mein auf. Diele Menschen säumten die Straßen, als die vielen Wagen die Stadt durchfuhren.
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Unö so wie die Abendfeier vor dem Abstimmungstage in wundervoller Geschlossenheit des deutschen Volkes Adolf Hitlers den Tag beendete, so begann in der gleichen starken und unerschütterlichen Willensrichtung der Tag der Wahl, der Tag des Bekenntnisses und des Gelöbnisses für den Führer der deutschen Nation auch in unserer Stadt. Ein SA.- Sturm mit dem Musikzug und dem Spielmannszug leitete den unvergleichlichen Tag um 7.30 Uhr mit dem Großen Wecken ein. Und schon bald darauf machten sich viele wahlberechtigte Männer und Frauen auf zu ihren Wahllokalen.
Von welcher gewaltigen Begeisterung auch in Gießen die Wahlberechtigten erfüllt waren, geht beispielsweise daraus hervor, daß in zahlreichen Wahllokalen schon lange vor Beginn der Abstimmung, etwa von 8.30 Uhr ab, ganze Reihen von Wannern und Frauen sich ausgestellt hatten, um sofort nach Eröffnung der Wahlhandlung die Möglichkeit zur Stimmabgabe zu haben.
Die Wahlvorsteher waren nicht wenig überrascht, als sie bei ihrem Kommen einen derart großen Andrang von Abstimmungsberechtigten vorfanden. Und es gab denn auch sofort nach Eröffnung der Wahlhandlung in allen Wahllokalen stramm zu tun. Zu den anstehenden, teilweise in mehreren Gliedern nebeneinander aufgebauten Menschenreihen kamen immer wieder neue Stimmberechtigte hinzu, und auch da, wo ein ausgesprochenes „Schlangestehen" für einige Zeit einmal nicht zu bemerken war, hielt der Zustrom ununterbrochen stark an, so daß es für die Männer und Frauen des Wahlbüros nirgends auch nur einige Minuten des Verschnaufens gab. Das war in allen Wahllokalen ein so lebhaftes und ununterbrochenes Kommen und Gehen, wie wir es in Gießen bisher noch bei keiner Wahl beobachtet haben. Und dieser Hochbetrieb dauerte nicht etwa nur ein oder zwei Stunden I^ng, sondern er war den ganzen Vormittag überau im Gange, vor und während und namentlich auch nach der Kirchenzeit. Selbst um die Mittagsstunde gab es in den meisten Abstimmungslokalen „keine Ruh und Rast", der Betrieb hielt alle Kräfte in Atem, so daß vielfach auch die sonst übliche Ablösung entweder bis zum Mittag gar nicht oder nur ganz vereinzelt und nur für kurze Z'it vorgenommen werden konnte.
Aeußerte sich auf diese Weise in allen Wahlbezirken eine Einsatzbereitschaft, die würdig war der großen Tat des Führers, so setzten sich dennoch die in der vordersten Front stehenden Kämpfer des Führers, die Politischen Leiter, SA., SS., HI. und BDM. sowohl im Verlaufe des Vormittags, wie auch am Nachmittag mit aller Tatbereitschast für die Heran'ührung aller stimmberechtigten Männer und Frauen an die Wahlurne ein. Wie am frühen Morgen die SA. marschiert war, so marschierte im weiteren Verlaufe des Tages auch die HI., waren die Politischen Leiter in den Wahldienststellen b"r Partei emsig tätig, sorgte ein Lautsprecher am Bahnhofsplatz immer wieder für den Appell an die Stimmberechtigten zur Erfüllung ihrer Pflicht, standen an den Stadtausaängen SA.-Männer, um Spaziergänger, die ihre Wahlpflicht noch nicht erfüllt hatten, zur Leistung dieses höchsten Dienstes für Führer und Vaterland zu ermahnen, waren SA.- und SS.-Mönner, vor allem auch die Männer des NSKK. mit Kraftwagen unterwegs, um wegunfähige Männer und Frauen zu den Wahllokalen und zurück zu bringen, standen auch die Männer der Sanitätskolonne'vom Roten Kreuz vom frühen Vormittag ab bis zum späten Nachmittag im Dienste der Transporthilfeleistung für kranke und alte Leute, um ihnen den Weg zur Wahlurne zu ermöglichen und nach besten Kräften zu erleichtern, sie in treuer Obhut auch wieder nach Hause zu bringen, betätigten sich viele Helfer als Ordner bei dem großen Menschenandrang vor den Wahllokalen und standen vom frühen Nachmittag an viele SA.- Männer im Dienst, um die säumigen Volksgenossen, die bis dahin noch nicht im Wahllokal erschienen waren, auf die Erfüllung ihrer Pflicht hinzuweisen.
