Meldung an den Gtandortäliesten.

Punkt 11 Uhr erschien der Standortälteste, Ge­neralleutnant Oßwald, auf dem Aufmarschplatz, wo der Kommandeur des Jnf.-Rgts. 116, Oberst­leutnant Herrlein, ihm die Truppenaufstellung meldete. Unter den Klängen des Präsentiermarsches schritt Generalleutnant Oßwald die Fronten der Truppen und der Ehrengäste ab, wobei er seinen Soldaten bzw. den Gästen den militärischen Gruß entbot, der allenthalben kräftigen Widerhall fand. Hierauf begann die

gottesdienstliche Feier.

Die Militärmusik leitete mit dem Spiel des Cho­ralsLobe den Herren" ein. Anschließend sprach der evangelische Militärgeistliche

Pfarrer Ausfeld:

Alles, was ihr tut, das tut von Herzen, als dem Herrn und nicht den Menschen."

Kolosser 3, Vers 23.

Dieses Bibelwort ist einst Bismarck bei seiner Konfirmation als Geleitwort fürs Leben mitge­geben worden, und es liegt in ihm der Schlüssel zum Verständnis für seine überragende Größe, seine unwandelbare Treue und schlichte Pflichter­füllung. Das Wort grüßt in dieser feierlichen Stund^ heute euch, ihr jungen Kameraden, die ihr jetzt dem Führer die Treue geloben wollt mit einem heiligen Eid, den ihr schwört bei dem dreieinigen Gott. Ihr wollt im Frieden und, wenn es sein soll, auch im Krieg euren Soldatenberuf treu erfüllen und allezeit bereit sein, auch euer Leben einzusetzen in opferbereiter Pflichterfüllung.

Aller, was ihr tut, das tut von Herzen, als dem Herrn und nicht den Menschen! Der Soldatenberuf erfordert, wie jeder andere Beruf, ja, man könnte sagen, fast mehr noch als die meisten andern Be­rufe, den Einsatz der ganzen Persönlichkeit. Auch all die scheinbaren Kleinigkeiten des täglichen Dien­stes, die doch so wichtig sind, wirklich treu und ge- UMMeM

Roman von Ilse Schuster.

Copyright 1936 by Aufwärts-Verlag ®. m. b. 5)., Berlin SW 68

Nachdruck verboten!

37 Fortsetzung.

Na Sevv wie wär's mit einer kleinen Spa- -iierfab'rt im Auto?" fragt da Hanna und macht es ihrem Besuch-^ leich? das weitere Programm des Tages zu erledigen.Nach Buchwald inbiß Alpenrose zum Schokolade trinken und Schlag- fagterC©epp rutscht erschrocken vom Stuhl. Er bat in seinem kurzen Leben noch me in einem Auto ge'esfen - der Flori und der Hannes wur- (ABn »orfDrinaen sie tun sich auch immer so w?il der Bruder °«m Hannes ein Motorrad ],at - er stolpert zu Hanna hm - er .st unsag- ^"Ich^bin'nH niemals net im Auto gsessen - x "Atü nrn uern er klammert sich an ich mocht halt g g los, damit er sich

MWEW gSksis s'äsäs

Zu sogen und da sch beiden Großen machen äst« s rL-'V'» » $.?"ä Hann^as °Ä°NmM°ng°tr°mme.. h°b-und fache. Und"ihm'könmn^ Zeuger^seines wunder. bt*65n wickett"'sich auch'wirNich alles programm­mäßig ab Sie fahren zurück Jungen und Madel s sich auf bei Dorfstraße au,gebaut und er steigt aus wie ein König, dem zu Ehren Späher

