Ausgabe 
30.9.1936
 
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leugneten zunächst hartnäckig; erst als man Brod- esser das unwiderlegbare Ermittlungsergebnis vor­hielt, legte er ein Geständnis ab. Die Frau Jo­hannesberg leugnet aber trotzdem hartnäckig weiter. Die Untersuchung hat eine bemerkenswerte Paral­lele zu dem kürzlich in Mainz abgeschlossenen Gift- mordprozetz 'gegen Frau Vogel ergeben. Wie diese, so stand auch Frau Johannesberg mit einer berüchtigten Kartenlegerin in Verbindung. Auf die Frage der Johannesberg, wie lange ihr Mann wohl noch leben werde, gab die Kartenlegerin die ge­wünschte Antwort:Der Sarg steht schon dicht am Hause." Frau Johannesberg hat sich vermutlich daraufhin nicht lange besonnen, dem Schicksal nach­zuhelfen.

Verurteilte Schwarzhörer.

Im Vierteljahr April bis Juni 1936 sind wegen der Errichtung und des Betriebs n i ch t g e n e h - migter Funkempfangsanlagen 88 Per­sonen verurteilt worden. In 82 Fällen wurde auf Geldstrafen von 3 bis 100 RM. erkannt; vier Personen wurden zu Gefängnisstrafen von 10 Tagen bis zu zwei Wochen 3 Tagen verurteilt. Zwei Jugendliche wurden verwarnt. In einer gan­zen Anzahl weiterer Fälle wurden Verfahren gegen Schwarzhörer auf Grund des Straffreiheitsgesetzes vom 23. 4. 1936 eingestellt.

Kunst und Wissenschaft

Neuerscheinungen des Verlages Langen-Vlüller.

Der Verlag Albert Langen-Georg Müller, Mün­chen, kündigt folgende Neuerscheinungen an: Alma­nach Ausritt 1936/37. Paul Alverdes:Rein­hold im Dienst." Novelle. Erwin Peter Close: Dominium." Roman aus Schlesien. Paul Ernst: ,Kaiserbuch", Volksausgabe Band 3,Die Schwabenkaiser". Trygve Gulbranssen: Das Erbe von Björndal." Roman. Gunnar Gunnarsson:Der brennende Stein." No­vellen. Knut Hamsun:Der Ring schließt sich." Roman. Robert Hohlbaum:Zwei­kampf um Deutschland." Roman. Hanns Iohst: Die Torheit einer Liebe." Roman. Curt Lan­ge n b e ck :Heinrich VI." Deutsche Tragödie. Neue bulgarische Erzähler." Herausge­geben und übersetzt von Dr. Dragnewa und Gerhard G e s e m a n n.Noldin. Ein deut­sches Schicksal." Dargestellt von Franz Rucker. Erkki Räikkönen:Soinhufvud baut Finnland." Abenteuer einer Staatsgründung. Barbara Ring:Peik." Die Geschichte eines kleinen Jun­gen. Illustrierte Neuauflage. Mihail Sado- veanu:Nechifor Lipans Weib." Roman aus dem Rumänischen. Ludwig Tügel:Frau Geste auf Trubernes." Eine Saga. Josef Wein­heber:Späte Krone." Gedichte. Ernst Wie- chert:Wälder und Menschen." Eine Jugend. Heinrich Zillich:Zwischen Grenzen und Zei­ten." Roman.Kleine Bücherei": Elsa B e r n e w i tz :Die Entrückten." Paul E r n st: Heitere Welt." Joses H o f m i l l e r :Bayern­büchlein." Eduard L a ch m a n n :Der Blutbaum." Joses Weinheber:Im Namen der Kunst." Hermann Claudius:Und weiter wachsen Gott und Welt." Hans Grimm:Des Elefanten Wiederkehr." Hans K l o e p f e r :Was mir die Heimat gab." E. G. Kolbenheyer:KlaasP, der große Neutrale." Erwin W i t t st o ck (Titel noch

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Der Oberstaatsanwalt beim Landgericht in Gießen.

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Rocky Mountains so schön und fruchtbar, daß man wenig Aufwand zum Leben braucht. Obst und Ge­müse sind sehr billig, und da es im Sommer fast nie regnet und sehr warm ist, kann man bequem in den Holzhütten leben, die in den Obstplantagen für die Wanderarbeiter aufgestellt sind. Dorthin zogen sich nun auch die einzelnen zurück und ver­suchten erstmal, bei den umliegenden Farmern eine Arbeitsstelle zu erhalten. In der einsetzenden Früh­jahrssaison kamen denn auch so ziemlich alle unter und bei einem Stundenlohn von 2530 Cents läßt sich in diesen Gebieten schon auskommen.

