England hält an seiner Nichteinmischungspolitik fest.
Spanien-Debatte im britischen Unterhaus.
gebenheit die Geschenke entgegennehmen zu wollen, die Ihnen Ihre Mitarbeiter durch mich überreichen lassen: Von Ihrem Ministerium ein Bild von L e n b a ch, den großen Kriegsstrategen M o l t k e in Zivil darstellend, das, wie wir wünschen, Ihnen, dem großen Strategen der politischen Schlachten, besondere Freude machen wird, und von der Reichskulturkammer zwei P l a st i k e n , die den siegreichen Kampf der nationalsozialistischen Welt anschauung versinnbildlichen sollen.
Der Fackeizug.
Am Abend des Geburtstages sammelten sich die Formationen der Bewegung und aller Gliederungen im Tiergarten. In unabsehbarem Zuge standen die Kolonnen. Die Berliner Bevölkerung war in Scharen hinausgeeilt. Der Abendwind entfacht die Fackeln zu voller Glut. Die Fahnen flattern als es unter den Klängen alter Kampflieder durch das Brandenburger Tor geht. So marschiert der lange Zug die breite Prachtstraße Unter den Linden entlang zum Lustgarten. Punkt 21 Uhr erreicht die Spitze des Fackelzuges die Schloßbrücke. Kurz darauf schwenkt die Kapelle der SA.-Gruppe Berlin- Brandenburg dem Podium gegenüber ein. Grüßend hebt der Gauleiter Dr. G o e b b e l s die Hand Die Berliner Formationsführer grüßen mit erhobener Rechten zum Gauleiter empor. Neben dem stellvertretenden Gauleiter, Staatsrat G ö r l i tz e r , marschieren der Kommandeur der Leib st and arte' Adolf Hitler, Obergruppenführer Sepp Dietrich der Führer der Berliner SA., Obergruppenführer 'v o n Iagow, der Führer der Motorbrigade Berlin Vrigadeführer von Auloock, und Obergebiets- fuhrer Axmann. Nach dem Vorbeimarsch schwenken sie ein und nehmen hinter dem Gauleiter am Podium Aufstellung. Heber 1000 Fahnen grüßt der Gauleiter: manches Fahnentuch ist in den Kämpfen eines Jahrzehnts verschlissen und fahl geworden Jubel braust auf, als die Träger des goldenen Ehrenzeichens erscheinen. Obergruppenführer Daluege führt sie. Den Beschluß des Vorbeimarsches bildeten wie immer die Schutzstaffeln. Als letzte Einheit marschierten zwei Kompanien der L e i b st a n d a r t e „Adolf Hit - l e r" an Gauleiter Dr. Goebbels vorbei. Nach Be- endigung des Fackelzuges wandten sich dis Tausende aus dem Lustgarten noch einmal Dr. Goebbels zu, dem sie während des Vorbeimarsches schon wiederholt durch ihre Zurufe im Sprechchor „Wir gratulieren" ihre Verbundenheit zum Ausdruck gebracht hatten. Wieder umbrausten stürmische Heilrufe den „Doktor" und er wurde so dicht von begeisterten Berlinern umringt, daß sein Wagen sich kaum einen Weg durch die Menge bahnen'konnte.
SA.-Ruf vor der Mohnung des Gauleiters
Den feierlichen Ausklang des denkwürdigen Tages bildete in nächtlicher Stunde der S A. - R u f, der Dr. Goebbels vor feiner Wohnung in der Her- mann-Göring-Straße als letzte Geburtstagsehrung dargebracht wurde. Mit klingendem Spiel zogen die 250 Musiker und die 50 Spielleute der Brigaden 29 und 30 und zwei Ehrenstürme der SA. zu je 150 Mann für den gesanglichen Teil des SA.- Rufes vor der Wohnung des Ministers auf, rings umwogt von Sturmfahnen. Standartenführer Fuhfel erstattet dem Gauleiter, der an ein hell- erleuchtetes Fenster seines Hauses getreten ist, Meldung. Dr. Goebbels dankt. Die Musik setzt ein mit dem Kreuzritter-Fanfarenmarsch, ein altes Kampflied, dann klingt Ernst Moritz Arndts Freiheitsgesang „Der Gott, der Eisen wachsen ließ". Die Ehrenstürme fingen unter gedämpfter Musikbeglei- iung alte Kampflieder, die in die aufrüttelnden Klänge des Liedes „Deutschland, erwache!" ausklingen. Trommelwirbel leitet über zum Liede vom guten Kameraden. Die Standarten und Fahnen senken sich, die Arme heben sich zum Gruß. Der Parademarsch der „Langen Kerls" schließt sich an. Wieder ein kurzer Trommelwirbel— das Lied.der Deutschen, das Lied Horst Wessels. „SA.-Ruf beendet!". Wieder dankt Dr. Goebbels. Die Musik marschiert ab: „Durch Groß-Berlin marschieren wir". Leiser und leiser wird das Lied. Die Menge singt ein Weilchen mit, dann aber will sie noch einmal den Eroberer Berlins sehen. Bald tritt auch Dr. Goebbels noch einmal ans Fenster, und Heilrufe grüßen ihn laut in stiller Nacht.
