Ausgabe 
29.9.1936
 
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186. Jahrgang

Gietzener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

Ur. 278 Elftes Blatt 186. Jahrgang Dienstag, 29. September <936

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8rantturtfamClman 11686 Drudt und Verlag: vrühl'sche UniverfitStsvuch- und Sleindruckerei «.Lauge in Gietzen. Schriftleilung und Geschäftsstelle: Schulftrahe 7 M-ng-nabschluff-Staffel8

Deutschlands Ernährung völlig gesichert.

Gewissenhafte Ablieferung der landwirtschaftlichen Erzeugnisse und verständnisvolle

Der Reichsbauernführer anLandwittschaslundHaussrauen

Berlin, 29. Sept. DerVölkische Beobachter" veröffentlicht grundsätzliche Ausführungen des Reichsernährungsministers R. Walter Darre zur Ernährungsgrundlage, in denen es u. a. heißt: In jedem landwirtschaftlichen Betrieb muß heute jede einzelne Maßnahme auf das Gesamtwohl eingestellt sein.

Jetzt kommt alles darauf an, daß die deutsche Landwirtschaft ihre Erzeugnisse in ste ki g e m regelmäßigem Fluß und zu den feft- gesetzten Preisen an den Markt bringt. Gewissenhafte und pünktliche Erfüllung der vorgeschriebenen Ablieferungspflichten ist eine der dringlichen Forderungen der Volksernäh­rung. Bauern und Landwirte, die gegen diese Vorschriften der Marktordnungsverbände ver­stoßen, schädigen das deutsche Volk. Gewis­senlos gegenüber dem Gesamtwohl des Vol­kes handeln auch jene wenn es auch nur Aus­nahmeerscheinungen sind die als Erzeuger, Verteiler oder Verarbeiter aus Gewinnsucht höhere Preise fordern als nach den gel­tenden Vorschriften zulässig ist. Ich betone mit nachdrücklichem Ernst: Diese pflichtvergessenen wird der Staat in Zukunft hart anfassen, um die Volksgemeinschaft zu schützen und um zu verhindern, daß einzelne das Ansehen und die Arbeit ganzer Berufsstände zu untergraben versuchen.

Bedarfsdeckung der Hausfrau.

Der nationalsozialistische Staat hat getreu seinem bei der Machtübernahme gegebenen Versprechen die deutsche Landwirtschaft vor dem drohenden völligen Zusammenbruch gerettet und die wirtschaftliche Lage der deutschen Landwirtschaft entscheidend verbessert. Die Preise der landwirtschaftlichen Erzeugnisse smd aus dem die Erzeugung lähmenden Tiefstand her­aus und wieder an den allgemeinen Preisstand un­serer Volkswirtschaft herangeführt worden. Diese Leistungen von Staat und Volkswirtschaft ver­pflichten die Landwirtschaft, mit be­sonderem Eifer den gekennzeichneten Anforderun­gen nachzukommen. Dank den Erfolgen der Er­zeugungsschlacht ist die Ernährung unseres Volkes heute schonzu80bis85v. H. 1927 waren es nur 65 v. aus eigener Erzeugung gesichert. 15 bis 20 v. H. unseres Bedarfs an Nah­rungsmitteln müssen aber auch heute noch aus dem Auslande eingeführt werden. Wir können bei normaler Ernte aus eigener Erzeugung decken den Bedarf an Brot und Mehl, Speisekartof­feln, Zucker, Frischmilch zu 10 0 v. H. Bei Ge­müse und Fleisch erzeugen wir jedoch nur etwa 90 bis 94 v. H. im Inland. Bei Eiern und Molkerei­erzeugnissen beträgt die Selbstversorgung etwa 80 bis 85 v. j). und bei Fetten sogar nur 50 bis 55 v. H.

Deutschlands Ausfuhr an Jndustrieerzeugnissen stößt im Ausland auf große Schwierigkeiten. Wir können deshalb den Umfang unserer Ausfuhr nicht beliebig erweitern. Den Erlös aus unserer Ausfuhr brauchen wir in erster Linie für die Beschaffung von Rohstoffen.

