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Großer Gistmordprozeß in Mainz
trat a l s kurz bald 1913 Kin-
LPD. Mainz, 29. Juni. Vor dem Schwurgericht begann unter dem Vorsitz von Landgerichtsdirektor Dr. Krug die Verhandlung gegen die Frau Frieda Katharina Vogler geb. Zorn aus Mainz-Kostheim. Frau Vogler ist angeklagt, vorsätzlich zwei Menschen getötet und den Mord m i t Ueberlegung ausgeführt zu haben, und zwar 1930 ihren Ehemann und Ende 1931 den Friseur Ludwig Seitz, indem sie beiden thalliumhaltiges Rattengift beibrachte. Sie hat ferner drei Menschen versucht zu töten, und zwar 1932 den Installateur Andreas Keim, 1933 ihren Stiefsohn Georg Vogler und im Sommer 1934 die Ehefrau Katharina Herdel. Diese Mordversuche wurden in der gleichen Weise ausgeführt wie die beiden vollendeten Morde. Frau Vogler hatte ein Interesse daran, ihren Mann loszuwerden, um für ihre verschiedenen Geliebten freie Hand zu haben. Mit dem Seitz wollte sie einen Mitwisser aus der Welt schaffen. Bei dem Mordversuch an ihrem Stiefsohn Georg Vogler ist der Grund durch eine Versicherung gegeben, die sie zugunsten ihres Stiefsohnes abschloß, dann auf sich übertragen ließ und fallen ließ, als ihr Stiefsohn nicht starb. Der Mordversuch an Keim wird der Beseitigung eines Geliebten gegolten haben. Für das Motiv beim Mordversuch an Frau Herdel ist zunächst noch kein Grund sichtbar.
der entsprossen. Sie hat mit ihrem Mann gut gelebt, abgesehen von Streitigkeiten, die durch ihr Verhalten, aber auch durch die häufige Trunkenheit ihres Mannes veranlaßt wurden. Seit 1928 etwa hatte sie ein festes Verhältnis mit einem Mann namens Holzhauer aus Mainz-Kastel. Mit diesem hat sie öfters Reisen unternommen, die sie auch finanzierte. Sie ist dann mit zwei Kartenlegerinnen, der Frau Rocker und der Frau Schneider, in Verbindung getreten. Immer wenn jemand starb, wurde es vorher von den Kartenlegerinnen prophezeit. Auch ein geheimnisvoller Onkel Ehrhard tauchte m den
kommunistische Partei verbieten. Diese Zukunftsmusik wird allerdings die gegenwärtige Volksfront- regierung> die sehr viel überlegter und zielbewußter an ihre Umbruchsarbeit herangeht, als selbst bis in die Volksfrontkreise hinein erwartet worden ist, nicht aus dem Takt bringen. Der Regierung L6on Blum kann eine wirkliche Gefahr nur durch einen völligen Bankerott ihrer Arbeit oder durch eine einheitlich geführte ideen- und willensstarke politische E r n e u e r u n g s b e « megung von rechts drohen. Jeder der aufgelösten Bünde fühlt sich zu dieser Aufgabe berufen. Wer aber ist auserwählt?
Besprechungen mit Frau Rocker wiederholt aust Von ihm sollen angeblich bie Tabletten st a m- men, mit denen der Ehemann Vogler vergiftet wurde. Frau Vogler erklärt, die Tabletten fyabe ihr Frau Rocker gegeben, sie habe die Tabletten auf den Nachtkasten am Bett ihres Mannes gelegt. Sonst wüßte sie von der ganzen Sache nichts.
Der Stiefsohn Georg Vogler war von seiner Stiefmutter mit 2000 Mark für den Fall des Todes versichert, ohne daß er selbst von dieser Versicherung wußte. Frau Vogler hat die Prämien bezahlt. Im September 1933 wurde ein Nachtrag gemacht, daß die Versicherung bei dem Tode des Georg Vogler nicht an seine Erben, sondern a n seine Stiefmutter ausgezahlt werden sollte. Damals aber lag Georg Vogler bereits schwer krank. Nach Annahme der Voruntersuchung müssen sämtliche Unterschriften gefälscht worden sein. Dies erhellt auch aus der Tatsache, daß Frau Vogler, als ihr Stiefsohn nicht starb, die Prämienzahlung einft eilte und mit der Versicherungsgesellschaft wegen eines Rückkaufs verhandelte.
