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Nr. 125 Drittes Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheffen)

samstag, 30. Mai 1956

Zunge deutsche Nation.

Wir wollen Kerls

Laßt jene doch am Wege stehn die müde sind und feig.

Mit uns soll'n nur die Stolzen gehn.

Vor uns soll nur ein Zeichen wehn: Ihm dienen alle gleich!

Gebt allem nun den letzten Stoß, das schwach im Sturme wankt Wir wollen Kerls au einem Guß. Die Pflicht ist nur ein eisern Muß und wird nicht viel gedankt!

Claus Dörner.

Erster Statt.

Sßenn dieKiste", an der du selbst monatelang mitgebaut hast, aus dem Schuppen gezogen, auf den Wagen geladen und den Hang heraufgezogen wird, und du dabei bist und weißt:Heute steigt dein erster Start", dann hast du allen Grund, ein Lied­chen vor dich hinzupfeifen.

Oben, beim Antreten, bist du heutePilot". Der Fluglehrer erklärt alles noch einmal, obgleich du es schon hundertmal gehört und gelesen hast:Steuer­knüppel anziehen" heißtSteigen"Wegdrücken" be­deutet Verlust an Höhe, aber Gewinn an Geschwin­digkeit; das Seitensteuer geht dich noch nichts an. Ein Punkt wird angegeben, auf den du stur blicken mußt, um Richtung zu halten

Und dann ... bist du noch lange nicht dran; dein Nebenmann wird aufgerufen, dein Vordermann, einer vom rechten Flügel und einer vom linken, du selbst scheinst vergessen zu werden. Inzwischen kommt ein böiger Wind auf: aus deinem Start scheint heute nichts mehr zu werden und du begräbst alle deine Startträume oder vertagst sie zumindest. Deine Ka­meraden stülpen sich inzwischen nacheinander den Trudelbecher" den Sturzhelm, auf, lassen sich fest­schnallen, das Gummiseil schießt sie los, sie machen mal, achtmal b:<? Finger reichen nicht mehr aus zum ihre Rutscher opfer oder sogar Flüge, und du hast währenddessen genug Zeit, deine ganzeFliegerlauf­bahn" noch einmal zu überdenken.

Da siehst du dich dann im Geiste wieder, wie du deinem Vater an einem Abend, als er gut gelaunt war, deine Fliegerpläne berichtetest. Er warnt dich, spricht von Absturz, Krankenhaus und Gipsverband: du tröstest ihn: an das Fliegen selbst sei vorläufig noch nicht zu denken, erst käme der Modellbau er rät dir, Briefmarkensammeln sei auch ein schöner Sport aber schließlich gibt er sich doch geschlagen Du stehst in der Werkstatt zwischen Spanten, Ver- spannungsdrähten, Kaltleimtöpfen, auf einem Modellflugwettbewerb gewinnst du den ersten Preis dann bist duStartmannschaft", einmal, sechs­mal, achtmal, die Finger reichen nicht mehr zum Abzählen ... da ruft der Fluglehrer deinen Namen auf.

Noch geistesabwesend steigst du in die Kiste, ver- aißt darüber den Trudelbecher aufzusetzen, der Flug- tehrer stülpt ihn dir hilfsbereit über den Kopf, fragt dabei, ob du etwa Angst hättest. Nein, Angst halt du wirklich nicht, nur komisch ist dir, so seltsam, wie einem immer kurz oor dem Erreichen eines lange angestriebten Zieles zumute ist Ein Zurück gibt es auch nicht mehr außerdem bist du angeschnallt also beißt du die Zähne aufeinander und hörst dir die letzten Anweisungen des Fluglehrers an: Richtungspunkt ist der Busch am Gegenhang, Seiten­steuer geht dich nichts an, den eingestellten Steuer­knüppel hälft du fest in der Hand Die Startmann­schaft vorn am Gummiseil erscheint dir schon in weiter Ferne .... da läßt die Haltemannschaft den Flugzeugschwanz los. Sand spritzt auf, in den Ver- spannungsdrähten heult es, der Luftdruck preßt dich an die Rückenlehne. Du fliegst. Du stierst auf deinen

