Ausgabe 
30.10.1936
 
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England hält an seiner Nichteinmischungspolitik fest.

Spanien-Debatte im britischen Unterhaus.

gebenheit die Geschenke entgegennehmen zu wollen, die Ihnen Ihre Mitarbeiter durch mich überreichen lassen: Von Ihrem Ministerium ein Bild von L e n b a ch, den großen Kriegsstrategen M o l t k e in Zivil darstellend, das, wie wir wünschen, Ihnen, dem großen Strategen der politischen Schlachten, besondere Freude machen wird, und von der Reichs­kulturkammer zwei P l a st i k e n , die den sieg­reichen Kampf der nationalsozialistischen Welt anschauung versinnbildlichen sollen.

Der Fackeizug.

Am Abend des Geburtstages sammelten sich die Formationen der Bewegung und aller Gliederungen im Tiergarten. In unabsehbarem Zuge standen die Kolonnen. Die Berliner Bevölkerung war in Scha­ren hinausgeeilt. Der Abendwind entfacht die Fackeln zu voller Glut. Die Fahnen flattern als es unter den Klängen alter Kampflieder durch das Brandenburger Tor geht. So marschiert der lange Zug die breite Prachtstraße Unter den Linden ent­lang zum Lustgarten. Punkt 21 Uhr erreicht die Spitze des Fackelzuges die Schloßbrücke. Kurz dar­auf schwenkt die Kapelle der SA.-Gruppe Berlin- Brandenburg dem Podium gegenüber ein. Grüßend hebt der Gauleiter Dr. G o e b b e l s die Hand Die Berliner Formationsführer grüßen mit erhobener Rechten zum Gauleiter empor. Neben dem stellver­tretenden Gauleiter, Staatsrat G ö r l i tz e r , mar­schieren der Kommandeur der Leib st and arte' Adolf Hitler, Obergruppenführer Sepp Dietrich der Führer der Berliner SA., Obergruppenführer 'v o n Iagow, der Führer der Motorbrigade Berlin Vrigadeführer von Auloock, und Obergebiets- fuhrer Axmann. Nach dem Vorbeimarsch schwen­ken sie ein und nehmen hinter dem Gauleiter am Podium Aufstellung. Heber 1000 Fahnen grüßt der Gauleiter: manches Fahnentuch ist in den Kämpfen eines Jahrzehnts verschlissen und fahl geworden Jubel braust auf, als die Träger des golde­nen Ehrenzeichens erscheinen. Obergruppen­führer Daluege führt sie. Den Beschluß des Vorbeimarsches bildeten wie immer die Schutz­staffeln. Als letzte Einheit marschierten zwei Kompanien der L e i b st a n d a r t eAdolf Hit - l e r" an Gauleiter Dr. Goebbels vorbei. Nach Be- endigung des Fackelzuges wandten sich dis Tau­sende aus dem Lustgarten noch einmal Dr. Goeb­bels zu, dem sie während des Vorbeimarsches schon wiederholt durch ihre Zurufe im SprechchorWir gratulieren" ihre Verbundenheit zum Ausdruck ge­bracht hatten. Wieder umbrausten stürmische Heil­rufe denDoktor" und er wurde so dicht von be­geisterten Berlinern umringt, daß sein Wagen sich kaum einen Weg durch die Menge bahnen'konnte.

SA.-Ruf vor der Mohnung des Gauleiters

Den feierlichen Ausklang des denkwürdigen Ta­ges bildete in nächtlicher Stunde der S A. - R u f, der Dr. Goebbels vor feiner Wohnung in der Her- mann-Göring-Straße als letzte Geburtstagsehrung dargebracht wurde. Mit klingendem Spiel zogen die 250 Musiker und die 50 Spielleute der Bri­gaden 29 und 30 und zwei Ehrenstürme der SA. zu je 150 Mann für den gesanglichen Teil des SA.- Rufes vor der Wohnung des Ministers auf, rings umwogt von Sturmfahnen. Standartenführer Fuhfel erstattet dem Gauleiter, der an ein hell- erleuchtetes Fenster seines Hauses getreten ist, Meldung. Dr. Goebbels dankt. Die Musik setzt ein mit dem Kreuzritter-Fanfarenmarsch, ein altes Kampflied, dann klingt Ernst Moritz Arndts Frei­heitsgesangDer Gott, der Eisen wachsen ließ". Die Ehrenstürme fingen unter gedämpfter Musikbeglei- iung alte Kampflieder, die in die aufrüttelnden Klänge des LiedesDeutschland, erwache!" aus­klingen. Trommelwirbel leitet über zum Liede vom guten Kameraden. Die Standarten und Fahnen senken sich, die Arme heben sich zum Gruß. Der Parademarsch derLangen Kerls" schließt sich an. Wieder ein kurzer Trommelwirbel das Lied.der Deutschen, das Lied Horst Wessels.SA.-Ruf be­endet!". Wieder dankt Dr. Goebbels. Die Musik marschiert ab:Durch Groß-Berlin marschieren wir". Leiser und leiser wird das Lied. Die Menge singt ein Weilchen mit, dann aber will sie noch einmal den Eroberer Berlins sehen. Bald tritt auch Dr. Goebbels noch einmal ans Fenster, und Heilrufe grüßen ihn laut in stiller Nacht.

