Ausgabe 
30.10.1936
 
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Nr. 255 Zweites Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheffen)

Sreitag,. Oktober (936

Zofef Wagner Reichskommiffar für die Preisbildung.

Berlin, 29. Oft. (DRV.) Der Führer und Reichskanzler hat auf Grund des Gesetzes zur Durchführung des Vierjahresplanes Bestel­lung eines Reichskommissars für die Preisbildung vom 29. Oktober 1936 den Oberpräsiden- len und Gauleiter der NSDAP., preußischen Staatsrat Joses Wagner, zum R e i ch s k o m- missarfürdiePreisbildung ernannt mit der Maßgabe, dah er seine bisherigen Aemler be­hält.

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Der Leiter der Reichsgruppe Handel, Professor Dr. L ü e r, erläßt folgenden Ausruf an den deutschen Handel:Der gestern vom Mi­nisterpräsidenten Generaloberst Göring verkündete neue Vierjahresplan ist eine unter dem'Befehl höchsten Willens und Kräfteeinsatzes stehende Gemeinschafts­arbeit. Er verpflichtet und verbindet alle Volks­genossen und alle Gruppen der Volkswirtschaft zur vorbehaltlosen und vertrauensvollen Zusammen­arbeit. N»ch nie sind Erzeugung, Handel und Verbrauch zu einer ähnlichen Gemein- schaftsleistung aufgerufen worden. Der deutsche Kaufmann ist sich der besonderen Verant­wortung bewußt, die er im Rahmen des zweiten Vierjahresplanes zu übernehmen hat. Er wird alle Kräfte daran setzen, die wichtige und schwierige Aufgabe zu erfüllen, die ihm mit der Verpflich­tung zur volkswirtschaftlich richti­gen, geordneten und billigen Güter­vermittlung zwischen einer planvoll auszurrch- tenden Gütererzeugung und einem sinnvoll zu gestaltenden Verbrauch jetzt umfassender als bisher zufallen wird. Zusammen mit der produ­zierenden Wirtschaft wird er die F e st i g k e i t und Sicherheit der Preise gewährleisten. In diesem Sinne rufe ich den deutschen Handel auf, an die Arbeit zu gehen!"

Aus aller Wett.

Oas Wrack des FeuerschiffsElbe I" gefunden.

Das Wrack des gesunkenen Feuer­schiffesElbe I" ist am Donnerstagnachmittag aufgefunden worden. Der Bergungsdampfer Hermes" stieß am Mittag mit seinem Suchanker auf Widerstand/ Die näheren Untersuchungen er­gaben dann, daß es sich um das Wrack des Feuer­schiffes handelt. Es ist also an seinem Liegeplatz gesunken, und zwar in dem durch die etwa 240 Meter lange Ankerkette gebildeten Kreis. Da das gesunkene Schiff quer gegen den Strom liegt und noch starke Dünung herrscht, konnte mit der Hebung noch nicht begonnen werden. Man hofft jedoch, daß bald Ostwind eintritt, der die Arbeiten erleichtern dürfte.

Der DampferWashington der United States Lines, der um 14.30 Uhr die Liegestelle des ver­unglückten Feuerschiffes passierte, bereitete der toten Besatzung derElbe I" eine eindrucksvolle Ehrung. Bei gestoppten Maschinen trat die gesamte Be­satzung derWashington auf Deck an. Die Flagge wehte auf Halbmast. An der Unglücksstelle wurde ein großes Kreuz aus frischen Blumen den Fluten übergeben zum Zeichen des Dankes für das helden­mütige Ausharren der Besatzung des Feuerschiffes. Am 50. Geburtstag tödlich verunglückt

Zwei Zeitungsagenlen vom Zuge erfaßt und überfahren.

Lpd. Limburg, 29. Oft. Am Mittwochmorgen wurden auf dem Bahnhof Niederzeuzheim die 50jährige Ehefrau Anna Knie aus Nieder­zeuzheim und der 19jährige Peter Kremer aus Oberzeuzheim bei der Einfahrt eines Personen­zuges von der Lokomotive erfaßt und überfahren. Es handelt sich bei den lieber»

Flucht vor der Gehnsucht.

