Ausgabe 
29.8.1936
 
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Wandern und Reisen Lader und Sommerfrischen.

die

Wanderfahrten

heiter wie die des

und

ward es Napoleon I. zur Raststätte auf der Flucht.

unsere Hindeburg!"

Nervös-Erschöpfte

191 v

und rheumatische Leiden

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den die

seiner Men-

Schächten des Verkehrswege Felda vor-

Eine Einladung

an dieser Stelle z. Besuch Ihres Hauses führt zu Gästen aus

Gießen u.Oberb

Das Jahrzehnt nach dem Kriege brachte die neue Brücke über die Ravennaschlucht und die Dreiseen­bahn mit der höchsten Eisenbahnstation Deutsch­lands. Aus dem abenteuerlichen Mann im Pelz waren tausende junge Skiläufer mit bunten Zipfel­mützen geworden, und auf den Feldberg war es vom Bärental gerade noch ein Sprung. Aber Deutschland mehr Herzbruder als Simplizissi- mus versuchte immer noch, den Leidensweg auf ungekochten Erbsen zu gehen, bis Adolf Hitler ihm ein Paar neue Stiefel mit besseren Einlagen schenkte.

söhnt. Wie eine Verheißung steigt aus dem Ton» nendüster der Seebuck und reicht dem Himmel Die Hand.

langzieht und von der Felda, einem Nebenfluß der Werra, großenteils besäumt wird. Auch die Vorderrhön trägt die Merkmale, die schon Goethe an dem ganzen Gebirge rühmte: Aus vulkani­schem Ursprung aufschießende Kuppen in mannig­faltigen Gruppen und Mischungen geben der Landschaft ein Formenspiel, das etwas Selbstge­nügsames, Entrücktes aufweist.

An den Talstraßen aber hat sich seit vielen Jahrzehnten bodenständiger Gewerbefleih entfal­tet. Er bietet ein auffallendes Widerspiel zu der einsamen Gelassenheit, mit der die Berge das Flußtal geleiten, doch auch ein Beispiel volks- gesunder Mischung von Ackerbau und verarbei­tendem Geschick. So hat diese früher wenig wirt­liche Heimat trotz steinigem Boden und rauhem

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fläche in einigermaßen ebener Verbindung, um aber von dort ab sogleich die Gestalt eines schma» len, mehrere hundert Meter langen Grates anzu. nehmen, der aber überall gut begehbar ift. Der schmale Pfad, der vom Ostende zum Bahnhof Eller hinabführt, ist nur rüstigen und sicheren Gehern zu empfehlen, wird diesen aber vielen Genuß bereiten. DerVierseenblick" entschädigt schon allein für die nicht ganz leichte Besteigung des Bergmassivs.

Die Züge, die den Bahnhof Eller in der Rich- tung nach Bullay verlassen, überqueren die Mosel, durchfahren drüben den Tunnel, der den Petersberg durchsticht, und erreichen an der anderen Seite bereits nach einigen hundert Me­tern den Bahnhof Neef. Sie schneiden damit die Moselschleife ab, auf deren nördlichen Abschnitt der Calmond hinabblickt und an deren Westende Bremm liegt. In die Landzunge gegenüber Bremm hinein verflacht sich der Petersberg: unter seinem Ausläufer, dessen Rücken schonen Wald trägt, erhebt sich aus saftigem Wiesengrund nahe dem Ufer die ungemein anmutige Kloster- ruine Stubben. Zum Petersberg steigt man von Neef zwischen Weingärten hinan, wahrend zur Linken Bahn und Fluß immer tiefer sinken. Hier wie am Sollig und am Calmond sieht man sich zu nachdenklichen Betrachtungen darüber ver­anlaßt, wie sehr mühsam, zumal durch die manch­mal fast unvorstellbare Steilheit der Lagen, die Arbeit des Moselwinzers ist.