Verzicht auf die Einfuhr von Rohstoffen zu­gunsten einer verstärkten Lebensmitteleinfuhr würde bedeuten, daß Millionen deutscher Volks­

genossen wieder in das Elend der Arbeitslosig­keit zurückgestohen werden. Das muß aber unter allen Umständen verhindert werden. Daraus geht hervor, daß einzelne Erzeugnisse, bei denen wir heute noch nicht unseren ganzen Bedarf selbst erzeugen, einmal knapp werden können. Das deutsche Volk wird wieder vor­übergehend etwas weniger Fett oder etwas weniger Fleisch oder weniger Eier essen, als der Geißel der Arbeitslosigkeit in Deutschland neuen Raum zu gewähren. Die Reichsregierung erwartet deshalb von der deutschen Hausfrau, daß sie diese gelegentlich auftretenden Mängel an einzelnen Lebensmitteln mit Verständnis auf- nimmt und durch geschicktes Ausweichen zu anderen reichlicher vorhandenen Lebensmitteln ausgleicht. Es braucht niemand Sorge zu haben, daß er nicht satt werden wird. Das geringe Opfer, das wir dem Ausbau eines starken Reiches in Freiheit und Unabhängigkeit bringen, ist nur ein Opfer an Bequem­lichkeit. Es geht uns um Deutschlands ge­sicherte Zukunft. Darum sagen wir die Dinge wie sie sind und wie sie nicht anders sein kön­nen in dem stolzen Wissen, daß das deutsche Volk sich seiner Verantwortung vor der Ge­schichte bewußt ist.

Berufserziehung, eine nationale Pflicht.

Achtung vor dem Brot.

Die Bedeutung des Werbefeldzugs ,Kampf dem Verderb" ergibt sich aus der Lage unserer Volks­wirtschaft. Wir können gegenwärtig etwa 80 bis 85 v.H. unseres Bedarfs an Lebensmitteln im Inland erzeugen. Im Jahr 1927 betrug der Grad der Selbstversorgung nicht 80 v. $)., sondern nur 65 v. H. Wir sind also in der Selbstversorgung be­reits ein gewaltiges Stück vorangekommen. Der Führer selbst hat dies anerkannt, indem er sagte: Was der deutsche Bauer gerade in diesen letzten Jahren geleistet hat, ist etwas Einziges und Einmaliges." Bekannt ist auch, daß die Ein­uhr der fehlenden 15 bis 20 v. Sy an Nahrungs­mitteln nicht leicht ist. Das deutsche Volk hat dies an der zeitweisen Verknappung einzelner Nahrungs­mittel gespürt. Wir müssen die Einfuhr von Lebens­mitteln aus dem Ausland mit der Ausfuhr deutscher Industrie-Erzeugnisse bezahlen. Unsere Ausfuhr stößt aber fast in der ganzen Welt auf erhebliche Schwie­rigkeiten. Hinzu kommt, daß wir aus unserer Aus­uhr nicht nur Lebensmittel bezahlen müssen, son­dern daß wir auch den Bezug von Roh­stoffen sicher st ellen müssen, die wir für die Industrie gebrauchen. Wir wollen lieber einmal etwas weniger Fleisch, etwas weniger Fett oder weniger Eier essen, als erneut der Geißel der Ar­beitslosigkeit Raum geben. Mit seinem Führer ist das deutsche Volk entschlossen, die Lebensmittel­einfuhr auf das notwendige Mindest- m a ß zu beschränken. Aus diesem Grunde muß das ganze deutsche Volk nunmehr als Ergänzung zur Erzeugungsschlacht auch gegen den Verderb von Nahrungsmitteln kämpfen.

Wir rechnen mit einer Getreideernte von 22,6 Mill. Tonnen. Das sind 500 000 Tonnen mehr als die endgültige Ernteermittlung im Vorjahr. Das Schätzungsergebnis von Anfang September entspricht dem Mittel der Jahre 1930/35. In der Bilanz für das Getreidewirtschaftsjahr 1936/37 müssen wir weiter berücksichtigen, daß am 31. Juli 1936 in der Landwirtschaft noch rund 500 000 Ton­nen aus alter Ernte und 'm zweiter Hand noch rund 1,2 Mill. Tonnen Getreide vorhanden waren. Für das Getreidewirtschaftsjahr 1936'37 stehen insgesamt 24,3 Mill. Tonnen Getreide zur Verfügung im Vergleich zu einem Ge- samtverbrauch von 23,9 Mill. Tonnen 1935/36. Bei einer Beurteilung der Lage muß man auch die Ernte an Heu, Rüben, sonstigem Futter

Reichsorganisationsleiter Or. Ley auf einer Berliner Kundgebung der Arbeitsfront.

