Ausgabe 
30.3.1936
 
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Hauptschriftleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Verantwortlich für Politik und für die Bilder: Dr. Friedrich Wilhelm Lange; für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot; für den übrigen Teil: Ernst Blumschein. Anzeigenleiter: Hans Beck. Verantwort« lich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. 2). 21. II. 36: 10 556. Druck und Verlag: Brühl'sche Universitäts-Buch-und Steindruckerei R. Lange,K.-G., sämtlich in Gießen.

Monatsbezugspreis RM. 2,05 einschließlich 25 Pf. Zustellgebühr, mit der Illustrierten 15 Pf. mehr. Einzelverkaufspreis 10 Pf. und Samstags 15 Pf., mit der Illustrierten 5 Pf. mehr.

Zur Zeit ist Preisliste Nr. 3 vom 1. Juni 1935 gültig.

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der Befreier des Rheinlondes. Nach rechts geht der Führer hinüber, dorthin, wo die Befehlshaber jener Truppenteile stehen, die am 7. März den geschichtlichen Marsch in die Friedens« garnisonen über den Rhein antraten. Und dann gibt er jedem einzelnen die Hand, der dieser Ab­ordnung der Gaue und Stände angehört, dem Bergmann wie dem General, den Werkherren der großen Werke wie den Monteuren und Weinbauern. Nun ist der Rundgang beendet, und noch einmal steht der Führer in diesem herrlichen Saal vor den im Halbkreis stehenden Vertretern des deutschen Volkes am Rhein. In diesem Augenblick intoniert ein SS.-Musikzug das Deutschlandlied. Ueber 200 Arme recken sich empör. Umgeben von seinen Mini­stern und Mitkämpfern verläßt dann der Führer den Gürzenich.

Ein zweiter Selbstmord im Wiener Phönix-Skandal.

Wien, 28. März. (DNB.) Im Zusammenhang mit den Schwierigkeiten der Versicherungsgesell­schaftPhönix" hat sich am Samstag ein zweiter, aufsehenerregender Selbstmord ereignet. In seiner Wohnung im 21. Wiener Gemeindebezirk tötete sich der Sektionschef im Bundeskanz­leramt Heinrich Ochsner durch einen Schuß in den Mund. Sektionschef Ochsner leitete die für d i e Angelegenheiten der Privatver­sicherung zuständige Abteilung 12 des österreichischen Bundeskanzleramtes. Zweifellos hat ihn der Vorkburf, für die Schwierigkeit desPhö­nix" mit verantwortlich zu fein, in den Tod ge­trieben. In Wien find überdies Gerüchte im Um­lauf, die von einer Bestechungsaffäre im Bundeskanzleramt wissen wollen. Danach soll bei der Ueberprüfung der Geschäftsbücher desPhönix", die nach dem vor einem Monat erfolgten Selbst­mord des jüdischen Generaldirektors Berliner durch den neuen Generaldirektor Reinighaus angeordnet worden war, ein Betrag von 100 000 Schilling aufgetaucht sein, der, wie es heißt, dem nunmehr freiwillig aus dem Leben geschiedenen Sektionschef Ochsner für persönliche Zwecke zur Verfügung gestellt worden war. Amt­lich wird mitgeteilt, daß Ochsner nach Erhalt einer polizeilichen Vorladung Selbst­mord begangen hat. Dies bestätigt in gewissem Sinne die Gerüchte von einer Bestechung Ochsner^ In Wien wollen übrigens die Gerüchte nicht ver­stummen, daß bei der VersicherungsanstaltPhönix" eine ganze Liste von bestochenen Per­sonen gefunden worden ist.

Wetterbericht

des Reichswekterdienstes. Ausgabeort Frankfurt.

Im Bereich subtropischer Warmluft stellte sich gestern Aufheiterung, aber mit stärkerer Erwär­mung auch Druckfall ein, der bei der gegebenen Druckoerteilung das Eindringen kühlerer Meeresluft begünstigte. Unter ihrem Einfluß fetzten in der ver­gangenen Nacht Regenfälle ein. Mit dieser Entwick­lung hat sich eine Westwind-Wetterlage durchgesetzt, die für die nächste Zeit unbeständige, wenn auch nicht durchweg regnerische Witterung bedingt.

Aussichten für Dienstag: Veränderlich, doch überwiegend bewölkt und zeitweise auch Regen, mild, lebhafte südwestliche Winde.

Lufttemperaturen am 29. März: mittags 16,6 Grad Celsius, abends 12 Grad; am 30. März: morgens 9,8 Grad. Maximum 17,9 Grad, Minimum heute nacht 9,2 Grad. Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 29. März: abends 10,1 Grad; am 30. März: morgens 9,4 Grad Celsius. Sonnenfcheindauer 3,5 Stunden. Niederschläge 4,3 mm.

Dem Befreier der Rheinlande.

Dank und Huldigung der rheinischen Stände im Kölner Gürzenich.