Von Walter Schwerdtfeger

Vor 150 Jahren, Ende Oktober 1786,Jam Goethe auf seiner Jtalienreise in Rom an. Zwischen Nacht und Morgen hatte er Cittä di Castello verlassen, und aus den schlafenden Gassen der alten Bischofsstadt rumpelte die Chaise in die einsame Campagna hinaus. Wenige Stunden noch, dann geht der Traum seiner Kindheit in Erfüllung: er wird das Kolosseum sehen, die Brunnen auf dem Petersplatz und die römischen Denkmäler, deren Kupferstiche der alte Goethe in einem Vorsaal sei­nes Hauses am Hirschgraben aufgehängt hatte. Vom Gipfel des Gotthard, wo der Pfad nach Mailand hinunterführt war der Jüngling 1775 umgekehrt, weil ich Lili nicht entbehren konnte". Als er wie­der vor sie hintrat, spürte er, daß sie endgültig für ihn verloren war. Um sich von ihrem Bilde loszureißen, das ihm wachend und träumend vor­schwebte, wollte er nach Italien. Doch am Morgen der Abreise weckt ihn das Horn des reitenden Po­stillons, der die Einladung des jungen Herzogs nach Weimar bringt: Wieder reißen die Sonnenpferde der Zeit feines Schicksals leichten Wagen vom Wege fort

Es folaen die Jahre in Weimar Zeit der Reife und Besinnung; als Günstling des Herzogs wird er bald Geheimer Rat und Staatsmm.sler. In der Leidenschaft zu einer alternden Frau der Hasdame Charlotte von Stein, vergibt er die Enge der kleinen Stadt. Aber es bleibt etwas Unerfülltes in seinem Leben, und so wächst in seiner Seele das Bildnis eines Traumlandes Italien, Mit der Schon- heit südlicher Natur, weit und frei, n,£^ wie &ie verschnörkelte Ilm unter allen Baum ronen ver­steckt, und mit der Grütze einer tausend ahr.gen Vergangenheit. Mit raschem Entschluß reißt er sich los von dem Theaterglanz des winzigen Hoses, von der provinziellen Schreibstubenarbeit seines Amtes und von der unmöglichen Liebe.

Bei Nacht stiehlt er sich aus Karlsbad fort. Mit Mantelsack und dem Dachsranzen, m dem das Ma­nuskript derIphigenie" steckt, wirft er sich m die Postchaise und fährt nun, einziger Fahrgast un­ter dem Namen Möller durch Böhmen. Regensburg. München.Was laß ich nicht alles liegen? um den einen Gedanken auszuführen, der fast schon zu alt in meiner Seele geworden ist. Durch das von Wallfahrern wimmelnde Innsbruck geht es über die in Felsen gehauenen Straßen zum Brenner hinauf. Er reist durch die Nachtwie em Schuhu"; der Postillon schläft auf dem Bock, mdes die Pferde

fahrenen um Agenten einer Zeitung, die täglich die für ihre Agenturen bestimmten Zeitungspakete im Zuge abholten. Da der fahrplanmäßig um 8.22 Uhr einlaufende Limburger Personenzug am Mittwoch wegen Bauarbeiten auf ein anderes Gleis geleitet werden mußte, wovon die beiden Verunglückten anscheinend keine Kenntnis erhalten hatten, wurde ihnen dieser Umstand zum Verhäng­nis. Es wurde beobachtet, daß Frau Knie, die am selben Tag ihren 50. Geburtstag beging, mit ihrem Schirm gegen den Regen und Sturm ankämpfte und dann plötzlich rückwärts in die Ma­schine des ankommenden Zuges Hin­ei n g e r i e t. Sie wurde ebenso wie Kremer, dem ein Fuß abgefahren wurde und der unter der Lo­komotive hervorgezogen werden mußte, in schwer­verletztem Zustand in das Limburger Krankenhaus eingeliefert, wo sie ihren schweren Verletzungen erlag.

(5ufer $ang der Homburger Polizei.