Erst in den späten Nachmittagsstunden, als der Schluß der Abstimmungszeit schon in naher Sicht
war, ließ der Betrieb in den Wahllokalen naturgemäß erheblich nach, denn um diese Zeit hatten eben die Stimmberechtigten bis auf wenige Nachzügler ihre Pflicht der Abstimmung bereits erfüllt. Höchste Anerkennung verdient es, daß auch viele alte Männer und Frauen es als ihre unabweisbare Pflicht ansahen, an diesem bedeutungsvollen Tage der deutschen Geschichte für den Führer Zeugnis mit dem Stimmzettel abzulegen. So konnte man den ganzen Tag über viele Männer und Frauen in hochbetagtem Alter bemerken, die trotz erheblicher körperlicher Anstrengun- gen es sich nicht nehmen ließen, den Weg zur Wahlurne zu gehen, wegunfähige Männer und Frauen wurden bis vor die Wahllokale gefahren und dort von ihren fürsorglichen Begleitern zur Urne geleitet. Unter den abstimmenden hochbetagten Männern und Frauen befanden sich auch der älteste E i n - wohn er unserer Stadt, der 95 Jahre alte Sozialrentner Friedrich Muhl, Licher Straße 7, und die 93 Jahre alte Professorswitwe Frau Streng, Alicenstrahe 22 wohnhaft; beide zeigen wir in unseren Bildern auf dem Wege zum Wahllokal. Ebenso wie diese rührenden Beispiele von treuer Pflichterfüllung für den Führer und damit für Deutschland brachte der Verlauf des gestrigen Tages noch viele weitere gleicher und ähnlicher Art, die die vollste Anerkennung verdienen.
Im Verlaufe der frühen Mittagszeit wurde hier bekannt, daß in zahlreichen Orten des Kreises Gießen schon vor 12 Uhr alle Stimmberechtigten ihre Stimme abgegeben hatten, ein leuchtendes Beispiel der mustergültigen Tatbereitschaft jener Wahlberechtigten, das hier mit aller Anerkennung vermerkt sei.
Der Feststellung der Wahlergebnisse wurde natürlich allenthalben mit großem Interesse entgegengesehen. Etwa gegen 19.30 Uhr konnten wir das Ergebnis der Stadt Gießen auf Grund der amtlichen Schlußzählung wie folgt bekanntgeben:
Abgegeben wurden in Gießen 24 659 Stimmen. Davon waren für die Liste und damit für den Führer 24 325 Stimmen, gegen die Liste und ungültig 334 Stimmen.
Das ist ein Ergebnis in unserer Stadt, auf das alle deutschen Männer und Frauen mit Recht stolz sein können und das alle Volksgenossen und Volksgenossinnen in der Gefolgschaft des Führers mit großer Freude erfüllt. Es ist für unsere Stadt Gießen ein Ruhmesblatt für allezeit, sich durch diese Abstimmung in so überwältigender und erhabener Weise zum Führer und Reichskanzler Adolf Hit - l e r und damit zu Deutschland bekannt zu haben.