Köln, 28. März. (DNB.) Bereits eine Stunde vor Beginn der großen Huldigungsfeier zogen d i e Standarten der sieben befreiten Gaue in den Gürzenichsaal ein. Ihnen folgten die ältesten Sturmfahnen eines jeden Gaues und die Fahnen der Kölner Bewegung, die 8 0 Fah­nen der ehemaligen rheinischen Re­gimenter, von Offizieren mit gezogenem Degen geleitet, nehmen die Mitte des Podiums ein.

In feierlichem Zuge trifft nun die Abordnung aller Stände aus der ehemals entmilitarisierten Zone, geführt von den Gauleitern ein. An der Spitze sieht man Baden, dann Hessen-Nassau, Koblenz-Trier, Köln-Aachen, Düsseldorf, Essen und Westfalen-Süd. Je 25 Abgesandte aller Stände sind vertreten. Die Oberbürgermeister der Städte mit ihren Amtsketten, die Universitätsrektoren der west­deutschen Hochschulen in ihren Amtsroben, Beamte der öffentlichen Betriebe in Uniform, Bergknappen mit ihren Grubenlampen, Winzer, Handwerker und Arbeiter der vielfältigen Industrien des Westens, Vertreter der beiden Konfessionen und andere.

Kurz vor 16 Uhr dringt von draußen ein gewal­tiges Brausen herein in die Halle. Man hört den Präsentiermarsch der Ehrenkompanie vom Kölner Infanterieregiment Nr. 39 und erlebt die Wogen des Jubels und der Verehrung, die den Führer umbranden. Spontan stimmt die Menge entblößten Hauptes dieWacht am Rhein" und das Lied der Deutschen an, während der Führer die Front der Ehrenkompanie abschreitet. Nachdem er für die stürmischen Huldigungen gedankt hat, wird er vom Gauleiter Staatsrat Groh 6 in das Innere des Gürzenich geleitet. Hinter dem Führer haben sich Reichskriegsminister Generaloberst von Blom­berg, sowie ferner die Reichsminister Dr. Goeb­bels, Dr. Frick, Dr. Frank, Fhr. von Elz-Rübenach gestellt, daneben der Ober­befehlshaber des Heeres General der Artillerie Freiherr von Fritsch, Staatssekretär Ge­neralleutnant Milch, Staatssekretär Lammers, Reichsführer SS. Himmler, Reichsorganisa­tionsleiter Dr. Ley. Reichspressechef Dr. Dietrich, Korpsführer Hühnlein, Botschafter von Rib­bentrop, ferner die rheinischen SS.- und SA.- Führer. Vom Podium begrüßt der Führer die Ab­ordnungen der befreiten Gaue, vor denen jedesmal der Gauleiter steht. Der Oberpräsident der Rhein­provinz Gauleiter Staatsrat Terboven tritt vor und verliest

die Dankadresse der befreiten Gaue:

Mein Führer!

Am 2. Dezember 1918 marschierte die Nachhut des deutschen Heeres ostwärts über den Rhein. Am 7. März 1936 rückten Soldaten des auf das Gebot des Führers wieder erstandenen Heeres über den heiligen Strom unserer Geschichte in die alten Friedensstandorte. Diese beiden Ereignisse umschlie­ßen nicht 17 Jahre nur, nicht nur einen durch alle Tiefen und Höhen geführten Kampf der rhei­nischen Lande um Recht und Freiheit, sie machen auch der Welt kund, daß das nach seinem Zusammenbruch in dunkelste Wirrsal getriebene deutsche Volk seine Schmach und Schande nicht einmal für die Dauer eines halben Menschenalters ertragen wollte.

Die Landschaft an den Ufern des Stromes von der Lippe zur Dreifam, nördlich die Ebene, in der Mitte das Tal mit Wäldern und Rebenhügeln, süd­lich die breiten fruchtbaren Wannen, an denen Wein, Obst und Weizen auf einem Acker gedeihen sie scheint in ihrer Anmut und Milde vom Schöpfer für einen ewigen Frieden geschaffen. Ihre Bewohner, die Arbeiter in Zechen und Werkhallen, die Bauern in den gesegneten Tälern und auf den einsamen Höhen, die Handwerker, deren Können durch ein Jahrtausend hindurch als verpflichtendes Erbe an sie weitergegeben ist, die Fischer und Schif­fer, die Kaufleute, die Angehörigen eines jeden Standes sie kennen kein größers Glück, als ihre Arbeit im Frieden zu tun.

Die in Jahrtaufendfrist aus ihrer Landschaft er-

Jrn historischen Gürzenich in Köln. Von links nach rechts: Reichskriegsminister Generaloberst v. Blom­berg, Reichsminister Dr. Frick, Reichsminister Dr. Frank, Reichsminister E l tz v. R ü b e n a ch , Staatssekretär Dr. Lammers, Oberbefehlshaber des Heeres, General der Artillerie Freiherr von Fritsch (fast verdeckt), Generalleutnant der Flieger Milch, Reichsminister Dr. Goebbels, Reichsorganisationsleiter Dr. Ley, Reichsführer SS. Himmler. (Weltbild. Scherl-Bilderdienft-M.)