Richtungspunkt mit einem Seitenblick siehst du noch deine Kameraden, die sich vor deinem Flugzeug platt auf die Erde drücken; da läßt das Heulen in den Drahten auch schon nach, du verlierst also an Geschwindigkeit. drückst darum den Steuerknüppel weg fliegst weiter und bautz - mit einem fachen sitzt du wieder auf der Erde. Die Kiste kracht noch in allen Fugen, ist aber heil geblieben. Die Kameraden kommen heran, schnallen dich ab. drücken dir die Hand Noch nicht mal einen Meter hoch bist du gekommen, aber du bist ordentlich stolz auf deine Leistung, obgleich diese Höhe gar kein rechter Flug, sondern nur ein Hopser ist Aber es sollte ja auch nicht dein erster Flug, es sollte ja nur der erste Start sein. Sch.

Was singen wir auf Fahrt?

Sag mal, Horst", fragt Heinz, der Iungenschafts- suhrer in der Vorstadt ist, seinen Fähnleinführer, als sie von einer Feierstunde zurückkommen:Was sollen wir denn eigentlich auf unserer Fahrt singen? Für unsere Feierstunden haben uns unsere jungen Dichter die neuen Lieder geschenkt. Das stimmt! Aber auf Fahrt weiß ich nicht, was wir singen sollen. Wir können doch nicht immer unsere neuen Lieder singen. ... ganz ehrlich, Horst, das Fahrten­lied fehlt uns noch!" bekräftigt er.

Horst, der bis jetzt geschwiegen hat, erklärt:Da bist du aber vollständig auf dem Holzweg! Sieh mal, Heinz, das Lied unserer Feierstunde, unser Marschlied, das Lied unseres Bekenntnisses konnte erst von einer Jugend, die eine einzige Blutgemein­schaft bildet, geschaffen werden. Es konnte nur in unserer großen Zeit entstehen.

Aber unser Fahrtenlied ist das Volkslied! Unsere Fahrtenlieder, das sind die Lieder, die schon unsere Landsknechte sangen, die in den Bergen, an der

Waterkante oder in Siebenbürgen entstanden, die uns Hermann Löns schenkte und die ja alle aus der Liebe unseres Volkes zur Heimat und aus dem Drang ins Freie geboren wurden.

Wenn wir die grauen Häusermassen und die rauchenden Schlote unserer Stadt verlassen, dann singen wir: Aus grauer Städte Mauern, wenn die bunten Fahnen wehen! oder Im Frühtau zu Berge wir ziehn!

Wenn wir an Denkmälern deutscher Geschichte stehen, fingen wir die vielen alten Lieder, die von den Männern, die hier einmal gelebt und gekämpft haben, erzählen.

Stehen wir oben im Norden am rauschenden Meer, dann übertönt es die tosenden Wellen: Lewer dod as Slaw! oder Nächtens auf silbernen Rossen! Und in Ostpreußen: Nach Ostland geht unser Ritt! Und in Schlesien: Noch bis durch Schlesiens Wäl­der! Müde klotzen wir in glühender Sonne oder in strömendem Regen über die Landstraße und es erfrischen uns die Lieder der alten Landsknechte, die nicht Wind und Wetter kannten. Trotzig klingt es: Die Eisenfaust am Lanzenschaft! Der Tod reit' auf einem kohlschwarzen Rappen oder Weit laßt die Fahnen wehen, wir woll'n zum Sturme gehen, frei nach Landsknechtsart!

Des Abends haben wir bei einem Bauern Unter­kunft gefunden, sitzen auf der Deele und fingen dem Bauern die Lieder feiner Ahnen: Die Bauern wollten Freie fein, Schwarz ist die Sorge, und all die andern.