Kriminalsekretär Benner erklärte bann als Zeuge, daß Kostheim sehr stark unter Ratten z u leiden habe. Deshalb wurde das Gift in fester und flüssiger Form an die Einwohner verabreicht. Auch Frau Vogler hat von diesem Gift zur Auslegung gegen die Ratten bekommen. Eine Haussuchung ist ohne Ergebnis verlaufen. Landgerichtsrat Rhode als Untersuchungsrichter veranlaßte den Gerichtschemiker Dr. Popp, sich zu äußern. Dieser sprach zuerst von Symptomen einer Thalliumvergiftung.
Nach einem Aerztekonsil von 13 Aerzten wurden die Leichen des Ehemanns Vogler und des Friseurs Seitz ausgegraben. Dr. Popp hat an den Leichenteilen große Mengen von Thallium fest- gestellt. Wie Dr. Popp ausführte, genügen die kleinsten Mengen von Thallium in einem menschlichen Körper, um von Vergiftung zu sprechen.
Der Stiefsohn Georg Voglers erklärte als Zeuge, auf das Recht der Aussageverweigerung hingewiesen: „Ich kann gegen die Mörderin meines Vaters die Aussage nicht verweigern". Bereits mit 14 Jahren hat der Zeuge eheliche Untreue der Frau Vogler beobachtet. Erft nach dem Tode
Die Angeklagte wurde 1894 geboren und 1912 bei bem Gastwirt Vogler Dienstmädchen ein. Voglers Frau war vorher gestorben. Sie selbst trat mit Vogler in nähere Beziehungen und heiratete i h n im Alter von 19 Jahren. Ihrer Ehe sind drei
Großbritanniens Lage noch ernster, Deutschland und Italien hätten ihre bitteren Erfahrungen mit dem Kommunismus gemacht und wollten, wenn notwendig, zu ihrer Verteidigung ein Vorwärts- öringen des Bolschewismus an ihren Grenzen verhindern. Unter keinem Vorwande dürfe Großbritannien mit dem Bolschewismus gemeinsame Sache machen. „Uebereilt und dumm" sei es, die Unabwendbarkeit einer britisch-französischen Allianz zu proklamieren, während rote Flaggen über französischen Fabriken und Häfen flatterten. Frankreich s e i nicht mehr bie Macht von 1914, unb Großbritannien sollte sich nach Bündnissen mit Deutschlanb unb Italien umsehen. — Das erste für Großbritanniens Sicherheit sei seine gute Bewaffnung, bas zweite, ft arte Freunbe zu haben. Einer solchen Freundschaft würbe auch Frankreich beitreten, wenn es seine politische Seuche abgeschüttelt habe. Ein Zusammenschluß zwischen ben vier westeuropäischen Hauptmächten wäre eine bessere Garantie als das schiffbrüchige Genf.
Die Kampfbünde in Frankreich
Von unserem Noe-Äerichierfkatier.
Zwei kommunistische Präsident, schafiskandidaten in USA.
Sowjetpropagandaüberallearnerikanischen Rundfunksender.
Neuyork, 29. Juni. (DNB.) 25 000 im Madi- son Square Garben versammelte Kommunisten beschlossen die Ernennung des Generalsekretärs der Kommunistischen Partei der Vereinigten Staaten, Browder, zum Präsidentschaftskandidaten und des Negers W. Ford aus Alabama zum Dize- präsibentjchaftskandidaten. Der Neger Ford ist als kommunistischer Oberhetzer des Neuyorker Negerviertels berüchtigt.
Die beiden größten Rad io Gesellschaften der Vereinigten Staaten, Columbia unb National B r o a b ca st i n a, übertrugen die Agitationsrede Browbers und Fords über alle amerikanischen Sender. Browder bezeichnete den kommunistischen Parteitag ganz offen als Geb u r t der neuen Massenrevolution unb kündigte die Errichtung einer Sowjetregierung in den Vereinigten Staaten an. Dann rief er zum Kamps gegen das Ober ft e Bundesgericht, gegen Wall Street, gegen die Republikaner und ihren Kandidaten Landon auf. Taufende von Kommunisten füllten die Straßen um den Madison Square Garden herum, wo die Reden der Parteiführer durch Lautsprecher verbreitet wurden. Wilde Agitationsrufe wechselten mit dem Gesang der Internationale ab.