Der Friedhof der Neefer droben auf dem Petersberg, das muß auch der Vielgewanderte bezeugen, ist einer der schönsten in deutschen Lan­den. Fast unmittelbar neben dem Friedhof er- hebt sich das Eulenköpfchen, dessen Fels- zinne einen entzückenden Talblick nach der Seite von Neef und Aldegund bietet. Wer aber einen noch umfassenderen, auch die Nordseite einbe­ziehenden Ausblick sucht, darf die geringe Muhe nicht scheuen, vom Friedhof in südöstlicher Rich­tung zu der hervorragenden Aussichtswarte on- zusteigen, der der Name des Reichsarbeitsdienst, führers verliehen wurde. Mit der Herrichtung und Ausgestaltung der Oberst-Hierl-Höhe hat sich das Lager Eller des Reichsarbeitsdienstes ein bemerkenswertes Verdienst erworben.

Von der Oberst-Hierl-Höhe, die müheloser als Sollig und Calmond zu erreichen ist, in südöst­licher Richtung weiterzuwandern und den dort aufragenden Hoch kessel zu ersteigen, muß den Freunden eines einsamen Bergwaldes angeraten werden. Der Hochkessel blickt bereits in die Süd- ostecke des Kochemer Krampens hinein. Man wird von ihm nach Senheim oder nach Neef absteigen und feststellen, daß für die massige, ansehnliche Kuppe ein treffenderer Name nicht hätte gefun den werden können.

Meter hoch, bildet er mit dem Eisenacher Haus nahe der Feldaquelle ein Ziel wechselnder Fern­sichten. Von Fichtenwänden durchzogen, grüßen seine Hänge eine große Nachbarschaft entblößter,

Auf ins schöne Maintal Freudenberg Perle des Maintals umgeb.v.Laub-u.Tannenw.,schon, ^reib.biet. herrl.Sommeraufenth. Gasth. u. Pens.Zur Rose. Sch.FremdA. fl.Waller, gute Vervfl/Pens.-PreiS t).3.30 an.Bes.Hugo MN.Prosp.b.GA»

der aus-

Winke für Mose Wanderer.

Von Ernst Maste

Die Auffassung, daß man vom Schiff, von Bahn oder vom Kraftwagen aus eine

kürzlich erlassenen Richtlinien zur Bekämpfung des verfälschten Brauchtums und des Andenkenkltfches, hat der Präsident der Reichskammer der bildenden Künste die Erzeugung, Verbreitung und Vermitt­lung des Absatzes von Reiseandenken, Relsenut- bringseln und dergleichen als eine kammerpflich­tige Tätigkeit erklärt. Gleichzeitig wird angeord­net, daß sich alle juristischen und natürlichen Per­sonen, die auf diesem Gebiete tätig sind, über den zuständigen Landesleiter bis zum 1. Oktober 1936 anzumelden und gleichzeitig ein V e r z e l ch - n i s der einschlägigen, von den Anmeldepflichtigen erzeugten, verbreiteten oder vermittelten Gegen­stände beizufügen haben. Damit wird ein allge­meiner Genehmigungszwang für Erzeugung, Ver­breitung und Vermittlung des Absatzes von Reise­andenken durchgeführt, der in absehbarer Zeit zu einer Beseitigung allen Reiseanden­ken-Kitsches führen wird.

reichende Kenntnis einer Landschaft erwerben könne, ist für das Moseltal ebenso unzutreffend wie für das Rheintal. Hier wie dort wird nur der Wanderer, der die Uferhöhen besteigt, die ganze Eigenart und den vollen Reiz der Landschaft er­kennen und erleben. Das gilt in ganz besonderer Weise für das abwechslungsreiche Moselland zwischen Kochem und der Marien­burg. Kochern mit seinem Schloß und der Winneburg ist bekannt, und auch die Namen Beilstein, Marienburg und Bad Bertrich haben seit langem den verdienten guten Klang. Das ist aber bei weitem nicht alles, was es dort zu sehen gibt.

