Ausgabe 
30.3.1936
 
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Aufruf des WHW.

Versammlung für das 29618.

Am heutigen Montag und morgen. Dienstag, sammeln der BDM. und die Jungmädel zum letz­ten Male. Das Osterfest naht, und da will das Winterhilfewerk nicht versäumen, den von ihm betreuten Volksgenossen eine kleine Ostergabe spen­den zu können. Aach dem ungeheuren Vertrauens­sieg unseres Führers am gestrigen Dahlsonntag soll es für alle Volksgenossen, die dazu In der Lage sind, eine slolze Pflicht fein, abzugeben, was sie ab­geben können.

Gebt darum dem BDM. reichlich?

Die Kreisführung des whw.

Gießen.

An alle EinzelhandelSgefchäste und Zirmen derStadtund desKreifesGießen

Das Winterhilfswerk des deutschen Volkes wird am 31. März 1936 abgeschlossen. Um in der vorge­schriebenen Zeit eine endgültige Abrechnung an die vorgesetzten Dienststellen vornehmen zu können, werden die Inhaber aller im Geschäftsverkehr mit dem WHW. stehenden Firmen und Betriebe aufge­fordert, ihre Ansprüche an die Kreisführung Gießen des WHW. bis spätestens zum 5. April aeltend zu machen. Rechnungen, die in doppelter Ausfertigung einzureichen sind, und die b-is zu dem obigen Termin nicht eingegangen sind, können nicht mehr berücksichtigt werden.

Die Kreisführung des WHW. Giehen.

Amtliches Wahlergebnis für den Wahlkreis 19 Sessen-Aaffau.

Stimmberechtigte: 1 697 126, Stimmscheine: 69 665, zusammen 1 766 791. Abgegebene Stimmen: 1746636, für die Liste und damit für den Führer: 1729 769, gegen die Liste und ungültig: 16 867 Stimmen.

Gesamt-Wahlergebnis des Regierungsbezirks Wiesbaden. Abgegebene Stimmen: 1007 719. Für die Liste und damit für den Führer: 992 170. Gegen die Liste und ungültig: 15 549.

Aus der prvvmzialhauptstadt.

Gang in den Keller...

So wie jedes Ding im Leben feine geheimnis­vollen Seiten hat, so auch das Haus, denn es besitzt seinen Keller. Und so wie eine nüchtern aufgeklärte Weltbetrachtung uns beweisen möchte, daß es letzten Endes überhaupt keine Geheimnisse gibt und jede Sache ihre natürliche Erklärung finden kann, so wird es Menschen geben, die den Keller als eine Räumlichkeit betrachten, in der es nichts weiter als eben dunkel ist. Aber diese Menschen haben nicht recht. Denn das Dunkle ist an sich schon etwas Abenteuerliches und Geheimnisvolles. Jrn Dunkeln verlassen uns die Instinkte sowohl wie unsere gei­stigen Ueberlegenheiten. Nur in der Helle des Tages­lichts sind wir wissende, erfahrene Menschen. In der Finsternis werden wir wieder zu Lebewesen. Des­halb fürchten wir uns im Keller.

Ha!", ruft da jemand und qualmt an seiner Zigarre, ,cha, ich sollte mich im Keller fürchten? Daß ich nickt lache!" Nun, es sind hier nicht jene modernen Kelleranlagen neuerbauter Häuser ge­meint, wo man am Eingang das elektrische Licht anknipst und die weißgetünchten Wände so klar und übersichtlich verlaufen wie die Linien eines Schachbretts. Aber stellen wir den lachenden Mann mit der Zigarre einmal in die seltsamen Kellerge­wölbe eines alten, weitläufigen Patrizierhauses der Altstadt. Eine Kerze können wir ihm ruhig geben, und dann rasch die Kellertür zu. So, nun spazieren Sie ein bißchen umher. Bester, über plötzliche Stu­fen und um jähe Ecken, vorbei an schwarz schatten­den Nischen und düsteren Wölbungen. Halt, was springt und huscht hier aus der Finsternis? Nur eine harmlose Ratte, mein Lieber! Und was knispert dort hinten so eigentümlich? Vielleicht eine ganz natürliche Maus, Freund! Was wischte eben schau­rig über meinen Nacken? Es wird ein Spinnennetz gewesen sein! Und was tickt fern wie eine gespen­stische Uhr? Nüchterne Wassertropfen, Sie kennen ja wohl noch die physikalische Gesetzmäßigkeit des Falles?