Eröffnung des Reichskriegsgenchts.

B e r l i n, 29. Okt. (DNB.) Am 29. dieses Monats fand die feierliche Eröffnung des neu zusammen­getretenen Reichskriegsgerichtes durch den Reichskriegsminister Generalfeldmarschall von Blomberg statt. Nach Begrüßung durch den Präsidenten des Reichskriegsgerichtes, General­leutnant Heitz, sprach der Reichskriegsminister über die grundsätzliche Bedeutung der Wiederein­führung des obersten Gerichtshofes der Wehrmacht. Der Generalfeldmarschall vereidigte anschließend Generalleutnant Heitz in seiner neuen Amtsstellung sowie dessen Stellvertreter, Generalleutnant von Küchle r. Nach seiner Vereidigung sprach Gene­ralleutnant Heitz über die Erweiterung der Auf­gaben des obersten Gerichtshofes der Wehrmacht gegenüber dem Reichsmilitärgericht der Vorkriegs­zeit. Unter Hinweis auf die Verantwortung für die Durchführung dieser Aufgabe erfolgte sodann durch den Präsidenten die Vereidigung der Offizier- r i ch t e r, die zusammen mit den Reichskrieg s- gerichtsräten die Senate bilden.

Die unter dem Präsidenten zu leitenden Stellun- gen im Reichskriegsgericht berufenen Persönlich­keiten sind der Oberreichskriegsanwalt Dr. Reh- dans bisher Abteilungschef im Reichskriegs- minifterium sowie die Senatsprasidenten Dr. S e l l m e r (bisher Reichsgerichtsrat) und S emler (bisher Abteilungschef und Minstterlaldlngent im Reichskriegsministerium). Das Relchsknegsgericht besieht zur Zeit aus zwei Senaten, de als dritte Instanz über die Revision in Mllitar- st raff ach en zu entscheiden haben ferner einem in erster und letzter Instanz über die H o ch - u n d Landesverratssachen gegen Angehörige der Wehrmacht urteilenden Senat. In den beiden Revisionssenaten sind unter den Senatsprasidenten zwei Reichskriegsgerichtsrate und zwei.Offiziere zur Entscheidung berufen, im erst- und letztlnsianzlichen Senat ein Reichskriegsgerichtsrat und drei Offiziere. Unter dem O b e r r e i ch s k r i e g s a n w a l t stehen drei Reichskriegsanwälte. Der Oberrelchskriegsan- walt nimmt dieselbe Stellung em wie der Ober­reichsanwalt. Die Reichskriegsgerichtsrate sind den Reichsgerichtsräten, die Reichskriegsanwälte den Neimsanwälten gleichgestellt. Die entfvrechende Rangordnung gilt für die Senatsprasidenten.

London, 29. Okt. (DNB.) Nach mehr als drei­monatiger Sommerpause trat das Unterhaus wieder zusammen. Nach der Fragezeit gab zunächst Außenminister Eden eine Erklärung über Spa­nien ab. Man habe verhindern wollen, daß der Bürgerkrieg über die Grenzen Spaniens hinweg­gehe und ganz Europa in Mitleidenschaft ziehe. Die Nichteinmischungspolitik sei das beste Mittel, den Frieden Europas zu wahren, sie habe sich nicht, wie behauptet werde, ausschließlich gegen die Madrider Regierung ausgewirkt.