Eröffnung des Reichskriegsgenchts.
B e r l i n, 29. Okt. (DNB.) Am 29. dieses Monats fand die feierliche Eröffnung des neu zusammengetretenen Reichskriegsgerichtes durch den Reichskriegsminister Generalfeldmarschall von Blomberg statt. Nach Begrüßung durch den Präsidenten des Reichskriegsgerichtes, Generalleutnant Heitz, sprach der Reichskriegsminister über die grundsätzliche Bedeutung der Wiedereinführung des obersten Gerichtshofes der Wehrmacht. Der Generalfeldmarschall vereidigte anschließend Generalleutnant Heitz in seiner neuen Amtsstellung sowie dessen Stellvertreter, Generalleutnant von Küchle r. Nach seiner Vereidigung sprach Generalleutnant Heitz über die Erweiterung der Aufgaben des obersten Gerichtshofes der Wehrmacht gegenüber dem Reichsmilitärgericht der Vorkriegszeit. Unter Hinweis auf die Verantwortung für die Durchführung dieser Aufgabe erfolgte sodann durch den Präsidenten die Vereidigung der Offizier- r i ch t e r, die zusammen mit den Reichskrieg s- gerichtsräten die Senate bilden.
Die unter dem Präsidenten zu leitenden Stellun- gen im Reichskriegsgericht berufenen Persönlichkeiten sind der Oberreichskriegsanwalt Dr. Reh- dans — bisher Abteilungschef im Reichskriegs- minifterium — sowie die Senatsprasidenten Dr. S e l l m e r (bisher Reichsgerichtsrat) und S emler (bisher Abteilungschef und Minstterlaldlngent im Reichskriegsministerium). Das Relchsknegsgericht besieht zur Zeit aus zwei Senaten, de als dritte Instanz über die Revision in Mllitar- st raff ach en zu entscheiden haben ferner einem in erster und letzter Instanz über die H o ch - u n d Landesverratssachen gegen Angehörige der Wehrmacht urteilenden Senat. In den beiden Revisionssenaten sind unter den Senatsprasidenten zwei Reichskriegsgerichtsrate und zwei.Offiziere zur Entscheidung berufen, im erst- und letztlnsianzlichen Senat ein Reichskriegsgerichtsrat und drei Offiziere. Unter dem O b e r r e i ch s k r i e g s a n w a l t stehen drei Reichskriegsanwälte. Der Oberrelchskriegsan- walt nimmt dieselbe Stellung em wie der Oberreichsanwalt. Die Reichskriegsgerichtsrate sind den Reichsgerichtsräten, die Reichskriegsanwälte den Neimsanwälten gleichgestellt. Die entfvrechende Rangordnung gilt für die Senatsprasidenten.
London, 29. Okt. (DNB.) Nach mehr als dreimonatiger Sommerpause trat das Unterhaus wieder zusammen. Nach der Fragezeit gab zunächst Außenminister Eden eine Erklärung über Spanien ab. Man habe verhindern wollen, daß der Bürgerkrieg über die Grenzen Spaniens hinweggehe und ganz Europa in Mitleidenschaft ziehe. Die Nichteinmischungspolitik sei das beste Mittel, den Frieden Europas zu wahren, sie habe sich nicht, wie behauptet werde, ausschließlich gegen die Madrider Regierung ausgewirkt.