Lpd. Bad Homburg, 29. Okt. In Bad Hom­burg wurden in letzter Zeit verschiedene Ein­brüche ausgeführt, die durch die Art ihrer Aus­führung immer wieder auf denselben Täter hmwie- sen. In der Nacht auf Donnerstag gelang es nun, diesen Einbrecher auf frischer Tat zu erwischen. Ein Wachbeamter bemerkte in einem Landhaus, dessen Einwoher zur Zeit verreist sind, einen verdächtigen Lichtschein. Er alarmierte sofort die Polizei, die ben Einbrecher auf dem Boden unter K i st e n versteckt fand. Es handelt sich um einen polizeibekannten Gewohnheitsverbrecher, der schon früher in Bad Homburg Gastspiele gegeben hat. Es ist anzunehmen, daß auf das Konto des Verhafteten noch eine Reihe weiterer Einbrüche in der Um­gebung von Bad Homburg kommen.

Schweres Verkehrsunglück in Dortmund.

Am Donnerstag kurz vor Mitternacht ereignete sich in Dortmund ein schweres Verkehrs- Unglück. Bisher sind ein Toter und zahlreiche Schwerverletzte festzustellen. Ein mit 15 Per­sonen besetztes Bergarbeiter-Transportauto wurde von einem Straßenbahnwagen linksseitig gestreift. Dabei wurde diese Wagenseite des Autos wegge­rissen. Die Insassen, Bergarbeiter, die von der Zeche kamen, wurden bei dem heftigen Anprall auf die Straße geschleudert. Ein Arbeiter war sofort tot, die anderen wurden ins Krankenhaus gebracht. Bei einigen der Schwerverletzten muß man leider an­nehmen, daß sie nicht mit dem Leben davon kom­men werden. Die Schuldfrage ist noch nicht ge­klärt. Der Lenker des Transportautos und sein Mit­fahrer kamen ohne Verletzung davon und wurden bis zur Klärung der Schuldfrage in Haft genommen.

Zwei Todesurteile im Donner Giftmordprozeß.

Das Schwurgericht fällte das Urteil im Bonner Giftmordprozeß. Beide Angeklagte, Heinrich Brodeffer und die Witwe Johannesberg wurden wegen gemeinschaftlichen Mordes an ihren Ehegatten zum Tode verurteilt, und zwar Brodeffer in zwei Fällen, Frau Johannesberg in einem Falle; außerdem wurden beiden Angeklagten die bürgerlichen Ehrenrechte aberkannt.

Todesurteil im Wuppertaler Giftmordprozeß.

Im Wuppertaler Giftmordprozeß wurde das Urteil gefällt. Die beiden Angeklagten, die 36jährige Frau Antonie Meyer und der 35- jährige Robert Marx, wurden wegen gemein­samen.. Mordes an dem Ehemann Meyer zum Tode verurteilt unter Aberkennung der bürger­lichen Ehrenrechte auf Lebenszeit.

Fünf Todesopfer eines Familiendramas.

In der Wohnung des Lehrers Dr. Girbes in dem holländischen Grenzort Venlo spielte sich ein furchtbares Familiendrama ab, das fünf Tobesopfer forderte. Dr. Girbes erschoß seine Frau und seine drei Kinder, einen 12jährigen und einen 5jährigen Knaben sowie einen kleinen Jungen, der noch in der Wiege lag, verletzte sodann seine 76jährige Schwiegermutter durch meh­rere Revolverschüsse schwer und erschoß sich selbst. Man vermutet, daß die Tat auf Familien­