Sowjetrußland habe über die Art Klage ge- führt, in der das Richteinmifchungsadkommen gehandhabt würde und habe Portugal der Vertragsverletzung beschuldigt.Uns liegen nicht die gering ft en Nachrichten vor, die geeignet wären, die fowjetrufsifchen Ve- fchuldigungen zu stützen. Ebenso ist der Aus- schuß nicht imstande gewesen, auch nur eine einzige der von Sowjetrußland gegen die portugiesische Regierung erhobenen Beschwer­den als berechtigt anzuerkennen. Es liegt kein aus erster Hand stammendes Beweismaterial vor, daß die portugiesische Regierung dies Ab­kommen bricht."

Trotz aller Schwierigkeiten, so fuhr der Minister fort, erfülle das Abkommen noch seinen Zweck. Die Opposition habe die französische und britische Re­gierung aufgefordert, das Werk zu zerstö- ren, an dem sie arbeiten. Die britische Regierung habe nicht die Absicht, sich zu einem solchen Schritt herzugeben. Die Tatsache, daß noch immer alle Völker dem Ausschuß angehörten, sei ein Beweis dafür, daß trotz der Schwierigkeiten die bisherige Politik richtig fei. Dis letzten Schwierigleiten, die sich im Ausschuß ergeben hät­ten, beleuchteten d i e Gefahren im Falle eines völligen Scheiterns des Nichteinmischungsab­kommens. Jede andere Politik könnte nur darin bestehen, die Ausfuhr von Waffen an beide Seiten zu gestatten. Nach Ansicht der britischen Regierung bedeute ein solcher Weg Ver­wirrung, internationalen Zank und möglicher­weise Kri»g.Die britische Regierung wird", so schloß der Minister,an der bisherigen Politik festhalten. Sie ist zugegebenermaßen ein Mittel, durch das wir hoffen, die Gefahren eines Krieges zu vermindern. Diese Politik der Nichteinmischung wird von der großen Masse des Volkes in Eng­land unterstützt."

Angriffe der Labvurpartei.

Der stellvertretende Leiter der Labour-Party, G r e e n w o o d , ergriff für die MadriderRe­gierung" Partei und billigte ihre das Recht des Waffenkaufes zu. Die englische Arbeiterpartei habe sich in keiner Zeit mit der Nichteinmischungspolitik einverstanden erklärt, sondern stets auf dem Recht der MadriderRegierung" bestanden, Waffen im Ausland zu kaufen. Auch der Führer der libe­ralen Opposition, Sir Archibald Sinclair, be­hauptete, die Nichteinmischungspolitik habe nicht die in sie gesetzten Erwartungen erfüllt. Immer- hin glaube er, daß die von Greenwood vorgeschla- aene Politik noch weit gefährlicher sei. Der kon­servative Abg. Sir Robert Hörne trat unter iro­nischen Seitenhieben auf die Opposition für die Nichteinmischungspolitik ein, da sie dazu beitrage, eine Ausbreitung des Konfliktes zu verhindern. Der Abg. M a x t v n vom linken Flügel der Labour- Party gab feinem Bedauern Ausdruck, daß Ruß­land nicht Waffen in der von feiner Partei ge­wünschten Menge nach Spanien gesandt habe. Rufe wieMörder" undSchlächter" wurden laut, als her Redner darauf hinwies, daß seine Sympathien der Madrider Regierung gehörten. Der Kommunist G a l a cf) e r hetzte gegen den deutschen Botschafter. Der Führer der Opposition, Major Attlee er­klärte. die Labour-Party fordere nicht, daß sich die englische Regierung in Spanien einmische, sondern lediglichdie Wiederherstellung der Rechte" der MadriderRegierung" gemäß dem internationalen Gesetz.

Ministerpräsident Baldwin erklärte zum Schluß, die britische Regierung habe dem Nichteinmischungsausschuß Material vorgelegt. Der allgemeine Eindruck aus diesen Informationen gehe dahin, daßeinige Vertragsbrüche" oorgefommen und daß an beide Seiten Waf­fen geliefert worden feien. Dieses Beweismaterial sei aber auch nicht annähernd schwerwie­gend genug, um die Regierung veranlassen zu können, ihre Nichteinmischungspolitik zu ändern. Die Regierung glaube zu wissen, daß die Behaup­tung, wonach 700 Italiener von der Ballearen-Jnsel Ibiza Besitz ergriffen hätten, keineswegs den Tatsachen entspreche.