Ich könnte dir noch manches Lied aufzählen, aber ich glaube, daß du jetzt schon zugibst: Das Fahrten­lied fehlt uns nicht, unser Fahrtenlied ist da!"

Heinz muß seinem Fähnleinführer Recht geben und er meint:Eine Fahrt ohne Lied ist ja auch keine Fahrt, sondern ein totes Trampen. Ob die Sonne herniederprallt oder ob der Regen herunter­gießt, immer begleitet uns unser Fahrtenlied ..

D i xi.

Deutsches Ängvolk beim Geländespiel.

*1]

-

I

Das ist das Jungvolk, rote es der Führer liebt; hart, zäh und doch diszipliniert. Jeder deutsche Junge im Alter von 10 bis 14 Jahren steht heute im Deutschen Jungvolk. (Aufnahme: Reichsbildstelle der HI.)

Der pimps.

Kleiner Junge, deine Hände sind noch schmal und weiß, doch in deinen hellen Augen brennt der Glaube heiß.

Kleiner Junge, deine Hände formen einst die Welt. Deine Treue wird erweisen, daß die Fahne niemals fällt.

Gerhard Dabei«

Die singende Zeltbahn.

Heino war unser anerkannter und unbestrittenes Fachmann auf allen Gebieten der Naturwissenschaft und Technik, dazu Erfinder und Entdecker aller möglichen brauchbaren und unbrauchbaren Neue« rungen des praktischen Lebens Die Produkte sei« ner Geistesarbeit pflegte er stets mit einem große« Schwall von Worten zu propagieren, denn er wat gleichzeitig sein eigener Reklamechef.

Soo ein Zelt werde ich euch hinbauen, Jungs!" hatte er seine neueste Entdeckung angekündigt. Ein indo-amerikanisches Tipi", ohne Zeltstangen, aber auch ohne komplizierte Hilfsapparate, und vor allem wegen der fehlenden Zeltstäbe in der Mitte geräumig wie ein Zirkuszelt dabei ein- fach, primitiv geradezu; schon oor Jahrtausenden bei den Irokesen im ständigen Hausgebrauch ge­wesen sozusagen das allererste Weltwunder, hin­ter dem die anderen kümmerlichen sieben dann all­mählich nachgekleckert sind. Das Prinzip dieses Praktbaues, dieser ersten Kulturtat, sei aufgebaut auf den fundamentalsten Erkenntnissen der Natur­wissenschaft in finstern naturfernen Zeitaltern allerdings leider wieder verlorengegangen, bis er, Heino, es auf Grund feiner langjährigen unermüd­lichen kulturhistorisch-biologifch-technifchen Studien wieder der Vergessenheit entrissen habe. Selbstlos, wie er nun einmal sei, wolle er es uns, seinen nächsten Kameraden, auf der nächsten Fahrt wie­der zugänglich machen. Nähere Einzelheiten dar» über allerdings könne er im Augenblick noch nicht bekanntgeben, denn ein wahrer Forscher müsse auch zur rechten Zeit einmal schweigen können. Das ungefähr war (in kurzen Worten!) der Vor­trag, den Heino uns auf dem letzten Heimabend gehalten hatte. Vor allen Dingen aber sollten wir bei der nächsten Fahrt die Zeltstäbe zu Hause lassen, hatte er uns zum Schluß noch einmal ge­mahnt.

Als wir uns am Samstagnachmittag vor dem Bahnhof trafen, hatte sich die ganze Jungenschaft schon drei Tage lang die Köpfe über Heinos ge­heimnisvolles Zelt zerbrochen Gerd meinte, die Zeltwände würden wahrscheinlich durch einen künst­lich erzeugten Ueberluftdruck auseinandergehalten werden, ähnlich wie eine Ballonhülle. Werner war skeptisch und schielte nach Heinos Affen, ob nicht Dorf) vielleicht Zeltstäbe d rin sein könnten. Hardi hatte zur Sicherheit undfür alle Fälle" lieber doch eine Garnitur Zeltstäbe mitgebracht Heino aber schwieg auf alle Fragen wie ein Grab, und nur das-eine verriet er uns: der Zeltplatz, den er ausgesucht habe, sei eine große Waldwiese, mit einem einsamen Baum.