B e r l i n , 28. Sept. (DNB.) Der F ü h r e r u n d Reichskanzler hat auf dem Reich-Parteitag der Ehre erklärt, daßdie Deutsche Arbeits­front das vielleicht gewaltigste Monument der Erziehungsarbeit an unserem Volk ist". Berufserziehung nach der Schul- und Lehrzeit, die Ordnung der beruflichen Erwachsenen-Erziehung, sowie die Berufslenkung find Aufgaben von größ­ter politischer Bedeutung. Um diese Fragen in der breiten Oeffentlichkeit herauszustellen, hat das Amt für Berufserziehung und Be­triebsführung seine Referenten zu einer Reichsarbeitstagung nach Berlin gerufen. Auf einer Kundgebung in der Kroll-Oper führte Reichsorganisationsleiter Dr. Ley u. a. aus: Wmn es in Deutschland auch an besonderen Gütern der Natur fehle, so habe es doch in seiner Rasse mit das Beste, was die Welt überhaupt aufzuwei- sey habe. Es liege in diesem Menschentum em vn- aeheures Kapital, das zu nutzen unsere heiligste Pflicht sei. 3,5 Millionen Deutsche hätten heule einen falschen Beruf. Hier neue Wege zu gehen, sei eine der wesentlichsten Voraussetzungen für Erfüllung des neuen Vierjahresplanes. Zunächst einmal sei die Berufsberatung das A und O aller Arbeit. Es müsse einmal aufhoren, datz Not und Elend dem jungen Menschen seinen Lebensweg vorschreiben, und es müsse im Gegenteil alles ge­schehen, um ihn in der Entwicklung seiner Fähigkeiten zu unterstützen.

Zunächst sollten die jungen Menschen em Jahr lang an Eisen und Holz mit den einfachsten Werkzeugen hantieren. DieseRobinson-Erziehung könne vielfach in das letzte Schuljahr hineingelegt werden. Die Verhandlungen darüber seien emge- leitet. Vor allem aber müsse man sich davor hüten, die jungen Leute von vornherein zu einem Spe­zialistentum zu erziehen. Jeder Lehrling solle durch die harte, allgemeine Schule des Handwerks gehen, er müsse zunächst d i e n e n lernen und solle dabei auch die Leiden und Freuden eines selbständigen Handwerkers kennen lernen Das Handwerk hat die große Aufgabe, dem deutschen Volke die höchste Berufsausbildung zu neben. Diese Grundlehre beim Handwerk solle auf zwei Jabre ausgedehnt werden. Dann kommen die jungen Leute auf ein Jahr in d i e Lehrwerk­stätte, wo sie Spezialisten würden und an den modernsten Werkzeugen lernten Der Berufs­kampf beginne schon im letzten Schuliahr und setze sich in den Lehrjahren fort. Die Lehrzeit könne da­durch bei vielen beteiligten Lehrlingen abgekürzt werden. Mit dem Gesellewerden sei die Ausbildung nicht beendet. Wir werden den Gesellen genau so betreuen wie den Lehrling.

Wir verlangen, daß jeder junge Deutsche e i n Jahr durch Deutschlandwander t, um Deutschland und die Arbeitsweise tn den versch e- benen Landesteilen kennen 5" lernen. Cme Wirt­schaft muß eine gesunde Mischung von Groß-, Mittel- und Kleinindustrie und -betrieben haben. Es kann also nur ein Teil der Meist er selbständig werden. Wir werden bie|em Teil durch Personalkredite der DAF. zur Er­haltung der selbständigen Existenz verhelfen Wir wollen auch nicht mehr dulden, daß in den Betrie­

ben Meister beschäftigt werden, die nur Aufpasser und Antreiber fein sollen. Wer Meister im Betriebe ist, soll auch wirklich die Dinge meistern und ande­ren ein Vorbild sein. Auch der verantwortliche Be- tnebsführer muß M e i st e r sein. Er wird in unseren Reichsberufsschulen beweisen müs­sen, daß er tatsächlich einen Betrieb führen kann. Wir werden mit fahrbaren Wanderschu-

l e n ins Land gehen, werden einen umfangreichen Lehrstoff in Form von Büchern anlegen und Ge­sellen- und Lehrlingsheime im Zusammenwirken mit der Hitlerjugend bauen. Dr. Ley betonte in diesem Zusammenhang, daß die konfessionel­len Gesellenheime, auch die getarnten, nicht mehr länger geduldet werden könnten.