Unmittelbar vor der Bekanntgabe des Gießener Ergebnisses waren wir in der Lage, aus dem Kreise Gießen eine Reihe von Ergebnissen aus den wichtigsten Orten veröffentlichen zu können. Die Aushänge in den Schaufenstern unseres Geschäftshauses fanden sofort die starke Beachtung zahlreicher Männer und Frauen. Im weiteren Verlaufe des Abends konnten wir den lokalen Berichten im Aushang weitere Meldungen aus den verschiedensten Gegenden des Reiches folgen lassen, die sämtlich mit starkem Interesse ausgenommen wurden. Erst gegen die Mitternachtsstunde, als der Straßenverkehr erheblich nachgelassen hatte und außerdem auch noch Regen einsetzte, wurde die Zahl der Schau-Interessenten vor den Aushängen immer geringer.
Ein großer lag war auch für unsere Stadt zu Ende gegangen, ein lag, der nicht nur für die gegenwärtig am Ruder stehende und für die kommende Generation eine unauslöschliche freudige Erinnerung für alle Zeiten sein wird, sondern von dem auch noch die künftigen Geschlechter in unserer Stadt, wie im ganzen Reiche und in der Welt sprechen werden. Wir heutigen können stolz darauf sein, diesen Tag miterlebt und erneut zum Bekenntnis und unverbrüchlichen Treuegelöbnis für den Führer der deutschen Ration Adolf Hitler benutzt zu haben. Unsere Stadt Gießen ist froh und stolz, als würdiger Mitkämpfer in Reih und Glied unter Adolf Hitlers Führung zu marschieren.
firei« Gießen.
Gemeinden
Für die Liste und damit für d. Führer
Gegen die Liste und ungültig
Abgegebene Stimmen
Albach.........
269
—
269
Ullendorf a. b. Lahn . . .
571
4
575
Ullendorf a. d. Lda.. . . .
880
—
880
Allertshausen......
238
—
238
Alten-Buseck.......
895
1
896
Annerod........
465
—
465
Bellersheim.......
422
—
422
Beltershain.......
240
—
240
Bersrod.........
316
—
316
Bettenhausen......
244
—
244
Beuern.........
718
—
718
Virklar.........
343
—
343
Burkhardsfelden.....
482
—
482
Climbach........
151
——
151
Daubringen.......
704
—
704
Dorf-Gill........
278
—
278
Eberstadt.......*.
394
—
394
Ettingshausen......
419
—
419
Garbenteich.......
720
6
726
Geilshausen.....- .
351
—
351
Gießen.........
24325
334
24659
Göbelnrod........
212
—
212
Großen-Buseck......
1466
6
1472
Großen-Linden.....
1677
1
1678
Grünberg........
1644
5
1649
Grüningen.......
486
—
486
Harbach.........
282
—
282
Hattenrod........
336
—
336
Hausen.........
421
—
421
Heuchelheim.......
2058
3
2061
Holzheim........
795
—
795
Hungen.........
1174
2
1176
Inheiden........
340
—
340
Kesselbach........
298
—
298
Klein-Linden.......
1447
1
1448
Langd .........
285
—
285
Lang-Göns.......
1336
3
1339
Langsdorf........
647
—
647
Lauter.........
337
1
338
Leihgestern.......
1238
4
1242
Sich..........
1960
6
1966
Lindenstruth.......
233
——
233
Lollar..........
1732
1
1733
Londorf........
666
—
666
Lumda.........
276
—
276
Mainzlar........
491
—
491
Münster.........
226
——
226
Muschenheim......
421
—
421
Nieder-Bessingen.....
226
—
226
Nonnenroth.......
214
—
214
Obbornhofen.......
441
—
441
Ober-Bessingen.....
250
—
250
Ober-Hörgern......
222
—
222
Odenhausen.......
209
—
209
Oppenrod........
238
—
238
Queckborn........
460
—
460
Rabertshausen......