Der Lagerplatz war wirklich großartig. Unter Dem alten einsamen Baum packten wir unsere Affen aus, und Heino meinte, wir sollten nur gleich anfangen, die Zeltbahnen zufammenzuknüpfen, ge­nau so wie für ein gewöhnliches Rundzelt. Er hotte währenddessen aus feinem Affen ein Stück Wäscheleine, von der er das eine Ende durch dis Oefen in der Zeltfpitze zog. Mit dem anderen ©eil-

3mmer unterwegs.

Ich lebe in einer großen Stadt, ich habe meine geregelte Tätigkeit, ich ljabe mein Auskommen, und ich habe zufrieden zu fein. Aber nun geht schon seit Tagen der ewige Westwind über die Dächer und ruft endlos strömen die Wolken über den Himmel fort, endlos und ruhelos. Und plötzlich habe ich alles satt, die geregelte Tätigkeit, das Auskommen, die Zufriedenheit. Irgend etwas ist auf einmal an alle- dem nicht mehr in Ordnung, und die ganze Welt ist voll Unruhe.

Ein Gespräch fällt mir wieder ein, das ich lange vergessen habe: Am großen Lagerfeuer weit von hier, weit von heute, in einer Nacht voll fremder Laute, mit fremden Sternen über uns sagte Hanno plötzlich zu mir, Hanno, der sonst von der­artigen Anwandlungen immer verschont geblieben war:Du, wenn einer erst einmal richtig unter­wegs gewesen ist, ich glaube, dann bleibt er immer, sein ganzes Leben lang, auf großer Fahrt ." Ich wußte nichts zu sagen, nur ein ganz Gelehrter unter uns meinte dazu:Hanno, das grenzt schon an Phi­losophie!" Worauf der nur ganz erschrocken sagte: Ach nee" Schluß. Das war damals. Aber heute weiß ich es, und Hanno wird es auch wohl wissen, wie sehr er damals recht hatte.

Denn das ist es ja, was der Westwind jetzt wieder lebendig gemacht hat: Die Erinnerung an die tau­send Wege die wir liefen, immer vorwärts, niemals zurück, taufend Ziele, die wir erreichten, die dann aber nur noch Marken waren an den Wegen zu neuen Zielen Als wir damals unterwegs waren, haben wir keine Tagebücher geführt, keine Gedichte gemacht; wir wollten nur immer unterwegs sein. Dennoch ist nichts von alledem oerlorengegangen; alles, was wir erlebten, Landschaften, Bilder, Wege, ist jetzt in uns, ist der Kern von Unruhe m unserem Herzen, der uns hindert, einmal ganz zufrieden zu sein. Sicher, Prüfungen machen ist notwendig, Be­ruf haben ist wichtig, Geld verdienen ist auch wich­tig. Aber es ist gut, daß es nie so wichtig werden kann, daß es uns bis zum letzten ausfüllen kann: Weil in uns die alte Unrast blieb, die.uns nach immer neuen, immer ferneren Zielen treibt. Es ift gut, daß uns nichts Erreichtes genug fein wird, um auf ihm auszuruhen und fest zu werden, um nun zu zetern über alle Unruhigen, Wandernden, Su­chenden nach neuen Wegen und Zielen Wir wollen das fo*, daß es für uns keine Ruhe gibt, kein Ge^ nug, wir wollen uns immer wieder aufstüren lassen

vom Ruf des Windes und der Wolken, wenn der Frühling kommt, um immer wieder daran zu denken: Wer geht und sieht, lebt, wer steht und zurückschaut, ist tot. R. M

Wetttochen um den Hordenpott.

Bericht aus einem Zungmadellager.