9er Reichserziehungsmimüer kündigt Aeuordmmg des Schulbesuchs der höheren Schulen und Studienresorm an.

Reichserziehungsmmister Rust sprach über die Bedeutung der Zusammenarbeit zwischen dem Reichserziehungsministerium und dem Reichsorganisationsleiter. Der Staatsbürger­unterricht, so erklärte er u. a., könne vom Lehrplan a b g e s e tz t werden, da jeder Deutsche jetzt von seiner Jugend bis zum letzten Tage sei­nes Lebens eine lebendige staatsbürgerliche Beleh­rung habe. Man werde ganz eindeutig darauf hin- fteuern, eine Schule zu schaffen, in der der l ei­st u n g s f ä h i g st e und beste Arbeiter heran­gebildet werde. Die Berufsschulen könnten in den verschiedenen Sparten grundsätzlich zusammen­gehörender Handwerke eine ganz hervorragende Ausbildung erzielen. Neben der Berufsführung könnten für Gesellen Fachschulen und für Meister Hochfachschulen stehen. Aufgabe des Staates sei die ständige Ueberprüfung der Leistun­gen. Für die Ausbildung der Lehrer in den Berufs­schulen sollten Hochschulen für Berufsbil­dung geschaffen werden. Die erste derartige Schule werde voraussichtlich im nächsten Jahre gegründet. Mit vier bis fünf derartigen Hochschulen werde man in Deutschland auskommen. An^ Ende stehe die allgemeine Berufsschulpflicht in Deutschland.

Der Minister gab bekannt, daß bereits am nächsten Ostern in den höheren Schulen die Zahl der Schuljahre herabge­setzt werde. Statt bisher vier Jahre Grund­schule und neun höhere Schule, werde ab Ostern die zwölfjährige Schulzeit einge­führt. Weiter richtete der Minister an die deutschen Studenten eine ernste Auf­forderung, daß bereits in allernächster Zeit große Anforderungen an fie gestellt würden. Man müsse vom siebenmonatigen Se­me st er zum vollen Studienjahre kommen.

Die Reichsfrauenführerin Frau Scholz-Klink sprach über Ausrichtung, Erziehung und Schulung der deutschen Mädchen. Hauptamtsleiter Claus ©eigner schloß die große und eindrucksvolle Kund­gebung mit einem begeistert aufgenommenen Sieg- Heil auf den Führer.

Sie Herbstübung der national- politischen Erziehungsanstalten.

Berlin, 28. Sept. (DNB.) Die nationalpoliti­schen Erziehungsanstalten Preußens vereinten vom 19. bis 27. September 1936 etwa 2500 ihrer Schüler von den Jahrgängen der Untertertia ab zu einer großen Herb st Übung und einem an­schließenden Zeltlager in der Lüneburger Heide. Bei der Hebung hatte die AbteilungRot" im Raume zwischen Lüneburg und Helzen den Vor­marsch nach Bispingen zu versuchen, während Blau" diesen Vormarsch aufhalten sollte. Das Ge­ländespiel wurde auf beiden Seiten unter Ver­wendung von motorisierten Kräften, Spähertrupps mit Feldtelephonen, auf Fahrrädern und zu Pferde durchgeführt. Am 22. September 1936 trafen sich sämtliche Abteilungen in der Heide südlich Lüne­burg, wo in der Nähe der Ortschaft Melbeck an dem Flüßchen Ilmenau ein Zeltlager errichtet wurde, das bis 29. September die Jungmannen und ihre Erzieher beherbergt. Neben dem Zeltlager wurden auf einer zum Sportplatz hergerichteten Schafweide sportliche Wettkämpfe ausgetragen. Die musische Seite der Erziehung kam bei den abend­lichen Feierstunden in einem Heidetal zu ihrem Recht. Jeweils drei Anstalten waren an der Aus­gestaltung einer Feierstunde beteiligt. Am 26. Sep­tember 1936 besuchte Reichserziehungsminister Rust in Begleitung des Inspekteurs SS.-Gruppen- führer H e i ß m e y e r das Lager. Die Jungmannen zeigten den Stand ihrer Ausbildung in motorfporb l ich en, reiterischen und tunerischen Hebungen an den üblichen Geräten, im Boxen, Ringen, Tau­ziehen, in Bodenübungen und im Marine- und Morsewinken sowie im wettkampfmäßigen Legen von Fernsprechleitungen. Der Reichserziehungs­minister konnte ihren Leistungen und ihrer Hal­tung seine uneingeschränkte Anerkennung aussprechen.

und insbesondere Kartoffeln berücksichtigen. Di,e Kartoffelernte verspricht in diesem Jahr besser zu werden als 1935. Auch der sonstige An­fall an Futtermitteln wird voraussichtlich gut sein.