bergunter traben, die reißende Etsch entlang. Zwi­schen uralten Fichten liegen vom Mondlicht über­gleißte Mühlwehre wie büftere holländische Land­schaftsbilder. Hinter Bozen fließt die Etsch sanfter. Quitten- und Maulbeerbäume begleiten nun den Weg. Dann liegt er im Boot, unter dem riesigen bemalten Segels in dem der Morgenwind knattert, und atmet die köstliche Kühle, die aus den aquama­ringrünen Fluten des Gardasees aufsteigt. In Verona erblickt er das erste antike Bauwerk, das Amphitheater, die erste Enttäuschung. Eidechsen huschen über die zerfallenen Marmorstufen des leeren Stadions, in den Gewölben haben Hand­werker ihre Läden aufgeschlagen. Enttäuschung ist das Grundgefühl, das man immer mitschwingen spürt, wenn' er, seinen Winckelmann ober den Pal- labio in der Hand, vor jenen Kunstwerken der hellenistischen Spätzeit steht, die ihm Inbegriff des Klassischen sind.Die Hauptsache ist", so schreibt er in sein Reisetagebuch für die Geliebte,daß alle diese Gegenstände, die nun schon über dreißig Jahre auf meine Imagination abwesend gewürckt haben und also zu hoch stehen, nun in den ordentlichen Cammerton heruntergestimmt werden." Man hat wohl überhaupt die Bedeutung der Italienischen Reise lange überschätzt. Die nachitalienischen Jahre sind die ärmsten in Goethes. Leben gewesen. Sein Dichten erstarrt in der einengenben Form bes Klas­sizismus, bie seinem zutiefst gotischen Wesen fremb war. Ist es nicht ein Symbol? In Weimar schrieb er Mignons Lieb; unter ben Cypressen in ben Gär­ten ber Villa Borghese sah er ben norbischen Spuk ber faustischen Hexenszenen.

Noch hat er fein Ziel nicht erreicht. Durch kleine lombardische Städte fährt er. Auf den Landstraßen trotten Ochsengespanne mit Kufen voller Trauben. Mir läuft die Welt unter den Füßen fort, und eine unsägliche Leidenschaft treibt mich weiter." Ende September fährt er in die Lagunen von Venedig ein. Zwei Wochen nimmt er das Bildnis dieser einzig­artigen Stadt in sich auf. Unter den Säulengängen des Dogenpalastes steht er und blickt über die Pia- zetta auf das glitzernde Wasser des Canale grande, auf dem sich die schwarzen Schnäbel der Gondeln wiegen, beobachtet Schauspieler, Gerichtsschreiber, die Weiber am Fischmarkt und bie Nobili in ihren dunkelroten Gewändern. Weiter. In seinen Mantel gehüllt liegt er nachts auf dem Verdeck des Kurier­schiffes nach Ferrara. Bologna. Florenz. Alte Kirchen und nachgedunkelte Bilder. Die gebrechlichen Wagen rumpeln durch Toskana.Rom! Rom! Ich ziehe mich gar nicht mehr aus, um früh gleich bei) der Hand zu feyn. Noch zwev Nächte! und wenn uns der Engel des Herrn nicht auf dem Wege schlägt,

OerMozart der sieben Gläser'"

Ein Bürger von Budapest, der heute im Ruhe­stand lebt und mit dem schmalen Geldbeutel, über ben er verfügt, nicht mehr in ber Lage wäre, abenbs den halben Liter Wein zu trinken, an den er sein ganzes Leben gewöhnt war, ist auf einen eigenartigen Ausweg verfallen, sich den Genuß auch ohne Geld noch zu verschaffen. Jozsi Szabo hat sich mit seinem Trick den Beinamen eines Mozart der sieben Gläser" verschafft, er hat mit dem Wirt desSchwarzen Kater", einer kleinen Weinkneipe, einen Vertrag abgeschlossen, nach dem er folgendes vereinbart hat: der alte Herr kommt jeden Abend und erhält, sobald er eingetreten ist, sieben hohe Gläser und einen Liter Wein. Seine Aufgabe besteht nun darin, die Gläser abzustim­men, indem er verschiedene Menge Wein in jedes gißt, bis sie eine Tonleiter von sieben Tönen er­klingen lassen. Für Szabo, der ein ehemaliger Klavierstimmer ist, bedeutet das nur ein Kinder­spiel; der gute Gedanke des Wirtes besteht nun darin, daß er ben Mozart bie anderen Gäste ein­laben läßt, dieses Spiel nachzumachen, sodaß der Wirt den ganzen Abend vollauf beschäftigt ist, den Gästen dasMaterial" zu diesem Spiel zu liefern und dafür die Bezahlung einzustreichen. Der alte Herr ist vertraglich gebunden, so daß er den Schwarzen Kater" nicht im Stiche lassen könnte, auch wenn ein anderer Wirt geneigt wäre, ihm außer dem Liter Wein noch einen Lohn in Geld zu geben. Da es aber ein gutes Geschäft ist, so fehlen auch Brot und Zukost nie auf dem Tische dieses alten Herrn, obwohl sie ja eigentlich zur Herstellung der Tonleiter nicht notwendig sind. Natürlich begnügt sich Szabo nicht mit der Ton­leiter, sondern er spielt auf seinen sieben Gläsern auch leichte volkstümliche Melodien und fügt sogar noch Improvisationen hinzu.