133
—
133
Reinhardshain......
206
——
206
Reiskirchen.......
714
—
714
Rodheim........
253
—
253
Rödgen.........
539
2
541
Röthges......
166
—
166
Rüddingshcmsen.....
503
—
503
Ruttershausen......
364
—
364
Saasen.........
396
—
396
Stangenrod.......
219
—
219
Staufenberg.......
680
—
680
Steinbach........
805
1
805
Steinheim........
336
—
336
Stockhausen.......
97
—
97
Trais-Horloff......
282
—
282
Treis a. d. Lda......
834
—
834
Trohe.........
174
1
175
Utphe .........
337
2
339
Villingen........
745
—
745
Watzenborn-Steinberg . .
1666
17
1683
Weickartshain......
273
—
273
Weitershain.......
361
—
361
Wieseck.........
2707
3
2710
Amtliches Wahlergebnis für den WchNreiS 33 Seffen-Samstadt.
Stimmberechtigte: 952 317, Stimmscheine: 30 056, zusammen: 982 373. Abgegebene Stimmen: 971 104, für die Liste und damit für den Führer: 955 217, gegen die Liste und ungültig 15 887.
Gesamt-Wahlergebnis der hessischen Provinzen:
(Privatzahlnng des Landespressedlenftes des DRV.) Oberhessen:
Abegegebene Stimmen: 230 064; für die Liste und damit für den Führer: 228 985, gegen die Liste und ungültig: 1079 Stimmen.
Starkenburg:
Abgegebene Stimmen: 448 969; für die Liste und damit für den Führer: 439 052, gegen die Liste und ungültig: 9 917 Stimmen.
Rheinhessen:
Abgegebene Stimmen: 296 435; für die Liste und damit für den Führer: 291 618, gegen die Liste und ungültig: 4 817 Stimmen.
Abgegeb. Stimmen
Für die Liste und damit für den Führer
Gegen die Liste und ungültig
Oberheffen:
Kreis
Alsfeld
26 226
26149
77
Büdingen
29 481
29 440
41
Friedberg
63 716
63 253
463
Gießen
46 804
46 734
70
Lauterbach
20 410
20 352
58
Schotten
18 768
18 732
36
Starkenburg:
Kreis
Bensheim
51 956
51242
714
Darmstadt
41096
40 552
544
Dieburg
44 578
44 456
122
Erbach
33 000
32 908
92
Groß-Gerau
45 072
44 611
461
Heppenheim
36 626
36 019
607
Offenbach
72 536
70 183
2353
Rheinhessen:
Kreis
Alzey
35 155
34 959
196
Bingen
33151
32 724
427
Mainz
23 032
22 583
449
Oppenheim
32 437
32 245
192
Worms
34 700
34 575
125
Die großen
hessischen Städte:
Darmstadt
66 387
64 791
Gießen
24 659
24 325
Mainz
102 845
99 974
Offenbach
57 718
54 290
Worms
35 115
34 558
1596
334
2871
3428
557
Aus dem Wahlbezirk Hessen -Nassau.
Kreis
Abgegeb. Stimmen
Für die Liste und damit für den Führer
Gegen die Liste und ungültig
Biedenkopf
25 466
25 360
106
Main-Taunus
48 929
48 419
510
Limburg
40 060
39 421
639 .
Dillkreis
39 717
39 625
92
Ufingen
15 235
15 201
34
Wetzlar
58 577
58 316
261 '
Wiesbaden
121 557
120 003
1554
Frankfurt a. M.