wissenhaft zu erfüllen, dazu wird man auf die Dauer nur imstande sein, wenn man weiß, daß unser Beruf ein Gottesdienst ist. Denn der Beruf das liegt ja schon im Namen ist der genau umschriebene Kreis der Pflichten, in den uns Gott hineingestellt und berufen hat, damit wir da in selbstverständlicher gewissenhafter Pflichterfüllung das tun, was er uns als unsere Aufgabe gegeben hat. Je lebendiger dieser Gedanke in euch ist, je mehr der Gedanke an eure Pflicht eins wird mit dem Gedanken an Gott, um so bessere, pflichttreuere Soldaten werdet ihr sein. Gottesfurcht ist allezeit im deutschen Heere die Wurzel aller soldatischen Tugenden gewesen. Wer seinen Dienst tut im Ge­horsam gegen den lebendigen Gott, der tut ihn auch da, wo Menschenaugen ihn nicht sehen, denn er weiß, daß ihn der allwissende Gott sieht, der seines Eides Zeuge ist.

Wer Gott dient, der ist frei, denn er steht in königlicher Erhabenheit über der Gunst und über dem Haß der Menschen. Er tut ruhig seine Pflicht ohne Menschenfurcht und ohne Menschengefälligkeit, nach der die Unfreien zuerst fragen. Denn:

Der eine fragt: Was kommt danach? Der andre: Was ist recht?

Und dadurch unterscheidet sich Der Freie von dem Knecht.

Frei ist, wer dem Höchsten dient, wer nach seinem in Gott gebundenen Gewissen handelt.

Die soldatischen Tugenden der Treue, der Opfer­bereitschaft, der Kameradschaftlichkeit wachsen am besten aus dem lebendigen Glauben an unfern Herrn und Heiland. Darum wird der rechte Christ auch der beste Soldat sein. Das lehrt die Geschichte der Ar­mee auf jedem Blatt ihrer Geschichte.

Es ist allezeit der Ruhm unsres Heeres gewesen, daß es, ohne viel Worte zu machen, in schlichter Treue und ruhiger Selbstverständlichkeit seine Pflicht getan hat in aller Stille nach der Richtschnur, die Schliessen seinen Offizieren in dem Wort ge­geben hat: Viel leisten, wenig hervor­treten, mehr sein, als scheinen.

Zu solcher Pflichterfüllung gebe euch allen Gott allezeit Kraft und Hilfe, daß ihr haltet, was ihr heute gelobt, und daß ihr es tut von Herzen nicht als den Menschen, sondern als dem Herrn, unserm Heiland Jesus Christus, der uns erlöst hat, auf daß wir sein eigen seien und ihm dienen ein jeder in seinem Beruf in dankbarer Treue. Ihm sei Ehre in Ewigkeit! Amen.

Die Militärmusik leitete sodann mit dem Choral Großer Gott, wir loben dich" über zu der An­sprache des katholischen Militärgeistlichen

Pfarrer Dr.HemmeS:

Kameraden! Wenn die Sonne über uns ihren Glanz herabstrahlt, entsteht neues Leben, Mut und Freude. Ihr stellt euch in dieser Stunde unter die gewaltige Sonne der Geister, den unendlichen Gott. Er soll beim Antritt eures Standes, des Soldaten­standes, neues Leben, Mut und Freude schenken. Ja noch mehr, ihr legt ein feierliches öffentliches Bekenntnis zu Gott ab, ruft ihn zum Zeugen an, um euer Versprechen, wahre Soldaten zu sein, auf die eindringlichste Art glaubhaft zu machen. Denn nicht zu einem leeren Gebilde der Einbildungskraft erhebt ihr die Schwurhand, sondern zu einer Per­son unendlicher Majestät, die allmächtig, allweise, allgerecht ist.

Gott hat die Welt geschaffen, darum wird er der Schöpfer Himmels und der Erde genannt, des Sternenheeres, unserer Erde mit ihren mannig­faltigen Bewohnern, unseres Vaterlandes, auf dem wir wandeln, das ihr in besonderer Weise schützen und verteidigen sollt. Dieser Allmächtige ist zugleich aber der Allwissende.

gebildet wird. Der Sepp tut noch ein übriges: er macht mit lautem Knall die Wagentür selber zu ... der Flori, der am nächsten steht, erschrickt ordentlich. Was Hanna und Leonhardt im Wolde tun, ist ihm höchst gleichgültig, sie sind schon ins Haus gegangen. Dort verabschiedet der Mann sich vom Bauer und seiner Frau, und als er Hannas Hand in der seinen hält, fragt er:

Darf ich wiederkommen, Fräulein Brandes?" Sie nickt freundlich.