Ganz Europa mache eine schwierige Zeit durch. Das Scheitern des Völkerbundes habe die Lage in Europa nicht leichter gemacht. Ein Fallenlassen des Waffenausfuhrverbotes gegenüber Svanien würde schneller als alles andere zu einem Zusammenstoß in Westeuropa führen können. Jedes Nachlassen der von England in den Beziehungen mit anderen Ländern verfolgten Politik würde den Frieden Westeuropas gefährden. Die Folgen einer Aende- rung dieser Politik könne er deshalb nicht auf sich nehmen.

Sir Samuel Hoare warnt die Moskauer Zniernastonale.

London, 30. Okt. (DRV. Funkfpruch.) Zum ersten Male hat ein englisches Regierungsmitglied eine öffentliche Warnung an die Moskauer Internationale gerichtet, sich in die englischen Angelegenheiten elnzumlschen.. Der Marinemlnister Sir Samuel Hoare erklärte in einer Versammlung nach einem Hinweis aus die Richteinmischungspotitik gegenüber Spanien:

Es ist beinahe immer katastrophal, sich in die Angelegenheiten anderer Län­der einzumlfchen, und ich empfehle diese Be­obachtung den Agenten der kommuni st i- fchen Internationale. Sie werden feststellen, daß, je mehr sie sich in die inneren Angelegenheiten Englands einmischen, um so schlimmer die Rückwirkungen gegen ihre eigenen Machenschaften fein werden. Unter keinen Umständen, so fuhr der Marineminister fort, dürfe sich daher England seinerseits in Angelegenheiten

einmischen, die es nichts angingen. Angesichts der befremdenden Stellungnahme der Labour - Party zum spanischen Bürgerkrieg sei es notwendig, dies sehr klar und deutlich zu sagen. Wenn es nach den Einmischungspolilikern der Opposition ginge, dann würde Europa in einen Krieg gestürzt werden.

Unter sowjetrussischem Oberbefehl.

Lowjetrussische Tank-Truppen verteidigen Madrid.

Salamanca. 30. Okt. (DRV. Funkspruch.) Der Heersbericht aus dem Hauptquartier des Ober­befehlshabers in Salamanca meldet, daß rote Milizen, unter st ühl von 40 sowjetrus- sischen und auch von s o w j e l r u s s i s ch e r Mannschaft geführten Tanks, am Front­abschnitt Torrejones und Sesena südwestlich von Madrid einen Gegenangriff versucht haben.

Die roten Horden mit ihren sowjetrussischen Kum­panen wurden in die Flucht geschlagen und sie hinterliehen Hunderte von Toten. Drei foro- jekrussische Tanks wurden von den Rationalen er­beutet. Trotz heftigen Widerstandes der Marxisten konnten die nationalen Truppen am Donnerstag am Frontabschnitt El Eskorial weiter vorgehen und wichtige Stellungen besehen.

Ein Vertreter von havas in Toledo meldet er­gänzend dazu: Madrid habe vor Jllescas seine besten Streitkräfte eingesetzt; denn die meisten Gefangenen seien erst vor wenigen Tagen von der schwierigen Somosierra- und Guadarrama- Front an diesen Abschnitt geschafft worden. Die Gefangenen hätten u. a. erklärt, daß sie s e i k v i e r Tagen von einem General befehligt worden seien, über dessen Ramen sie sich nicht einig waren, der aber nur russisch gesprochen habe und seine Befehle daher nur mit Hilfe seiner Sekretärin ebenfalls einer Russin die aber spanisch konnte, habe übermitteln können.

Scharfe Kritik an der Haltung der Labourpartei. Oie Londoner presse zur Llnterhaus-Auesprache.

London, 30. Okt. (DNB. Funkfpruch.) Aus der Unterhaus-Ausfprache über Spanien gehen nach Ansicht der Morgenblätter zwei klare Tatsachen hervor, nämlich 1. das unverbrüchliche Festhal - ten Englands an d e r Nichteinmischung und 2. eine gehörige Blamage der Einmi- schungspolitiker der Labour-Party. DieTimes" schreibt, Eden habe das Unterhaus daran erinnert, daß es mit der Macht der MadriderRegierung" vorbei sei und daß ihre Stunde bald geschlagen haben werde. Er habe auf die Tätigkeit der rotenGericht e" aufmerksam gemacht, deren Urteile von einer Men­schenschlächterei nicht mehr zu unterscheiden seien. Die konservativeM o r n i n g P v st" schreibt, die Behauptung der Labour-Party, daß Caballero mit seiner Bande von Kommunisten und Anarchisten dieheldenhaften Fackelträger der Demokratie" seien, sei der größte und verlogenste Unsinn, den