407 229
396 612
10 617
Kassel-Stadt
128 676
128 042
634
Kassel-Land
44 543
44 531
12
Fulda-Stadt
18 938
18 922
16
Fulda-Land
45 064
45 052
12 ,
Gelnhausen
35 954
35 896
58
Hanau-Stadt
29 181
29 100
81
Hanau-Land
39 046
38 701
345
Marburg-Stadt
18 328
18 278
50
Marburg-Land
41 323
41 304
19
Der Halberstädter Domschah
Son Ernst v. Tiiebelschüh
Im Frühjahr soll der Schatz des Domes zu Halberstadt in neu dafür hergerichteten Museumsraumen der Öffentlichkeit wieder zugänglich gemacht werden. Die Nachricht klingt fast zu schön, um wahr zu sein. Denn beinah hatte man sich daran gewöhnt, von dem Halberstädter Domschatz, der seit dem Kriege hinter Schloß und Riegel ein geheimnisvolles Dasein führte, als von einem verschwundenen Märchenschatz zu sprechen. Nun wird eine der größten und reichsten kirchlichen Schatzkammern Deutschlands dem Besuch wieder offen» stehen. Der Superlativ ist hier schon einmal angebracht, denn eine Domsammlung, die u. a. 67 kirchliche Gerätschaften aus Edelmetall, 48 Reliquienbehälter, 178 liturgische Gewänder und 49 Altarbehänge und Teppiche umfaßt, darf wohl den Anspruch darauf erheben, zu den ersten ihrer Gattung gerechnet zu werden.
Die Schatzkammern unserer mittelalterlichen Dom- kirchen stehen etwa zwischen den fürstlichen Rati- tätcntabinetten und den heutigen Museen. Mit jenen teilen sie die Bezogenheit auf das Seltene, Fremdländische und materiell Kostbare, mit diesen das Interesse für den künstlerischen Wert. Mit beiden verbindet sie der Begriff des „Sammelns", wenn auch hinzugefügt werden muß, daß in den Domschätzen nicht Kunst in unserem Sinne gesammelt wurde, sondern in jedem einzelnen Falle der Bedeutungswert und die kultische Verwendbarkeit die ausschlaggebenden Gesichtspunkte bei der Erwerbung waren. Meist handelt es sich auch nicht um Ankäufe, vielmehr um Stiftungen von Geistlichen, Fürsten oder Pilgern, um verdienstliche Werke also, mit denen man eine Schuld zu sühnen oder das geängstigte Gewissen zu beruhigen bestrebt war. Und alle diese Kostbarkeiten, die wir heute fast ausschließlich nach ästhetischen Maßstäben zu beurteilen pflegen, waren nicht dazu bestimmt, mit Nummern versehen in Schränken und Vitrinen ausgestellt zu werden, sondern sie dienten als Gebrauchsgegenstände bei den liturgischen Feiern, wie in der katho- lischen Kirche noch heute. Das bezieht sich auf alles, was mit dem Altar- und Reliquiendienst zusammenhängt, aber auch auf den priesterlichen Ornat, der mit feinen ebelftein- und perlenbestickten Gewändern einen besonders kostbaren und pflege- bedürftigen Teil der bischöflichen Schatzkammer bil- bete. Oft finb diese das Ergebnis jahrhundertelanger Sammeltätigkeit, so daß man sie mit gutem Grunde
als die „lebendigen Chroniken" der Kirchen bezeichnen konnte.
Bei der Fülle des Halberstädter Domes an Schau- und Gebrauchsstücken wäre es ein aussichtsloses Beginnen, eine Beschreibung im einzelnen versuchen ober auch nur ein besonders reich bestelltes Teilgebiet, wie das der priesterlichen Bekleidung, ausführlich behandeln zu wollen. Ueberall, von den glockenförmigen Meßgewändern (casulae), den Dal* matiten, Tuniken, Pluvialen, Gürteln, Bischofsmützen bis zu den Handschuhen, Fußbekleidungen und Schweißtüchern glänzt und gleißt es von kostbarer orientalischer Seide, erhaben aufgenähter Perlen- und Sammetstickerei, von Silberflittem, Goldbrokaten und Juwelen erlesenster Art. Sind die Farben auch z. T. verblaßt, das Gold und Silber unansehnlich geworden, so kann man sich doch noch immer eine Vorstellung von der festlichen Pracht bilden, die einst der in solche Herrlichkeiten gehüllte Klerus in Verbindung mit dem farbigen Schmuck der Teppiche und Altarbehänge an den großen kirchlichen Feiertagen hervorzuzaubern wußte.