Fein war es, als die Stadt endlich hinter uns lag. Hier draußen am See läßt es sich arbeiten!... Alles ist eingeteilt. Jeder muß helfen, daß das Lager immer tadellos im Schuß ist. Hier kommt man aus dem Singen und Lachen und Sichireuen gar nicht heraus. Zwischendurch wird natürlich auch tüchtig gearbeitet: Lagerdienst, Sport, Fahrtensp!el. Da muß jeder ran, denn die Führerin paßt scharf auf, daß keine kneift.

Und Farbe kriegt man hier! Jeden Tag scheint die Sonne, so daß wir immer brauner werden. Man wird uns sicher daheim am Wedding gar nicht wiedererkennen.Fast, als wären wir an der See gewesen", meinte gestern Hanne, die schon ein­mal in Hamburg war, und die es also wissen muß. Aber nun will ich einmal etwas aus unserem Lagerleben erzählen:

Das war so mit das schönste Erlebnis im Lager: das Wettkochen! Zehn Gruppen waren wir, und jede Gruppe dachte dasselbe: der Hordenpott, den müssen wir kriegen! Der Hordenpott roar nämlich der Preis Ein sehr ordentlicher Preis sogar.

Und so sah man den ganzen Vormittag aus zehn Kochlöchern Qualm und Rauch und manchmal auch Feuer. Ein Betrieb war rings um die Koch­löcher: nicht etwa nur der Kochdienst bewahre! Buchstäblich: die ganze Gruppe kochte. Christa, Käte und Inge stocherten im Feuer, Lotte hob immer wieder den Deckel hoch (wahrscheinlich, damit ge­nügend Ruß zur Würze hineinflog). Zwei schnitten voll Begeisterung die Würstchen in Scheiben. Alles übrige schleppte Kochsalz oder bockte über unserem großen Geheimnis"

Else versuchte immer wieder bei den andern zu spionieren. Aber überall herrschte größte Wachsam­keit, überall waren die Deckel fest zu. Endlich eine Meldung:Drüben, Gruppe zwei, kocht was ganz Feines: Grieß mit Stachelbeeren!".....Achtung,

jetzt muß es gleich kochen. Mehr Holz her!" Else kam mit einer neuen Nachricht: Gruppe sieben ist fertig!Schneller!" Baffi pustet aus Leibes­kräften,damit's besser brennt." Käte und Christa mußten abgelöst werden.Rauchvergiftung" stellte

derMedizinmann" befriedigt fest. War aber nur halb so schlimm!So, jetzt noch Butter her! Die Würstchen rein! Hurra, unsere Nudelsuppe ist fertig!"

Unö jetzt aus dem Hintergrund schleppten Helga und Traute unseren zweiten Hordenpott an. Feierliche Stille: dasgroße Geheimnis" wird auf­gedeckt: Obstsalat! Ein großer Hordenpott, bis an den Rand voll Obstsalat: Apfelsinen, Aepfel, Back­pflaumen, Rosinen ., aus ollen Assen zusammen­gesammelt. Und Zucker, an die drei Pfund.

Dann kam dieHohe Prüfungskommission" Sehr würdig. Guckte ernsthaft in die Nudelsuppe dann in den zweiten Pott, und vergaß dabei plötzlich völ­lig ihre Würde: sie stürzte sich auf unseren Obst­salat! Er war merklich zusammengeschmolzen, als man zur nächsten Gruppe ging. Prüfungs­kommission ist doch ein nahrhafter Beruf.

Den Preis-Hordenpott hat dann zwar eine andere Gruppe bekommen, aber eine feine Sache roar das Wettkochen doch. Eine sehr feine Sache sogar.

Floßfahtt

Wir hatten lange Stunden am Ufer gesessen und (Tuf die dunkelbraunen, rauchenden Gestalten ein- aeredet, bis wir sie soweit hatten, daß sie mit einem Kopfnicken und einigen Fragen sozusagen einver­standen waren

Im großen und ganzen taten sie aber sowas nicht gerade gern, wildfremde Großstadtjungen mit­nehmen. Bei ihrem Handwerk könnten sie so ein Kleinkinderzeug mit hellen Stimmen und kurzen Hosen nicht gebrauchen Es wäre halben Kram, meinten sie.