Vertreter des rheinischen Volkes begeistert ein. Dann tritt

standenen Werke, die Dome mit ihrer strengen Pracht, die Bildtafeln mit ihren andächtigen Far­ben, die ehrwürdigen Gesänge des Mittelalters, die Gläubigkeit Meister E ck e h a r d t s, die Helden­musik des Niederrheiners Beethoven, die Le­bensdichtung des Rhein - Franken Goethe, sie sind der Beitrag der Gaue am Rhein zum währen­den Bestände deutschen Schaffens und darüber hin­aus zu der Schatzkammer der Menschheit. Darum grüßen die Bewohner der Rheinlande mit allen seinen Stämmen und Ständen das neu erstan- dene Heer in ihrer Heimat als Bürgen eines Friedens, der sie nicht ehr- und schutzlos irgendeinem Zugriff von außen her preisgibt, sondern ihnen erlaubt, unbedroht ihr friedliches Tagewerk zu leisten zum Gedeihen des ganzen Vaterlandes.

Sie danken dem Führer für feine Tat.

Sie wissen, einzig der Mut des aus dem deut­schen Volke in den Tagen seiner Not auferstande­nen Führers hatte dem Reich und hat nunmehr auch den rheinischen Landen die Wehrhoheit wie­dergegeben.

Sie glauben: Nur em in sich starkes gesundes Volk kann den anderen Völkern, kann der Mensch­heit nützlich und ein guter Nachbar sein.

Sie hoffen: Daß der schwere, zugleich mit einem hochherzigen Friedensplan der Welt vermit­telte Entschluß des Führers als der Auftakt einer Neuordnung Europas erkannt werden möge.

Sie geloben: Dem Führer, was immer auch feinem Entschluß entspringe, als dem Träger des deutschen Gewissens unverbrüchliche Treue, Gehorsam und Gefolgschaft und erweisen durch sie die nie versagende Liebe zu Deutschland

Gegeben am Rhein, im März 1936.

Wagner, Gauleiter und Reichsstatthalter. Sprenger, Gauleiter und Reichsstatthalter.

Bürckel, Gauleiter und Reichskommissar. Terboven, Gauleiter und Oberpräsident.

Simon, Gauleiter. G r o t) e, Gauleiter.

* Florian, Gauleiter.

In das Sieg-Heil, das der Oberpräsident der Rheinprovinz auf den Führer ausbringt, fallen die

der Führer

vor, um den Angehörigen der rheinischen Stände für das Gelöbnis der Liebe und Treue zu danken:

Ich muß Ihnen, meine deutschen Männer, die Sie hier versammelt sind, um mir im Namen Ihrer Gebiete die Freude auszudrücken über die endliche Wiederherstellung der deutschen Souveränität nun meinerseits den Dank der gesamten deutschen Nation Übermitteln. Ich will den 15 Millionen Deutschen, die Sie heute hier vor mir vertreten, nunmehr danken für die unzähligen Be­weise der Treue, der Anhänglichkeit und des Opfersinnes, die Sie uns allen in den Zeiten der vergangenen Not so oft als Vor­bild gegeben haben. Wie blickte nicht das deutsche Volk einst mit Bangen auf die besetzten Gebiete, ahnungsvoll mitfühlend all das Leid, das Sie da­mals so lange Jahre ertragen mußten. Und wie oft hat nicht die Nation aus ihrer beharrlichen Liebe und aus ihrer unwandelbaren treuen Verbunden­heit mit Deutschland selbst wieder neuen Mut ge­schöpft zur Austragung ihres eigenen schweren Kampfes um die Behauptung des Reiches und die Erhaltung des deutschen Volkes. Im Namen der deutschen Nation versichere ich Ihnen, wie glücklich wir alle sind, Ihnen endlich, aber nicht nur zu danken, sondern auch helfen zu können. Das Reich nimmt Sie wieder unter seinen Schutz. Der Wäch­ter Ihres Friedens ist von jetzt ab wieder die deutsche Armee. Daß die Vorsehung m i ch bestimmt hat, diese Handlung zu vollziehen, empfinde ich als die größte Gnade meines Lebens.

So wollen wir uns aber in dieser feierlichen ge­schichtlichen Stunde alle versprechen, niemals mehr von den Gütern der nationalen Ehre, Freiheit und Unabhängigkeit zu lassen, sie gegen jedermann zu vertreten und zu schützen, um so mitzuhelfen am Aufbau eines wirklichen und besseren Friedens, so wahr uns Gott helfe!

Nun verläßt der Führer das Podium, schreitet auf dem roten Teppich in den Saal hinein, steht mitten im gleißenden Licht allen sichtbar: Hier steht

Altersvereinignng 18721922

Wirerfüllen hiermit die traurige Pflicht, unsere Mitglieder von dem am 27. März erfolgten Ableben unseres Alterskame­raden

Oskar Brauer

in Kenntnis zu setzen. Die Beer­digung findet Montag, den 30. März, um 3l/a Uhr auf dem Neuen Friedhof statt.

Der Führerrat.

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Wir beklagen den Heimgang unseres treuen Altersgenossen

Herrn Wilhelm Frohnhäuser

dem wir ein ehrendes Andenken be­wahren werden. Die Trauerfeier findet in der Stille statt.

Gießen, den 30. März 1936.

Der Vorstand.

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