Hochschulncrcbnchten

Der Reichs- und preußische Minister für Wissen­schaft, Erziehung und Volksbildung hat mit der kommissarischen Leitung des Instituts für Leibes­übungen an der Universität Frankfurt den bis­herigen Oberassistenten Dr. Klein an ber Uni­versität Göttingen beauftragt.

Das Institut für Ebelsteinforschung in 3 b a* wirb als Außeninstitut ber Universität Frank­furt angegliedert. Direktor wirb ber Leiter bes Mineralogischen Instituts Professor Nacken, Frank­furt; bie örtliche Leitung behält wie bisher O. G. Wild.

Zwistigkeiten zurückzuführen ist. Die schwerverletzte Schwiegermutter konnte noch nicht vernommen werden.

Spion zu lebenslänglichem Zuchthaus verurteilt.

Der 34 Jahre alte tschechoslowakische Staats­angehörige Vinzenz Karnitz aus Trautenau ist vom Volksgericht in Berlin zu lebensläng­lichem Zuchthaus verurteilt worden, weil er es unternommen hat, deutsche Staatsgeheimnisse auszuspähen und zu verraten.

Fünfjähriger Zunge steckt eine Scheune in Brand.

In Hvnigessen bei Wissen (Kreis Altenkirchen) entstand m der mit reichen Erntevvrräten gefüllten Scheune des Meggermeisters Müller ein Brand, der sich mit größter Schnelligkeit ausorei- tete. Die Ortsfeuerwehr sowie ein Löschzug der Wissener Feuerwehr standen dem Brande machtlos gegenüber, so daß sich bie Wehren auf ben Schutz einer anliegenben Mühle beschränken mußten. Bei ben Ermittlungen konnte festgestellt werben, baß em fünfjähriger Junge ben Branb verursacht hatte. Mit Streichhölzern hatte er in ber Scheune ein Bündel Stroh angesteckt, worauf sich im Nu die Flammen ausbreiteten

Französisches Luftrennen gescheitert.

Das letzte der drei französischen Flugzeuge, die an dem ßuftrennen Paris Saigon Paris teilnahmen, hat nunmehr auch aufgegeben und wird nach Paris zurückkehren. Die Maschine hatte kurz hinter Bagdad eine Motorpanne, deren Beseitigung viel Zeit in Anspruch genommen hätte. Damit hat das mit großem Aufwand angefünbigte Luftrennen einen ziemlich kläglichen Abschluß ge­funden. Die Ursache dafür ist nach Ansicht von Fachleuten in ber mangelhaften Vorbereitung zu suchen, die auf bie verspätete Lieferung ber Flug­zeuge zurückzuführen ist.

Neuer Transatlantikflug Mollifons.

Der englische Transvzeanflieger James Molli- \ o n ist vom Neuyorker Floyb Bennet-Flugplatz zu einem neuen Transatlantikflug mit

bem Ziele Lonbon gestartet. Mollison, der einen Balannca-Eindecker mit einer Durchschnittsgeschwin­digkeit von 250 Meilen in der Stunde fliegt, hofft enen neuen Rekord Neuyork London aufstellen zu können. Mollison ist bereits in Harbour Grace auf Neufundland gelandet. Die Weiterführung des Fluges hängt von der Wetterlage ab.

Die Kuh im Weinrausch.

In einem kleinen Ort bei Bacharach am Rhein ereignete sich ein merkwürdiger Zwischenfall, als ein Winzer den zum Umfüllen in einet Bütte be­reitgehaltenen Wein einige Augenblicke ohne Auf­sicht ließ. Die Kuh des Winzers spürte, angelockt durch würzigen Dust des edlen Stoffe, eine unge­stillte Sehnsucht nach dem köstlichen Tropfen, riß sich von der Kette los und stieg in den offenstehen- ben Keller, wo sie sich in hastigen Zügen über den blumigen Stoff hermachte. Der Erfolg war, daß die Kuh bald in einen Zustand geriet, ben man als Schwips zu bezeichnen pflegt. Hilfsbereite Nach­barn zogen mit vereinten Kräften bie Kuh aus dem Keller unb schafften sie in ihren Stall, wo sie ihren Rausch ausschlafen konnte.