Wir verstanden das ganz gut: sie waren wild­aussehende, bärtige Gesellen mit kurzen Tonpfeifen und Flüchen zwischen den Zähnen. Ihr schweres Schicksal roar der Fluß, und er gehörte zu ihnen, genau so wie die ganzen Wassertiere, die vielen Boote und die immer neuen Schiffe, die Flaschen, die herrenlosen Bretter, Stangen und Planken die Korken, die toten Vögel und Fische, die Schachteln und der ganze andere Krimskrams zu dem Fluß gehörten.

Heute drängte mal gerade die Zeit nicht so, des- halb saßen sie teils am Ufer, rauchten gemächlich, erzählten, dachten über mancherlei nach, und hin und wieder sahen sie schon mal etwas tief in eine Rumflasche teils verhakten sie auch gelöste Stamme oder sprangen mit raschen, affenartigen

Bewegungen zwischen den Flößerhaken hin und her. Der älteste, sechzig-, siebzigjährig, weißhaarig und mit sieghaften Augen im zerknitterten Gesicht, hockte auf einem Balken, feine Hand ins Wasser hängen lassend. Wer den so sah, konnte denken, er streichele öen Fluß ober fei zärtlich zu ihm, wie man es bei einem Kinde ist.

So roar es auch: alle liebten sie den Fluß, aber es roar eine harte, zähe und langsam ersprießende Liebe zwischen den Flößern und dem Fluß.

Der Alte hatte gesagt, wir sollten ruhig unsere Klamotten auf das Floß tragen, sollten Stroh holen im Dorf und es dann dahinten in die Hütte tun. Dabei hatte er behäbig die Tonpfeife aus dem Munde genommen und damit zu der hinteren Floß, butte gedeutet. D

Wir machten es so, wie es der Alte wollte. Zu dreien gingen wir ins Dorf, um Stroh heranzu- Idjleppen; die anderen blieben. Unser Einzug in die Hütte roar gerade nicht freudig es roar eben fo eine richtige Flößerhütte mit Streu, einem Ofen, einer Pfanne, worin dickes gelbes Fett stand zer- °rfot^ne Tassen und Holz und Petroleumgeruch. 2115 Der Alte kam, waren wir fertig.Wenn ihr rooüt meinte er,wenn ihr wollt, könnt ihr auch eine Schale Milch haben oder ein paar Fische'" Ss kam selten vor, daß fremde Leute in feinen Hreis traten. Wir dankten, wir hätten genug, sie sollten mit uns essen. Aber er wollte nicht.

3n der Morgendämmerung stießen wir ab durch eine birfe, graue Wand von Nebel. Ein feuchter Nordost putzte die letzten Reste der verstörten Nacht aus den Augen.

So kam es, daß wir eine Nacht voller Lärm und einen Tag voller Trübsinnigkeit zusammen mit sechs waschechten, von uns angestaunten Flößern auf einem Floße lebten.

Der Tag roar grau und der Himmel niedrig. Berge, Schiffe mit Menschen, die uns freudig zu- winkten, Dörfer, Städte mit Geroürg und Gewerk, Tuten und Sirenen zogen vorüber, beladene Kohlen­kahne und Schlepper ließen ihr tiefes Brumme» Horen, wenn wir in die Fahrbahn gerieten. (Ee roar ein eintöniger Tag und doch für uns so nett und groß, fo voller Abwechslung.

2115 wir am Spätnachmittag irgendwo anlegten, weil der Flußnebel zu dick über dem Wasser hin-, druckten mir den Flößern dankbar ihre hartem proden Hände. Es hätte uns viel Spaß gemacht' sagten wir, und in ihren Augen lag ein Glanz, den man nur hin und wieder bei ihnen findet.

k. L Trip»