Wer von Bullay nach Alf übersetzt, blickt gegen die steile Ostwand des Sollig, den wir von Alf aus besteigen. An einer Kapelle und einem Aus­sichtstempel oorbei geht es auf Weinbergswegen steil bergan; schön sind die Rückblicke auf Alf, Bullay und die Marienburg. Wo der Weinbau endet, beginnt eine Niederwaldzone, die die ganze breitgelagerte, fast 400 Meter Höhe erreichende Gipfelkuppe umfaßt. Oben trifft man ein Aus- sichtsgerüst an, das eine eindrucksvolle, eigen - artige Aussicht erschließt. Die sanfte Aufwölbung der Kuppe verbietet den Blick in den unmittelbar zu Füßen liegenden Abschnitt des Moseltals, doch sieht man dafür nicht weniger als drei' andere Stellen des gewundenen Flußlaufes: oberhalb der Bullayer Brücke, bei Briedel und bei Reil. Und bann Berge oder Hochfläche, wohin das Auge blickt! Prächtig heben sich etwa die das Bertricher Tal begleitenden Berge heraus, aber auch sonst ragt in Nähe und Ferne manch stolze Höhe em­por, so daß es auch dem Anspruchsvollen schwer fallen wird, sich von dem schönen Rundbilde los- zureißen.

Dom Sollig vermag man über das Höhendorf Beuren zum Calmond zu gelangen, der 378 Meter Höhe erreicht und auch von Bremm ober der Nordseite her erstiegen werden kann. Er ist einer der schönsten Moselberge! Mit einer unge­wöhnlich steilen und felsdurchsetzten, breiten Süd­wand fällt er gegen den Flußabschnitt zwischen dem prächtig gelegenen Bremm und der euerer Eisenbahnbrücke ab, um sich von Norden und Osten kaum weniger schroff aus dem Ellerbach­tal zu erheben. Nur im Südwesten, in der Rich­tung auf Beuren, steht er mit der dortigen Hoch-

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Berge und Menschen der Vorderrhön

Von Or. Siegfried Brase.

Weilburg Merenberg Mengerskirchen knoten Driedorf.

Diese lohnende Westerwaldwanderung beginnen wir in Weilburg, dem reizvollen Lahnstädtchen. Wir gehen schwarzen Strichen nach, die uns auf guter aussichtsreicher Straße nach Merenberg bringen. Hier besteigen wir die Burgruine, um uns an dem herrlichen Rundblick zu erfreuen (Turmschlüssel in der Wirtschaft am Fuß der Ruine) und wandern bann über die Dörfer Bärig, Reichenborn und Rückersbach am Seeweiher vorbei nach dem hoch- liegenden Mengerskirchen, einem Flecken mit altem Schloß. In der Nähe liegt versteckt eine verfallene Ruine, die Mayenburg. Der weitere Weg führt über Arborn hinauf zum 604 m hohen Knoten, wo sich uns ein schöner Blick über den hohen Westerwald erschließt. Ferner sehen wir Greifenstein, Großer und Kleiner Feldberg, Hohensolms, Dünsberg und Himberg. Vom Knoten wenden wir uns abwärts über Münchhausen nach Driedorf, einem alten Städtchen mit zwei Ruinen, das im Mittelalter in hoher Blüte stand. Von Driedorf fahren wir über Herborn wieder zurück. Wanderzeit etwa 6 Stunden.

Und jetzt im sechsten Jahrzehnt die erste neue Fahrt. DerHollentäler" legt jetzt eine weite Bumerangschleife um die Stadt, bevor er in der | Wiehre ganz ernst macht. Die Kreuzblume des I Münsters winkt noch einmal, und schon hinter Lit- tenroeiler, dem köstlichsten aller Freiburger Vororte,! liegen die Bauernhöfe tief gebettet in den saftigen Matten. Im hohen Gras stehen die Mähder und hauen zu. Aus Wolkentürmen fallen blendende Lichter auf die blauen Berge. Im Himmelreich fan­gen die Wasser an zu rennen und zu raunen, und zwischen den schwarzen Hirschsprungfelsen brodelt und schäumt die Hölle. Der Atem geht immer tiefer. Harzduft füllt die Nüstern. Inseln blauer Wunder­blumen wechseln mit Wildnissen von Huflattich. Aber die olivengrün gestrichenen Hochspannungsmaste an der Bergseite sieht fast kein Mensch. So voller Ehr- Kt vor der Natur ist die Strecke elektrifiziert en. In vier Sprachen hört man diesen Takt gegen die Schöpfung loben. Aus den Leitungen singt der elektrische Strom, dem Wind und dem Wasser verwandter als der puffende Dampf, und hebt uns hinauf in die birkenweiße Moränenland- schäft des Titisees. Auch die Taubenwirtin ist Der-