Wenn Sie es einmal einrichten können, Herr im Wolde, gern. Und wenn Sie mit meinem Va­ter sprechen sollten ich habe noch eine Bitte. Fragen Sie doch einmal, wie es meiner Katze geht ja? Sie heißt Schneferl"

Ist es möglich, daß ihre Stimme belegt klingt?

Leonhardt 'im Wolde hat vieles, worüber er auf der Heimfahrt nachzudenken hat...

Er hält sich auch nicht mehr lang in Unterwaching auf, trotz ©Untermanns Protest. Das Werk hat ihn für sofort eingestellt, man will keine Zeit verlie­ren, und vorher soll im Wolde in Berlin regeln, was nötig ist.

Wer weiß, wie lang das dauert. Herdegen ist ja da, aber Sie können sich denken, wie ich nach der Arbeit brenne."

Nimmst du den Wagen vom Werk?", fragt der Kamerad neugierig.

Nach meinem Wagen mit der Kutsche? Du fragst komische Sachen. Bis München höchstens. Und dort ins Flugzeug nach Berlin."

Herdegen sieht den Freund fast mitleidig an.

Sonst fehlt dir wohl nichts, mein Junge? Nächstens roirfte den Zeppelin höchst persönlich bemühen."

Wird er auch noch, lassen Sie ihn man," stichelt ©Untermann zufrieden.

Leonhard rennt schon wieder davon. Eine quä­lende Unruhe hat ihn gepackt, warum, weiß er selber nicht...

18. Kapitel.

Einen Tag später wundert sich wieder einer. Und das ist Fritz. Der platzt überhaupt vor Neugierde.

Wo kommste her, vom Tempelhofer Feld? Mit dem Flugzeug großer Himmel setz dich doch nur mal hin" Fritz rennt hinter seinem Stuf her, vom Laden ins Zimmer, vom Zimmer in den Laden.Wo haste den Herdegen und ©Untermann wie war denn das mit dem Wagen Zweiter Platz Konntste nicht den ersten machen, wie? Also war nid), zweiter ist auch ganz gut"

Leonhardt im Wolde kribbelt es bis unter die Haarwurzeln. Dann packt er Fritz und sagt in einem Atemzug:

Was in deiner Brust vor sich geht, ist dein Ge­heimnis, und niemand bringt gegen deinen Wil­len in diese Verborgenheit. Stimmen nun die Worte, die du sprichst, die Gebärden, die du zeigst, mit deinen Gedanken überein? Dürfen deine Vorgesetz­ten, darf der oberste Befehlshaber und Führer, darf das Volk deinem Versprechen, daß du als tapferer Soldat die Heimat schützen willst, Glauben schenken? Das ist die Frage, die jetzt riesengroß in ganz Deutschland aufsteigt und zugleich ihre zuver­sichtliche Antwort erfährt. Jawohl, Kameraden, die ihr bereitwillig hier angetreten seid, wir glau­ben euch, aber unter der Bedingung, daß ihr einen Bürgen stellt, der in die innersten Gedanken einzu­dringen vermag. Nur Einer kennt die geheimsten Falten deiner Seele, es ist der allwissende Gott, und indem ihr ihn als Zeuaen anruft, gebt ihr die höchste Bürgschaft für die Aufrichtigkeit eures Ver­sprechens. Darin vor allem besteht das Gewaltige des Eides.