Nein, ganz so wohl wie in der strahlenden Sonne ist hier unten niemandem zumute. Wir gestehen es natürlich nicht ein, denn wo bliebe sonst unsere Würde. Je dunkler der Keller ist, desto lauter pfeifen wir vor uns hin. Daß wir uns damit ver­raten, sei nur nebenbei bemerkt, denn es ist ja eine alte Sache, datz jedes Kind, wenn es allein in den Keller muß, so laut singt wie nur irgend möglich, um sich selbst ein bißchen Mut zu machen. Es ist ja auch so reizvoll zu glauben, daß hier unten zwischen Kartoffelkisten, alten Truhen und glitzern­den Kohlenhaufen der Hausgeist wohnt und sein Kobolddasein führt. Wir haben oben, im klaren Licht der Stockwerke und Zimmer, der prosaischen Nüchternheiten genug. Anerkennen wir also hier, im Schweigen der tiefgeschachteten Räume, getrost die Mystik der Finsternis!

Ach, es gibt Keller, in denen man wahrhaftig das Gruseln lernen kann, Keller mit unverständlich vermauerten Türen, mit unerklärlichen Geräuschen und unergründlichen Schatten. Die Architektur von heute fördert gewiß die Hygiene und entspricht der Zweckmäßigkeit mit großfenstrigen, kühltrockenen Hauskellern. Aber wo soll nunder schwarze Mann: wohnen? Und die scheuen Heinzelmännchen? Die Keller von ehedem waren gewiß nicht immer praktisch, aber sie gaben der Romantik des Düsteren eine Heimstätte.

Wer als Kind niemalsKellerverstecken" gespielt hat, der ist um ein unwiederbringliches Erlebnis gekommen. Mit Herzklopfen und ängstlichen Sohlen schlich man damals durch die Lichtlosigkeit winkliger Mauern, den Möchten der Finsternis preisgegeben, und alten Märchen wurden hier zwischen Spinn­weben und huschenden Schatten unheimlich lebendig.

Oie Tippgräfin.

Koman von Klothilde v Stegmann.

Urheberrechtsschutz: Aufwärts-Verlag, Berlin, SW 68.

25 Fortsetzung. Nachdruck verbotenk

Sie war jetzt voll von den Strahlen der Sonne umflossen. Die beiden Farbigen betrachteten sie ent­zückt, wie sie das leichte Gewand aus dünner Seide, das sie bis zu den Knien umgab, an sich herab- sinken ließ und wie eine Brunnennymphe in die kri­stallene Flut tauchte. Mit langen Stößen teilte sie das lichte Wasser, tauchte wie ein Fisch, um wieder lachend an der Oberfläche des Sees zu erscheinen und mit weißen Händen leuchtende Wassertropfen zum Ufer zu spritzen. Da wichen die beiden kleinen schwarzen Zwergmädchen aufkreischenü zurück.

Mit weit aufgerissenen Augen verfolgten die beiden kleinen Dienerinnen ihr Tun, und wenn sie tauchte, drangen mehr als einmal die besorgten Stimmen von Mejenga und Fatoma an Jlaros Ohr.

Endlich hatte sie genug. Wassersprühend wie eine Najade stieg sie ans Ufer zurück, um sogleich von Mejenga mit einem eigenartig flockigen Gewebe trockengerieben zu werden. Erst als die kösüiche Weiße von Jlaros Haut rosig glänzte wie die Perle in einer Muschel, ließ die Schwarze von ihr ab.

Schon hatte Fatoma ein neues Gewand für die Herrin in Bereitschaft, das sie ihr geschickt über­warf. Inzwischen hatte Mejenga auf dem Wald­boden herrliche Früchte ausgebreitet und rief:

Bibi Jlaro das Frühstück! Der Bwana wird auch gleich hier sein."

Da war er schon. Ein stattlicher, tiefgebraunter Mann, der aber deutlich an Gesichtsschnitt und Körperbau die Merkmale europäischer Kultur aus- wies, trat aus einem der Waldpfade zu dem Mäd­chen. Eine herrische, aber nicht ungütige Bewegung scheuchte Mejenga und Fatoma tiefer in das Dickicht Zurück, wo sie sich gleichfalls zum Essen niederließen, des Rufes ihrer Bibi jede Sekunde gewärtig.