man in der modernen Geschichte gehört habe. Es sei bemerkenswert, daß die Labour-Party das Nichteinmischungsabkommen bekämpfte und damit kollektive Vereinbarungen als zweck­los und gefährlich verurteile, nachdem sich gerade diese Partei immer als Vorkämpfer der kollektiven Sicherheit aufgespielt habe. Das Rother- mere-BlattDaily Mail" schreibt, das wirk­liche Ziel der Labvur-Partei sei, die zusammen­brechende Tyrannei, die sich MadriderRegierung" nenne, zu unterstützen. Die Massenmetzeleien dieser Regierung" als einenheroischen Kampf für die Freiheit der Demokratie" zu bezeichnen, fei eine ungeheuerliche Verdrehung der Be­griffe. Portugal habe in seiner' Note bereits darauf hingewiesen, daß der Bürgerkrieg in Spa­nien von den Moskauer Agenten Dimitroff, Bela Khun und Moses Rosenberg organisiert und ge­plant worden sei.

Die Politik der Kleinen Entente.

Der rumänische Königsbesuch in Prag.

Prag, 29. Okt. (DNB.) Seit gestern weilt aus Anlaß des tschechoslowakischen Staatsfeiertags der König Carol II von Rumänien in Beglei­tung des Kronprinzen Michael und des Außen­ministers Antonescu zu offiziellem Besuch in Prag. In der Prager Burg fand gestern abend zu Ehren des Königs ein Festessen statt. Staats­präsident Dr. B e n e s ch hielt dabei einen Trink­spruch, in dem er nach einigen geschichtlichen Erin­nerungen erklärte, daß die Kleine Entente immer von neuem ihre Lebenskraft beweise. Sie wolle alle ihre zwischen staatlichen Ver­pflichtungen einhalten und sei entschlos­sen, ihre Freiheit auch um den Preis aller Opfer zu verteidigen. König Carol erinnerte u. a. an den Besuch Masaryks an der rumänischen Front während des Weltkrieges und erklärte, daß Prag und Bukarest für die gleiche Sache ge­kämpft und im gleichen Glauben ge­siegt hätten. Dieser Glaube werde heute durch die Kleine Entente gestärkt, über deren Unerläß- lichkeit kein Zweifel mehr bestehe.

An das Festessen schloß sich ein Empfang im Spanischen Saal. Staatspräsident Dr. Benesch lud sodann den König Carol und die Minister Anto­nescu und Dr. K r o f t a in seine Privatwohnung auf der Burg zu einem Tee ein, bei welchem eine politische Beratung stattfand, die zweiein­halb Stunden dauerte. Nach ihrem Abschluß wurde ein Kommunique ausgegeben, in dem es u. a. heißt: In den Besprechungen wurden die Hauptprobleme der europäischen Politik beraten. Es wurde eine vollkommene Übereinstimmung der An­sichten in allen besprochenen Fragen und ein absolutes Einvernehmen festgestellt über die Politik, die in den nächsten Monaten von den beiden Län­dern in engem Einvernehmen mit Jugoslawien ver­folgt werden soll. Cs wurde ferner, was die kom­menden Verhandlungen der West möchte betrifft, die Notwendigkeit betont, die politische Linie fortzusetzen, die in der letzten Zusammenkunft her Außenminister in Preßburg skizziert wurde. Gleichzeitig wurde der gute Wille der drei Staaten zur Zusammenarbeit mit den Ländern des römischen Protokolls und mit Deutschland in den mitteleuropäischen Fraaen betont. Der Beschluß, allen Versuchen, einer Ein­mischung in die inneren Angelegenheiten anderer Staaten fernzubleiben und sich an den Kämpfen zwischen den inneren Regimen der verschiedenen Länder überhaupt nicht zu beteiligen, wurde neuer­lich bestätigt. Das Werk des systematischen Auf­baues des politischen und wirtschaftlichen Systems der Kleinen Entente wird in der Absicht, daß die Interessen der Staaten der Kleinen Entente mit den Interessen des Friedens in Mitteleuropa har­monisieren, fortgesetzt werden. Die Besprechungen werden in den weiteren Tagen des Besuches Seiner Majestät in Prag fortgesetzt werden.

Günstige Entwicklung der Beziehungen zwischen Belgrad und Dom.