Sowjetrußland habe über die Art Klage ge- führt, in der das Richteinmifchungsadkommen gehandhabt würde und habe Portugal der Vertragsverletzung beschuldigt. „Uns liegen nicht die gering ft en Nachrichten vor, die geeignet wären, die fowjetrufsifchen Ve- fchuldigungen zu stützen. Ebenso ist der Aus- schuß nicht imstande gewesen, auch nur eine einzige der von Sowjetrußland gegen die portugiesische Regierung erhobenen Beschwerden als berechtigt anzuerkennen. Es liegt kein aus erster Hand stammendes Beweismaterial vor, daß die portugiesische Regierung dies Abkommen bricht."
Trotz aller Schwierigkeiten, so fuhr der Minister fort, erfülle das Abkommen noch seinen Zweck. Die Opposition habe die französische und britische Regierung aufgefordert, das Werk zu zerstö- ren, an dem sie arbeiten. Die britische Regierung habe nicht die Absicht, sich zu einem solchen Schritt herzugeben. Die Tatsache, daß noch immer alle Völker dem Ausschuß angehörten, sei ein Beweis dafür, daß trotz der Schwierigkeiten die bisherige Politik richtig fei. Dis letzten Schwierigleiten, die sich im Ausschuß ergeben hätten, beleuchteten d i e Gefahren im Falle eines völligen Scheiterns des Nichteinmischungsabkommens. Jede andere Politik könnte nur darin bestehen, die Ausfuhr von Waffen an beide Seiten zu gestatten. Nach Ansicht der britischen Regierung bedeute ein solcher Weg Verwirrung, internationalen Zank und möglicherweise Kri»g. „Die britische Regierung wird", so schloß der Minister, „an der bisherigen Politik festhalten. Sie ist zugegebenermaßen ein Mittel, durch das wir hoffen, die Gefahren eines Krieges zu vermindern. Diese Politik der Nichteinmischung wird von der großen Masse des Volkes in England unterstützt."
Angriffe der Labvurpartei.
Der stellvertretende Leiter der Labour-Party, G r e e n w o o d , ergriff für die Madrider „Regierung" Partei und billigte ihre das Recht des Waffenkaufes zu. Die englische Arbeiterpartei habe sich in keiner Zeit mit der Nichteinmischungspolitik einverstanden erklärt, sondern stets auf dem Recht der Madrider „Regierung" bestanden, Waffen im Ausland zu kaufen. — Auch der Führer der liberalen Opposition, Sir Archibald Sinclair, behauptete, die Nichteinmischungspolitik habe nicht die in sie gesetzten Erwartungen erfüllt. Immer- hin glaube er, daß die von Greenwood vorgeschla- aene Politik noch weit gefährlicher sei. Der konservative Abg. Sir Robert Hörne trat unter ironischen Seitenhieben auf die Opposition für die Nichteinmischungspolitik ein, da sie dazu beitrage, eine Ausbreitung des Konfliktes zu verhindern. Der Abg. M a x t v n vom linken Flügel der Labour- Party gab feinem Bedauern Ausdruck, daß Rußland nicht Waffen in der von feiner Partei gewünschten Menge nach Spanien gesandt habe. Rufe wie „Mörder" und „Schlächter" wurden laut, als her Redner darauf hinwies, daß seine Sympathien der Madrider Regierung gehörten. Der Kommunist G a l a cf) e r hetzte gegen den deutschen Botschafter. Der Führer der Opposition, Major Attlee erklärte. die Labour-Party fordere nicht, daß sich die englische Regierung in Spanien einmische, sondern lediglich „die Wiederherstellung der Rechte" der Madrider „Regierung" gemäß dem internationalen Gesetz.
Ministerpräsident Baldwin erklärte zum Schluß, die britische Regierung habe dem Nichteinmischungsausschuß Material vorgelegt. Der allgemeine Eindruck aus diesen Informationen gehe dahin, daß „einige Vertragsbrüche" oorgefommen und daß an beide Seiten Waffen geliefert worden feien. Dieses Beweismaterial sei aber auch nicht annähernd schwerwiegend genug, um die Regierung veranlassen zu können, ihre Nichteinmischungspolitik zu ändern. Die Regierung glaube zu wissen, daß die Behauptung, wonach 700 Italiener von der Ballearen-Jnsel Ibiza Besitz ergriffen hätten, keineswegs den Tatsachen entspreche.