Dicht über Vacha und seinem alten Stvrchenturm ragt die Kuppe des O e ch s e n, ein vorgeschicht­licher Kultplatz, empor. Ein Sonnenuntergang hier oben erlebt, ist ein lohnender Auftakt zur Rhön- Wanderung. Die geschwungene Linie vieler Kup­pen und Kegel schließt im Westen der große bläu­liche Hintergrund der Hohen Rhön ab. Als Nach­barn reihen sich diesem Ragpunkt bis in 700 Meter Seehöhe der Dietrichsberg und der Baier zum Kleeblatt an, nordwärts von einer anderen Gruppe, den neun Bergen desHessi­schen Kegelspiels" gegrüßt.

Zu Füßen des Baiers liegen an der Felda, zwischen Waldsäumen und geblümter Aue, S t a d t-L e n g s f e l d, aus dem Porzellantassen in alle Welt gehen, und der Flecken Dermbach mit einem ehemaligen Fuldaer Fürstenschloß und stattlichen Kirchen. Unweit von hier, wo 1866 der letzte Bruderkampf zwischen Preußen und Bayern entbrannte, findet man einen Bestand tausend­jähriger Eiben. Heimische Holzschnitzerei dieses Bezirkes reicht auf lange handwerkliche Ueberlie- ferung zurück; unter einem der steilen Rhön- basaltbrüche stellt man für den Wandersmann die Thermosflasche her. In und um Kalten­nordheim, neben den Zeugen heimischer Ge­schichte, Schloß und ragender Wehrkirche, zim­mern Werkstätten Tisch und Schrank für junge Paare weithin, ist außer vereinzelten Webstühlen seit alters der Peitschenmacher zu Haus, aber freilich durch die Motorisierungunter die Räder gekommen". In den bergumfaßten Dörfern eines einsamen Seitentals werden Puppen und Gobe- lingemebe hergestellt, die aus geschickten Frauen­bünden nach der alten kunsthandwerklichen lieber» lieferung entstanden.

Das mittlere Feldatal wird von dem hohen Nacken' des Gläsers beherrscht, auf dem eine Hütte zur Rast lädt. Südlich heben sich schwei- |sende Matten dem Ellenbogen au; an 900

...nach Herzenslust Mensch sein!

Das Geheimnis derMünchner Stadt".

Von K. Krieger.

Fast jede deutsche Stadt hat ihre charakteristische Merkwürdigkeit, um derentwillen man sie liebt: so etwa Köln seinen Dorn, Hamburg die Alster, Pots­dam sein Sanssouci. Wer aber München mit einem Wort sinnfällig kennzeichnen wollte, der hätte es schwer. Die Residenz ist ein berühmter, wunder- voller Bau aus vier Jahrhunderten, aber sie allein ist nicht München. Die Kirchen sind einzig in ihrer Art, aber wirklich nicht die Hauptanziehungskraft der Stadt. Das Deutsche Museum, die Kunst- Sammlungen, die Ludwigstraße und die in die Zu­kunft weisenden Bauten des neuen Deutschlands um den Königlichen Platz das alles ist Kultur, Er­bauung, Andacht, aber keines für sich allein ist München. Auch anderes, was diesseits von Gut und Böse liegt, das Münchner Bier zum Beispiel, der Münchner Fasching, das Oktoberfest oder die Nähe der Berge sie alle gehören zum Inbegriff München", gehören zu einer Stadt, die alle Augen heller strahlen läßt, sobald jemand draußen in der Welt von ihr erzählt.