Weiterbericht

des Reichswetterdienfkes. Ausgabeort Frankfurt.

Im Bereich eines über Sübwesteuropa zum Aus­bau gekommenen Hochbruckgebietes stellte sich auch bei uns am Donnerstag Aufheiterung ein. Sie be­dingte in ber vergangenen Nacht stärkere Abküh­lung unb vielerorts leichten Frost unb Nebelbil­dung. Inzwischen ist ein neuer Tiefbruckausläufer bis Mittelfrankreich oorgebrungen unb wirb auch uns im Laufe bes Freitags Witterungsverschlechte­rung bringen.

Aussichten für Samstag: Zunächst hiesi­ges und bedecktes Wetter, vielfach mit Regen, dann wieder gelegentliche Aufheiterung, nachts mild, ver­änderlich, meist westliche Winde.

Aussichten für Sonntag: Nebliges Wet- I ter, aber nicht durchaus unfreundlich.

Bildende Kunst im Gau Hessen < Nassau.

Oie große Ausstellung der Neichskammer der bildenden Künste in den Frankfurter Nömerhallen.

Arn kommenden Sonntag wird in den Römer­hallen in Frankfurt eine von der Reichskammer der bildenden Künste veranstaltete Ausstellung eröffnet, welche eine Leistungsschau des gesamten künstleri­schen Schaffens im Gau Hessen-Nassau darstellen wird und, wie bereits kurz gemeldet, anschließend als Wanderausstellung auch in den anderen grö­ßeren Städten des Gaues gezeigt werden soll. Die Reichskammer hatte die Gaupresse für gestern nach­mittag zu einer Vorbesichtigung in den Römer eingelaben. Landesleiter Dr. L i e s e r von der Reichs­kammer der bildenden Künste gab zuvor einige Grundzüge bekannt, die für den Aufbau und die in­nere Haltung der Ausstellung maßgebend sind.

Ausgehend von der Frage, ob Ausstellungen im früheren Sinne heute überhaupt noch möglich und tragbar seien, gab Architekt Dr. Lieser einen ge­drängten Rückblick über das Kunstausstellungswesen etwa der letzten dreißig Jahre, das sich allmählich, unb nach bem Kriege in zunehmenbem Maße, auf ben Typ ber reinen Verkaufsausstellungen hin ent-, wickelte. Das ist eine Ausstellungsform, die grund­sätzlich überwunden werden soll; zwar wird sich dies, wie Landesleiter Dr. Lieser bemerkte, in der neuen Ausstellung, die jetzt eröffnet werden soll, noch nicht völlig durchführen lassen, aber es sind auch hier schon eine Reihe von Werken vertreten, die unmittelbar aus Aufträgen an die Künstler her- Dorgegangen sind. Das Ziel, auf das wir heute hinarbeiten müssen, ist: dem Künstler Aufträge zu verschaffen. Die kommenden Kunstausstellungen sol­len nur noch eine Leistungsschau darstellen, sollen ein Spiegel dessen sein, was draußen, im ganzen Gau, gemalt, gebaut und plastisch geschaffen wird. Der