Tiefe Betroffenheit und grenzenlose Erregung lagen um die Lippen des weißen Mannes. Seine tiefschwarzen Haare durchzogen einzelne weiße-

Die ehrwürdigen Dolkssagen wisien schon, warum sie die spukenden Geister in den Kellern wohnen ließen. Hier unten sind sie uns Menschen nahe und doch durch namenlose Dunkelheiten von uns getrennt.

Jedes Haus ist eine kleine Welt für sich. Auf dem Boden wohnt die Stille und das Vergessen. In den Stockwerken wohnt die Betriebsamkeit lärmender Ereignisse. Und im Keller ist das Ge­heimnis, das Spukhafte au Hause. Trotz aller qualmenden Zigarren spöttisch lächelnder Realisten.

H. B. von M.

Dornotizen.

lagesfalenber für Montag:

NSG.Kraft durch Freude": 21 bis 22 Uhr Reiten, Reitschule Schömbs. Gloria - Palast, Seltersweg:Polizeiauto 99". Lichtspielhaus, Bahnhofstraße:Letzte Rose". Oberhessischer Kunstverein (Turmhaus am Brandplatz): 16 bis 17 Uhr Gemäldeausstellung von Richard Geßner, Düsseldorf.

Keine Kreistagssihung.

Die für den morgigen Dienstag anberaumte Sitzung des Kreistages des Kreises Gießen füllt aus.

Schwäne auf dem Eichgärtenteich.

Gestern nachmittag fanden viele Spaziergänger den Weg an die neugeschaffenen Anlagen an der Schlageterstraße, und sie konnten dabei bemerken, daß auf dem Teich Leben Einzug gehalten hat. Die große Wasserfläche ist zum unumschränkten Reich dreier schneeweißer Schwäne geworden. Die stolzen Vögel haben auch bereite ein Heim bekom­men, ein Häuschen, das in der Mitte des Teiches aufgeftedt wurde. Die Tiere scheinen sich zwar auf dem Teiche schon eingewöhnt zu haben, es scheint aber auch so, als ob sie sich noch nicht ganz miteinander vertragen könnten. Hin und wieder aibt es nämlich kleine Feindseligkeiten, die aber sicherlich nicht tragisch zu nehmen sind.

Schön ist es, beobachten zu können, wenn die großen Döael sich aus dem Master erheben und mit weit vorgestrecktem Kopf und Hals, mit weit aus- holenden Flüaelschlägen über dem Master und über den Wiesen dahinfliegen, und in großem Bogen wieder zum Teich zurückkehren...

Leider ist es schon vorgekommen, daß von Kin­dern mit Steinen nach den Schwänen geworfen wurde. Es erscheint angebracht, die Eltern zu bitten, die Kinder nachdrücklich auf das Verwerfliche eines solchen Tuns hinzuweisen.

Wechselhingabe ist nicht Barzahlung.

In weiten Kreisen, nicht zuletzt kaufmännischen, ist die Ansicht verbreitet, die Hingabe eines über einige Monate laufenden Wechsels sei genau so gut wie Barzahlung. Aus dieser Auffassung ergeben sich oft genug Schwierigkeiten. Abgesehen etwa da- von, daß dem Wechselgläubiger aus der Laufzeit des Wechsels ein gewisses Risiko erwächst, enstehen leicht Meinungsverschiedenheiten darüber, ob der Wechsel zum vollen Betrag angenommen wurde, oder ob ein Abzug stattfinden soll. Umgekehrt darf derjenige, der bar zahlt, aus der Barzahlung nicht das Recht herleiten, in einem ihm genehmen Um­fang Kassafkonto abzuziehen. Denn Bar zahlung ist grundsätzlich als die übliche und wünschenswerte Zahlungsweise zu betrachten, die nicht ohne weite­res noch mit einem Rabatt belohnt werden muß.

den, doch feine dunklen Augen leuchteten wie die eines Jünglings, und aus dem festgefügten, mar­kanten Antlitz mit der geraden Nase und den vol­len Lippen sprachen Energie und starkes Wollen. Er war mit einem Gewand bekleidet, das ähnlichen Schnitt besaß wie das des Mädchens, und über seiner Schulter hing ein Köcher mit Pfeilen sowie ein Bogen, während er einen Revolver im Gürtel trug.