Aber die Farmer waren nach den schlechten Prei­sen der letzten Erntejahre selbst sehr sparsam gewor­den und beschäftigten nur in der dringendsten Zeit einige Leute. Zwischen den einzelnen Arbeitsperio­den gab es deshalb lange Feierzeiten, und Ende Juni zeigte sich, daß vor Beginn der Ernte im Anfang August kaum eine Arbeitsmöglichkeit zu finden war.

So blieb nur der letzte Ausweg: sich bei der ka­nadischen Eisenbahnlinie als Streckenarbeiter zu verdingen. Diese Arbeit war nun als hundemäßig schwer berüchtigt und dazu schlecht bezahlt. In besse­ren Zeiten meldeten sich dazu nur Tramps, die sich einen neuen Anzug verdienen wollten, oder einge­wanderte Farbige. Aber was blieb uns anderes übrig? Als auf dem Arbeitsnachweis einige Stellen angeboten wurden, meldeten wir uns rasch, bevor auch diese Gelegenheit wieder vergeben war.

Mit einem Trecker wurden wir hinaus auf die enge Strecke zwischen hohen Felsen gefahren. Dort arbeitete eine bunte, zusammengewürfelte Gesell­schaft. Die Unterhaltung ging in den verschiedensten Sprachen. Nur der Vormann unterhielt sich mit uns in dem breiigen Amerika-Englisch.Well boys, ihr seid noch verdammt junge Kinder", begrüßte er uns,wenn ihr euer Pensum nicht einhaltet, könnt ihr morgen wieder gehen." Und mit einem breiten Grinsen gab er jedem von uns eine Spitz­hacke in die Hand, damit wir die Steine zwischen den neugelegten Bohlen zerkleinern konnten.

Im Anfang ging es ganz gut. Aber je höher die Sonne stieg und von den Felsplatten in vermehrter Glut zurückstrahlte, um so mehr quoll der Schweiß aus dem Körper, an dem nur noch eine dünne Leinenhose hing. Wie ein Geier beobachtete uns der Vormann, während er ab und zu einen dreckigen Witz erzählte, über den wir im Innern nur fluchen konnten. Die einzige Ruhepause war das Zigarettendrehen. Die Zeit dafür läßt sich kein Arbeiter in Amerika nehmen, wenn auch nur ein paar Körnchen Tabak in die Papierrollen gewickelt wurden.

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Sehnsucht nach Land und eigenem Herd war seit jeher die stärkste Antriebskraft in der ewigen Wan- derbeweguna der Deutschen. Unsere Vorfahren sind weit aus dem Norden hinunter in den Süden Europas gezogen, und wenig bedeutet dem gegen­über, bei dem heutigen Stande der Technik, eine Ueberquerung des Ozeans, um eine neue Heimat zu finden. Viele Deutsche sind schon diesen Weg Gegangen, weil sie zu Hause keinen Platz mehr fanden. Meist wurden sie gute Bauern unb Hand­werker im fremden Land. Aber schwer aenug ist es oft geworden. Von solchem Schicksal ferner Aus­landsdeutscher soll dieser Bericht erzählen:

In den Wirrniszeiten nach dem Kriege war ein junger, deutscher Maler nach Kanada gezogen. Nach vielen Jahren rastloser Wanderung durch Prärie und Steppe, Urwald unb Gebirge war er im schön­sten Teil des Landes, in der Provinz Britisch- Columbia, dicht am Pazifischen Ozean hängen ge­blieben. In einem der langen Täler zwischen den verschiedenen Gebirgszügen der Rocky Mountains glaubte er, endlich seinen Plan verwirklichen zu können. Er schrieb begeisterte Berichte und Aufrufe zur gemeinschaftlichen Siedlung nach Deutschland.

Bald waren auch eine Familie unb ein halbes Dutzend junger Burschen herübergekommen, alle mit dem guten Willen, aber wenigen Kenntnissen der Landwirtschaft. Trotzdem erwarb die nun gebildete GemeinschaftssiedlungNew Port" ein großes Stück Obstland mit einem noblen Farmhaus zum Preis von 20 000 Dollar. Das ganze wurde auf sogenannteshalf crop payment System gekauft. Das *heißt, man leistete keinerlei Anzahlung und verpflichtete sich lediglich, die Hälfte des jährlichen Ertrages an den ehemaligen Besitzer abzugeben. Dazu kamen natürlich die Zinsen.