Deutscher Missionar
in Eüdabessinien ermordet.
AddisAbebä,29. Juni. (DNB.) Aus dem südlichen Teil Abessiniens werden Unruhen von Galla- Stämmen gemeldet. Aus Neghelli im Somaliland brach am 5. Juni unter dem Befehl des Generals Gelose eine Autokolonne auf unb besetzte Mega Mache, 250 Kilometer nörblich von Neghelli, um ben aufstänbischen Gallas bie Lebensmittelzufuhr abzuschneiben. Aus Abbis Abeba würbe gleichfalls eine bewaffnete Autokolonne z u ben belgischen Plantagen — mehrere hunbert Kilometer süblich ber Hauptstabt — geschickt. Der Kolonne schlossen sich auch mehrere Deutscbe an, um beutsche Lanbsleute von ber Belagerung durch Eingeborene zu befreien.
Ueber bas Schicksal des deutschen Missionars Adolf Müller auf der Station Beballe konnte man jetzt traurige Gewißheit erhalten. Der Missionar würbe ermorbet. Seine Frau und seine Kinder sind auf dem Heimweg über den Sudan. Der Missionar hatte sein Haus trotz des Mangels an Lebensmitteln und Munition gegen bie Gallas tagelang verteibigt, um bie Flucht seiner Familie zu becken. Am Sonntag fanb auf ber beirischen Missionsstation in Abbis Abeba für Müller eine Gebächtnisfeier statt.
Von unserem Dr. Jh.-Korrespondenten.
örtlichen Streitfall in einen Weltkrieg qus- arten lasse. Aehnliche Ansichten finb in den Zusammenkünften der sog. „neutralen Staaten", Spanien, Schweiz, Holland, Dänemark, Schweden, Norwegen, Finnland, die unter dem Vorsitz des dänischen Außenministers Munch wiederholt stattgefunden haben, geäußert worden. Der Gedanke der Reform marschiert und läßt sich wohl kaum noch aufhalten, auch wenn bie eigentliche Aussprache auf die Herbsttagung verschoben werden sollte. In schwierigen Lagen ist die Vertagung schon immer der Genfer Weisheit letzter Schluß gewesen.
Kein Bündnis
mit dem Bolschewismus.
Lord Rothermere über die europäische Lage
London, 29. Juni. (DNB.) Lord Rothermere fordert von der britischen Politik, baß sie sich freimache von ben Staaten, bie unter ben tödlichen sowjetrussischen Einfluß gelangt seien. Werde Frankreich d o l s ch e w i si e r t, so . würbe
Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten! Paris, im Juni 1936.
„Herzlich willkommen", verkündet an ber Tür zu bem Sitz ber aufgelösten „Vaterländischen Jugend" ein Schild. Es ist für bie Polizeibeamten gedacht, die etwa auf Anweisung der Regierung kommen könnten, eine Haussuchung vorzunehmen. Sie werden das Nest leer finden, denn Möbel, Karteien und Akten sind vorsorglich schon seit Tagen an sicheren Ort gebracht worden. Die Regierung Leon Blum mag schnell handeln, aber schneller noch laufen' durch die Ministerien bie Flüstergerüchte über tommenbe Maßnahmen. So bleibt ben aussührenben Organen der Regierung ein „Herzlich willkommen." men."