Künstler soll nicht für die Ausstellung, sondern für den Auftrag und den Auftraggeber arbeiten. Denn ber Auftrag binbet unb verpflichtet ben ausführen­den Künstler unb zwar sowohl räumlich als auch thematisch. Unb barauf wirb es künftig ankommen: ber Künstler wirb auf biefe Art bazu gebracht wer­den, sich mit den Problemen und den großen Themen der neuen Zeit aktiv, schöpferisch zu be­fassen und auseinanderzusetzen. Auf solche Weise wird das künstlerische Schaffen und wird jede nach diesen Gesichtspunkten aufgebaute Ausstellung ein lebendiges Spiegelbild unserer Zeit samt ihren vielfältigen Erscheinungs- und Ausdrucksformen, ihren Aufgaben unb Forberungen bilben. So ist das auch bei ber fommenben Ausstellung gebacht. Es sind hier ben Künstlern ganz bewußt Themen und Motive gewiesen worben: in Gestalt alles dessen, was sich, mit Mitteln ber bilbenben Kunst überhaupt erfaßbar, seit dem Jahre 1933 an neuen Formen und Werten in Deutschland gebildet hat; auch diese Leistungsschau also soll auf ihre Weise von der Neugestaltung alles Lebens, vom Aufbau unb Neu­bau in Deutschland zeugen, wie er sich in den letzten i drei Jahren vor unfern Augen vollzogen hat unb vollzieht. Das ist, wie die Ausstellung erweist, in jeder Hinsicht geglückt. Die künftige Entwicklung wird dahin gehen müssen, daß Auftrag und Leistung miteinander in Einklang gebracht werden. Ohne Auftraggeber vor allem im Staate selbst in Be­hörden unb Gemeinden können wir nicht aus­kommen. Sie werden künftig die Entwicklung unb vor allem auch beren Tempo zu bestimmen haben. Die Ausstellung, die jetzt eröffnet wird, soll jedes Jahr wieberholt unb auf diese Weise eine ausge-

sind wir ba." Weiter. Weiter. Rastlos, verlangend. Flucht in die Sehnsucht.

Der kühle abendliche Oktoberwind streicht über die Campagna. Goethe beugt sich aus dem Fenster der Chaise. In dunstiger, leuchtend blauer Feme liegt unter ihm im Tibergrunde bie Ewige Stabt, Traum- bilb mehr noch als Wirklichkeit im Zauber des ver- gehenben Lichtes. Der Vetturin menbet sich um unb deutet auf die bronzen glühende Kuppel der Peters- kirche, die aus einem amethystenen Meer von Dächern emporragt:Roma!.

Sport und Kunst.

Wer in den letzten Jahren Kunstausstellungen besucht hat, wird festgestellt haben, daß sowohl Maler wie Bildhauer sich mit ihren Darstellungen in steigendem Maße bem Gebiete bes Sportes zu- geroanbt haben. Das war nicht immer so.Die Kunst", schreibt Dr. Robert Volz im November- Heft von Velhagen L-Klasings Monats­heften in einem Aufsatz, ber mit einer Fülle farbiger Gemälbe aller Sportarten geschmückt ist, bie Kunst war bem Sport nur langsam gefolgt. Sie hat ihn zwar schon im Altertum verewigt. Es sei pur an bie Kopien von Myrons Diskuswerfer, an bie Ringergruppe in ben Uffizien von Flörenz, an Vasenbiiber unb anberes erinnert. Aber bie Künstler ber Neuzeit haben nur gelegentlich bes Sportes sich angenommen, wenn er ihnen einmal befonbers reizvolle Aufgaben stellte. Sie kamen überhaupt nicht aus irgenbeiner Bereitschaft bem Sporte gegenüber, sonbern rein vom künstlerischen Anlässe her bazu, ihr Schaffen bem Sport zu roibmen." So kam es, baß bie Künstler ber letzten Jahrzehnte, wenn sie sportliche Dinge anpackten, meistunsportlich" in ihren Darstellungen würben, b. h. ber Sportler sah z. B. auf einem Silbe sofort, baß bie Sprinter nicht so starten konnten, wie der Maler es gemalt hatte, ober baß der Kugelstoßer eines Bildhauers zwar eine schöne, aber sportlich unmögliche Haltung einnahm. Das hat sich, wie Dr. Volz in seinem Aufsatz beweist unb an ben Silbern auslänbischer Künstler von ber Olympischen Kunstausstellung auch erweist, jetzt grunblegenb ge= änbert. Die Künstler haben sportlich sehen gelernt, sie machen jetzt keine Fehler mehr. So find nun­mehr Sport unb Kunst zusammengeflossen, sie ver­schmelzen sich zum wirklichen Dienst aneinanber: ber Sport gibt ber Kunst Vorwürfe zur Darstellung, unb bie barftellenbe Kunst wirbt für ben Sport. Daß bies in allen Länbern gleichmäßig ber Fall ist, erkennt jeher, ber bie vielfarbigen Silbbeigaben des Dölzschen Aufsatzes ansieht.