Ganz Europa mache eine schwierige Zeit durch. Das Scheitern des Völkerbundes habe die Lage in Europa nicht leichter gemacht. Ein Fallenlassen des Waffenausfuhrverbotes gegenüber Svanien würde schneller als alles andere zu einem Zusammenstoß in Westeuropa führen können. Jedes Nachlassen der von England in den Beziehungen mit anderen Ländern verfolgten Politik würde den Frieden Westeuropas gefährden. Die Folgen einer Aende- rung dieser Politik könne er deshalb nicht auf sich nehmen.
Sir Samuel Hoare warnt die Moskauer Zniernastonale.
London, 30. Okt. (DRV. Funkfpruch.) Zum ersten Male hat ein englisches Regierungsmitglied eine öffentliche Warnung an die Moskauer Internationale gerichtet, sich in die englischen Angelegenheiten elnzumlschen.. Der Marinemlnister Sir Samuel Hoare erklärte in einer Versammlung nach einem Hinweis aus die Richteinmischungspotitik gegenüber Spanien:
„Es ist beinahe immer katastrophal, sich in die Angelegenheiten anderer Länder einzumlfchen, und ich empfehle diese Beobachtung den Agenten der kommuni st i- fchen Internationale. Sie werden feststellen, daß, je mehr sie sich in die inneren Angelegenheiten Englands einmischen, um so schlimmer die Rückwirkungen gegen ihre eigenen Machenschaften fein werden. Unter keinen Umständen, so fuhr der Marineminister fort, dürfe sich daher England seinerseits in Angelegenheiten
einmischen, die es nichts angingen. Angesichts der befremdenden Stellungnahme der Labour - Party zum spanischen Bürgerkrieg sei es notwendig, dies sehr klar und deutlich zu sagen. Wenn es nach den Einmischungspolilikern der Opposition ginge, dann würde Europa in einen Krieg gestürzt werden.
Unter sowjetrussischem Oberbefehl.
Lowjetrussische Tank-Truppen verteidigen Madrid.
Salamanca. 30. Okt. (DRV. Funkspruch.) Der Heersbericht aus dem Hauptquartier des Oberbefehlshabers in Salamanca meldet, daß rote Milizen, unter st ühl von 40 sowjetrus- sischen und auch von s o w j e l r u s s i s ch e r Mannschaft geführten Tanks, am Frontabschnitt Torrejones und Sesena südwestlich von Madrid einen Gegenangriff versucht haben.
Die roten Horden mit ihren sowjetrussischen Kumpanen wurden in die Flucht geschlagen und sie hinterliehen Hunderte von Toten. Drei foro- jekrussische Tanks wurden von den Rationalen erbeutet. Trotz heftigen Widerstandes der Marxisten konnten die nationalen Truppen am Donnerstag am Frontabschnitt El Eskorial weiter vorgehen und wichtige Stellungen besehen.
Ein Vertreter von havas in Toledo meldet ergänzend dazu: Madrid habe vor Jllescas seine besten Streitkräfte eingesetzt; denn die meisten Gefangenen seien erst vor wenigen Tagen von der schwierigen Somosierra- und Guadarrama- Front an diesen Abschnitt geschafft worden. Die Gefangenen hätten u. a. erklärt, daß sie s e i k v i e r Tagen von einem General befehligt worden seien, über dessen Ramen sie sich nicht einig waren, der aber nur russisch gesprochen habe und seine Befehle daher nur mit Hilfe seiner Sekretärin — ebenfalls einer Russin — die aber spanisch konnte, habe übermitteln können.
Scharfe Kritik an der Haltung der Labourpartei. Oie Londoner presse zur Llnterhaus-Auesprache.