Unfere Versorgungslage bietet in der Brotver­so r g u n g keinen Anlaß zu Besorgnissen. Da. die Ernte an Brotgetreide sich auf insgesamt 12,15 Millionen Tonnen beläuft und für die menschliche Ernährung nur etwa 8,7 Millionen Tonnen benö­tigt werden, kann die Landwirtschaft das Abliefe­rungssoll an Brotgetreide erfüllen. An Speise- kartoffeln werden für die menschliche Ernäh­rung nur etwa 12 bis 13 Millionen Tonnen Kar­toffeln oder rund 30 v. H. einer Normalernte be­nötigt. Der Speisekartoffelbedarf kann also reich­lich gedeckt werden. Die Ernte an Zucker­rüben wird aller Voraussicht nach die des Vor­jahres übertreffen. Don der Gefamtmilch - erzeugung von etwa 23 bis 24 Milliarden Li­ter im Jahr werden höchstens 30 v. H. als Trinkmilch benötigt. In der Trinkmilchversor­gung sind also keine Schwierigkeiten zu erwarten, zumal die Milcherzeugung sich'in diesem Jahr auf einem höheren Stande hält als 1935/36. Daher ist auch die Butterversorgung günstiger als im Vorjahr. Wir haben heute außerdem noch recht erhebliche Mengen von Butter in unseren Kühl­häusern. Vorläufig liegt die Buttererzeugung er­heblich über dem vorjährigen Stand.

Die Butterversorgung läßt sich aber nicht ohne Berücksichtigung der übrigen Fette betrachten. Wir sind in hohem Maße von der Einfuhr abhängig. Als der Nationalsozialismus die Macht übernahm, wurden nur etwa 40 v. H. des deutschen Fettbedarfs durch inländische Erzeugung gedeckt. Heute schaffen wir aus eigener Kraft etwa 50 bis 55 v. H. Das Fettproblem ist das schwie- r i g ft e unserer Nahrungsmittel - Versorgung. Die Jnlandsfetterzeugung wird aber in diesem Jahr voraussichtlich g ü n st i g e r sein als im vergange­nen. Dies wird auch deswegen der Fall sein, weil der Schweinebestand erheblich größer ist als im Vorjahr.. Nach der letzten Schweinezählung von Anfang Juni 1936 hatten wir etwa 2 Millionen Schweine mehr als im Juni 1935. Mit dem Heran­wachsen der Ferkel ist auch eine Entsvannung an den Schweinemärkten zu erwarten. Die Rind­fl e i s ch v e r s o r g u n g hat sich im Zusammenhang mit der allmählich zu Ende gehenden Weidezeit ver­bessert. Der Bedarf kann jedoch bei der großen Nach­frage im Augenblick noch nicht voll gedeckt werden, insbesondere auch, weil Gefrierfleisch nicht mehr in dem Umfang der letzten Wochen und Monate zur Verfügung steht. Man rechnet aber mit einer weiteren Zunahme der Marktbeschickung mit Rin­dern. Die Eierversorgung dürfte voraussicht­lich in den kommenden Wintermonaten glatt ver­lausen. Wir verfügen noch über Kühlhausbestände, die über der Gesamtlagerung des Vorjahres liegen und die im vergangenen Jahr schon im August und September infolge der Fleisch- und Fettknappheit sehr stark in Anspruch genommen waren.

Unsere Ernährungslage bietet zur Beunruhigung keinen Anlaß. Das deutsche Volk wird i m m c r satt werden können. Wir wissen jedoch, datz unsere Abhängigkeit vom Ausland auf Teilgebieten der Nahrungsmittelversorgung noch erheblich ist. Dies verpflichtet uns, j e d c Verschwendung von Nahrungsmitteln zu unterlassen.