Zärtlich beugte er sich zu dem Mädchen herab und küßte es auf die frischen Lippen. Innig schlang sie die Arme um seinen Hals und erwiderte feine zärtliche Begrüßung.

Väterchen", sagte sie dann,was lastet auf dir? Hast du wieder deinen Kummertag? Kannst du über der Liebe zu deiner Jlaro deine Tochter noch immer nicht vergessen, die du wohl niemals Wieder­sehen wirst?"

Die Sechzehnjährige sah traurig zu dem geliebten Vater auf. Denn sie wußte es ja nicht anders, als daß sie seine Tochter sei, deren Mutter das heiße, tropische Klima ein allzu frühes Grab bereitet hatte. Es lag geschützt durch gewaltige Steine vor den Angriffen wilder Tiere auf einer Waldwiese, treu gepflegt von den liebevollen Händen Jlaros, die sich der Mutter ebensowenig noch erinnern konnte wie ihres rechten Vaters.

Derjenige, der sie als halb verschmachtete Drei­jährige neben den vom Blitz erschlagenen Eltern auffand, war Europäer wie sie. Er hatte eine ebenso lange Irrfahrt hinter sich wie Jlaros El­tern, als er das bildschöne kleine Geschöpf im Ur­wald auffand. Durch Jlaro bekam fein leeres und unfreiwilliges Dasein als König der Akka, der göttliche Verehrung genoß, endlich wieder Zweck und Ziel.

Ja, das große Ansehen und die Verehrung, die ihm zuteil wurden, steigerten sich noch, als er, das Kind auf den Armen, non jenem Jagdausflug zu- rückkehrte, der eigentlich Simba, dem Löwen, ge­golten, der wieder einmal eine der weidenden Zwerg­kühe zerrissen hatte.

Seit jener verhängnisvollen Elefantenjagd im Moschilande, bei der Principe Giovanni di Bona- glia ein Opfer der verhängnisvollen hypnotischen Kräfte des Jägers Ayoba geworden war, lebte er als Oberhaupt der Pygmäen im Urwald. Genau wie der Vormann Bata es dem Herzog Enrico und

Auch über die Scheckhingabe bestehen bisweilen irrige Auffassungen. Wie in einem jetzt erneut ver­kündeten Aufruf überDisziplin und Verantwor­tungsgefühl im kaufmännischen Zahlungswesen" mit Recht gesagt wird, dürfen Schecks nur ausgegeben werden, wenn im Augenblick der Vorlage für Deckung gesorgt ist, d. h. der betreffende Betrag vorhanden ist. Der Scheck ist nämlich kein Kredit­papier; wer einen Scheck in Zahlung nimmt, hat nicht die Absicht, dem Scheckaussteller eine Zah­lungsfrist einzuräumen. Er erwartet, daß hinter dem Scheck ein ausreichendes Guthaben steht. Wer rechtzeittg für das erforderliche Guthaben sorgt und etwa bei einer Sparkasse entsprechende Beträge auf Girokonto ansammelt, braucht sich darüber keine Sorgen zu machen, wie ein von ihm ausgegebener Scheck bei Vorlage beglichen werden soll.

SportamtKrass durch Freude^.

heute folgender Kursus:

Fröhliche Gymnastik und Spiele, Frauen. Von 19.45 bis 21 Uhr, Großen-Buseck, Neue Schule.

Heue KdF.-Sportkurse ab 1. April.

Für die neu eingeführten Uebungsarten Reiten, Rollschulaufen, Fechten, Kindergymnastik, Schach werden schon jetzt Anmeldungen auf der Geschäfts­stelle, Schanzenstrahe 18, angenommen.

Entlassungsfeier der Vogtschen Privat-Handelsschule Gießen.