Natur, Resident, Museum undEwige Wacht", alles zusammen ist München! Es geht einem mit dieser Stadt wie mit einem lieben Menschen. Er ist als Ganzes schön und wert, und wenn einer fragen wollte, was man am meisten an ihm liebe, das Auge, die Gestalt, eine Hand, man wüßte es nicht und fände erst nach langem Suchen die Antwort: am innigsten zu schätzen sei das Ungreif­bare, das Wesen.

Das Gemüt ist auch Münchens bester Grundzug, nicht, weil es im Lied vomAlten Peter" immer wieder sich vorstellt, nicht wegen der Ländlerfreu­digkeit in Schwabing oder Giesing, auch nicht wegen der jovialen Herablassung des Dienstmannes am Münchener Hauptbahnhof. Die Gemütlichkeit der Münchener Stadt steckt tiefer; sie liegt in der ein­zigartigen Stellung, die ihre Bewohner zum Leben einnehmen. Sie nehmen das, was sich auf Erden hier begibt, nicht als letzte Offenbarung. Ein Spa­ziergang in der ersten Frühlingssonne ist den mei­sten wichtiger als hundert Telephonanrufe im Büro, und selbst für Münchener Bankdirektoren kann etwa ein Tag in den nahen Bergen mehr bedeuten als ein Gang zur Börse.

Heber solche Eigenschaften seiner Ureinwohner ist München oft schön der Rückständigkeit, sogar der begriffsunsicheren Enge geziehen worden. So ein Urteil gibt freilich nur ab, wer München bloß vom Umsteiqen im Bahnhof her kennt. Ist derZi^ gereiste" erst selber seßhaft geworden, fühlt er sich in München wohler als bei sich zu Hause. Denn

KleineWettgeschichie imHöllental

Schwarzwalderinnernngen von Ant Fendnch

RDV. Für mich begann die kleine Weltgeschichte im Höllental genau vor fünfzig Jahren. Das Si­gnal gab der Postillon vom hohen Sitz einer mäch­tigen gelben Kutsche. In der rechten Faust hielt er die Zügel von sechs scharrenden Pferden, mit der linken preßte er das Horn an die Lippen. Unter Trara ging es in der ersten Morgenfrühe über das holprige Pflaster zum Freiburger Schwabentor yinaus. Im Augenblick, als das Posthorn den Schläfern ringsum zu Gemüte führte, daß es noch andere Welten gab als die ihren, hob sich an einem Hause sanft ein Fenstervorhang. Dahinter wurde im hochgeschlossenen Nachtgewand ein Mädchen sicht­bar. So schön erschien es dem zum ersten Mal in die Welt Reisenden, daß ihm durchs ganze Himmel­reich bis zum Postwirtshaus mit den zwei schnä­belnden Tauben nichts von dem offenbar wurde, was man damals mit einem neuen Wort: die Landschaft nannte. Und er war doch so sehr darauf aus gewesen. Es lebte mehr Himmelreich in ihm als um ihn herum.

Kirchgöns Kleeberg Köhlerberg Vrandoberndorf Schornfeld Vuhbach.

Mit Sonntagskarte Butzbach fahren wir nach! Kirchgöns, wandern von hier ohne Zeichen über Nieder- und Oberkleen nach dem malerisch an den Berghang gelehnten, von einer Burg bekrönten: Kleeberg mit guten Gasthäusern. Der weitere Weg führt uns über den bewaldeten Köhlerberg nach Vrandoberndorf mit vielen wohlerhaltenen, teilweise mit reichen Schnitzereien und Malereien gezierten Fachwerkhäusern. Auch wird hier noch vielfach die alte hessische Tracht getragen. In Vrandoberndorf treffen wir blaue Striche, die uns nunmehr bis zum Schluffe das Geleit geben. Nachdem wir ein kurzes Stück in dem lieblichen Solmsdachtal aufwärts ge­gangen sind, führt uns das Zeichen über die die Landschaft beherrschende Höhe des Schornfelds 438 m mit hübscher Aussicht nach Norden und hierauf in angenehmem Wechsel von Wald und Feld am gastlichen Forsthaus Butzbach vorüber, zuletzt

