Ausgabe 
29.9.1936
 
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die

Oie Einnahme Toledos erleichtert den Angriff auf die Hauptstadt

sehen in den Kadetten vom Alkazar das unver­fälschte Wesen und die Größe der spanischen Nation verkörpert. E. V.

Oie belgischen Fliegerunteroffiziere enttäuscht aus Spanien zurückgekehrt.

Brüssel, 29. Sept. (DNB.) Die beiden belgi­schen Fliegerunteroffiziere Jakobs und Han»

finge aus Toledo nicht in die Hauptstadt hinein, UM eine Panik zu vermeiden.

Rudolf Heß beglückwünscht die Helden des Alkazar.

München, 28. Sept Der Slellver- tretet des Führers Rudolf Heß, hat na­mens der Partei an die Helden des Alkazar und ihre Befreier folgendes Telegramm ge­sandt: Die nationalsozialistische Partei Deutschlands sendet den Helden des Alkazar und ihren Befreiern die herzlichsten Glück­wünsche. Rudolf Heß.

Freudentaumel aus. Die Uniformen zerrissen, die Gesichter hohlwangig, so kamen die tapferen Ver­teidiger des Alcazar aus den Trümmern der Festung. Sogar die Verwundeten schleppten sich ins Freie und riefen ohne Unterlaß:Es lebe Spanien!" Die ebenfalls aus den Gewölben befreiten Frauen knieten nieder, bekreuzigten sich und weinten vor Freude.

Wie der Sonderberichterstatter desDiario de Lisboa" meldet, ist man in militärischen Kreisen der Nationalisten davon überzeugt, daß die Ein­nahme von Madrid durch den Fall Toledos sehr erleichtert worden ist. Nach Mitteilungen der Gruppe Castejon können sofort weitere 30 Kilometer in Richtung auf Madrid ohne ernstlichen Widerstand besetzt werden. Die ersten größeren Gefechte würden voraussichtlich er st vor den Toren von Madrid stattfin­den, da in der Provinz Toledo ebenes Gelände vorherrscht, das kaum eine Verteidigung gestattet. Erst hinter dem Madrider Flughafen Getafe werde die Landschaft wieder hügelig. Die nationale Luftwaffe werde die Ennahme von Madrid durch einen Angriff auf den Flughafen Getafe einleiten, anschließend werde der Sturm auf die Hauptstadt stattfinden. Das marxi­stische Militärkommando in Madrid lasse die Flücht-

nach Paris, um die Schließung der Aentralmarkthalle zu erzwingen. Der größte Teil der Gemüsebauern konnte durch schnell zusammengezogene Polizei an den Toren ab- gefangen und heimb - r d e r werden. Einem Teil gelang es bis an die Markthalle vor­zudringen, wo es zu Lärmszenen kam, die durch die Polizei beigelegt wurden.

Lebhafte Abwertungsdebatte in der französischen Kammer

Beträchtliche Mehrheit für die ersten Artikel der Regierungsvorlage. Bium verzichtet auf die gleitende Lohnskala.

Keine Aenderung der deutschen Währungspolitik.

Berlin, 28. Sept. (DNB.) Der Zentral- ausfchuh der Reichsbank ist auf Mittwoch, den 30. September 1936, 16 Uhr, einberufen, um eine Erklärung des Reichsbankpra- fibenten über die deutsche Auffassung zur Wäh- rungslage entgegenzunehmen. Line Aenderung der deutschen Währungspolitik steht nicht in Frage.

Schließung der italienischen Börsen bis 30. September.

Mailand, 28. Sept. (DNB.) Durch einen Er­laß wurden sämtliche italienischen Börsen für die Zeit vom 28. bis 30. September geschlossen. In Finanzkreisen wird der Meinung Ausdruck gegeben, daß diese Börsensperre nur als eine Vor­sichtsmaßnahme zur Unterbindung von Spekulationsmanöoern zu betrach­ten sei.

Französisch-englische Konferenzpläne.

P a r i 5 , 29. Sept. (DNB. Funkspruch.)Echo de Paris",Oeuvre" und andere Blätter melden aus Genf, daß ein französisch-englischer Vorschlag zur Beseitigung der Zoll-Kontingente und der Währungskontrolle vorbereitet werde. Nach demOeuvre" wird Ministerpräsident Blum Ende der Woche in Genf den Zusammen­tritt einer Konferenz in Basel vorschlagen.

Angleichung der lettischen Währung an das englische Pfund.