Von der Leitung der Vogtschen Privat-Hondels- schule wird uns berietet:

Die 120 Schüler, die nach ihren Prüfungen jetzt die Dogtsche Privat-Handelsschule verlassen, um ihr Wissen in der kaufmännischen Praxis anzuwenden und zu verttefen, nahmen dies zum Anlaß, die Leitung ihrer Schule und das Lehrerkollemurn am vorigen Donnerstag zu einer würdigen Abschluß­feier auf die Karlsruhe einzuladen. Verbunden war diese Feier mit der Zeugnisausgabe und der offi­ziellen Entlassung.

Den Anfang bildete das gemeinsame LiedD Deutschland hoch in Ehren". Nachdem man dann noch das LiedDer Gott, der Eisen wachsen ließ" gesungen hatte, hielt der Schulleiter Diplom-Han- delslehrer Heyder die Abschlußansprache. Man hörte Interessantes aus der Entwicklung der Sogt« schen Privat-Handelsschule. Vor 25 Jahren von kleinen Handelskursen ausgehend, hatte sie bereits nach drei Jahren die heutige Form. In 22 Jahren konnten schon viele Schulentlassungen gehalten wer­den und viele junge Leute von der Vogtschen Privat-Handelsschule in Wirtschaft und Verwaltung ihren Arbeitsplatz finden. Der Ruf der Schule ist in diesen Jahren gewachsen, so daß es manchmal schwer war, des Schülerandranges Herr zu werden.

Der Redner wies dann darauf hin, daß die An­forderungen an die Schüler oft hoch waren, daß dies aber auch notwendig gewesen sei, denn die Wirtschaft braucht tüchtige Menschen, die ihr Fach beherrschen. Besonders muß jeder immer daran denken, daß er zu einer großen Gemeinschaft ge­hört und daß das Wohl dieser Gemeinschaft das Wichtigste ist. Mit einer eindringlichen Mahnung an das Pflichtbewußtsein des einzelnen, für das der Führer ein ständiges leuchtendes Vorbild fei, schloß die eindrucksvolle Rede.

Es konnte dann eine große Reihe Diplome, so­wohl vom Reichsberufswettkampf als auch von der Deutschen Stenographenschast in Kulmbach an die

feinen Freunden geschildert, war Ayoba, der schlaueste und flinkste Mann seines Stammes, mit Giovanni verfahren. Wie es freilich möglich ge­wesen, den hypnotisierten Europäer durch halb Afrika zu bringen, ohne daß er erkannt wurde, konnte niemals aufgeklärt werden.

Doch kaum war er bei den Akkaleuten ange­langt, so wurde er zuerst in fein früheres Selbst zurückverwandelt und dann mit größter Vorsicht und Verehrung behandelt. Giovanni hatte es ein­gesehen, daß es keine andere Rettung für ihn gab, als sich in das Leben dieses Urwaldvolkes einzu­fügen. Nur so würde es ihm vielleicht einmal de- schieden sein, eine Möglichkeit zur Flucht wahr­zunehmen. Es wurde ihm nicht allzu schwer, sich an das Leben und die Sprache dieses Stammes zu gewöhnen. Er hatte es gut bei seinen Entführern. Denn diese Zwerge, keiner größer als ein zehn­jähriges Kind, wollten einen weißen Herrn. Es war ihnen geroeisfagt worden, daß sie nur dann von den Verfolgungen der feindlichen Negerstämme sicher wären, wenn sie einen Weißen fänden, der zaubern und schießen konnte, wie fein Wilder es vermochte. So hatten die Akka ihren besten Medizinmann, den Jäger Ayoba, durch halb Afrika gesandt, bis ihm der Menschenraub gelang.

Im bestimmten Umkreise seiner Residenz durfte Lippu Baratt"König Schießpulver" sich völlig frei bewegen. Nur vier der Urwaldpfade waren ihm streng verschlossen, und es hätte ihn unfehlbar das Leben gekostet, wenn er auch nur gewagt hätte, einen dieser Wege zu betreten. Dar­aus schloß er, daß hier die Möglichkeit lag, sich zu befreien. Aber wie sollte er, ein Einzelner, gegen viele Hunderte von Akkamännern den Kampf um seine Freiheit wagen? Um so mehr, als er im Laufe der Zeit einige innige, väterliche Zuneigung zu Jlaro gefaßt hatte. Unmöglich, Jlaro als Gefangene hier zurückzulassen!