Und noch eins. Ihr wißt, der allwissende ist auch der allgerechte Gott, der den Guten belohnt, aber auch den Frevler bestraft nach ewigem Gericht. Die äußere Strafe folgt nicht immer auf dem Fuße, und die volle Wucht der Vergeltung kommt nach diesem kurzen vergänglichen Leben. Aber, was jetzt schon dem Meineidigen zu folgen pflegt, das ist der entsetzliche Ankläger in der eigenen Brust, die­ser Henker, der ihn tausendmal in feinem Innern tötet. Ehrlos, ein Feigling, ein Verräter, so steht der Meineidige vor sich selber. Das Paradies der Seele ist gewandelt in das Grauen der Hölle. Und wenn er, wie der Dichter sagt, das schnellste Pferd

besteigt, hinter ihm sitzt die schwarze Sorge, kein Schiff entführt ihn seiner Pein, sie folgt ihm an das fernste Ufer. Nähme er gar die Flügel der Morgenröte und flöge ans Ende der Welt, überall trifft er die Rache, die entsetzliche Strafe, daß er Gott, den Allheiligen, zuw Zeugen der Lüge ge­macht hat.

Kameraden! Ich weiß, ihr seid euch des Ernstes der Stunde bewußt, ihr legt den Eid ab als reli­giöse wahrhafte Männer. Ihr werdet euer Leben dafür einfetzen, daß sich nicht wiederholt, was in dem heimgesuchten Spanien vor sich geht. Wahrlich, der ganzen Welt wird dort ein furchtbarer An­schauungsunterricht zuteil. Einerseits, wer es noch nicht wußte, lernt jetzt, wohin die Gottlosigkeit führt: in einen Abgrund von Barbarei und Ge­meinheit, so daß man glauben könnte, die niedrig­sten Instinkte einer Bestie seien erwacht und am Werk. Andererseits, und daran erhebt euch Kame- den, feiert der Heldenmut der religiösen, ritter­lichen, ruhmreichen Retter des Reiches Triumphe, die alle Edelgesinnten mit hinreißender Begeiste­rung erfüllen. Jawohl, ihr Helden von Alkazar, die ihr die Hand reicht unseren Tapfersten aus dem Weltkriege, wir grüßen euch, mit Ehrfurcht ent­blößen wir unser Haupt und rufen euch zu: ihr macht Schule! Euer Geist lebt auch in uns. Treu unserer heiligen Religion und treu unserem Vater­land, so leben und so sterben wir, aufblickend zu dem ewigen Gott, dem Hüter und Rächer der Eide.

Dieser Ansprache folgte das ChoralspielWir treten zum Beten".

Die Ansprache des Generalleutnante Oßwald

leitete den militärischen Teil der Feierstunde ein. Der General sagte in seiner Ansprache an die Rekruten folgendes:

Der heutige Tag ist für euch, Rekruten, einer der wichtigsten in eurem militärischen Leben in Friedenszeiten. Sollt ihr doch heute einen heiligen Eid schwören, daß ihr dem Führer des deutschen Volkes und Reiches, dem Obersten Befehlshaber der Wehrmacht, unbedingten Gehorsam leisten werdet und für die Erfüllung dieser Verpflichtung, die alle anderen Pflichten in sich schließt, bereit seid, wo nötig, euer Leben einzusetzen.

Gehorsam, Disziplin, ist der Grundpfeiler des Heeres. Wo diese fehlt, ist kriegerische Leistung, also auch siegreiche Verteidigung des Vater­landes gegen den Feind, unmöglich.

Zum Gehorsam gehört die Erfüllung aller Pflichten, nicht allein im großen und unter der Aufsicht der Vorgesetzten, sondern vor allem auch im kleinen und kleinsten, unbeaufsichtigt, auf euch selbst gestellt.

Das ist der wahre Soldat, der aus freiem An­trieb, aus eigenem Wollen heraus feine Pflicht im Frieden und im Kriege, im Leben und im Sterben, bis zum äußersten erfüllt.