Belgrad, 29. Okt. (DNB.) Die Blätter stellen fest, daß in der itqlienischen Presse in den letzten Tagen ein besonders freundlicher Ton gegenüber Jugoslawien zu verzeichnen ist. In italienischen Pressestimmen wurde auf die Gemeinsamkeit der Interessen Italiens und Jugoslawiens hingewiesen. Besondere Auf­merksamkeit finden die Ausführungen desGior- nale d'Jtalia , in denen mit Bezug auf den Ab­schluß' des jugoslawisch-italienischen Handelsabkom­mens darauf hingewiesen wird, daß sich die Vor­aussetzungen für eine weitgehende Verständigung zwischen Italien und Jugoslawien abzuzeichnen be­ginnen. Ebenso wird ein Artikel der TriesterPic­

colo" beachtet, der aus politischen und wirtschaft­lichen Gründen für eine italienisch-jugoslawische Zusammenarbeit eintritt.

Türkisch-südslawische Fühlungnahme.

Ankara, 29. Okt. (DNB.) Der jugoslawische Ministerpräsident und Außenminister Stoja- d i n o w i t s ch traf am Mittwochvormittag in Ankara ein. Er besuchte den türkischen Minister­präsidenten und den Außenminister und wurde so­dann vom Staatspräsidenten in Audienz empfan­gen. An die Audienz schloß sich eine zweistündige Aussprache mit dem Staatspräsidenten in An­wesenheit des türkischen Außenministers. Die ge­samte türkische Presse betont anläßlich des Be­suchs die Festigkeit der türkisch-jugoslawischen Freundschaft.

Kommunistische Horden überfallen eine Versammlung der französischen Sozial-Partei.

Paris, 30. Okt. (DNB.-Funkspruch.) Die fran­zösische Sozial-Partei des Obersten de la Roc­que hatte in der Vorortstadt von Paris Choisy- le-Roi eine Versammlung angesetzt, die von mehr als tausend Personen besucht war. Etwa d i e gleiche Anzahl Kommuni st en hatte das Gebäude vollständig umzingelt. Bei Schluß her Veranstaltung kam es dann zu Schlägereien, wobei auch mehrere Personen verletzt wurden. Die roten Banditen gingen dazu über, die Mitglieder der Sozial-Partei wie sie erklärtenauf Waffen zu durchsuchen", d. h. in Wirklichkeit a u f das übel ft e z u mißhandeln. Etwa 200 Anhänger der Sozial-Partei begaben sich schließlich zu einer Garage, um ihre Kraftfahrzeuge ab^u* holen. Auch die Garage wurde sofort von den Kom­munisten umzingelt und erst als mehr als 1000 Mann Mobilgarde von Paris herbeigeeilt waren, gelang es, die roten Unruhestifter zu zer­streuen, die unter Anführung des kommunistischen Abgeordneten Cornavon standen. Rund zehn Kommunisten sollen festgenommen worden sein.

(Yunft und Wissenschaft

12. Deutsches Sänqerbundesfest .reichswichtig-.

Der Reichsminister für Volksaufklärung und Pro­paganda Dr. Goebbels hat das im nächsten Jahre vom 29. Juli bis 1. August zum ersten Male im nationalsozialistischen Staat ftattfinbenbe 12. Deutsche Sängerbundesfest Bres - lau 1 9 3 7" des Deutschen Sängerbundes in der Reichsmusikkammer alsr e i ch s w i ch t i g" erklärt. Welch großer Wert dem deutschen Chorwesen bei der Neugestaltung deutschen Musiklebens zugemessen wird, kommt hierin deutlich zum Ausdruck. Das 12. Deutsche Sängerbundesfest Breslau 1937 wird ein gewaltiges Bekenntnis zum deutschen Lied und zum kulturellen Tatwillen des neuen Reiches sein. Mehr als 100 000 Sänger werden in Breslau zusammenkommen, und drei große Chor­feiern mit Massenchören von 30 000 und 40 000 Sängern werden im neuerbauten Hermann-Göring- Stadion Zehntausenden von Volksgenossen ein un« vergleichliches Erlebnis bedeuten. Dieses 12. Deut­sche Sängerbundesfest wird als erstes im national­sozialistischen Staat unter Mitarbeit aller Gliede­rungen der Partei und unter Führung der Reichs- musikkarnmer die ideellen Ziele der nationalsozia- listischen Kulturorganisation weit über die Gren­zen Deutschlands hinaus bezeugen.