einen Pfiff, brauste in einen Tunnel und der Thüringer Kaligebiets, führen

Spuk verschwand. an Waldwiesen der forellenreichen

* bei; nebenan leitet das nächste Rhöntal, das Tal

Und dann 1916: derHöllentäler" fuhr nicht der Ulster, in das Zentrum des Gebirges, der mehr oft. Deutschland mußte Kohlen sparen. Bei Wasserkuppe zu. Zwischen beiden Gründen ist das Kriegsbeleuchtung war nicht mehr gut lesen. Werrastädtchen Vacha, unweit des Solbades Deutschland mußte an allem sparen. Und als ich Salzungen, nördliche Eingangspforte zur zum Weihnachtsabend ins Hauptquartier-Ost fuhr, Rhön. Es überrascht mit einem der schönsten mit­kam im letzten Augenblick schnaufend ein altes teldeutschen Rathäuser, dem breiten, hochgestockten Mütterchen an den Zug in Hinterzarten, streckte Fachwerkbau der Widemark; auf einen hessischen mir ein in Papier gewickeltes Stück Speck durchs Kriegsoberst des 17. Jahrhunderts zurückgehend, Fenster und sagte, nach Atem ringend:Für , ~ " ' v "

Auf der Leipziger Herbstmesse wird Reichskammer der bildenden Kun st e mit einer Reiseandenken-Sonderschau vertreten fein, die in wirksamster Weise Anschauungsunterricht er­teilen will, wie Reiseandenken beschaffen sein müssen, um deutschem Werkschaffen und Brauchtum Ehre zu machen. Anknüpfend an die vom geschästs- führenden Präsidenten desReichsausschusses für Fremdenverkehr", Staatsminister a. D. H. Esser,

Kampf demKiischimIremdelwerkehr.

Reiseandenken-Wander schau aus der Leipziger Herbstmesse.

überfonnfer Berggesellen. Entgegengesetzt führt ein Wanderweg über die Hohe Geba oder die Ruine Henneberg, Stammsitz eines berühm­ten Grafengeschlechts, in den Werragrund hinab, der bei Meiningen sich malerisch in die Senke zwischen Rhön und Thüringer Wald bettet. Gün­stige Kraftpostverbindungen erleichtern die Zu- und Uebergänge, wo die Bahnen aufhören, so auch zwischen Kaltennordheim und Fladungen.

Hier rafft sich der bayerische Vorhang der Rhön, läßt aber noch einem versprengten Thü­ringer Bezirk Raum: durch seine alte Kirch­feste und die an einer nahen Waldhöhe emporge­reckten Mauern der Lichtenburg nimmt Ostheim gefangen. Südwärts senkt sich das Vorgebirge zur Fränkischen Saale; dort überragt Neustadts vielberühmte Ringmauer der Bergfried der S a l z- b u r g, einer Kaiserpfalz, deren Umfang einst Deutschlands größten Burgen kaum nachstand. Für diese Südseite bildet der Kreuzberg mit seinem Kloster und den Wallfahrtsstationen auf dem Gipfel die beherrschende Höhe. Hat man ihn erstiegen und ist so in den Gebirgskern gedrun­gen, dann lockt mit kräftigsten Massen und Wöl­ben die benachbarte Hohe Rhön nach ihrer Um­streifung zu einer abschließenden Wanderung.

Man wird klüger und älter. Ein kleines De­zennium ist bald vorbei. Ich war in die tiefver­schneite Heimat zurückgekehrt. Die Wirtin zu den Zwei Tauben" gab mit wohlwollend in die brei­ten Hüften gestemmten Armen diesmal geradeso darauf acht, daß der Gast ja nicht zu wenig Brot, Butter und Honig zum Kaffee bekäme wie zehn Jahre vorher bei dem einstigen Primaner. Aber als hoch hinter dem Haus über die von italienischen Arbeitern gebaute Zyklopenmauer ein Zug paffte, wies sie geringschätzig mit dem Daumen nach oben auf den schwarzen Nebenbuhler, der nun ganz Falkensteig unten liegen und das stolze Reichspost­schild in einem Winkel verrosten ließ. Den Trost des Fortschrittes lehnte sie ab. Fast mit einem schlechten Gewissen wartete ich in Hirschsprung auf den Zug. Tapfer kam er mit feinen kurzen Wagen aus dem Felsenloch gefahren. Bis die kleine Schub- uiii ___________ . v