London, 30. Okt. (DNB. Funkfpruch.) Aus der Unterhaus-Ausfprache über Spanien gehen nach Ansicht der Morgenblätter zwei klare Tatsachen hervor, nämlich 1. das unverbrüchliche Festhal - ten Englands an d e r Nichteinmischung und 2. eine gehörige Blamage der Einmi- schungspolitiker der Labour-Party. Die „Times" schreibt, Eden habe das Unterhaus daran erinnert, daß es mit der Macht der Madrider „Regierung" vorbei sei und daß ihre Stunde bald geschlagen haben werde. Er habe auf die Tätigkeit der roten „Gericht e" aufmerksam gemacht, deren Urteile von einer Menschenschlächterei nicht mehr zu unterscheiden seien. Die konservative „M o r n i n g P v st" schreibt, die Behauptung der Labour-Party, daß Caballero mit seiner Bande von Kommunisten und Anarchisten die „heldenhaften Fackelträger der Demokratie" seien, sei der größte und verlogenste Unsinn, den
man in der modernen Geschichte gehört habe. Es sei bemerkenswert, daß die Labour-Party das Nichteinmischungsabkommen bekämpfte und damit kollektive Vereinbarungen als zwecklos und gefährlich verurteile, nachdem sich gerade diese Partei immer als Vorkämpfer der kollektiven Sicherheit aufgespielt habe. Das Rother- mere-Blatt „Daily Mail" schreibt, das wirkliche Ziel der Labvur-Partei sei, die zusammenbrechende Tyrannei, die sich Madrider „Regierung" nenne, zu unterstützen. Die Massenmetzeleien dieser „Regierung" als einen „heroischen Kampf für die Freiheit der Demokratie" zu bezeichnen, fei eine ungeheuerliche Verdrehung der Begriffe. Portugal habe in seiner' Note bereits darauf hingewiesen, daß der Bürgerkrieg in Spanien von den Moskauer Agenten Dimitroff, Bela Khun und Moses Rosenberg organisiert und geplant worden sei.
Die Politik der Kleinen Entente.
Der rumänische Königsbesuch in Prag.
Prag, 29. Okt. (DNB.) Seit gestern weilt aus Anlaß des tschechoslowakischen Staatsfeiertags der König Carol II von Rumänien in Begleitung des Kronprinzen Michael und des Außenministers Antonescu zu offiziellem Besuch in Prag. In der Prager Burg fand gestern abend zu Ehren des Königs ein Festessen statt. Staatspräsident Dr. B e n e s ch hielt dabei einen Trinkspruch, in dem er nach einigen geschichtlichen Erinnerungen erklärte, daß die Kleine Entente immer von neuem ihre Lebenskraft beweise. Sie wolle alle ihre zwischen staatlichen Verpflichtungen einhalten und sei entschlossen, ihre Freiheit auch um den Preis aller Opfer zu verteidigen. König Carol erinnerte u. a. an den Besuch Masaryks an der rumänischen Front während des Weltkrieges und erklärte, daß Prag und Bukarest für die gleiche Sache gekämpft und im gleichen Glauben gesiegt hätten. Dieser Glaube werde heute durch die Kleine Entente gestärkt, über deren Unerläß- lichkeit kein Zweifel mehr bestehe.
An das Festessen schloß sich ein Empfang im Spanischen Saal. Staatspräsident Dr. Benesch lud sodann den König Carol und die Minister Antonescu und Dr. K r o f t a in seine Privatwohnung auf der Burg zu einem Tee ein, bei welchem eine politische Beratung stattfand, die zweieinhalb Stunden dauerte. Nach ihrem Abschluß wurde ein Kommunique ausgegeben, in dem es u. a. heißt: In den Besprechungen wurden die Hauptprobleme der europäischen Politik beraten. Es wurde eine vollkommene Übereinstimmung der Ansichten in allen besprochenen Fragen und ein absolutes Einvernehmen festgestellt über die Politik, die in den nächsten Monaten von den beiden Ländern in engem Einvernehmen mit Jugoslawien verfolgt werden soll. Cs wurde ferner, was die kommenden Verhandlungen der West möchte betrifft, die Notwendigkeit betont, die politische Linie fortzusetzen, die in der letzten Zusammenkunft her Außenminister in Preßburg skizziert wurde. Gleichzeitig wurde der gute Wille der drei Staaten zur Zusammenarbeit mit den Ländern des römischen Protokolls und mit Deutschland in den mitteleuropäischen Fraaen betont. Der Beschluß, allen Versuchen, einer Einmischung in die inneren Angelegenheiten anderer Staaten fernzubleiben und sich an den Kämpfen zwischen den inneren Regimen der verschiedenen Länder überhaupt nicht zu beteiligen, wurde neuerlich bestätigt. Das Werk des systematischen Aufbaues des politischen und wirtschaftlichen Systems der Kleinen Entente wird in der Absicht, daß die Interessen der Staaten der Kleinen Entente mit den Interessen des Friedens in Mitteleuropa harmonisieren, fortgesetzt werden. Die Besprechungen werden in den weiteren Tagen des Besuches Seiner Majestät in Prag fortgesetzt werden.
Günstige Entwicklung der Beziehungen zwischen Belgrad und Dom.