R i g a , 29. Sept. (DNB.) Das lettische Minister- kabinett beschloß, Aenderungen im Devisengesetz oorzunehmen, auf Grund deren der Lat dem eng­lischen Pfund angeglichen wird. Damit wird das ursprüngliche Verhältnis zwischen dem Lat und dem englischen Pfund, wie es bis zum Jahre 1931 be­stand, wiederhergestellt, also 1 Pfund Sterling kostet wieder 25,22 Lat.

gierung vorgenommene Entwertungsoperation laufe Gefahr, wirkungslos zu werden, sie sei sicher eine Ungerechtigkeit. Der ehemalige Finanzminister und radikalsozialistische Abgeordnete Bonnet unter­strich die schwerwiegenden Bedenken seiner Partei gegen die Abwertung; die gemeinsame Erklärung enthalte keine rechtlichen Stabilisierungsverpflich­tungen der Engländer und Amerikaner. Besondere Bedenken äußerte Bonnet gegenüber der geplanten gleitenden Lohnskala, mit der die Regie­rung eingestehe, daß sie eine Preis st eigerung erwarte. Diese Preissteigerung bedeute aber den Mißerfolg der Währungsmaßnahmen. Der als Vorkämpfer der Abwertung bekannte ehemalige Fi­nanzminister und rechtsgerichtete Abgeordnete Paul R e y na u d bedauerte, daß die Abwertung ver­spätet beschlossen worden sei und Frankreich un­nötig viel Geld verloren und die Wirtschaft unnütze Schäden erlitten hätte. Jetzt spiele Frankreich seine letzte Karte aus. Wenn die Regierung ihre bis­herige Politik fortsetzen würde, würde bald eine neue Abwertung notwendig werden.

Nach Ausführungen des Kommunisten Duclos wurde die allgemeine Aussprache geschlossen. Artikel 1 der Vorlage, der den Grundsatz der Abwertung enthält, wurde mit 343 gegen 252 Stimmen a n - genommen. Zu dem Artikel 2 brachte der rechts­gerichtete Abgeordnete Marin einen Ergänzungs­antrag ein, nach dem der neue Goldwert des Franken nur durch das Parlament festgesetzt wer­den könnte. Mit 349 gegen 210 Stimmen wurde der Antrag Marin abgelehnt und der Artikel2 in dem Wortlaut der Regierungsvorlage angenom­men. Zu Artikel 3 brachte Marin wiederum einen Ergänzungsantrag ein, wonach in den drei Mona­ten, die auf die Festsetzung des neuen Goldwertes des Franken folgen, die Goldprägung be­schleunigt ausgenommen werden müsse, um das Gold wieder in Umlauf zu bringen. Marin erklärte, der Skandal müsse abgestellt werden, daß nur Reiche Gold kaufen könnten. Mit 351 gegen 231 Stimmen wurde auch dieser Antrag g e lehnt. Darauf wurden die Artikel 3 bis 13 nach­einander angenommen. t v ,

Dann gab der Kammerpräsident bekannt, daß die nächsten Artikel der Regierungsvorlage, die ur­sprünglich die Bestimmungen über die gleitende Lohn kala enthielten, durch einen neuen Wortlaut ersetzt werden sollen. Danach soll die Regierung bis zum 31. Dezember 1936 bevoll­mächtigt werden, auf dem Verordnunaswege M a tz- nah m e n z u r V e r h i n d e r u n g de r Pr e i s - steiaerun<g und zur Wahrungder Kauf­kraft des Franken zu treffen.

Ministerpräsident Blum

erklärte u. a., die Kammer könnte die Regierung stür­zen aber die vollendete Tatsache der Abwertung nicht mehr ändern. Die Wahlen vom 6. Mai hätten die

würde.

Die Fabrikbesetzungen ohne Entscheidung der verantwortlichen Arbeiterorgane dürften nicht zur Gewohnheit werden. Das Vertrauen der Arbeiterschaft in die Regierung der Volksfront werde es dieser ersparen, andere Mittel in Anwen­dung zu bringen, als die der Versöhnung und Ver­mittlung. In seiner bisherigen Fassung (glei­tende Lohnskala) erwecke Artikel 14 den Ein­druck, als werde die Frankenabwertung eine Preissteigerung Hervorrufen. Theoretisch dürfe die Frankenabwertung nur a u f Preise der Einfuhrwaren zurückwirken. Die Regie­rung sei mit der von den Abgeordneten der Volks­front vorgeschlagenen neuen Fassung einverstanden, die ihr eine Waffe zur Bekämpfung der Preis­steigerung in die Hand gebe. Der abgeänL.ue Ar­tikel 14 wurde daraufhin von der Kammer ange­nommen. Die Sitzung dauert an.

Streikende Gemüsebauer in Paris.