Nachdem man noch die neuesten Maschinen auf Abzahlung gekauft und ein altes Auto eingehandelt hatte, zeigte sich im Herbst, daß die Aepfelsorten, die in dem Garten wuchsen, nur wenig begehrt waren. Man lieferte die große Ernte an die Der- kaufsgenossenschaft ab, durch die der gesamte Ab­satz aller Farmen geregelt wurde. Geld und Ab­rechnung sollte es aber erst geben, wenn alles ver­kauft war, frühestens im Anfang des nächsten Jah­res. So begann ein langer, schwerer Winter ohne Arbeits- und Verdienstmöglichkeiten. Man lebte auf die einfachste Art, oft waren nicht mehr die paar Cents vorhanden, um einen Brief nach Hause zu schreiben.

Durch verschiedene Unglücksfälle und persönliche Schwierigkeiten ging dann doch noch die Gemein­schaft zu Grunde, und jeder der beteiligten Siedler hatte sich durch diesen Versuch einige hundert Dollar Schulden auf den Hals geladen.

Zum Glück ist das Land in den Tälern der

Stunde Länger als einige Wochen hielt keiner dis Schinderei aus. Unsere Körper wurden zwar braun wie die der Neger, aber auch so knochig wie bte der unscheinbaren Japaner, hinter deren winziger Gestalt sich große Ausdauer verbirgt und die des­halb hier die beliebtesten, weil anspruchlosesten Ar­beiter sind. v v v

Als der Vormann uns am Ende der Woche den Scheck mit der Löhnung gab, sagte er:Eigentlich müßte ich ja mit euch unzufrieden sein, denn ihr seid verdammt langweilig. Ich weiß, daß es schwer ist, und ich werde eben dieses farbige Volk desto mehr anspannen müssen. Aber wenn es geht, sucht euch wieder Arbeit in den Gärten. Ich werde von oben kontrolliert, und wenn ich weniger durch­dringe als meine Konkurrenten, verliere ich meine Stellung, und das wollt ihr doch nicht, he Boys. All right."

Das hätte er uns gar nicht zu sagen brauchen, denn es war klar, daß wir uns sobald wie möglich bei den Farmern melden würden. Leider erst nach vielen Wochen begann die Aepselernte, die uns nun wie eine Spielerei vorkam. Von den Leitern in den Gärten winkten wir morgens unseren früheren Kollegen zu, die weiter Tag für Tag auf die Strecke fuhren. Es waren fast nur noch Farbige, die bei den Farmern nur in Zeiten größter Arbeiternot angenommen werden. Aber davon war ja zur Zeit keine Rede. Im Gegenteil, in den Straßen des nahen Städtchens lungerten noch viele Arbeitslose herum, die vergeblich auf einenJob" warteten unö mit Schrecken an den langen Winter dachten, tn dem es in dem reinen Agrarland Kanada keiner­lei Beschäftigung gibt.

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Im Bereiche zusammenfinkender Kaltluft herrschte am Dienstag vielfach heiteres und im allgemeinen trockenes Wetter. Die vergangene Nacht brachte in größerer Ausdehnung die ersten und teilweise recht beachtlichen Strahlungsfröste. Inzwischen ist von Norden her etwas feuchte Meeresluft auf das Fest­land vorgedrungen, die den nördlicheren Teilen des Reiches leichte Milderung und Schauertätigkeit ge­bracht hat, die sich bei uns ebenfalls bemerkbar machte. Eine durchgreifende Verschlechterung ist aber vorerst noch nicht zu erwarten.

Aussichten für Donnerstag: Vielfach dunstig oder neblig, sonst wolkig bis aufheiternd, bis auf vereinzelte Niederschläge trocken, aber für die Jahreszeit noch etwas kalt, veränderliche Winde.

Aussichten für Freisag: Vielfach dunstig, sonst noch etwas kühl, zeitweise ausheiternb, ver­änderliche Winde.

Hauptschriftleiter Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Verantwortlich für Politik und für die Bilder: Dr. Fr. W. Lange; für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot; für den übrigen Teil: Ernst Blumschein. Anzeigen­leiter: Hans Beck. Verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. D. A. VIII. 36 : 9350. Druck und Verlag: Brühl'sche Universitäts-Buch- und Steindruckerei R. Lange, K.-G., sämtlich in Gießen. Monatsbezugspreis RM. 2,05 einschließlich 25 Pf. Zustellgebühr, mit der Illustrierten 15 Pf. mehr. Einzelverkaufspreis 10 Pf. und Samstags

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