Belgrad, 29. Okt. (DNB.) Die Blätter stellen fest, daß in der itqlienischen Presse in den letzten Tagen ein besonders freundlicher Ton gegenüber Jugoslawien zu verzeichnen ist. In italienischen Pressestimmen wurde auf die Gemeinsamkeit der Interessen Italiens und Jugoslawiens hingewiesen. Besondere Aufmerksamkeit finden die Ausführungen des „Gior- nale d'Jtalia , in denen mit Bezug auf den Abschluß' des jugoslawisch-italienischen Handelsabkommens darauf hingewiesen wird, daß sich die Voraussetzungen für eine weitgehende Verständigung zwischen Italien und Jugoslawien abzuzeichnen beginnen. Ebenso wird ein Artikel der Triester „Pic
colo" beachtet, der aus politischen und wirtschaftlichen Gründen für eine italienisch-jugoslawische Zusammenarbeit eintritt.
Türkisch-südslawische Fühlungnahme.
Ankara, 29. Okt. (DNB.) Der jugoslawische Ministerpräsident und Außenminister Stoja- d i n o w i t s ch traf am Mittwochvormittag in Ankara ein. Er besuchte den türkischen Ministerpräsidenten und den Außenminister und wurde sodann vom Staatspräsidenten in Audienz empfangen. An die Audienz schloß sich eine zweistündige Aussprache mit dem Staatspräsidenten in Anwesenheit des türkischen Außenministers. Die gesamte türkische Presse betont anläßlich des Besuchs die Festigkeit der türkisch-jugoslawischen Freundschaft.
Kommunistische Horden überfallen eine Versammlung der französischen Sozial-Partei.
Paris, 30. Okt. (DNB.-Funkspruch.) Die französische Sozial-Partei des Obersten de la Rocque hatte in der Vorortstadt von Paris Choisy- le-Roi eine Versammlung angesetzt, die von mehr als tausend Personen besucht war. Etwa d i e gleiche Anzahl Kommuni st en hatte das Gebäude vollständig umzingelt. Bei Schluß her Veranstaltung kam es dann zu Schlägereien, wobei auch mehrere Personen verletzt wurden. Die roten Banditen gingen dazu über, die Mitglieder der Sozial-Partei — wie sie erklärten — „auf Waffen zu durchsuchen", d. h. in Wirklichkeit a u f das übel ft e z u mißhandeln. Etwa 200 Anhänger der Sozial-Partei begaben sich schließlich zu einer Garage, um ihre Kraftfahrzeuge ab^u* holen. Auch die Garage wurde sofort von den Kommunisten umzingelt und erst als mehr als 1000 Mann Mobilgarde von Paris herbeigeeilt waren, gelang es, die roten Unruhestifter zu zerstreuen, die unter Anführung des kommunistischen Abgeordneten Cornavon standen. Rund zehn Kommunisten sollen festgenommen worden sein.
(Yunft und Wissenschaft
12. Deutsches Sänqerbundesfest .reichswichtig-.
Der Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda Dr. Goebbels hat das im nächsten Jahre vom 29. Juli bis 1. August zum ersten Male im nationalsozialistischen Staat ftattfinbenbe „12. Deutsche Sängerbundesfest Bres - lau 1 9 3 7" des Deutschen Sängerbundes in der Reichsmusikkammer als „r e i ch s w i ch t i g" erklärt. Welch großer Wert dem deutschen Chorwesen bei der Neugestaltung deutschen Musiklebens zugemessen wird, kommt hierin deutlich zum Ausdruck. Das 12. Deutsche Sängerbundesfest Breslau 1937 wird ein gewaltiges Bekenntnis zum deutschen Lied und zum kulturellen Tatwillen des neuen Reiches sein. Mehr als 100 000 Sänger werden in Breslau zusammenkommen, und drei große Chorfeiern mit Massenchören von 30 000 und 40 000 Sängern werden im neuerbauten Hermann-Göring- Stadion Zehntausenden von Volksgenossen ein un« vergleichliches Erlebnis bedeuten. Dieses 12. Deutsche Sängerbundesfest wird als erstes im nationalsozialistischen Staat unter Mitarbeit aller Gliederungen der Partei und unter Führung der Reichs- musikkarnmer die ideellen Ziele der nationalsozia- listischen Kulturorganisation weit über die Grenzen Deutschlands hinaus bezeugen.