Auch im Hauptquartier der Feuertreuzler zeigt man sich guter Laune. Der Führer dieser Bewegung, de la Rocque, hat sogar sein lachendes Gesicht in ben Mittelpunkt einer Pressebesprechung gestellt und erklärt, sein Lachen beweise wohl am besten, daß er nicht beunruhigt sei. Er könne lachen, denn die Sache laufe gut an, es sei bas Lachen eines Mannes, ber vertraue unb der des Siegs gewiß sei. Im übrigen aber sei der Regierung ein nettes Mißgeschick unterlaufen, denn sie habe zwar die s o - ziale „Bewegung Feuerkreuz" verboten, bie sich in der Hauptsache um soziale und Frauenangelegenheiten kümmere, nicht aber bie „Vereinigung Feuerkr eu z", die die Frontkämpfer umfaßt, und nicht die „Nationalen Freiwilligen", die Jugendverbände, obwohl beide Verbände noch legal eingetragen seien. Der Oberst wird allerdings nicht daran zweifeln, daß die Regierung diesen Schönheitsfehler berichtigen wird. Sie hat bereits zu erkennen gegeben, daß sie sich von Tarnungen nicht täuschen lassen wird. Sie hat die N a - tivnale Volkspartei des Herrn Taittin- g e r aufgelöst, in die sich nach den Laval-Gesetzen vom Januar die „Vaterländische Jugend" umgetauft hatte, sie hat die Republikanische korpora - tive Nationalpartei verboten, unter der die Solidarits Fr anxaise sich verborgen hatte, unb sie wollte die Feuerkreuzler in ihrer Dachvereinigung im ganzen treffen. Daß binnen kurzem bie Auflösung ber burch bie Vervrbnungen getroffenen Bünbe technisch burchgeführt sein wird, steht außer Zweifel. Juristische Seitenwege und Paragraphen werben für bie Regierung fein Hinbernis bil- ben. Wirb mit der technischen Auflösung ber Bünbe aber auch deren wirkliche Auflösung erfolgt fein? Das Lächeln und der gute Humor her Betroffenen mögen daraus eine Teilantwort geben.
Allerdings sind diese Gefühlsäußerungen nicht die einzigen. Freilich, von einer großen Empörung ober Erregung ob des Verbots ist in diesen Tagen in Frankreich nichts zu spüren. Denn daß die Studenten des Lateinischen Viertels in Paris, die irgendeinem der aufgelösten Bünde angehören, ein wenig auf dem Boulevard Saint Michel in geschloffenen Reihen spazieren gehen unb brustbreite Trikolore- farben zur Schau tragen, will nicht viel besagen, denn die Demonstrationen des Boulevards Saint Michel stehen auf der gleichen Stufe mit ben politischen Rebeerqüfsen im Lonboner Hybepark. Aber eine fachliche Rückwirkung der Aufläsungsbeschlusse auf die Bünde selbst, auf ihre Anhänger unb Führer wirb natürlich nicht ausbleiben. Oberst de la Rocque als ber Führer des größten der betroffenen Bünde, hat denn auch bereits angefunbigt, bah er nunmehr eine parlamentarische Partei die Soziale französische Partei, gründen werde, i)ie das gleiche Programm haben soll wie die alte Feuerkreuz-Bewegung. Zwar haben zwei seiner verbotenen Nachbarn mit der im Januar vorsichtshalber erfolgten Parteigründung der Auflösung nicht entgehen können. Vielleicht ist ber Oberst em besserer Taktiker. Zunächst beginnt er allerdings nut einem kleinen Dorpostengefecht, indem er zum ftlaaqen der Trikolore aufgefordert hat. Das mag vielleicht als Äußerlichkeit erscheinen, aber bie Marseiller Ereignisse haben bewiesen, daß aus Flaggenstreiten schnell Straßenunruhen werden können. Zum andern ist auch noch nicht entschieden, ob die Volksfrontregierung sich nun stillschweigend bie Trikolore entwinden unb diese allein der Rechtsopposition lassen wird. Wenn auch der neuen Regierung auch die harten sozialen, wirftchaftspolitischen unb finanziellen Probleme auf ben Nägeln brennen, wird man keinen Grund haben
Reform oder Auflösung?