Denn nächst den liturgischen Gewändern machen die reichbestickten Antependien (Altarbekleidungen) und die gewebten romanischen und gotischen Wandteppiche, die z. T. noch heute den oberen Teil des Chorgestühls schmücken, den Hauptwert der Sammlung aus. Zwei von ihnen, der Behang mit der Schilderung des Engelbesuchs bei Abraham und der „Apostelteppich", der den thronenden Christus im Kreise der Jünger barstellt, finb wohl in einheimischen Werkstätten zu Beginn bes 12. Jahrhunderts entstanden und gehören in ihrem relativ guten Erhaltungszustand zu den wertvollsten Dokumenten der frühmittelalterlichen „Fadenmalerci". Ihnen gesellen sich das Fragment eines um ein Jahrhundert jüngeren Figurenteppichs mit Karl dem Großen, der von zwei antiken Philosophen zur Mildtätigkeit ermahnt wird, und der spätgotische Marienteppich mit Szenen aus dem Leben der heiligen Jungfrau. Es dürfte wenig deutsche Dom» schätze geben, die auf dem Gebiet der mittelalterlichen Teppichfabrikation mit dem Halberstädter wetteifern können.
Mit ausgezeichneten Stücken aus fast allen Stil- Perioden ist auch das Altargerät vertreten, doch stehen auch hier die Belege aus romanischer und gotischer Zeit an kunstgeschichtlicher Bedeutung in vorderster Linie. Die Sammlung umfaßt alles, was der Mehdienst vorschrieb: gemalte Altaraufsätze und Kreuze, Monstranzen und Rauchfässer, Kelche und Glaser, Hostienbüchsen, Kußtafeln, Oelfläschchen,
Wärmekugeln, Tragealtärchen und vor allem Reliquienbehälter, die in allen denkbaren Formen vertreten sind, ausgenommen die großen Reliquienschreine aus vergoldetem Silber und Schmelzmalerei, die der Stolz der rheinischen Kirchen sind. Zu diesen Geräten, Meisterwerken der Goldschmiedekunst, kommen noch die heiligen Bücher mit ihren Einbanddeckeln aus Elfenbein und Filigranschmuck, darunter auch einige „Diptychen" byzantischer Herkunft, mit deren Erwerbung es eine eigene Bewandtnis hat.
Ein großer Teil des Schatzes, und gerade der älteste und wertvollste, stammt nämlich aus der Kriegsbeute, die Bischof Konrad von Halberstadt aus dem 1204 eroberten Konstantinopel mitgebracht und seiner Domkirche geschenkt hat. Was bei dieser beispiellosen Plünderung der Stadt Konstantins des Großen durch die fränkischen Kreuzfahrer nach dem Abendlande verschleppt worden ist, gehört unstreitig zu den größten Kostbarkeiten des byzantinischen Kunsthandwerks, und auch der Halberstädter Dom darf sich rühmen, einiges aus dieser Beute zu besitzen. Ein Diptychon z. B. mit figürlichen Darstellungen, aus Elfenbein gefertigt und wohl noch dem 3. Jahrhundert angehörig. Ferner den angeblichen, in Silber gefaßten Schädel des jüngeren Jakobus, das sog. „Demetriusgrab", eine byzantinische Reliquienbüchse mit Spuren von Blut und Salbe. Das Hauptstück aber ist eine silbervergoldete Weih- brotschale mit einer griechisch beschrifteten Kreuzigung in Hochrelief und acht Brustmedaillons griechischer Heiliger — gleichfalls von Bischof Konrad „mitgebracht". Schließlich zwei Kirchenfahnen aus grüner Seide mit Inschriften, die besagen, daß Kaiser Alexios von Byzanz die Fahnen, die also offensichtlich Weihgeschenke waren, als Sühne für begangene Sünden gestiftet hat.