Nicht die find für uns Soldaten die größten Helden, die Hurra rufen beim Sturm, wenn tau­fend andere mitrufen, sondern die Männer, die oft allein, auf sich selbst gestellt, im Donner der Ge­schütze, im Hagel der Granaten, im Pfeifen der Geschosse und im Dröhnen der E^vlosionen unbeirr­bar, getreu ihrem Eide, am Geschütz, am MG., mit dem Gewehr, bis zum Letzten ihre Pflicht erfüllen und, als Führer, ihrer Truppe mit leuchtendem Beispiel vorangehen.

Noch immer ist die Infanterie die Königin der Schlacht. Sie allein erobert und hält fest. Sie trägt die größte Last des Kampfes, sie bringt die größten

Opfer, ihr winkt deshalb der höchste Ruhm.

Seid darum stolz, ihr jungen Soldaten von der Infanterie, dieser Königin der Schlacht anzuge­hören, und ihr, ihr Rekruten der Artillerie, seid stolz darauf, daß ihr den Kameraden der Infanterie mit euren Granaten den Weg zum Siege bahnen dürft.

Der Führer hak unserem Volk und unserer Nation vor der Welt die Ehre wiedergegeben. Des Führers Werk gründet sich auf diese Ehre, und die Erfüllung eurer Pflichten als deutsche Soldaten gründet sich gleichfalls auf diese Ehre, die die Armee und Wehrmacht nie verloren hat.

Es ist eine Ehre für euch, ihr jungen Sol­daten, Waffenträger der Nation zu fein. Es ist eine Ehre für euch, der Wehrmacht angehören zu dürfen, die die ruhmvolle Ueberlieferung der alten großen Armee zu treuen Händen übernommen hat, der alten Armee, die die beste war, die die Welt bisher gesehen hat.

Seid eingedenk dieser hohen Ehre, ihr jungen Soldaten, und erfüllt fortan eure Pflicht im Sinne dieser ewigen Werte deutschen Soldatentums, wie

Nichts wird sie leichter versöhnen als ein Glas Schaumwein in traulicher Zweisamkeit. Dann lacht sie wieder! -

SCHAUMWEIN

Herdegen ist in Unterwaching wir sind beide dicke bei der Süddeutschen Motoren A.-G. angestellt ich löse jetzt auf oder verkaufe und hau wie­der ab. Einzelheiten später. Setz dich."

Fritz setzt sich nicht, er lehnt sich an die Wand. Das ist selbst für feine Berliner Bauart ein biß­chen zuviel auf einmal. Angeftellt bei der Süddeut­schen Motoren alle Beide keiner kommt wie­der verdammt nochmal!

Und die Bücherei? Soll die vielleicht irgendeiner kriegen und sich drin breitmachen in unsere Bücherei!", schreit er aufgebracht. Es ist für ihn fast so viel, wie Verrat und Treubruch.Man hängt doch an so 'nem Laden!"

Da kommt Leonhardt aus dem Zimmer zurück. Sekundenlang schaut er seinem guten Kameraden vom Wedding in sein ganz aufgelöstes, erschrocke­nes Gesicht. Da steht nun der Fritz Ladegast, hat ihn treu und brav vertreten und sich bestimmt bei seiner Dienststelle eine Laus in den Pelz gesetzt.

Wie ist denn das mit deinem Knipsladen, Fritz?" Quatsch, Knipsladen. Ick habe den Lehmann hinjeschickt. Der wartet lang genug auf Arbeit. Ick hab das dem Beamten von der Personalabteilung auseinandergepolkt, wie das is mit deinem La­den und deiner Autoarbeit verftehste das? Ick konnte ganz gut den Arbeitsplatz für Lehmann wieder freimachen ich dachte nämlich, Leonhardt tannfte mich nid) als Hilfe brauchen ick verlange ja jetzt keen Gehalt bißchen Spesen was wachste denn fürn Gesicht?" Fritz Lade­gast verliert den Faden, er ist ganz durcheinander Aber das ist ja nun alles Essig da hauste ab nach Bayern und naja, auch gut."