Die Genfer Gonderiagung des Völkerbundes in der Zwickmühle
G 6 nf, 29. Juni 1936. ।
Bei gewittrigem Wetter unb in gebrückter Stimmung verlaufen bie üblichen Sitzungen unb Besprechungen ber Sonbertagung des Völkerbundes. Die 16. Bundesversammlung wurde im September v. I. eröffnet unb hat mit vielen Unterbrechungen bis heute ihr Leben gefristet. Alle Welt hofft, baß dieses der letzte Tagungsabschnitt sein wirb, damit sie endlich ihr kümmerliches Dasein beschließen kann. Die gegenwärtige 92. Ratstagung dagegen ist erst knapp zwei Monate alt; sie wurde Anfang Mai eröffnet unb am 13. Mai mit Rücksicht auf ben Wahlumschwung in Frankreich so lange vertagt, bis bie neue französische Regierung in Genf zur Stelle sein könnte. Angesichts ber unerfreulichen Witterung bemühen sich außer ber abessinischen sämtliche Aborbnungen, bas Ende dieser Iulitagung z u beschleunigen. Doch die Aufgabe ist verzwickt, unb ernste Gefahren für ben Bestaub des Völkerbunbes drohen wie ein Gewitter, das vom Montblanc her über die Stadt am Genfer See heraufzieht.
Der argen t^n ifche Vertreter hatte die Einberufung do4 (Sonbertagung beantragt, bamit der Völkerbund gezwungen würde, noch vor ber PanameriEa-Konferenz, die im August in Buenos Aires stattfinden soll, zu den in Abessinien geschaffenen Tatsachen Stellung zu nehmen. Da die südamerikanischen Staaten sich in dem Panamerika-Protokoll von Rio de Janeiro vom 4. August 1922 verpflichtet haben, den Besitz von gewaltsam angeeigneten Gebieten nicht anzu - erkennen, fordern sie jetzt vom Völkerbund eine entsprechende Stellungnahme, andernfalls sie drohen, dem Beispiel derjenigen Südamerika- Staaten zu folgen, die dem Völkerbund bereits den Rücken gekehrt haben. Würde aber der verlangte Beschluß in Genf gefaßt werden, so wäre bestimmt damit zu rechnen, daß Italien sich vollkommen zurückzieht unb höchstwahrscheinlich seinen Austritt erklärt. Das auf jeben Fall zu vermeiben, sind die britische und die französische Regierung übereingekommen. Beide haben sich als erste für bieAuf Hebung ber Sanktionen ausgesprochen, obgleich die eine es sich ehedem besonders hat angelegen sein lassen, bas ganze Sanktionswerk in Gang zu setzen, unb die andere sich erst soeben zu der uneingeschränkten Anwenbung des Artikel 16 des Völkerbundspaktes, in dem die Sand tionen festgesetzt finb, bekannt hat.
Was wird man also tun, um aus diesem Dilemma herauszukommen? Man wird seine Zuflucht zu einigen Kunstgriffen nehmen, die im Genfer Glashaus (dem provisorischen gläsernen Tagungsgebäude) wie in einem Treibhaus wachsen. So wurde darüber verhandelt, ob nicht auf den „Beschlu ß" verzichtet und an dessen Stelle eine harmlosere „Erklärung" gesetzt werden könnte. In der nächsten Etappe folgte die Anregung, auch die Erklärung fallen zu lassen und sich auf eine Bestätigung des Artikels 10 der Dölkerbundssatzung, in dem ungefähr dasselbe gesagt ist, zu beschränken. Schließlich kam noch ein ganz Schlauer auf den Gedanken, das Wörtchen „zukünftig einzuschieben, so daß die Nichtanerkennung gewaltsam angeeigneten Gebietes auf Abessinien keine Anwendung finden würde. Aber wird sich ber Völkerbund wirklich mit solchen Spiegelfechtereien aus der Affäre ziehen können? Und wenn ja, glaubt man dann von feinem Ansehen auch nur noch einen Bruchteil zu retten?