lokomotive hinten angetoppelt, bis gepfiffen und über den Schrenzer (schöner Blick über die Wetterau) wieder gepfiffen und schließlich das Zahnrad mit nacfj unserem Endziel Butzbach. Dauer der Wande- hörbarem Knacken in die Zahnstange eingefd)nappt rung 5ya Stunden.

war, marschierte eine in viel Pelz gehüllte Gestalt, zwei lange Bretter über der Schulter und mit einer Art Speer bewaffnet, ernst den Bahnsteig auf und ab. Nansen hatte im Jahre vorher sein Schiff im Treibeis verlassen, um den Nordpol auf Schnee­schuhen zu erobern. Er konnte das nicht tun, ohne damit auch im Schwarzwald den Schnee aufzu-, - ,- ;r. s.

wirbeln. Die Welt ift klein. Aber das Züglein Von Jahr zu Jahr ift -Hohe Rhon allge

staunt- über den alemannischen Eskimo. mein, bekannter geworden. Dazu haben vor allem

1 die jungen deutschen Segelflieger beigetra»

* . gen, die in diesen Tagen auf der Wasferkuppe

Das Jahrhundert wechselte die Nummer. Die jhx^n 17. Segelflu g-W e 11 b e ro e r b austra- Grohstädte erwachten aus ihrem steinernen Schlaf, gen Minderbeachtet blieb dagegen die Vorder- unb die ersten Wandervögel flogen auf, Kochkessel xhjjn, und doch verdient sie in mancher Hin- unb Lauten auf bem Rücken. Ein neues Jahrzehnt sjchz ausgiebigen Besuch. Sie bildet den Ostflügel wurde voll. Aus den Fahrten aus der Gotik des foe5 Gebirges, der sich von der Werra her a n Hochwalds hinab in die der Freiburger Brunnen & e r tljüringif ch-h essischen Grenze, die und Weinstuben und zurück las es sich gut. Die zugleich eine Sprachgrenze ist, nach Bayern ent» neuen Aussichtswagen waren bequem. Ein Blick'- ' - *- ~ ,v

aus dem Buch durchs Fenster und das Tal wurde lebendig: die Dinarier flüchteten vor Kelten und Germanen in die Bergwälder, bis drunten auf der Heerstraße des Rheintals wieder alles geheuer war. Die römischen Eroberer brannten bei Kirch­zarten ihre Ziegel mit der eingeprefjten Legions­zahl und schauten bei dem Geschäft vergeblich den Alemanninnen nach. Die Benediktiner zogen Psal­men singend hinauf nach St. Blasien, und der schwäbische Bauer fuhr mit feinem Wagen voll Talern von Tuttlingen durchs Himmelreich, um in Freiburg einzukaufen. Die Falkensteiner Knechte raubten die Kaufleute aus, die ihr schönes elsässisches Tuch von Straßburg nach Wien bringen wollten; verwundert sahen die alten Tannenriesen die Staats- , .....

karosse das Tal herabkvmmen, in der Marie Antoi- Klima ihre Menschen festgehalten. Sie sind nicht nette bem Schafott in Paris entgegenrollte, und abgewandert, sondern blieben ihren zuweilen noch Arm um Schultern wanderte Simplizissimus mit schindelgedeckten Hausungen, heimischem Lied und feinem wiederentdeckten Herzbruder der Baar zu, Brauchtum treu. Ihre schlichte, herbe Art ver­um von dort für seine Sünden auf Erbsen die schenkt sich nicht so leicht und Wallfahrt nach Einsiedeln anzutreten. Nicht ohne, benachbarten Thüringerlandes für feinen Teil wenigstens, vorher die Erbsen schen.

gründlich gekocht zu haben. Da tat die Lokomotive Von Dorndorf her, von