Dann setzt er sich auf den Stahlsessel, ihm ist ganz schlecht vor Schreck und Kummer. Leonhardt im Wolde betrachtet sich das Häufchen Unglück nicht lange. Er packt den Kameraden am Schulterriemen und zieht ihn hoch.

Fritze altes Reff!" Der Sturmführer hat auf einmal einen Knödel im Hals, und der macht ihm das Reden nicht gerade leicht.Steck jetz mal dein Gesicht weg, das ist ja nicht anzusehen. Du bleibst hier in der Bücherei. Du behältst sie auch, ich mache das schon. Ich geh morgen los und ordne das alles.

Die Knipserei laß ruhig dem Lehmann. Mir tufte auch einen Gefallen, ich muß sehr schnell wieder zurück; die Sache mit der Bücherei hat mir schwer angehangen, jetzt bleibt alles beim alten. Vielleicht kannste auch bald ans Heiraten denken, Fritze. Du bist doch eine Familienunke."

Fritz Ladegast hat ganz gute Nerven gehabt, er hat gär nicht gewußt, was schlechte sind, heute ver­lassen sie ihn, sie wollen ihm ihre Existenz beweisen.

Leonhardt tut gar nicht, als ob er das sieht. Er legt seinem jüngeren Kameraden die Hand um die Schulter und fängt an, mit ihm auf und ab zu gehen.

Red mal mit deiner Mutter drüber, Fritze, bring sie mal her zu mir. Vielleicht gibt sie dir paar Möbel ab, das Bett und die Kommode kannste be­halten, die Friesenmöbel brauche ich, glatt wie Luft zum Leben.

Was macht denn Fräulein Gottschalk, hat sie dich gut versorgt?"

Fritz hat sich zusammengerissen. Ihm ist ein Schloß vom Mond in den Schoß gefallen, und das kann ja schließlich auch einen Truppführer um­werfen. Zum Thema Liefet Gottschalk hat er was zu sagen. Was wenig Erfreuliches.

Es ist reineweg alles verrückt geworden. Alles rückt ab. Erst die Dame Brandes, dann du und Herdegen, und jetzt will auch die Liefet fort. Der Laden soll bis zum 1. März verkauft werden."

Verkauft? Aber warum denn in aller Welt, er geht doch ganz gut?"

Sie geht auf ein Gut, so als Unterstützung der Mamsell ober wie das heißt, deine Hanna hat da so einen Onkel oder was Aehnliches, und der hat ein Gut, und da soll sie hin."

Zu Laverenz also?"

Ja, so heißt er wohl."

Das ist sehr interessant", sagt Leonhardt und denkt sich aus, was wohl Hanna dazu sagen wird, wenn sie es hört. Hanna. Deine Hanna. Das muß er dem Fritz abgewöhnen er war ein schöner Schafskopf, daß er damals nicht besser geschwiegen hatte.Da freut sie sich wohl mächtig, was?"

Klar. Ordentlich gestrahlt hat se, wie sie es mir verpaßt hat." Fritz hat kein Glück gehabt, Liefet hat nicht mal was von der Verehrung gemerkt, die ihr da heimlich entgegenge6rad)t worden ist.

Laß man, Fritze. Es gibt viele nette Mädchen in Berlin, das wäre ja noch schöner, wenn du da den Kopf hängen lassen willst, weil nun gerade das Lieschen Gottschalk" .

Kopp hängen lassen, steht ja gar nicht drin. Wenn du mir wirklich die Bücherei anoertrauen willst, habe ich ganz andere Sachen im Kopp wie Mächen. Aber ich hole mal gleich Muttern, ick brauche nur den Ausschank im Haus anzurufen, die schicken dann schon hoch." .

Leonhardt atmet tief auf. Daß er so schnell eine Losung fände, hat er sich auch nicht träumen lassen.

Sag deiner Mutter, daß sie abends kommen soll, ich habe noch einen Weg, Fritz."

(Fortsetzung folgt.)