Außerordentlich unerwünscht ist allen Vol- kerbundspaten die Anwesenheit desNegus in Genf. Man hat sich die größte Mühe gegeben, ihn von feiner Reife abzubringen. Ihm wurde gedroht, daß er nachher nicht nach England zurück- kehren könnte, unb die Schweiz machte ihn sofort daraus aufmerksam, daß er nach Beendigung Der Tagung bas Land unverzüglich wieder verlassen wüßte. Dbenbrein hat bann noch die Genfer Bevölkerung in sehr auffallender Weise für ihn Partei ergriffen. Nach feiner Ankunft war ihm auf dem Bahnhofsplatz von einer vieltaufenbkvpftgen Menge eine riesige Huldigung dargebracht worden. Die sonst so behäbigen Bürger der Stadt klatschten unb tobten und schrien sich heiser mit den Zurufen: „Vive le Nögus, vive l’empereur!“ Hinter dem neuen Völkerbundspalast, im Carlton-Hotel, in bem einst die beutsche Abordnung residierte, hat Hacke Selassi eine regelrechte P r o p a g an da zentrale aufgeschlagen, wo er Kommuniques aus» gibt und bie Weltpresse empfängt unb unermüdlich ben Völkerbunb an bie nicht eingehaltenen Versprechungen erinnert. „Ich bin voller Hoffnung, baß die einzelnen Staaten ihren Genfer SBerpfViqjtinv gen nachkommen werben", ist seine tägliche Parole. „Das wanbelnde böse Gewissen des Dolker- bunbes" nennt man ben schwarzbärtigen Exkaiser hier nicht mit Unrecht.
Zu allem Ueberfluß ist nun durch den chilenischen Antrag gleich in ber ersten vertraulichen Ratssitzung auch noch die Frage ber V o I - ferbunbsreform angeschnitten worden. Allerdings scheiterte der Antrag zunächst im Rat an ber heftigen Gegnerschaft Litwinows und des Rumänen Titulescu, die jebe Reform mit ber Begründung ablehnten, daß dadurch bas Enbe des Völkerbundes herbeigeführt werbe. Aber sie formten nicht verhindern, baß bie Reformfrage nun auf der Tagesordnung ber Vollversammlung des Bundes steht. Außerdem erklärte der chilenische Vertreter, daß sich ferne Regierung schon von jetzt ab nicht mehr an die automatischen Verpflichtungen des Völkerbundspaktes gebunden betrachte, sondern jeden Streitfall nach seinen Ursachen, Wirkungen und Verantwortlichkeiten prüfen werde, ehe sie sich ben Volkerbunds- maßnahmen anschlösse; benn seine Regierung wolle nicht mitverantwortlich an einer Politik fein, Die durch das Spiel der kollektiven Sicherheit einen ' ___ iiumh I ei, 'Jium. i. eilik' L‘"eyV2Jt«äSe"ii
zu zweifeln, daß sie nicht auch den Wert von Symbolen im politischen Kampf zu erkennen weiß. Bereits bei ben letzten Jeanne-b'Arc-Feiern, die die Rechte alljährlich zu begehen pflegt, wurden im Volksfrontlager zahlreiche Stimmen laut, die erklärten, man müße die Nationalheldin Frankreichs, die weder adlig noch gesellschaftlich, die weder eine Prinzessin noch ein Oberst, sondern die ein schlichtes Bauernmädchen gewesen und von Kirche und Adel gemeinsam verbrannt worden sei, der Rechten entreißen und sie bem Volke zurück- geben, aus dem sie hervorgegangen. Die Volksfront wird bei bem wahrscheinlich kommenden Flaggenstreit sich der nicht unwesentlichen Tatsache erinnern, daß bie Trikolore bie Fahne ber Revolution von 1789 ist.
Was aüs den aufgelösten Bünden werden wird, deren Anhänger ja schließlich als politisch hanbelnde Menschen weiter bestehen? Welche die etwaigen innerpolitischen Folgen der Auflösungsmaßnahmen sein werden? Die Franzosen und bie Betroffenen selbst verzichten auf prophetische Voraussagen, die über die Behauptung hinausgehen, daß die Kampf- bunbberoegungen durch das als ungerecht empfundene Verbot nur neuen Auftri e b erfahren werden. Im übrigen warten die Bünde auf eine Ablösung der politischen (Seroalt. Daß sie sich zur Stunde noch nicht stark genug fühlen, hat die Aufnahme des Auflösungsdekrets in diesen Tagen bewiesen, und es hat viele Franzosen nicht verwundert, die in den Kampfbünden sowohl kämpferischen Willen wie sachliche Stoßkraft vermißten. Dinge, die durch Massenversammlungen, Knopflochabzeichen und wortstarke Proklamationen nun einmal nicht zu ersetzen sind. Wenn aber erst einmal die Ablösung ber politischen Gewalt erfolgt sein wird, dann will Herr Taittinger auf Grund des gleichen Aufläsungsgesetzes die sozialistische unb die