Wohl besaß er seine Waffe und auch genügend Munition. Auf einer feiner Forschungswege hatte er einen Berg gefunden, der Bleierz enthielt. Es war ihm endlich geglückt, aus diesem Bleierz Kugeln herzustellen. Trotzdem konnte er es nicht wagen, den Kampf gegen einen ganzen Stamm aufzuneh­men, und mußte also seine Befreiung dem Zufall überlassen. Er glaubte fest daran, daß seine Freunde, der Herzog Enrico und Pepito Arlesi, alles tun

abgehenden Schüler verteilt werden als Anerken« nung ihrer guten Leistungen im Leistungsschreiben. Außerdem wurden noch zahlreiche Bucypreise für hervorragende Leistungen verteilt. Im Anschluß daran fand die Zeugnisausgabe statt.

Dann sprach Herr Franz Vogt, der Träger der Schule, noch einmal zu den scheuenden Schülern. Er wies darauf hin, daß jeder einzelne auch weiter» hin zur aroßen Gemeinschaft der Schule gehöre^ Das ist dann gleichzeitig die Verpflichtung, den guten Namen der Vogtschen Privat-Handelsschule durch gute Leistungen in der Praxis würdig zu vertreten. Mit den besten Wünschen für die Zu­kunft und einer Mahnung, sich jederzeit voll und ganz einzusetzen für die Mitarbeit am Wiederauf­stieg unseres Volkes schloß der offizielle Teil mit einem (Äeg-Heil auf den Führer und auf Horst Wessel und mit dem Deutschlandlied.

Nachdem dieser ernste Teil vollkommen für sich abgeschlossen war, blieben die Schüler noch viele Stunden mit dem Lehrkörper zusammen; ein rechter Beweis dafür, welch kameradschaftlicher Geist beide miteinander verbindet, die Klassenlehrer konnten nochmals persönlich mit jedem einzelnen Schüler Fühlung nehmen und dadurch bas Band zwischen Lehrkörper und Schüler noch mehr verknüpfen. So wird es auch über den Rahmen der Schule hinaus bestehen bleiben und den Schülern Kraft und Freude für ihre Arbeit geben.

Schweine im Anmarsch!

ZdR. Wie nach den letzten Schweinezählungen zu erwarten stand, hat sich seit einiger Zeit eine deutlich steigende Auftriebsentwicklung an den deutschen Schweinemärkten bemerkbar gemacht. Die Zunayme der Auflieferung auf den 38 wichtigsten Schweinemärkten betrug im Februar gegenüber dem Vormonat Januar 5 v. H. Diese Erschei­nung steht im geraden Gegensatz zur Entwicklung der letzten drei Jahre, in denen der Auftrieb vom Januar zum Februar jedesmal zurückging, und zwar um 7 bis 13 v. H. Die gleiche Entwicklung konnte auf den Ferkel- und Läufermärkten be­obachtet werden. Die steigende Zahl der aufgestall­ten Zuchtsauen bedingt einen laufend stärker wer­denden Anfall an Ferkeln und damit auch an Schlachtschweinen. Ein Vergleich mit dem Februar­auftrieb des Vorjahres ergibt ein ganz gewaltiges Plus in diesem Jahre, nämlich 23,3 v. H. Die starke Zunahme gegenüber den vorjährigen Zugängen findet ihre Erklärung besonders darin, daß sich be­reits im Februar 1935 die Auswirkungen der bei der Dezemberzählung 1934 festgestellten Einschrän­kung des Bestandes an Zuchtsauen empfindlich be­merkbar gemacht hatten. Die letzte Zählung wies dagegen wieder einen normalen Bestand an träch­tigen Jungsauen auf, so daß der Ferkelanfall in? Februar ganz erheblich über den des Vorjahres hinausgehen mußte.

** Von der Universität. Don der Umoers fität Gießen wird uns mitgeteilt: Dozent Dr. Hall in Freiburg i. Br. ist beauftragt worden, im Som­mersemester 1936 die Vertretung des Lehrstuhls für Strafrecht an der Universität Gießen zu übernehmen.

Uundfunkprvgramm

Dienstag, 31. März.