Bei anderen Gegenständen sind die Umstände der Erwerbung weniger eindeutig und teilweise auch von Legende und Sage verhüllt, etwa bei dem Elfenbeindeckel eines Evangeliars, das den Evangelisten Johannes darstellt und angeblich eine Schenkung Ludwigs des Frommen an den Bischof Heimo ist, ober bei einer Schachfigur aus Bergkristall, die Karl dem Großen gehört haben soll. Ob diese Zuschreibungen zutreffen oder nicht, jedenfalls zeigen sie, daß die Phantasie nicht müßig war, auch in die Schätze der christlichen Kirche jenen mystischen Zauber hineinzudichten, der schon den Hort der germanischen Vorzeit zum Trager dunkler Geheimnisse machte.
Vögel als Wächter.
Daß der Vogel dem Hund in manchen Fällen an Wachsamkeit nicht nachsteht, ist eine ebenso merkwürdige wie wenig bekannte Tatsache. So sind beispielsweise die Perlhühner die grimmigsten Feinde der Ratten und verjagen sie von jedem Feld, in das die gefräßigen Nagetiere eingedrungen finb. Uederhaupt ist das Perlhuhn ein außergewöhnlich wachsames Tier und erhebt sofort seine heiser kreischende Stimme, wenn sich ein Fremder naht. Auch andere Vögel sind ausgezeichnete Wächter. In Venezuela wird der Trompeterkranich, ein langbeiniger kräftiger Vogel, von den Eingeborenen sogar als Schafhirt verwendet. Den ganzen Tag über steht er in würdiger und aufmerksamer Haltung mitten unter den weidenden Schafen, und abends sorgt er dafür, daß sie vollzählig in den Stall zurückkehren. In Mittelamerika wird eine andere Kranichart in vielen Gärten gehalten, denn sie ersetzt tatsächlich einen wachsamen Haushund. Betritt ein Fremder das Grundstück, so läuft der Vogel eilig hinter ihm her, er belästigt ihn zwar nicht, aber er läßt ihn auch nicht aus den Augen und stößt zugleich einen lauten anhaltenden Ruf aus, und nichts kann ihn dazu bewegen, zu schweigen, bis fein Herr ober ein anberes Mitglied der Familie erschienen ist. Eine dritte Kranichart, der in Brasilien heimische Cairama, hält den Garten, in dem ihm Gastfreundschaft gewährt wird, von allen Schlangenarten frei. Dieser Vogel ist außerordentlich kriegerisch und nimmt selbst den Kampf mit einer großen Klapperschlange auf. Während er den einen Flügel als eine Art Schild vor den Körper hält, packt er die Schlange mit seinen sporenbewaffneten Füßen und hält sie fest umklammert, so daß sie sich nicht befreien kann. Da er sehr geräuschlos ist und über eine große Schnelligkeit verfügt, erweist sich dieser Kranich den Schlangen fast immer überlegen. In manchen Gegenden wird der Turmfalke aehalten, um die Gärten gegen die Gefräßigkeit der Vögel zu schützen, die sich gern über die Obstbäume hermachen. Der amerikanische Königsvogel ist ein solcher Wachtposten. Allerdings steht er nicht im Dienst der Menschen, sondern in dem der anderen Vögel. Sobald sich ein Raubvogel naht, läßt dieser kleine Wächter einen durchdringenden Schrei ertönen, und sofort sucht jeder Vogel in weitem Umkreis Schutz und Deckung. Einen ähnlichen Posten nimmt iS unserer heimischen Vogelwelt die Amsel ein. Der eifrigste Aufpasser im Vogelreich ist aber wohl der Reiher, den besonders die Geslügeljäger fürchten.