Paris, 29. Sept. (DNB. Funtspruch.) Die seit Tagen streikenden Gemüsebauern von Paris und Umgebung haben zahlreiche Protestkund- aebungen gegen die Preisgestaltung auf dem Gemüsemarkt ab gehalten. Große Kolonnen von Kraftwagen und anderen Gefährten mit Tausenden von streikenden Gemüsebauern zogen daraufhin

Paris, 29. Sept. (DNB. Funkspruch.) Ueber die Einnahme Toledos werden weitere Einzelheiten bekannt. Wie die nationalen Rundfunksender mit­teilen, sind die Truppen des Generals Varela nach einem wohl überlegten strategischen Plan vorgegangen. Sie hatten die Stadt völlig umstellt. Als dann die Fremdenlegionäre zum ent­scheidenden Angriff gegen Toledo vorgingen, fan­den sie bei ihrer Aufklärungsarbeit nur noch ver­hältnismäßig schwache Kräfte der Roten vor, deren Widerstand schnell gebrochen werden konnte. Die Zahl der aus dem Alcazar Befreiten beträgt 1600, darunter 850 Kämpfer, und zwar 500 Angehörige der Gendarmerie, 150 Offiziere und Kadetten und 200 nationale Freiwillige. Die übrigen 750 waren Angehörige der Kämpfer. Die Verluste der Verteidiger des Alcazar sind, wie ein Sonderbe­richterstatter der Agentur Havas meldet, verhält­nismäßig gering. Während ihrer zweimonatigen Belagerung hätten sie 80 Tote, und 500 Ver­letzte gehabt. Die Regierungstruppen hätten 6000 Granaten Kaliber 7,5 cm und 4000 Granaten, Kaliber 15,5 cm darunter auch Gasgranaten auf den Alcazar abgeschossen, außerdem seien drei Minen von 3000 kg zur Explosion gebracht wor­den. Die Herstellung der Verbindung zwischen den Truppen Francos und den Kadetten löste einen

Deflationspolittk verurteilt. Die Regierung habe versucht, die französische Wirtschaft anzukurbeln und sich mit einem Aufruf an das gehortete Kapital gewandt, ohne jedoch Erfolg zu haben. Immerhin hätten sich Ende August Anzeichen für eine Be­lebung der Wirtschaft geltend gemacht. Diese Ent­wicklung sei aber unterbrochen worden, da aus­wärtige Ereignisse das Land mit Sorgen erfüllt haben. Blum nannte die Ereignisse in Spanien, die Einführung der zweijährigen Dienstzeit in Deutsch­land, die Notwendigkeit eines verstärkten Rüstungs­programms in Frankreich und die Verbreitung einer Angstpsychose in Frankreich. Der Druck auf den Franken habe sich erneut verstärkt und der Gold­abfluß habe einen alarmierenden Charakter an­genommen. Der Ministerpräsident bestritt, daß die Abwertung etwa erfolgt wäre, weil das Schatzamt keine Mittel mehr zur Verfügung gehabt habe. Die Bedeutung des Abkommens mit England und Amerika bestehe in der Verständigung der drei Länder über ihre Friedensaktion. Die glückliche Durchführung dieses Abkommens habe jedoch d e n inneren Frieden in Frankreich zur Voraussetzung. Die Regierung sei daher entschlossen, die öffentliche Ordnung zu schützen gegen jebes Unterfangen, das die Souveränität des Volkes oder die republikanischen Einrichtungen beeinträchtigen

Wochenlang hat die ganze Wett, hat besonders auch das deutsche Volk oie Kämpfe um den Alkazar von Toledo in allen ihren Phasen verfolgt. Und wenn nun das ganze nationale Spa­nien seinen jungen Helden, welche die alte Burg unter unsäglichen Entbehrungen tapfer verteidigt haben, zujubelt, dann empfinden auch wir Freude, dann neigen auch wir uns bewundernd vor der Größe dieses heroischen Leidens. Die junaen Ka­detten, die bestimmt schienen, sich unter friedens- mäßigen Bedingungen für ihren hohen Beruf schulen und vorbilden zu müssen, haben sich ihr Offiziers­patent früher geholt, als sie dachten. Aber sie haben es nicht erworben im Kampf gegen einen äußeren Feind, sondern im Furioso eines wilden Bürger­krieges. Die von ihnen abgelegte Bewährungsprobe ist deshalb nicht geringer einzuschätzen. Und waren nicht die roten Milizen, gegen deren Angriffe sie sich dmit Todesverachtung wehrten, zum großen Teil nur ein gefügiges Werkzeug in der Hand der frem­den Moskauer Macht? Ist nicht dieser Bürgerkrieg, wie wir aus alter Gewohnheit die bewaffnete Aus­einandersetzung in Spanien bezeichnen, in Wirklich­keit ein nationaler Befreiungskampf, genau so, wie es etwa in anderer Form die deut- chen Befreiungskriege von 1813 waren? Wie die panischen Nationalisten den Sinn ihres Kampfes ehen, dafür zeugt ihr SchlachtrufEs lebe Spanien", der überall an den Fronten ertönt, und der auch hundertfach, tausendfach zum Himmel emporscholl, als sich die Befreier und Befreiten des Alkazar lachend und weinend in die Arme sanken.