6 Uhr: Ehoral, Morgenspruch. Gymnastik. 6.30: Frühkonzert. In der Pause, 7: Nachrichten. 8.10: Gymnastik. 11.30: Bauernsunk. 11.45: Sozialdienst. 12: Frohe Mittagsstunde. 13: Nachrichten (auch aus dem Sendebezirk). 13.15: Frohe Mittagsstunde. 14: Nachrichten. 14.10: Nach Tisch gönnt euch ein wenig Rast kommt, seid bei Frau Musica zu Gast! 15: Wirtschaftsbericht. 15.15: Das deutsche Lied. 16: Unterhaltungskonzert. 17.30: Der andere Bismarck, eine Hörfolge. 18: Musik am Feierabend. 19: Zurück ins Leben. Rettungsstation einer Großstadt. 19.30: Tänze auf zwei Klavieren. 19.45: Der Zeitfunk bringt den Tagesspiegel. 20: Nachrichten. 20.10: Konzert. 22: Nachrichten. 22.15: Nachrichten aus dem Sendebezirk. 22.30: Schallplattenkonzert. 23: Konzert. 24 bis 2: Nachtkonzert.

Pech beim Einkauf? Das hat wohl schon jeder . einmal von uns gehabt.

Es gibt ja auch so viele Dinge, über deren Qualität man sich beim (Einlauf lein richtiges Urteil bilden kann, well alle Anhaltspunkte fehlen« Man braucht nur einmal an Schokolade, Kaffee oder Zahnpaste zu denken. Sie alle müßte man eigenüich vor dem Einlauf aus­probieren! Hier aber gibt es eine Sicherheit: den guten Rus, den eine Marte hat. Und Ehlorodont hat diesen guten Ruf nun schon seit 29 Jahren! Zur Qualität von Ehlorodont kann man deshalb getrost Verträum haben.

würden, um ihn zu finden. Er wußte ja nicht, auf welch teuflische Weise der Zwerg Ayoba den Freun­den von seinem Tod durch den wütenden Elefanten berichtet hatte.

Auch daß Annina in treuer Sorge an ihn dachte, davon war er ebenso überzeugt, wie daß Mariella in guten Händen bei Annina wäre. Ob Annina seinen Brief, den er einst einem Händler aus Tim­buktu mitgegeben, erhalten hatte, das allerdings war unsicher!

Doch einmal würde auch für ihn die Befrei- ungsstunde schlagen, und fein Kind wenn es nicht längst verheiratet und glücklich war, lebte es wohl noch immer bei der Gefährtin feiner Jugend­spiele, die ihm sicherlich eine zweite Mutter ge­worden war.

Ein dankbarer Seufzer hob seine Brust, wenn er daran dachte, in wie guten Händen er sein Lieb­stes damals zurückgelassen hatte, als er wieder in die Ferne ging.

Doch Jlaro sah bekümmert zu ihm auf und schmiegte ihr lockiges Köpfchen an ihn.

Hast du wieder keine Ruhe, Väterchen?" bettelte sie.Bin ich denn nicht bei dir, dein Sonnenschein?"

Si, si, piccola mia! Weißt du denn noch immer nicht, kleiner Kolibri, daß du mein ganzes Glück bist?" Er küßte ihren roten Mund.

Padre mio, warum bist du denn so trauria?" Jlaro, die ebenso geläufig Italienisch wie Deutsch bei dem Prinzen gelernt hatte, drängte sich dicht an ihn. Als er die Dreijährige im Walde qefunhen und sie mit einem erquickenden Trunk wieder ins Dasein zurückgerufen hatte, plapperte sie ein paar deutsche Worte, und so erfuhr er ihre Muttersprache. Sie wußte, daß sie Irene Werner hieß, drei Jahre alt war und in einem Ort, der Neustadt hieß, ge­lebt hatte, bis sie mit ihren Elternauf droßes Siff nach Affika" kam.Vati machte immer piffpaff mit sowas", dabei wies sie auf Giovannis Waffe. Und er glaubte ihr, trotzdem er keinerlei Waffen bei dem toten Ehepaar gefunden hatte.

Unsägliches Glück wurde ihm durch das Kind beschert, das ihm der Himmel geschickt hatte. Und der Fürst hatte sich einen heiligen Eid geschworen, in dem elfenhaft lieblichen Kinde auch dann seine Zweite Tochter zu sehen, wenn jemals seine Be- fryungsftunbe kommen sollte.

(Fortsetzung folgt!)