Wenn heute schon das Heldenlied von Toledo ül er die Erde klingt, wenn die Verteidiger des Alkazar heute schon als Nationalhelden der spanischen Ge­schichte geehrt und gepriesen werden, dann sind das bestimmt keine Vorschußlobeeren, die man den jun­gen Offiziersanwärtern spendet. Sie haben zusam­men mit den übrigen Männern und Frauen, die im Alkazar eingeschlossen waren, nicht nur eine un­erhörte Probe ihres persönlichen Mutes abgelegt, sondern sie haben durch ihr tapferes Ausharren auch den Verlauf des Bürgerkrieges in militärischer Hinsicht entscheidend beeinflußt. Viele Wochen hin- durch waren Tausende und aber Tausende von roten Mannschaften, zahlreiche marxistische Flug- zeuge und Geschütze an die Bekämpfung des Alka­zar gebunden, die sonst an den anderen Fronten Verwendung gefunden hätten. Ja, es wurden sogar aus dem schon schwer bedrängten Madrid noch rote Truppen nach Toledo geschickt, um hier die Entscheidung, d. h. die Uebergabe der Burg zu erzwingen. Aber auch dieser Versuch blieb vergeb­lich. Die Madrider Hilfsmannschaften mußten eben­falls einsehen, daß sie den Widerstandswillen der kleinen Heldenschar nicht brechen konnten, und als sie mit den Geschoßgarben der eingeschlossenen Ka­detten die erste Bekanntschaft gemacht hatten, reiften sie schleunigst nach der spanischen Hauptstadt wie­der ab. Trotz der beginnenden Lebensrnittel- und Wasserknappheit lebt es sich für einen Bolschewiken in den Madrider Caf6s und Kinos doch noch^desser als auf den Trümmern des Alkazar im Schuß­bereich ausgeleierter Maschinengewehre. Welch ein Gegensatz zwischen dem nationalen Heldenmut der Kadetten, die, hungernd und in Lumpen gekleidet, doch bis zum bitteren Ende auszuharren entschlossen waren, die in ihren Reihen keinen Ueberläujer, keinen einzigen Feigling hatten, und jenenFüh­rern" der Marxisten, die bei Straßendemonstratio- nen und Raubzügen gegen wehrlose Frauen und Zivilisten das große Wort führen, die sich aber immer dann schleunigst aus dem Staube machen, wenn auch nur die kleinste Mutprobe von ihnen verlangt wird. Jede Bewegung, jede Partei, jedes Volk aber t)at die Führung, die es verdient. Wir

Paris, 29. Sept. (DNB.) In der Kammer­aussprache über die Währungsvorlage beschuldigte der Abg. Colo mb e die Regierung, den Franken um 30 v. H.sozialisiert" zu haben. Der Finanz- minifter habe PoincarL vorgeworfen, daß er da­mals den Franken auf 20 Centimes herabgesetzt habe, er selbst bringe ihn aber auf 13 Centi­mes herunter; Poincarö habe wenigstens den Krieg bezahlt; Vincent Auriol bezahle nur die Feh­ler «einer Regierung. Er bezeichnete die Regie­rungsvorlage ais Improvisation. Der Wortlaut des Gesetzes sei nicht sorgfältig ausgearbeitet; man müsse wenigstens einen vernünftigen Wortlaut Herstellen. Die Regierung habe gar nicht das Ansehen, um die Abwertung des Franken erfolgreich durchzufüh­ren. Die Annahme dieser Vorlage würde einen allgemeinen Zusammenbruch einleiten. PoincarL habe das Vertrauen von ganz Frankreich besessen, was für die heutige Regierung nicht zutreffe. Da­mals fei ferner ein kurzer und klarer Gesetzentwurf vorgelegt worden, während man sich jetzt über eine Menge sehr heikler Bestimmungen schlüssig werden müsse. Der Abgeordnete der unabhängigen Linken Fernand Laurent behauptete, die Regierung sehe sich durch Haushaltsschwierigkeiten zur Frank-Ab­wertung gezwungen. Der Finanzminister Vincent Auriol unterbrach den Sprecher und warf ihm vor, daß politische Leidenschaften und Vorurteile seine Worte diktierten. (Beifall links, Lärm auf der Rech­ten.) Laurent erklärt, es sei kindisch, die Entwer­tung, die für das Land ein Unglück sei, als diploma­tischen Erfolg auslegen zu wollen. Die von der Re-

( Spleen-Ernte 53 k )

RUNDE SORTE

Das bedeutet für den ALVA-Raui düng'von Quantität mit Qualität: A Thbak und befbnders aus g efachte

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